Über Birgit Böllinger

Büro für Text&Literatur - Pressearbeit für Verlage, Autorinnen und Autoren, Texte und Schreiben rund ums Buch. Unter Aktuelles finden sich zudem Buchsprechungen (ehemals Literaturblog Sätze&Schätze).

AXEL DIELMANN VERLAG: Oliver Teutsch – Die Akte Klabautermann

Berlin, 1946: In der zerstörten Stadt kämpft Hans Fallada ums Überleben. Einzig Johannes R. Becher, der Vorsitzende des Kulturbundes, bietet dem Schriftsteller eine Chance: Er soll auf Grundlage der „Akte Klabautermann“ den großen antifaschistischen Roman schreiben.

Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und die Sucht: Fallada, körperlich und psychisch am Ende, wehrt sich zunächst gegen den Romanstoff. Und schreibt dann doch, wie im Rausch, ein Manuskript über 700 Seiten. Die Veröffentlichung von „Jeder stirbt für sich allein“ wird der Schriftsteller, der am 5. Februar 1947 stirbt, jedoch nicht mehr erleben.

So wechselvoll wie Falladas Geschichte ist auch die Veröffentlichungshistorie von „Jeder stirbt für sich allein“: 1947 erscheint der Roman in stark veränderter Fassung. Erst in den 2000er-Jahren wird er in den USA wiederentdeckt und kommt 2011 erstmals beim Aufbau Verlag in einer ungekürzten Version heraus. Der Journalist Oliver Teutsch war von der Wiederentdeckung des Romans so fasziniert, dass er sich 2014 auf eine ausführliche Recherche nach der Entstehung dieses Buches machte. Und nun in seinem Romandebüt „Die Akte Klabautermann“ mitreißend davon erzählt, wie dieser Schlüsselroman der deutschen Literatur entstand.

Während das vom Krieg zerstörte Berlin aus seinen Trümmern heraus zu neuem Leben kommt, spielt sich um Fallada die Entstehungsgeschichte eines Romans ab, die ebenso spannend wie der Weltbestseller selbst ist. Und die zudem eine imposante Galerie von zeitgenössischen Figuren im Gepäck hat. So entführt „Die Akte Klabautermann“ auch mitten in eine Zeitreise in das Berlin der Nachkriegszeit. Die Not der Bevölkerung, der illegale Schwarzmarkthandel, die Zonenpolitik und die Zerrissenheit der intellektuellen Elite, der Kampf der Zonenmächte um die geistige Vorherrschaft, dies alles wird so eindrücklich und lebendig erzählt, als wäre man mittendrin.

„Die Akte Klabautermann“: Ein spannend geschildertes Kapitel der Literatur- und Nachkriegsgeschichte, ein überzeugender Debütroman.

Zum Autor:
Oliver Teutsch wurde 1969 in Frankfurt am Main geboren. Seine berufliche Karriere begann er als Hospitant und freier Mitarbeiter bei der Frankfurter Neuen Presse. Nach dem Abitur Studium der Politikwissenschaften in Frankfurt war er lange für die Nachrichtenagentur ddp, die Frankfurter Rundschau und mehrere Jahre für den Deutschen Fußball-Bund DFB tätig. Heute ist Teutsch als Redakteur bei der Frankfurter Rundschau für Themen aus den Bereichen der Justiz, Polizei, Wirtschaft und für große Reportagen zuständig.

Informationen zum Buch:
Oliver Teutsch
Die Akte Klabautermann
Axel Dielmann Verlag, Frankfurt a. Main, Januar 2022
Hardcover mit Lesebändchen und ausführlichem Glossar, 20,00 €
ISBN: 978 3 86638 343 2
http://www.dielmann-verlag.de/

In der Frankfurter Rundschau ist bereits ein Vorabdruck erschienen:
Großer Mann – was nun?

Theodor Fontane – Noch einmal ein Weihnachtsfest

Noch einmal ein Weihnachtsfest,
Immer kleiner wird der Rest,
Aber nehm` ich so die Summe,
Alles Grade, alles Krumme,
Alles Falsche, alles Rechte,
Alles Gute, alles Schlechte –
Rechnet sich aus all dem Braus
Doch ein richtig Leben raus.
Und dies können ist das Beste
Wohl bei diesem Weihnachtsfeste.

Theodor Fontane

ROLF FISCHER: Das Wunder vom Sparrplatz

„Als wir rauskommen, hat es weiter geschneit. Der Kinderwagen ist so eingepudert wie der Strudel. Mein Kleiner läuft ein Stück an meiner Hand. Stapft ungläubig durch das Weiß – heute ist der erste Tag in seinem Leben, an dem er im Schnee laufen kann. Die Straße ist immer noch leer und still, aber das Licht der Gaslaternen fällt warm auf uns. Es würde mich nicht wundern, wenn auf einmal der Weihnachtsmann auf seinem Schlitten angeschwebt käme und neben uns landete, die Leute freundlich lachend aus den Häusern kämen und sich umarmten. Weil heute so ein wunderbarer Tag ist – mitten in Berlin.“

Manchmal sind es eben diese Kleinigkeiten, die das Leben so lebenswert machen und selbst am Berliner Sparrplatz für Wunder sorgen. Seien es die roten Backen eines Kindes, die Wärme in einem schönen Café, ein leckerer Strudel, der erste Schnee. Von diesen kleinen Wundern und anderen Begebenheiten erzählt Rolf Fischer seit Jahren auf seinem Blog „Kafka on the road“. Ich bin schon lange eine treue Leserin dieses Blogs, habe über die kleinen Kalamitäten, die dem Herrn mit seinem Alias „eimaeckel“ geschehen, geschmunzelt, das größer werden seiner Kinder mitverfolgt, über die Berliner Geschichten herzhaft gelacht. Und obwohl wir uns bisher nur einmal begegnet sind, und das nur kurz beim Kultursalon von Susanne Haun, ist mir dieser Berliner Spaziergänger mit der Zeit doch recht vertraut geworden. Und so habe ich mich sehr gefreut, als von Rolf die Anfrage kam, ob ich ihn bei seinem Buchprojekt ein wenig unterstützen könnte.

Vor allem für seine Kinder, aber auch für andere interessierte Leserinnen und Leser wollte Rolf ein „best of“ seiner Bloggeschichten. In über zehn Jahren ist da einiges entstanden – wir haben gesichtet, sortiert und einen roten Faden gesucht. „Das Wunder vom Sparrplatz“ enthält nun 28 Erzählungen, die – in meinen Augen – auch Menschen berühren und anrühren können, die das Blog „Kafka on the road“ vielleicht (noch) nicht kennen. Warum, das habe ich auch versucht, in meinem Vorwort zum Buch auszudrücken:

„Das Wunder vom Sparrplatz“, das sind Erzählungen eines Vaters aus dem rauen Berliner Stadtteil Wedding. Das ist ein Vater mit Leib und Seele und aus ganzem Herzen. Ein (manchmal etwas melancholischer) Single-Mann, der allein oder mit seinen Kindern durch seinen Kiez im Wedding streift. Dabei richtet sich seine Aufmerksamkeit ganz auf das Leben auf der Straße, auf die kleinen Alltagsszenen, die sich in den Cafés seines Viertels, beim Friseur oder auch am Spielplatz entfalten. Ein Flaneur mit Kinderwagen.

Dieses Auge für die kleinen Alltagsgegebenheiten, die Beobachtungsgabe und der warme Humor, die aus den Erzählungen sprechen, das ist es, was mir an diesem Blog gefällt – auch als Nicht-Berlinerin. Und was auch das Buch „Das Wunder vom Sparrplatz“ lesenswert macht.

Ohne Matthias von Newington Blue Press wäre das Ganze jedoch nie zum Buch geworden: Er gestaltete das Cover, sorgte für den ansprechenden Satz und half Rolf Fischer zudem bei seinen ersten Schritten als Selfpublisher. „Das Wunder vom Sparrplatz“ also auch eine wundervolle Blogger-Zusammenarbeit.

Wo und wie es das Buch zu erwerben gibt, hat Rolf auf seinem Blog beschrieben:
https://kafkaontheroad.blog/2021/12/10/aus-der-weihnachtsbackerei/

Angaben zum Buch:
Rolf Fischer
Das Wunder vom Sparrplatz
Selbstverlag bei bookmundo.de
ISBN 9789403644677
80 Seiten, 8,50 Euro

MIRABILIS VERLAG: Herbert Heinrich Beckmann – Es sind Kinder

Was geschieht, wenn Konflikte nicht gelöst werden? Wenn für unterschwellige Aggressionen ein Ventil gesucht wird, ein Sündenbock herhalten muss? Diesen Fragen geht Herbert Heinrich Beckmann in seinem neuen Roman „Es sind Kinder“ nach: spannungsgeladen und mit einem feinen Gespür für die inneren und äußeren Konflikte seiner Protagonisten.

Tine und Stefan sind ein Paar am Abgrund. Der dünne Faden, der ihre Beziehung noch zusammenhält, ist ihr kleiner Sohn Leon. Doch als dieser beim gemeinsamen Urlaub auf einer Insel mitten in der Baltischen See plötzlich spurlos verschwindet, stehen die beiden vor einer ganz besonderen Belastungsprobe. Das Kind Leon geht unterdessen seinen eigenen Weg. 

Mit psychologischem Feingefühl zeichnet Herbert Heinrich Beckmann, Autor erfolgreicher Kriminalromane, das Psychogramm einer eskalierenden Beziehung in einer Atmosphäre unerklärlicher subtiler Bedrohung. Ein Roman, der ebenso rätselhaft ist wie spannend.

Der Autor:
Herbert Heinrich Beckmann, geboren 1960, schreibt unter verschiedenen Namen für Erwachsene und Kinder: Hörspiele, Radiogeschichten, Romane und Erzählungen. Von ihm sind unter anderem erschienen: 

Atlantis Westberlin (2000), Ch. Links Verlag
Die Nacht von Berlin (2012), Gmeiner Verlag
Der Jesus von Kreuzberg (Kinderhörspiel, rbb 2012/ rbb media 2019)
Hotel ohne Wiederkehr (2018), Gmeiner Verlag
Nacht vor meinen Augen (2019), Gmeiner Verlag 

Er stand mit seinen Büchern unter anderem 2010 auf der Shortlist und 2012 der Longlist beim Sir-Walter-Scott-Preis, 2012 zudem auf der Top-5-Liste zum Deutschen Kinderhörspielpreis.

Herbert Heinrich Beckmann lebt mit seiner Familie in Berlin. 

Informationen zum Buch:

Herbert Heinrich Beckmann
Es sind Kinder. Roman
Mirabilis Verlag, 2021
Umschlaggestaltung: Florian L. Arnold
Hardcover, Fadenheftung, Schutzumschlag, Lesebändchen, 248 Seiten; 22 €
ISBN 978-3-947857-13-5

Stimmen zum Buch:

„Geschickt evoziert Herbert Heinrich Beckmann in „Es sind Kinder“ von Anfang an das Gefühl einer Bedrohung der drei Hauptfiguren.“ – Dieter Wunderlich

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Mirabilis Verlag.


Kurt Tucholsky: Was darf Satire? 16 Satiren in der neuen „Edition Lettara“

„Es ist ein Unglück, daß die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleinern Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas – : vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahingegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen.“

Allein dieses Zitat zeigt doch, wie unvergänglich Kurt Tucholskys Texte sind: Man kann sie auch heute noch mit Gewinn lesen, sich an der Bissigkeit, der Treffsicherheit freuen, sich aufregen oder darüber nachdenken, sich amüsieren oder echauffieren. Kurzum: Sie lassen nicht kalt.

Dass ich Peter Panter, Ignaz Wrobel, Theobald Tiger oder auch Old Shatterhand alias Kurt Tucholsky immer wieder zur Hand nehme, ist auf diesem Blog unverkennbar. Umso mehr freute mich die Email-Anfrage eines Verlegers vor einiger Zeit, ob ich für eine geplante Ausgabe mit Tucholsky-Satiren ein Nachwort beisteuern könnte. Allein, mir fehlte die Zeit, ich war eingedeckt mit Arbeit und lehnte dankend ab. Jetzt flatterte mir dieser Tage die Post ins Haus: Mit dem Tucholsky-Band „Was darf Satire“, dazu beigelegt noch einige wundervolle, vom Verleger selbst gestaltete Kunstpostkarten. Eine schöne Geste!

Der Band beinhaltet 16 prägnante Satiren Tucholskys, von „Der Mensch“, auch hier auf dem Blog zu lesen, über einige seiner „Wendriner“-Geschichten, die er zwischen 1922 und 1930 für die Weltbühne schrieb, bis hin natürlich zu dem bereits 1919 veröffentlichten Schlüsseltext „Was darf Satire?“. Dem einen oder anderen möchte man dieses Heft in die Hand drücken: Bitte sehr, mal Hausaufgaben machen, schauen, was Satire ist:

„Warum sind unsere Witzblätter, unsere Lustspiele, unsere Kömodien und unsere Filme so mager? Weil keiner wagt, dem dicken Kraken an den Leib zu gehen, der das ganze Land bedrückt und dahockt: fett, faul und lebenstötend.“

Tucholsky nahm kein Blatt vor den Mund. Das zeigt sich auch an einigen Texten in diesem Band, die man vielleicht nicht auf dem Schirm hat, außer man ist Mitglied der Tucholsky-Gesellschaft oder liest nichts anderes und kennt ihn daher in- und auswendig. Jedenfalls kann man sich beim Wieder- oder Erstentdecken von „Yousana-wo-bi-räbidäbi-de?“ oder „Die Katz“ herrlich amüsieren. Und wer sich bei „Weltbild, nach intensiver Zeitungslektüre“ nicht auch ein wenig selber wiederfindet, der heuchelt wohl ein bißchen.

Im Grunde sollte dieser Text für sich selber stehen: Wen das Buch interessiert, der schaut es sich an. Aber in diesem besonderen Fall kann ich nicht anders, als noch einen ganz und gar „unliterarischen“ Werbeblock hinzuzufügen: Erst im Laufe des Email-Austausches stellte sich heraus, dass dieser Verleger ein sehr junger Mann ist – so jung, dass er noch nicht einmal die „Hier können Familien Kaffee kochen“ – Partei wählen könnte (oder nicht). Ich war verblüfft, erstaunt, begeistert: Ein so junger Mensch, der sich für Literatur dieser Art interessiert, der darüber hinaus auch graphisch talentiert ist und eine kleine Edition auflegt, das finde ich aller Achtung wert. Und das hat Unterstützung verdient: Also, gehet hin und lest Tucholsky!

Kurt Tucholsky
Was darf Satire? 16 Satiren
Edition Lettara
2021, 68 Seiten, Softcover, 9,99€

Informationen zur Edition gibt es hier: https://editionlettara.jimdofree.com/
Und die Kunstpostkarten können hier bewundert werden: https://walzalexanderart.jimdofree.com/




AXEL DIELMANN VERLAG: Michael Wäser – Das Wunder von Runxendorf

„Vierundsiebzig war ein großes Jahr. Was wir da alles erlebt haben, das war groß, kann man nicht anders sagen. Willy Brandt: Guillaume, Waterloo von Abba. Und dann aber! Weltmeister im eigenen Land. Ein Traum, Männer wie Bäume. Oder wie Tiger oder Wölfe.“

Sommer 1974, irgendwo in der saarländischen Provinz: Während Beckenbauer, Breitner & Co. um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft kämpfen, spielen sich im Partykeller eines Einfamilienhauses grauenvolle Szenen ab. Ex-Bergmann Müller hat für das große Ereignis eigens einen Farbfernseher gekauft. Doch bald ist klar: Bier, Schnaps und Zigaretten alleine genügen nicht, um die vermeintlichen »Kumpels« an sich zu binden. Gemeinsam mit seinem verhaltensauffälligen Sohn Gerald und einem mysteriösen Helfer wird ein perverser Plan in die Tat umgesetzt, der mehrere junge Frauen das Leben kosten wird.

Michael Wäser begibt sich in seinem Roman auf eine verstörende Zeitreise in die bundesdeutsche Provinz der 70-er Jahre: Nur scheinbar herrscht hier »disco«-Stimmung à la Ilja Richter. Im Untergrund, sprich Partykeller, dominieren das ländliche Patriarchat und eine giftige Mischung aus Gewalt, Alkohol und Missbrauch. Wäser zeichnet dabei das Sittenbild einer Gesellschaft, deren toxisches Erbe bis unsere Gegenwart hinein reicht.

„Das Wunder von Runxendorf“ ist mehr als » Ein Mörder Roman«, wie es im Untertitel heißt, sondern auch das Psychogramm einer zerrütteten Gemeinschaft und ein Blick auf die Abgründe hinter kleinbürgerlichen Fassaden.

Michael Wäser wurde 1964 im Saarland geboren, wo er auch seine Schulzeit absolvierte. Er war danach als Schauspieler an verschiedenen deutschen Staatstheatern tätig. Er ist Mitorganisator der Pankower Lesebühne »So noch nie« und lebt in Berlin. Im axel dielmann – verlag erschienen von ihm zudem die beiden Romane „In uns ist Licht“ und „Familie Fisch macht Urlaub“ sowie der gemeinsam mit Inka Bach verfasste Gedichtband „Am Neuen See“.

Informationen zum Buch:
Michael Wäser
Das Wunder von Runxendorf
Ein Mörder Roman
224 Seiten, Hardcover mit Lesebändchen, 20,00 €
ISBN: 978 3 86638 286 2
e-Book ISBN: 978 3 86638 287 9

Bei „Leseschatz-TV“, dem Kanal der Buchhandlung Almut Schmidt von Hauke Harder, spricht Michael Wäser selbst über seinen Roman: https://www.youtube.com/watch?v=9t_rrv7-qmA

Stimmen zum Buch:

„Michael Wäser ist der Sensenmann für die piefige Dorfidylle der 70er Jahre.“ – Karsten Koblo, Blog aus-erlesen

„Wäser verliert sich aber nicht in Gewaltfantasien, es ist eher die emotionale Grausamkeit, das ständige Wegschauen und diese gottverdammte Stille, die an vielen Stellen entsteht.“ – Nadine Schmidt, krachfink.de

„Ein virtuoser Umgang des Autors mit seinem abgründigen Stoff, den man so schnell nicht vergisst.“ – Joachim Feldmann, Crimemag

„“Dieser Roman, der zwar keine wirklich expliziten Beschreibungen von Grausamkeiten enthält, diese aber sublim kaum weniger grausam vermittelt, verpackt in scheinbare plaudernde Harmlosigkeit, bewegt sich auf der selben Ebene des zutiefst Bösen wie Truman Capotes ‚Kaltblütig‘.“ – Frank Becker, Musenblätter

„Eine knallharte, präzise gearbeitete Milieu-Studie.“ – Thomas Wolter, Opus Kulturmagazin

„„Das Wunder von Runxendorf“ ist aber mehr als ein „Mörder Roman“, wie es im Untertitel heißt, sondern auch das Psychogramm einer zerrütteten Gemeinschaft und ein Blick auf die Abgründe hinter kleinbürgerlichen Fassaden. Natürlich ist dieser Roman auch ein Fußballbuch.“ – Bernd Wähner bei der Berliner Woche

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den axel dielmann – verlag.

KRÖNER VERLAG: Susanne Wiedmann: Cranko, Haydée und ich – George Bailey

Das Stuttgarter Ballett, höchste Kunst und Leichtigkeit auf der Bühne, anstrengender Alltag im Ballettsaal. Über 40 Jahre begleitete George Bailey als Pianist und Korrepetitor das Training, die Proben der Tänzerinnen und Tänzer. Mit seinem Spiel rettete er sie durch lange, harte Tage. Mit Herz und Hingabe schuf er eine einzigartige Atmosphäre, statt Klassik spielte er lieber Jazz. 1972 hatte ihn der legendäre John Cranko in seine Kompanie geholt, Bailey wurde zu ihrem Liebling, weltbekannte Choreografen wie John Neumeier und Maurice Béjart wollten nur mit ihm als Pianisten arbeiten. Aber dabei blieb es nicht: Seine Ausstrahlung und sein schauspielerisches Talent brachten sie dazu, ihm eigene Rollen zu schaffen: Cranko im Schwanensee, Haydée in Giselle, Neumaier in Die Kameliendame. Das Publikum jubelte.

1944 wurde George Bailey in eine Musikerfamilie in Denver geboren. Sein Großvater war Violinist, Komponist und Arrangeur, und der erste afroamerikanische Musiker in Denver mit einem eigenen Orchester. Sein Haus war Treffpunkt für berühmte Jazzmusiker wie Duke Ellington, Count Basie, Eubie Blake und William Christopher Handy. Seinen Traum, klassische Geige in einem Sinfonieorchester zu spielen, konnte Baileys Großvater bis zu seinem Tod aber nicht verwirklichen. George Bailey sagt: „Seine Karriere hätte anders verlaufen können, wenn er kein Farbiger gewesen wäre.“

Das Credo seiner Großeltern und Eltern war: Bildung und Disziplin können einen gesellschaftlichen Aufstieg und – damit verbunden – ein besseres Leben ermöglichen. Deshalb sollten George Bailey und sein Bruder den höchsten Bildungsabschluss erreichen. „Wir haben immer gewusst, wegen unserer Hautfarbe können wir es uns nicht leisten, mittelmäßig zu sein. Wir müssen besser sein als die Weißen, um die gleichen Chancen zu haben“, sagt George Bailey.  Und doch hat er nie vergessen, was seine Mutter zu ihm sagte, als er noch ein Junge war: „George, es wird kein Tag vergehen, an dem du nicht an deine Hautfarbe erinnert wirst.“

Von ihr, einer studierten Pianistin, erhielt George Bailey Klavierunterricht, bevor er an der University of Denver Kunst und Musik studierte. Nur knapp entging er dem Vietnamkrieg und kam zum Militärdienst nach Heidelberg. Auf der Party eines Stuttgarter Zahnarztes lernte Cranko ihn kennen. Und eben von all dem, was sein Ballett- und Privatleben im Folgenden im Innersten zusammenhielt, erzählt Bailey selbst und erzählen prominente Weggefährtinnen und Weggefährten wie Marcia Haydée, Birgit Keil, Georgette Tsinguirides, Reid Anderson, Jean Christophe Blavier, Tamas Detrich und Mark McClain sehr offen in diesem Buch. Und sie geben unbekannte Einblicke in den Probenalltag und hinter die Kulissen des Stuttgarter Balletts.

Zur Autorin:
Susanne Wiedmann, 1970 in Tübingen geboren, studierte Kunstgeschichte und Romanistik, arbeitete als Kulturjournalistin für den Südwestrundfunk, seit 2005 Redakteurin des Schwäbischen Tagblatts in Tübingen, schreibt Porträts und Reportagen. 2019 wurde sie von der Akademie der Bayerischen Presse mit dem zweiten Preis in der Kategorie Reportage ausgezeichnet. Bei Klöpfer & Meyer erschien 2015 ihr erfolgreiches Buch »Georgette Tsinguirides. Ein Leben für John Cranko und das Stuttgarter Ballett.«

Informationen zum Buch:
Susanne Wiedmann
Cranko, Haydée – und ich, George Bailey
Alfred Kröner Verlag Stuttgart, 22.11.2021
Biografie, 250 Seiten, Halbleinen mit Lesebändchen und Abbildungen, € (D) 22,–
ISBN: 978 3 520 75801 9

Stimmen zum Buch:
„Nicht nur Ballett: Die Biografie des Pianisten George Bailey ist lesenswert, weil sie auch von Rassismus, Homophobie und den Anfängen des Swing erzählt.“ – Andrea Kachelrieß, Stuttgarter Zeitung

„Das Leben des Optimisten aus Überzeugung bietet viel Stoff, überwiegend Schönes, aber auch ernste Themen wie Rassismus und Homophobie gehören dazu.“ – Uwe Bogen, Stuttgarter Zeitung

„Ein lebensbejahendes Buch voller Sonne und Herzenswärme – das liebenswerte Lebensportrait einer wunderbaren Künstlerpersönlichkeit und eines außergewöhnlichen Menschen. So hat man am Ende der Lektüre Sonne im Herzen – auch wenn es draußen grau und verregnet ist – und das Gefühl, einen besonderen Menschen kennengelernt zu haben.“ – Barbara Pfeiffer bei kulturbowle

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Kröner Verlag.

Joachim Ringelnatz: Trostworte an einen Luftkranken

Humorvolle Spinner

Spinnete Köpfe, gescheit und begabt,
Weil ihr einen Pieps, einen Vogel habt,
erlachen euch manche und meiden
Euch. Ich mag euch leiden.

Ein Piepvogel lebt so hoch und frei
Über den Filzlatschen der Spießer.

Der Spießer meint: Ein Bandwurm sei
Kein stiller Genießer.

Doch Spießermeinung ist nicht mal so wichtig
Wie das, was aus Piepvogel fällt.

Nur der, der im Kopf nicht ganz richtig
Ist, lebt sich und unterhält.

Aus „Flugzeuggedanken“, 1929, von Joachim Ringelnatz

Es ist, als habe sich Herr Ringelnatz in diesem Gedicht selbst portraitiert. Er war so ein wilder Vogel, ein Piepvogel, der hoch und frei lebte. Am Ende, schon todkrank, unter den Nationalsozialisten auch vogelfrei. Der Dichter, Maler, Bühnenkünstler, der vor allem von (und für) seinen Auftritten lebte, wurde von der Bühne verbannt, seine Bücher beschlagnahmt und verbrannt. Er starb, erst 51 Jahre alt, an den Folgen seiner Tuberkulose-Erkrankung am 17. November 1934.

In den guten Jahren – also auch 1929, als sein Gedichtband „Flugzeuggedanken“ beim Ernst Rowohlt Verlag erschien – war Ringelnatz ständig auf Reisen für seine Bühnenauftritte. Das brachte auch manches Flugabenteuer mit sich. Einige der schönsten Gedichte dazu sind in einer wundertoll illustrierten neuen Ausgabe erschienen: Florian L. Arnold, selbst Schriftsteller und bildender Künstler wie Ringelnatz auch, widmet dem luftigen Dichter das Buch „Trostworte an einen Luftkranken“. Er habe sich daran erfreut, „auf ringels musenroos reitend, eigenwilligste flug- und flatterapparate zu ersinnen“.

Mit „Trostworte an einen Luftkranken“ zeigen Arnold den großen Joachim Ringelnatz als Verehrer und augenzwinkernden Spötter des Flugwesens: „Man glaubt es kaum, aber Ringelnatz hat der Fliegerei und ihren komischen Ausuferungen einen großen Platz in seinem Werk eingeräumt.“ Ob es nun eine abenteuerliche Ballonfahrt, eine Fliege im Flugzeug, eine risikolustige Freundin am Seil in höchsten Lüften ist – Ringelnatz findet immer einen geistreichen Reim auf Ungereimtes. Und es erweist sich, daß seine Gedanken zu menschlichen Flugabenteuern auch beinah 100 Jahre nach ihrem Entstehen nichts an Witz und Gültigkeit verloren haben. „Im Gegenteil: Lest diese Texte, wenn ihr flugkrank oder Vielflieger seid, wenn ihr einen Fesselballon besitzt oder einen Zeppelin“, meint Florian L. Arnold augenzwinkernd.

Erschienen ist „Trostworte an einen Luftkranken“ in der neu gegründeten „Edition Hibana“, in der schmale Texte und eigenwillige Illustrationen ihren Raum finden werden. Ein Blick auf die Seite zeigt: Auch die Illustrationen zu den Ringelnatz`schen Luftkünsten sind grandios, einfach zum Abheben.

Als Augsburgerin freue ich mich natürlich besonders, dass auch die „Freiballonfahrt mit Autoverfolgung“ in der Auswahl ihren Platz fand: Denn, wenn „auf Augsburgs sonntagsbunten Flugplatz“ die Sonne lacht, machen wir eigentlich nichts anderes, als mit unseren Töff-töffs den freischwebenden, gasgefüllten Tieren nachzujagen. Das Beitragsbild beweist es: Ballon am Augsburger Rathaus, direkt von mir verfolgt.

Informationen zum Buch:

Trostworte an einen Luftkranken
Fluggedichte und -gedanken
Gedichte von Joachim Ringelnatz

Edition Hibana, Ulm, 2021
Mit Bildern von Florian L. Arnold
44 Seiten, limit. Edition, durchgehend farbig illustriert
ISBN: 978-3-9822910-7-9

Zu bestellen über den Buchhandel, den Onlineshop der Edition Dreiklein oder direkt beim Verlag (Email: edition-hibana@florianarnold.de).

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Zelda Fitzgerald: Himbeeren mit Sahne im Ritz

zelda

Bild: (c) Michael Flötotto

„Die Blätter der Ulmen schablonierten ein schwarzes Fries auf den Gehweg, und hemdsärmelige Männer ließen hohe, warme, nach Gummi riechende Wasserbögen auf Prunkwinden und Bermudagras niedergehen, bis die Luft von einem frischen Grasduft erfüllt war und die Damen hinter den dichten Blumenranken eine kurze Weile ohne Fächer auskamen. Die ganze Stadt wartete auf die abendliche Neun-Uhr-Brise und lag so reglos da, dass man die scharrenden Räder der Straßenbahn, die sich bergan mühte, noch sechs Straßen weiter hören konnte. Die Mädchen, die sich in den Häusern auf den Tanzabend vorbereiteten, hatten die Wahl zwischen schweißtreibender Hitze und den krampfartigen Windstößen aus dem Ventilator.“

Aus „Ein Südstaatenmädchen“: Zelda Fitzgerald, „Himbeeren mit Sahne im Ritz“, Erzählungen, 2016, Manesse Verlag.

Man kann die Hitze der Südstaaten spüren. Und sinkt beim Lesen vielleicht auch aufgrund der Wortkaskaden ein wenig müde zurück. Krampfartige Windstöße.

Zuviel Schönheit kann irritieren. Absolute Perfektion langweilen. Das Streben danach bemüht wirken. Sie perlen, diese Erzählungen von Zelda Fitzgerald (1900 – 1948). Manchmal wie Champagner. Aber manches Mal perlen sie auch ab. Man fühlt sich ein wenig ermattet nach so viel wohlformulierter Eleganz. Diamanten und Talmi.

Die warmtönende Leichtigkeit, die diese Geschichten prägt – es wird gelegentlich spürbar, dass dahinter harte Arbeit stand. Dass da eine junge Autorin noch ihren Weg suchte. Vielleicht die Formel, die das Leben Zeldas prägte: Das Glamourgirl des Jazz Age, das sich hinter den glänzenden Kulissen mit eiserner Disziplin und unheimlich angestrengt (so trainierte sie wie besessen in einem Alter, in dem andere das Tutu an den Nagel hängen, für eine Ballettkarriere) sein Leben mit Sinn füllen wollte und nicht nur den nächsten Kelch mit Champagner.

Vor allem wollte Zelda Fitzgerald wohl auch eines: Mehr sein als die exaltierte Muse ihres berühmten Mannes, F. Scott Fitzgerald. Ihre Erzählungen, die nun im Manesse Verlag gebündelt erschienen, sind zum Teil schon bekannt – sie wurden jedoch größtenteils als Gemeinschaftswerk von Scott und Zelda veröffentlicht, oder sogar, wie „Our Own Movie Queen“, ganz ihm zugeschrieben. Zwar vermerkte Scott zu dieser Erzählung in seinem Tagebuch, Zelda habe den hauptsächlichen Anteil geleistet – aber sie musste zurückstehen. Für die Geschichten ihres Mannes wurde einfach mehr bezahlt. Und Geld hatten die beiden bei ihrem Lebensstil immer bitter nötig.

Die Ehe der beiden war trotz enormer gegenseitiger Anziehung stets auch von Ungleichheit und Konkurrenz geprägt. Zudem durch seinen Alkoholismus und ihre psychische Erkrankung belastet. Ein Leben im vagen Gleichgewicht, zerbrechlich, schwankend, ein Drahtseilakt bis zum dramatischen Ende. Dieses Balancieren auf dem Hochseil der Gefühle – es ist in diesen Erzählungen, die überwiegend in den Jahren 1929 bis 1931 veröffentlicht wurden, bereits angelegt und spürbar. Man merkt, trotz einiger Mängel: Es hätte sich bei diesen Anlagen, wäre ihr Leben anders verlaufen, eine großartige Schriftstellerin entwickeln können.

Zelda, ab 1930 immer wieder für lange Phasen in stationärer psychiatrischer Behandlung, schreibt 1932 innerhalb weniger Wochen den Roman „Save me the waltz“, der (wie einige ihrer Erzählungen) in seiner Südstaaten-Melodie deutlich an Truman Capote erinnert. Mit dem letzten Walzer liegt zudem der Nachweis vor: Sie hatte es, sie konnte es. Doch es ist wohl bei diesem Roman und einem Theaterstück geblieben – 1940 kam Zelda Fitzgerald bei einem Brand in einer psychiatrischen Klinik ums Leben.

Vielleicht ist es ein Selbstbildnis, das  ihrer Erzählung „Die erste Revuetänzerin“ zugrundeliegt:

„Und auch Gay lebt weiter – in den vielen ruhelosen Seelen, die auf ihrer mondänen Wallfahrt über die Kontinente ziehen, die in muffigen Kathedralen nach dem verlorenen Zauber gebräunter Rücken und sommerlicher Strände suchen, die sich nach Stabilität und Pflichterfüllung sehnen, ohne recht daran zu glauben; in allen Menschen, die eine Schiffsreise zu einer ungezwungenen Angelegenheit mit Abendgarderobe und Diamantschmuck machen und das „Ritz“ zu dem, was es ist.“

Revuetänzerinnen, Kleinstadt-Schönheiten, die von der Leinwand träumen, Mädchen mit Talenten, auch fragwürdigen, Lebensglücksucherinnen: Zelda Fitzgerald schrieb über eigenständige, selbstbewusste Frauen, die sich, bei aller Abgeklärtheit, dennoch in romantischen Stricken verfangen. It-Girls mit Macken und Sehnsüchten. Und die besseren der insgesamt elf Erzählungen überzeugen, weil Zelda ihr Bestreben nach eleganten Formulierungen durch leise Ironie, durch warme Spöttelei durchbricht. Es gehen haarfeine Risse durch die Glitzerwelt – und das macht diese Stories lesenswert.

Irgendwie muss man diese verwöhnten, erfolgs- und lebenshungrigen jungen Frauen trotz ihres Narzissmus, der durch die Zeilen klingt, dann doch einfach mögen, wenn man Sätze wie diese in der Erzählung „Ein Mädchen mit Talent“ liest:

„Sie gönnte sich Masseure, die sie jeden Morgen behandelten, zu viele Sidecars vor dem Mittagessen und Unterwäsche, in der man tot aufgefunden werden wollte.“

Verlagsangaben zum Buch:
https://www.randomhouse.de/Buch/Himbeeren-mit-Sahne-im-Ritz/Zelda-Fitzgerald/Manesse/e489887.rhd

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KRÖNER VERLAG: Sigrid Undset – Kristin Lavranstocher. Die Frau, Bd. 2

Das literarische Großprojekt beim Kröner Verlag gedeiht weiter: Nun liegt der zweite Band der Trilogie „Kristin Lavranstochter“ in einer neuen Übersetzung durch Gabriele Haefs vor, die diesen Roman von Sigrid Undset hell leuchten lässt. Gabriele Haefs übertrug das Werk, wie der Vergleich zur bisherigen übersetzten Fassung nahelegt, vermutlich erstmals aus der norwegischen Sprache: Dies gibt der Trilogie Authentizität und zugleich einen neuen Glanz. Deutschsprachige Leser kommen nun endlich in den vollen Genuss von Undsets außergewöhnlicher sprachlicher Ausdruckskraft.

Zum Buch:
Mit der ›Frucht der Sünde‹ im Leib und einer fürchterlichen Angst im Herzen trifft Kristin Lavranstochter als legitime Ehefrau von Erlend Nikulaussohn auf Husaby ein. Erlend ist derweil vor allem mit Politik, mit Kriegszügen und Intrigen, beschäftigt, vernachlässigt den eigenen Hof aufs Sträflichste, überlässt seiner Frau daneben die Sorge um die gemeinsamen und auch die Kinder mit seiner ehemaligen Geliebten. Als eine geplante Intrige in höchsten Kreisen auffliegt, droht die Katastrophe.
Die ganz große Stärke von Sigrid Undset ist, neben atemberaubenden Landschaftsbildern, die Charakterzeichnung, was ihrem großen Roman die seltene Kraft verleiht, dass wir Kristins Freuden und Leiden wirklich miterleben, dass wir mit ihr leiden und lieben, obwohl sie mit einer Zeit und mit Werten zu kämpfen hat, die nicht mehr die unsrigen sind. Der Literaturnobelpreis für die Trilogie ist nur konsequent.

Zur Autorin:
Sigrid Undset (1882–1949) gilt als eine der größten und einflussreichsten Schriftstellerinnen Norwegens. Ihre zeitgenössischen Romane Frau ›Marta Oulie‹ und ›Jenny‹ wurden wegen ihrer allzu selbständigen jungen Heldinnen zum Skandal. Als engagierte Antifaschistin stand Undset ganz oben auf der Roten Liste der Nazis und nach der Besetzung Norwegens konnte sie sich nur durch eine lebensgefährliche Flucht auf Skiern durch das Gebirge retten. Sigrid Undset wurde 1928 »vornehmlich für ihre kraftvollen Schilderungen des nordischen Lebens im Mittelalter« mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Außer ›Kristin Lavranstochter‹ schrieb sie die Erfolgsromane ›Olav Audunssohn‹, ›Viga-Ljot und Vigdis‹, ›Ida Elisabeth‹, ›Das glückliche Alter‹ und viele andere mehr.

Zur Übersetzerin:
Gabriele Haefs ist eine der bekanntesten Übersetzerinnen Deutschlands (u.a. von Jostein Gaarder, Håkan Nesser, Anne Holt). Sie wurde u.a. mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis ausgezeichnet, 2008 mit dem Sonderpreis für ihr übersetzerisches Gesamtwerk, 2011 mit dem Königlich-Norwegischen Verdienstorden.

Stimmen zum Buch:

„Mit der auch in Materialauswahl und Aufmachung sehr sorgsam gestalteten Neuedition legt der Kröner Verlag nicht nur ein zeitlos lesenswertes Buch vor. Gleichzeitig macht er sich in einer für Verlage nicht einfachen Zeit um ein großes literarisches Erbe verdient, das er mit einer neuen Auflage aus dem frühen 20. ins 21. Jahrhundert holt.“ – Buchtipp der Woche beim LeseZeichen Mannheim

„Kristin Lavranstochter ist eine kraftvolle Lovestory, die mich ins norwegische Mittelalter versetzt.“ – SRF, „Die BuchKönig“ bloggt

„Das ist dramatisch und ergreifend. Es ist nur noch eine Steigerung im dritten Band möglich. Manche Leser werden auch auf den dritten Teil ungeduldig warten!“ – Annemarie Stoltenberg, NDR

Eine „starke Frau“ sieht Peter Urban-Halle, Experte für Literatur aus Skandinavien, in der „Kristin Lavranstochter“. Und ihre Schöpferin, Sigrid Undset, ist eine „konservative Feministin“. – Deutschlandfunk Kultur, Podcast

„Sigrid Undset erzählt detailreich und spannend von Frauen im patriarchalen System, von heimlicher Liebe und Sündhaftigkeit. Die Handlung gleicht einer Achterbahnfahrt.“ – Radio Bremen

„Galt es zu Lebzeiten als Skandal, wie sich eine über Autoritäten hinwegsetzt, so geht Kristin heute als eindrucksvolle Gestalt durch, sich nicht einschüchtern lässt.“ – Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten

„Vergleicht man die beiden Übersetzungen, gewinnt man den Eindruck, dass es Gabriele Haefs vor allem darum gegangen ist, den Roman dem Vokabular und der Syntax wie dem Sprachrhythmus nach nicht ‚einzudeutschen‘, sondern ihm seine ursprüngliche, ans Altnordische angelehnte Gestalt zu bewahren, da, wo tendenziell nüchtern und schnörkellos entfaltet wird, da, wo eher lyrische Töne für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgen. Das führt anfangs zu niederschwelligen Rezeptionsbarrieren, die nach einer gewissen Einlesezeit aber vollständig abgebaut werden.“ – Günter Helmes, literaturkritik.de

„Ohne Frage ist die Jubiläumsausgabe der Trilogie um Kristin Lavranstochter gleich in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Denn für die Ausgabe des Kröner Verlages hat sich Übersetzerin Gabriele Haefs an eine vollständige Neuübersetzung begeben.“ – Sina-Christin Wilk, Kulturabdruck

„Dass der Roman vor etwas mehr als hundert Jahren geschrieben worden ist, merkt man
ihm nicht an, er liest sich flüssig. Vermutlich liegt das auch an der gelungenen Neuübersetzung von Gabriele Haefs.“ – Sarah Teicher, booknerds

„Sigrid Undset hatte ein sehr feines Auge für Stimmungen, zwischenmenschliche Gefühle sowie eindrückliche Naturbeschreibungen und auch die Übersetzerin Gabriele Haefs hat hier einen sehr harmonischen sprachlichen Klang gefunden, der sich wunderbar liest.“ – Barbara Pfeiffer, Kulturbowle

„Die Sprache der Norwegerin ist klar und sehr präzise, die Dialoge, vor allem in den dramatischen Szenen, dicht und pointiert.“ – Constanze Matthes, Zeichen & Zeiten

„Besonders gelungen sind die Beschreibungen der rauen Landschaft Mittelnorwegens. Der Frühling kommt spät, die Sommer sind kurz.“ – Petra Reich, LiteraturReich

„Die Entwicklungen zu verfolgen macht die Lektüre nicht nur interessant, sondern auch spannend, denn neben der mittelalterlichen Welt öffnen sich zutiefst menschliche Welten und Abgründe.“ – Petra Lohrmann, Gute Literatur – Meine Empfehlung

„Sigrid Undset erzählt nüchtern und unsentimental, auch wenn es um große Gefühlsausbrüche geht. Ihre Darstellung ist so ruhig, langsam und episch breit wie wir es aus den großen Romanen des 19. Jahrhunderts kennen.“ – Dieter Wunderlich

Informationen zum Buch:
Sigrid Undset
Kristin Lavranstochter. Die Frau
Roman. Band II. Übersetzt von Gabriele Haefs
450 Seiten, Halbleinen mit Lesebändchen, 24,00 €
ISBN: 978-3-520-62201-3
Band 1: Der Kranz, ist bereits erschienen, Band 3: Das Kreuz folgt im Frühjahr 2022.

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Kröner Verlag.