RACHILDE: Nein, ich bin keine Feministin

„Nein, ich bin keine Feministin“: Der Titel dieses 1928 erschienenen Essays – im Original „Pourquoi je ne suis pas féministe“ – erscheint auf den ersten Blick in Zeiten, da Frauenrechte durch politische Extreme bedroht sind und „tradwifes“ Konjunktur haben, wie die reinste Provokation. Doch es lohnt sich genauer hinzuschauen auf diese Streitschrift der französischen Schriftstellerin Rachilde. Als „Rachildes Travestien“ umschreibt Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken in ihrem klugen Vorwort zur deutschen Erstausgabe dieses doppeldeutige Spiel, das Rachilde hier mit ihren Leserinnen und Lesern treibt. „Rachilde stellen wir uns am besten als einen weiblichen Dandy zu Zeiten der Décadence des Fin de siècle vor (…). Erleichtert aufzuseufzen, in ihr keine Feministin vor sich zu haben (…), sollte wohl nur sehr beschränkten Lesern in den Sinn kommen (….). Eher schaudert einem vor dieser Macht der Verkehrung, dieser Travestie aller Gewißheiten.“

Eines ist mit Sicherheit gewiss: Rachilde (1860 – 1953) führte auf jeden Fall ein emanzipiertes Leben. Marguerite Eymery, im Périgord geboren, geht, nachdem sie im Elternhaus vor die Wahl gestellt wird, „den Schleier zu nehmen“ oder zu heiraten, mit 21 Jahren nach Paris, um Schriftstellerin zu werden. Sie nimmt das Pseudonym Rachilde an, trägt Männerkleidung und lässt auf ihre Visitenkarte drucken: „Rachilde, Homme de Lettres“.

1884 wird sie mit dem Skandalroman „Monsieur Vénus“ berühmt. Mit ihrem Ehemann Alfred Vallette gibt sie den „Mercure de France“ heraus, zudem schreibt sie zahlreiche Literaturkritiken, journalistische Arbeiten und führt einen bekannten Salon. Bis zu ihrem Tod veröffentlicht sie rund 50 Romane.

Sepia-toned Porträt einer Frau, die in eleganter Kleidung mit einem Stuhl posiert, umgeben von handschriftlichem Text.
Rachilde, Stich (1899) von Désiré Quesnel (nach einer Fotografie von Otto Wegener, 1885).

„Pourquoi je ne suis pas féministe“ erschien 1928 in einer Buchreihe mit dem Titel „Leurs Raisons“ („Ihre Gründe“) mit Essays berühmter Franzosen zu politischen, sozialen und kulturellen Fragen. Rachilde greift die Erscheinungsformen des Feminismus ihrer Epoche provokant und humorvoll zugleich auf. An den Beispielen Erziehung, Bildung, Religion, Liebe und Mode analysiert sie das damalige Leben der Frauen und Schriftstellerinnen, der Femmes de lettres. Das alles geschieht nicht ohne Selbstironie. Und zeigt, beispielsweise an einer Diskussion mit einigen frauenbewegten Amerikanerinnen, wie der Feminismus ihrer Tage teilweise zur modischen Attitüde und zum Dogma wird. Insofern ist ihr Text auch heute noch, 100 Jahre nach seinem ersten Erscheinen, verblüffend aktuell. Wie unterschiedlich er schon zu seiner Zeit aufgenommen wurde, verdeutlichen zwei Rezensionen aus dem Jahr 1928, die anstelle eines Nachworts im Buch enthalten sind.

„Pourquoi je ne suis pas féministe“ erscheint in deutscher Erstübersetzung durch Alexandra Beilharz am 16. September im Flur Verlag (Heidelberg).


Stimmen zum Buch:

„Rachilde war in der Tat keine Frau der Ismen.“ – Sonja Asal in der FAZ (30.11.2024)

Barbara Vinken im Interview beim Büchermarkt (Deutschlandfunk) zu „Nein, ich bin keine Feministin“

„Alexandra Beilharz gelingt es großartig, Rachildes erfrischend provokativen Ton einzufangen und ihr eine überzeugende deutsche Stimme zu geben. Spannend ist auch das Vorwort von Barbara Vinken, in dem sie anschaulich „Rachildes Travestien“ und den doppelten Boden ihres Schreibens erläutert.“ – Theresa Benkert bei den Bücherfrauen

Manuela Reichart äußert sich überaus positiv über dieses „verrückte“ Buch bei radio 3 rbb: Das Spannende daran sei, dass sich Rachilde nicht eindeutig festlegen lasse, nie angepasst sei und daher zum Nachdenken anrege. Zudem sei der Essay in etlichen Punkten „unglaublich aktuell und modern“.

„Nein, sie ist keine Feministin, wenn dies bedeutet, eine Feministinnen-Uniform tragen zu müssen. Aber sie ist eine großartige Rhetorikerin, Ironikerin – eine Frau, die ‚Satire‘ noch von ‚Satyr‘ ableitet.“ – Paul Hübscher, litteratur.ch

„In einer Zeit, in der die Diskussion um Geschlechterrollen oft polarisiert ist, bietet dieses Essay einen nuancierten Blick auf den Feminismus, der sowohl historische als auch gegenwärtige Aspekte umfasst.“ – Mediennerd.de

„Wer also etwas inneren Disput mit einem Büchlein und einer längst verstorbenen Autorin sucht, sollte zu diesem Buch greifen. Es lohnt sich!“ – Laila Riedmiller

„Diese gut 130 Seiten haben es in sich. Vor allem ein großes Lesevergnügen.“ – Walter Delabar, literaturkritik.de

„Als Lektüre und erst recht als Quelle dient dieser Text denjenigen, die das Genderfluide im literaturwissenschaftlichen Raum suchen, mehr als jenen, die etwas über Feminismus erfahren wollen.“ – Kerstin Pistorius, Atalantes Historien

„Die Autorin, die zu Beginn ihrer Karriere Männerkleidung trug und in ihrem Salon u. a. Apollinaire, Gide, Huysmans, Mallarmé, Verlaine und Wilde empfing, geht darin nicht ohne doppelte Böden und Selbstironie mit Moden und Dogmen des Feminismus ihrer Zeit ins Gericht.“ – Christian Kaiser, Stadtkind Hannover

„Ein literarischer Schatz, der endlich auch in Deutsch zu lesen ist. Klare Empfehlung!“
Elisabeth Jockers im „Kultur Joker“


Bibliographische Angaben:

Rachilde
Nein, ich bin keine Feministin

Aus dem Französischen von Alexandra Beilharz
Mit einem Vorwort von Barbara Vinken
Klappenbroschur, 136 Seiten 18,00 Euro (D); 18,40 Euro (A)
ISBN 978-3-98965-201-9
ET: 16. September 2024


Kontakt zum Verlag:

Flur Verlag
Dr. Alexandra Beilharz
Klingelhüttenweg 3 b
69118 Heidelberg
Telefon: +49 (0)6221-752 21 81
Mail: info@flurverlag.de
www.flurverlag.de


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