BJÖRN HAYER: Winklers letzter Feldzug

In seinem Roman spürt Björn Hayer einer ethischen Grundfrage nach: Inwiefern ist es legitim oder illegitim, das vermeintlich Gute mittels Gewalt durchzusetzen? „Winklers letzter Feldzug“ erzählt davon, wie ein Mensch sukzessive von schwer erträglichem Unrecht überwältigt wird.

Karohemd und Seitenscheitel: Der ehemalige Lokaljournalist Winkler ist ein unauffälliger Durchschnittstyp. Bis er wenige Monate nach seinem Eintritt in den Ruhestand mit einer erschütternden Diagnose konfrontiert wird: Er ist unheilbar an Krebs erkrankt. Zunächst bleibt er trotz der knapper werdenden Lebenszeit noch seinen Alltagsroutinen verhaftet. Als er jedoch durch Straßenproteste mehr und mehr über die schrecklichen Daseinsbedingungen in der industrialisierten Landwirtschaft erfährt, schließt er sich der Tierrechtsbewegung an. Und radikalisiert sich immer mehr: Aus dem ruhigen Demokraten wird ein Gewalttäter, der nur noch im bewaffneten Feldzug die Möglichkeit sieht, das Leid der Tiere zu verhindern. Spannend und mitreißend erzählt, immer nah an der Gedankenwelt des Protagonisten, werden die Leser*innen mit in die gewalttätige Abwärtsspirale Winklers gerissen. Und dabei mit grundlegenden Fragen unserer Zeit konfrontiert.

Auch in der Form ein außergewöhnlicher Roman

Außergewöhnlich ist an diesem Roman nicht nur das Konzept, sondern auch die Form: Die Entstehung von Hass als zunehmende Bedrohung ist kein logischer oder gar linearer Prozess. Daher weist die Form des Textes bewusst Lücken auf. Typografisch finden sich Lücken in den Zeilen. Zudem enden Passagen bisweilen mit unvollständigen Sätzen oder gehen in geradezu filmische Reihungssequenzen von mechanisch anmutenden Vorgängen über. Im späteren Teil des Textes durchtrennen Punkte wie Sägeblätter die Sätze, wodurch assoziativ das Feld der Schlachtung aufgerufen wird. Diese Irritationsmomente machen die LeserInnen zum einen (im Brechtianischen Sinne) darauf aufmerksam, dass sie sich in einem Illusionsraum befinden, zum anderen dokumentieren sie, dass Wut und die durch sie ausgelösten Handlungen im Dunkeln ihren Ursprung haben und es keine einfachen Antworten auf diffizile Bewusstseinsgenesen gibt.

Essays zu Politik und Kultur von Björn Hayer

Der Roman ergänzt beziehungsweise bereichert die Reihe an „Essays gegen den Verwertungskapitalismus“ von Björn Hayer, die ebenfalls im Gans Verlag erscheint. Bereits im Frühjahr wurde der Essayband „Die neuen Schöpfer“ veröffentlicht, Texte, in denen sich der Autor unter anderem damit auseinandersetzt, wie die zeitgenössische Lyrik die Themen unserer Zeit aufgreift. Mit den politischen Essays „Jenseits der Menschlichkeit“ (Oktober 2024) dringt Björn Hayer genau in den Kern menschlicher Existenz vor: Mit seinen Betrachtungen lenkt er den Blick auf die drängenden Fragen unserer Zeit, die unser Mensch-Sein im Bezug auf unsere Umwelt prägen. Im Frühjahr 2025 folgt der Band „Die neue Ernsthaftigkeit“: Hayer betrachtet in diesen Essays, wie Literatur, Theater und Film auf die Herausforderungen unserer Zeit reagieren.


Stimmen zum Buch:

„Sein Roman ist nicht nur ein Plädoyer für die Rechte von Tieren, sondern auch eine spannend erzählte Geschichte mit Krimielementen und überraschendem Ausgang.“ – Kerstin Bachtler im SWR

„Diese moralische Abwärtsspirale, der eine Selbstheroisierung Winklers entspricht, wird linear erzählt und durch Passagen aus amtlichen Ermittlungen konterkariert; Hayers Prosa erhält durch bewusste Lücken im Text und einen teilweise stakkatohaften Stil einen eigenen Duktus.“ – Manfred Bosch, ekz

„Die Geschichte von Winkler, einem Mann, der in den Strudel der Tierrechtsbewegung gerät, ist mehr als nur eine Erzählung über Aktivismus. Es ist ein tiefgehender Blick auf persönliche Krisen, gesellschaftliche Herausforderungen und die Frage nach der moralischen Rechtfertigung von Gewalt. Dieses Buch ist gleichermaßen literarisch anspruchsvoll wie gesellschaftlich relevant.“ – Mediennerd.de

„Außergewöhnlich ist an diesem Roman nicht nur das Konzept, sondern auch die Form: Der Text hat eine unorthodoxe Ästhetik. Er arbeitet mit ungewöhnlichen typografischen Aspekten. Mitten in die Sätze werden Punkte gesetzt, Sätze werden förmlich zerschossen. Das ist formal eine Ästhetik der Gewalt. So wie Bolzenschussgeräte an Tieren angesetzt werden oder wie mit Waffen auf der Jagd operiert wird, so nutzt der Autor seine Sprache, in der sich Brutalität bemerkbar macht.“ – Michael Seehoff

Björn Hayer im Podcast „Buchplausch“


Björn Hayer: Winklers letzter Feldzug
Roman
Hardcover und Lesebändchen
180 Seiten | 18 x 13 cm
22,00 Euro
ISBN: 978-3-946392-48-4
Erscheinungstermin: Oktober 2024

Kontakt Verlag:
Gans Verlag
Ulrich Leinz
Katzlerstr. 13
10829 Berlin
Telefon: 0179 1305279
Mail: gansverlag@gansverlag.de
https://www.gansverlag.de/


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