Er ist der aufgehende Stern der haitianischen Literatur: Jean D’Amérique. Der mehrfach ausgezeichnete Dichter, Dramatiker und Rapper, der in Paris lebt, setzt sich in seinem Werk vor allem mit politischer Gewalt und dem Leben marginalisierter Gruppen auseinander. 2021 erschien in Frankreich sein Romandebüt „Soleil à coudre“. Es wurde unter anderem mit dem Prix Dubreuil du premier roman de la SGDL und dem Prix Montluc Résistance et Liberté ausgezeichnet. Unter dem Titel „Zerrissene Sonne“ erscheint der Roman nun in deutscher Übersetzung durch Rike Bolte im Verlag Litradukt.
In verdichteter Sprache, mal mit unglaublicher poetischer Zärtlichkeit, mal knapp und brutal erzählt Jean D‘ Amérique in diesem Roman von einer Kindheit, die keine sein darf. Übersetzerin Rike Bolte schreibt dazu in ihrem Vorwort: „Die junge Tête Fêlée – in etwa Spinnerin oder Wirrkopf –, lebt unter der Sonne, ohne jemals zu wissen, ob sie es nach einem mühsam durchlebten Tag noch bis zum Morgengrauen und darüber hinaus schafft.“
Du wirst allein sein in der großen Nacht. Diese Prophezeiung bekommt das 12-jährige Mädchen, das nur Tête Fêlée, „gesprungener Kopf“, genannt wird, ständig von „Papa“ zu hören, der freilich nicht ihr richtiger Vater ist. Immerhin hat Papa als „bester Soldat“ des „Metallengels“, des mächtigsten Gangsters im Viertel, Karriere gemacht, während ihre Mutter ihren Körper zu verkaufen hat. Tête Fêlées Erzählung pendelt zwischen den Erfahrungen von Gewalt, Ausweglosigkeiten und unmöglicher Kindheit in den Slums von Port-au-Prince. Halt gibt ihr der Gedanke an eine Schulfreundin, die mit ihrer Mutter vor der Gewalt Haitis inzwischen jedoch in die USA geflüchtet ist. Diese erste Mädchenliebe ist freilich nicht ihr einziges Geheimnis …
„Zerrissene Sonne“ ist ein eindringlicher Roman, in dem sich Sarkasmus und Unschuld zu grausiger Poesie verbinden.

Jean D’Amérique
Zerrissene Sonne
Roman
Aus dem Französischen von Rike Bolte
Softcover, 114 Seiten
Preis: 13,00 € (D); 13,40 € (A)
ISBN 978-3-940435-49-1
Erscheinungstermin: 06. Dezember 2024
Rezensionen
Ab Feburar 2025 war Jean D’Amérique auf Einladung des Literaturhauses Zürich als Writer in residence für sechs Monate in Zürich zu Gast.
Jean D’Amérique im Interview bei „ila – Das Lateinamerika-Magazin“
Jean D’Amérique im Interview in der Sendung „Lesart“ bei Deutschlandfunk Kultur
„Wie d’Amérique bitteren Sarkasmus und kindliche Unschuld in einem poetischen Gleichgewicht hält, sagt mehr über die widersprüchlichen Lebensrealitäten Haitis als die Lageberichte der zahllosen Hilfsorganisationen vor Ort.“ – Cornelius Wüllenkemper, FAZ
»Ein shakespearehaftes Romandebut von tragischer Schönheit wie ein Gemälde von Géricault. Blendend.« – Gladys Marivat, Le monde des livres
»Jean D’Amériques Genie liegt darin, dass er eine Sprache gefunden hat, die wunderbar poetisch und zugleich sehr hart ist. Ich konnte mich nicht davon losreißen, ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen. Es gibt eine Art Gegensatz zwischen einem äußerst sinnlichen Schreiben und einer extrem gewaltsamen Wirklichkeit. Ein Buch von viel größerer Kraft als jede Dokumentation über die haitianische Frage.« – Célimène Daudet, France culture / Affaires culturelles
„Mehr eine Rhapsodie denn ein Roman“, so ordnet Katharina Döbler das Buch bei radio 3 RBB ein. Sie hebt die ebenso rhytmische wie kondensierte Sprache, die voller Emotionen sei, hervor.
„Das Ermutigende ist eigentlich die Sprache selbst, die neben dieser Härte auch viel Schönheit hat.“ – Andreas Baum empfiehlt das Buch bei Deutschlandfunk Kultur
„Als Parabel auf das menschliche Leben kann man das lesen, gerade weil neben aller Gewalt auch Gefühle und Hoffnung aufscheinen.“ – Johannes Mundry, HNA – Hessische/ Niedersächsische Allgemeine
„D’Amérique erzählt von all dem in seinem kurzen, wundervollen, grausamen Roman und man steht am Ende völlig verblüfft und beglückt vor diesem literarischen Scherbenhaufen. Auch deshalb, weil es schlichtweg kaum zu glauben ist, dass so viel mit so wenig Worten erzählt werden kann.“ – Fritz Freithoff, LiteraturReview
„Jean D’Amérique verbindet in „Zerrissene Sonne“ poetische Sprache mit einer unverblümten Schilderung der Lebensrealität. Diese Mischung aus lyrischer Sensibilität und ungeschönter Direktheit macht den Roman so eindringlich. Seine Bilder, wie die „Sonne“ als Symbol für Hoffnung und Zerstörung, bleiben lange im Gedächtnis.“ – Ute Pappelbaum, Lesering.de
„In seiner Intensität ist der Roman selber eine Sonne, die mit hammerharten Schlägen nicht nur auf ihr Personal einschlägt sondern auch auf uns Lesende. Wir staunen ob der lyrischen Sprache, um zugleich vom geschilderten Inhalt einen Schlag in die Magengrube zu erhalten.“ – Paul Hübscher, litteratur.ch
„Ganz große Leseempfehlung für diesen Roman, der teilweise schockieren mag, aber unbedingt gelesen werden will, ja muss.“ – Marco Lombardi
„Das scheint der Hauptpunkt seiner Poetologie zu sein: das Überraschende, das die Sprache dem Autor liefert, wenn sie aus dem Bauch kommt – womit zugleich dann ein neuer, anderer Blick auf die Realität gegeben ist.“ – Paul Hübscher, litteratur.ch über eine Lesung im Literaturhaus Zürich
„In diesem Roman vereinen sich der Lyriker, der Dramatiker und der Rapper. Jean d´Amerique schreibt genau so, wie Tête Fêlée es ausdrückt: mit „roten Wörtern … die durch das Feuer der Gewalt verletzt wurden.“ – Petra Lohrmann, „Gute Literatur – Meine Empfehlung“
„Für D’Amérique gibt es keinen Grund, Musik und Literatur zu trennen. Sein Romandebüt kann auch als langer Rapmonolog gelesen werden, der Sound ploppt auf Textebene in «Zerrissene Sonne» auf. Mit dem legendären Jazzmusiker John Coltrane an der Seite des US-Rappers Kendrick Lamar etwa.“ – Tabea Andres portraitiert Jean D’Amérique in der „WOZ“
„Der Roman ist in sehr expliziter Sprache geschrieben, lässt den Leser so allen Dreck und alles Leid der Welt von Têle Fêlée miterleben. Der Schreibstil ist lebendig und gnadenlos.“ – Travel without moving
„Wie ein Trommelfeuer zieht sich die physische Gewalt durch die Seiten und hinterlässt gebrochene Seelen. Jean d’Amérique gönnt seinen Lesern keine Verschnaufpause. Trost spendet dabei nur die Sprache. Denn Jean d’Amérique ist nicht nur Schriftsteller. Der Rapper dichtet auch und so ist für ihn jedes Wort eine Note, jede Silbe ein Klang.“ – Barbara Hoppe, Feuilletonscout
„In einzigartiger, wortgewaltiger Poesie erzählt D’Amérique von der Finsternis seiner Heimat, in der das Recht der Straße gilt.“ – Anna Lemberger, Dorfzeitung
Autor

Jean D’Amérique, geboren 1994 in Haiti, ist Lyriker, Dramatiker und Romancier. Er wurde insbesondere mit dem Prix de Poésie de la Vocation für Nul chemin dans la peau que saignante étreinte (Cheyne, 2017) und mit dem Prix Jean-Jacques Lerrant des Journées de Lyon des Auteurs de Théâtre für Cathédrale des cochons (Éditions Théâtrales, 2020) ausgezeichnet. Er ist Leiter des Festivals Transe Poétique und der Lyrikzeitschrift Davertige. Zerrissene Sonne (Soleil à coudre, Actes Sud, 2021) ist sein erster Roman.
Homepage: https://jeandamerique.fr/
Autorenfoto: Eduard Caupeil
Leseprobe
Verlag
Litradukt
Literatureditionen Manuela Zeilinger-Trier
Christian-Eberle-Straße 4a
54295 Trier
Tel.: +49 (0)651 99168588
Email: info@litradukt.de
https://litradukt.de/
JAMES NOËL: Pfauen
„Manchmal liest man wie auf einer überhitzten Wand voller Graffiti, manchmal wie in einem Browser mit zu vielen offenen Tabs, manchmal wie in einem Traum, der beim Aufwachen noch weiterredet“, schreibt Yevgeniy Breyger in seinem Vorwort zu „Pfauen“. Der neue Gedichtband des haitianischen Lyrikers James Noël, übertragen von Rike Bolte, erscheint nun bei Litradukt.
YANICK LAHENS: Mondbad
„Mondbad“, bei Litradukt in deutscher Übersetzung durch Jutta Himmelreich erschienen, wurde mit dem „Prix Femina“, einem der wichtigsten französischen Literaturpreise, ausgezeichnet. Ein beeindruckender Roman der haitianischen Autorin Yanick Lahens.
KETTLY MARS: Kasalé
Kettly Mars ist eine der bekanntesten Gegenwartsautorinnen aus Haiti, deren Werke zahlreiche Übersetzungen erfuhren. Höchste Zeit also, dass auch ihr Debütroman endlich in deutscher Sprache vorliegt. Übersetzt durch Ingeborg Schmutte entführt „Kasalé“ (2003) in die vom Voodoo geprägte Welt haitianischer Frauen.
*Im Rahmen meiner Arbeit – PR für Verlage und Autor*innen
