Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla als literarische Kollaborateure: Mit »Frank Xerox’ wüster Traum« erscheint nach 50 Jahren deren gemeinsames Romanprojekt.
Im Herbst 1969 bis zum Herbst 1970 hatten Ralf-Rainer Rygulla und Rolf Dieter Brinkmann, deren legendäre Beatnik-Anthologie ACID gerade erschienen war, eine ganz andere Kollaboration: Sie schrieben als Duo eigene Texte, verbunden mit dem Ansatz die klassische »Autorschaft« aufzulösen. Die im Wechsel entstandenen Texte in Art einer Collage sollten vergemeinschaftet werden, der jeweilige Autor dahinter verschwinden, eine neue literarische Gattung entstehen.
»Frank Xerox’ wüster Traum« wurde zur Hommage an die dahinter liegende Idee des Kopierens aus der Sprache, des Collagierens vorhandenen Sprach-Materials. Der Titel selbstverständlich inspiriert vom gerade einmal zehn Jahre zuvor 1959 erstmals ausgelieferten Groß-Kopierer des Unternehmens Xerox.
Indes kam es nie zur Edition dieses »Werks ohne Autor« – der frühe Tod von Rolf Dieter Brinkmann und die Insolvenz des damaligen MÄRZ Verlags, der das Buch für sein Progamm 1974 angekündigt hatte, verhinderten dies. Es ist eine kleine Sensation, dass zum doppelten Jahrestag Brinkmanns (85. Geburtstag am 16. April und 50. Todestag am 23. April 2025) »Frank Xerox’ wüster Traum« nun doch noch an die Öffentlichkeit gelangt: Der Vorlass von Ralf-Rainer Rygulla, der diesen 2024 an das Marbacher Literaturarchiv gab, enthielt das fast vollständige Manu- und Typoskript der »Kollaboration«. Die erhaltenen zentralen Text-Stücke erscheinen nun im axel dielmann -verlag, ergänzt durch einen Briefwechsel der beiden Schriftsteller, bereichert mit Montage-Plänen, Scribbles und Redaktionsnotizen, aber auch durch Einlassungen Dritter, beispielsweise durch einen großartig präzisen Brief von Dieter Wellershoff zum Projekt und Anmerkungen von Brinkmann-Biograph Michael Töteberg.
Die in den 1970ern anvisierte Ästhetik korrespondiert bei dieser Ausgabe mit zahlreichen Illustrationen zu Frank Xerox. Zudem bietet der 112-seitige, großteils faksimilierte DIN A 4-Band auch eine entsprechende Optik: So ist er eingebunden in den Leitz-Aktendeckel, in dem das Manuskript damals erarbeitet wurde und dann 50 Jahre lang schlummerte.
Ralf-Rainer Rygulla selbst hat zum Buch ein Nachwort geschrieben, das in die 70er Jahre eintauchen läßt und die damaligen literarisch-ästhetischen Projekte klug herleitet. So werden sie alle wieder lebendig, die damals und seither um ästhetische Positionen gerungen haben, die amerikanischen Beat-Poeten, Joseph Beuys in »Der Filz und der Mensch«, die Dichter der »Oberflächenübersetzungen«, der »Gummibaum« und viele andere.
»Bisher ist diese Art des Schreibens in Deutschland nur in einzelnen Beispielen bekannt. Die vorliegende Zusammenstellung zeigt, daß es sich, wie bei der cut-up-Methode, um den ernsthaften Versuch handelt, das Schreiben aus individueller Befangenheit herauszuführen und zu erweitern.«
Rolf Dieter Brinkmann 1970
»Wir assoziierten frei aus der Situation heraus, nach dem, was wir durch die Scheiben sahen, nach Stichwörtern, die wir uns zuspielten. Da war nie ein Zwang, uns oder Lesern eine bedeutende Mitteilung zu machen. Das lustvolle Erstellen eines Textes stand im Vordergrund.«
Ralf-Rainer Rygulla 2025
Stimmen zum Buch:
„Ein wertvolles Stück Literaturgeschichte, die ohne die Veröffentlichung durch den axel dielmann – verlag im Marbacher Archiv verstauben würde und eventuell nur in einsamen Doktorarbeiten als Sujet einmal in Auszügen einer literarischen Elite zu Augen käme.“ – Michael Seehoff
Frank Hertweck stellt im SWR in einem Beitrag zum Brinkmann-Jubiläum auch „Frank Xerox wüsten Traum“ vor, Carsten Otte bringt das Buch als Beispiel für „rebellische Literatur“ in seinem SWR-Beitrag
Martin Oehlen zeichnet auf dem Blog Bücheratlas ein Portrait des Dichters und stellt unter den Neuerscheinungen zu dessen 50. Todestag ausführlich auch „Frank Xerox wüsten Traum“ vor
Eckhard Schumacher stellt im Rahmen seines Portraits von Rolf Dieter Brinkmann in der FAZ auch „Frank Xerox wüster Traum“ vor
„Nun erscheint dieses literarische Experiment im Axel-Dielmann-Verlag zum doppelten Jahrestag– zum 85. Geburtstag und zum 50. Todestag von Rolf Dieter Brinkmann. Die Fundsache aus dem Literaturarchiv Marbach ist auch deshalb ein bibliophiles Schmuckstück, weil sie als Reprint des originalen Schnellhefters daherkommt.“ – Martin Oehlen, Kölner Stadt-Anzeiger, 5. April 2025
„Eine echte Entdeckung zum 85. Geburtstag (16. April) und zum 50. Todestag (23. April) von Rolf Dieter Brinkmann ist die Neuerscheinung Frank Xerox‘ wüster Traum.“ – Manfred Orlick, literaturkritik.de
„Diese ungefilterte Lust am Text, die von eigenen Erlebnissen und von alltäglichen Beobachtungen ausgeht und mit schöner Regelmäßigkeit Dada und Nonsens produziert, merkt man den Kollaborationen an.“ – Wolfgang Nierlin, Rhein-Neckar-Zeitung
„Dieser (Rygulla) beschreibt treffend im Nachwort die Hoffnung, die Auswahl an Gemeinschaftsarbeiten möge „ein Licht werfen auf den ‚freundlichen‘ Rolf Dieter Brinkmann“. Was tatsächlich gelingt, im spielerischen Witz von Nonsens-Übersetzungen und viel befreitem Spaß an der Sache.“ – Maximilian Mengeringhaus im „Tagesspiegel“
„In seinen Ausdrucksformen war er vielen Mitstreitern voraus, was der lesenswerte Band „Frank Xerox’ wüster Traum und andere Kollaborationen“ (Dielmann Verlag) dokumentiert.“ – Oliver Schulz, Nordwest-Zeitung
„Aber was will man auch schreiben, wenn eine »Buchkritik«, eine sogenannte »Rezension« nur daneben liegen kann, wo man doch davor niederknien möchte, weil etwas Außergewöhnliches geglückt ist.“ – Rüdiger Dittrich, Gießener Anzeiger
„Die Texte im Anhang sind es, die Dielmanns Veröffentlichtung des wüsten Traums besonders interessant machen, vor allem Rygullas Nachwort „Zu Frank Xerox“, aber auch Brinkmanns Notizen zu dem Werk, Wellerhoffs Überlegungen, ob das noch Literatur ist und Kestings scharfe Kritik.“ – Bruno Rieb, „Hessischer Landbote“
„Die „Xerox“-Mappe ist ein stark westwärts gerichtetes Underground-Suchprojekt im Leitz-Format. Brinkmann-Rygullas dialogische Versuche, auch zeichnend, malend, fotocollagierend, erlauben einen Werkstatt-Blick, den es bislang nicht gab.“ – Dierk Wolters, Frankfurter Neue Presse
Informationen zum Buch:

Frank Xerox’ wüster Traum und andere Kollaborationen
von Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla
Erscheinungstermin: 25. März 2025
112 Seiten, 4-farbig, Softcover in DIN A 4, 26,00 €
mit vielen Abbildungen und Faksimiles
Nachwort von Ralf-Rainer Rygulla und Anmerkungen Michael Töteberg
Kontakt zum Verlag:
axel dielmann – verlag
Kommanditgesellschaft in Frankfurt am Main
und
Frankfurt Academic Press GmbH
Donnersbergstraße 36
D – 60528 Frankfurt am Main
Telefon: + 49 69 9435 9000
Mail: neugier@dielmann-verlag.de
Downloads:
- Pressemitteilung
- Inhaltsverzeichnis
- Nachwort von Ralf-Rainer Rygulla
- Textbeispiel „Der Filz und der Mensch“
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*Ein Beitrag im Rahmen meiner PR-Arbeit für den axel dielmann – verlag
