Die drei autofiktionalen Romane des Schriftstellers Jan Kuhlbrodt sind im Gans Verlag unter dem Titel »Chemnitzer Trilogie« als Taschenbuchausgabe erschienen. Nach wie vor gibt es aber auch die Einzelbände in schönen Hardcover-Ausgaben.
Einen weiten Bogen spannen die drei autofiktionalen Bücher von Alfred-Döblin-Preisträger Jan Kuhlbrodt. In den Texten, entstanden in den Jahren von 2007 bis 2023, spürt Kuhlbrodt den Entwicklungen und Veränderungen der Welt nach, beginnend mit der Beschreibung der Kindheit in Karl-Marx-Stadt, über die Suche nach einer gerechteren Welt zur Zeit der Wende bis zum Erinnern des Vergangenen und dem Versuch, das Sterben wahrzunehmen. Die drei Bände, bisher als Einzelausgaben im Hardcover erschienen, gibt es nun gebündelt als Taschenbuch-Ausgabe.
In »Vor der Schrift« unternimmt Jan Kuhlbrodt einen Streifzug durch das Chemnitz seiner Kindheit. Die erste Wohnung, die Nachbarstochter, mit der er Eisenschrott sammelt, die Eltern, fremde Menschen und Namenlose. Und er erinnert sich an Klänge und Ornamente, bevor sie sich zu Sprache und Schrift formten.
In »Schneckenparadies« geht der Held des Romans nach der Wende von Karl-Marx-Stadt nach Frankfurt am Main, um Philosophie zu studieren. Und erfährt dabei, wie Utopien sich wandeln und scheitern und neue Ideale reifen.
»Krüppelpassion«, der mit dem Alfred Döblin-Preis 2023 ausgezeichnete Roman, bildet den Abschluss, ist, wie Jan Kuhlbrodt selber schreibt, »die Chronik eines sich ankündigenden Todes« angesichts der Multiple-Sklerose-Erkrankung des Autors.

Jan Kuhlbrodt
Chemnitzer Trilogie
ET: 12. März 2025
Broschur, Klebebindung
340 Seiten
24,00 Euro [D] | 24,70 Euro [A]
ISBN: 978-3-946392-55-2



Rezensionen
Zu Krüppelpassion:
Die Literaturredaktion des Deutschlandfunks wählte “Krüppelpassion” unter die zehn besten Romane des Jahres 2023.
Die Fachjury wählte “Krüppelpassion” auf Platz 2 der SWR-Bestenliste im Dezember 2023: “Der Text ist eine Mischung aus Selbstreflexion, Alltagsbeschreibung, philosophischen Erkundungen und Autobiografie. Und er ist erstaunlicherweise immer wieder durchsetzt von einem beißenden Humor, der sich abwechselt mit Sarkasmus, Zorn und Erkenntnisdrang.”
Daniela Strigl, Shirin Sojitrawalla und Jan Wiele diskutierten über die Bücher beim SWR-Literaturtalk: “Eine überwältigende Lektüre”, so Jan Wiele.
“Ein Memento mori durchzieht den ganzen Text.” – Sieglinde Geisel im “Büchermarkt” beim Deutschlandfunk
“Es ist ein formal eigenwilliger Text, lyrische, erzählende und theoretische Passagen wechseln einander ab, es werden längere Zitate aus der Bibel, aus philosophischen und anderen Werken eingebunden und spiegeln den Versuch, das, was dem Ich geschieht und geschehen ist, gedanklich wie künstlerisch zu fassen. Dass die Textteile am Ende keine erzählerische Linie ergeben, der Erkrankung zwar einen zeitlichen Verlauf, aber eben keinen inneren Zusammenhang verleihen, ist so konsequent wie schlüssig.” – Katharina Herrmann, Kulturgeschwätz
“Jan Kuhlbrodt schreibt vom langsamen Rückzug des Lebens aus seinem Körper – er tut es jedoch mit so radikalem Mut, Offenheit, beängstigend klarem Blick, Wut und rabenschwarzem Humor, dass wir Gehenden nicht scheu und verschämt zurückschrecken, sondern diesem Buch nach wenigen Seiten verfallen.” – Nils Kahlefendt im Börsenblatt
“Am meisten aber beeindruckt, wie Jan Kuhlbrodt (…) ein ganz eigenes Format von Wahrhaftigkeit entwirft.” – Jörg Schieke in “Unter Büchern” bei MDR Kultur
“Sehr genau, zuweilen bitter-komisch bekommt die Krankheit in dieser Prosa Gestalt. Kuhlbrodt schreibt biografisch auch von seiner Jugend in der DDR.” – Cornelia Geißler, Berliner Zeitung
“Jan Kuhlbrodts Schreiben in „Krüppelpassion“ ist von der Suche nach Klarheit, Erkenntnis und einem gewissen Galgenhumor getrieben, dabei authentisch, berührbar und berührend – eine bemerkenswerte Leistung.” – Ulrike Schrimpf in Culturmag
“Schlau, pointiert und bitter” gestalte sich die Lektüre, meint Franz Furtner im Stadtmagazin InMünchen (Novemberausgabe 2023). Und ergänzt, “dass man als Leser gerührt, informiert, erschrocken und auch in vielerlei Hinsicht motiviert aus der Lektüre herausgeht.”
“Wer (…) die Bereitschaft mitbringt, von etwas zu lesen, wovon für gewöhnlich eher geschwiegen wird – und dazu kann ich nur raten -, bei dem wird „Krüppelpassion“ lange nachhallen. Bei mir jedenfalls wird es das.” – Frank Wolf bei Reisswolfblog
“Kuhlbrodt offenbart sich in seinem Text mit einer großen Verletzlichkeit, Wut und Hilflosigkeit. Dem entgegen stehen sein Humor, sein Pragmatismus und sein Mut, sich dem Ende zu stellen. Seine Offenheit und Menschlichkeit haben mich sehr bewegt und berührt!” – Dano Senger bei Lust auf Literatur
“Man sitzt mittendrin, festgepinnt im bücherverstellten Zimmer. Aber die Sache geht trotzdem weiter. Auch wenn wir nur noch im Kopf verreisen. Aber da sind uns keine Grenzen gesetzt.” – Ralf Julke, Leipziger Zeitung
“(…) was es heißt, nicht mehr richtig laufen zu können (…) davon schreibt Kuhlbrodt in diesem Buch, mit bewundernswerter Distanz, die er durch seine Ironie, seinen bisweilen schwarzen Humor und wiederum durch seine manchen sicher erschreckende Direktheit erreicht. Das genau ist einer der Gründe, warum ich dieses Buch liebe, und den Autor wegen seiner Offenheit, seiner distanzierende Distanzlosigkeit und Schamlosigkeit obendrein.” – Guenter G. Rodewald
“Der bereits mit dem Alfred-Döblin-Preis 2023 ausgezeichnete Roman “Krüppelpassion – oder Vom Gehen” von Jan Kuhlbrodt ist in jeder Hinsicht vielschichtige Prosa, die neben den Tatbeständen nicht zuletzt das Doppelbödige und Verräterische wie auch das zuweilen absurd Begrenzte von Sprache aufzeigt (…).” – Büchernachlese
“Jahn Kuhlbrodt hat mit seinem Buch „Krüppelpassion oder Vom Gehen“ eine positive Sicht auf seine MS-Erkrankung geschrieben, das Mut macht. Lesenswert.” – Karl-Heinz-Walloch
“Ein hybrider, vielschichtiger Text”, geprägt von “Unerschrockenheit, Wut, aber auch Wehmut”, mit der der Autor seiner MS-Erkrankung begegnet.” – Miriam Zeh, Deutschlandfunk Kultur
“Und so ist »Krüppelpassion« nicht nur ein Buch über Krankheit und Ableismus. Kuhlbrodt erzählt am Beispiel seiner Krankheit über die Unbeständigkeit unserer Wahrnehmung. Darüber, wie wir uns unsere eigene Geschichte immer wieder auf neue Weise erzählen. Wie wir nach Zusammenhängen und Verbindungen suchen. Und sie manchmal finden.” – Katharina Bendixen in die “junge welt”
“Dabei ist dieser ebenso existenzielle wie literarische Text ein Paradebeispiel für eine Literatur, die mehr wagt als ihr Autor gewinnen kann, der sein Buch auch als »Chronik eines sich ankündigenden Todes« bezeichnet.” – Thomas Hummitzsch
“Das Prinzip des Textes imitiert das Prinzip der Computertomografie. Der Autor macht es ähnlich wie die rotierende Röntgenröhre. Er sieht sich mit der Krankheit von allen Seiten zu. Das macht es, dass Krüppelpassion im üblichen Sinn kein Roman ist, sondern eine Sammlung kleiner Formen aus allen Gattungen: Prosa, Lyrik, Drama, Essay.” – Michael Hamneter in “Der Freitag”
Zu Schneckenparadies:
„Es ist unterhaltsam, Kuhlbrodts mit Anekdotischem gespickten Gedankengängen zu folgen. Zumal die Sprache des Autors nicht manieristisch, aber kunstvoll ist.“ – Tobias Prüwer, Kreuzer Leipzig
„Kuhlbrodt kommt von der Lyrik. Sein Text lebt von Assoziationen und Beobachtungen scheinbarer Kleinigkeiten, in denen sich die großen Fragen des Menschseins spiegeln.“ – Andreas Baum, Deutschlandfunk Kultur
„Was sich scheinbar wie ein Assoziationsteppich der Erinnerungen an die vergangene Zeit liest, voller Bilder und kleiner, prägender Ereignisse, wird so auf einmal zu einem Zeitbild.“ – Ralf Juhlke, Leipziger Internet-Zeitung
„Mit seinem Roman „Schneckenparadies“ vollendet sich die Chemnitzer Trilogie des in Karl-Marx-Stadt geborenen Schriftstellers.“ – Tobias Prüwer, Freie Presse
Autor

Jan Kuhlbrodt, 1966 geboren in Karl-Marx-Stadt, studierte politische Ökonomie an der Universität Leipzig sowie Philosophie und Soziologie an der Universität Frankfurt am Main. Von 1997 bis 2001 absolvierte er außerdem ein Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Er war als Lehrer in einem Projekt für straffällig gewordene Jugendliche und als Antiquar tätig. Jan Kuhlbrodt war von 2007 bis 2010 Geschäftsführer der Literaturzeitschrift Edit. Er war Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig und Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut. Für einen Ausschnitt aus »Krüppelpassion« wurde Kuhlbrodt mit dem Alfred-Döblin-Preis 2023 ausgezeichnet. Er ist Mitglied im PEN-Berlin und lebt als freier Schriftsteller in Leipzig.
Bild: Christiane Gundlach
Bibliographische Angaben
Chemnitzer Trilogie
Taschenbuchausgabe aller drei Romane
Broschur, Klebebindung
340 Seiten
ISBN: 978-3-946392-55-2
Erscheinungstermin: 12. März 2025
Vor der Schrift
(Chemnitzer Trilogie, Teil 1)
Hardcover mit Fadenbindung, Schutzumschlag und Lesebändchen
160 Seiten
ISBN: 978-3-946392-47-7
Erscheinungstermin: 26. März 2024
Schneckenparadies
(Chemnitzer Trilogie, Teil 2)
Hardcover mit Fadenbindung, Schutzumschlag und Lesebändchen
220 Seiten
ISBN: 978-3-946392-38-5
Erscheinungstermin: 14. Oktober 2024
Krüppelpassion oder vom Gehen
(Chemnitzer Trilogie, Teil 3)
Hardcover mit Fadenbindung, Schutzumschlag und Lesebändchen
240 Seiten
ISBN: 978-3-946392-34-7
Erscheinungstermin: 04. Oktober 2023
Verlag
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