„Und mir wird klar, dass ich alles, was ich über Deutschland weiß, auf den Kopf stellen, überdenken, neu bewerten muss. In meinem Notizbüchlein halte ich fest: Die Realität in Deutschland weicht hier und da offenbar von dem ab, was Philosophie, Literatur und Sprache des Landes vermitteln. Siehe: undemokratische Damentoiletten und eine gewisse Überempfindlichkeit beim Verschließen von Klotüren.“
Taqi Akhlaqi: Versteh einer die Deutschen, Sujet Verlag, 2024
2016 hält sich Taqi Akhlaqi – Schriftsteller, Reisender und Nietzsche-Fan aus Afghanistan – für vier Monate in Deutschland auf. Mit einer ganz speziellen Vorstellung von diesem Land und einem Arbeitsstipendium für das Heinrich-Böll-Haus Langenbroich in der Tasche führt ihn sein Weg in den Kreis Düren. Vor dieser Reise hatte er Europa nur im Spiegel seiner Literatur und Kunst gesehen, kannte es nur durch dessen Schriftsteller und Philosophen.
Jedoch ist das Deutschland, das sich Taqi Akhlaqi offenbart, wundersam und voller Überraschungen – das zeigt sich nicht nur bei der Benutzung von Toiletten oder beim Zugfahren, sondern insbesondere beim Umgang mit der deutschen Sprache.
Geschickt verwebt Taqi Akhlaqi Gegenwart und Vergangenheit miteinander, einige seiner gespeicherten Erinnerungen werden geweckt, neue Erlebnisse werden zu Erinnerungen. Er reflektiert das Erlebte so gründlich, so schonungslos selbstkritisch und mit so viel Humor, dass, wer seine Beobachtungen liest, sich dazu angeregt sieht, eigene Bräuche, Alltagsriten, Denkweisen zu hinterfragen, „sich zu verfremden“, wie der Autor es ausdrückt, und die eigene Gesellschaft mit neuen Augen zu entdecken.
Taqi Akhlaqi gelingt es in diesem autofiktionalen Roman, Witz mit ernsten Themen zu verbinden, ohne diese ins Lächerliche zu ziehen. „Versteh einer die Deutschen“ erzählt nicht nur vom Ankommen in einem fremden Land, sondern auch vom Aufeinandertreffen von Kulturen und mal mehr, mal weniger gelungenen Annäherungsversuchen. Nicht zuletzt führt das Buch auch ein in die Lebenssituation junger afghanischer Menschen in einem Land, dessen Pass „zu den wertlosesten Pässen der Welt“ zählt und in dem man unter ständiger Bedrohung für Leib und Leben steht.
Stimmen zum Buch:
„Es ist bemerkenswert, wie Akhlaqi von der naiven Alltagsbeobachtung über die Reflexion der eigenen Fremdheitserfahrung zu den großen philosophischen Fragen gelangt.“ – Bastian Püttner in „bodo – das Straßenmagazin“, 02/2025
Taqi Akhlaqi im Interview beim Bayerischen Rundfunk zu „Versteh einer die Deutschen“ (Sujet Verlag)
„In Deutschland war alles fremd, auch die Toiletten, sagt der afghanische Schriftsteller Taqi Akhlaqi. In seinem Buch „Versteh einer die Deutschen – vier Monate in Deutschland ein Abenteuer“ gelingt es ihm Komisches mit ernsten Themen zu verbinden.“ – Taqi Akhlaqi im Interview in der Lesart bei Deutschlandfunk Kultur
„Der Autor reflektiert Erlebtes ebenso gründlich, schonungslos, selbstkritisch wie mit viel Humor. Wer seine – von Jutta Himmelreich als deutsche Stimme des Autors eindringlich übersetzten – Beobachtungen liest, mag sich durchaus angeregt fühlen, eigene (deutsche) Bräuche, Alltagsriten, Denkweisen zu hinterfragen, „sich zu verfremden“, wie der Autor es ausdrückt, sich selbst, die Gesellschaft und seine Umgebung mit anderen Augen neu zu entdecken.“ – Marion Hinz, Kulturport
„Aber die wesentliche Botschaft an deutsche Leser ist eigentlich dieser menschenfreundliche Hinweis darauf, dass wir uns etlicher unserer Seltsamkeiten vor lauter Geschäftig-Tun gar nicht mehr bewusst sind. Und auch nicht merken, welche Hürde diese Seltsamkeiten für all jene Menschen darstellen, die eigentlich gern nach Deutschland kommen.“ – Ralf Julke, Leipziger Zeitung
Erika Weisser stellt das Buch im Freiburger Stadtmagazin Chilli vor.
Insa Wilke stellt das Buch von Taqi Akhlaqi in „Gutenbergs Welt“ im WDR vor.
„Ein mutiges, ein aufklärerisches Buch von einem, der aus den schwierigen Verhältnissen Afghanistans in die Sicherheit Berlins gekommen ist und diese zu schätzen weiß. Der es mit seinem literarischen Talent versteht, uns den Weg zu mehr Verständnis für eine andere, uns so fremde Kultur zu ebnen.“ – Perlen der Literatur
„Viel lernt man über Afghanistan und noch mehr über den Blick von außen auf den deutschen Alltag samt seinen mitunter befremdlichen Marotten, was das Buch zu einer durchaus so vergnüglichen wie erhellenden Lektüre macht.“ – Gerrit Wustmann bei Qantara.de
„Ironisch, pointiert und kritisch, aber nie verletzend, zeichnet Taqi Akhlaqi das Porträt der deutschen Gesellschaft mittels gut gesetzter Verfremdungseffekte.“- Dr. Manfred Luckas

Bibliographische Angaben:
Taqi Akhlaqi
Versteh einer die Deutschen
Aus dem Persischen übersetzt von Jutta Himmelreich
Auflage 2024 | 275 Seiten | Softcover mit Schutzumschlag | Preis: 19,80 €
ISBN: 978-3-96202-135-1
Kontakt Verlag:
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28195 Bremen
Tel.: +49 421 703737
E‑Mail: kontakt@sujet-verlag.de
https://sujetverlag.de/
Zum Autor:

Taqi Akhlaqi wurde im März 1986 in Afghanistan geboren. Er war noch ein Kind, als seine Familie in den Iran auswanderte, wo er zur Schule ging. Im Jahr 2004 kehrte er mit seiner Familie nach Afghanistan zurück, und studierte internationale Beziehungen an einer privaten Universität in Kabul.
Seine Liebe zur Literatur hat ihn in den letzten zwanzig Jahren zum Lesen und Schreiben bewegt und ihm geholfen, die Kriegsbedingungen in Afghanistan zu überleben. Für sein belletristisches Werk erhielt er eine Reihe von Preisen und Anerkennungen. Sein Debütroman „Kabul 1400“ (im Original auf Farsi/Dari geschrieben), ist im August 2023 beim Borj Verlag im Iran erschienen. 2018 erschien seine Kurzgeschichtensammlung „Aus heiterem Himmel“ bei der Edition Tethys in Potsdam. Sein Theaterstück „Ohne Tee kann man nicht kämpfen“ wird im April 2024 sowohl in Krefeld, als auch in Mönchengladbach auf die Bühne gebracht. Für die Neue Zürcher Zeitung berichtet er regelmässig über die Situation in Afghanistan. Seit September 2021, nach der Rückkehr der Taliban, lebt er zusammen mit seiner Familie als freier Schriftsteller in Berlin.
Bild: Dirk Skiba
