Paul Auster und die Geschichte seiner Schreibmaschine

Bild von laszlo zakarias auf Pixabay

„Also blieb ich bei meiner Schreibmaschine, und die achtziger Jahre gingen in die neunziger über. Einer nach dem anderen stiegen meine Freunde auf Mac oder IBM um. Allmählich kam ich mir vor wie ein Fortschrittsfeind, der letzte heidnische Posten in einer Welt voller digitalen Konvertiten. (…) Bis dahin hatte ich mich meiner Schreibmaschine nicht sonderlich zugetan gefühlt. Sie war einfach ein Werkzeug, das mir erlaubte, meine Arbeit zu tun; aber jetzt, da sie zu einer gefährdeten Spezies geworden war, zu einer der letzten überlebenden Gerätschaften des Homo scriptorus des 20. Jahrhunderts, begann ich eine gewisse Zuneigung zu ihr zu empfinden.“

1974 ersteht Paul Auster von einem Freund für 40 Dollar eine Olympia-Reiseschreibmaschine, „hergestellt in Westdeutschland. Dieses Land gibt es nicht mehr, aber seit jenem Tag im Jahr 1974 ist jedes Wort, das ich geschrieben habe, auf dieser Maschine getippt worden“. Der Olypmia blieb Paul Auster bis zu seinem Tod treu. Er hatte vorsorglich 50 Farbbänder auf Vorrat angeschafft. Technisch unbegabt, scheute der Schriftsteller die Anschaffung eines Computers. Das allein war jedoch nicht der Grund für die immer intensiver gewordene „Beziehung“ zu seinem Schreibgerät: „Ich hatte nie die Absicht, meine Schreibmaschine zu einer Heldin zu machen. Das ist das Werk von Sam Messer, einem Mann, der eines Tages in mein Haus kam und sich in die Maschine verliebte.“

Der New Yorker Künstler begann „Portraits“ der Olympia zu malen, manchmal durfte auch Paul Auster mit ins Bild. Und so ist „Die Geschichte meiner Schreibmaschine“ vor allem eine bildhafte, schöne Liebeserklärung an diesen Gegenstand, der immer mehr aus unserem Alltag verschwindet.

Paul Auster (1947–2024) zählte zu den bedeutendsten und einflussreichsten Stimmen der zeitgenössischen amerikanischen Literatur. Geboren in Newark, New Jersey, zog es ihn nach dem Studium an der Columbia University und prägenden Jahren in Paris dauerhaft nach Brooklyn, New York. Dieser Stadtteil wurde nicht nur seine Heimat, sondern auch die atmosphärische Kulisse für viele seiner Romane.

Der internationale Durchbruch gelang ihm Mitte der 1980er-Jahre mit seiner berühmten „New York-Trilogie“ (bestehend aus Stadt aus Glas, Schlösser aus Gips und Hinter verschlossenen Türen). Austers postmoderne Romane, darunter Bestseller wie „Moon Palace“, „Leviathan“ oder sein monumentales Spätwerk „4 3 2 1“, zeichnen sich durch ein wiederkehrendes Spiel mit den Themen Zufall, Identität, Schicksal und das Schreiben selbst aus. Dass er eben jene weltberühmten, komplexen Meisterwerke Zeile für Zeile auf seiner treuen Olympia-Schreibmaschine tippte, verleiht dem schmalen Band „Die Geschichte meiner Schreibmaschine“ eine ganz besondere Bedeutung.