Hildegard E. Keller: Was wir scheinen

„Sie schüttelte den Kopf. Gleichschaltung ist wirklich ein hässliches graues Wort. Das Wort für das Grauen, dasselbe Grau wie auf dem Gesicht im Glaskasten. Wissen wir denn, warum ein Mensch sich so durch und durch farblos machen lässt? Warum einer zulässt, dass man ihn zu einem Instrument in den Händen anderer macht? Ein Instrument, ganz egal, wofür, Hauptsache, ich gehöre nicht mehr mir selbst und trage nicht mehr die Verantwortung für das, was ich tue? Nein. Keiner vermag in die Seele eines andern hineinzuschauen. Niemand weiß, warum einer wollen kann, dass er nicht mehr der ist, der er ist.“

Das erste Gedicht war eine Reflexion über die Kraft des
Wassers, die sie an Brechts Legende erinnerte. Wenn im Innern
des Steins Wasser gefriert, bringt es ihn zum Bersten, nur was
gibt ihm die Kraft dazu? Merkwürdige Frage, aber sie schlägt
die Brücke ins Unsichtbare.
Bild: Schlucht im Tessin, Bild von adege auf Pixabay

Es ist bereits viel über den ersten Roman der Schweizer Literaturkritikerin Hildegard Keller geschrieben worden und all das Positive, was über „Was wir scheinen“ berichtet wurde, es ist richtig. Tatsächlich tritt einem die poetische Denkerin Hannah Arendt aus diesem Buch so lebendig und nahbar entgegen, dass man meint, eine Mischung aus „der Arendt“, wie man sie unter anderem aus dem Gaus-Interview kennt und einer Barbara Sukowa, die sie im Film verkörperte, zu begegnen. Fiktion und Realität verschmelzen hier aufs Schönste.

Hannah Arendt (1906 – 1975), die nach ihrer Flucht 1933 aus dem nationalsozialistischen Deutschland ab 1941 in den USA lebte, kam immer wieder nach Europa zurück, unter anderem verbrachte sie regelmäßig Ferien im Tessin. Ihr letzter Tessin-Aufenthalt ist der Rahmen der Erzählung: Arendt ist allein, von den wenigen noch lebenden Freunden ist keiner greifbar. Zum Arbeiten zu unkonzentriert, zum Faulenzen zu unruhig, wandern die Gedanken zurück in die Vergangenheit: Zu den Jahren des Studiums bei Jaspers und der Liebe zu Heidegger, zur Pariser Zeit, als sie sich mit Walter Benjamin befreundet und ihren Mann Heinrich Blücher kennenlernt, zu den Anfängen mit Heinrich und ihrer Mutter in New York und natürlich zu dem prägenden Ereignis ihres beruflichen Lebens, das sowohl politisch und als auch privat einen Bruch darstellt: Der Eichmann-Prozess, der im April vor 50 Jahren begann. Ihren Berichten im New Yorker darüber und ihrem darauffolgenden Buch folgten Wellen der Empörung, eine regelrechte Hetzkampagne, heute würde dies als Shitstorm bezeichnet.

Ihre missverstandene These von der „Banalität des Bösen“, ihr unabhängiger Blick auf die Rolle der Judenräte, ihre Weigerung, sich als Jüdin einen bestimmten Blick auf Eichmann und auf die Prozessführung in Jerusalem anzueignen, dies alles stellte Hannah Arendt in den Zentrum eines Empörungssturms. Welche Verletzungen, welche Schrammen Hannah Arendt dabei davontrug, darüber äußerte sie sich öffentlich nicht. Diesen Blessuren geht Hildegard Keller in ihrem Roman auf den Grund, nähert sich behutsam der verletzbaren, „weichen“ Seite der Denkerin, die dennoch streitbar und unbeugsam blieb, an. Die Form des biographischen Romans ist nicht unumstritten – im schlimmsten Fall überwiegt die Interpretation über die Realität, werden historische Personen zu Figuren umgezeichnet. Hildegard Keller umgeht diese Falle elegant und intelligent und spielt sogar charmant mit dieser Falle, in die auch sie hätte tappen können:

„Fiktiv werden ist nicht schön, wenn alles erstunken und erlogen ist“, reflektiert die Hannah Arendt des Romans beim morgendlichen Sinnieren im Bett. „Stillgelegt wie Figuren in einer Farce. Ach, wen geht es an, was wir sind und scheinen.“

Aber: „Wenn man zur Romanfigur gemacht wird, ist das natürlich was Anderes. Im Zeichen der Dichtung darf man schließlich einen Funken von Inspiration erwarten.“

Profunde Faktenkenntnis gepaart mit Inspiration, das Spiel mit Schein und Sein, dies geht bei diesem biografischen Roman eine glückliche Verbindung ein. Doch der größere Verdienst von „Was wir scheinen“ liegt nun nicht darin, dass „die Arendt“ so lebensnah erscheint, sei es, wenn sie Ingeborg Bachmann zeigt, wie man amerikanischen Speck brät, wenn sie mit zwei Fingern pfeift oder ein wenig verschämt-stolz ihre Straußenledertasche ausführt und dadurch von Keller etwas vom Status der politischen Pop-Ikonie, zu der Arendt ebenfalls geworden ist, weggerückt wird. Sondern, dass dieses Buch geradezu dazu animiert, den Kant`schen Leitspruch „Sapere aude!“, dem sich auch Hannah Arendt verpflichtet fühlte, anzueignen. „Was wir scheinen“ ist auch – ohne irgendwie professoral daherzukommen – eine Einführung in das selbständige Denken, eine Aufforderung, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.

„Wahrheit ist kein Geschenkartikel“, heißt es an einer Stelle des Buches. So bekam auch Hannah Arendt, die sich plötzlich einer feindseligen Öffentlichkeit gegenübersah, für ihren Mut zum selbständigen Denken nichts geschenkt. Wie die Denkerin zu dem wurde, was sie war (und nicht nur schien), dies zeichnet Hildegard Keller in ihrem geschickt aufgebauten Roman wunderbar nach:

„Er (Heidegger) hat mich unterscheiden gelehrt, das Beste überhaupt.  Wissen Sie, uns Studenten war der gelehrte Gegenstand damals ziemlich gleichgültig, nicht aber das Denken. Noch heute ist es rar an den Universitäten, weil man dort ja immer über etwas oder jemanden arbeitet. Wer denkt, sagte Heidegger, steht nicht über den Dingen, sondern geht in sie ein. Der Denkende ist mittendrin.“

(Nur als Einschub: Gerade die Beziehung zu Heidegger, die über dessen nationalsozialistisches Engagement hinweg bestehen blieb, zeigt, dass Hannah Arendt mehr war, als sie schien).

Die Bereitschaft und Fähigkeit zum unabhängigen Denken, wie sie Hannah Arendt von sich und anderen verlangte, ist in einer Zeit, in der Wahrheiten in einem Wust von fake news unterzugehen zu scheinen, notwendig wie eh und je. Und wenn die Aufforderung, selbst zu denken, so gescheit und unterhaltsam wie in diesem Roman vermittelt wird, dann bitte gerne mehr davon!

Informationen zum Buch:

Hildegard E. Keller
Was wir scheinen
Eichborn Verlag, 2021
Hardcover, 576 Seiten, 24,00 €
ISBN: 978-3-8479-0066-5

Bücher fürs Denken ohne Geländer: Online-Präsentation der KrönerEditionKlöpfer

»Mehr Literatur: Bücher fürs Denken ohne Geländer« – unter diesem Motto laden das
Schriftstellerhaus Stuttgart, das Evangelische Bildungszentrum Hospitalhof und der Kröner
Verlag zur Online – Vorstellung der Edition Hubert Klöpfer im Kröner Verlag ein.
Die Veranstaltung findet statt am 15. April 2021 ab 19.30 Uhr.

Im Hospitalhof Stuttgart ( Büchsenstraße 33, 70174 Stuttgart ) stellen die Verleger Alfred Klemm und Hubert Klöpfer die neue Edition vor.

Der Stuttgarter Verlag Alfred Kröner positioniert sich ab dem Frühjahr 2021 neu und wird
zukünftig auch aktuelle deutschsprachige Literatur verlegen. Kröner-Verleger Alfred Klemm hat
sich dazu mit dem renommierten Büchermacher Hubert Klöpfer zusammengetan und die
»Edition Hubert Klöpfer bei Kröner« gegründet. Im Frühjahrsprogramm sind vor wenigen Tagen die ersten sechs Titel erschienen. Bei der Veranstaltung ist die Autorin Daniela Engist mit ihrem Roman »Lichte Horizonte« vertreten, Joachim Zelter mit »Die Verabschiebung« und zugeschaltet aus den USA ist Peter Blickle mit »Andershimmel«.
Moderation: Astrid Braun (Schriftstellerhaus) und Monika Renninger (Hospitalhof)

Die Veranstaltung, eine Kooperation vom Stuttgarter Schriftstellerhaus e.V., dem Verlag Alfred Kröner und dem Evang. Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart, findet online statt. Ein Kostenbeitrag ist nicht notwendig, eine Reservierung ist unter diesem Link möglich:

https://www.hospitalhof.de/programm/150421-mehr-literatur-buecher-fuers-denken-ohne-gelaender/

Wenige Tage später, am Dienstag, 20. April, wird Walle Sayer seinen Band „Nichts, nur“ bei den Dornstetter Buchwochen vorstellen. Mehr Informationen dazu gibt es hier: https://www.dornstetten.de/gaeste/veranstaltungen/online-lesung-mit-walle-sayer-annette-rieger-nichts-nur-id_1463/

Dieses wunderbare Lesebuch, das Gedichte, Prosagedichte und Erzählminiaturen von Walle Sayer aus 35 Jahren enthält, wurde bereits ausführlich bei Signaturen besprochen: https://signaturen-magazin.de/walle-sayer–nichts,-nur.html

.Und wer einen Eindruck von Joachim Zelters „Die Verabschiebung“ gewinnen möchte, dem sei am 10. April die WDR-Sendung „Gutenbergs Welt“ empfohlen, die sich um „Recht oder Gesetz“ dreht: https://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-gutenbergs-welt/recht-oder-gesetz-100.html

Kurz&knapp: Geschichte und Geschichten

Drei Bücher, drei Neuerscheinungen, drei Autoren, eine Gemeinsamkeit: Alle haben ihre Wurzeln rund um Augsburg. Literaturstadt! – man sehe mir diesen kurzen lokalpatriotischen Ausbruch nach.

Die schriftstellerische Arbeit von Michael Lichtwarck-Aschoff verfolge ich seit längerem mit Begeisterung. Ob er nun über das Vivarium in Wien schreibt oder Louis Pasteur – immer gelingt es dem Arzt und Autor, Wissenschaft und Literatur zu einem intellektuellen Lesevergnügen zu verbinden. Sein jüngstes Sujet: „Robert Kochs Affe“, nun erschienen im Hirzel Verlag.

Michael Lichtwarck-Aschoff sagt selbst dazu: „Das Buch war fertig, lange bevor die Corona-Pandemie über uns kam. Es kann und es will deshalb auch kein Kommentar zum Umgang mit der Pandemie sein. Trotzdem mag es nützlich sein, die Erbschaft, die der Seuchenmediziner Robert Koch uns hinterlassen hat, genauer anzuschauen.“

Seine Wissenschaft von den Bakterien hat Robert Koch als totalen Krieg gegen das Unsaubere erfunden. Unsauber ist alles, was fremd ist. Und das unsaubere Fremde ist ansteckend. In drei Episoden wird erzählt, wie eine solche Haltung zu Beginn des 20. Jahrhunderts im sauberen Berlin entsteht, und zu welch unmenschlichen Folgen sie zwangsläufig führt. Was treibt ein Affe in Husarenuniform in der Berliner Villa Kochs? Hilft Rattengift gegen die Schlafkrankheit, und was spricht dagegen, an den Eingeborenen Ostafrikas damit zu experimentieren? Wo dem Professor doch jedes Mittel recht sein muss, Afrika zur Sauberkeit zu erziehen? Zu welch weitergehenden Erkenntnissen gelangt Koch, als er im hochsommerlichen New York erkrankt und täglich einer gründlichen Darmreinigung unterzogen wird? Wir beobachten Koch dabei, wie er auszieht, um für Kaiserdeutschland die Welt von Erregern zu säubern. Sein Gewehr ist die Wissenschaft – und so sieht die auch aus. Wie in der Wirklichkeit kommt die Grausamkeit in der Affenmaske des Grotesken daher – und die Verachtung kostümiert sich als Zivilisation …  

Lichtwarck-Aschoff, Michael
Robert Kochs Affe
Der grandiose Irrtum des berühmten Seuchenarztes
S. Hirzel Verlag, 2021, Gebunden, 284 Seiten
ISBN 978-3-7776-2917-9

www.hirzel.de

Bleiben wir beim Thema unserer Tage, das alles dominiert. Mit einer Seuche und ihren Folgen setzt sich auch Klaus Wolf, Professor für Deutsche Literatur und Sprache des Mittelalters und der Frühen Neuzeit mit dem Schwerpunkt Bayern an der Universität Augsburg auseinander. In seinem Essay „Passionsspiel und Pesttraktat. Die Pest im Mittelalterund in der Frühen Neuzeit aus dem Blickwinkel der bayerischen Literaturgeschichte“ zeigt er auf, wie die Pest quasi zum Motor der literarischen Produktion wurde:

„Es ist eindeutig, dass dieser Seuchenkomplex literaturhistorisch im Bereich des Fachschrifttums Ursache einer ‚Literaturexplosion‘ in den Volkssprachen wurde: Die Pestepi-demien seit der Mitte des 14. Jahrhunderts zogen eine Fülle von deutschen Pestschriften nach sich; sämtliche Universitäten im deutschen Sprachgebiet, zahlreiche Stadtärzte, Bader, auch Geistliche, Handwerker und Schulmeister verbreiteten Regimina, Consilia und Einzelrezepte gegen die Pest (…)“.

Zwar sind heute literaturgeschichtlich Gattungen wie das Passionsspiel, wie man es aus Oberammergau kennt, bekannter, doch die Seuche führte auch zu einer vermehrten Produktion medizinischer Schriften, die volkssprachlich gefasst waren und sich an die gesamte Bevölkerung, die des Lesens mächtig war, richteten.

„Insgesamt zeigen die Traktate nicht nur eine scharfe Beobachtung der Symptome, sondern auch selbständiges Denken statt sklavisches Festhalten an den Prinzipien und Lehren der Altvorderen. Auch das Phänomen der Immunität wurde bei einigen Autoren angedacht. Not und Bedrängnis durch die Seuche setzten somit Kompetenz und Kreativität frei“, so Klaus Wolf.

Der Beitrag erschien in dem neuen Buch „Dekameron 21.0 – Zehn Schlaglichter auf eine Krise“, herausgegeben von Dr. Peter Czoik, Literaturwissenschaftler und Redaktionsleiter beim Literaturportal Bayern an der Bayerischen Staatsbibliothek. Anlass war: Drei Frauen und sieben Männer aus München und Umgebung entschließen sich, mitten im Wüten eines neuen Virus, der im Frühjahr 2020 um die Welt geht, ein Krisenbuch für Kulturinteressierte zu schreiben.
Was sie alle vereint, ist ihre jeweilige häusliche Isolation und ihre phänomenologische Sicht auf das gemeinsame Thema: In zehn Essays, die sich zahlenmäßig an Giovanni Boccaccios ›Zehn- Tage-Werk‹ Decamerone von 1349/53 orientieren, knüpfen sie an die aktuelle ›Corona-Krise‹ an und beleuchten damit zusammenhängende Erscheinungen. Die aus verschiedenen vornehmlich geisteswissenschaftlichen Disziplinen stammenden Beiträge werfen Schlaglichter auf die Krise innerhalb des Spektrums von Philosophie, Religion, Literatur, Film, Geschichte und Gesellschaft – angefangen vom alten Pesttraktat im Mittelalter bis hin zum modernen Virenausbruchsfilm im 20. Jahrhundert. Neben Klaus Wolf und Peter Czoik stammen die weiteren Beiträge von Peter Czoik, Ursula Haas, Martin Hielscher, Krisha Kops, Uwe Kullnick, Franz-Josef Rigo, Stephan Seidelmann, Gunna Wendt und Sophie Wiederroth.

Czoik, Peter (Hrsg.)
Dekameron 21.0 – Zehn Schlaglichter auf eine Krise
Verlag Königshausen & Neumann,
2021, 162 Seiten
ISBN 978-3-8260-7295-6

www.verlag-koenigshausen-neumann.de


Wer sich beim Lesen nun etwas von Pest und Colera erholen möchte, der findet mit Armin Strohmeyrs „Ferdinandea“ einen wunderbaren Lesestoff. Aber Achtung! Auch dieser historische Roman hat es in sich. Tatsächlich gab beziehungsweise gibt es sie, diese „Insel der verlorenen Träume“, wie es im Untertitel heißt. Die Isola Ferdinandea tauchte plötzlich am 10. Juli 1831 kurz vor der Küste Siziliens auf.

Auch Alexander von Humboldt und Charles Earl of Grey, Sir Walter Scott und Johann Wolfgang von Goethe staunen nicht schlecht, als sie von Ferdinandea hören: Eine Sensation! Doch kein Mensch rechnet mit der Eigenwilligkeit der „Dame ohne Mitleid“: So unerwartet ihr Erscheinen gewesen ist, so plötzlich versinkt die vulkanische Insel ein halbes Jahr später wieder in den Meeresfluten. Und lässt viele zerschlagene Hoffnungen und zerbrochene Träume zurück …

Die kurze Zeit ihres Erscheinens genügte, um Forschungsexpeditionen in Gang zu setzen und politische Konflikte auszulösen, beanspruchten doch neben den Sizilianern auch die Engländer und Franzosen das Eiland für sich. Auch bei Armin Strohmeyr setzte die Geschichte der Insel ein Feuerwerk der Fantasie in Gang.

„Die Geschichte von der auf- und wieder abgetauchten Insel ist ein wunderbarer Romanstoff. (…) Die fantastischen und realen Elemente verrührt Strohmeyr gekonnt zu einem unterhaltsamen Geschichtsschmöker„, urteilte Literaturexperte Oswald Burger im Südkurier.

Wie die geheimnisvolle Insel plötzlich bei den Bewohnern des Örtchens Sciacca von Ruhm und Wohlstand träumen lässt, wie die politischen Mächte miteinander ringen und Forscher sich einen Wettlauf liefern, all dies verknüpft Armin Strohmeyr zu einem anspruchsvollen und unterhaltsamen Lektürestoff.

Armin Strohmeyr
Ferdinandea. Die Insel der verlorenen Träume
Südverlag, 2021, 376 Seiten,
gebunden mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-87800-142-3

www.suedverlag.de

Mirabilis Verlag: Das neue Programm ist da!

„Zwischen Streuobstwiesen und dem Elbtal, nahe der schönen Stadt Meißen, liegt der Sitz des unabhängigen Mirabilis Verlags, den ich 2011 gegründet habe. Jährlich erscheinen vier bis sechs Bücher – schön gestaltet und inhaltlich wertvoll.“

So, wie Verlegerin Barbara Miklaw ihren Verlag vorstellt, möchte man am liebsten sofort zu einem Verlagsbesuch aufbrechen und auf einer schönen Wiese über das neue Programm plaudern. Dieses ist jetzt gedruckt und steht auch hier zum Download bereit: https://bit.ly/3pTIOvW

Drei Neuheiten bietet der Mirabilis in diesem Frühjahr: Den Generationenroman „Wöbkenbrot und Pinselstrich“ von Jürgen Meier sowie zwei neue Kinderbücher. „Wer denkt sich die Wörter aus?“ erzählt spannend und kindgerecht von der Entwicklung der Sprache. Und „Die Brücke. Wie funktioniert dein Gehirn?“ erläutert anschaulich die Funktionsweise unseres wichtigsten Organs.

Rezensionsexemplare können direkt beim Verlag (post@mirabilis-verlag.de) oder hier (kontakt@birgit-boellinger.com) angefordert werden.

Kennzeichnung: Bei diesem Beitrag handelt sich um Werbung im Rahmen meiner Pressearbeit für den Mirabilis Verlag.



Die Edition Hubert Klöpfer im Kröner Verlag

Wie bereits hier angekündigt, erscheint im Alfred Kröner Verlag Stuttgart ab dem Frühjahr 2021 auch deutschsprachige Gegenwartsliteratur. Programmverantwortlich ist dafür der renommierte Verleger und Büchermacher Hubert Klöpfer. Und das sind die ersten sechs Titel in der neuen Edition Hubert Klöpfer, die Mitte März erscheinen:

Mehr Informationen finden sich in der Frühjahrsvorschau: https://www.book2look.com/book/98T3MHi8ch

Ein Heft mit Leseproben und Rezensionsexemplare können unter der Email b.boellinger@kroener-verlag.de angefragt werden.

Neuerscheinung: »Das Wanderkind« im Kröner Verlag

Mit »Das Wanderkind« der frankokanadischen Schriftstellerin Aude macht der Kröner Verlag erstmals ein Werk dieser Autorin dem deutschsprachigen Publikum zugänglich. Eine feine, melancholische Erzählung, die mit viel Gespür für die Innenwelt ihrer Figuren die Geschichte eines ungleichen Zwillingspaares erzählt.

»Das Kind regt sich in ihr, als ob es auf sich aufmerksam machen wollte. Sie fühlt jetzt keine Wut und keinen Abscheu mehr, eher ein sonderbares Mitleid für das Kind, das nur noch seinen kalten, erstarrten Schatten umarmt. Es muss den entseelten, an ihn geschmiegten Körper seines Bruders spüren.«

Ein Zwillingspaar, der eine groß und kräftig, der andere klein und zerbrechlich. Einem von ihnen ist es bestimmt, den anderen am Leben zu erhalten. Ein kleiner, sehr feiner, beinahe märchenhafter Roman über die Brüchigkeit des Lebens und die schmerzhafte Schönheit menschlicher Bindungen.

Ausgezeichnet mit dem Großen Leserpreis von Elle Québec, auf der Shortlist des Prix Ringuet. Trois. Revue d’écriture et d’érudition urteilte direkt nach dem Erscheinen 1998: »Diese Autorin beherrscht die Kunst, eine ganze Welt wie selbstverständlich zu erschaffen, obwohl nichts davon glaubwürdig wäre ohne ihren unvergleichlichen Stil.«

Claudette Charbonneau alias Aude wurde in 1947 Montréal geboren und gilt als eine der wichtigsten Figuren der frankokanadischen Literaturszene. Nach dem Studium unterrichtete sie in Québec Kreatives Schreiben und Literaturtheorie. Ihr preisgekrönter Kurzgeschichtenband Cet imperceptible mouvement (1997) erschien 1998 auf Englisch (The Indiscernible Movement). Nach einer Phase des düsteres Erzählens über Wahnsinn und Tod wandte sie sich mit L’enfant migrateur einer hoffnungsfrohen Weltsicht zu. Aude starb 2012 an Leukämie. Sie wurde posthum zur Ehrenpräsidentin des nach ihr benannten Centre Aude d’études sur la nouvelle zur Förderung der Gattung Kurzgeschichte.

Ina Böhme studierte Romanische Philologie und Interkulturelle Deutsch-Französische Studien in Marburg, Poitiers, Aix-en-Provence und Tübingen. Nach mehreren Jahren in Frankreich lebt sie inzwischen als literarische Übersetzerin in Berlin. 2018 war sie Stipendiatin des Georges-Arthur-Goldschmidt-Programms für junge Literaturübersetzer und erhielt 2019 ein Initiativstipendium des Deutschen Übersetzerfonds.

Informationen zum Buch:
Aude
Das Wanderkind
Roman. Aus dem Französischen von Ina Böhme
Erscheint am 1.2.2021, 120 Seiten, Halbleinen mit Lesebändchen
https://www.kroener-verlag.de/details/product/das-wanderkind/

Bücherhamstern (25): Única blickt aufs Meer

Sarah Käsmayr vom MaroVerlag stellt einen Roman aus Costa Rica vor: »Única blickt aufs Meer« von Fernando Contreras Castro.

Das Buch:

Auf einem Hügel am Rande der Hauptstadt San José lagert das schlechte Gewissen der Stadt: die Mülldeponie Río Azul. Sie hat sich mit der Zeit in ein albtraumhaftes Müllmeer verwandelt, an dessen Küste alles Mögliche angespült wird: Schulbücher, ungeliebte Weihnachtsgeschenke, nutzloser Tand, alte Männer, Pärchen, Mütter und Söhne. Auf dieses Meer blickt Única. Sie lebt in der Gemeinschaft der sogenannten »Taucher«, die inmitten der Abfälle einer ressourcenverschwendenden Gesellschaft ihre prekäre Situation meistern. Doch angrenzende Nachbarschaften sind unglücklich über die Müllhalde und Präsident Caldegueres plant, sie zu schließen. Die »Taucher« beginnen sich zu widersetzen und demonstrieren bis vor den Sitz des Präsidenten. Der Roman ist ein Mahnmal gegen Verteilungsungerechtigkeit und Umweltverschmutzung, wird jedoch getragen von einer poetischen Erzählsprache und liebevollem Humor. Seit Jahrzehnten ist Contreras Castros Buch Schullektüre in Costa Rica – klangvoll übersetzt von Birgit Weilguny kann sich jetzt jeder die Größe Únicas und ihrer Taucherfreund_innen auch in deutscher Sprache zu Gemüte führen.

Der Verlag:

Der MaroVerlag begann 1970 in kleinsten Auflagen als eine subkulturelle Plattform für Autor_innen, die vom elitären Literaturbetrieb (noch) nicht beachtet wurden. Als 1974 Charles Bukowski zum Verlag kam, veränderte sich alles: Aus einem Feierabendverlag wurde ein kleines, feines Unternehmen, das 2020 sein 50jähriges Bestehen feiert. Prosa und Lyrik reichen sich im MaroVerlag die Hand – neben Romanen bilden Kurzgeschichten bzw. »Stories« den verlegerischen Schwerpunkt. Die Vielfältigkeit des Programms zeigen zum Beispiel die Besprechungen auf dem Blog von der Lyrik Philipp Luidls und Lisel Muellers, ein Roman von John Fante, die Kurzgeschichten von Susanne Neuffer, das Gedichte-Comic-Kunstbuch von Lydia Daher und Warren Craghead II und der Debütroman von Yvonne Hergane.

Die Buchhandlung:

Von zwei Frankfurter Buchhandlungen erreichte uns eine besonders große Begeisterung über den Roman von Fernando Contreras Castro. Larissa Siebicke von der Autorenbuchhandlung Marx & Co hat den Roman auf kommbuch.de besprochen. Ein Besuch im Westend nahe der Universität ist wohltuend, denn hier wird literarische Unabhängigkeit gehegt, gepflegt und gefeiert.

Geht man von der Autorenbuchhandlung weiter, am Eschenheimer Tor vorbei in die Altstadt, findet man die Büchergilde Buchhandlung & Galerie. Das Sortiment ist ein Genuss für bibliophile Ästheten,  neben ausgewählter Belletristik und Bilderbüchern aus kleinen, unabhängigen Verlagen, werden Graphic Novels, Lyrik, Krimis sowie Kinder- und Jugendbücher angeboten. Empfehlenswert: Der Literaturkurier der Büchergilde Buchhandlung. Oliver Fründt hat in diesem Newsletter »Única blickt aufs Meer« vorgestellt – für ihn ein »überwältigender, sagenhaft beeindruckender Roman« – ein Exemplar ist dort gewiss vorrätig.

Informationen zum Buch:

Fernando Contreras Castro: Única blickt aufs Meer. Roman, übersetzt aus dem costa-ricanischen Spanisch von Birgit Weilguny, Hardcover, 144 Seiten, 20 Euro, 978-3-87512-492-7, MaroVerlag, www.maroverlag.de

Wegen der Coronakrise bietet der Blog unabhängigen und kleinen Verlagen unter der Rubrik #buecherhamstern die Möglichkeit, Titel aus ihrem Programm sichtbar zu machen. Das ist ein Zeichen der Solidarität für das verlegerische Engagement, das für Vielfalt und Auswahl für Lesende sorgt. Diese Beiträge sind kostenfreie Werbung.

Ulla Coulin-Riegger über narzisstische Eltern in „Spiegel Wissen“

Ein „spätes“ Romandebüt und seine Folgen: Mit ihrem Buch „Mutters Puppenspiel“, das im Frühjahr 2020 im Verlag Klöpfer, Narr erschien, erreichte die 70-jährige Psychotherapeutin Ulla Coulin-Riegger nicht nur begeisterte Leserinnen und Leser. Sondern ist nun auch mit einem Fachbeitrag in der jüngsten Ausgabe von „Spiegel Wissen“ vertreten. In dem Spezialheft zum Thema „Wie die Kindheit uns prägt“, das heute erschien, schreibt sie aus fachlicher Sicht über das, was in ihrem Roman fiktional bearbeitet wurde: „Narzisstische Eltern manipulieren ihre Kinder und können ihnen das Wichtigste nicht geben: Liebe. Die seelischen Folgen sind oft verheerend.“

Ulla Coulin-Riegger wurde 1950 in Stuttgart geboren. Sie studierte Psychologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und absolvierte eine Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin. Seit 1996 betreibt sie eine Praxis als Verhaltenstherapeutin und systemische Familientherapeutin in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart.

Der Roman „Mutters Puppenspiel“ erschien im März 2020 beim Verlag Klöpfer, Narr: 174 Seiten, Hardcover mit Lesebändchen, 22,00 Euro, ISBN 978-3-7496-1027-3.

„Andrin“ im Doppelpack

Über zwei sehr positive Besprechungen an einem Tag konnten sich Autorin Martina Altschäfer und der Mirabilis Verlag freuen:

„Unterhaltsam, gut geschrieben, lesenswert.“ – so ordnet Stefan Härtl auf Bookster HRO den Roman „Andrin“ ein. Die Besprechung in ganzer Länge: https://booksterhro.wordpress.com/2020/11/05/martina-altschafer-andrin/

Und die Autorin und Lektorin Dr. Yvonne C. Schauch sagt: „Ich habe diesen Roman ausgesprochen gern gelesen und empfehle ihn ebenso ausgesprochen gerne weiter.“
Ihre Rezension findet sich hier: https://www.schauch.com/2020/11/06/martina-altsch%C3%A4fer-andrin/

Zum Verlag: https://mirabilis-verlag.de/

„Die Chamäleondamen“ von Yvonne Hergane: Wie die Mutter, so die Tochter

Bild: Frauen in Rumänien von Eugen Visan auf Pixabay

Sie wussten stets, was sie wollten, mussten nehmen, was sie bekamen und gingen dafür ihren Sonderweg, auch wenn er aus dem rumänischen Banat nach Deutschland führte. Gastautor Ortwin-Rainer Bonfert kennt den zeitgeschichtlichen Hintergrund und hat einen „Beipackzettel“ für das Buch verfasst, der zum Lesen in Zeiten der Pandemie passt.

Man stelle sich vor: Man studiert Germanistik, man studiert Anglistik, man studiert Buchwissenschaft, dann schreibt man Kinderbücher, dann schreibt man Jugendliteratur, übersetzt englische Literatur – und dann schreibt man endlich einen Roman. Yvonne Hergane tat es. Sie schrieb diesen Debütroman mit leichter Feder, mit authentisch wirkenden Charakteren. Ihre Chamäleondamen wussten stets, was sie wollten, mussten aber nehmen, was sie bekamen. Sie ergaben sich trotzdem keineswegs ihrem Schicksal, sondern gingen ihren Sonderweg, machen dabei ihre Fehler, an denen sie wiederum nicht verzagen. Denn für sie ist klar: Lebe mit i geschrieben ist mehr Leben.

Yvonne Hergane verlegt den Romanbeginn ins Frühjahr 1919 des Banats in Rumänien und schafft es vom ersten Satz an, so subtil die Umstände zu schildern, in der die Braut in der Hochzeitsnacht zu ihrem Liebhaber durchbrennt, dass sogar der gehörnte Bräutigam darüber schmunzeln müsste.

„Die Chamäleondamen“ – Der Titel ist Programm! Es geht um Powerladies mit Herz, die durchhalten, sich anpassen, sich nie verbiegen: „Einen Morgen später (Anm.: nach der schmerzvollen Geburt) steht Marita wie immer im Geschäft ihre Frau, (…) eine Dame, als Verkäuferin getarnt.“ Es ist der Roman vierer Frauen aus vier Generationen und dennoch ist es genau so wenig ein klassischer Familienroman wie es eben auch kein klassischer Frauenroman ist: Die Erlebnisse der Chamäleondamen vor zeitgeschichtlichem Hintergrund betreffen und berühren eigentlich uns alle.

Der Vier-Generationen-Roman konzentriert sich im Wesentlichen auf die letzten beiden Frauen in dieser Familie. Die ersten beiden definieren den ausschlaggebenden und damit wichtigen Ausgangspunkt. Oder, mit den Worten von Yvonne Hergane formuliert: „Was Elli von ihrer Mutter als eines der wenigen Dinge bei der Geburt mitbekommt, gibt sie später, um das Gewicht der Vorangegangenen angereichert, an ihr Kind und Kindeskind weiter.“

Das Buch ist in knappe, wenige Seiten lange Kapitel gegliedert, zwischen denen in der Chronologie der Handlung mehrere Jahre oder auch Zeitsprünge liegen. Es sind Episoden aus dem Leben der Protagonistinnen, Spotlights, die signifikante Ereignisse vor dem jeweiligen historischen Hintergrund beinhalten. Beispielsweise wird eine Familientragödie während der Nazi-Zeit geschildert. Aber auch eigenständige, aus dem Familienleben geschnittene Vorkommnisse werden eindrucksvoll erzählt. Bei der Beschreibung des Ausrutschers eines Mädchens bei der Wochenendhütte, der nahezu zum Ertrinken im Bergbach geführt hätte, kommt die hervorragende narrative Kompetenz der Autorin ganz besonders zum Tragen. Gekonnt erfolgt dabei die sensible Gradwanderung zwischen Schilderung der Wahrnehmung des Kindes und dem eigentlichen Vorgang, der sich dem Leser nur allmählich erschließt (S.36/37): „…und Hanne ahnt auch, wo die Luft geblieben ist. Nein, die Zeit steht nicht still, sie saugt sich nur voll, die Sekunden blähen sich auf mit Hannes Luft, immer fetter und runder schmatzen sie sich daran.“

Mit wohl dosierten Regionalismen der Banater Schwaben wirken die Charaktere noch authentischer und sorgen bei Kennern für Amüsement. Leser können sich rasch in die Protagonistinnen hineinversetzen, mitfühlen, umgarnt eine Welt erleben, wie sie der Autorin vorschwebte, als sie den Roman schrieb. Es ist der Alltag der Chamäleondamen, die sich familiärer Verantwortung sowie der Liebe – mit allen Höhen und Tiefen – äußerlich anpassen, sich innerlich stets treu bleibend. In knappen Episoden werden geschildert: Familienfreuden wie auch Familienzwist,  Menschliches, allzu Menschliches, aber auch Abenteuerliches im Umfeld des kommunistischen Rumänien wie auch die Zerrissenheit zwischen dort bleiben, nach Deutschland auswandern und dort wiederum ankommen. Sicherlich spielt dabei die Biographie der kenntnisreichen Autorin eine wichtige Rolle, doch der Roman eignet sich als Lektüre für jeden, auch ohne Wissen um die deutsche Minderheit in Rumänien, den Banater Schwaben.

„… Latte-machiato-Mütter, die ihren mumiendick eingeplünnten Sprösslinge im Kinderwagen angeschnallt brüllen lassen, während sie sich im Kreis unterhalten, den Rücken zu den Kindern, über Windeln und Schuhe und Windeln und Männern und Windeln und dass man dem Kind nie genug Aufmerksamkeit schenken kann.“

Die Schilderungen amüsieren, sind aber keineswegs trivial. Die Autorin versteht es, dem durchaus ernsten Plott immer wieder eine ironische Note zu verleihen. Sie versetzt damit den Leser in einen Flow, der sich vom ersten Satz an mitgenommen und von der Lektüre sanft umhüllt getragen fühlt. Das Buch, im handlichen C4-Format, kartoniert gebunden, mutet mit seinem Cover edel an. Lob an Eva Wünsch, die in Anlehnung an Dadaismusformate eine ansprechende Cover-Collage kreiert hat.

In Zeiten der Pandemie kommt Literatur eine erweiterte Bedeutung zu. Wem ist dieses Buch nahezulegen? Der „Beipackzettel“ des Rezensenten zu diesem Buch:

Leser, die Tag täglich über ihr Schicksal seufzen, ist dieses Buch dringend empfohlen. Damen sollten es nicht zu hastig lesen – wegen möglichem Schluckauf beim Grinsen. Und Herren sollen sich nicht so anstellen – das Buch tut ihnen bestimmt auch gut. Die knappen Kapitel eignen sich sogar für die Lektüre zwischendurch, beispielsweise in der U-Bahn.

Leser, denen Corona-Einschränkungen auf den Magen schlagen, mögen sich in eine Decke gehüllt auf den Balkon setzen, bedächtig Glühwein, Gin oder Whiskey schlürfen, und das Buch genießen. Kamillentee hilft nun mal nicht immer und überall.

Indiependent-Verlagen wie MARO sind solche Bücher und Autor*innen dringend zu wünschen, um besser über die Runden zu kommen und um ihr Geschick für Newcomer zu beweisen.

Online-Versandhändler mit Wild-West-Manier mögen dieses Buch getrost ignorieren, schlägt ihr Herz doch eher für das Förderband der Bücher, als für die Bücher selbst.

Buchhändler sind gut beraten, für solche Debütromane aus Indie-Verlagen mehr Platz in ihren Auslagen und Büchertischen einzuräumen.

„Die Chamäleondamen“ – gut zu jeder Tageszeit.

Ein Beitrag von Ortwin-Rainer Bonfert

Informationen zum Buch:

Yvonne Hergane
Die Chamäleondamen
MaroVerlag, Augsburg, 2020
240 Seiten 20,00 €
ISBN 978-3-87512-493-4