Über Birgit Böllinger

Büro für Text&Literatur - Pressearbeit für Verlage, Autorinnen und Autoren, Texte und Schreiben rund ums Buch. Unter Aktuelles finden sich zudem Buchsprechungen (ehemals Literaturblog Sätze&Schätze).

DIE KÖNIGIN VON TROISDORF auf der Shortlist beim Literaturpreis Ruhr 2022

Andreas Fischer kann sein Glück noch immer nicht richtig fassen: „Für mich ist das jetzt bereits schon wie ein Hauptgewinn“. Denn mit einem Debütroman, der zudem in einem eigens dafür gegründeten Verlag veröffentlicht wurde, auf der Shortlist eines bedeutenden Literaturpreises zu landen, das ist eher die Ausnahme denn die Regel. Und spricht für die Qualtität seines Romans „Die Königin von Troisdorf. Wie der Endsieg ausblieb“.

Der Literaturpreis Ruhr ist die wichtigste ideelle wie materielle Auszeichnung für Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die im Ruhrgebiet leben, sowie für Autorinnen und Autoren von außerhalb, die über die Region schreiben. Er wird seit 1986 jährlich vom Regionalverband Ruhr vergeben und vom Literaturbüro Ruhr organisatorisch und konzeptionell betreut.

53 Bücher unterschiedlicher Genres prüfte die Jury für den Literaturpreis Ruhr 2022, fünf kamen nun auf die Shortlist. Neben bekannten Namen wie Hilmar Klute, Jan Weiler und Jörg Hilbert auch die Debütanten Annika Büsing und Andreas Fischer. Die Eltern des Autors kamen ursprünglich aus dem Ruhrgebiet, der Vater aus Essen, die Mutter aus Gelsenkirchen. Erst nach dem Krieg wurde das Paar im rheinischen Troisdorf heimisch, so spielt sich aber ein Großteil der Familiengeschichte, die Fischer beschreibt, im Ruhrgebiet ab.

Unter den Nominierten ist Fischer in einer Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung: Alle anderen veröffentlichten ihre Bücher in namhaften Verlagen, Andreas Fischer gründete nach einigen Versuchen, sein Manuskript unterzubringen, kurzerhand seinen eigenen Verlag, den „eschen 4 verlag“.

„Ich habe trotz der anfänglichen Schwierigkeiten bei der Verlagssuche und bei der Suche nach einem Vertrieb, was für einen Neuverleger mit nur einem Buch im Portfolio ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint, immer an meinen Text geglaubt“, so der Autor und Filmemacher. Viele positive Reaktionen von Leserinnen und Lesern, in Blogs und Medien gaben ihm nach der Veröffentlichung im Frühjahr 2022 recht: Sein Buch greift ein Thema auf besondere Art und Weise auf, das viele Menschen berührt.

So heißt es in der Jurybegründung für die Auswahl zur Shortlist beim Literaturpreis Ruhr:
„Über drei Generationen und hundert Jahre hinweg (von 1914 bis 2014) erzählt Andreas Fischer die Geschichte der eigenen Familie, deren Wurzeln in Gelsenkirchen liegen. Er berichtet in klarer Prosa und mit Originaldokumenten angereichert von den Kriegen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die die Menschen prägen, wie sie sie im Innern begrenzen und ebenso über sich hinauswachsen lassen. So entstehen trotz der nüchternen Erzählung komplexe Charaktere. Das gilt insbesondere für Oma Lena, die „Königin von Troisdorf“. Eine Familiengeschichte, die viele in Deutschland kennen – in dieser Umsetzung einzigartig lesenswert.“

Autor im Glück: Andreas Fischer. Bild: Isabelle Höpfner

Bereits in mehreren Dokumentarfilmen beschäftigte sich der mit mehreren Preisen ausgezeichnete Filmemacher Andreas Fischer mit der Frage, wie sich kriegsbedingte Verluste und Traumata generationenübergreifend auf Familien auswirken, unter anderem in Söhne ohne Väter (3sat / SWR) und Der Hamburger Feuersturm 1943 (NDR). In „Die Königin von Troisdorf“ nahm er seine eigene Familiengeschichte zur Folie, erzählt von den Eltern, die im rheinischen Troisdorf ein gutgehendes Fotoatelier betreiben. Nach außen hin demonstriert man seinen Status: Häuser. Neues Auto. Sonntäglicher Kirchgang. Doch hinter der gutbürgerlichen Fassade legen die Familienmitglieder verstörende Verhaltensweisen an den Tag. Was treibt die Eltern um, die den Zweiten Weltkrieg als junge Erwachsene erlebten? Warum verabscheut die Oma, die zwei Weltkriege erlebte, ihren Enkel?

Mit seinem Roman zeigt Andreas Fischer auf, wie lange die Ideologie des Nationalsozialismus noch nachwirkt, wie sehr faschistische Verblendung und Kriegstraumata Familien über Generationen hinweg vergiften und prägen. „Auch vor dem Hintergrund des russischen Angriffs auf die Ukraine ist dieses Thema hochaktuell“, betont Andreas Fischer. „Ebenso erreichten mich aber auch viele Anschreiben älterer Leserinnen und Leser, bei denen nach der Lektüre eigene Erinnerungen wieder auflebten.“

Die erste Auflage war bereits im Juni vergriffen, inzwischen ist die zweite Auflage da. „Gerade zur rechten Zeit“, sagt Andreas Fischer. Denn die Nominierung für den Literaturpreis Ruhr hat insbesondere beim Buchhandel viel Interesse hervorgerufen. Der Preisverleihung am 15. September, die in Witten stattfindet, sieht Andreas Fischer zwar mit viel Vorfreude, aber auch mit Gelassenheit entgegen: „Allein die Nominierung ist schon eine wunderbare Anerkennung für mein Buch!“

Alle Informationen zum Literaturpreis Ruhr finden sich gebündelt auf der Homepage des Literaturbüros Ruhr: https://literaturbuero-ruhr.de/literaturpreis-ruhr/

Bibliographische Angaben:

Andreas Fischer
Die Königin von Troisdorf.
Wie der Endsieg ausblieb
eschen 4 verlag, Berlin
473 Seiten, Hardcover mit Lesebändchen, 22,50 €
ISBN: 978-3-00070-369-0
Erscheinungstermin: 31.3.2022

Kontakt zum Verlag:

eschen 4 verlag
Eschenstr. 4
12161 Berlin
030 81006740
verlag@eschen4.de
https://www.eschen4.de/

Presseanfragen und Rezensionsexemplare: Birgit Böllinger, Telefon 0821 4509-133, kontakt@birgit-boellinger.com

Hildegard E. Keller: „Was wir scheinen“ – die Reise mit Hannah Arendt geht weiter

„Was wir scheinen“ ist der Roman einer großen Lebensreise von Königsberg über Berlin,
Paris nach New York, nach Jerusalem, Zürich, Basel und Rom und auch immer wieder ins sommerliche Tessin. Und die Reise mit der poetischen Denkerin Hannah Arendt geht weiter: Der erfolgreiche Debütroman von Hildegard E. Keller erscheint am 26. August nun auch als Taschenbuch.

Im Sommer 1975 reist Hannah Arendt, eine der bedeutendsten Frauen des 20. Jahrhunderts, im Alter von 69 Jahren ein letztes Mal von New York in die Schweiz, in das Tessiner Dorf Tegna. Von dort fliegen ihre Gedanken zurück nach Berlin und Paris, nach Marseille und in die USA der 1940er Jahre, nach Jerusalem und Rom. Sie ist Tochter, Geliebte und Ehefrau, Professorin, leidenschaftliche Freundin, Witwe jetzt. In Tegna möchte sie noch einmal denken und dichten, faulenzen und mit den Rotkehlchen das Leben genießen. Doch mit den Erinnerungen kehrt auch die an den Eichmann-Prozess 1961 wieder. Was wir scheinen erzählt von einer Hannah Arendt, die aus dem Schatten der bekannten Fakten tritt. Sie gibt sich zu erkennen mit ihrem ganzen Unabhängigkeitsdrang, Scharfsinn und Witz sowie ihren zarten Saiten, auf denen sie meist nur für sich selbst spielte. Hildegard Keller wirft einen mitreißend frischen Blick auf Hannah Arendts Leben und Werk. Sie lädt zum Entdecken und Staunen ein, unterwegs mit einer starken und verletzlichen Frau, die ihre Freiheit über alles schätzte.

Noch mehr Informationen, zahlreiche Abbildungen und ein Interview mit Hildegard E. Keller zu ihrer persönlichen Reise mit und zu Hannah Arendt finden sich in diesem Flyer:

Zur Autorin:
Von 2009 bis 2019 war Hildegard Keller Literaturkritikerin im Fernsehen (Jurymitglied beim Bachmannpreis, ORF/3sat; Kritikerteam des Literaturclubs SRF/3sat). Seit 2019 konzentriert sie sich auf das eigene literarische Schreiben und die Tätigkeit als Filmemacherin sowie Herausgeberin der Edition Maulhelden. Seit den frühen 1990er Jahren lehrte sie deutsche Literatur an Universitäten im In- und Ausland (USA, GB, NL, D, ARG, TUR), zehn Jahre lang als Professorin an der Indiana University in Bloomington (USA), wo sie ihren ersten Dokumentarfilm (Whatever Comes Next, 2014) geschaffen hat; heute lehrt sie Multimedia-Storytelling an der Universität Zürich. Ihr Werk umfasst Romane, Hörspiele, Radiofeatures, Podcast, Filme und Performances.
Homepage: https://www.hildegardkeller.ch/

Alle Informationen zum Buch gibt es auf der Seite des Eichborn Verlags: https://www.luebbe.de/eichborn/buecher/gegenwartsliteratur/was-wir-scheinen/id_8017802

Buchwerbung/Ein Beitrag im Rahmen meiner Presseaktivitäten.

Textland Literaturfestival – DIE MACHT DER LITERATUR

Zum fünften Mal findet in diesem Jahr das Textland Literaturfestival statt. 2022 ist es in einen besonderen Rahmen eingebettet: Es bildet den literarischen Schwerpunkt des Festivals „Politik im Freien Theater“, das die Bundeszentrale für politische Bildung 2022 in Frankfurt am Main veranstaltet. Im TITANIA Theater Frankfurt versammelt Textland, ein Projekt der Faust Kultur Stiftung, dazu die Avantgarde einer neuen, polyphonen deutschsprachigen Literaturszene, die das Thema MACHT literarisch und performativ ergründet. Mit dabei sind unter anderem Lena Gorelik, Miryam Schellbach, Hengameh Yaghoobifarah, Dmitrij Kapitelman, Tomer Gardi und Alexandru Bulucz. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Fragen: Wie können die positiven Aspekte von Macht fruchtbar gemacht werden? Welche Potenziale kann die Literatur in all ihren Formen aktivieren, um sich gegen die korrumpierende Wirkung der Macht zu wehren?

Das Festival findet am Freitag, 30. September, ab 19:30 Uhr und am Samstag, 1. Oktober ganztags ab 11 Uhr im TITANIA Theater Frankfurt am Main statt. Alle Veranstaltungen werden zudem parallel als Livestream übertragen. Das vollständige Programm zum Download findet sich hier:

Tickets und Anmeldemöglichkeiten – auch zum Livestream – gibt es auf dieser Website: https://www.theaterperipherie.de/tickets-preise-anfahrt

Journalist*innen und Blogger*innen, die über das Festival berichten möchten, können sich direkt an Faust Kultur, Ulla Bayerl, Telefon 069 564025, Mail ulla.bayerl@faustkulturstiftung.de wenden.

DIE MACHT DER LITERATUR

Eine Impression von Textland IV 2021 u.a. mit Deniz Utlu, Doran Rabinovici und Ahmad Milad Karimi. Moderation: Leon Joskowitz und Miryam Schellbach. Bild: Alexander Paul Englert

Zum Auftakt liest Lena Gorelik einen noch unveröffentlichen Text aus ihrem entstehenden
Roman. Moderiert von Leon Joskowitz und Miryam Schellbach, geht es im anschließenden
Gespräch mit Hadija Haruna-Oelker und Ozan Zakariya Keskinkılıç um die Potenziale, die dem Erzählen, dem Schreiben und dem Lesen innewohnen. Welche gesellschaftliche Funktion kommt Schriftsteller:innen heute (noch) zu? Berechtigt die Arbeit am Text die Autor:innen dazu, sich zu gesellschaftlichen und moralischen Fragen zu äußern? Sind sie in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels und der Gefahr vielleicht sogar verpflichtet, sich offensiv am Diskurs zu beteiligen? Welche Mittel der Selbstvergewisserung und der Emanzipation kennt die Literatur? Wie unterscheiden sich erzählende Prosa, Sachbuch und Lyrik? Weiterhin werden die Fragen verhandelt: Ist der Begriff der Bildung zu Unrecht desavouiert? Was kann Literatur zur Renaissance der Bildung beitragen? Und schließlich: Welche Rolle und Verantwortung kommt dem Publikum zu?
Am zweiten Festivaltag stehen fünf Panels zur Macht der Erinnerung, Macht der Emotionen
und Macht der Sprache auf dem Programm. Die ersten drei heben die Macht der Erinnerung hervor. Im Erinnern berührt die Literatur den Kern der menschlichen Existenz, denn ohne Erinnerung gibt es keine Geschichte und ohne Geschichte keine menschliche Kultur. Doch wie viel Erinnerung und welche Art von Erinnerung nützt dem Leben und wann ist es zu viel oder schädlich? Die Autor:innen widmen sich den unterschiedlichen Facetten und ergründen, wie sich die Unzuverlässigkeit des Erinnerns und die Souveränität des Erzählens in Einklang bringen lassen, welche Rolle das schreibende und lesende Subjekt spielt, wie eine neue, deutsche, plurale Erinnerungskultur auch bildungspolitisch zur Geltung kommen und inwieweit Erinnerungsliteratur an der Zukunft mitschreiben kann.

Alle Informationen zum Programm finden sich unter www.textland-online.de

Weitere Informationen:

PUBLIKATION
Zum Festival erscheint der fünfte Textland Reader mit Texten der teilnehmenden Autor:innen u.v.m. Gemeinsam herausgegeben von der Faust Kultur Stiftung und dem 11. Festival „Politik im Freien Theater“. Anschließend im Buchhandel erhältlich:
ISBN 978-3-949774-10-2, Edition Faust, Oktober 2022 und über http://www.editionfaust.de.

TERMIN & ORT:
Textland Literaturfestival – Die Macht der Literatur, 30. September 2022, 19:30–22:00 Uhr und 1. Oktober 2022, 11:00–20:30
ORT: TITANIA Theater, Basaltstraße 23, 60487 Frankfurt am Main

PRESSEKONTAKT
Faust Kultur Stiftung, Ulla Bayerl, ulla.bayerl@faustkulturstiftung.de, Tel. +49 69 56 40 24
Birgit Böllinger, Büro für Text und Literatur, Tel. +49 821 4509-133,
kontakt@birgitboellinger

TICKETS
Anmeldung erfolgt über das TITANIA Theater online oder vor Ort.
EINTRITT
Freitag, 30.9.: 10 €, erm. 8 €
Samstag, 1.10.: 12 €, erm. 8 €
Dauerkarte: 20 €, erm. 15 €
Livestream: 8 € je Tag

NEISSUFERVERLAG: Taty und Paul im Einsatz für die Elfenwelt

„Taty und Paul im Einsatz für die Elfenwelt“ ist ein spannendes Abenteuerbuch für kleine Leserinnen und Leser ab 7 Jahren, das kindgerecht Themen des Natur- und Umweltschutzes aufgreift. Es ist eine Neuerscheinung aus dem Neissuferverlag, der bereits mehrere Bücher veröffentlicht hat, die Kindern spielerisch insbesondere das Wissen über Heilpflanzen nahebringen.

Zum Buch:
Einst wuchsen bei dem alten Bauernhof noch Johanniskraut, Kamille, Ringelblume, Eisenkraut, Melisse und viele andere Kräuter mehr auf der Wiese und summten die Bienen um die Wiesenblüten herum. Die alte Bäuerin hatte aus den Kräutern heilende Salben und Tinkturen hergestellt und sie für Teemischungen verwendet. Doch seit ein neuer Landwirt den Hof betreibt, auf Monokultur setzt, alte Hecken niederreißt und Bäume fällt, ist das Leben ein anderes. Die Elfen und Heinzelmännchen, die das Land friedlich mit den Insekten teilen, sind in Aufregung: Stück für Stück wird ihre Lebenswelt bedroht.

Und als die Mutter der Heinzelmännchen wegen eines Pflanzenschutzmittels schwer erkrankt, kommen die aufgeweckte Elfe Taty und ihr Menschenfreund Paul zum Einsatz: Wie sie den bedrohten Einwohnern der Elfenwelt helfen, davon erzählt das neue Kinderbuch „Taty und Paul im Einsatz für die Elfenwelt“ aus dem Neissuferverlag.

Die beiden Hauptfiguren sind den Fans der Elfe Taty bereits aus den vorangegangenen Büchern des Verlags gut vertraut. Insbesondere mit ihren Kräuterfibeln landete Autorin und Verlegerin Natascha Sturm einen tollen Erfolg, die Bücher mussten mehrfach neu aufgelegt werden.

Auch der neue Band bleibt dem Grundkonzept des Verlags treu: Eine mitreißende Geschichte voller Abenteuer, die Kinder anspricht und zugleich ganz kindgemäß viel Wissen über die Natur, über Heilpflanzen und deren wirksamen Einsatz bietet. In „Taty und Paul im Einsatz für die Elfenwelt“, wird das Anliegen des Naturschutzes und einer Landwirtschaft im Einklang mit der Umwelt behutsam und spielerisch vermittelt, verpackt in eine spannende, märchenhafte Geschichte.

Das Buch überzeugt jedoch nicht nur durch eine spannende Detektivgeschichte, in deren Verlauf Paul und seine Schulfreundinnen und -freunde sogar einen Einbrecher ertappen, sondern auch durch seine hübschen, ganzseitigen Illustrationen. Juliane Wedlich erweckt die Hauptfiguren des Romans unnachahmlich zum Leben.

Zur Autorin:

In Kassel geboren, wuchs Natascha Sturm im Taunus auf. Neben ihrer kaufmännischen Tätigkeit interessierte sie sich schon immer für die Naturheilkunde. Nach Abschluss ihres Heilpraktikers spezialisierte sie sich auf dem Gebiet der Heilpflanzenkunde. 2015 gründete sie in Görlitz, wo sie mit ihrer Familie lebt, den Neissuferverlag, dessen Programm liebevoll illustrierte und hochwertig produzierte Kinder- und Familienbücher umfasst.

Elfe Taty und ihre Kinderfreunde. Eine Illustration von Juliane Wedlich.

Zur Illustratorin:

Den ersten Kontakt mit Kunst und Gestaltung hatte Juliane Wedlich schon früh durch ihren Großvater, einen Bildhauer. Ab 2003 absolvierte sie eine Ausbildung zur Mediengestalterin in Berlin. Seit 2011 lebt sie als freischaffende Grafikerin und Illustratorin in ihrer Heimatstadt Görlitz.

Taty und Paul im Einsatz für die Elfenwelt
Text: Natascha Sturm
Illustrationen: Juliane Wedlich
136 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3-9821546-5-7
Preis: 16,95 €

Ab 27. August im Buchhandel oder direkt über den Verlag bestellbar: https://neissuferverlag.de/der-neissufer-verlag/

Hier stellt Natascha Sturm das Buch auf dem Videokanal „Leseschatz“ des Buchhändlers Hauke Harder (Kiel) vor.

Kooperation/Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Neissuferverlag

Rainer Maria Rilke – Ich ließ meinen Engel lange nicht los

Bild: Birgit Böllinger

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt…

Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht,
kann er frei seine Flügel entfalten
und die Stille der Sterne durchspalten, –
denn er muss meiner einsamen Nacht
nicht mehr die ängstlichen Hände halten –
seit mich mein Engel nicht mehr bewacht.

Rainer Maria Rilke, Engellieder aus dem Band „Dir zur Feier“ (1897/1898).

Als ich dieser Tage diesen Schnappschuss dieser Flügelwesen im Regen machte, kam mir der Halbsatz „Wenn Engel weinen…“ in den Sinn. Und wenn ich schon in sentimentaler Stimmung bin, dann ist meist auch Rilke nicht weit. Manche nennen seine Gedichte Kitsch, ich dagegen staune immer wieder, wie man soviel Gefühl gepaart mit Verstand in sprachliche Musik umwandeln kann. Den Gedichtband „Dir zur Feier“ widmete er seiner großen Liebe Lou Andreas-Salomé, die „Engellieder“ sind im Kapitel „Mir zur Feier“ zu finden. „Ich ließ meinen Engel lange nicht los“: Im Grunde eine ganz unsentimentale Bestandsaufnahme einer komplizierten Paarbeziehung.

EDITION FAUST: Sahar Mandûr – Ein Mädchen namens Wien

„Ich schlief, ich aß, und ich ging abends aus, tanzen. Ich wollte die Zeit nutzen, um eine Alternative zu diesem Durchschnittsleben zu finden, das ich bisher geführt hatte. Ich wollte eine Nicht-Durchschnittsfrau sein. Doch unter allem, was die Gesellschaft so anbot, fand ich keinen Pfad, den ich hätte beschreiten können.“
Sahar Mandûr, Ein Mädchen namens Wien, Edition Faust, Juli 2022

Sahar Mandûr steht für die neuen, jungen Stimmen der arabischen Literatur: Ironisch, spöttisch, Grenzgängerin zwischen den Welten aus Tradition und Moderne, neue Freiheiten austestend. Übersetzt vom Nahost- und Literaturwissenschaftler Hartmut Fähndrich stellt nun die Edition Faust (Frankfurt) eine bemerkenswerte Erzählung der jungen Autorin aus dem Libanon vor: „Ein Mädchen namens Wien“.

Im Mittelpunkt steht das Mädchen mit dem ungewöhnlichen Namen Wien, das aus der Ich-Perspektive sein Leben von der Geburt an bis ins Alter von 52 Jahren erzählt: Sie studiert, rutscht in eine arrangierte Ehe mit einem Mann, der wegen seiner Zeugungsunfähigkeit Selbstmord begeht. Zunächst in den Fängen seiner Familie, die hinter der Fassade von Wohlanständigkeit kleinkariert und dümmlich ist, gerät Wien als Witwe in eine Gruppe frommer Frauen, die sie bald zutiefst abstößt. An der Seite von Wien, die Karriere als Fernsehmoderatorin macht, ist stets ihr erfolgreicher Bruder und vertrauter Komplize, der ihre exzentrischen Ausbrüche unterstützt. Denn seit dem Tag ihrer Geburt im libanesischen Beirut, die von Bürgerkriegsbomben begleitet wurde, sucht das Mädchen mit dem ungewöhnlichen Namen nach ihrem Platz im Leben und in der Gesellschaft. Eine Suche, die sich zwischen den im Libanon parallel existierenden Welten von Tradition und Moderne abspielt. Ein Leben, das sie atemlos und frei von Denkverboten oder Tabus – vor allem sexuellen – von einem Extrem ins nächste schleudert. Alles probiert sie aus und findet jeweils gute Argumente, es tun zu müssen. 

All das wird in einer saloppen, mitunter frechen Sprache vorgestellt, die dem Ton vieler jüngerer Autoren und Autorinnen in der arabischen Welt entspricht.

Sahar Mandûr, geboren 1977, studierte Psychologie in Beirut und Journalistik in London, wo sie 2015 einen Masterabschluss in Media Studies erwarb. Sie arbeitete von 1998 bis 2017 bei der libanesischen Tageszeitung al-Safîr mit Schwerpunkten auf der rechtlichen und gesellschaftlichen Situation von Frauen, sozialen Bewegungen und kultureller Produktion in Libanon, Ägypten und Palästina. Heute ist Sahar Mandûr wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Amnesty International für den Libanon.

Ihre Langerzählung „Ein Mädchen namens Wien“ ist in Auszügen auch zu finden in dem Band Kleine Festungen“, Geschichten über Kindheit und Jugend in arabischen Ländern, zusammengestellt und aus dem Arabischen übersetzt von Hartmut Fähndrich, erschienen im Oktober 2021 bei der Edition Faust.

Stimmen zum Buch:
„Das Buch „Ein Mädchen namens Wien“ ist eine turbulente Reise zwischen Kopftuch, Koran, Konventionen genauso wie durch Karriere, Kinderlosigkeit und kulturelle Unterschiede. Zwischen Beirut und Paris beschreibt Mandûr liebevoll, lustbetont und lustig ein unkonventionelles Frauenleben, das für mehr Toleranz diverser Lebensentwürfe einsteht.“ – Katharina Peham, Litrobona

„Ein unterhaltsamer Parforceritt durch die libanesische Gesellschaft, die sich irgendwo zwischen Moderne und Tradition bewegt.“ – Thomas Stöck, Literatur und Feuilleton

Sahar Mandûr: Ein Mädchen namens Wien
Aus dem Arabischen übersetzt von Hartmut Fähndrich
Hardcover, 96 Seiten, Illustrationen von Dominique Rossi, € 20,-
ISBN 978-3-949774-05-8

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für die Edition Faust.

AXEL DIELMANN VERLAG: Florian L. Arnold – Die Wirklichkeit endet an der nächsten Ecke

Alles beginnt vermutlich an einem Donnerstag in einem Augsburger Friseursalon, der plötzlich in Flammen steht. Genaues weiß man nicht. Doch einen Mann ficht die sich dadurch ausgelöste Katastrophe nicht besonders an. Er schreibt, in sich selbst versunken, an einem Lexikon „Über das gesammelte Nichtwissen der Welt in Wort und Bild“. Eine Herkulesaufgabe, die er nicht zu Ende bringen wird. Doch immer wieder finden sich in Raum und Zeit Menschen, die dem Nichtwissen auf den Grund gehen wollen und das Lexikon fortsetzen.

Dies ist, grob umrissen, die Rahmenhandlung des Gesamtkunstwerkes unter dem Titel „Die Wirklichkeit endet an der nächsten Ecke“ von Florian L. Arnold (Autor und Bildender Künstler), nun frisch im axel dielmann – verlag erschienen. „Roman“ als Genrebezeichnung trifft dieses unterhaltsame, schräge und auch spannende Buch nur unzureichend. Was die beste Bezeichnung dafür wäre? Das gehört wohl in das Lexikon „Über das gesammelte Nichtwissen der Welt in Wort und Bild“.

Covergestaltung ebenfalls von Florian L. Arnold

„Die Wirklichkeit endet an der nächsten Ecke“ ist ein bis ins Detail gestaltete Buch, das auch aus dem engen Zusammengang mit der Typographie und seinen Illustrationen lebt. Das ist das eine. Das andere ist, dass es etwas höchst selten Gewordenes kann und dies auch ausgiebigst tut: fabulieren! Was auch sonst könnte dazu führen, eines der fantastischsten Projekte der Neu- und Altzeit, der Gegenwart und des Futur II zu bewältigen: den im seinerseits schon fabulierwütigen Untertitel bezeichneten „wahre[n] Bericht über die Entstehung und Vernichtung des einzigen Lexikons zur Beseitigung der modernen Ratlosigkeit, ungeschönt in Worte gesetzt“, abzuliefern. – Um nichts weniger geht es hier.

„Eines Tages hatte Dr. Sperz feststellen müssen, daß sich im Inneren seines Hauses eine neue Realität gebildet hatte: Sie reichte von der Küche bis ins Wohnzimmer, sonderte einen betörenden Duft von frischen Orangen, Zimt und trockenem Laub ab und breitete sich im Verlauf weniger Tage auf das ganze übrige Haus aus. – Dr. Sperz ging hinaus und verglich diese neue Realität mit seiner eigenen gewohnten Realität und fand, daß diese neue Realität viel besser zu ihm passe. Also verließ er das Haus nicht mehr, sondern setzte sich an seinen Schreibtisch und begann ein Buch zu schreiben, das er Die Kunst des Augenrollens nennen wollte.“

Der Verlag schreibt dazu: „Dies ist kein Buch für irgendwelche Leser. Hier muss man harte Krimi-Liebhaberin sein, zugleich den Historischen Roman als Leibspeise vergöttern, den Gesellschaftsroman des Jahrhunderts suchen, der intensivsten Liebesgeschichte als Lebensform so dringend bedürftig sein wie eines ordentlich gebundenen Groß- und Universal-Lexikons und vor allem der Reise-Literatur jederzeit den Vorzug vor jeglichem Fernsehgericht geben. Wer dann noch die geistigen Segnungen des zeitgenössischen Märchens schätzt und es als Vorzug von Literatur ansieht, dass sie zugleich unterhalten und bilden kann, indem sie allzeit eine weitere in Bann schlagende Figur um die Ecke der Buchseitenkante springen lässt, du liebe Zeit: der und die ist auf diesen schillernden Seiten bestens aufgehoben.“

Florian L. Arnold ist nach eigenen Angaben ein Nachtarbeiter mit österreichischen Wurzeln. Er lebt in auf der Grenze von Ulm zu Neu-Ulm. Als freier Zeichner, Buchillustrator, Sprecher und Schriftsteller ist sein Name nicht nur auf seinen eigenen Büchern zu finden, als Covergestalter und Illustrator wird er von vielen unabhängigen Verlagen regelmäßig angefragt. Mehr über seine vielfältige Arbeit findet sich auf http://www.florianarnold.de/

Informationen zum Buch:
Florian L. Arnold
Die Wirklichkeit endet an der nächsten Ecke
Axel Dielmann Verlag, Frankfurt a. Main, Juli 2022
Hardcover mit Lesebändchen, zahlreiche Illustrationen, Überformat, 24,00 €
ISBN: 978-3-86638-330-2

Das Buch erscheint auch als vom Autor signierte, handkolorierte Vorzugsausgabe, Details dazu direkt beim Verlag: http://www.dielmann-verlag.de/

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den axel dielmann – verlag.

MIRABILIS VERLAG: Yvonn Spauschus und Moussa Mbarek – Das Warten auf Leben. Von Menschen und Papieren

»Sie nahmen uns unsere Religion und gaben uns eine neue.
Sie nahmen uns unsere Sprache und gaben uns eine neue.
Sie nahmen uns unsere Schrift und gaben uns eine neue.
Sie haben versucht, uns unsere Würde zu nehmen.
Aber wir sind die Söhne und Töchter der Wüste.«

So ungewöhnlich wie dieses Künstlerbuch, so ungewöhnlich ist auch seine Entstehungsgeschichte: Eines Tages nimmt der junge Libyer Moussa Mbarek, der zum Volk der Tuareg gehört, Kontakt zu der freien Kuratorin Yvonn Spauschus auf und bittet sie um Unterstützung bei einer Ausstellung. 2015 war Moussa Mbarek mit dem Boot nach Europa geflüchtet. Er erzählt Yvonn Spauschus von der Unterdrückung der Identität der Tuareg in seinem Geburtsland, von der Flucht, von dem Kampf mit den deutschen Behörden um die Anerkennung als Geflüchteter. Und er zeigt seine Bilder, eindrucksvolle Linolschnitte und Monotypien, die auf ganz eigene Art von Identität, Heimat und deren Verlust erzählen.

Den Kunstwerken von Moussa Mbarek sind in diesem besonderen Künstlerbuch kurze, eindringliche und poetische Texte von Yvonn Spauschus zur Seite gestellt. Sie erzählen von einer ungewöhnlichen Freundschaft, aber vor allem auch von einem ungewöhnlichen Schicksal: Als Tuareg ist Moussa Mbarek staatenlos – aber ein Mensch ohne Papiere zählt in unserer Gesellschaft nicht.  Das Warten auf die Anerkennung als Staatenloser ist auch „Das Warten auf Leben“: Wer auf diese Anerkennung wartet, ist „unsichtbar und dazu verdammt, ein einsames, rechtloses Leben in einer ihm verschlossenen Welt zu führen“, schreibt Yvonn Spauschus.

Doch in Bezug auf den Künstler Mbarek ist sie sich sicher: „Das tatenlose Leben ist keine Option. Es wird einen Weg geben und Moussa wird ihn gehen.“ Nicht zuletzt erzählt auch dieses eindrückliche Buch davon, wie die Kunst dazu beitragen kann, dass ein Mensch seine Würde bewahrt, auch wenn er für andere nicht mehr ist als ein Papier.

»Viele Türen öffneten sich.
Aber eine blieb verschlossen.
Sollte es für immer sein?
Der Fluch des Papiers verfolgte mich
über alle Grenzen und Sprachen hinweg.
«

Schon in den Ländern, in denen sie leben, ist die Situation der Tuareg schwierig: So wird beispielsweise ihre Sprache, das Tamasheq, ebenso wenig wie ihre Schriftsprache Tifinagh (der Titel des Buches ist auf der Rückseite in deren schönen Zeichen zu sehen) anerkannt oder fälschlicherweise als arabischer Dialekt bezeichnet. 

Die Sozialanthropologin Dr. Ines Kohl schildert in ihrem Nachwort die besondere Situation der Tuareg, die als Angehörige einer transnationalen Gruppe, deren Kerngebiet zwischen Mali, Algerien, Niger und Libyen liegt, oft keine Papiere und eindeutige Staatszugehörigkeit besitzen.

Kel Essuf, Linolschnitt, mehrfarbiger Handdruck, 2019

Die Autoren:

MOUSSA MBAREK wurde 1985 in Libyen geboren. Er gehört zum Volk der Tuareg in der zentralen Sahara. 2015 flüchtete er mit einem Boot nach Europa und gelangte nach Deutschland. Er lebt und arbeitet in Dresden. Seine Leidenschaft gehört der bildenden Kunst. Er konnte seine Arbeiten bereits in mehreren Ausstellungen präsentieren.

Seine Homepage: https://moussa-mbarek.de/
 
YVONN SPAUSCHUS wurde 1972 geboren und lebt in Dresden. Sie arbeitet freiberuflich als Kuratorin und Agentin sowie als Projektmanagerin in der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Stimmen zum Buch:

„Warten auf Leben“ ist weitaus mehr als ein Künstlerbuch. Es ist das Sichtbarmachen eines Menschen, der sich alleine durch seine Kunst Aufmerksamkeit verschafft.
Und es ist ein Appell für mehr Menschlichkeit in unserer Bürokratie. – Britta Röder, booknerds.de

„Es ist die Schlichtheit dieses Bandes, die überzeugt. Es sind die eindrücklichen Bilder des Künstlers und es sind die schlicht gehaltenen Texte der Autorin, die einprägsam sind und bewegen.“ – Adrian T. Mai, arcimboldis world

„Dieses kleine Büchlein ist einzig allein nur im Format vielleicht als klein zu bezeichnen. Im Inneren entblättert sich seine wahre Größe. Stilechte Kunst aus den Händen eines Tuareg, die bei längerem Verweilen immer wieder neue Sichtweisen aufzeigt. Kraftvolle Farben, die den Betrachter ins ferne Afrika ziehen, das durch eben diese Kunst so nahbar wird.“ – Karsten Koblo, aus-erlesen

„Ein empfehlenswertes Buch.“ – Heike Baller, Kölner Leselust

Beitrag in der Leipziger Internet-Zeitung

Informationen zum Buch:

Yvonn Spauschus, Moussa Mbarek:
Das Warten auf Leben. Von Menschen und Papieren

Erzählendes Künstlerbuch
Mirabilis Verlag, Juni 2022
ISBN 978-3-947857-17-3
Hardcover, Fadenheftung, Lesebändchen
Motiv des Umschlags: Moussa Mbarek „Der Weg“
Umschlaggestaltung: Florian L. Arnold
80 Seiten; Farbdruck; mit 22 Abbildungen von Moussa Mbarek; 24 €
Produktinformation beim Verlag: https://mirabilis-verlag.de/produkt/yvonn-spauschus-und-moussa-mbarek-das-warten-auf-leben/

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Mirabilis Verlag.

Francis D. Pelton: Sprung über ein Jahrhundert

„Übrigens: Was ist Utopie? Alle Wirklichkeit ist die Utopie von gestern. Vor hundertfünfzig Jahren glaubte niemand, dass der Mensch je würde fliegen können. Und so ist alle Utopie nur die Wirklichkeit von morgen.“

Francis D. Pelton, „Sprung über ein Jahrhundert“, Erstveröffentlichung 1934.

Eine todbringende Pandemie, ein Krieg in Europa, Kriege und Krisen in der ganzen Welt, Inflation und Rezession und nicht zuletzt die über allem drohende Klimakatastrophe: Wer wünschte sich derzeit nicht zurück in die Zukunft, einen Trip in der Zeitmaschine, einen Ausweg in eine bessere Welt? So ähnlich muss es auch dem Helden aus diesem eigenartigen kleinen Roman gegangen sein, der 1932 auf seinem schwäbischen Anwesen die Zeitmaschine aus H.G. Wells Roman entdeckt und kurzerhand einsteigt. 100 Jahre später landet Hans Bachmüller genau dort, wo die Reise losging. Und doch in einer ganz anderen Welt.

Der von Max Bill gestaltete Umschlag der Erstausgabe ziert auch die Wiederauflage im Quintus-Verlag.

Es ist eine kleine humoristische Petitesse, dass der Schwaben nach seiner Zeitreise sich zunächst nach Spätzle sehnt. Ansonsten aber ist dieses Buch geprägt von einem tiefen Ernst, literarisch etwas spröde – aber gerade darin liegt sein außerordentlicher Wert und auch seine Aktualität für unsere Zeiten: Denn diese Utopie zeigt eine Welt auf, in der der gnadenlose Raubtier-Kapitalismus überwunden wurde zugunsten einer Gesellschaft freier, gleichgestellter Menschen. Die aufgezeigte Alternative ist jedoch kein kommunistisches Modell, von dem der Autor, zu dem wir gleich noch kommen, ebenfalls nicht viel hielt:

„Der Kommunismus war nichts als das fotografische Negativ des Kapitalismus: schwarz wo weiß, weiß wo schwarz war.“

Der Kommunismus sei ein System, das den Menschen als „Maschinenteilchen“ betrachtet hat, so bekommt es Hans Bachmüller von seinen Nachfahren aus dem Jahr 2032 erklärt. Der Kapitalismus befördere die Herrschaft einiger weniger Menschen und höhle die Demokratie aus. Kommt einem das bekannt vor?

Das ideale Gesellschaftssystem liegt, so will es der Roman vermitteln, in der Akratie, der Aufhebung der Klassengesellschaft, die das Ideal einer Gesellschaft ist, die von jeder wirtschaftlicher Ausbeutung befreit ist. Wie das im Praktischen geschehen kann, das erfährt Hans Bachmüller bei seinem Besuch in der Zukunft. Statt großer Monopolisten gibt es kleine Produktionseinheiten, die die Zusammenarbeit fördern, die Genossenschaftsidee steht im Vordergrund. Im Roman wird das insbesondere an der Landwirtschaft deutlich gemacht: Die Bauern behalten ihren eigenen Besitz, der in jedem Fall die ausreichende Selbstversorgung garantiert, und arbeiten darüber hinaus in der Lebensmittelproduktion zusammen. Ein Modell, das, wenn auch nur vereinzelt, auch in unserer heutigen, tatsächlichen Welt von 2021 umgesetzt wird: Landwirtschaftliche Kollektive von Bauern, die sich vom Brüsseler Subventionstopf unabhängig machen wollen und auf Direktvermarktung sowie genossenschaftliches Handeln setzen.

Auch der Autor dieses Romans versuchte solche Genossenschaftsmodelle, unter anderem in Palästina, durchzusetzen. Der Urheber dieser Fiktion war, wenn man zu Schubladen greifen will, ein liberaler Sozialist, eigentlich der „Großvater“ unserer sozialen Marktwirtschaft: Franz Oppenheimer (1864 bis 1943), der erste Inhaber eines Soziologie-Lehrstuhls in Deutschland. Einer seiner Schüler war Ludwig Erhard, der im Gedenken an ihn sagte:

„Etwas hat mich so tief beeindruckt, dass es für mich unverlierbar ist, nämlich die Auseinandersetzung mit den gesellschaftspolitischen Fragen unserer Zeit. Er erkannte den »Kapitalismus« als das Prinzip, das zur Ungleichheit führt, ja das die Ungleichheit geradezu statuiert, obwohl ihm gewiss nichts ferner lag als eine öde Gleichmacherei. Auf der anderen Seite verabscheute er den Kommunismus, weil er zwangsläufig zur Unfreiheit führt. Es müsse einen Weg geben – einen dritten Weg -, der eine glückliche Synthese, einen Ausweg bedeutet. Ich habe es, fast seinem Auftrag gemäß, versucht, in der Sozialen Marktwirtschaft versucht, einen nicht sentimentalen, sondern einen realistischen Weg aufzuzeigen.“

Als Oppenheimer 1933 seinen Roman beginnt, ist für den in Berlin geborenen Juden die Situation in Deutschland schon unhaltbar geworden: Zwei seiner Bücher, so Herausgeberin Claudia Willms, die den Roman für seine Wiederauflage 2017 ans Licht hob und mit einem kenntnisreichen Nachwort versah, standen bereits auf der Schwarzen Liste der Nationalsozialisten. Und dennoch wollte Oppenheimer zu den Krisen seiner Zeit nicht schweigen, die Menschen nochmals aufrütteln. So wählte er die Form einer Fiktion, so wählte er zudem ein Pseudonym, um „Sprung über ein Jahrhundert“ überhaupt veröffentlichen zu können. Der Roman erschien dann 1934 in der Schweiz.

„Sein Inhalt ist unter der Verkleidung von Science-Fiction ein dialogisierter Traktat über eine andere Möglichkeit des 20. Jahrhunderts, die zum Zeitpunkt seiner Entstehung ziemlich das genaue Gegenteil dessen darstellte, was sich gleichzeitig beim Aufstieg von Nationalsozialismus und Stalinismus vollzog“, schrieb Gustav Seibt in der Süddeutschen Zeitung zur Wiederentdeckung dieses schmalen Buches.

Der an ein Traktat erinnernde Stil sowie insbesondere das etwas mystisch verbrämte Schlusskapitel mindern etwas den literarischen Genuss dieses Werkes, das aber andere Qualitäten zu bieten hat: Denkanstöße, wie eine bessere Welt wie die unsere, die momentan eigentlich Konkurs anmelden müsste, zu gestalten wäre. Neben den wirtschaftlichen Ideen ist dieses Buch auch in politischer (wenn auch nur eurozentrischer) Hinsicht visionär: In der Welt des Jahres 2032 gibt es keine Nationalstaaten mit ihren patriotisch-egoistischen Auswüchsen mehr, sondern – und hier war Oppenheimer außerordentlich modern – ein „Europa der Regionen“, das von unten her gestaltet wird und lediglich von einer Weltregierung aus Experten zurückhaltend verwaltet wird. Grundlage dafür ist die Überwindung der deutsch-französischen Erbfeindschaft. Und diese gelingt durch einen Wissenschaftler, der die Folgen für alle durch eine neue Massenvernichtungswaffe aufzeigt: Wer in diesem Herrn Albert Einstein zu erkennen glaubt, täuscht sich nicht, wie das Nachwort verdeutlicht.

Natürlich war Oppenheimer nicht in allem auf der Höhe der Zeit: Von der Klimakatastrophe konnte er noch nichts ahnen und so ist es ein Fortschritt 2032, dass jeder ein Auto besitzt. Frauenrechte lagen für ihn darin, dass dieselben zwar gebildet sein durften, aber nicht mehr berufsmäßig sein mussten. Und der Blick ist auf Europa verengt, der Umgang mit den Kolonialländern etwas schwierig. Dagegen aber spricht er in diesem Roman Dinge an, die heute immer wieder diskutiert werden: Eine Reichensteuer beispielsweise, neue Wirtschaftsformen, Arbeitszeitverkürzung.

Noch einmal Gustav Seibt:
„Man könnte lange fortfahren, die Details dieser in vielen Zügen urdeutschen, sogar patriotischen, ein bisschen sogar mystischen Technik-Garten-Fortschritts-Idylle aufzuzählen. Denn natürlich zeigt das Buch wie alle vergangene Zukunft tiefe Spuren seiner Entstehungszeit (…) Am besten man liest das Buch selber und staunt, was schöpferische Vernunft im düstersten Moment der europäischen Geschichte ausdenken konnte. Es ist eigentlich unglaublich.“

Birgit Böllinger

Nachtrag: Ich wäre auf dieses Buch nicht gestoßen ohne einen Hinweis von Wolfgang Hempel von der Wilhelm-Fraenger-Gesellschaft, die in der „Bibliotheca Fraengeriana“ dafür sorgt, dass solche Werke nicht vergessen werden.

Bemerkenswert ist nicht nur der Inhalt des Romans, sondern auch die Umschlaggestaltung – eine frühe Arbeit des später renommierten Formgestalters, Architekten und Künstlers Max Bill, der obendrein auch noch sein eigenes Konterfei – von seiner Frau fotografiert – in die Collage hineinmontiert hat.

Das Buch erschien im Quintus-Verlag, alle weiteren Angaben dazu finden sich hier:
https://www.quintus-verlag.de/Sprung-ueber-ein-Jahrhundert/978-3-947215-01-0

STROUX edition: Toril Brekke – Ein rostiger Klang von Freiheit

Oslo 1968: Es herrscht Aufbruchsstimmung, von überall her ist der Klang von Frei­heit zu hören. Es gibt politische Diskussionen, Proteste gegen den Vietnamkrieg, sexuelle Freiheiten werden ausgetestet, Büstenhalter brennen. Die 18-jährige Agathe meldet sich kurz vor dem Abitur von ihrem konservativen Gymnasium ab, um im einem neu gegründeten Versuchsgymnasium die freie Atmosphäre von Summerhill atmen zu können.

Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs

Doch die Leichtigkeit, die dieser Roman scheinbar atmet, trügt: Alles könnte gut sein für die junge Frau, die sich einfach ausprobieren will, wäre da nicht die eigene Familie mit einem dunklen Geheimnis belastet. Agathe lebt mit ihrem jüngeren Bruder bei ihrem Stiefvater Isak. Die Mutter, eine Musikerin, ist sang- und klanglos mit einem anderen Mann nach Dänemark verschwunden, lässt die Kinder zurück, lehnt jeden Kontakt zu ihnen ab. Der Klang von Freiheit: Er hat einen rostigen, sprich melancholisch-knirschenden Unterton, den auch Gabriele Haefs in ihrer Übersetzung aus dem Norwegischen wunderbar in diesen nur oberflächlich leichten Familien- und Coming-of-Age-Roman einfließen lässt.

Katharina Granzin schreibt in der Frankfurter Rundschau über dieses Buch: „Die perspektivische Doppelbödigkeit des Erzähltons trägt viel zum atmosphärisch schwebenden Charakter des Romans bei.“ Trotz des scheinbar unbekümmerten Tonfalls biete Toril Brekke einen Stoff von einer tiefsitzenden Ambivalenz.

Die Autorin:

TORIL BREKKE wuchs als Tochter des Dichters Paal Brekke in Künstlerkreisen in Oslo auf. Nach einer Ausbildung zur Typografin arbeitete sie als Lehrerin und Journalistin. Seit 1976 verfasst sie Romane und Erzählungen sowie Kinder- und Jugendbücher. Zwischen 1987 und 1991 war sie Vorsitzende des norwegischen Schriftstellerverbandes und in den 1990er Jahren Mitglied des Komitees für den Literaturpreis des Nordischen Rates. Sie wurde im Jahr 2000 mit dem Literaturpreis der Riksmål-Gesellschaft und 2004 mit dem Amalie-Skram-Preis ausgezeichnet.

Toril Brekkes Arbeiten sind geprägt von ihrem Interesse an menschlichen Beziehungen und der Frage, warum wir in engen Beziehungen, aber auch zwischen den Geschlechtern, Klassen oder Ländern so handeln, wie wir es tun.

Stimmen zum Buch:

„Träumerisch leicht und in einem ungewöhnlichen, ambivalenten Erzählton führt die Norwegerin Toril Brekke ins Oslo der sechziger Jahre.“ – Katharina Granzin, Frankfurter Rundschau

„Eine literarische Entdeckung.“ – Sandra Zaplin, Bayerischer Rundfunk

„Ein intensiver Roman über ungeheuerliche Familienverhältnisse und nicht erziehungsfähige Erwachsene.“ – Annemarie Stoltenberg, NDR

„Dieser besondere Sound verleiht dem etwas mehr als ein Jahr umspannenden und mit markanten Figuren ausgestatteten Roman eine ganz eigene Stimmung – wie auch ein besonderer Protagonist: So ist „Ein rostiger Klang der Freiheit“ auch ein Oslo-Roman, der in verschiedene Stadtteile und zu unterschiedlichen Orten führt.“ – Constanze Matthes, Zeichen & Zeiten

„Die ganz große Stärke in meinen Augen ist die regelrecht spür- und greifbare, dichte Atmosphäre des Romans, die Toril Brekke – mit feinem Blick und sensiblem Gespür für Stimmungen und Milieus – erschafft.“ – Barbara Pfeiffer, Kulturbowle

Ein rostiger Klang von Freiheit von Toril Brekke besitzt viel von einem Hans Christian Andersen Märchen. Es kommt unverdächtig und in schlichter Sprache daher, erzeugt aber einen unterschwelligen Grusel, fesselt, schockt und lässt einen betroffen und konsterniert zurück.“ – Alexander Carmele, Kommunikatives Lesen

„Freiheitsbegehren und die Sehnsucht nach Selbstbestimmung treffen dabei auf familiäre Verluste und die Verpflichtung, Verantwortung zu übernehmen. Ein Roman, der zeigt, dass sich die wirklich großen Reformen im Schatten der öffentlichen Proteste vollziehen.“ – Jens Roger, Lesering.de

„Bei der Arbeit an der Übersetzung war das Wiedersehen mit Torils Stil die pure Freude. Sie benutzt so viele Bilder, die oft aus der Musik stammen.“ – Gabriele Haefs über ihre Arbeit beim Übersetzen des Romans

„So wie die Erzählerin Agathe und die Protagonistin Agathe nicht völlig deckungsgleich sind, gibt es auch einen Unterschied zwischen der Oberfläche des Geschehens und verborgenen Zusammenhängen, Traumatisierungen und Familiengeheimnissen, die Toril Brekke an mehreren Stellen in „Ein rostiger Klang von Freiheit“ andeutet und erst am Ende zur Gänze aufdeckt. Diese Diskrepanzen machen den literarischen Reiz der Lektüre aus.“ – Dieter Wunderlich

Informationen zum Buch:

Toril Brekke
Ein rostiger Klang von Freiheit
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
STROUX edition, München
332 Seiten, gebunden, € 24,00 [D]
ISBN 978-3-948065-22-5
https://stroux-edition.de/

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