1799 heuert ein 12-jähriges Kind im Hafen von La Coruña auf der «Pizzaro» an. Dem Schiff, das Alexander von Humboldt an die Küste Venezuelas bringen wird. Was «Ang Chi», die sich auch «Ángel Chan» oder wahlweise «Angelo» nennen lässt, vor der Schiffsbesatzung verbergen kann, bleibt für den Forschungsreisenden kein Geheimnis. Das Kind gibt sich als Junge aus. Weil eil es unbedingt weg will aus Spanien. Die beiden ungleichen Reisegefährten nähern sich an und überstehen gemeinsam die gefährliche Schiffsreise. Sie bleiben auch später noch befreundet.
Was sich anlässt wie ein klassischer Schelmenroman, geht weit über das hinaus. Denn Julia Wong (1965 – 2024), war nicht nur eine der wenigen bekannten weiblichen Schriftstellerinnen Perus. Sie war auch chinesischer Herkunft. Seit 1850 wanderten regelmäßig Chinesen in den Andenstaat ein. In Peru gibt es ein eigenes Wort für Peruaner chinesischer Herkunft: «Tusán». Die Mitglieder dieser Gruppe bleiben in Peru weitgehend unter sich. Sie pflegen ihre eigenen Sitten und Gebräuche. Was wiederum zu Vorurteilen im Land ihnen gegenüber führte. Neben anderen Intellektuellen war Julia Wong in einer 2017 gegründeten Initiative angetreten, dies durch kulturelle Veranstaltungen zu verändern.
Die Heldin ist eine tusán
Auch die Heldin ihres 2021 in Peru veröffentlichten Romans ist eine «tusán». Eine Migrantin, die sich ein besseres Leben in der «Neuen Welt» erhofft. Doch Angela, die in Peru die 1821 verkündete Unabhängigkeit von der spanischen Herrschaft und den Übergang zur Republik erlebt, wird erfahren, dass sich für Menschen wie sie – indochinesische, indigene oder versklavte Bedienstete – auch unter den neuen politischen Vorzeichen nichts verändert.
Dieser multiperspektivisch erzählte Roman ist der einzige Prosatext von Julia Wong, in dem sie die problematische Zugehörigkeit zu Peru explizit hervorhebt. Und er ist der erste Roman der peruanischen Autorin, der ins Deutsche übersetzt wurde. Die Erstübersetzung erfolgte durch Barbara Mesquita. Für die finale Fassung zeichnet Ineke Phaf-Rheinberger verantwortlich, die auch ein Nachwort zu dem Buch verfasst hat.

Julia Wong
Zur anderen Seite des Ozeans
Roman
Aus dem peruanischen Spanisch übersetzt von Barbara Mesquita und Ineke Phaf-Rheinberger
Edition Isele, Eggingen
Erscheinungstermin: 20. April 2026
Informationen zum Buch:
Rezensionen
Übersetzerin Ineke Phaf-Rheinberger im Gespräch mit Dirk Fuhrig im „Büchermarkt“ (ab Min. 12) beim Deutschlandfunk über die Autorin und ihren Roman
„Es ist ein ungewöhnliches, ein unkonventionelles Buch, das bekannte Geschichten tatsächlich noch einmal sehr anders erzählt“: Katharina Döbler stellt den Roman bei Deutschlandfunk Kultur vor. Die Kritik zum Nachhören und zum Nachlesen.
„Es ist ein informativer Roman, der ein gutes Abbild jener Zeit (um 1800) gibt, eingepackt in das Leben eines wohlhabenden, forschungssüchtigen Adeligen (das Ideal) mit dem Gegenpart eines von bitterster Armut gekennzeichneten jungen Lebens (die Realität); beide mit dem Mindset, die Welt ein bisschen besser zu machen.“ – Marco Lombardi, Alpenlandkunst
„Neben einem feinsinnig gezeichneten Psychogramm Humboldts, einem streiflichtartigen Porträt der Stadt Lima und dem Räsonnieren über die Geheimnisse des Ozeans steht die Sprache, insbesondere die deutsche, im Zentrum dieses Romans.“ – Sigismund von Dobschütz, buch.besprechung
„Die Faszination des Reisens, vor allem des Meers, die Angela verspürt und die Wong uns schön schildert, macht aus dem Buch ein kleines Schmuckstück (…) Last but not least trägt uns eine poetische Sprache durch das Buch und ja, wir lassen uns gerne tragen.“ – Paul Hübscher, litteratur.ch
„Das Zusammenbringen von Humboldts Wirken (…) und die Perspektive der ostasiatischen Migrantin, zwei Menschen von entgegengesetzten Enden der sozialen Skala, machen diesen Roman so besonders.“ – Sonja Henkenborg, lesenswege
„Zur anderen Seite des Ozeans ist ein wundervolles Buch über Herkunft und Bildung, das aber auch vor Augen führt, dass das Reisen und das Wandern der Menschen über Land und zu Wasser das Gestern und Heute prägen.“ – Constanze Matthes, Zeichen & Zeiten
„Eine sehr empfehlenswerte Reise!“ – so Sigrun Klüger, die den Frauenbuch-Newsletter „Kulturette Braunschweig“ herausgibt
„Das Lesen dieses außergewöhnlichen Romans ist auf jeden Fall ein Gewinn, sowohl für Kenner der Humboldtschen Geschichte wie auch für Novizen.“ – Mechthild Hesse, literaturkritik.de
Autorin

Julia Wong Kcomt, 1965 in Chepén geboren, studierte Jura und Politikwissenschaften an der Universität von Lima. In dieser Zeit kam sie erstmals mit einem Austauschprogramm nach Deutschland, später folgten weitere Aufenthalte in Stuttgart, Tübingen und Freiburg.
Ab den 1990er-Jahren veröffentlichte sie erste Gedichte, es folgte ein umfangreiche Œuvre an Poesie, Kurzgeschichten und Romanen. Vor allem mit ihrer Lyrik wurde sie weit über die Grenzen Perus in Lateinamerika hinaus bekannt, einige ihrer Gedichte wurden auch von Rike Bolte ins Deutsche übertragen. Julia Wong starb nach langer Krankheit 2024.
Bibliographische Angaben
Julia Wong
Zur anderen Seite des Ozeans
Roman
Aus dem peruanischen Spanisch übersetzt von Barbara Mesquita und Ineke Phaf-Rheinberger
Edition Isele, Eggingen
ET: 20. April 2026
200 Seiten, Softcover, 13,5 x 21,5 cm, 17,80 Euro
ISBN 978-3-86142-686-8
Leseprobe & Downloads
Verlag
Edition Isele
Heidelstraße 9
D-79805 Eggingen
Email: klaus.isele@t-online.de
https://www.klausisele.de/
*Im Rahmen meiner Arbeit – PR für Verlage und Autor*innen
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