#VerschämteLektüren (13): Elementares Lesen in den Niederungen der Steinzeit

Petra ist mit ihrem Blog „Elementares Lesen“ für mich die Queen des Sachbuchs. Nicht nur, weil es in der deutschsprachigen Blogosphäre wohl kaum etwas Vergleichbares gibt. Sondern vor allem, weil sie es schafft, mit ihren Beiträgen selbst meine Aufmerksamkeit für Themen wie Biologie, Physik, Astronomie zu fesseln, bei denen ansonsten meine Konzentration schnell auf bodenlos tiefes Niveau sinkt. Petra hat  durch ihre anschaulichen und kompetenten Buchbesprechungen wieder einiges an Interesse bei mir geweckt. Darüber hinaus kommen bei ihren Sachbuch-Besprechungen auch andere Disziplinen zum Zuge – das zeigt ein Blick auf das erstaunliche Blogregister: https://elementareslesen.wordpress.com/sachbuch-archiv/ .

Wie sie es schafft, daneben noch ganz elementare #VerschämteLektüren zu lesen, ist mir ein Rätsel. Aber auch da hat sie was Feines zu bieten. Und nicht zuletzt hat das ja auch mit ihren Interessensgebieten zu tun – wird in vielen Sachbüchern doch ebenfalls hinreichend über die Entwicklung des Menschen und das Leben und Treiben unserer Vorvorvorvorvorfahren spekuliert:

„Die Aktion finde ich großartig! Es hat mir viel Spaß gemacht, meine Regale nach verschämten Lektüren durchzuchecken. Aber wie schon andere vor mir stelle ich fest, dass es keinen Grund gibt, sich zu schämen. Jedes noch so schlechte Buch hat seinen Zweck erfüllt, wenn es mich für eine gewisse Zeit in seinen Bann geschlagen oder mich einfach saugut unterhalten hat. Und nur durch die Lektüre „schlechter“ Bücher entwickelt man allmählich ein Gefühl dafür, was wirklich gute Literatur ausmacht. Gibt es eine bessere Ausrede?

Das Ergebnis meiner Suche:

Als der Heyne Verlag 2002 den fünften Band der Kinder der Erde-Saga von Jean Auel herausbrachte, wurden gemeinerweise auch die älteren Bände neu aufgelegt. Die alten Bände habe ich immer ignoriert, denn sie sahen extrem kitschig aus und ich hatte damals schon eine ausgeprägte Kitschallergie. Aber die Neuausgaben mit Höhlenzeichnungen auf dem Cover fand ich einfach zu schön! Schon beim ersten Band „Ayla und der Clan des Bären“ war ich fasziniert von dieser Geschichte aus der Steinzeit. Ayla, das Menschenkind, wird nach dem Verlust seiner Familie von einem Neandertalerclan aufgezogen. Dort bleibt Ayla aufgrund ihrer Andersartigkeit eine Außenseiterin, wird zur Heilerin ausgebildet, leidet unter den Angriffen einiger Clanmitglieder, schafft es aber zunächst, dort ihren Platz zu finden. Natürlich findet sie in den Folgebänden auch ihre große Liebe, aber wie so häufig in typischen Frauenromanen, verhindern endlose Missverständnisse ein glückliches Zusammenleben mit ihrem Geliebten. Das zieht sich bis Band 6 hin, den ich mir allerdings erspart habe. Bei Wikipedia habe ich folgendes Zitat gefunden: „Die häufige Beschreibung von Geschlechtsverkehr und Sexualität hat dazu geführt, dass der Romanzyklus von der American Library Association auf der Liste der 100 zwischen 1990 und 2000 am häufigsten zensierten Bücher steht.“  Gut, dass wir in Europa nicht so prüde sind, denn es war ja auch alles relativ authentisch, der Unterschied zwischen Neandertalern und modernen Menschen, die Lebensweise, die Jagdmethoden! So eine starke Frauenfigur, die ein Pferd, einen Löwen und einen Wolf zähmen kann und das Überleben in der rauen Natur erlernt, das hat mir imponiert.

Tja, und das andere Extrem sind die Vampirromane von Anne Rice, die einzigen Vampirbücher, die mich je interessiert haben. Da kann ich nicht mit historischer Wahrheit punkten. Die gefielen mir, weil sie so schön düster und melancholisch sind und eine eigene Welt schaffen, in der ich versinken kann. Was habe ich gelitten mit dem armen Louis, der von Lestat de Lioncourt zum Vampir gemacht wurde und es hasst, töten zu müssen. Ach, all die Ammenmärchen über Vampire, die man mit Sonnenlicht und Knoblauch bekämpfen kann. Hier steht, wie sie wirklich sind! Hier steht, wie schwer es ist, sich nach einem langen Schlaf in der Gegenwart zurechtzufinden und wie leicht wir Menschenfleisch zu täuschen sind. Und das alles ist so elegant erzählt.

Wenn ich noch länger suchen würde, fände ich bestimmt noch mehr geeignete Bücher, aber ich denke es reicht.“

Hier geht es zum Sachbuch-Blog „Elementares Lesen“: https://www.elementareslesen.de/

Bild zum Download: Steine

#VerschämteLektüren (1): Von Petra von Philea`s Blog

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Bild von Heidelbergerin auf Pixabay

Petra von Philea`s Blog hat nicht nur „Leselust & Reisefieber“, sondern auch einen Hang zu Schmonzetten. Was ich gut verstehen kann – denn solche Tränendrüsendrücker sind manchmal einfach nicht nur schön, sondern auch schön notwendig. Und mindestens zwei meiner schlechtesten Lieblingsbücher finden sich auch auf Petras Liste. Also, Taschentücher gezückt und ihren Beitrag genießen:

Mit meinem schlechtesten Lieblingsbuch soll ich mich hier outen – das ist gar nicht so einfach. Zum einen weil es mit den Lieblingsbüchern bei mir so eine Sache ist, die sehr stark von meinen aktuellen Interessen abhängt. Was ich einst grandios fand, muss heute nicht mehr zu meinen Lieblingen gehören. Zum anderen ist’s auch schwierig mit dem Begriff schlecht. War das Buch denn wirklich sooo schlecht, wenn ich es mal irgendwann begeistert las? Selbst wenn der Stil unterirdisch war, immerhin war es wohl spannend, unterhaltsam, rührend, was auch immer – das ist ja auch was. Und dann nur ein schlechtestes Lieblingsbuch! Aus der Fülle der Schmonzetten, Vampirserien et al. sehe ich mich außer Stande, mein allerliebstes allerschlechtestes Lieblingsbuch zu wählen. Darum geht es hier gleich um mehrere. Viele davon habe ich als junges Mädchen gelesen, manche erst vor einigen Jahren.

Da wäre zunächst bei den Schmonzetten Angélique von Anne Golon zu nennen. Drei Bände dieser Reihe las ich ab etwa 11 Jahren und war schwer begeistert von der (natürlich) umwerfend schönen Hauptfigur aus verarmtem Adel, die sich zur Zeit König Ludwigs XIV. quer durch die Schichten – äh – amüsierte und allerlei Abenteuer (amouröse und andere) erlebte. Ich las schon damals alles Mögliche und lieh mir oft Bücher von Bekannten meiner Eltern. Die heimischen Regale hatte ich schon – bis auf die Fachliteratur zur Ornithologie – durch. Diese drei Bände fand ich bei unserer Schneiderin, die überhaupt ein Faible fürs Schmonzettige hatte. Übrigens war ich ganz enttäuscht, als ich in Geschichtsbüchern so gar nichts über diese Angélique finden konnte. Ich glaubte, da historische Ereignisse und Personen in den Bänden vorkamen, müsse es auch die Hauptfigur in Wirklichkeit gegeben haben. Gleiches ist mir bei anderen Romanen (Familiensagas, Krimis, Abenteuer- oder Liebesgeschichten) übrigens nie in den Sinn gekommen. Hier war mir vollkommen klar, dass die Figuren erfunden sind. Aber die Vermischung historischer Fakten mit fiktiver Handlung – das Konzept „historischer Roman“ – war mir bis dato unbekannt.

Eine weitere Schmonzette ähnlichen Kalibers, wenn es auch deutlich weniger Liebeleien darin gab, war „Verzaubert“ von Elisabeth Barbier. Das Buch war Teil einer mehrbändigen Familiensaga diverser Frauen, die auf Mogador, dem Familiensitz, lebten, liebten und litten. Die Hauptfigur dieses Bandes hieß Ludivine und war eigentlich ganz flott. Leider war ihr Gatte noch flotter, weswegen sie trotz großer Liebe etc. doch allerlei Herzeleid zu ertragen hatte. Hach.

Mit den Jahren gab es nicht mehr gar so viele Schmonzetten in meinem Leseleben, aber ein paar eben doch. So war ich hingerissen von Love Story, dazu muss man eigentlich nicht mehr viel sagen, nur dass der zweite Teil, er hieß (glaube ich) Olivers Story und handelt von seinem Leben nach dem tragischen Tod seiner Gattin, ziemlich dröge war. In meinen Dreißigern las ich ein Buch von Nicholas Sparks, Wie ein einziger Tag, und war in Tränen aufgelöst. Ich habe es sogar noch, aber es seither nicht mehr gelesen.

Immer mal wieder las (und lese) ich auch gern Vampirromane, von denen es ganz hervorragende gibt. Aber eben auch solche, die sich runterlesen, wie man eine Serie „wegguckt“. Die Romanserie um Sookie Stackhouse von Charlaine Harris wurde denn auch sehr erfolgreich als Fernsehserie namens „True Blood“ verfilmt. Ich las mit großem Vergnügen sieben Bände der Serie, ansehen werde ich mir sicher alle Staffeln.

Apropos ansehen: Auch wenn ich kaum noch Schmonzettiges lese, so bin ich doch immer wieder entzückt von Filmen wie „Notting Hill“ oder „Love Actually“ … Vielleicht bittet Birgit ja noch um ein Film- und Serien-Outing 🙂

Hier geht es zum Blog der Autorin: http://phileablog.wordpress.com/

PS: Wie Petra ganz zurecht anmerkt, ist der Begriff „schlecht“ ein schwieriger. Deshalb habe ich – auch angeregt durch einen Twitterbeitrag – die Serie kurzerhand umbenannt: In #VerschämteLektüren. Trifft es doch besser, oder? So, ich werde jetzt eine Runde Rosamunde Pilcher lesen. Jetzt ist es raus. Und die Zeit der Scham hat ein Ende 🙂