DIERK WOLTERS: Kampf der Zauberer

Warum überhaupt lesen wir Literatur?
In Zeiten des politischen Hyperaktivismus stellt sich diese Frage verschärft. Wer liest, macht sich schnell des Eskapismus verdächtig. Als gäbe es nicht ernsthaftere Probleme zu lösen. Auf diesen Vorwurf fand vor beinahe hundert Jahren Thomas Mann eine Antwort: Manns Novelle »Mario und der Zauberer« basiert auf seinem eigenen faschistischen Sommererlebnis in Italien, er versucht sich und seine Leser darauf einzuschwören, »sich tüchtig zu machen für die Zeit«. Wie soll das gehen?

Das fragt Dierk Wolters in seinem Essay »Kampf der Zauberer« – aus dem unschönen Anlass einer unerwarteten Aktualität von Manns Erzählung. Denn zwar war die Welt nie ein sicherer, ein guter Ort; aber doch einer, an dem man sich phasenweise im guten Glauben wiegen konnte, alles werde sich zum Besseren wenden. Seit ein paar Jahren ist dies nicht mehr der Fall. Immer deutlicher zeigt sich: Hab- und Machtgier, Größenwahn, Besitzstandswahrung, Verteilungskämpfe, Feindbilder, Hass, Dummheit und Egoismus gewinnen Oberhand. Wer Menschenwürde und Nächstenliebe nicht als hohle Hülsen erachtet, auf Verständigung und Dialog setzt statt auf Abgrenzung und Hass, hat es schwer. Uns geht es nicht gut. Wir taumeln, mehr denn je – wieder einmal.

»Mario und der Zauberer, angesiedelt im Italien unter Benito Mussolinis Herrschaft, entwickelt zwar ein Panorama faschistischer Symptome. Doch begnügt sich die Erzählung nicht mit deren wohlfeiler Kritik. Sondern sucht vielmehr nach Möglichkeiten, wie dem überbordenden Ungeist mit Haltung und Würde begegnet werden könnte. Das macht den entscheidenden Unterschied«, so Wolters zu seiner Auseinandersetzung mit dieser zentralen Erzählung von Thomas Mann.

Thomas Manns Erzähler in »Mario und der Zauberer« möchte angesichts der damaligen Unzeiten nur ein wenig entspannen. Aber das Böse holt ihn ein. Was tun also, wenn Aussichtslosigkeit sich wie Mehltau über alles breitet, an das wir glauben, auf das wir hofften? Was tun? Große Frage der Gegenwart. Und Dierk Wolters versucht entlang Thomas Manns Erzählung, mit Thomas Mann als Erzähler und durch die Brille von Thomas Mann als politischem Autor uns Antworten zu geben. Ein kluger, vor allem ein hoch nötig gewordener Essay!


Stimmen zum Buch:

„Denn Wolters betreibt keine wohlfeile Faschismuskritik. Er zeigt, wie Mann das Böse nicht nur beschreibt, sondern in sich selbst verortet. Wie er sich, in der Maske des Erzählervaters, zum wehrlosen Zuschauer stilisiert – und dadurch mitschuldig wird. „Nichtstun schlägt um in Schuld“ – dieser Satz ist kein Nebensatz, er ist die Achse, um die sich Wolters’ ganze Lektüre dreht.“ – Ute Pappelbaum, Lesering.de

„(…) der literarische Essay von Dierk Wolters, der auf 90 Seiten klar und klug den Literaturwissenschaftler durchblicken lässt, aber auch die langjährige Erfahrung des Journalisten, der einen Stoff ans aktuelle Tagesgeschehen anzubinden weiß, um die Leser mitzunehmen.“ – Welf Grombacher in der Märkischen Allgemeinen

„Es müssen nicht endlose Bandwurmsätze sein, die hunderte Seiten zieren, um sich ins Herz des Lesers zu pflanzen. Manchmal liegt die Würze in der Kürze. So ist es auch bei diesem Buch. Für Fans und solche, die es werden wollen und nicht immer nur kopfschüttelnd vor den unzähligen Mann-Reportagen hocken wollen.“ – Karsten Koblo


Zum Autor:

Dierk Wolters, geboren 1965 in Frankfurt/Höchst, aufgewachsen im Taunus. Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie in Heidelberg und Berlin, Promotion über Thomas Manns Romantetralogie »Joseph und seine Brüder«. Wolters arbeitete als freier Journalist bei verschiedenen Zeitungen in Berlin und Potsdam. Seit 1999 ist er Kulturredakteur mit den Schwerpunkten Kunst und Literatur bei der Frankfurter Neuen Presse. Ebenfalls im axel dielmann-verlag erschienen: Der Roman »Dienstag« (2023).


Zum Buch:

Dierk Wolters
Kampf der Zauberer
axel dielmann-verlag, Frankfurt am Main
96 Seiten, Softcover mit Lesebändchen, 18,00 €
ET: 23.05.2025
ISBN 978-3-86638-478-1


Downloads & Informationen:

*Ein Beitrag im Rahmen meiner PR-Arbeit für den axel dielmann – verlag