In der Kurzinterview-Reihe „Drei Fragen zum Buch“ gibt es einen schnellen, inspirierenden Blick hinter die Kulissen von aktuellen Neuerscheinungen. Autorinnen und Autoren, Verleger*innen, Übersetzer*innen und andere erzählen von ihrer Motivation, dem Entstehungsprozess der Werke und den Geschichten „hinter dem Buch“.
Mit „Prag 1989 – Tagebuch einer Siebzehnjährigen“ veröffentlichte die tschechische Autorin Magdaléna Platzová ein außergewöhnliches literarisches Zeugnis des Erwachsenwerdens. Erschienen im BALAENA Verlag, greift der Jugendroman weit über eine rein historische Chronik hinaus. Er besticht vor allem durch seinen hohen literarischen Wert und die feine, autofiktionale Verwebung von persönlicher Identitätssuche und politischem Umbruch. Nachdem bereits Platzovás Roman Leben nach Kafka das Feuilleton begeisterte, gewährt dieses frühe Tagebuch auch einen Einblick in die literarische Entwicklung der Schriftstellerin. In unserer Reihe „Drei Fragen an…“ spricht Verlegerin Heike Birke über die Entdeckung des Werks, den poetischen Ton der Übersetzung von Kathrin Janka und die zeitlose Relevanz dieses Buchs.
Diesmal antwortet auf die drei Fragen zum Buch: Heike Birke, die mit Heinz Granvogel den BALAENA Verlag betreibt: Ein kleiner, unabhängiger Verlag, der schon seit Jahren einen Schwerpunkt in der tschechischen Literatur hat. Ganz neu erschienen ist „Prag 1989. Tagebuch einer Siebzehnjährigen“ von Magdaléna Platzová.


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Zum Buch „Prag 1989“ im BALAENA Verlag
Frage:
Nach dem großen Erfolg von „Leben nach Kafka“, das unter anderem als eines von „Bayerns besten Independent Büchern“ ausgezeichnet wurde, veröffentlichen Sie nun das neue Werk von Magdaléna Platzová. Was hat Sie dazu bewogen, dieses autofiktionale Tagebuch nach Deutschland zu bringen?
Heike Birke:
Die Zusammenarbeit mit Magdaléna Platzová und ihrer Übersetzerin Kathrin Janka ist für unseren Verlag ein großer Glücksfall. Nach der literarischen Spurensuche rund um Franz Kafka zeigt sich Platzová in „Prag 1989“ von einer ganz anderen, sehr persönlichen Seite. Dieses Buch füllt eine wichtige Lücke: Es schildert die Samtene Revolution nicht abstrakt-historisch, sondern hautnah aus der Perspektive einer Siebzehnjährigen. Uns hat die emotionale Unmittelbarkeit fasziniert, mit der die damalige Atmosphäre zwischen Underground-Konzerten, Zukunftsangst und dem plötzlichen politischen Umbruch eingefangen wird.
Frage:
Das Buch wird als Lehrstück über die Mechanismen totalitärer Systeme und den Wert der Freiheit beschrieben. Warum ist diese historische Rückblende gerade in der heutigen europäischen Landschaft so relevant für Ihr Programm?
Heike Birke:
Freiheit und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeiten. Das sehen wir in Europa heute deutlicher denn je. Das Tagebuch führt uns vor Augen, dass es oft den persönlichen Mut einzelner Menschen – und gerade der jungen Generation – erfordert, diese Werte zu erringen und zu verteidigen. Es zeigt sensibel, wie sich ein totalitäres System anfühlt, wie es Perspektiven einschränkt und wie wichtig kreativer Protest ist. Für BALAENA ist es ein Anliegen, Literatur zu verlegen, die zum Nachdenken anregt und Brücken in die Gegenwart schlägt.
Frage:
Die Altersempfehlung liegt bei 16 Jahren, gleichzeitig richtet sich das Buch an Menschen, die den Fall des Eisernen Vorhangs noch selbst miterlebt haben. Wie sprechen Sie diese unterschiedlichen Generationen an?
Heike Birke:
Das ist das Schöne an einer starken Coming-of-Age-Geschichte: Sie funktioniert auf mehreren Ebenen. Jugendliche ab 16 Jahren finden in Magdaléna eine Gleichaltrige, die dieselben Träume von der großen Liebe oder einer Karriere als Schauspielerin teilt wie sie selbst – nur unter völlig anderen politischen Bedingungen. Ältere Leserinnen und Leser wiederum erleben eine literarische Zeitreise in eine Epoche, in der nach dem Kalten Krieg plötzlich alles möglich schien. Wir verbinden diese Welten, indem wir das Buch sowohl für den Schul- und Jugendbereich als auch für die klassische europäische Belletristik positionieren.
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