Arthur Koestler: Sonnenfinsternis

Während heuer die Long- und Shortlist zum Deutschen Buchpreis, der auf der Frankfurter Buchmesse vergeben wird, ganz an mir vorbeiging, hatten mich dagegen mehrere Titel auf der „Hotlist“ der unabhängigen Verlage gelockt. Und so war ich gerne dabei, als ich gefragt wurde, ob auch ich einen Beitrag für den Blog der Hotlist beisteuern würde. „Sonnenfinsternis“ von Arthur Koestler in der bisherigen Ausgabe steht bei mir schon lange ungelesen im Regal, die Entdeckung der Originalfassung und das Hotlistenlesen waren nun der geeignete Anlass, den Roman endlich auch zu lesen.

Dass ich damit die Rezensionen gestern auf dem Hotlistblog eröffnen durfte, freut mich natürlich. Und ebenso, dass heute ein zweites Buch besprochen wird, dass ich auch hier auf dem Blog schon aus vollem Herzen empfohlen habe.

Hier findet ihr alle Beiträge zur diesjährigen Hotlist: https://derhotlistblog.net/

Beide Bücher zeigen, was man den unabhängigen Verlagen zu verdanken hat: Sie haben den Mut, Klassiker und neue Literatur zu pflegen, die nicht auf die Masse schielt, sie geben besonderen Themen, auch der politischen Literatur, wie hier zu sehen, einen Raum, sie schauen (auch geographisch) weit über den Tellerrand hinaus.

Und nun zur Sonnenfinsternis:

„Seine ganze Vergangenheit war wund, sie eiterte bei jeder Berührung. Die Vergangenheit, das war die Bewegung, die Partei; auch Gegenwart und Zukunft gehörten der Partei; waren untrennbar mit ihrem Schicksal verflochten; aber die Vergangenheit war mit der Partei identisch. Und diese Vergangenheit war plötzlich in Frage gestellt. Der heiße, atmende Leib der Partei erschien ihm von Geschwüren überzogen, eiternden Geschwüren, blutenden Stigmen, aus denen die rostigen Nägel hervorragten. Wann und wo in der Geschichte hatte es jemals so defekte Heilige gegeben? Wann war eine gute Sache schlechter vertreten worden? Wenn die Partei den Willen der Geschichte verkörperte, dann war die Geschichte selbst defekt.“

Arthur Koestler, „Sonnenfinsternis“, 1940, 2018 nach dem wiederentdeckten Originaltyposkript im Elsinor Verlag, Coesfeld, erschienen.

Wenn es ein belletristisches Werk gibt, von dem man zugleich sagen kann, dass es nicht nur einen eine Epoche des Zeitgeschehens frühzeitig und hellsichtig aufgriff, sondern selbst dieses Zeitgeschehen prägte, dass es Geschichte schrieb und allein schon seine Entstehung wieder eine ganz eigene Geschichte ist, ja dann ist dies wohl „Sonnenfinsternis“ von Arthur Koestler.

Koestler, 1905 in Budapest in eine deutschsprachige jüdische Industriellenfamilie hineingeboren, beginnt seine Berufslaufbahn als Journalist: 1926, vom Zionismus begeistert, wandert er nach Palästina aus und sendet von dort erste Reportagen an die Zeitungen des Ullstein Verlags. 1930 kehrt er nach Berlin zurück, arbeitet als Redakteur und tritt ein Jahr später in die Kommunistische Partei ein. 1954 schreibt er über diese Zeit:

„Ich war 26 Jahre alt, als ich in die Kommunistische Partei eintrat, und dreiunddreißig, als ich sie verließ. Die Jahre dazwischen waren meine besten Jahre, sowohl dem Alter nach, als wegen der bedingungslosen Hingabe, die sie ausfüllte. Nie zuvor oder nachher schien das Leben so übervoll an Sinn wie während dieser sieben Jahre. Sie hatten die Überlegenheit eines schönen Irrtums über die schäbige Wahrheit.“

Die schäbige Wahrheit, das war das Aufkommen des Faschismus. Für viele Schriftsteller jener Generation wurde das revolutionäre Russland zum utopischen Gegenbild. Der Kommunismus als Vision einer Gesellschaft der Gleichen – zum Zeitpunkt der Moskauer Schauprozesse von 1936 bis 1938 ist dieser Traum für Arthur Koestler bereits ausgeträumt.

Nicht von ungefähr lässt Koestler daher auch die Hauptfigur seines Romans, den langedienten Volkskommissar Rubaschow, unsanft aus einem Traum erwachen. Rubaschow, der immer wieder im Schlaf von seiner Verhaftung im Ausland (gemeint ist damit wohl das nationalsozialistische Deutsche Reich), den anschließenden Verhören und der Folter träumt, wird dieses Mal von seinen eigenen Landsleuten aus dem Schlaf gerissen, verhaftet und wochenlangen Verhören ausgesetzt. Er wird der oppositionellen Gesinnung, der Verschwörung und eines Mordkomplotts an „Nummer Eins“ (unschwer zu erkennen, dass damit Josef Stalin gemeint ist) beschuldigt.

Rubaschow weiß, was auf ihn zukommt. Er erinnert sich an eine Fotografie der Delegierten zum ersten Parteikongreß, alle an einem langen hölzernen Tisch, Nummer Eins noch abseits am unteren Ende sitzend. Von diesem Bild, nicht von ungefähr an das Abendmahl erinnernd, leben nur noch wenige:

„Ihre Gehirne hatten das Schicksal der Welt verändert; dann bekam jedes seine Ladung Blei.“

Schon 1935 sieht Koestler das kommen, was später als „Große Säuberung“ bezeichnet wird. 1940 veröffentlicht Koestler, der inzwischen in England arbeitete, seinen zweiten Roman, „Sonnenfinsternis“. Das Buch, das am Beispiel des altgedienten Volkskommissars Rubaschow zeigt, wie die Revolutionäre der ersten Stunde unter Stalin den Säuberungen zum Opfer fallen, erregt Aufsehen. Insbesondere im Frankreich der Nachkriegszeit, als dort die Kommunisten kurzzeitig dominieren, wird der Roman leidenschaftlich diskutiert und über 400.000 Mal verkauft. Eine führende Zeitung schreibt gar, es sei der wichtigste Einzelfaktor gewesen, der zur Niederlage der Kommunisten in der Abstimmung über die Verfassung führte, so Koestler in seiner Biographie „Die Geheimschrift“ (1954). In mehr als 30 Sprachen übersetzt, entfaltete der Roman eine ungeheure politische Wirkung. Koestler, der sich selbst zunächst noch im linken Flügel der Labour Party engagierte und zeitlebens antifaschistisch aktiv blieb, wurde von den staatstreuen Kommunisten heftigst angefeindet.

Im deutschsprachigen Raum spielte dieses „Enthüllungsbuch“ nicht ganz dieselbe Rolle, wurde aber in entsprechenden Enzyklopädien und Aufsätzen zur politischen Literatur als eines der berühmtesten Werke über den Stalinismus immer mit aufgeführt, gleichbedeutend neben den Romanen von Orwell und den Gulag-Erzählungen von Solschenizyn. Zugleich wurde Koestler auch hier für sein Werk angefeindet, beispielsweise von Ernst Bloch und Robert Havemann, der „Sonnenfinsternis“ als Propaganda des „Klassenfeindes“ abtat.

Dass der Roman jetzt, 2018, in den deutschen Medien wieder breit diskutiert und von vielen Menschen gelesen wird, hängt mit zwei Faktoren zusammen. Zum einen ist „Sonnenfinsternis“ heute, da in ganz Europa der Zulauf zu den politischen Extremen rechts und links zunimmt, wieder von hoher Aktualität. Zum anderen ist die Geschichte hinter dem Buch abenteuerlich genug. Während Koestler an dem Buch arbeitete, übersetzte seine Freundin Daphne den Text ins Englische. Im Chaos der Flucht ging jedoch das deutsche Originalmanuskript verloren, für den deutschen Buchmarkt musste Koestler „Sonnenfinsternis“ praktisch aus dem Englischen zurückübertragen.
Das Original galt als verschollen. Bis der Kasseler Germanistik-Doktorand Matthias Weßel durch eine Computerrecherche 2015 im Archiv der Universität Zürich auf einen Eintrag stieß: Tatsächlich war die erste Textfassung, mit handschriftlichen Anmerkungen Koestlers, vorhanden.

Die Originalfassung macht im Vergleich zur von Koestler später überarbeiteten Rückübersetzung an Stil und Sprache auch deutlich, unter welchen Umständen „Sonnenfinsternis“ entstand. Die Hetze, das Ungewisse, das ein Leben auf der Flucht prägt, wird bemerkbar, macht das Buch aber auch umso authentischer. Dieses wiederentdeckte Manuskript, das nun im 2006 gegründeten unabhängigen Elsinor Verlag erschien (der „Sonnenfinsternis“ in der „alten“ Fassung bereits im Programm gehabt hatte), bescherte dem Roman und dem Verlag nun große Aufmerksamkeit.

Zu Recht: Denn „Sonnenfinsternis“ beschreibt nicht nur eine geschichtliche Epoche, die man überwunden glaubte – zumal man nicht wissen kann, wohin die neue Entwicklung unter Putin führen wird. Sondern der Roman wirft die großen Fragen nach Schuld und Sühne auf (im Verhör diskutieren der Gefangene Rubaschow und sein Gegenspieler eben diesen Roman von Dostojewski): Heiligt der Zweck alle Mittel? Dient eine Revolution den Menschen, die dem Individuum alle Rechte, selbst das wichtigste, das Recht auf Leben, abspricht? Sind politische Utopien angesichts der menschlichen Disposition nicht sowieso von vornherein zum Scheitern verurteilt?

Rubaschow, dessen Schicksal angelegt ist an jene von Leo Trotzki, Karl Radek und Nikolai Bucharin, erkennt im Lauf der Verhöre, wie er sich selbst schuldig machte, weil er die Menschheit über den Menschen stellte. Und obwohl im Lauf seiner Inhaftierung seine Zweifel am System, seine Kritik an „Nummer Eins“ (Stalin wird namentlich nie genannt) wachsen, bekennt er sich am Ende der Vorwürfe, die haltlos sind, schuldig. Er stellt sich ein letztes Mal in den Dienst der Partei.

Als Koestler dieses fiktive Verhör schrieb, wusste die Außenwelt noch nicht sehr viel über die inneren Vorgänge in der Sowjetunion. Man staunte, warum sich langjährige Parteimitglieder einer demütigenden öffentlichen Gehirnwäsche unterwarfen. Erst später wurden Protokollauszüge solcher Verhöre bekannt. Umso hellsichtiger durchschaute damals schon der Autor die Mechanismen des Stalinismus.

Die Verhöre, die in geschichtsphilosophische Diskurse münden, bieten auch bei der heutigen Lektüre noch Denkanstöße, die über die beschriebene historische Epoche hinausgehen. Im Deutschlandfunk sagte Michael Opitz dazu:

„Wie weit Koestler seiner Zeit mit „Sonnenfinsternis“ voraus war, zeigte sich erst Jahre später. Dass das Buch nun in seiner ursprünglichen Fassung vorliegt, ist ein Glücksfall. Hinterfragt wird jene Selbstherrlichkeit der Mächtigen, die glauben, der Zweck heilige die Mittel. Solange dieser Grundsatz als politisch vertretbar gilt, bleibt der Roman aktuell.“


Weitere Informationen:

Verlagsinformationen zum Buch: https://www.elsinor.de/

Besprechung im Deutschlandfunk von Michael Opitz

Zur weiteren Lektüre ein paar Vorschläge:

„Radek“ von Stefan Heym

„Der Lärm der Zeit“ von Julian Barnes

„Der Archipel Gulag“ von Alexander Solschenizyn

„Die Revolution entlässt ihre Kinder“ von Wolfgang Leonhard


 

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Ulrich Peltzer: Das bessere Leben

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Bild: (c) Michael Flötotto

Please allow me to introduce myself
I’m a man of wealth and taste
I’ve been around for a long, long year
Stole many a man’s soul and faith…

Pleased to meet you: Es gibt Bücher, die entwickeln ihren eigenen Sound. Und manche setzen diesen Sound im Kopf frei, beim Lesen jagen Versatzstücke durchs Hirn, Stimmen, Sätze, Songs. „Das bessere Leben“ von Ulrich Peltzer ist ein derartiges Buch für mich. Ein vielstimmiger literarischer Trip durch die komplexe, unüberschaubare Welt der Manager, Global Player und Businesstypen, mit Abstechern in rheinländische Reihenhausbiederkeit und in die hippe Kunstszene, zudem ein Parforceritt durch die gescheiterten Utopien des 20. Jahrhunderts. Moskau, Wien, Rotterdam, London, Mailand, Frankfurt, Turin, China, Brasilien, USA – nur einige der Schauplätze, die im Roman eine Rolle spielen. Und die Sprache sitzt. Das Fragmentarische, Zersplitterte der Sätze, die ständigen Wechsel der Erzählerstimmen, das Gehetzte der Gedanken, die Gedankensprünge, ein stetiger Strom, ein Bewusstseinsstrom, die lose verknüpften Erzählstränge, die doch so dicht verwoben sind: Das alles macht das Buch zu einer Herausforderung. Ja, die ersten Seiten sind mühsam, aber dann entwickelt sich ein Sog des Erzählens, der das Buch herausfordernd und herausragend macht.

„Was möglich gewesen wäre, unter Umständen, aber nicht eingetreten ist. In der Wirklichkeit gibt es keinen Konjunktiv als Rettung, dachte Möhle, nur in der Kunst. Die aus einem einzigen Hätte-könnte-würde besteht und mit den Fakten macht, was sie will. Beziehungsweise … sich das Recht nimmt, zu entscheiden, wie eine Erzählung in Worten und Bildern zusammenhängen soll, solange die Wahrscheinlichkeit gewahrt bleibt. Sie nicht vollends ins Phantastische abdriftet, oder? Was ist denn schon wahrscheinlich? Eins so gut wie das andere, im Prinzip, in der Vorstellung. Nur leider mangelt`s an der oft im Leben, im Wirklichen. Wo man wie festgenagelt an Dingen festhält, die es nicht wert sind, die ihrer Bedeutung verlustig gegangen sind, manchmal von heut auf morgen.“

Zwei Typen stellt Peltzer aus der Armee moderner Geschäftsleute in seinem  Roman in den Mittelpunkt: Den Sachlichen, der im Getriebe weltweiter Geschäfte eher verfangen ist und den Strippenzieher, der vom Spiel an sich gefangen ist.

Jochen Brockmann, einer der beiden Hauptfiguren des Romans, steht vor dieser Situation: Der kühl denkende Ingenieur und Sales Manager, Anfang 50, geschieden, die Exfrau sucht ihr Heil in Yogaübungen und Zen, die Tochter in der Kunst, die Geliebten in der Flucht (resp. er in der Flucht vor ihnen), der Kontakt zu Geschwistern und Eltern lose und unterkühlt. Privat ist da nicht viel in diesem Leben, das auf Geschäftsreisen spielt. Und auch beruflich wird ihm der Boden unter den Füßen weggezogen: Das italienische Familienunternehmen wird von jungen Dynamikern überrollt, Brockmann ist ein Auslaufmodell. Midlife-Crisis setzt ein: War es dass, das gute Leben? Konsumkäufe auf Reisen und eine kleine Grafiksammlung?

Faust:

„Ich fühl`s, vergebens hab`ich alle Schätze
Des Menschengeists auf mich herbeigerafft,
Und wenn ich mich am Ende niedersetze,
Quillt innerlich doch keine neue Kraft;
Ich bin nicht um ein Haar breit höher,
Bin dem Unendlichen nicht näher.“

Sein Gegenpart: Sylvester Lee Fleming, ebenfalls ein „global player“, Strippenzieher und Verstrickter zugleich – in undurchsichtige, nur scheinbar legale „Versicherungs“-geschäfte. Einer, der verführerisch ein besseres Leben verspricht – seinen Kunden, Jungmanagern, die er an der goldenen Leine hält, auch den wenigen Menschen, die er etwas weiter hineinlässt in seine private Gefahrenzone. Ein Mephisto mit Beschädigung: Sich unruhig in Hotelzimmer wälzend, an der Vergangenheit knabbernd, ein vereinsamter Höllenhund. Getrieben von Überdruss, Zynismus, scheinbarer Abgeklärtheit (auch da liegt eine buchstäbliche Leiche im Keller des Gewissens).

Mephistopheles:

„Wer lange lebt, hat viel erfahren,
Nichts Neues kann für ihn auf dieser Welt geschehn.“

Ganz wie Mephistopheles trifft Fleming den Brockmann in der Phase seines größten Zweifels und der Resignation an, versucht ihn, in seine zwielichtigen Geschäfte zu verstricken, ist der Verführer. Brockmann widersteht. Das Ende bleibt offen. Das Flugzeug zum nächsten Geschäft hebt ohne ihn ab. Der letzte Satz eine Andeutung:

„Darf ich mich Ihnen vorstellen?“, sagt plötzlich der Mann auf dem Nebensitz. Warum nicht?

Mephisto alias Fleming verführt das nächste Opfer, money makes the world go round, die Kapitalismusmaschine dreht sich weiter.

Und Brockmann, findet er vielleicht das bessere Leben? Im Rückzug ins Private? Von den Boni an der Seite von Angelika lebend – jene durchaus kein naives Gretchen, sondern eine gestandene, kluge, welterfahrene Frau? Auch dies muss sich die Leserin, der Leser selbst zu Ende schreiben, diese nur „angezettelte“ Liebesgeschichte.

Vielfach wurde in den Rezensionen auf die „Leerstellen“ hingewiesen, die Peltzer in seinem Buch hinterlässt: Nicht „zu Ende“ erzählte Lebensgeschichten, lose verlaufende Erzählstränge. Scheinbare Erklärungen liefert die Politik am Fließband. Erklärungsversuche sind Sache der Philosophen. Die Literatur – wenn sie denn in so gelungener Form daherkommt – erfüllt eine andere Funktion: Sie erzählt von der Welt und zwingt im besten Falle zum Weiterdenken. Zum Selberdenken.

Und gerade dies ist eine der großen Stärken dieses Romans: Peltzer ist nicht nur ein hochverdichtetes Abbild unserer durchkapitalisierten Gegenwart gelungen, eine Darstellung des Hamsterrades, in dem sich Menschen bewegen. Die zahlreichen Bezüge und Hinweise auf vergangene und verlorene Utopien und Illusionen – jenen der Studentenbewegung, die im Terror der RAF endeten bis hin zu jenen des Sozialismus, die im Blut des real existierenden Stalinterrors versanken – münden alle in die Frage: Was ist es, „Das bessere Leben“?

„Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, daß es zugrunde geht;
Drum besser wär`s, daß nichts entstünde.“

Solch mephistophelischen Fatalismus hinterlässt der Peltzer-Roman dennoch nicht – aber er bedient auch nicht mit oberflächlichen Antworten in billiger Ratgeber-Manier.

Habe nun ach! Dies Buch gelesen und studiert: Und mich der Magie seiner Sprache ergeben. Mein persönliches Fazit nach wochenlangem Long- und Shortlist-Lesen: Ich weiß nicht, ob es der beste Roman des Jahres ist – diese Aussage halte ich per se für gewagt. Aber von all jenen, die mir im Zuge des Buchpreisbloggens in die Finger kamen, ist es mein Favorit. Ulrich Peltzer, das bessere Lesen. Am Montag, nach der Buchpreis-Verleihung, wissen wir mehr.

Das Buch kann bei buchhandel.de bestellt werden: Ulrich Peltzer, „Das bessere Leben“, S. Fischer Verlag, 2015.

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