Über Birgit Böllinger

Büro für Text&Literatur - Pressearbeit für Verlage, Autorinnen und Autoren, Texte und Schreiben rund ums Buch. Unter Aktuelles finden sich zudem Buchsprechungen (ehemals Literaturblog Sätze&Schätze).

Mütter und Töchter: Geschichten vom Gehen und Wiederkommen

„Wir sitzen im Zug nach Prag. Für dieses Herbstwochenende verspricht der Wetterbericht sommerliche Temperaturen. Ich muss mich erst an den Gedanken gewöhnen, dass meine Mutter und ich allein zu zweit unterwegs sind. Waren wir jemals für ein langes Wochenende so eng zusammen? Tag und Nacht? – Nein, nie. Achtundfünfzig Jahre hat es gebraucht, um Zeit und Gelegenheit zu finden, diese Reise anzutreten. Und nun dieser Altweibersommer!“

Bild: Julius Erler, Dresden

Manchmal braucht es lange, bis zwischen Müttern und Töchtern eine Annäherung stattfindet – Sybille, geboren 1960, gelingt dies, auch beim gemeinsamen Altweibersommer mit ihrer Mutter. Andere Mütter-Töchter-Beziehungen bleiben dagegen distanziert, manche sind von Beginn an konfliktbeladen, andere harmonisch. Aber eines haben sie gemeinsam: „Keine Beziehung ist so essenziell, so innig und zugleich so irritierend wie die zwischen Mutter und Tochter“, sagt Petra C. Erdmann. Wie stark der mütterliche Einfluss auf die Identitätsentwicklung einer Frau sei, zeige sich jedoch meist dann am deutlichsten, wenn der Umgang miteinander gestört sei. Seit zwei Jahrzehnten ist Petra C. Erdmann erfolgreich als Verhaltens- und Teamtrainerin für Firmen und Organisationen tätig und berät Menschen in Krisensituationen.

Immer wieder hatte sie, die selbst Mutter von zwei Töchtern ist, dabei Begegnungen mit Töchtern und Müttern, deren Beziehung schwierig ist. Der wesentliche Konfliktpunkt zwischen den Frauen ist im Kern die Frage zwischen dem richtigen Maß an Nähe und Distanz – oft findet eine Annäherung erst dann statt, wenn die Töchter eigene Lebenserfahrungen gesammelt haben, älter werden, vielleicht auch eine eigene Familie haben und dieselben Erfahrungen mit ihren Töchtern machen.

Wie so eine Annäherung stattfinden kann, wie Frauen sich an ihre Mütter erinnern, davon erzählt der Band „Geschichten vom Gehen und Wiederkommen“. Petra C. Erdmann hatte in ihrer Arbeit immer wieder Frauen gebeten, einen Brief an ihre Mütter zu schreiben oder ihre Erinnerungen schriftlich festzuhalten – über 20 Frauen stellten ihre Texte für das Taschenbuch, das nun im Eigenverlag erschien, zur Verfügung.

So individuell die Lebenswege der Frauen sind, so stark die einzelnen Persönlichkeiten aus den Briefen und Erzählungen heraustreten, so verbindend ist aber auch, dass jeder dieser Texte beim Lesen eigene Erinnerungen und Gefühle in Gang bringt: Letztlich sind wir Leserinnen ja auch alle Töchter. Die „Geschichten vom Gehen und Wiederkommen“ haben ein stark versöhnendes Element, das, wenn beispielsweise Evelyne darüber schreibt, sehr anrührend ist:

Liebe kann man auf so viele verschiedene Weise geben. Ich habe starke Wurzeln, die ich mir selten bewusst mache. Doch wirken sie und geben mir Halt.“

Petra C. Erdmann sagt als Herausgeberin selbst dazu: „In allen Briefen spürt man nicht nur Schmerz, sondern auch die Liebe, die der Kern der Mutter-Kind-Beziehung ist. Und oft auch das Bedauern, nicht schon früher mit der Mutter über das Unausgesprochene geredet zu haben. Insofern ist mein Credo: Habt den Mut, schon zu Lebzeiten aufeinander zuzugehen. Sagt der Mutter, was sie euch bedeutet, was euch gefehlt hat und wofür ihr von Herzen dankbar seid. Letztlich kann das den ersehnten inneren Frieden bringen.“

Informationen zum Buch:
Petra C. Erdmann
Geschichten vom Gehen und Wiederkommen – Briefe und Erinnerungen von Töchtern und Müttern
Taschenbuch, 153 Seiten, 12,99 Euro
ISBN: 978-3-752-66086-9
Bestellmöglichkeiten: https://petra-erdmann.de/veroeffentlichungen/

Hinweis: Bei diesem Beitrag handelt es sich um Werbung/gesponserter Beitrag

Walle Sayer: Nichts, nur

Nichts, nur

Nichts, nur der Vollmond, der sich spiegelt im ruhigen Wasser, ein an den See entrichteter Obolus der Nacht. Nichts, nur ein paar Raben, Funktionäre der Farbe Schwarz, hocken im Geäst, zerkrächzen die Sicht. Nichts, nur die Runde am Nebentisch, Schaumkronen setzen sie sich auf, erlassen ihre Edikte, danken ab. Nichts, nur: diese Tonfolge, dieser Auftakt.

Gegenden, Landschaften, Orte, ein Figurenkabinett, die Her­kunft, der Historienhauch, das Antlitz der Dinge, Wortfährten, Alltagsbühnen: „Nichts, nur“ versammelt Gedichte, Prosage­dichte und Erzählminiaturen von Walle Sayer aus 35 Jahren des Schreibens. „Nichts, nur“ ist ein Lesebuch, Kompendium, Querschnitt und Zwischensumme des Schriftstellers aus dem Schwarzwald.

Walle Sayer schreibt selbst dazu: „Konturiert sich eine Geschichte, hat es etwas von einer Er­zählminiatur. Ich glaube, wenn ein Lyriker erzählt, sucht er den Punkt, den Augenblick, die Wendung, den Gedankensprung, mit dem oder durch den Prosaisches in Poesie übergeht.“

Obwohl das Buch erst am 18. März offiziell im Kröner Verlag erscheint, kann man sich jetzt schon einen Eindruck machen. Gedok Stuttgart lädt ein zu »Sprachlandschaften«, einer Online-Leseperformance am Sonntag, 14. März um 15 Uhr.

Fünf preisgekrönte Schriftsteller*innen der verschiedensten Gattungen aus Baden-Württemberg präsentieren Textminiaturen und -fragmente in Form einer Live-Lese-Collage. Aus den individuellen Arbeiten entstehen in der fragmentarischen Zusammenschau neue Sprachlandschaften. Daniel Oliver Bachmann verbindet die verschiedenen Textfragmente mit den Klängen seiner Handpan.Mit dabei: Daniel Oliver Bachmann, Beate Rygiert, Tina Stroheker, Eva Christina Zeller und eben Walle Sayer, der Einblick in „Nichts, nur“ gewährt.

Die Veranstaltung ist kostenlos und unter folgendem Link anzusehen: https://youtu.be/sWiJnOFVVO4.

Walle Sayer lebt mit seiner Familie in Horb und schreibt Gedichte und Prosa. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, u. a. den Thaddäus-Troll-Preis, den Förderpreis zum Hölderlinpreis, das Hermann-Lenz-Stipendium, den Berthold-Auerbach-Preis, die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg, den Ludwig-Uhland-Förderpreis, das Spreewald Literaturstipendium, den Basler Lyrikpreis fürs bisherige Gesamtwerk sowie den Gerlinger Lyrikpreis. Er ist Mitglied im deutschen PEN.

Walle Sayer. Bild: Karl-Heinz Kuball

Angaben zur Veranstaltung: Leseagentur Sabine Fecke
Informationen zum Buch: Kröner Verlag
Pressekontakt und Rezensionsexemplare: b.boellinger@kroener-verlag.de

Online-Lesung mit Theres Essmann

Online-Lesung und Gespräch zu »Federico Temperini«
FR 26.03.21, 19:00-20:30 Uhr

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Der Kölner Taxifahrer Jürgen Krause und der seltsame ältere Herr Federico Temperini, der ihn als Chauffeur anheuert. Aus der Begegnung der ungleichen Männer erwächst nach und nach eine Verbindung, die auch über den Tod hinaus Bestand hat. Die Novelle, aus der die Schriftstellerin Theres Essmann am Freitag, 26.März 2021 um 19:00 Uhr lesen wird, verhandelt Fragen nach dem, was einem Menschenleben Größe, Bedeutung und Sinn verleiht.

Theres Essmann wurde für Ihre Novelle »Federico Temperini« wurde mit dem Literaturstipendium 2021 des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Theres Essmann studierte Germanistik und Philosophie, lebt als Autorin in Stuttgart. In ihrem anderem Leben arbeitet sie als Führungskraft in der freien Wirtschaft. Das Gespräch führt Wolfgang Tischer (literaturcafe.de) mit ihr.

Buchhinweis: Theres Essmann, Federico Temperini, Klöpfer Narr, 2020
Mehr Information zum Buch unter www.theres-essmann.de

DIE VERANSTALTUNG FINDET ONLINE STATT: Sie benötigen zur Teilnahme einen Computer oder Laptop mit Internetzugang sowie ggfs. Kamera und Mikrofon. Bitte reservieren Sie Ihre Teilnahme unter www.hospitalhof.de. Den Zugangslink erhalten Sie 1-3 Tage vor der Veranstaltung zugesandt.

KOSTENBEITRAG entfällt. Quelle: Hospitalhof Stuttgart

Ein Besuch bei Aufklappen

Was aufklappen, was nicht? Eine gute Orientierungshilfe ist für mich da schon seit einiger Zeit der Literaturblog „Aufklappen“. Nicht immer muss man einer Meinung mit den Rezensenten sein, aber die Kritik bei Aufklappen ist immer fundiert, wohldurchdacht und bietet nachvollziehbare Gründe. Und vor allem wird das Team seinem eigenen Anspruch gerecht: „Geboten wird unterhaltsame Literaturkritik mit Niveau und einem klaren Urteil.“

Hubert Klöpfer (links) und Alfred Klemm, Kröner Verlag. Bild: Yvonne Berardi

Seit einiger Zeit veröffentlicht Aufklappen auch Gespräche mit Akteuren aus dem Literaturbetrieb, so mit der Schriftstellerin Iris Wolf, dem Literaturwissenschaftler Jan Süselbeck und nun mit Verleger Hubert Klöpfer. Das freut mich natürlich ungemein, da Hubert Klöpfer als Programmleiter beim Kröner Verlag, für den ich die Pressearbeit leiste, die „Edition Hubert Klöpfer“ herausgibt. Bei „Aufklappen“ spricht er über die Höhen und Tiefen eines Verlegers, der leidenschaftlich dem guten Buch verpflichtet ist.

Ein Auszug:

Allzu abgebrüht darf man nicht sein, bevor man einen Verlag gründet? Wenn man alle Tücken des Betriebs kennt, bringt man gar kein Buch mehr heraus? 

„Das ist nicht schlecht, das ist gut formuliert, ja. Ich glaube, so wie es uns ging, geht es vielen jungen Verlegerinnen und Verlegern. Es gehört eine herzhaft naive Leidenschaft dazu. „Wir schaffen das“, man glaubt ans gute Buch, ans schöne Buch, und hat das Gefühl, hat die Hoffnung, mit Literatur etwas zu bewirken. Diese Naivität bringt einen überhaupt erst zum Handeln. Irgendwann stößt man sich den Kopf schon von selber an. Und man stößt ihn sich überhaupt immer wieder an. Aber freilich gibt’s halt auch immer die verlegerische Freude und Lust, zu erleben, zu spüren, wie sich aus einer ersten Idee etwas Größeres, Stärkeres entwickelt. Wie eine Autorin, ein Autor ihr resp. sein Thema, seinen Erzählton findet. Verlegerinnen und Verleger sind Hebammen auch.“

Das Interview in ganzer Länge gibt es hier zu lesen: „Literatur als Einmischung und Eroticum“

Zum Blog: https://aufklappen.com/

Telegramme für Literatur

Über ein Interview mit Daniela Engist, deren zweiter Roman „Lichte Horizonte“ in wenigen Tagen beim Kröner Verlag erscheint, wurde ich nun auf die wunderbaren „Telegamme für Literatur“ und den erst 2019 gegründeten Telegramme Verlag aufmerksam.
2016 begann das Schweizer Schriftstellerpaar Dana Grigorcea und Perikles Monioudis mit dem Telegramme-E-Magazin, drei Jahre später folgte der Verlag.

Schon das Wappentier ist ein Kunstwerk, aber auch die Auswahl der Bände zeugt vom ästhetischen Feinsinn der beiden Herausgeber. Das Paar wird von Gallus Frei-Tomic in seinem literaturblatt.ch – ebenfalls eine sehr empfehlenswerte Adresse für Bibliophile – vorgestellt.

Die Liste der Autorinnen und Autoren, die bislang im Telegramme-E-Magazin Originalbeiträge veröffentlicht haben, ist beeindruckend: Unter anderem schrieben hier bereits Rolf Lappert, Nora Bossong, Terézia Mora, Hildegard Keller, Franz Hohler und Franzobel, um nur einige zu nennen.

In der Rubrik „Entre nous“ werden sieben feststehende Fragen an die Schreibenden gestellt.
Daniela Engist erzählt dabei von der Entstehung ihres Romans „Lichte Horizonte“, von den Themen und Diskursen, die sie interessieren, von der Erwartung an die Rezeption des Buches: „Nein, jeder kann es lesen, wie er will, es bietet hoffentlich genug Lesarten, um nicht in einer Schublade zu landen. Nur mit dem Etikett «Frauenliteratur» würde ich mich schwertun.“


Weiterführende Links:
Telegramme: https://www.neue-telegramme.ch/
Daniela Engist: https://www.daniela-engist.de/

China, Japan, Ulm und drumherum

„In der heutigen, von Chinas Aufstieg beflügelten Großmachtrivalität steht Japan fest an der Seite seines Verbündeten Amerika. Die beiden asiatischen Kulturen aber bleiben einander eng verbunden und werden das westliche Denken im 21. Jahrhundert herausfordern. Von Tokio wie von Peking aus betrachtet wird es gewiss nicht das Jahrhundert Amerikas oder Europas sein: Das würden sich Japaner und Chinesen jederzeit schriftlich geben.“

Bild: Birgit Böllinger

Dieses Fazit zieht der Internationale Korrespondent der Zeit, Matthias Naß, nach der Lektüre des jüngsten Werks von Professor Kai Vogelsang. In „China und Japan. Zwei Reiche unter einem Himmel“ zeigt der Hamburger Sinologe auf, wie eng verbunden die beiden Länder sind. Sein Buch, das im Kröner Verlag erschien, soll einen Beitrag dazu leisten, einen anderen Blick auf die beiden Kulturen zu eröffnen – im Westen nimmt man sie überwiegend als politische Rivalen wahr, dabei sind beide Nationen eng verbunden.

Der Beitrag in der Zeit ist online hier nachzulesen. Darüber hinaus ist Kai Vogelsang mit einem Gastbeitrag zum Thema bei der NZZ vertreten: „Die Geburt Chinas in Japan“.

Freudige Nachrichten gibt es nun auch für den Buchhandel: Ab 8. März endlich wieder offen! Obwohl viele Buchhändler sich mit guten Ideen und Einhaltung aller Hygienevorschriften für die Pandemie wappneten, währte auch für sie der Lockdown lange – für manche kleine, inhabergeführte Buchhandlung leider zu lange. Man hätte sich auch von der Politik nach dem ersten Lockdown 2020 die Entwicklung besserer Konzepte für den Einzelhandel gewünscht. Da könnte manches Beispiel aus dem Buchhandel Schule machen, wie der Beitrag von Ulrich Rüdenauer in der Frankfurter Rundschau zeigt: Er bezeichnet den Buchhandel in Deutschland als Meister der Corona-Krise. Und ein leuchtendes Beispiel dafür ist Rasmus Schöll mit seiner Buchhandlung Aegis in Ulm.

Überhaupt gibt es während dieser Pandemie gerade unter Bücherleuten eine sehr große Solidarität. Ein Beispiel dafür bietet auch der Blog „We read Indie“, der nun die Aktion #bücherhamstern fortsetzt. Damit wird ein Augenmerk auf die feinen unabhängigen Verlage und ihre wunderbaren Bücher gelenkt, für die abgesagte Messen, ausgefallene Veranstaltungen und Lesungen und vieles mehr, was Corona durcheinander wirbelt, schon erhebliche Folgen haben. Dass zum Auftakt der wunderbare Mirabilis Verlag vorgestellt wird, freut mich natürlich sehr.

Rundum eine gelungene Woche für mein kleines Pressebüro 🙂

Mirabilis Verlag: Das neue Programm ist da!

„Zwischen Streuobstwiesen und dem Elbtal, nahe der schönen Stadt Meißen, liegt der Sitz des unabhängigen Mirabilis Verlags, den ich 2011 gegründet habe. Jährlich erscheinen vier bis sechs Bücher – schön gestaltet und inhaltlich wertvoll.“

So, wie Verlegerin Barbara Miklaw ihren Verlag vorstellt, möchte man am liebsten sofort zu einem Verlagsbesuch aufbrechen und auf einer schönen Wiese über das neue Programm plaudern. Dieses ist jetzt gedruckt und steht auch hier zum Download bereit: https://bit.ly/3pTIOvW

Drei Neuheiten bietet der Mirabilis in diesem Frühjahr: Den Generationenroman „Wöbkenbrot und Pinselstrich“ von Jürgen Meier sowie zwei neue Kinderbücher. „Wer denkt sich die Wörter aus?“ erzählt spannend und kindgerecht von der Entwicklung der Sprache. Und „Die Brücke. Wie funktioniert dein Gehirn?“ erläutert anschaulich die Funktionsweise unseres wichtigsten Organs.

Rezensionsexemplare können direkt beim Verlag (post@mirabilis-verlag.de) oder hier (kontakt@birgit-boellinger.com) angefordert werden.

Kennzeichnung: Bei diesem Beitrag handelt sich um Werbung im Rahmen meiner Pressearbeit für den Mirabilis Verlag.



Bertolt Brecht und der Film

Bertolt Brecht war zwar vom Medium Film fasziniert, hatte aber damit kein Glück. BB und der Film – das war weniger episches Theater, sondern ein Drama ohne Ende.

Bild von Birgit Böllinger auf Pixabay

Dabei fing alles so gut an: Bereits 1923 arbeitet Brecht, damals 25 Jahre alt, mit dem Regisseur Erich Engel und mit Karl Valentin zusammen. Die „Mysterien eines Frisiersalons“ erinnern streckenweise an den Surrealismus im „andalusischen Hund“ von Luis Buñuel, sind aber auch komisch, humoristisch und ein wenig chaotisch. Der Film galt lange als verschollen, wurde jedoch in den 70erJahren wiederentdeckt und restauriert.

1930 machte sich Georg Wilhelm Pabst an die Verfilmung der Dreigroschenoper. Brecht, zunächst noch aktiv mit dabei, überwirft sich mit Regisseur und Produktionsfirma, will den Film, auch vor dem Hintergrund des aufkommenden Nationalsozialismus, mit eindeutigerem politischen Inhalt versehen. Die Streitigkeiten führen zum sogenannten Dreigroschenprozeß. Brecht schrieb unter dem Titel „Der Dreigroschenprozeß. Ein soziologisches Experiment“ eine Analyse des Rechtsstreits, die er zusammen mit dem Filmexposé und dem Text der „Dreigroschenoper“ veröffentlichte.

1931 ist BB jedoch wieder bereit für das Medium Film – er arbeitet mit Slatan Dudow und Hanns Eisler „Kuhle Wampe oder wem gehört die Welt?“. Der 1932 erschienene Streifen ist benannt nach dem Zeltplatz Kuhle Wampe in Berlin am Müggelsee, einer der vielen Originalschauplätze, an denen gedreht wurde. Geschildert wird das Schicksal einer Arbeiterfamilie und eines jungen Pärchens, dessen Verbindung angesichts der Massenarbeitslosigkeit ohne Zukunft erscheint. Der Film hat – auch durch den Dreh an Originalschauplätzen und mit „echten“ Arbeitslosen neben erfahrenen Schauspielern – streckenweise dokumentarischen Charakter, zeichnet ein realistisches Bild der Verelendung in der Weimarer Republik. Kuhle Wampe war der einzige eindeutig kommunistische Film dieser Zeit – bis hin zu Arbeitern, die das Lied der „Solidarität“ singen – und wurde nicht nur unter großen Schwierigkeiten gedreht, sondern prompt auch von der Zensur verboten. Nach Protesten wird der Film mit einigen Änderungen freigegeben, Brecht macht dem Zensor das ironische Kompliment, dieser zumindest habe den Film wirklich verstanden – nicht als Darstellung eines individuellen Schicksals, sondern als offene Kritik an den gesellschaftlichen Bedingungen: „Der Inhalt und die Absicht des Films geht am besten aus der Aufführung der Gründe hervor, aus denen die Zensur ihn verboten hat.“

Dann die Zeit des Exils. Letztlich verschlägt es Brecht, wie viele andere Autoren, nach Hollywood. Wie andere ist er gezwungen, dort zu antichambrieren und arbeitet für den Broterwerb an Drehbüchern für die Traumfabrik mit. Seine Erfahrungen in dieser Zeit hat er in den bitteren Hollywood-Elegien verarbeitet.

1943 jedoch hat Brecht die Chance, an einem ambitionierten Filmprojekt mitzuwirken. Unter der Regie von Fritz Lang, ebenfalls einem Exilanten, entsteht „Hangmen also die“ – „Auch Henker sterben“. Die beiden Künstler kannten und schätzten sich bereits in den Tagen der Berliner Zeit. Als Brechts Lage im schwedischen Exil angespannt wird, sorgte Lang, der in Hollywood schnell Fuß gefasst hatte und seine Karriere fortsetzen konnte, mit dem European Film Fund dafür, dass Brecht, Weigel, sowie die beiden Kinder und Ruth Berlau Visa für die USA bekamen, 1941 traf die Familie in Los Angeles ein.

Der Film „Auch Henker sterben“ erzählt bereits ein Jahr nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich in Prag 1942 vom tschechischen Widerstand und der Fahndung der Gestapo nach dem Attentäter. Doch schon während der Dreharbeiten kommt es zwischen Lang und Brecht zu Differenzen. Der cholerische Lang tobt gegenüber Brecht und dem ebenfalls linksgerichteten Co-Autoren John Wexley, er „scheiße auf Volksszenen“, er wolle ein Hollywoodpicture machen. Ungerechtigkeiten bei der Bezahlung – Brecht sollte wesentlich weniger als Wexley erhalten -, Kürzungen im Skript, charakterliche Unverträglichkeiten taten ihr weiteres. Die Zusammenarbeit wurde zum Desaster und gipfelte in einer Anhörung vor der „Screen Writer`s Guild“, weil Wexley als der eigentliche Autor genannt werden wollte, Brecht jedoch nur unter ferner liefen aufgeführt wurde. Die Schiedsstelle entschied zugunsten des Amerikaners. Brecht legte danach die Arbeit am Film nieder, begegnete auch Fritz Lang nicht mehr.

Doch was übrig bleibt: Zum einen überstand auch diese Episode die Freundschaft zwischen Brecht und Hanns Eisler, der als Komponist auch an den früheren Filmen mitgearbeitet hatte. Und vor allem: „Hangmen also die“ ist, wenn auch viele der Ideen und Vorstellungen Brechts nicht verwirklicht werden konnten, eines der wichtigsten Filmwerke geworden, das noch während des Nationalsozialismus eindeutig Stellung gegenüber der deutschen Tyrannei bezog.

Lang setzte dem verlorenen Freund BB später noch ein cineastisches Andenken, so der Filmwissenschaftler Peter Ellenbruch:

„Im Gegensatz zu Brecht, der ein Gegner Langs geblieben sein soll, hat sich Lang immer wieder positiv zu Brecht geäußert, ihn als einen wichtigen Autor geschätzt und sich von seinem Werk inspirieren lassen. So baute er 1963 eine Brecht-Hommage in LES MEPRIS von Jean-Luc Godard ein – in welchem er sich selbst spielte – und die Buchstaben „BB“ stehen innerhalb des Films plötzlich nicht mehr für die Hauptdarstellerin Brigitte Bardot, sondern einen Moment lang für Bert Brecht.“

Buchhändler Rasmus Schöll trotzt der Krise: Filialeröffnung in Söflingen

In wenigen Wochen wird es in Söflingen nach Jahren ohne Buchhandlung wieder einen Anlaufpunkt für Lesende und Literaturliebhaber geben: Die Aegis Buchhandlung wird in dem Ulmer Stadtteil eine Filiale eröffnen. Geplant ist der Start für Mitte März. „Der Bedarf ist da“, weiß Aegis-Inhaber Rasmus Schöll, der selbst gebürtiger Söflinger ist. Immer wieder hätten Kunden und Bekannte ihm gegenüber bedauert, dass der große Ulmer Stadtteil literarisch verwaist sei. „Als die Vermieter des wunderbaren Altbaus in der Schlösslesgasse auf mich zukamen mit der Idee, in den Räumen des ehemaligen Cafés „Zucker&Salz“ eine Buchhandlung zu eröffnen, wusste ich, das ist eine Möglichkeit, die ich ergreifen muss“, so Schöll.

Auf rund 60 Quadratmetern Ladenfläche soll künftig ein gut ausgewähltes Sortiment angeboten werden, wie man es bereits aus der Aegis Buchhandlung in der Innenstadt kennt: Neuerscheinungen, über die diskutiert wird, ebenso wie literarische Feinheiten aus kleineren, unbekannteren Verlagen, Bibliophiles sowie ein umfangreiches Buchangebot für Familien und Kinder.

Für den 33jährigen Buchhändler, der die Ulmer Traditionsbuchhandlung Aegis 2018 übernahm, mit seinem Konzept wiederbelebte und auch überregional wieder bekannt machte, ist mit diesem Schritt natürlich eine große wirtschaftliche Verantwortung verbunden. Ginge es nicht um Söflingen, hätte er sich eine Filialgründung momentan nicht zugemutet. „Aber ich bin selbst dort aufgewachsen und freue mich, dass viele der Läden und Händler aus meiner Kindheit dort noch vorhanden sind“, so Schöll, „da schmerzt es einen leidenschaftlichen Bücherliebhaber wie mich beinahe, dass es keinen Buchladen mehr gibt.“ Dass er damit auch vielen Söflingern einen Wunsch erfüllt, das hätten die ersten Reaktionen auf seine Pläne bereits gezeigt.

So viel Mut mitten im Lockdown erregte nicht nur in den lokalen Medien Aufsehen, sondern auch bei der Fachpresse. Unter anderem berichteten ausführlich die Südwest Presse, die Augsburger Allgemeine und die Schwäbische Zeitung, sondern ausführlich auch das Börsenblatt, Buchreport und weitere Medien.

Informationen zur Buchhandlung:

Aegis Buchhandlung
Inh. Rasmus Schöll
Breite Gasse 2
89073 Ulm
Telefon: 0731 64051
E-Mail: info@aegis-literatur.de
https://aegis-literatur.de/

Pressearbeit durch Birgit Böllinger

Optimistisch in die Zukunft: Das Team der Aegis Buchhandlung. Bild: Bruno Tenschert

Die Edition Hubert Klöpfer im Kröner Verlag

Wie bereits hier angekündigt, erscheint im Alfred Kröner Verlag Stuttgart ab dem Frühjahr 2021 auch deutschsprachige Gegenwartsliteratur. Programmverantwortlich ist dafür der renommierte Verleger und Büchermacher Hubert Klöpfer. Und das sind die ersten sechs Titel in der neuen Edition Hubert Klöpfer, die Mitte März erscheinen:

Mehr Informationen finden sich in der Frühjahrsvorschau: https://www.book2look.com/book/98T3MHi8ch

Ein Heft mit Leseproben und Rezensionsexemplare können unter der Email b.boellinger@kroener-verlag.de angefragt werden.