Streitbar und umstritten: Wohl kaum ein deutscher Schriftsteller hat in den vergangenen Jahrzehnten so sehr die Gemüter erregt wie der 2023 verstorbene Martin Walser. Er verurteilte und suchte die öffentliche Meinungsmaschinerie gleichermaßen – und hatte dabei doch eigentlich vor allem einen vordringlichen Wunsch: Statt Streit zu suchen, das Schöne hervorzuheben, die „Kunst der Zustimmung“ zu pflegen. So ist ein jüngst in der Edition Isele erschienener Band betitelt, der Texte von Literaturkritiker und Schriftsteller Jörg Magenau über den Mann vom Bodensee bündelt.
Martin Walser ist der Autor, den Jörg Magenau fast sein ganzes Leben lang begleitet hat: Schon als Schüler in Ludwigsburg stieß er auf ihn, später moderierte er seine Lesungen, schrieb Kritiken und Essays über Walser für das Feuilleton, besuchte ihn in Wasserburg und begleitete ihn auf vielen Lesetouren. Über niemanden sonst hat Jörg Magenau öfter geschrieben als über Martin Walser. Der vorliegende Band „Die Kunst der Zustimmung. Fast alles über Martin Walser“ versammelt Texte aus mehr als dreißig Jahren. Auch wenn sie nur das letzte Drittel des langen Lebens von Walser umfassen, ermöglichen sie in der Summe doch einen Einblick in die Person Walser, vielleicht als Gegenstück und Ergänzung zur Biografie, die Jörg Magenau über seinen Kollegen 2005 im Rowohlt Verlag veröffentlichte.
Der Band umfasst die zahlreichen Rezensionen zu Walsers Büchern, die Magenau für verschiedene Feuilletons verfasste, ebenso wie zwei ausführliche Interviews und drei umfangreiche Essays, die einen vertieften Einblick in Denken und Wirken Walsers bieten und für den vorliegenden Band überarbeitet und erweitert wurden.
Verlag arbeitete ab 1984 mit Martin Walser zusammen
Noch länger als Jörg Magenau wurde Martin Walser im Übrigen von Verleger Klaus Isele begleitet. In seinem 1984 im badischen Eggingen gegründeten Verlag, der „Edition Isele“, war Walser fast von Beginn an auch eine Art Hausautor. Die Zusammenarbeit begann 1988, es erschienen in den darauffolgenden Jahrzehnten beinahe jährlich eine Publikation von Martin Walser, darunter Hörbücher, bibliophile Sonderausgaben sowie als absolutes Novum ein Band mit Zeichnungen und Gedichten des Autors.
2025 gibt es in der „Edition Isele“ sogar eine „Walser-Trilogie“: Neben „Die Kunst der Zustimmung“ wurden neu und überarbeitet aufgelegt zwei schmale, sehr besondere Bände:
In „Das Hundemögliche oder Die Entstehung der Zukunft“ reflektiert Walser über das Verhältnis von Mensch und Hund und erzählt liebevoll von seinen eigenen Vierbeinern, meist Appenzeller. Der Band wird bereichert durch Fotografien von Isolde Ohlbaum und ein Nachwort von Peter Blickle.
„Die Stadt der Städte. Leipzig -Lesestadt Nummer 1“ ist nicht nur ein Loblied Walsers auf die aufmerksamen Leser in der sächsischen Messestadt, sondern zeigt auch, warum ihm das Vorlesen bis ins hohe Alter hinein wichtig blieb. Neben Abbildungen der handschriftlichen Aufzeichnungen Walsers bietet der Band ein Nachwort von Jörg Magenau.
Stimmen zu den Büchern:
Beschleunigung und Alkohol: SWR-Literaturchef Frank Hertweck über drei Neuerscheinungen aus der Edition Isele zu Martin Walser – in einem interessanten Gespräch, das auch viel von Hertwecks eigenen Begegnungen mit dem Schriftsteller vom Bodensee verrät.
Nah dran, so bescheinigt Michael Braun dem Literaturkritiker und Schriftsteller Jörg Magenau, „am Autor sind die Beiträge und Gespräche, die Magenau nun in einem Band mit Essays und Gesprächen gesammelt hat.“ Nachzulesen bei literaturkritik.de
„Diese drei Walser-Titel aus der Edition Isele wollen nicht die Literaturgeschichte umschreiben. Vielmehr erhellen sie einige Facetten des Autors und seines Werks. Das Terzett ist so lesenswert wie sympathisch: Schöne Steinchen im großen Walser-Mosaik.“ – Martin Oehlen beim Bücheratlas
„Aber man kann verstehen, dass sich in der Mensch-Hund-Beziehung für den Autor eine Resonanz entfaltet, die Möglichkeitsräume auch für das eigene Dasein eröffnet. Anders, aber dennoch nicht ohne Schnittmenge zu Walsers Lesereiseerfahrungen in Leipzig. So unterschiedlich also die Sujets der beiden Texte zu sein scheinen, so sehr hängen sie in der Wahrnehmung von Wirklichkeit und deren Resonanzmöglichkeiten doch zusammen.“ – Peter Peters über das Hundemögliche und Leipzig liest
„In der Edition Isele sind jetzt die Leipziger Notizen erschienen, die Walser erst 2009 und zwar auf die Rückseiten von Typoskriptblättern seines Romans Angstblüte (2006) niederschrieb. Sie werden auch im eigenhändigen Originalmanuskript mit zahlreichen Streichungen und Zusätzen wiedergegeben.“ – Manfred Orlick bei literaturkritik.de zu „Stadt der Städte“. Weitere Besprechungen in der Leipziger Volkszeitung und der Leipziger Internet Zeitung.
Bibliographischen Angaben:

Jörg Magenau
Die Kunst der Zustimmung. Fast alles über Martin Walser
Edition Isele, Eggingen, 2025
Hardcover, Lesebändchen, 256 Seiten, 25,90 €
ISBN-13: 9783861426738

Martin Walser
„Das Hundemögliche oder Die Entstehung der Zukunft“
Edition Isele, Eggingen, 2025
Hardcover, 48 Seiten, 17,95 €
ISBN-13: 9783861426752

Martin Walser
„Die Stadt der Städte“
Edition Isele, Eggingen, 2025
Hardcover, 56 Seiten, 16,80 €
ISBN-13: 9783861426677
