In der Kurzinterview-Reihe „Drei Fragen zum Buch“ gibt es einen schnellen, inspirierenden Blick hinter die Kulissen von aktuellen Neuerscheinungen. Autorinnen und Autoren, Verleger*innen, Übersetzer*innen und andere erzählen von ihrer Motivation, dem Entstehungsprozess der Werke und den Geschichten „hinter dem Buch“.
Diesmal antwortet auf die drei Fragen zum Buch: Veronika Siska, Verlegerin und Übersetzerin, die in ihrem Allee Verlag eine Werkausgabe zu Michal Ajvaz herausbringt. Ganz frisch erschienen ist ein Doppelband: „Die Rückkehr des alten Waran (Erzählungen)/Mord im Hotel Intercontinental (Lyrik)“.

Service für Medien & Blogs:
Die Antworten aus diesem Interview dürfen von Journalist*innen, Redaktionen und Literaturblogger*innen für die eigene Berichterstattung – auch auszugsweise – unter Nennung der Quelle frei verwendet werden.
Pressematerialien zum Download:
- 📄 Pressemitteilung (PDF) & Bildmaterial & Cover
- Download mit Material zu den bisher erschienenen Ajvaz-Titel im Allee Verlag (zip-Datei, 4,4 MB)
- ✉️ Rezensionsexemplar anfordern
Frage:
Frau Siska, Sie haben 2024 den Allee Verlag gegründet, um Stimmen aus Europa zu verlegen, die im deutschsprachigen Raum unterrepräsentiert sind. Nun erscheint im September 2026 der neue Band von Michal Ajvaz bei Ihnen. Warum ist ausgerechnet dieses Frühwerk der ideale Einstieg in die Gedankenwelt des tschechischen Kultautors?
Veronika Siska:
Das Buch vereint das Lyrik- und das Prosadebüt von Michal Ajvaz aus den Jahren 1989 und 1991. Es ist imaginationsstark, eigenwillig und voller Anspielungen, die uns direkt in ein Labyrinth des Phantastischen entführen. Man spürt hier bereits den „feinen Keim des Wahnsinns“ und lernt, die Sprache der ajvazschen surrealen Welt zu verstehen. Wer Ajvaz‘ literarisches Gesamtwerk begreifen möchte, findet in diesem Band den perfekten Ausgangspunkt.
Frage:
Im Buch begegnen wir sehr skurrilen Bildern – wie einem literaturkundigen Känguru, das mitten im Schanzensprung den Autor, der neben ihm fliegt, verreißt. Wie fordernd war es für Sie als Übersetzerin, diesen „leisen Wellenschlag der Sprache“ und die surrealen Welten aus dem Tschechischen ins Deutsche zu übertragen?
Veronika Siska:
Neben den langen, komplexen Sätzen waren tatsächlich die surrealistischen Passagen das Schwierigste an der Übersetzung. Die Herausforderung lag vor allem darin zu ergründen, was diese Bilder eigentlich bedeuten sollen: Bezieht sich eine Szene auf etwas Bestimmtes, steckt eine tiefere Metapher dahinter oder steht sie einfach zusammenhanglos im Raum? Ob nun das Känguru, ein Waran oder ein Quastenflosser – man muss im Deutschen die feine Balance zwischen philosophischer Tiefe und phantastischer Absurdität wahren, ohne der Szene vorschnell einen Sinn aufzuzwingen, den das tschechische Original bewusst im Schwebezustand lässt.
Frage:
Michal Ajvaz lebte während des kommunistischen Regimes in „innerer Emigration“ und konnte erst spät als freier Autor arbeiten. Inwiefern spiegelt dieser Band auch den Wunsch wider, vermeintliche Ränder ins Zentrum zu rücken – ein Anliegen, das Ihnen mit Ihrem Verlag besonders am Herzen liegt?
Veronika Siska:
Absolut. Der Allee Verlag steht für Bücher, die kulturelle Vielfalt erfahrbar machen und literarische Grenzen ausloten. Ajvaz bringt eine ganz eigene, mitteleuropäische Perspektive mit: aus dem Herzen Europas, auch wenn dieser Raum im deutschsprachigen Diskurs leider immer noch oft als peripher wahrgenommen wird. Diesen Autor zu verlegen bedeutet, diese vermeintlichen Ränder der Wahrnehmung aufzubrechen und ins Zentrum zu rücken und zu zeigen, wie modern und grenzenlos Phantastik sein kann.
Mehr aus dem Allee Verlag
MICHAL AJVAZ:
Die Rückkehr des alten Waran (Erzählungen)
Mord im Hotel Intercontinental (Lyrik)
Mit dem Doppelband „Die Rückkehr des alten Waran“ und „Mord im Hotel Intercontinental“ macht der Allee Verlag nun auch das Frühwerk des tschechischen Kultautors Michal Ajvaz zugänglich.
MICHAL AJVAZ: Passagen unter Glas
Nach dem großen Erfolg der deutschen Erstübersetzung von „Die andere Stadt“ bringt der Allee Verlag München nun mit „Passagen unter Glas“ den jüngsten Roman von Michal Ajvaz, der 2024 auf Tschechisch erschienen ist, heraus. Erneut von Verlegerin Veronika Siksa übersetzt, ist dies der zweite Roman aus Michal Ajvaz’ Gesamtwerk im Allee Verlag.
LUKÁŠ CABALA: Denkst du noch an Trenčín?
„Denkst du noch an Trenčín?“ von Lukáš Cabala ist eine Hommage an Trenčín – zwischen Erinnerung, Identität und Imagination. Die slowakische Stadt Trenčín ist 2026 Kulturhauptstadt Europas. Stefanie Bose, die Übersetzerin des Romans, wird Mai – September 2026 Stadtschreiberin von Trenčín sein.

