Lyrikpreis München 2024: Technik trifft Poesie

Die politische und gesellschaftliche Dominanz von Tech-Giganten, die Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz, der rasante Einzug neuer Techniken in unseren Alltag: Die Welt erlebt eine Umwandlung von ungeahntem Ausmaß. Welche Rolle kann die Poesie in diesem technikgetriebenen Prozess der Verdichtung, Beschleunigung und Neubestimmung spielen? Diese Frage stellte der Lyrikpreis München 2024: „Die eine rettet die Welt, die andere bewegt sie – was haben Poesie und Technik sich heute zu sagen?“

Überraschende inhaltliche Ansätze bei großer formaler Vielfalt boten die 810 Einsendungen zum Wettbewerb, die jedoch eines eint: „In der Poesie ist der Autor, auch wenn er als Elementarteilchen-, also Wort- und Sprach-Ingenieur auftritt, notwendig Teil des Experiments und ist sich dessen auch bewusst“, so das Verlegerpaar Elke und Harald Albrecht im Vorwort zur Anthologie Lyrikpreis München 2024, die am 3. Dezember im APHAIA Verlag erscheint.

Der Verlag richtet den Lyrikpreis München gemeinsam mit dem renommierten Signaturen Magazin aus. Mit 810 Einsendungen war der Rücklauf zur diesjährigen Ausschreibung so hoch wie nie. Aus dieser Fülle präsentiert die Anthologie neben dem Gedichtzyklus „Sieben Stufen Nacht“ von Hauptpreisträger Steffen Popp auch die Beiträge dreier junger Autorinnen und Autoren unter 25 Jahren (Annabelle Benz, Laszlo von Borries und Paula Schloter), die mit dem erstmals ausgeschriebenen Lyrikpreis München 2024 – Junge Lyrik ausgezeichnet wurden, sowie weitere 28 Beiträge von der Shortlist.

Die ungewöhnliche Bandbreite der Gedichte reicht von der Hoffnung, in der Poesie „die Erlösung zu finden“ über die „willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit“ bis zur These: „Gedichte lieben die Quantenmechanik“. Die Beiträge bieten Dialoge mit ChatGTP und „gebrauchsanweisung für methaphern“. Und sie zeugen sowohl von einer kritischen Auseinandersetzung mit technischen Entwicklungen als auch vom Willen, sich diese nutzbar zu machen.

Signaturen-Herausgeber Kristian Kühn betont in seiner Einleitung zur Anthologie: „Das Anliegen, einen neuen Vertrag zwischen Poesie und Technik zu schmieden, geht derzeit ganz und in voller Breite von der Technik aus, sie will sich das Poetisieren durch modifizierte Algorithmen vereinnahmen und die perfekte Maschine entwickeln (…).“ Doch dem stehe „die Renitenz des Menschen“ gegenüber.

Beispielhaft für den Dialog zwischen Poesie und Technik steht der Gedichtzyklus „Sieben Stufen Nacht“ von Steffen Popp, mit dem der Lyriker das traditionelle Verhältnis der beiden Welten sowohl sprachlich als auch inhaltlich reflektiert. Dem Zyklus beigefügt ist eine kluge, umfassende Rezension des Preisgedichtes von Ulrich Schäfer-Newiger.


Stimmen zum Buch:

„Geradezu renitent stellen sich Dichterinnen und Dichter der Verflachung der Welt entgegen. Was für eine Erleichterung. Sehr lesenswert.“ – Mareike Ilsemann, WDR 5, „Bücher“

„Die Laudatio des Siegers Steffen Popp durch Ulrich Schäfer Newiger, die am Ende des Buchs angehängt wurde, ist nicht nur ein schönes Beispiel literaturkritischer Lyrikanalyse. Sie weist auch – mindestens teilweise – darauf hin, dass die Auseinandersetzung mit dem Themenkreis Poesie und Technik nicht ganz so neu ist, wie es den Anschein macht. Das Fragmentarische vieler Gedichte – so auch jener des Siegers – findet Schäfer Newiger (nicht zu Unrecht!) wieder bei den Jenaer Romantikern, allen voran Friedrich Schlegel, der auch schon den Vergleich der Dichtung mit der Chemie ins (poetologische) Spiel brachte.“ – Paul Hübscher, litteratur.ch

Der ORF widmet der Anthologie und ihrem Thema die einstündige Sendung „Sound Art Lyrik heute“: „Während der Philosoph Hans Blumenberg eine „Sprachnot der Technizität“ feststellte, versucht die Technik heute mittels Algorithmen-gesteuerter KI die Dichtung zu vereinnahmen. Ein weites Feld also für eine notwendige Auseinandersetzung zwischen Poesie und Technik – notwendig, weil unsere Wirklichkeit von Technizität durchwirkt ist, welche von der Dichtung nicht mehr ausgesperrt werden kann, sich andererseits aber deren sprachliche Repräsentanzen schwer ins dichterische Sprechen integrieren lassen. Steffen Popp lässt sie kollidieren, ganz ohne Metaphorik.“


Bibliographische Angaben:

Lyrikpreis München 2024
Gedicht-Anthologie
APHAIA Verlag München, Dezember 2024
Hardcover, 228 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 978-3-946574-38-5

Kontakt Verlag:
APHAIA Verlag GmbH
Franz-Wolter Straße 2
D – 81925 München
info@aphaia-verlag.de


Weitere Informationen & Downloads:

*Ein Beitrag im Rahmen meiner PR-Arbeit für den APHAIA Verlag