Unter den 80 Verlagen, die 2024 mit dem Gütesiegel „Deutscher Verlagspreis“ durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien ausgezeichnet wurden, ist auch eine Adresse aus Mannheim: Der „persona verlag“ von Lisette Buchholz. Natürlich freute sich die baden-württembergische Verlegerin über die Auszeichnung als Anerkennung ihrer Arbeit sehr – und die damit verbundene Prämie von 18.000 € war ihr im 41. Jahr der Verlagsgründung nicht unwillkommen.
„Krisenfest muss ein unabhängiger Kleinverlag von Haus aus sein“, sagt die 74-Jährige. Doch der Wandel im Buchmarkt –steigende Kosten, wegbrechende Vertriebswege, der Rückgang an Rezensionsmöglichkeiten und sinkende Leserzahlen in der Belletristik – mache sich in den vergangenen Jahren seit der Corona-Pandemie besonders deutlich bemerkbar. Das hatte auch Auswirkungen auf ihr Verlagsprogramm, gesteht Lisette Buchholz ein: Mit „Der Schnee von Nebraska“, einer Erzählung des wiederzuentdeckenden Hamburger Schriftstellers Joachim Maass (1901-1972), der, angewidert von den Nationalsozialisten, ins amerikanische Exil ging und in Deutschland vergessen wurde, gab es 2014 nur eine Neuheit in ihrem Verlagsprogramm.

Doch die 1950 in Ludwigshafen geborene Verlegerin agiert seit jeher nach dem Motto „Klein, aber fein“. Alle Titel, die bisher im „persona verlag“ erschienen sind, bleiben lieferbar und sollen über tagesaktuelle Trends hinauswirken. Denn Lisette Buchholz hat sich mit ihrem Verlagsprogramm einer besonderen Epoche der Literaturgeschichte verschrieben: Der „persona verlag“ will unbekannte Texte von Autorinnen und Autoren aus dem deutschen und österreichischen Exil wieder zugänglich machen. Zwar wurde in den 41 Jahren das Verlagsprogramm auch um zeitgenössische Stimmen aus verschiedenen Ländern erweitert, umfasst inzwischen beispielsweise auch Texte des algerischen Schriftstellers Kamel Daoud und des marokkanischen Autors Rachid Benzine, „aber Kern bleibt die Exilliteratur“, so Lisette Buchholz. Und als Gemeinsamkeit die editorische Sorgfalt, mit denen sie jedes einzelne ihrer Bücher veröffentlicht.
Buchholz, die nach dem Studium der Slawistik, Psychologie und Germanistik zunächst in Finnland für das Goethe-Institut tätig war, gründete den persona verlag 1983 in Mannheim. Bei Studienaufenthalten im Osteuropa der Siebzigerjahre (Russland und Tschechoslowakei) war sie zuvor immer wieder mit den Verbrechen der Wehrmacht und der SS konfrontiert worden, weshalb sie sich verstärkt mit der Geschichte des Nationalsozialismus, des Widerstands und des Exils auseinandersetzte. „Ich fand es empörend, dass die Vernichtung von Literatur und die Missachtung der Exilautoren fünfzig Jahre nach der Bücherverbrennung andauerte, auch das gab mir Motivation zu meiner Verlagsgründung.“ Bei der Veröffentlichung des ersten Buchs im Verlag, „Manja“ von Anna Gmeyner, erhielt Lisette Buchholz sogar Unterstützung von der deutschen Verlegerlegende Fritz Landshoff (1901-1988), der die deutschsprachige Literatur im niederländischen Querido Verlag geleitet hatte und dort bedeutende Autoren wie Klaus und Thomas Mann, Alfred Döblin, Anna Seghers, Lion Feuchtwanger und viele mehr veröffentlichte.
In diesem Geist will auch Lisette Buchholz weiterwirken – zweimal bereits wurde sie dafür mit dem Baden-Württembergischen Landespreis für literarisch ambitionierte Kleinverlage ausgezeichnet. Und der Deutsche Verlagspreis nun gibt willkommenen Schwung für weitere Projekte.
Kontakt Verlag:
persona verlag
Lisette Buchholz
Thannhäuser Ring 41
68199 Mannheim
Tel: 0621 40 96 96
E-Mail: buch@personaverlag.de
http://www.personaverlag.de/
