AXEL DIELMANN VERLAG: Oliver Teutsch – Die Akte Klabautermann

Berlin, 1946: In der zerstörten Stadt kämpft Hans Fallada ums Überleben. Einzig Johannes R. Becher, der Vorsitzende des Kulturbundes, bietet dem Schriftsteller eine Chance: Er soll auf Grundlage der „Akte Klabautermann“ den großen antifaschistischen Roman schreiben.

Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und die Sucht: Fallada, körperlich und psychisch am Ende, wehrt sich zunächst gegen den Romanstoff. Und schreibt dann doch, wie im Rausch, ein Manuskript über 700 Seiten. Die Veröffentlichung von „Jeder stirbt für sich allein“ wird der Schriftsteller, der am 5. Februar 1947 stirbt, jedoch nicht mehr erleben.

So wechselvoll wie Falladas Geschichte ist auch die Veröffentlichungshistorie von „Jeder stirbt für sich allein“: 1947 erscheint der Roman in stark veränderter Fassung. Erst in den 2000er-Jahren wird er in den USA wiederentdeckt und kommt 2011 erstmals beim Aufbau Verlag in einer ungekürzten Version heraus. Der Journalist Oliver Teutsch war von der Wiederentdeckung des Romans so fasziniert, dass er sich 2014 auf eine ausführliche Recherche nach der Entstehung dieses Buches machte. Und nun in seinem Romandebüt „Die Akte Klabautermann“ mitreißend davon erzählt, wie dieser Schlüsselroman der deutschen Literatur entstand.

Während das vom Krieg zerstörte Berlin aus seinen Trümmern heraus zu neuem Leben kommt, spielt sich um Fallada die Entstehungsgeschichte eines Romans ab, die ebenso spannend wie der Weltbestseller selbst ist. Und die zudem eine imposante Galerie von zeitgenössischen Figuren im Gepäck hat. So entführt „Die Akte Klabautermann“ auch mitten in eine Zeitreise in das Berlin der Nachkriegszeit. Die Not der Bevölkerung, der illegale Schwarzmarkthandel, die Zonenpolitik und die Zerrissenheit der intellektuellen Elite, der Kampf der Zonenmächte um die geistige Vorherrschaft, dies alles wird so eindrücklich und lebendig erzählt, als wäre man mittendrin.

„Die Akte Klabautermann“: Ein spannend geschildertes Kapitel der Literatur- und Nachkriegsgeschichte, ein überzeugender Debütroman.

Zum Autor:
Oliver Teutsch wurde 1969 in Frankfurt am Main geboren. Seine berufliche Karriere begann er als Hospitant und freier Mitarbeiter bei der Frankfurter Neuen Presse. Nach dem Abitur Studium der Politikwissenschaften in Frankfurt war er lange für die Nachrichtenagentur ddp, die Frankfurter Rundschau und mehrere Jahre für den Deutschen Fußball-Bund DFB tätig. Heute ist Teutsch als Redakteur bei der Frankfurter Rundschau für Themen aus den Bereichen der Justiz, Polizei, Wirtschaft und für große Reportagen zuständig.

Informationen zum Buch:
Oliver Teutsch
Die Akte Klabautermann
Axel Dielmann Verlag, Frankfurt a. Main, Januar 2022
Hardcover mit Lesebändchen und ausführlichem Glossar, 20,00 €
ISBN: 978 3 86638 343 2
http://www.dielmann-verlag.de/

In der Frankfurter Rundschau ist bereits ein Vorabdruck erschienen:
Großer Mann – was nun?

MIRABILIS VERLAG: Herbert Heinrich Beckmann – Es sind Kinder

Was geschieht, wenn Konflikte nicht gelöst werden? Wenn für unterschwellige Aggressionen ein Ventil gesucht wird, ein Sündenbock herhalten muss? Diesen Fragen geht Herbert Heinrich Beckmann in seinem neuen Roman „Es sind Kinder“ nach: spannungsgeladen und mit einem feinen Gespür für die inneren und äußeren Konflikte seiner Protagonisten.

Tine und Stefan sind ein Paar am Abgrund. Der dünne Faden, der ihre Beziehung noch zusammenhält, ist ihr kleiner Sohn Leon. Doch als dieser beim gemeinsamen Urlaub auf einer Insel mitten in der Baltischen See plötzlich spurlos verschwindet, stehen die beiden vor einer ganz besonderen Belastungsprobe. Das Kind Leon geht unterdessen seinen eigenen Weg. 

Mit psychologischem Feingefühl zeichnet Herbert Heinrich Beckmann, Autor erfolgreicher Kriminalromane, das Psychogramm einer eskalierenden Beziehung in einer Atmosphäre unerklärlicher subtiler Bedrohung. Ein Roman, der ebenso rätselhaft ist wie spannend.

Der Autor:
Herbert Heinrich Beckmann, geboren 1960, schreibt unter verschiedenen Namen für Erwachsene und Kinder: Hörspiele, Radiogeschichten, Romane und Erzählungen. Von ihm sind unter anderem erschienen: 

Atlantis Westberlin (2000), Ch. Links Verlag
Die Nacht von Berlin (2012), Gmeiner Verlag
Der Jesus von Kreuzberg (Kinderhörspiel, rbb 2012/ rbb media 2019)
Hotel ohne Wiederkehr (2018), Gmeiner Verlag
Nacht vor meinen Augen (2019), Gmeiner Verlag 

Er stand mit seinen Büchern unter anderem 2010 auf der Shortlist und 2012 der Longlist beim Sir-Walter-Scott-Preis, 2012 zudem auf der Top-5-Liste zum Deutschen Kinderhörspielpreis.

Herbert Heinrich Beckmann lebt mit seiner Familie in Berlin. 

Informationen zum Buch:

Herbert Heinrich Beckmann
Es sind Kinder. Roman
Mirabilis Verlag, 2021
Umschlaggestaltung: Florian L. Arnold
Hardcover, Fadenheftung, Schutzumschlag, Lesebändchen, 248 Seiten; 22 €
ISBN 978-3-947857-13-5

Stimmen zum Buch:

„Geschickt evoziert Herbert Heinrich Beckmann in „Es sind Kinder“ von Anfang an das Gefühl einer Bedrohung der drei Hauptfiguren.“ – Dieter Wunderlich

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Mirabilis Verlag.


KRÖNER VERLAG: Sigrid Undset – Kristin Lavranstocher. Die Frau, Bd. 2

Das literarische Großprojekt beim Kröner Verlag gedeiht weiter: Nun liegt der zweite Band der Trilogie „Kristin Lavranstochter“ in einer neuen Übersetzung durch Gabriele Haefs vor, die diesen Roman von Sigrid Undset hell leuchten lässt. Gabriele Haefs übertrug das Werk, wie der Vergleich zur bisherigen übersetzten Fassung nahelegt, vermutlich erstmals aus der norwegischen Sprache: Dies gibt der Trilogie Authentizität und zugleich einen neuen Glanz. Deutschsprachige Leser kommen nun endlich in den vollen Genuss von Undsets außergewöhnlicher sprachlicher Ausdruckskraft.

Zum Buch:
Mit der ›Frucht der Sünde‹ im Leib und einer fürchterlichen Angst im Herzen trifft Kristin Lavranstochter als legitime Ehefrau von Erlend Nikulaussohn auf Husaby ein. Erlend ist derweil vor allem mit Politik, mit Kriegszügen und Intrigen, beschäftigt, vernachlässigt den eigenen Hof aufs Sträflichste, überlässt seiner Frau daneben die Sorge um die gemeinsamen und auch die Kinder mit seiner ehemaligen Geliebten. Als eine geplante Intrige in höchsten Kreisen auffliegt, droht die Katastrophe.
Die ganz große Stärke von Sigrid Undset ist, neben atemberaubenden Landschaftsbildern, die Charakterzeichnung, was ihrem großen Roman die seltene Kraft verleiht, dass wir Kristins Freuden und Leiden wirklich miterleben, dass wir mit ihr leiden und lieben, obwohl sie mit einer Zeit und mit Werten zu kämpfen hat, die nicht mehr die unsrigen sind. Der Literaturnobelpreis für die Trilogie ist nur konsequent.

Zur Autorin:
Sigrid Undset (1882–1949) gilt als eine der größten und einflussreichsten Schriftstellerinnen Norwegens. Ihre zeitgenössischen Romane Frau ›Marta Oulie‹ und ›Jenny‹ wurden wegen ihrer allzu selbständigen jungen Heldinnen zum Skandal. Als engagierte Antifaschistin stand Undset ganz oben auf der Roten Liste der Nazis und nach der Besetzung Norwegens konnte sie sich nur durch eine lebensgefährliche Flucht auf Skiern durch das Gebirge retten. Sigrid Undset wurde 1928 »vornehmlich für ihre kraftvollen Schilderungen des nordischen Lebens im Mittelalter« mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Außer ›Kristin Lavranstochter‹ schrieb sie die Erfolgsromane ›Olav Audunssohn‹, ›Viga-Ljot und Vigdis‹, ›Ida Elisabeth‹, ›Das glückliche Alter‹ und viele andere mehr.

Zur Übersetzerin:
Gabriele Haefs ist eine der bekanntesten Übersetzerinnen Deutschlands (u.a. von Jostein Gaarder, Håkan Nesser, Anne Holt). Sie wurde u.a. mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis ausgezeichnet, 2008 mit dem Sonderpreis für ihr übersetzerisches Gesamtwerk, 2011 mit dem Königlich-Norwegischen Verdienstorden.

Stimmen zum Buch:

„Mit der auch in Materialauswahl und Aufmachung sehr sorgsam gestalteten Neuedition legt der Kröner Verlag nicht nur ein zeitlos lesenswertes Buch vor. Gleichzeitig macht er sich in einer für Verlage nicht einfachen Zeit um ein großes literarisches Erbe verdient, das er mit einer neuen Auflage aus dem frühen 20. ins 21. Jahrhundert holt.“ – Buchtipp der Woche beim LeseZeichen Mannheim

„Kristin Lavranstochter ist eine kraftvolle Lovestory, die mich ins norwegische Mittelalter versetzt.“ – SRF, „Die BuchKönig“ bloggt

„Das ist dramatisch und ergreifend. Es ist nur noch eine Steigerung im dritten Band möglich. Manche Leser werden auch auf den dritten Teil ungeduldig warten!“ – Annemarie Stoltenberg, NDR

Eine „starke Frau“ sieht Peter Urban-Halle, Experte für Literatur aus Skandinavien, in der „Kristin Lavranstochter“. Und ihre Schöpferin, Sigrid Undset, ist eine „konservative Feministin“. – Deutschlandfunk Kultur, Podcast

„Sigrid Undset erzählt detailreich und spannend von Frauen im patriarchalen System, von heimlicher Liebe und Sündhaftigkeit. Die Handlung gleicht einer Achterbahnfahrt.“ – Radio Bremen

„Galt es zu Lebzeiten als Skandal, wie sich eine über Autoritäten hinwegsetzt, so geht Kristin heute als eindrucksvolle Gestalt durch, sich nicht einschüchtern lässt.“ – Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten

„Vergleicht man die beiden Übersetzungen, gewinnt man den Eindruck, dass es Gabriele Haefs vor allem darum gegangen ist, den Roman dem Vokabular und der Syntax wie dem Sprachrhythmus nach nicht ‚einzudeutschen‘, sondern ihm seine ursprüngliche, ans Altnordische angelehnte Gestalt zu bewahren, da, wo tendenziell nüchtern und schnörkellos entfaltet wird, da, wo eher lyrische Töne für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgen. Das führt anfangs zu niederschwelligen Rezeptionsbarrieren, die nach einer gewissen Einlesezeit aber vollständig abgebaut werden.“ – Günter Helmes, literaturkritik.de

„Ohne Frage ist die Jubiläumsausgabe der Trilogie um Kristin Lavranstochter gleich in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Denn für die Ausgabe des Kröner Verlages hat sich Übersetzerin Gabriele Haefs an eine vollständige Neuübersetzung begeben.“ – Sina-Christin Wilk, Kulturabdruck

„Dass der Roman vor etwas mehr als hundert Jahren geschrieben worden ist, merkt man
ihm nicht an, er liest sich flüssig. Vermutlich liegt das auch an der gelungenen Neuübersetzung von Gabriele Haefs.“ – Sarah Teicher, booknerds

„Sigrid Undset hatte ein sehr feines Auge für Stimmungen, zwischenmenschliche Gefühle sowie eindrückliche Naturbeschreibungen und auch die Übersetzerin Gabriele Haefs hat hier einen sehr harmonischen sprachlichen Klang gefunden, der sich wunderbar liest.“ – Barbara Pfeiffer, Kulturbowle

„Die Sprache der Norwegerin ist klar und sehr präzise, die Dialoge, vor allem in den dramatischen Szenen, dicht und pointiert.“ – Constanze Matthes, Zeichen & Zeiten

„Besonders gelungen sind die Beschreibungen der rauen Landschaft Mittelnorwegens. Der Frühling kommt spät, die Sommer sind kurz.“ – Petra Reich, LiteraturReich

„Die Entwicklungen zu verfolgen macht die Lektüre nicht nur interessant, sondern auch spannend, denn neben der mittelalterlichen Welt öffnen sich zutiefst menschliche Welten und Abgründe.“ – Petra Lohrmann, Gute Literatur – Meine Empfehlung

„Sigrid Undset erzählt nüchtern und unsentimental, auch wenn es um große Gefühlsausbrüche geht. Ihre Darstellung ist so ruhig, langsam und episch breit wie wir es aus den großen Romanen des 19. Jahrhunderts kennen.“ – Dieter Wunderlich

Informationen zum Buch:
Sigrid Undset
Kristin Lavranstochter. Die Frau
Roman. Band II. Übersetzt von Gabriele Haefs
450 Seiten, Halbleinen mit Lesebändchen, 24,00 €
ISBN: 978-3-520-62201-3
Band 1: Der Kranz, ist bereits erschienen, Band 3: Das Kreuz folgt im Frühjahr 2022.

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Kröner Verlag.

Henry James: „Die Europäer“ und „Die Gesandten“

james

Bild: (c) Michael Flötotto

Es mag ein Zufall gewesen sein, aber zum 100. Todestag von Henry James veröffentlichten zwei Verlage zwei Romane in neuer Übersetzung, die am Anfang und Ende seines Schaffens stehen – und einen thematischen Kreis schließen. Zu Beginn seiner Karriere lässt Henry James die Europäer in die Vereinigten Staaten kommen – gegen Ende suchen die Amerikaner in Europa ihr Glück und verlieren dabei die Orientierung.

„Die Europäer“, beim Manesse Verlag erschienen, ist ein luftig-leichtes Frühwerk. Eher ein Appetithäppchen, das die Neugier erweckt auf die späteren Bücher des Amerikaners, der ein Lebensthema hatte: Das Aufeinanderprallen der „alten“ und der „neuen“ Welt. Das amüsante Wechselspiel um einige Amouren und Aufeinanderprallen der Kulturen zeigt den Stil von Henry James bereits in den Grundzügen: Er forscht in den Regungen der Seele – auch wenn sein gestrenger Bruder William, berühmter Psychologe seiner Zeit, den Roman als „leer“ verurteilte. „Die Europäer“ erinnert – insbesondere durch den eloquenten Einsatz von Dialogen – an ein Stück von Oscar Wilde: Locker, luftig, leicht und amüsant.

„Die Gesandten“ dagegen, sein vorletzter Roman und in neuer Übersetzung durch Michael Walter beim Hanser Verlag erschienen, ist von ganz anderem Gewicht: Ein Amerikaner kommt nach Paris, um dort die Mesalliance eines jungen Mannes aus seiner Heimat mit einer Dame von zumindest angekratztem Ruf zu verhindern – der Herr in den besten Jahren verliert jedoch in der Alten Welt bald auch sein inneres Gleichgewicht: Paris, das ist so ganz anders, als Lambert Strether es sich in seiner amerikanisch-puritanischen Haltung vorstellen konnte. Strether beginnt sich selbst zu fragen, ob sein eigenes Leben nach den richtigen Prinzipien ausgerichtet ist.

Die „Europäer“ erschien zuerst 1878 in The Atlantic Monthly, im Herbst 2015 beim Manesse Verlag in neuer Übersetzung durch Andrea Ott. Mit seinem locker-leichten Ton, mit den ironischen Seitenhieben auf die neureiche Neue Welt und den abgewirtschafteten Adel der Alten Welt, mit seinen Dialogen wie Ping-Pong-Spielen und den amourösen Verwicklungen ist es ein leichtes Lesevergnügen und wartet mit reichlich viel Happy-Endings auf: Vier Hochzeiten und eine Abreise. Ausgerechnet Eugenia, die „Edelgeborene“, die sich einen wohlhabenden Amerikaner angeln wollte, geht leer aus.

James konstruiert in diesem Roman einen „clash der Kulturen“ – im eigentlichsten Sinne. Denn Eugenia und ihr malender Bruder Felix, mittellos und auf gute Partien hoffend, sind ganz der Kunst, auch der Kunst des Salongesprächs, zugeneigt – vor allem bei Eugenia weiß selbst der Leser nie ganz genau, worauf sie bei ihren Geplänkeln hinaus will. Am Ende verstrickt sie sich in ihren eigenen verbalen Fäden. Hier die überfeinerten Europäer – dort die puritanischen, grundehrlichen Amerikaner, die jedoch eines nicht können: Über ihre eigenen Gefühle und Stimmungen reflektieren, Innenschau halten. Auf diesem Gegensatz beruht dieser amüsante Roman.

Gustav Seibt schreibt in seinem Nachwort zur Manesse-Ausgabe:

„Der ästhetisch-kulturelle Gegensatz zwischen Europa und Amerika bleibt als historisches Thema bedeutend genug – die Frage nach dem Verhältnis von Vorgänger- und Nachfolgerkulturen wird die globalisierte Welt auch in Zukunft begleiten. Und wie wenig James, bei aller Liebe zu den Künstlern Europas, den amerikanischen Standpunkt verleugnet, zeigt sich etwas in dem stolzen Satz von Mr. Wentworth, der, auf den fürstlichen Stand seiner Cousine Eugenia angesprochen, knapp erklärt: „Hierzulande sind wir alle Fürsten.“ 

Thematisch ähnlich, doch deutlich komplexer ist das von Michael Walter für den Hanser Verlag neu übersetzte Werk „Die Gesandten“, das 1903, ebenfalls zunächst als Vorabdruck in einer Zeitschrift, erschien. Das Buch ist eine Herausforderung an die Leser: Ein echter Henry James. Es lebt von präzis-minutiöser Erforschung des Innenlebens seiner Protagonisten und doch bleibt manches unausgesprochen, verharrt in Andeutungen, vieles erklärt sich nur vage an kleinen Handlungen, Äußerungen, in Nuancen.

Der biedere Herausgeber einer Zeitschrift, Lewis Lambert Strether, aus dem Städtchen Woollett (Massachusetts) soll den Sohn der ebenfalls sehr biederen Witwe Mrs. Newsome nach Hause holen: Jung-Newsome lebt in Paris, ist in eine amouröse Geschichte mit einer klugen, charmanten Französin namens Madame de Vionnet verstrickt und denkt gar nicht daran, sich wieder in die Eintönigkeiten amerikanischen Kleinstadt- und Geschäftslebens zu fügen. In den Augen der gestrengen Mrs. Newsome (und zunächst auch in Strethers Auffassung) hat Madame de Vionnet ein ganzes Bündel an Fehlern: Sie ist um einige Jahre älter, verheiratet und zudem mit einer hübschen Tochter gesegnet. Obwohl zutiefst unglücklich, ist die Ehe mit einem Adeligen, die nur noch auf dem Papier besteht, nicht auflösbar. Überkommener Adelcodex trifft auf amerikanischen Puritanismus.

Strether, der selbst an eine Verbindung mit Mrs. Newsome denkt, ist zunächst guter Dinge, seinen Auftrag bewältigen zu können – und scheitert. Denn seine „Pariser Erfahrungen“ führen ihn zu ganz zentralen Fragen an sich selbst, zu einer Auseinandersetzung mit seinem Leben. Bei einer Unterhaltung mit einem jungen, unsicheren Mann, den er in der Hauptstadt der Liebe kennenlernt, bricht es plötzlich aus dem rechtschaffenen Amerikaner heraus:

„Leben Sie, so intensiv Sie können; alles andere ist ein Fehler. Was Sie tun, spielt eigentlich keine große Rolle, solange Sie ihr eigenes Leben leben. Wenn Sie das nicht gelebt haben, was haben Sie dann überhaupt gehabt?“ 

Verbunden mit dem temperamentvollen Appell an den jüngeren Mann ist jedoch die melancholische Einsicht, dass für ihn selbst, den 55jährigen, der Zug wohl schon abgefahren ist – und dennoch kehrt Strether am Ende des Romans nach Hause zurück. Allerdings ist er nicht mehr derselbe, wie der Abschied von einer amerikanischen Freundin in Paris am Ende des Romans verdeutlicht.

„Es brachte sie zurück auf ihre unbeantwortet gebliebene Frage. „Was erwartet Sie denn zu Hause?“
„Ich weiß es nicht. Irgendetwas gibt es immer.“
„Eine große Veränderung“, sagte sie, während sie seine Hand festhielt.
„Eine große Veränderung – ganz ohne Zweifel. Trotzdem werde ich sehen, was sich daraus machen lässt.“

Maike Albath, eine ausgezeichnete Kennerin von Henry James` Werk, schreibt über „Die Gesandten“:

„Hier klingt ein weiteres zentrales Motiv von Henry James an, das er in vielen Romanen variiert: das des verpassten Lebens. Gründe dafür können Zaghaftigkeit, emotionale Taubheit, aber auch wirtschaftliches Kalkül sein, wie in seinem groß angelegten Fresko „Die Flügel der Taube“, in dem Berechnung schließlich jede tiefere Gefühlsregung verfälscht und Verstellung eine fatale Dynamik entwickelt. In seinem ausführlichen Nachwort, das in dieser Ausgabe zum ersten Mal auf Deutsch erscheint, erzählt der Autor, wie er 1895 über einen Freund von einem älteren Gentleman hörte, der einen jungen Mann vor der Gefahr des Verzichts warnte.“ 

Ihr Artikel verknüpft Kenntnis des Werks und der Biographie des Autors geschickt. Wer sich Henry James annähern will, findet hier eine gute Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/buch-der-woche-henry-james-die-gesandten.700.de.html?dram:article_id=346874 

Auch heute noch, in einer globalisierten Welt, in der durch die digitalen Medien scheinbare Nähe aufgebaut wird, wirken die Romane Henry James in ihrem Kernthema – Alte Welt versus Neue Welt – eigenartig modern. Die jüngsten Präsidentschaftswahlen haben dies vielleicht einmal mehr gezeigt, wie wenig wir von den Vorgängen in den USA und der amerikanischen „Seele“ wissen. James, der sich selbst zeitlebens in Europa wohler fühlte, hätte das Erstaunen der Europäer über Trumps` Wahl vielleicht mit einem Schulterzucken und einem wissenden, müden Lächeln quittiert. Immer wieder hat er in seinen Büchern versucht, die Masken zu lüften – und immer wieder doch auch aufgezeigt, wie vieles die alte von der neuen Welt trennt.

Verlagsinformationen zu „Die Europäer“:
https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Europaeer/Henry-James/Manesse/e483140.rhd

Verlagsinformationen zu „Die Gesandten“:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-gesandten/978-3-446-24917-2/


„Es war allerdings ein Leichtes, nicht zu sprechen, wo die eigentliche Schwierigkeit doch darin lag, Worte zu finden.“

Henry James, „Die Kostbarkeiten von Poynton“, Manesse Verlag, 2017.

Henry James ist einer dieser Schriftsteller, die nie ganz weg, aber auch nie ganz da sind – wohl jeder, der sich mit englischsprachiger Literatur befasst, wird eines seiner bekanntesten Werke, sei es „Die Drehung der Schraube“, „Portrait of a Lady“ oder „Washington Square“ gelesen haben. Doch die gesamte Fülle seines Werks harrt immer noch einer angemessenen Übertragung ins Deutsche.
Umso mehr muss man anerkennen, dass beim Manesse Verlag seit einiger Zeit nach und nach einiger seiner Werke in hervorragender neuer Übersetzung erscheinen – und darunter, so wie nun mit „Die Kostbarkeiten von Poynton“, durchaus nicht nur die oben genannten, bereits berühmten Titel, sondern auch ein Roman, der zu den weniger bekannten Stücken aus James` Gesamtwerk zählt.

Wie Alexander Cammann in seinem Nachwort herausarbeitet, bildet dieses Buch eine Art Zäsur im Schaffen des amerikanischen Schriftstellers. Mit dem Krebstod seiner Schwester Alice, dem Tod seines Brieffreundes Robert Louis Stevenson und dem Suizid seiner Seelenverwandten Constance Fenimore Cooper hatte Henry James innerhalb kürzester Zeit seine engsten Vertrauten verloren, dazu kam sein öffentliches Scheitern als Bühnenautor. Seine Reaktion: Er setzt sich mit seinem eigenen Schaffen auseinander, beginnt wieder an einem Roman zu schreiben: „Ich gedenke, weit bessere Arbeit zu leisten als je zuvor.“

An dem 1896 erstmals veröffentlichten Poyntoner Kostbarkeiten werden sich die Geister scheiden: Wer sich mit dem Stil von Henry James, der zugegebenermaßen wenig „actionreich“ ist, sowieso nicht anfreunden kann, der wird das Buch entnervt zur Seite legen. Andere finden darin jedoch ihren vollen Genuss.

Im Grunde ist die Geschichte etwas Schall, sehr viel Rauch – Rauch, in dem das vermeintliche Objekt der Begierde, ein mit Devotionalien vollgestopftes Haus, am Ende in Flammen aufgeht. Eine unerwartete Pointe für eine Erzählung, die jedoch um einen ganz anderen Kern kreist: Die Unfähigkeit der beteiligten Personen, die (selbstauferlegten) Grenzen der Konvention, der öffentlichen und der gefühlten Moral abzulegen und ihrem eigentlichen Bedürfnissen und Gefühlen nachzugeben. Am Ende liegt alles buchstäblich in Schutt und Asche – auch das Lebensglück eines verliebten Paares, das nicht fähig ist zu können, wie es wollen sollte.

Nikolaus Stingl hat in seiner Übersetzung die leisesten Schwingungen und Untertöne, die Henry James seinen Figuren bei diesem dialoghaltigen Roman in den Mund legt, hervorragend aufgenommen. James, der souveräne „Menschenautor“, lässt einem jede feinziselierte Seelenregung seines Personals nachvollziehen, obwohl niemals direkt das ausgesprochen wird, was eigentlich gemeint ist – auch das macht die Lektüre insbesondere seines Spätwerks, das durch „Die Kostbarkeiten von Poynton“ eingeläutet wurde, zu einem herausfordernden Genuss.

Verlagsinformationen zum Buch:
https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Kostbarkeiten-von-Poynton/Henry-James/Manesse/e450014.rhd

Spende? Gerne!

Wer das Engagement dieses Blogs unterstützen möchte, kann dies gerne mit einem Beitrag via Paypal tun. Oder ganz klassisch mit einer Überweisung, die Daten dafür finden sich im Impressum.

€5,00

Joachim Geil: Ruhe auf der Flucht

Geil„Als Jill vor wenigen Wochen sagte, mein Onkel und ihr Vater seien fällig, fragte ich mich, ob sie deren Tod meinte, Der Tod ist ein ausgetretener Pfad, den zu viele beschritten haben, als dass er noch erstrebenswert wäre (allein der Todestourismus in die Schweiz, und gegen die Todesstrafe bin ich auch, obwohl es seit der Zarenkrise wieder viele Fürsprecher gibt, mehr denn je). Er hat seine ruhmreichen Zeiten hinter sich, aber als momentane Beatmung einer großen Flucht ins Endgültige bekommt der Tod einen coolen Reiz.“ 

Joachim Geil, „Ruhe auf der Flucht“, Steidl Verlag, 2016 

Was für ein seltsames, irritierendes, faszinierendes Buch. Genregrenzen? Einfach gesprengt. Erzählebenen? Durchmischt, vermischt, verwoben. Typographisches Einheitsbild? Gesetzte Kunst statt Einheitsbrei.

Ich muss zugeben: Es dauerte ein wenig, bis ich in die „Kellersonderwelt“ dieses Protagonisten hineinfand. Bildstarker Einstieg, dann der erste abrupte Einschub, Jan mit dem Kurzhaarschnitt wechselt an die Stelle des Erzählers Hubert.

Kein stringenter Erzählfaden eben (sondern ein Roman in vier Teilen und neunundfünfzig Verwahrstücken). Also auch keine „Ruhe auf der Flucht“. Man muss beim Lesen so hellwachsein wie der junge Hubert, seines Zeichens Ich-Erzähler (dem die Geschichte jedoch des Öfteren aus der Hand genommen wird), wenn der Onkel vor der Tür steht. Man muss die Geschichte mit den in einer Art Register angehängten Verwahrstücken, Puzzleteilen gleich, zusammenfügen, einen Sinn suchen, zugleich schon ahnend, dass neue Fragen sich öffnen werden. Aber dies vermag ein gutes Buch: Es wirft auch nach dem Lesen neue Fragen auf. Und so schlägt man am Ende den Roman zu, verwirrt, manches bleibt unaufgelöst, aber doch wissend: Da habe ich etwas ganz Besonderes gelesen.

Den Inhalt von Joachim Geils Roman in einer Rezension zusammenzufassen, ist kein einfaches Unterfangen. In einem Interview sagt der Schriftsteller: „In diesem Roman sind alle auf der Flucht“. Selbst die Hauptfigur, die äußerlich sesshaft scheint, flüchtet sich „in Kopfwelten“.

Vordergründig erzählt wird die Geschichte des 36jährigen Hubert, der – immer noch mit dem leiblichen Onkel zusammenlebend – Rachepläne schmiedet: Als Kleinkind ist er nach dem tödlichen Unfall seiner Eltern zu dem alleinstehenden Mann gekommen. Doch die größte Lust dieses gepflegten, sich so weltmännisch gebenden Kulturmanagers einer pfälzischen Kleinstadt ist es, den Jungen zu misshandeln und zu missbrauchen – das geht so Jahre hinweg, bis Hubert uninteressant – weil zu männlich – für den Peiniger wird.

Parallel dazu wird von Jan erzählt – dessen erste Begegnung mit dem Rahmenhändler Daniel in einer Verführung endet, die einer Vergewaltigung gleicht. Gemeinsam mit dem älteren Mann zieht Jan auf eine irrsinnige Diebestour von Colmar bis Karlsruhe – zwei rätselhafte, aber durchaus anziehende Kunsträuber auf der Walz. Jans Traum: „Ein Weltschrank, wo endlich alles reinpasst.“ Die Welt, in Schubladen geordnet – ein Konzept, dem sich Joachim Geils Buch gekonnt entzieht. Ironie als Stilmittel, um immer wieder Lesererwartungen zu brechen:

 „Daniel nennt es Trip.“

 „Mein Onkel nannte es Hirnwichserei („…ach, sorry, Hubsi, war nicht so gemeint, wahrscheinlich hast du recht.“ Hätte er mehr gewichst und weniger gefickt, wäre ich womöglich das Opfer einer glücklichen Kindheit geworden.“

Erst nach und nach löst es sich auf, dass Jan offenbar nicht der angebetete Nachbarsjunge Huberts ist, sondern dessen Erfindung, sein abenteuerliches Flucht-Alter-Ego? Von denen Hubert mehrere hat – so auch den psychisch kranken Dichter Jakob van Hoddis, ebenfalls ein ewig Flüchtender, der jedoch – ähnlich wie Hubert – dann ausgerechnet an dem Ort, an dem es für ihn zum Schrecklichsten kommt, bleibt.

Während Jan und Daniel ihre Kreise ziehen, führt ein weiterer Erzählstrang auf die Spuren eines Frauenmörders, dessen Taten der Erzähler seinem von Parkinson geschüttelten Onkel unterschiebt. Rache vollendet, scheinbar.

Damit noch nicht genug an phantastischen Erzähleinfällen und -schüben: Afrikanische Flüchtlinge, die wie im KZ gefangen gehalten werden, Vor- und Rückblenden, in denen unter anderem von Jakob van Hoddis, von Georg Heym und Hölderlin erzählt wird, flämische Künstler, die zum Leben erweckt werden: Joachim Geil zeigt eine Lust am Spiel mit Identitäten und Erzählebenen, die beim Lesen zunehmend mehr an eigener Spiellust weckt. Er erzählt von Flucht und Flüchtenden, ein weiteres zentrales Thema ist jedoch auch dieses von Schuld und Sühne: Selbst mit vollzogener Rache ist Hubert nicht befreit – der Racheakt auch ein Akt der Selbst-Verschuldung.

Missbrauchsdrama, düsterer Thriller, Provinzposse, Dystopie und vieles mehr – dieser Roman hält sich nicht an Grenzen, nicht an Formen und Stile und, wie eingangs erwähnt, nicht an Schrifttypen: „Ruhe vor der Flucht“ ist auch optisch ein auffallendes Buch, typographisch mit viel Sorgfalt gemacht, handwerklich perfekt. Ein „Steidl-Buch“ sagt der Autor, der eigentlich einen ganz „normalen“ Roman geplant hatte. Doch da nahm im einerseits der kalligraphisch begabte Protagonist die Feder aus der Hand, andererseits entwickelte sich die Zusammenarbeit mit dem Künstler Reinhard Doubrawa, ein Dialog, der Wort und Bild in den Verwahrstücken zusammenführt.

„Ruhe auf der Flucht“ ist der Schlusspunkt einer Art „Heimattrilogie“, die jeweils im Pfälzischen angesiedelt ist. Vor allem aber sind es Bücher, die um die Themen Vergeblichkeit und Vergeben im menschlichen Leben kreisen.

Schon in seinem Debütroman „Heimaturlaub“, der von einem Soldaten im Zweiten Weltkrieg handelt, als auch in „Tischlers Auftritt“, der die Fragen der 1968er-Generation aufgreift (beide ebenfalls bei Steidl erschienen), stellte Joachim Geil Männer in den Mittelpunkt, die aus den richtigen Gründen das Falsche tun, die Schuld auf sich laden. Mit dem ungewöhnlichen Roman „Ruhe auf der Flucht“ zeigt der in Köln lebende Autor seine unkonventionelle Gestaltungskraft auf. „Ruhe auf der Flucht“: ein empfehlenswertes Buch für Leser, die die Geduld haben, sich einem Buch nicht nur flüchtig, sondern in aller Ruhe zu widmen.

Ein Blick in das Buch lohnt sich sehr:
https://steidl.de/Buecher/Ruhe-auf-der-Flucht-1639425061.html

Spende? Gerne!

Wer das Engagement dieses Blogs unterstützen möchte, kann dies gerne mit einem Beitrag via Paypal tun. Oder ganz klassisch mit einer Überweisung, die Daten dafür finden sich im Impressum.

€5,00

KRÖNER VERLAG: Eduardo Lago – Brooklyn soll mein Name sein

»Mehr noch als ein erster Roman ist ›Brooklyn soll mein Name sein‹ ein außergewöhnlicher Roman, wie es sie im Literaturbetrieb nur selten gibt. Seine Lektüre ist mitreißend und erfüllt einen ganz und gar, und am Ende möchte man sofort wieder anfangen. Dieses Buch hat seinen Autor gefunden.«
Le Monde


Eine Bar in den Docks von Brooklyn, bevölkert von einer Ansammlung seltsamer Gestalten, Seeleute, Einwanderer, Ausgestoßene, allesamt Heimatlose, von den Widrigkeiten der Welt an diesen Ort gespült, wo sie unter ihresgleichen ein Stück Heimat wiederzufinden hoffen. Der Kapitänstisch ist reserviert für Gal Ackerman, einen Schriftsteller, der mit dem Roman seines Lebens eine einzige Leserin zu erreichen sucht: Nadja Orlov, seine seit Jahren verschollene große Liebe. Gals Existenz umgibt ein großes Geheimnis, das Raum und Zeit übergreift, zurückreicht bis in die Zeit des Spanischen Bürgerkriegs. Nach seinem Tod ist es an seinem Freund Ness, das Geheimnis seines Lebens Stück für Stück zu entschlüsseln und auf diese Weise seinen Roman zu Ende zu schreiben.

»Brooklyn soll mein Name sein« entwickelt einen unheimlichen Sog, der einen nicht so schnell wieder loslässt. In selten eindringlichen Bildern erzählt er von Freundschaft, von Liebe und abgrundtiefer Einsamkeit, die selbst die Freundschaft nicht heilen kann, und, wie sollte es anders sein, von Brooklyn.

Eduardo Lago, geboren 1954 in Madrid, ist Schriftsteller, Übersetzer und Literaturkritiker, der für seine Interviews mit den bedeutendsten nordamerikanischen Schriftstellern für ›El País‹ vielfach ausgezeichnet wurde. Nach vielen Jahren als Direktor des Instituto Cervantes in New York arbeitet er inzwischen als Professor für Literatur am Sarah Lawrence College nahe Manhattan. Für sein Romandebüt »Llamame Brooklyn« wurde er 2005 aus dem Stand mit dem Premio Nadal, dem bedeutendsten spanischen Literaturpreis ausgezeichnet. Obwohl das Buch danach in zahlreiche weitere Sprachen übersetzt wurde, liegt es nun erstmals in deutscher Sprache vor.

Pressestimmen:

„Mit der Kombination von kräftiger Kolportage und zarter intellektueller Reflexion schafft Eduardo Lago eine aufregende Version des magischen Realismus, stärker noch inspiriert als die lateinamerikanische vom „Ulysses“ von Joyce, der wichtig ist für Lago (…)“ – Fritz Göttler in der Süddeutschen Zeitung

„Die Hauptperson ist nach wenigen Seiten tot. Was anschließend auf 460 Seiten erzählt wird, sind „atmende Seiten“. Kurz: Es ist Literatur. Nicht zuletzt der Roman Brooklyn soll mein Name sein des Spaniers Eduardo Lago selbst.“
Alexander Kluy in der „Der Standard“

„Eine große Hymne auf diesen New Yorker Stadtteil.“
Johannes Lau in der „Buchkultur“ 5/2021

„Lago ist ein talentierter Erzähler, der mit großer psychologischer Tiefenschärfe schreibt und dem komplexen Innenleben seiner Figuren feinfühlig auf den Grund geht. Sein Roman ist mal poetisch, mal kurios, oft melancholisch und niemals langatmig. Am Ende möchte man Lagos Brooklyn-Mikrokosmos am liebsten gar nicht mehr verlassen.“ – Victoria Eglau, Deutschlandfunk Kultur

„Wer als Leser*in keine Angst vor Überfülle hat und Umwege liebt, wer gerne wissen will, wie alles mit allem zusammenhängt, wie Zeiten sich überlagern, Orte sich kaleidoskopisch auflösen, darf sich bei Eduardo Lago und seinem Kampf gegen die Furie des Verschwindens gut aufgehoben fühlen. Lago führt in lauter Wunderkammern des menschlichen Lebens mit dem Tod als zuverlässigem Gast. Den Grundton des Romans könnte man wohl am besten mit gedämpft, ein wenig schwermütig charakterisieren. Aber Lagos Melancholie beflügelt, so paradox das klingt, und beschert ein literarisches Glück.“ – Nora Eckert, literaturkritik.de

„Eine faszinierende, sogartige Geschichte, in der sich alles findet, was uns im Leben begegnet, die allgegenwärtige Tragödie, vor denen keiner von uns gefeit ist – ob in oder weit weg vom Mittelpunkt der Welt, Brooklyn.“
Anke Wittkopp, STADTKIND – hannovermagazin, 11/2021

„Man findet es fast schade, wenn man am Ende angelangt ist und diesen ganz eigenen Kosmos wieder verlassen muss. Das fühlt sich dann an, als wäre eine sehr schöne Reise zu Ende. Was bleibt, ist das jedoch dieses sehr gute Gefühl, an etwas Schönem teilgenommen zu haben.“
Adrian T. Mai bei arcimboldis world

„Es ist ein Fest, diesen Roman zu lesen.“ – Hauke Harder, Buchhändler, auf seinem Blog Leseschatz

„Diese Roman hat eine unglaubliche Tragweite. Eduardo Lago erzählt von Verletzlichkeit, von Liebe und Kummer, Leidenschaft und Sehnsucht, von Freundschaft und Träumen.
Jamie Lindner auf ihrem Blog „Librovore“

„Am Ende fügt sich alles zu einer Geschichte, die einen in ihren Bann schlägt.“
Marina Müller-Nauhaus vom Blog „We read Indie“

„Es gibt Romane, die einen Sog entwickeln, obwohl man nicht so genau weiß, warum. “Brooklyn soll mein Name sein” ist ein solcher Roman.“ – DieBedra

„Ein literarischer Hochkaräter.“ – Claudia Kowalski, Renies Lesetagebuch

Informationen zum Buch:
Eduardo Lago
Brooklyn soll mein Name sein
Übersetzt von Guillermo Aparicio
2021, 464 Seiten, Halbleinen mit Lesebändchen, 25,00 €
ISBN: 978 3 520 62401 7

https://www.kroener-verlag.de/details/product/brooklyn-soll-mein-name-sein/

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Kröner Verlag.

KRÖNER VERLAG: Sibylle Schleicher – „Die Puppenspielerin“

Das neue Buch von Sibylle Schleicher erzählt die Geschichte der Zwillingsschwestern Sarah und Sophie, die sich als Kinder eine gemeinsame Welt geschaffen haben, die sie bis weit in ihre sehr verschiedene Erwachsenenwelt hinein verbindet. Die beiden sind ein eingespieltes Team – bis die Krankheit einbricht in ihr Leben und alles verändert. Hilflosigkeit, Zuversicht, Humor, Verzweiflung, Ungeduld, Zuneigung, Angst, Zärtlichkeit: widerstrebende Gefühle in einem unerbittlichen Prozess, in den dieser besondere Roman auf anrührende, herzhafte, sehr lebendige Weise ganz tief eintaucht.

„Die Puppenspielerin ist eine traurig-schöne, bewegende Zwillingsgeschichte, die auf charmante Weise die Tragfähigkeit gemeinsamer Beziehungserfahrung beleuchtet, Kosten und Nutzen psychischer Abwehrreaktionen behutsam wägt und damit den Blick wieder frei macht auf unsere eigentlichen Werte und Bedürfnisse. Das gibt Hoffnung und macht Mut“, sagt Dr. Klaus Hönig, Psychotherapeut, Leiter der Konsiliar- und Liaisonpsychosomatik am Universitätsklinikum Ulm.

Sibylle Schleicher wurde 1960 in der Steiermark geboren, studierte Schauspiel in Graz und hatte Engagements an Bühnen in Graz, Darmstadt, Bielefeld, Kiel sowie 13 Jahre am Theater Ulm. Ihre Veröffentlichungen umfassen Gedichte, Theaterstücke und Hörspiele. Für ihren ersten Roman „Das schneeverbrannte Dorf“ (2000 bei Haymon) erhielt sie den Peter-Klein-Preis der Stadt Aachen. „Die Puppenspielerin“ erschien vor wenigen Tagen im Kröner Verlag, www.kroener-verlag.de.

Homepage: https://sibylleschleicher.de/

Die Lesevorlieben von Sibylle Schleicher bei der Aktion „Auf ein Buch mit…“ des Börsenvereins: https://www.aufeinbuchmit.de/sibylle-schleicher

Die erste öffentliche Buchvorstellung fand vor rund 120 begeisterten Gästen am Sonntag, 10. Oktober, 11.00 Uhr, im Theater Ulm statt, Veranstalter war der Literatursalon Donau, gefördert wurde die Veranstaltung von der Berthold Leibinger Stiftung GmbH, Ditzingen. „Die Puppenspielerin“ wurde bei einer bunten Matinee vorgestellt. Mit Sibylle Schleicher las Alexandra Ostapenko, Ensemblemitglied im Theater Ulm. Am Klavier war Michael Weiger zu hören. Die Moderation übernahm Michael Sommer, der langjährige Leitende Schauspieldramaturg am Theater Ulm, der durch sein Projekt „Sommers Weltliteratur to go“ vielen literaturaffinen Menschen gut bekannt ist. Für die Buchpräsentation gab er eine kleine Liveaufführung von Sibylle Schleichers Stück „Der faule Stein“, das auch im Roman eine Rolle spielt:

Pressestimmen:

„Sophies Unrast nimmt den Leser mit, und trotzdem ist „Die Puppenspielerin“ kein bedrückender Roman. Denn er erzählt von einer Familie, die einander trägt, Kraft aus den gemeinsamen, oft witzigen Erinnerungen zieht.“
Jana Zahner, Südwest Presse, 6. Oktober 2021

„Es geht in „Die Puppenspielerin“ ums Leben, seinen Wert und seine Zerbrechlichkeit.“
Dagmar Hub, Neu-Ulmer Zeitung, 6. Oktober 2021

„Sibylle Schleicher – Lyrikerin, Schauspielerin, Sängerin und Regisseurin – erzählt mit
unglaublicher Beobachtungsgabe und großem Einfühlungsvermögen (…).“
Maria Leitner, Sonderheft Österreich der Buchkultur

„Sibylle Schleicher verfügt über Sprachgefühl, weiß, wie eine Geschichte gebaut sein muss, dass Spannung in sie reinkommt, erschafft lebendige Charaktere, an deren Schicksal sie die Leser teilhaben lässt.“
Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten, 23. Oktober 2021

„Das ist die Stärke dieses Romans. Wehleidige Momente voller Trauer zum falschen Zeitpunkt sucht man vergebens.“
Karsten Koblo, Blog aus-erlesen

„Sibylle Schleicher erzählt eine ergreifende Geschichte, leise und nachdenklich, ohne Sentimentalität. Die Sterbende wie die Angehörigen lernen loszulassen, das Gegebene anzunehmen.“ – Anne Kullmann, Aalener Kulturjournal

„Ich habe selten einen Roman gelesen, in dem ein so bedrückendes Thema so einfühlsam und erschütternd und gleichzeitig so warmherzig und heiter in Worte gefasst wurde. Sibylle Schleichers Ich-Erzählerin Sophie nimmt ihre Leser*innen mit auf eine Reise, die vom ersten Schritt an von dunklen Wolken überschattet ist, und doch bricht sich immer wieder ein unbeugsamer Sonnenstrahl durch das tiefe Grau.“ – Yvonne Schauch

„Es gibt Bücher, die gehen unter die Haut und berühren tief im Inneren: Sibylle Schleicher hat mit „Die Puppenspielerin“ ein solches geschrieben – ein Herzensbuch, ein tieftrauriger und doch hoffnungsvoller Roman über Familienbande und das Abschiednehmen von einem geliebten Menschen.“
Barbara Pfeiffer, Blog Kulturbowle

„Ein fesselnder Roman, unprätentiös und ergreifend.“ – Barbara Leinfelder, „Bayern lesen“ in BR 2

„Die Puppenspielerin erzählt einfühlsam und doch schonungslos, wie die Zwillingsschwestern Sarah und Sophie mit dem Leidensweg durch eine schwere Krebserkrankung eine der beiden Schwestern umgehen.“ – Literaturmagazin ORF Steiermark, Alina Samonig

„So glücken Schleicher unter die Haut gehende Passagen in diesem Roman über Angst und das Bannen der Angst durch Benennen, Beschreiben, durch Literatur also.“ – Alexander Kluy, Literaturhaus Wien

„Sibylle Schleicher erzählt einfühlsam, leise und ohne Effekthascherei, aber doch tief berührend.“ – Blog „Die Bedra“

Sibylle Schleicher im Podcast bei Radio Donau3FM und bei Günter Encic.

Informationen zum Buch:
Sibylle Schleicher
Die Puppenspielerin
Roman. 268 Seiten, Halbleinen mit Lesebändchen,
ISBN 978-3-520-75601-5
https://www.kroener-verlag.de/details/product/die-puppenspielerin/

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Kröner Verlag.

KRÖNER VERLAG: Otto A. Böhmer – Auf das, was da noch war

Wer Nietzsche zu nahekommt, darf sich über die Folgen nicht beklagen. Das bekommt auch der Ich-Erzähler des Buches zu spüren: Man ruft ihn zum Nietzschekenner aus, obwohl seine Begabungen erkennbar limitiert sind und ihm wesentliche Erinnerungen abhanden kommen. Muss er sich Sorgen machen? Das muss er wohl, zumal ihm eine seltsame, fast kurios anmutende Krankheit zusetzt, die nicht mehr therapierbar ist. Insgesamt aber befindet er sich noch immer in bester Gesellschaft: Man raunt, plappert und schreibt voneinander ab. Eine Zeitlang macht der Erzähler da noch mit; er betätigt sich als Referent, Biograph, Filmemacher und Auftragspoet. Danach wird’s eng für ihn: Als eine Pandemie die irritierte Menschheit belästigt, hat er sich bereits sein eigenes Virus eingefangen, mit dem er aber zurechtkommt. Ohnehin ist er ja müde geworden und freut sich in der Helle von Hindeloopen am Ijsselmeer auf sein Ende, das er sich heiter und friedfertig oder, noch besser, lieber gar nicht vorstellt. Es kommt, wie es kommen muss, und zu guter Letzt herrscht »Ruhe im Karton«.
Friedrich Nietzsche führte uns Leben und Philosophie als offenen Spielbetrieb vor, in dem das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Das mutet unbefriedigend an, macht aber auch das aus, was wir, in den uns geneigten Stimmungen, als lebenswert bezeichnen.

Zum Autor:
Otto A. Böhmer, 1949 in Rothenburg ob der Tauber geboren, lebt als Schriftsteller in Wöllstadt (Wetterau). Rundfunkarbeiten für den BR, SWR und WDR. Essays und Literaturkritiken u.a. für Die Zeit, die Neue Zürcher Zeitung und die Wiener Zeitung. Mehrere renommierte Auszeichnungen, darunter der Erich-Fried-Preis und das Hermann-Hesse-Stipendium.
Zahlreiche Buchveröffentlichungen. Bei Klöpfer & Meyer erschienen mit Erfolg seine Erzählung »Hegel & Hegel oder Der Geist des Weines« sowie sein Roman »Nächster Halt Himmelreich«. Bei Alber erschien 2021 sein Essay »Reif für die Ewigkeit. Kierkegaard und das Lachen der Götter.«

Informationen zum Buch:
Otto A. Böhmer
Auf das, was da noch war
Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 2021
285 Seiten, Halbleinen mit Lesebändchen, 22,00 €
ISBN 978-3-520-75701-2

Stimmen zum Buch:

„Handelt es sich bei dem Werk überhaupt um einen Roman?, so muss gefragt werden. Die Konstruktion des vielschichtigen Textes kann am besten mit dem englischen Wort sophisticated charakterisiert werden: raffiniert, subtil, vertrackt.“ – Günter Rinke bei literaturkritik.de

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Kröner Verlag.

MIRABILIS VERLAG: Jürgen Meier – Wöbkenbrot und Pinselstrich

In seinem neuen Roman „Wöbkenbrot und Pinselstrich“ erzählt der Hildesheimer Schriftsteller Jürgen Meier die Geschichte zweier Familien im vergangenen Jahrhundert – und damit auch die Geschichte dieses Jahrhunderts.

Begeistert äußert sich Konstantin Wecker über dieses Buch:
»Am Schicksal zweier Familien entfaltet Jürgen Meier ein Kaleidoskop der Geschichte von der Kaiserzeit bis zur Studentenbewegung der Nachkriegszeit. Er erzählt von tiefer Verstrickung in die nationalsozialistische Ideologie, von Verblendung und großer Schuld und von einer jungen Generation, die sich aus dem Kreislauf von Ideologie und Habgier befreien will.«

ZUM ROMAN:
Johannes Becker beginnt 1910 ein Ingenieursstudium in Chemnitz und heiratet kurz darauf. Als er zunehmend der völkischen Ideologie der Nationalsozialisten folgt, wendet sich seine Frau von ihm ab. Ähnlich zerrissen ist die Familie Meyer in Ostwestfalen. Der Vater Karl nutzt die Machtübernahme der Nazis aus, um sich an jüdischem Eigentum zu bereichern. Sohn Gottfried, von seiner Mutter aus einem tiefen Friedenswunsch heraus so genannt, folgt dessen Begeisterung für Hitler und zieht in den Krieg. Er lernt Ingeborg Becker, die Tochter von Johannes, kennen und heiratet sie. Trotz schwerer Verwundungen und langer Kriegsgefangenschaft bleibt er auch in der Nachkriegszeit unverändert. Tief geprägt von der nationalsozialistischen Ideologie setzt er seine Kommunistenhetze und seinen Hass auf Juden fort. Ein Unverbesserlicher, der aus dem Krieg und der großen Menschheitskatastrophe nichts gelernt hat. 

Ein schweres Erbe für die nachfolgende Generation: Sohn Georg befreit sich aus dem Muff der Vergangenheit und schließt sich dem anarchistischen Geist der Studentenbewegung an.

ZUM AUTOR:
Jürgen Meier lebt in Hildesheim, wo er lange Leiter der Öffentlichkeitsarbeit am Stadttheater war und die Werbeagentur Aickele & Meier gründete. Seit 1997 ist er als selbstständiger Autor und Journalist tätig. Von ihm liegen zahlreiche Dokumentarfilme, u. a. für NDR und MDR, Buchveröffentlichungen, Radioserien und Theaterstücke vor. 

https://www.autorjuergenmeier.de/

Die Lesevorlieben von Jürgen Meier bei der Aktion „Auf ein Buch mit…“ des Börsenvereins: https://www.aufeinbuchmit.de/juergen-meier

INFORMATIONEN ZUM BUCH:
Jürgen Meier
Wöbkenbrot und Pinselstrich
Mirabilis Verlag, Juni 2021
344 Seiten, Hardcover, Schutzumschlag, Fadenheftung; 14 cm x 22 cm, 24,00 Euro
ISBN 978-3-947857-08-1
www.mirabilis-verlag.de

STIMMEN ZUM BUCH:

„Jürgen Meier hat mit diesem Familienroman, der sich über drei Genera-
tionen erstreckt, eine eindrucksvolle Erzählung geschaffen, die dazu dient,
Geschichte zu verlebendigen, um sie besser verstehen zu können.“ – Helmut Johach im „Fromm Forum 26“, der Jahresschrift der Internationalen Erich Fromm Gesellschaft

„Tiefgründig, spannend und gut geschrieben. Die Figuren erlangen eine Plastizität und spiegeln durch ihr Handeln einen ganzen gesellschaftlichen Werdegang.“
Hauke Harder in seinem Blog Leseschatz

„Ideologie und Habgier“: Die Kulturredaktion der nd stellt unter diesem Titel aktuelle Romane aus unabhängigen Verlagen zum Thema inklusive Leseproben vor.

„Das Leben ist wie ein Hochseilakt. Man kann an der einen oder an der anderen Seite herunterfallen.“ Und so möchte er seinen Roman auch als Plädoyer für eine „maßvolle
Mitte“ verstanden wissen, wo wacher Bürgergeist sich konstruktiv in die Gesellschaft
einbringt.“
Jürgen Meier im Juli 2021 im Interview mit Gabriele Peschke im Westfalen-Blatt.

„Wer sich für diesen historischen Familienroman Zeit nimmt, lernt viel über die deutsche Mentalität, ihr Patriarchat und die enge Verbindung der Zeiten vor, während und nach den Nazis.“ – „Wöbkenbrot und Pinselstrich“ wird als Beispiel in „Deutsch perfekt“, einem Magazin der Zeitgruppe, vorgestellt.

„Wie sich im Deutschland des vergangenen
Jahrhunderts aus Vaterlandsstolz und Kaisertreue erst Kriegslust
und schließlich nationalsozialistischer Judenhass entwickeln konnten,
illustriert der Hildesheimer Autor Jürgen Meier in seinem intimen Mehrfamilienportrait
Wöbkenbrot und Pinselstrich.“ – Anja Dolatta in „Stadtkind Hannover“

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Mirabilis Verlag

Daniela Engist im Gespräch: Das Paar am Strand

Der „indiebookday“ ist gewissermaßen der Feiertag der unabhängigen Verlage. Seit einigen Jahren wird dieser Tag, der die Aufmerksamkeit auf die vielfältigen Programme aus der deutschprachigen Verlagslandschaft lenken soll, durch die „indiebookchallenge“ ergänzt: Monatlich gibt es ein wechselndes Thema, zu dem Verlage, Buchhandlungen und Literaturvermittler unter den jeweiligen Hashtags thematisch passende Beiträge veröffentlichen. Alle Informationen zur #indiebookchallenge 2021 finden sich hier:
https://www.indiebookday.de/indiebookchallenge/

Erstmals mit an Bord ist der Kröner Verlag in diesem Mai. Gemeinsam mit dem Verlagskollegen von danube books, mit dem Blog LITAFFIN und der Buchhandlung Pankebuch sowie der Buchhandlung Markus stellt sich der Verlag als Pate für ein Cover mit Gemälde zur Verfügung.

Im März veröffentlichte Daniela Engist ihren Roman „Lichte Horizonte“ im Kröner Verlag. Das Cover ziert ein Gemälde des Malers Alex Colville, „Couple on beach“. Warum ihre Wahl auf dieses Bild fiel und wie es mit dem Roman korrespondiert, darüber spricht Daniela Engist im Interview:

Wie kamen Sie auf dieses Gemälde?

Auf den Maler Alex Colville hat mich Peter Stamm gebracht, der mir mal ein Bild zeigte, das er gerne für eines seiner Bücher gehabt hätte, woraus aus gewissen Gründen aber nichts geworden ist. Es war ein seltsames Bild, aber seltsam schön, und ich habe ein wenig gestöbert, was Colville sonst noch gemacht hat. Kunsthistorisch wird er zum Magischen Realismus gezählt, Tiere spielen in seinem Werk eine große Rolle. Vor allem aber hat er Porträts von Menschen in alltäglichen Situationen gemalt, sie sind altmeisterlich nach strengen Regeln komponiert, minutiös in der Ausführung und zurückhaltend in der Farbgebung – aber emotional stark, berührend.

Als es ums Cover für „Lichte Horizonte“ ging, habe ich mich daran erinnert und bin direkt an „Couple on Beach“ hängen geblieben. Das Bild stammt von 1957 und zeigt den Künstler und seine Frau Rhonda am Strand, ein sogenanntes verdecktes Doppelporträt. Verdeckt, weil man die Gesichter nicht sieht. Die Figuren sind ganz bei sich, abgewandt vom Betrachter.

Welche Assoziationen löste es aus?

Die Intimität, die diesem Bild eingeschrieben ist, hat mich sofort fasziniert. Es ist ein inniger Moment, auch ein Moment der erotischen Anziehung, aber ohne jede Anzüglichkeit, eine Art erotische Zugehörigkeit, wenn es das denn gibt. In Colvilles Bildern ist es ganz häufig so, dass sich die Figuren einander nicht direkt zuwenden, sie bleiben in einem Spannungsverhältnis zwischen Nähe und Distanz.

Welche Verbindungen hat das Bild zum Roman?

Nähe und Distanz spielen auch im Roman eine zentrale Rolle. Lasse ich mich auf einen anderen Menschen ein und wie weit gehe ich dabei? Wieviel von mir muss ich in eine Beziehung hineingeben, damit sie gelingen kann? Ab welchem Punkt gehe ich mir selbst verloren?

Und dann die Frage der gegenseitigen Wahrnehmung. Das Paar auf dem Gemälde nimmt sich nicht in den Blick. Sie hat einen Sonnenhut über dem Gesicht, scheint zu schlafen, bei ihm ist kaum zu sagen, ob er auf ihren Körper blickt oder nicht doch aufs Meer hinaus. Auch die Figuren in meinem Roman machen sich ihr Bild vom anderen, ohne allzu genau hinzuschauen, versuchen mit geschlossenen Augen zu sehen. Das erinnert an die Grundidee des Magischen Realismus selbst, die Synthese von gegenläufigen Wirklichkeiten, zu der auch meine Ich-Erzählerin tendiert. An einer Stelle sagt sie: „Ich habe eine Neigung, ein Bedürfnis sogar, die Welt anders sehen zu wollen, als sie ist. Manchmal würde ich gerne allen ins Gesicht schreien: Die Welt ist nicht so, wie ihr sagt!“

Wie korrespondieren Titel und Cover?

Daniela Engist. Bild: Anja Limbrunner

Im Versuch ihre Gefühle unter Kontrolle zu bekommen, beschließt Anne, die Erzählerin ihrer eigenen Geschichte zu werden. Dabei entfernt sie sich mehr und mehr von ihrem Mann Alexander, innerlich und äußerlich. Geografisch gesehen geht die Bewegung immer weiter nach Westen bis ins bretonische Finistère, wo sie ihr Buch zu Ende schreibt, während sie auf Stéphane wartet. Dort gibt es nur noch Meer und Himmel und Horizont – so wie auf Colvilles Gemälde. Der Strand am „Ende der Welt“ ist ein Ort, an dem man eine Weile unschlüssig auf und ab wandern kann, von dem aus es aber nur noch den Aufbruch zu neuen Ufern oder die Umkehr gibt. Und es ist ein Ort, den man verändert verlassen wird, egal für welchen Weg man sich entscheidet.

Warum ist das Bild auf dem Cover gedreht?

Das gehört zu den glücklichen Zufällen, die sich im ersten Moment wie eine Katastrophe anfühlen. In der Programmvorschau sah das Buch ja noch ein bisschen anders aus. Kurz vor Drucklegung ließ die National Gallery of Canada den Verlag wissen, dass sie nun doch nur das ganze Gemälde und keinen Ausschnitt, wie ursprünglich geplant, verwenden dürften. Vom Ansinnen her verständlich, es ging um die Integrität des Kunstwerks. Aber der Zeitpunkt! Praktisch über Nacht waren wir alle gezwungen, eine neue Perspektive einzunehmen, auf die ohne diesen Impuls niemand gekommen wäre. Der Grafiker hat fantastische Arbeit geleistet. Mich macht das gegen die Sehgewohnheiten gedrehte Cover, das dem Buch so sehr entspricht, ganz glücklich. Es ist tatsächlich nochmal besser als der ursprüngliche Entwurf.

Werkdaten

Alex Colville, Couple on Beach, 1957
Material: Kaseintempera auf Hartfaserplatte
Abmessungen: 73,4 x 96,4 cm
National Gallery of Canada, Ankauf 1959

Weiterführende Informationen zu Colville

http://alexcolville.ca

Wo kann man Colville im deutschsprachigen Raum sehen?

Museum Ludwig in Köln
Nationalgalerie in Berlin
Museum der modernen Kunst in Wien

Trivia

Vier Colville-Bilder spielen in Stanley Kubricks The Shining eine Rolle. Kein Zufall.