Wenn es um den Blick auf die Zukunft geht, muss sich Dichtung weder an Physik oder Logik gebunden fühlen. Ihr liegt ein Möglichkeitsüberschuss inne, der Raum gibt für freie Imagination und gerade dadurch der Lyrik ihre große Kraft verleiht. Lyrik als utopische Praxis vermag den Blick der Leser zu erweitern. Und sie gibt Hoffnung in Zeiten wie diesen, die von Krisen, Katastrophen, Kriegen und dem Klimawandel geprägt sind.
Viele zeitgenössische Lyriker:innen suchen nach Hoffnungspoetiken. Sie hinterfragen die Verantwortung des Menschen für seine Umwelt und kreieren neue Welten. Aber ebenso wenig scheuen sie vor Kritik am Allzu-Utopischen zurück, sondern loten aus, was denk- und machbar erscheint. Das zeigt diese breit angelegte Anthologie zeitgenössischer Lyrik, herausgegeben von Literaturkritiker und Literaturwissenschaftler Björn Hayer.
Die Anthologie, die wichtige poetische Stimmen der Gegenwart versammelt, gliedert sich in fünf Teile. Sie wirft einen Blick auf „Utopie als Schreibform“ und geht den Weg „Vom Dazwischen zum guten Ort“. Sie spürt der „Melancholie als Quell des Utopischen“ nach. Gefragt wird nach „Ökologie und Utopie“ und nach „Utopiekritik und Dystopie“ in der modernen Lyrik. Björn Hayer, der die Sammlung kuratiert hat, rundet das Buch durch ein kenntnisreiches Essay ab, das einen Bogen schlägt vom utopischsten aller deutschen Klassiker, Hölderlin, über philosophische Bezüge bei Gustav Landauer und Ernst Bloch und in die Gegenwart hinein.

„Aus einer geschützten Ecke heraus läßt du den Raum entstehen“ umfasst Gedichte von: Mirko Bonné, Yevgeniy Breyger, Jürgen Brôcan, Crauss, Daniela Danz, Dominik Dombrowski, Kurt Drawert, Carl-Christian Elze, Daniel Falb, Isabella Feimer, Katharina J. Ferner, Alexander Graeff, Björn Hayer, Martina Hefter, Manon Hopf, Nancy Hünger, Mathias Jeschke, Alexander Kappe, Esther Kinsky, Jan Kuhlbrodt, Julia Kulewatz, Christine Langer, Agnieszka Lessmann, José F. A. Oliver, Dirk von Petersdorff, Martin Piekar, Marion Poschmann, Dana Ranga, Nasima Sophia Razizadeh, Doris Runge, Ulrike Almut Sandig, Silke Scheuermann, Nathalie Schmid, Tom Schulz, Mira Magdalena Sickinger, Michael Stavarič, Jürgen Theobaldy, Julia Trompeter, Sebastian Unger, Andreas Unterweger, Thomas Weiß und Eva Christina Zeller.
Rezensionen
Print & Rundfunk:
Kerstin Bachtler stellt im Gespräch mit Herausgeber Björn Hayer die Anthologie im SWR vor.
„Was Hayers Sammlung jedenfalls klug vermeidet, ist der klassische Utopiefehler: das große, glatte Ganze. Utopie erscheint darin nicht als Gesellschaftsmodell, Sonnenstaat, handlungsleitendes „Noch-Nicht“. Stattdessen wird Utopie als Verfahren lesbar – als eine Art Arbeit an der Gegenwart.“ – Markus Clauer, Die Rheinpfalz
„“Ist ein Blick in die Zukunft noch lohnenswert? Die Antworten von 41 lebenden Dichterinnen und Dichtern überraschen.“ – Monika Vasik, Die Presse
„In einer Zeit, in der die Gegenwartslyrik viel Düsteres, Abgründiges vorweist, macht der Band auf die hellen Stimmen aufmerksam, ohne zu verklären.“ – Ella Rendtorff in der taz
Online & Blogs:
„So verschieden die Ansätze der rund 40 Autor:innen hier sind, so ähnlich ist doch die Grundlage: Utopie ist heute nur noch die Kehrseite der Dystopie, und die droht überhand zu nehmen. Wer gute Lyrik mag, wer Lyrik mag mit Hintersinn, wer Lyrik mag, die sich – auf ihre ganz besondere Art und Weise – mit den Problemen unserer Gegenwart auseinandersetzt, ist hier am richtigen … nun ja: Ort.“ – Paul Hübscher, litteratur.ch
„Die Utopie in diesem Band ist vielfarbig und geschattet. Kapitel wie «Melancholie als utopischer Quell» oder «Vom Dazwischen zum Ort» sind weniger strukturierend als thematisch einsammelnd. Neben brutalen Dystopien steht die Suche nach einem Sehnsuchtsort, der eben aus einer Ecke heraus, aus der Distanz beobachtet, beschrieben wird (…).“ – Alice Grünfelder bei infosperber.ch
„Vielleicht ist es ja gerade eine Qualität dieser Sammlung, dass sie das Nachdenken darüber, was eigentlich Utopie, was utopisch ist und inwiefern die Gedichte, die sie präsentiert, utopisch genannt werden können, herausfordert.“ – Hans-Chr. Riechers bei zæsur. poesiekritik
„Ein anregender und nachdenklich machender Band.“ – Michael Braun, Borromäusverein
Herausgeber

Björn Hayer, 1987 geboren in Mannheim, studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft an der Johannes- Gutenberg-Universität in Mainz. Hayer arbeitet als Literatur- und Theaterkritiker und lehrt als Professor für Literaturwissenschaft an der RPTU Kaiserslautern-Landau. Seit 2025 ist er künstlerischer Leiter im Künstlerhaus Edenkoben. Als Autor trat er bisher mit Lyrik- und Essaybänden in Erscheinung. 2022 wurde ihm der Medienpreis der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayern verliehen. Im Gans Verlag sind von ihm bisher drei Essaybände sowie der Roman „Winklers letzter Feldzug“ erschienen.
Bild: Eva Korn
Bibliographische Angaben
Björn Hayer (Hrsg.)
Aus einer geschützten Ecke heraus läßt du den Raum entstehen
Utopische Dichtung der Gegenwart
Hardcover mit Fadenbindung
212 Seiten | 20 x 14 cm | 21,90 Euro | 978-3-946392-78-1
ET: 12. März 2026
Presseinfo, Autorenverzeichnis und Nachwort
*Im Rahmen meiner Arbeit – PR für Verlage
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