In der Kurzinterview-Reihe „Drei Fragen zum Buch“ gibt es einen schnellen, inspirierenden Blick hinter die Kulissen von aktuellen Neuerscheinungen. Autorinnen und Autoren, Verleger*innen, Übersetzer*innen und andere erzählen von ihrer Motivation, dem Entstehungsprozess der Werke und den Geschichten „hinter dem Buch“.
Martin Ebbertz wurde als Kinderbuchautor vor allem bekannt mit den mehrfach ausgezeichneten Büchern »Der kleine Herr Jaromir« und mit Onkel Theos verrücktem Geschichten aus »Ein Esel ist ein Zebra ohne Streifen«. Aber er ist auch ein gefragter Vorleser und begeistert sein Publikum in zahlreichen Veranstaltungen, bei großen Festivals wie Lit Cologne, Erlanger Poetenfest oder Hamburger Vorlesevergnügen ebenso wie bei Autorenbegegnungen in Schulen. Nicht zuletzt die tollen Erlebnisse bei Lesungen haben nun auch zu einem Band mit Gedichten für Kinder geführt, die vor allem auch laut gelesen und gehört werden wollen: »Ich halte mir ein Auge zu« heißt das neue Buch, dass vor wenigen Tagen im Verlag Razamba erschienen ist.
Martin Ebbertz war während des Studiums auch Fensterputzer, Flohmarkthändler, Antiquar und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift „Am Erker“. Nach einem Jahr als Lehrer in Frankreich lebte er als freier Schriftsteller zunächst in Frankfurt, dann fünf Jahre in Thessaloniki. Seit 2015 lebt und arbeitet er wieder in Frankfurt und in Offenbach am Main. Martin Ebbertz schreibt für Kinder und Erwachsene.

Interview mit Martin Ebbertz: Warum man diese Gedichte laut lesen soll
Frage:
Herr Ebbertz, in Ihrer „Gebrauchsanleitung“ im Buch fordern Sie die Leserinnen und Leser auf, Gedichte unbedingt LAUT zu lesen. Warum ist Ihnen der Klang so wichtig?
Martin Ebbertz:
Gedichte sind nicht nur etwas für den Verstand, sie sind Musik aus Wörtern. Wenn man ein Gedicht nur leise für sich liest, verpasst man die halbe Freude. Erst beim lauten Sprechen spürt man den Rhythmus auf der Zunge, den plötzlichen Stolperer oder den harmonischen Fluss. Kinder haben dafür ein fantastisches, ganz intuitives Gespür. Sie merken sofort, ob ein Text groovt. Ich möchte mit dem Buch den Mut wecken, Sprache wieder als etwas zu erleben, das man laut in den Raum rufen und miteinander teilen kann.
Frage:
Das Buch enthält auch Gedichte, die Begriffe aus dem Arabischen, Griechischen oder Französischen aufgreifen. Was hat Sie zu diesen sprachlichen Ausflügen inspiriert?
Martin Ebbertz:
Wir leben in einer bunten, mehrsprachigen Welt. Auf dem Spielplatz oder in der Schule begegnen Kindern ganz selbstverständlich Wörter aus verschiedenen Sprachen. Mich inspirieren ihr Klang, die Gefühle und Geschichten, die darin stecken. In Gedichten wie „Malista“ oder „Habibi“ dürfen diese Wörter ihren eigenen poetischen Zauber entfalten. Kinder, die mit mehreren Sprachen aufwachsen, entdecken dabei vielleicht ein vertrautes Stück ihres Alltags im Buch und spüren: Auch meine Sprache gehört hierher. Andere erleben die Freude an einem ungewohnten Klang. So entstehen Nähe, Neugier und Sprachspiel.
Frage:
Die Illustrationen von Petrus Akkordeon sind sehr markant und minimalistisch. Wie lief die Zusammenarbeit zwischen Text und Bild ab?
Martin Ebbertz:
Ein Gedichtband für Kinder lebt vom Zusammenspiel der Künste. Die Bilder von Petrus Akkordeon illustrieren die Texte nicht einfach nur starr nach, sondern sie führen sie weiter. Seine feinen, charakterstarken Striche lassen den Figuren – seien es die Spatzen, Hunde oder die Giraffe – Raum zum Atmen. Manchmal fängt ein Bild genau die skurrile Note ein, die zwischen den Zeilen steht. Für mich ist diese Kombination perfekt, weil sowohl die Gedichte als auch die Zeichnungen das Publikum ernst nehmen und Platz für die eigene Fantasie lassen.
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