Der Lyrikpreis München, der vom APHAIA Verlag ausgeschrieben und organisatorisch vom Signaturen-Magazin unterstützt wird, ist mit einem Preisgeld von 15.000 € einer der höchst dotierten Preise für Lyrik im deutschsprachigen Raum. Die Jury besteht aus Harald Albrecht, Verleger, Ulrich Schäfer-Newiger, Jurist und Essayist und Kristian Kühn, Herausgeber.
Alle Informationen zum Lyrikpreis finden sich auf der Homepage der Veranstalter:
http://lyrikpreis-muenchen.com/
Das Büro für Text und Literatur unterstützt die Veranstalter seit 2024 in der Öffentlichkeitsarbeit. Alle aktuellen Informationen finden Sie dazu hier:
- Lyrikpreis München 2027: Ausschreibung hat begonnen
- Anthologie zum Lyrikpreis München 2024 – Poesie und Technik
- Steffen Popp wird mit dem Lyrikpreis 2024 ausgezeichnet
Lyrikpreis München 2027: Ausschreibung hat begonnen
Das Bewerbungsverfahren für den Lyrikpreis München 2027 ist eröffnet. Ab sofort können sich Autorinnen und Autoren mit ihren Beiträgen um den renommierten Preis, der seit 2010 vergeben wird, bewerben. Das Wettbewerbsthema lautet diesmal „Dürers Melencolia I und die Gravur der Gegenwart“.
Die Jury des Lyrikpreis München 2027 lädt Autorinnen und Autoren ein, sich mit einem 500 Jahre alten, prägenden Werk der Kunstgeschichte auseinanderzusetzen und zugleich eine Brücke zur Gegenwart zu schlagen. Was kann uns Dürers Stich heute noch sagen? Was bedeuten die abgebildeten Gegenstände? Warum gerade sie? Besteht die Modernität des Stichs darin, dass er sich heute – nach 500 Jahren Auslegung und Interpretation – einer abschließenden Interpretierbarkeit verschließt, dass in ihm die vertraute Beziehung zwischen Zeichen und Bedeutung möglicherweise aufgehoben ist, also eine nicht offensichtliche Wirklichkeit in Bekanntes eindringt? Ist das Blatt die bildliche Darstellung eines Denkens, dem die Welt daher nicht mehr fassbar und insgesamt fragwürdig geworden ist? Zeigt damit die berühmte Renaissance-Zeichnung auch eine Gravur, ein schon an seiner Oberfläche erkennbares Muster unseres Gegenwartserlebens und -denkens? Und: Erleben wir damit sogar eine Neubestimmung dessen, was die Aufklärung unserem Selbstverständnis als autonome Subjekte versprochen hat?
Angestoßen werden soll mit dem Thema, so die Veranstalter, ein poetisches Gespräch zwischen dem Möglichen und dem Wirklichen – zwischen der Geistesarbeit einer vielerfahrenen Personifikation der Melencolia in einem Kupferstich und dem laut schlagenden Puls der Gegenwart.

Einsendeschluss ist der 3. Januar 2027. Neben dem Wettbewerbsbeitrag sollte zudem eine Kurzbiographie an info@lyrikpreis-muenchen.com gesandt werden. Die Bekanntgabe der Preisträgerin oder des Preisträgers erfolgt im Sommer 2027, die Preisverleihung findet im 4. Quartal 2027 in München statt. Der Lyrikpreis München – Junge Lyrik soll – bei entsprechender Resonanz – gleichfalls wieder vergeben werden.
Anthologie zum Lyrikpreis München 2024 – Poesie und Technik

Lyrikpreis München 2024
Gedicht-Anthologie
APHAIA Verlag München, Dezember 2024
Hardcover, 228 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 978-3-946574-38-5
Kontakt Verlag:
APHAIA Verlag GmbH
Franz-Wolter Straße 2
D – 81925 München
info@aphaia-verlag.de
Die politische und gesellschaftliche Dominanz von Tech-Giganten, die Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz, der rasante Einzug neuer Techniken in unseren Alltag: Die Welt erlebt eine Umwandlung von ungeahntem Ausmaß. Welche Rolle kann die Poesie in diesem technikgetriebenen Prozess der Verdichtung, Beschleunigung und Neubestimmung spielen? Diese Frage stellte der Lyrikpreis München 2024: „Die eine rettet die Welt, die andere bewegt sie – was haben Poesie und Technik sich heute zu sagen?“
Überraschende inhaltliche Ansätze bei großer formaler Vielfalt boten die 810 Einsendungen zum Wettbewerb, die jedoch eines eint: „In der Poesie ist der Autor, auch wenn er als Elementarteilchen-, also Wort- und Sprach-Ingenieur auftritt, notwendig Teil des Experiments und ist sich dessen auch bewusst“, so Harald Albrecht im Vorwort zur Anthologie Lyrikpreis München 2024, die im APHAIA Verlag erschienen ist.
Der Verlag richtet den Lyrikpreis München gemeinsam mit dem renommierten Signaturen Magazin aus. Mit 810 Einsendungen war der Rücklauf zur diesjährigen Ausschreibung so hoch wie nie. Aus dieser Fülle präsentiert die Anthologie neben dem Gedichtzyklus „Sieben Stufen Nacht“ von Hauptpreisträger Steffen Popp auch die Beiträge dreier junger Autorinnen und Autoren unter 25 Jahren (Annabelle Benz, Laszlo von Borries und Paula Schloter), die mit dem erstmals ausgeschriebenen Lyrikpreis München 2024 – Junge Lyrik ausgezeichnet wurden, sowie weitere 28 Beiträge von der Shortlist.
Die ungewöhnliche Bandbreite der Gedichte reicht von der Hoffnung, in der Poesie „die Erlösung zu finden“ über die „willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit“ bis zur These: „Gedichte lieben die Quantenmechanik“. Die Beiträge bieten Dialoge mit ChatGTP und „gebrauchsanweisung für methaphern“. Und sie zeugen sowohl von einer kritischen Auseinandersetzung mit technischen Entwicklungen als auch vom Willen, sich diese nutzbar zu machen.
Signaturen-Herausgeber Kristian Kühn betont in seiner Einleitung zur Anthologie: „Das Anliegen, einen neuen Vertrag zwischen Poesie und Technik zu schmieden, geht derzeit ganz und in voller Breite von der Technik aus, sie will sich das Poetisieren durch modifizierte Algorithmen vereinnahmen und die perfekte Maschine entwickeln (…).“ Doch dem stehe „die Renitenz des Menschen“ gegenüber.
Beispielhaft für den Dialog zwischen Poesie und Technik steht der Gedichtzyklus „Sieben Stufen Nacht“ von Steffen Popp, mit dem der Lyriker das traditionelle Verhältnis der beiden Welten sowohl sprachlich als auch inhaltlich reflektiert. Dem Zyklus beigefügt ist eine kluge, umfassende Rezension des Preisgedichtes von Ulrich Schäfer-Newiger.
Stimmen zum Buch
„Geradezu renitent stellen sich Dichterinnen und Dichter der Verflachung der Welt entgegen. Was für eine Erleichterung. Sehr lesenswert.“ – Mareike Ilsemann, WDR 5, „Bücher“
„Die Laudatio des Siegers Steffen Popp durch Ulrich Schäfer Newiger, die am Ende des Buchs angehängt wurde, ist nicht nur ein schönes Beispiel literaturkritischer Lyrikanalyse. Sie weist auch – mindestens teilweise – darauf hin, dass die Auseinandersetzung mit dem Themenkreis Poesie und Technik nicht ganz so neu ist, wie es den Anschein macht. Das Fragmentarische vieler Gedichte – so auch jener des Siegers – findet Schäfer Newiger (nicht zu Unrecht!) wieder bei den Jenaer Romantikern, allen voran Friedrich Schlegel, der auch schon den Vergleich der Dichtung mit der Chemie ins (poetologische) Spiel brachte.“ – Paul Hübscher, litteratur.ch
Der ORF widmet der Anthologie und ihrem Thema die einstündige Sendung „Sound Art Lyrik heute“: „Während der Philosoph Hans Blumenberg eine „Sprachnot der Technizität“ feststellte, versucht die Technik heute mittels Algorithmen-gesteuerter KI die Dichtung zu vereinnahmen. Ein weites Feld also für eine notwendige Auseinandersetzung zwischen Poesie und Technik – notwendig, weil unsere Wirklichkeit von Technizität durchwirkt ist, welche von der Dichtung nicht mehr ausgesperrt werden kann, sich andererseits aber deren sprachliche Repräsentanzen schwer ins dichterische Sprechen integrieren lassen. Steffen Popp lässt sie kollidieren, ganz ohne Metaphorik.“
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Steffen Popp wird mit dem Lyrikpreis 2024 ausgezeichnet

Der mit 15.000 Euro dotierte Lyrikpreis München 2024 geht an den Lyriker, Essayist und Romancier Steffen Popp. Der 1978 in Greifswald geborene Schriftsteller, der für seine Lyrik bereits unter anderem mit dem Leonce und Lena-Preis (2011) und dem Peter Huchel-Preis (2014) ausgezeichnet wurde, überzeugte die Jury mit seinem Wettbewerbsbeitrag „Sieben Stufen Nacht“.
Der Lyrikpreis München 2024 stand unter dem Thema: „Die eine rettet die Welt, die andere bewegt sie. Was haben Poesie und Technik sich heute zu sagen?“. Mit über 800 Einsendungen war die Resonanz so hoch wie nie zuvor.
Steffen Popp überzeugte die Jury mit einem Langgedicht
Nach Überzeugung der Jury habe Steffen Popp mit seinem Wettbewerbsbeitrag „Sieben Stufen Nacht“ kongenial und facettenreich das Verhältnis von Poesie und Technik sowie den Dialog beider poetisch dargestellt und sprachlich erfasst. „Dabei hat er das üblich dichotome Verhältnis von Poesie und Technik überwunden, indem er deren Verwandtschaft und Nähe poetisch aufgreift und Begriffe aus beiden Sinnzusammenhängen annähert, vermischt und ungewohnt neu zusammensetzt“, heißt es in der Jurybegründung. „Der Autor trägt damit der Tatsache Rechnung, dass in unserer Gegenwart voller Veränderungskrisen und Verkomplizierung der Welt, diese, ohne die uns zur ersten Natur gewordene Technizität, ohne Artefakte, nicht (mehr) erfahren, erlebt und wahrgenommen werden kann.“ Dafür habe der Dichter Steffen Popp mit seiner Poesie eine Sprache und somit auch ein erweitertes und kritisches Bewusstsein geschaffen.
Steffen Popp, geboren in Greifswald und aufgewachsen in Dresden, lebt in Berlin. Er veröffentlichte den Roman Ohrenberg oder der Weg dorthin und vier Gedichtbände, zuletzt 118. Er ist Mitherausgeber der kollaborativen Poetik Helm aus Phlox, Herausgeber von Joseph Beuys: Mysterien für alle und Herausgeber der Anthologie deutschsprachiger Gegenwartlyrik SPITZEN. Gedichte. Fanbook. Hall of Fame. Er übersetzte die US-amerikanischen Lyriker·innen Christian Hawkey und Elizabeth Bishop. 2020 gab er mit Monika Rinck die Auswahl Das ist hier der Fall aus dem lyrischen Werk von Elke Erb heraus. 2021 ist seine Übersetzung der gesammelten Gedichte von Ben Lerner NO ART erschienen.
Erstmals wurde ein Preis für Junge Lyrik ausgeschrieben
Erstmals wurde 2024 neben dem Hauptpreis von den Ausrichtern zusätzlich ein Preis für „Junge Lyrik“ für Autorinnen und Autoren unter 25 Jahren ausgelobt. Der „Lyrikpreis München 2024 – Junge Lyrik“ ist mit insgesamt 1.500 Euro dotiert und geht heuer an Annabelle Benz (Dresden), Laszlo von Borries (Berlin/München) und Paula Schloter (Köln), die sich dem Thema mit jeweils eigenen poetischen Formen gestellt haben.
