Krawatte, Dienstgrad, Feierabendbier: Es könnte immer so weiter gehen. Doch Erwin, Mittfünfziger, Familienvater, bricht aus. Einst ein Freigeist, stürzt er sich nach Jahrzehnten wieder in ein wildes, ungebundenes Abenteuerleben. Er taucht unter, flieht in die Natur, gilt bald als vermisst. „Findet mich“ zeichnet das Psychogramm eines Mannes, dem letztlich eine Psychose diagnostiziert wird und dessen Familie ihn nicht mehr wiedererkennt.
Doris Wirth erzählt diese Geschichte als Langzeitporträt, das wechselnde Perspektiven einnimmt; sie blendet zurück in die Vergangenheit von Erwins Ehe, in die sozialen Umstände der Familiengründung und die Reaktionen der in diesen Verhältnissen aufwachsenden Kinder. „Findet mich“ ist ein packendes Romandebüt, das nach den Auswirkungen der Selbstdefinition über Leistung und Arbeit fragt und Zwänge und Begrenzungen in unserer Gesellschaft aufzeigt.
Virtuos werden dabei Roadmovie und Familienroman zu einer mit Tempo erzählten Geschichte verwoben und ein schmerzhaft scharfer Blick auf Themen geworfen, die uns alle angehen – und allzu gerne ausgeblendet werden. „Findet mich“ ist ein starker Roman über die Folgen innerfamiliärer verbaler Gewalt und zeigt den schmalen Grat zwischen Normalität und psychischer Erkrankung auf.
Stimmen zum Buch:
„Doris Wirths gelungener Familienroman ist für den Deutschen Buchpreis nominiert. Mit klarer Sprache beschreibt die Autorin Vergangenheit und Gegenwart im Präsens. Denn nichts ist wirklich vergangen, alles hat Gewicht.“ – Rainer Moritz in der NZZ
„Doris Wirths Debütroman liest sich spannend, beschreibt präzis und vielschichtig die zeitgeschichtlichen Veränderungen einer Familie.“ – Hansruedi Kugler, Tagblatt
„Ein Familienvater taucht unter und löst damit nicht nur die von ihm beabsichtigte Schnitzeljagd aus: In ihrem Romandebüt «Findet mich» überzeugt Doris Wirth mit einem Gespür für das Unsagbare und ergründet gekonnt in Form eines Familienporträts die Unberechenbarkeiten einer psychischen Erkrankung.“ – Angela Gamma, Schweizer Buchjahr
„Geschickt lässt Doris Wirth ihre Leser:innen immer wieder in die Irre gehen, wenn diese einen „normalen“ Familienroman erwarten. Langsam kristallisiert sich heraus, dass hier auf ganz kunstvolle Art über eine psychische Erkrankung geschrieben wird. Davon, was sie für den Erkrankten, aber auch für seine Familie bedeutet. Das ist, wie gesagt, überraschend, klug und sehr gut geschrieben. Den Platz auf der Longlist des Deutschen Buchpreises hat Doris Wirth mit Findet mich wahrlich verdient.“ – Petra Reich, Literaturreich
„In seiner Naturmysteriösität erinnert Wirths Sprache der lakonischen Jelineks. Die Distanz zum Geschehen erscheint sehr groß. Nur eine solche erlaubt diese multiperspektivischen, zeitübergreifenden Wechsel, die dennoch von weit oben herab ins Detail und in die Situation stoßen, ja, auch das Körperliche, Ordinäre nicht scheuen, unverwandt die Dinge benennen, bei aller Scham, Problematik, Angst und Scheu. Die Sprache selbst soll aufgeschüttelt, aufgerüttelt werden, und hier ergänzt die Kurzwortsatztechnik den Inhalt auf selten intensive Weise.“ – Alexander Carmele bei Kommunikatives Lesen
„„Findet mich“ ist ein sehr unaufgeregter Roman, in dem es dennoch brodelt, in dem eine Familie an ihre Grenzen gebracht wird. Doris Wirth findet einen sehr passenden Ton, der dazu beiträgt, dass man einerseits tief hineingezogen wird in die Geschichte, andererseits immer auch von außen hinaufschaut auf diese Familie.“ – Ines Daniels bei Letteratura
„Findet mich ist ein sehr gelungenes Porträt einer verwundeten Familie, deren Welt aus den Fugen geraten ist und die sich nichts sehnlicher wünscht, als dass alles wieder «normal» wird. Eine lohnenswerte Spätsommerlektüre, die uns schmerzlich daran erinnert, dass das Leben fragil ist.“ – Ladina Caduff bei viceversa literatur
„Doris Wirth hat eine spannende Familienchronik geschrieben. Welchen Einfluss haben die Folgen elterlicher Erwartungshaltung gegenüber ihren Kindern in deren Zukunft? Wie sehr prägt uns unser Umfeld und die Gesellschaft, in der wir leben? In wechselnden Perspektiven und auf zwei zeitlichen Ebenen setzt die Autorin den Fokus auf patriarchale Strukturen und mentale Gesundheit.“ – Books.and.Twins
„Die Sprache ist nüchtern und doch bildgewaltig. Alle Charaktere sind auf der Flucht oder auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft.“ – Jens T. Hake
„Dass Erwin wahnsinnig wird, dass er und die Familie mit seinem Wahn werden leben lernen müssen, ist der Geschichte, die Doris Wirth in ihrem Debütroman erzählt, wirklich nicht von Anfang an vor- oder eingeschrieben. Und das ist das Gute daran. Doch ob der Normalität durchzudrehen und ihr die eigenen Regeln entgegenzuhalten, ist auch nicht ganz so abwegig. Denn das Familienbild zu erfüllen, wie es die Normalität verlangt, das kann schon verrückt machen.“ – Susanne Leuenberger, Berner Kulturagenda
„Wie die Autorin all das erzählt, ist schon außergewöhnlich, es zeugt von großer Menschenkenntnis und von Verständnis für diese Art der Erkrankung. Für Außenstehende ist solch eine manische Phase, die vermutlich hier zur Psychose mutiert ist, schwer zu begreifen. Doch durch diese Geschichte wird es uns nah gebracht, vielleicht auch wieder ein weiterer kleiner Schritt zur Wahrnehmung und zum Verständnis psychischer Erkrankungen in unserer Gesellschaft gemacht. Und all das in einem Debütroman. Große Empfehlung!“ – literaturleuchtet
„Der Familienroman, er ist nicht neu, nein. Aber man kann daran grossartig scheitern. Doris Wirth scheitert nicht, weil sie sich traut, dem Gewöhnlichen Gewicht zu geben. Von der Normalität in einer feinen Sprache detailreich zu erzählen, auch ohne dass es zerfleddert, ist so viel schwieriger, als das Spektakuläre auszustellen. Doris Wirth zeigt aber, es ist möglich.“ – Nora Zukker, Tages-Anzeiger
„Erwin hatte einen strengen Vater, er selbst will ein anderer Vater sein für seine zwei Kinder. Sein Erfindergeist trägt ihn über manche kritische Situation hinweg, doch der Jähzorn ist ein schwelendes Feuer, das er in sich trägt oder ein schlafender Vulkan, der sich ab und an Bahn brechen muss. Die Mutter gleicht aus, doch das genügt nicht. Plötzlich genügt er sich selbst nicht mehr, er gerät in einen Zustand, den man mit «Psychose» beschreiben kann. Und die Beschreibungen sind nicht zimperlich.“ – Ruth Loosli, Coucou Kulturmagazin
„Es stellt sich vermehrt die Frage nach den Ursachen für diese psychische Erkrankung. Gesellschaftlicher Druck? Arbeit? Leistungserwartung? Oder einfach von Haus aus ein paar Synapsen zu locker?
Virtuos leitet uns die Autorin durch diese Fragen, packt sie sehr geschickt in die Familiengeschichte ein und verwebt sie zu einem spannenden, äußerst gut und angenehm zu lesenden Roman. Ganz große Leseempfehlung.“ – Marco Lombardi
„Lassen wir uns mitreißen von diesem ganz besonderen Roman, der behutsam und keineswegs reißerisch geschrieben ist, hineinziehen in diese konservative Welt, in den Wahn des Protagonisten, denn er wühlt auf und erinnert gleichzeitig schal an die Lebensverhältnisse aus den Sechzigerjahren.“ – Verena Lüthje bei „Perlen der Literatur“
„Die klare, prägnante Sprache und die psychologische Tiefe, mit der Wirth ihre Charaktere beleuchtet, machen „Findet mich“ zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis.“ – Magazin zuckerkick
„In kräftiger Sprache treibt sie die Beziehungen rund um die Hauptfigur voran. Den Lesenden bleibt durch die Eindeutigkeit der Schilderungen viel Raum, sich in Beziehungen einzudenken und zu reflektieren. – Empfohlen.“ – Rolf Pitsch für den Borromäusverein
„Ich fand diesen Roman unglaublich gut. Unaufgeregt und leicht und dann im nächsten Moment ergreifend und irgendwie verstörend. Doris Wirth erzählt eine Geschichte, die exemplarisch für die Leben unserer Eltern und Großeltern steht – und doch ein ganz anderes Ende nimmt. Ganz toll und von mir eine ganz große Leseempfehlung.“ – Kerstin Elferink, Buch im Koffer
„Was für ein Roman! Einer, der für mich einen Platz auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises sowas von verdient hätte. Auf leisen Sohlen hat er sich in mein Leseherz geschlichen. Nach Markus Thielemann, dem ich noch immer für die Preisverleihung die Daumen drücke, ist diese Geschichte hier mein Sieger der Herzen! Dieses Lesejahr geht gerade in sein letztes Viertel und da muss noch richtig was passieren, damit dieser Titel auf meiner inneren Bestenliste nicht auf einem der vordersten Plätze landet.“ – Petra Kuhn, Petras Bücherapotheke
„Das besondere an Wirths Roman ist die Erzähltechnik, mit der sie die Perspektiven aller ihrer Protagonist:innen einnimmt und zu einem vielfältigen Gesamtbild zusammenfügt. Immer wieder präsentiert sie eine andere Erzählperspektive.“ – Britta Röder, booknerds
„Es ist das Spiel seines Lebens: „Findet mich“.
Erwins Irrfahrt, und die Erzählungen aus der Vergangenheit sind ineinander verwoben. Das Präsens des Romans ist der Kniff, der die Wirkkraft dessen, was lange zurückliegt, eindrucksvoll zur Geltung kommen lässt. Nichts ist wirklich vergangen, alles hat Gewicht.“ – Michael M. Seehoff
„Psychogram und Roadmovie passen, das beweist Doris Wirth, hier wieder einmal gut zusammen. Schauplätze werden hier ebenso plastisch beschrieben wie Gefühlswelten, ohne ins Klischeehafte abzugleiten.“ – Nick Hillmann, findos bücher
Zur Autorin:

Doris Wirth, geboren 1981 in der Schweiz, studierte Germanistik, Filmwissenschaft und Philosophie an der Universität Zürich und an der Humboldt Universität zu Berlin. 2013 erschien der Erzählband „Ausgekippt im All“ (Edition Thaleia), 2016 die Erzählung „Kinderspiele“ (SuKuLTuR). Für ihre Prosa wurde Doris Wirth mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit einem Werkjahr des Kantons Zürich und einem halben Werkjahr der Stadt Zürich, als Stadtschreiberin in Rottweil und als Stipendiatin der GEDOK-Stiftung in Lübeck. „Findet mich“ ist ihr Romandebüt. Mit ihrer Familie lebt sie in Berlin.
Bild: Yousif Al-Chalabi
Zum Buch:

Doris Wirth
Findet mich
Roman
Geparden Verlag, Zürich
Leinen mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 21 × 12.7 cm
€ 30.–| CHF 32.–
ISBN 978-3-907406-11-3
Kontakt Verlag:
Geparden Verlag GmbH
Uetlibergstrasse 129
CH-8045 Zürich
gepardenverlag@gmail.com
https://www.gepardenverlag.ch/
