Zum Bloggen komme ich leider nicht mehr, aus Zeitmangel und beruflichen Gründen. Aber selbstverständlich lese ich auch weiterhin, beruflich sowieso, privat ebenfalls, hier genußvoll abseits des Aktuellen.
Die „Bücherfenster“ sind kleine Schwestern der langen Blogbeiträge: Kurze Notizen zu aktuellen Lektüren, eine Art Lesetagebuch.

Dror Mishani: Drei
Ein Zufallsgriff ins Regal der Stadtbibliothek, Glücksgriff wäre übertrieben, aber eine gute Wahl für einen fesselnden Lesenachmittag allemal: „Drei“, ein psychologischer Kriminalroman des israelischen Autors Dror Mishani. Drei Frauen, ein Mann, die Suche nach Nähe, Verständnis oder wenigstens nach dem Glück des Augenblicks, die tödlich endet.
Dror Mishani versteht es tatsächlich, sich in das Innenleben dieser Frauen, deren Gemeinsamkeit die Einsamkeit ist, einzufühlen, schildert packend deren Beweggründe, sich auf den scheinbar verständnisvollen Fremden einzulassen.
Eine überraschende Volte im dritten Kapitel, bei der dritten Frau, sorgt für Gerechtigkeit: Der Täter wird gestellt. Aber nicht entlarvt: Wir erfahren wenig über diesen Mann, nicht viel mehr, als dass er Sohn, Gatte und Vater ist. Nichts über seine Beweggründe, keine Andeutungen über seine Motive, seinen inneren Zwang. Normalerweise würde ich einen Krimi, der solche offenen Fragen hinterläßt, fluchend zur Seite legen. In diesem Fall nicht: Das Buch ist literarisch rund, die Erzählung in sich geschlossen. Denn hier sind es die Opfer, die zählen.
Eine ausführliche Besprechung des 2019 in deutscher Übersetzung durch Markus Lemke beim Diogenes Verlag erschienenen Romans gibt es bei „Kaliber.17“.
