Jaime Bayly: Die Genies – Alles andere als ein Geniestreich

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Jaime Bayly: Die Genies

Während meines lange zurückliegenden Studiums der lateinamerikanischen Literatur (genau zum Boom derselben in den 1980ern, als es die wichtigsten Bücher Südamerikas vor allem bei Suhrkamp gab, man erinnere sich an die monochromen Taschenbücher) ging es immer wieder um die Gretchenfrage: Wie hälst du es? Team Gabo? Oder Team Vargas Llosa? So in etwa das literarische Pendant zu Stones vs. Beatles.

Gleich vorneweg: Mir lagen die Bücher und das schriftstellerische Temperament von Gabriel García Márquez immer näher. Und als ich irgendwann vom berühmten „Veilchen“ erfuhr, das Mario Vargas Llosa seinem kolumbianischen Kollegen bei einer Filmpremiere verpasste, war die Frage ganz entschieden.

Den Vorfall ereignete sich 1976 und entzweite die beiden berühmtesten Schriftsteller Südamerikas, die zuvor zeitweilig sogar Nachbarn in Barcelona und enge Freunde waren. Der peruanische Fernsehmoderator und Schriftsteller Jaime Bayly nimmt den Faustschlag zum Aufhänger seines Romans „Die Genies“. Obwohl das Buch in Spanien sofort die Bestsellerliste eroberte, war meine Erwartung nicht allzu hoch – ich hoffte einfach auf eine gutes Stück Unterhaltungsliteratur über die beiden Granden Lateinamerikas.

Erwartung leider unterschritten, das Buch alles andere als ein Geniestreich. Katharina Döbler bringt es bei ihrer Rezension beim RBB gleich zu Beginn auf den Punkt: Das Buch ist Klatsch, „yellow press“ auf literarisch. In erster Linie bedient Bayly die voyeuristische Lust der Leserinnen und Leser, die vor allem Vargas Llosa in diesem Roman als schwanzgesteuerten Macho kennenlernen. Das Ärgerliche daran ist: Fakten und Fiktion werden wild miteinander vermischt, es ist nicht klar, welche der zahllos aneinandergereihten Anekdoten Wahrheit sind, welche Dichtung. Nun kann man dies als literarische Freiheit klassifizieren. Aber darüber hinaus beginnt Bayly, der seinen Cliffhanger, den berühmten Faustschlag, bis zum Anschlag wiederholt, um sein Publikum bei der Stange zu halten, mit dieser Redundanz zu langweilen. Das Hüpfen von einer Klatschgeschichte zur anderen, mit möglichst viel Namedropping, wirkt sprunghaft und ist auch in sprachlich/stilistischer Hinsicht weit weg von der Genialität seiner Hauptfiguren.

Die Rezension von Katharina Döbler kann man hier nachhören.