1946 erschien in Paris ein Gedichtband mit dem Titel „An die Deutschen“: In deutscher Sprache verfasst, die Autorin nannte sich Julia Renner. Die mitunter drastischen Gedichte waren Ausdruck von Verzweiflung, Wut und dem Wunsch auf Rache nach den nationalsozialistischen Massakern und dem millionenfachen Mord an ihrem Volk. Sie sind auch Zeugnisse des jüdischen Widerstands, hier in literarischer Form.
Doch im Nachkriegsdeutschland wurde der Band nicht wahrgenommen und die Dichterin selbst geriet in Vergessenheit: Nicht einmal in Sammlungen zur Holocaust-Literatur taucht heute das Pseudonym Julia Renner beziehungsweise der Name Juliette Pary, wie sich die 1903 in Odessa geborene Schriftstellerin Julia Gourfinkel hauptsächlich nannte, auf. Der persona verlag (Mannheim) von Lisette Buchholz hat es sich zur Aufgabe gemacht, solche vergessenen Schätze wieder an die Öffentlichkeit zu bringen. Herausgegeben und mit einem umfangreichen Nachwort versehen von Andreas F. Kelletat erscheint nun „An die Deutschen“ am 12.September als deutsche Erstausgabe.
Die Gedichte sind die Abrechung einer selbstbewusst-kämpferischen Jüdin mit den Verbrechen der deutschen „Mörder-Horden“. Doch trotz ihres Zorns hält Juliette Pary fest an ihrer Liebe zur deutschen Sprache und Literatur, bezieht sich auf Goethe und Heine, ebenso aber auch auf ihre weiteren Lieblingsdichter Puschkin und Whitman.
Stimmen zum Buch:
„Das ist sozusagen ein Heine im Angesicht des Holocausts.“ – Frieder von Ammon beim Lyrikgespräch in Deutschlandfunk Kultur. „Ein Buch, das einem ins Gesicht schlägt.“ – Olga Radetzkaja.
„Eine Frauenstimme, die noch im 21. Jahrhundert nichts von ihrer Klarheit und Stärke eingebüßt hat.“ – Björn Hayer im BÜCHERmagazin 2/2026
Nora Karches spricht mit Herausgeber Andreas F. Kelletat im Büchermarkt des Deutschlandfunks über den Gedichtband „An die Deutschen“ von Juliette Pary, erschienen im persona verlag
Das „Lyrische Quartett“ diskutiert über aktuelle Gedichtbände, darunter „An die Deutschen“ von Juliette Pary am 29. Oktober im Lyrik Kabinett München. Die Aufzeichnung wird am 9. November, 22.05 Uhr, bei Deutschlandfunk Kultur ausgestrahlt.
Unter dem Titel „Die Sprache von Rache und Wut“ wird der Gedichtband am 17. Dezember in der ORF-Sendung „Sound Art: Lyrik heute“ vorgestellt
Kerstin Bachtler führte für SWR Kultur ein Gespräch mit dem Herausgeber des Bandes, Andreas F. Kelletat.
„Pary eine Vision jüdischer Selbstbehauptung. Sie setzt dem Zer-störerischen die Tatkraft einer Gemeinschaft entgegen, die sich nicht mehr demütigen lassen will. Sie dachte an Palästina, an neue Strukturen, an pädagogische Ideale, an geistige und körperliche Stärke. Und sie wusste, dass die Gefahr für Juden nicht verschwunden war.“ – Florian Birnmeyer, Signaturen
„1948 unternimmt sie eine Reise nach Israel, wo sie vielen Menschen begegnet, die die Gräuel der Nazis selbst erfahren haben, darüber aber nicht sprechen können, weil niemand sie hören will. Juliette Pary gibt mit ihren Gedichten eben diesen Menschen eine Stimme. Leider wurde sie damals nach 1945 in Deutschland nicht gehört. Man wollte sie nicht hören. Umso wichtiger, dass wir sie jetzt hören.“ – Elke Trost, egotrip
„Egal, wie nahe uns diese beunruhigend aktuellen Verse gehen – ein Gewinn, dazu das Einlösen einer historischen Verpflichtung, ist es allemal, sie lesen zu dürfen.“ – Erich Hackl, „junge welt“
„Die Gedichte berühren uns Leser auch und vor allem, weil sie – hier darf man den Ausdruck ruhig einmal benutzen – authentisch sind. Weil sie beunruhigend-aufregend sind in ihrer Direktheit und in ihrer Wahrheit verstörend.“ – Marion Hinz, kulturport.de
„Unter die Haut gehende und sprachlich mächtige, wehmütige und anklagende Gedichte über Deutsche und Juden, Geschichte und Gegenwart, über Vernichtung und Hoffnung.“ – Michael Braun, Medienprofile (Borromäusverein)
„Voller Wut und Verzweiflung, rachsüchtig und wortgewaltig.“ – Florence Hervé, „Wir Frauen“
„Die Gedichte sind herbe Kost. Sie hat sich nicht gescheut, auch ihre eigenen Albträume auszusprechen. Mir sind ihre Gedichte wichtig, weil ich in ihr eine sehr eigene Stimme höre und ich finde, wir Deutschen sollten diese Stimme hören“, sagt die Mannheimer Verlegerin Lisette Buchholz im Gespräch mit Susanne Lohse vom evangelischen pressedienst.
„Verlegerin entdeckt jüdische Lyrikerin wieder.“ – Über „An die Deutschen“ bei „Meine Kirchenzeitung“.
Paul-Henri Campbell veröffentlicht im LyrikLetter bei Volltext das Gedicht „Glück“ von Juliette Pary (Ausgabe am 26.09.2025)
„Die gehobene, zu Gourfinkels Zeit eigentlich schon veraltete Sprache trägt dazu bei, aus diesen Gedichten mehr zu machen als bloße Zeitzeugnisse. Sie sind Ausdruck einer conditio humana, die sich ins Extreme geworfen fand.“ – Paul Hübscher bei litteratur.ch
„Was wir da lesen, ist ein Höllentrip. Pary benennt die Verbrechen, die Folter, die Qualen beim Namen, beschönigt nichts. In einem fast schon expressiven Ton, der ganz untypisch ist für die deutsche Lyrik der Nachkriegszeit, die eher nach Entemotionalisierung strebte, führt sie uns mit einem genauen, dokumentarischen Blick die Verbrechen der Nazis, die Taten der Deutschen vor Augen.“ – Frank Pommer, Die Rheinpfalz
„Obwohl Deutsch nicht ihre Muttersprache war, verfasste sie ihre Gedichte auf Deutsch. Aus ihren kompromisslosen Worten kann man entnehmen, dass sie es allerdings vorgezogen hätte, gar nicht auf Deutsch zu schreiben. Sie tat es jedoch, um von den Deutschen verstanden zu werden.“ – Blog der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich
„Gut, dass die Stimme nun gehört wird!“ – eine ausführliche Empfehlung mit Gedichtzitaten bei haGalil.com
„Ihre knallharte, gleich nach Kriegsende auf Deutsch verfasste poetische Abrechnung mit dem Volk der Täter hat eine Wucht, die noch deren Urenkel treffen müsste. Die Gedichte dieser jüdischen Dichterin gehören in unsere Schulbücher.“ – Michael Augustin, LESART
„Es wurde wahrhaftig Zeit für diese Veröffentlichung!“ – Sigrun Klüger, Kulturette
„Ihre Unbekanntheit, die Tatsache, dass sie nicht ihre Muttersprache verwendete, ihre sehr direkte, unpoetische und vielleicht «undeutsche» Haltung – all dies hätte dazu führen können, dass dieses Buch vollständig in Vergessenheit geraten wäre.“ – Oded Fluss, Tachles.ch
„Es wurde auch Zeit. Denn die Deutschen, uns Deutsche, betrifft ja diese noch unmittelbar aus dem grausamen Geschehen unter der Nazi-Herrschaft drastisch formulierte Anklage-Lyrik.“ – Rolf Birkholz, Am Erker
Zur Autorin:
Julia Gourfinkel alias Juliette Pary lebte ab 1925 in Paris, hier schrieb sie in französischer Sprache Reportagen über soziale Themen und zwei Romane. Außerdem übersetzte sie Literatur aus dem Englischen, Russischen, Deutschen sowie Jiddischen ins Französische. 1940 floh sie aus Paris in die unbesetzte Zone Frankreichs, 1942 in die Schweiz. Nach ihrer Rückkehr 1944 in das besetzte Paris schrieb sie den Gedichtband „An die Deutschen“ – wie gesagt, in deutscher Sprache, die nicht ihre Muttersprache war. Juliette Pary starb 1950 in Vevey.
Bibliographische Angaben:

Juliette Pary
An die Deutschen
Gedichte
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Andreas F. Kelletat
persona verlag, Mannheim
ET: 10.09.2025
Kontakt Verlag:
persona verlag
Lisette Buchholz
Thannhäuser Ring 41
68199 Mannheim
Tel: 0621 40 96 96
E-Mail: buch@personaverlag.de
Downloads:
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- Weiteres aus dem persona verlag: Joachim Maass – Der Schnee von Nebraska
