Susanne Fritz: Wie kommt der Krieg ins Kind

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„Doch was ist ein authentischer Ort, was ist eine authentische Geschichte? Der Heimatort meiner Mutter war für mich schon immer ein erzählter, fiktiver Ort, wie seine Bewohner schon immer erzählte, fiktive Bewohner waren, von denen manche plötzlich auf Besuch in unserem Garten standen. Fiktion und Wirklichkeit bildeten ein und dasselbe Gewebe, dessen Farbe je nach Lichteinfall changierte. Schwerenz heißt die Stadt, die ich in mir trage – namensgleich, doch nicht identisch mit der historischen Stadt Swarsędz/Schwersenz bei Poznán/Posen. Was habe ich von der Stadt, die ich in mir trage – über Pflaumenkuchen und Wespen, vor denen ich mich in Acht nehme, hinaus – in der Hand?“

Susanne Fritz, „Wie kommt der Krieg ins Kind“, Wallstein Verlag Göttingen, 2018.

„Wenn Krankheiten auftauchen, fragen wir nach unserem genetischen Erbe“, stellt Susanne Fritz in diesem sehr persönlichen Buch an einer Stelle fest. Wie aber ist es mit der epigenetischen Übertragung traumatischer Erfahrungen, wie prägen die Erlebnisse unserer Eltern, unserer Großeltern unsere eigene Biographie? Wie viele Generationen wird es dauern, um die Wunden, die Krieg, Vertreibung und Flucht aufreißen, tatsächlich zu heilen? Wie lange setzt sich das Verlustgefühl fort, wenn eine Familie ihre Heimat verliert, wenn die Vorfahren entwurzelt werden, wenn sich das Erlebnis, fremd zu sein, dort wohin es einen verschlägt, von Generation zu Generation wiederholt?

Die 1964 geborene Schriftstellerin, die im Schwarzwald aufwuchs, kennt dieses Fremdheitsgefühl, das ihr als Kind Heimatvertriebener begegnet. Doch mehr noch, so wird in ihrem Buch deutlich, treibt sie das lebenslange Schweigen ihrer Mutter zum Schreiben, ein Schreiben, das zum Ringen um Wirklichkeit und Wahrheit, zum biographischen Aufarbeiten einer Familiengeschichte bis hin zum Versuch, sich das eigene Leben zu erklären, wird.

Die Mutter der Autorin und Regisseurin wird als 14-jähriges Mädchen in das polnische Arbeitslager Potulice interniert, vier Jahre verbringt sie dort, bis sie zu ihrer Mutter und der älteren Schwester in den Westen kann. Vier Jahre, über die die Frau nichts erzählt:

„Meine Mutter konnte von entwaffnender Offenheit sein im plötzlichen Wechsel mit hartem, undurchdringlichem Schweigen. Plötzlich stieß man an eine unsichtbare, unverrückbare Wand. Wo liegt die Trennlinie zwischen dem Erzählbaren und dem Unsagbaren, der unterhaltsamen makaber-witzigen Anekdote und dem Erzähltabu, dessen Nichteinhaltung Panik zur Folge hatte?“

Das Schweigen legt sich jedoch nicht nur über die Erlebnisse in dem Lager, in dem unmenschliche Verhältnisse herrschten, sondern auch über die Vorgeschichte der Familie, die eng verbunden ist mit den politischen Wechselspielen des vergangenen Jahrhunderts: Erst gehörte Swarsędz/Schwersenz zum Deutschen Reich, wurde 1919 mit dem Versailler Vertrag der jungen polnischen Republik zugesprochen, dann von den Nationalsozialisten besetzt und schließlich 1945 von den Russen erobert. Susanne Fritz recherchiert die Familiengeschichte, verwebt – ähnlich wie Ursula Krechel beispielsweise in „Landgericht“ – dokumentarische Recherche und fiktionales Schreiben zu einem Gesamtbild. Ihre Suche nach Antworten bringt nicht in allen Fällen Licht in die Vergangenheit: Ob ihr Großvater, der eine deutsche Bäckerei betrieb, Mitläufer oder Täter war, ob in der Familie nationalsozialistisches Gedankengut bedenkenlos übernommen wurde oder ob man in einer Art stillschweigenden Übereinkunft mit den polnischen Nachbarn zu überleben versuchte, dies bleibt ungewiss.

Doch schrittweise dringt die Autorin mehr und mehr in die Kindheit ihrer Mutter vor, beginnt zu verstehen, wandelt das Ungesagte in Geschriebenes um. „Mutter.Sprache“, „Macht.Worte“, „Buch oder Leben“: Die Kapitelüberschriften deuten an, wie sehr in dieser Konstellation auch Susanne Fritz um ihre Sprache ringt, auslotet, wie weit ihr Schreiben gehen kann und gehen darf – auch in Rücksicht auf die Mutter, die dem Trauma keine Stimme geben wollte und geben konnte. So ist dieses Buch nicht nur in politischer Hinsicht ein bedeutsames, besonderes Werk, das eines der Wenigen ist, das die Perspektive der Vertriebenen auf diese Weise auslotet, sondern auch ein Buch über die Macht und Ohnmacht des Wortes und über die Verantwortung Schreibender. Jede Autorin, jeder Autor hinterlässt in jedem seiner Werke ein Stück seines Lebens – eine vom Schreibenden losgelöste Fiktion existiert nicht. Dies ist meine Überzeugung. Und von Susanne Fritz wird dies indirekt bestätigt: Nach der Veröffentlichung ihres ersten Romans, den sie von jedem biographischen Hinweis frei glaubte, kommt es zum Zerwürfnis mit der Mutter, die in und zwischen den Zeilen von sich zu lesen glaubt.

„Langsam begriff ich. Der Krieg war nicht zu Ende. Der Irrsinn vergangener Tage wütete in unserem Haus.“

Jahrzehnte später nun dieses Buch, mit dem das Trauma sichtbar gemacht wird.

„Nun wurden Haus und ehemalige Bäckerei mir sozusagen in den Schwarzwald hinterhergetragen. Also, habe ich Pläne für unser Haus? Ja, habe ich. Das Haus soll ein Buch werden. Ein Text, der seiner steinernen Gestalt nicht mehr bedarf. Ein Papierhaus. Ein Buchstabenhaus.“

Ein Haus aus Buchstaben und darin Backsteinenzeilen voller Geschichte, mit einer spröden und doch so sinnlichen Sprache gebaut, ein Haus, das von vielen Leserinnen und Lesern besucht werden sollte.

Mehr Informationen:

Hier der Link zu einer empfehlenswerten Besprechung im Deutschlandfunk.

Wie kommt der Krieg ins Kind
Susanne Fritz
Wallstein Verlag Göttingen, 2018
20,00 Euro
268 S., geb., Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8353-3244-7

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Tobias Döring: Wie er uns gefällt

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„Nicht, dass Dein Name uns erweckte Neid,
Mein Shakespeare, preis` ich Deine Herrlichkeit,
Denn wie man Dich auch rühmen mag und preisen:
Zu hohen Ruhm kann keiner dir erweisen!“

Ben Jonson (1572-1637)

Schon sieben Jahre nach Shakespeares Tod pries ein Autorenkollege den Genius dieses Mannes, dessen Name auch 450 Jahre nach seiner Geburt unvergessen ist. Ben Jonson hinterließ diese Verse auf seinen Freund in dem berühmten Folioband, der Shakespeares Werke 1623 versammelte – ein Widmungsgedicht, das freilich ein wenig großsprecherisch wirkt, das aber seine Gültigkeit bis heute nicht verloren hat.

Jahr für Jahr erscheinen Tausende von neuen Publikationen über den berühmtesten aller Dramatiker. Wer zwischen all den Sachbüchern, Biografien und Neuübertragungen seiner Werke einen besonderen Zugang sucht, für den hielt der Manesse Verlag zum mutmaßlichen 450. Geburtstag Shakespeares etwas bereit: „Wie er uns gefällt“ ist ein schön aufgemachter Lyrikband, der rund 120 Gedichte an und auf William Shakespeare versammelt.

„Wir vergessen, dass es Dich gibt,
Nicht unachtsam, sondern weil Du in unserem Blut
Lebst und den Nerven und in jeder Zelle unsres Hirns.“

Elizabeth Jennings (1926-2001)

Für eine qualitätsvolle Auswahl steht schon der Name des Herausgebers: Tobias Döring, der an der LMU München einen Lehrstuhl für Englische Literaturwissenschaft innehat und von 2011 bis April 2014 Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft war.

Tobias Döring umreißt das Konzept in seinem Nachwort:

„In zwölf Dutzend Spielarten zeigt unser weltpoetisches Kabinett, welchen Reim sich Lyriker auf Shakespeare und sein Werk gemacht haben – in vier Jahrhunderten, zehn Sprachen und mehr als zwanzig Ländern.“

Nicht nur die Auswahl ist trefflich – schön ist es auch, dass die Gedichte nicht nur in der deutschen Übersetzung, sondern auch im Original abgedruckt sind.

„Weit entfernt vom Anspruch auf Repräsentativität oder gar Vollständigkeit, will unsere Sammlung einen möglichst vielstimmigen und vielgestaltigen Eindruck davon vermitteln, wie das Bühnenwerk in Gedichten aufgegriffen, verwandelt, neu akzentuiert, fort- und umgeschrieben worden ist. Darin wird zugleich erfahrbar, wie Autoren und Autorinnen vom 17. Jahrhundert bis in unsere Gegenwart im Verweis auf Shakespeare ihre eigene Position bestimmen.“

Ein Gespräch komme damit in Gang, meint der Herausgeber – zwischen Shakespeare und den Lyrikern, zwischen den Lyrikern und den Lesern, die wiederum den Nachhall der Gedichte im Theater oder bei der Lektüre erfahren können – ein Lyrikkabinett und gleichsam eine Echokammer in dem anhaltenden Dialog mit dem großen Theatermann. Tatsächlich regen die Gedichte zur erneuten Auseinandersetzung mit dem dramatischen Werken an. Auch weil sie so viel über die Schreibenden selbst und deren Zugang beispielsweise zu „Hamlet“ oder „Wie es euch gefällt“, zu den Königsdramen und zu den Komödien verraten.

„Im Keller erteilt die Geheime Staatspolizei
dem Kommunisten Hans Otto Gesangsunterricht
ICH BIN SCHAUSPIELER KEIN VOLK sagt Hamlet
Wenn Laertes politisch wird Er seinerseits
weiß wie man sich dreht und wendet im
Gespräch mit Mördern aus Liebe zur Kunst.“

Heiner Müller (1929-1995)

„So setzt sich das Gespräch mit Shakespeare wie in einer großen Echokammer fort und ließe sich wohl nur dann ganz unterbinden, wenn unsere Kultur zugleich ihre Verständigung über sich selbst jemals einstellen wollte.“

Und diese Verständigung sowie der Dialog mit dem Theatermann hält bis heute an – namhafte Autoren der Gegenwartsliteratur sind in „Wie er uns gefällt“ mit Gedichten vertreten, die erstmals veröffentlicht werden: Mirko Bonné, Nora Bossong, Heinrich Detering, Ulrike Draesner, Durs Grünbein, Ursula Krechel, Friederike Mayröcker, Alexander Nitzberg, Albert Ostermaier und Marion Poschmann.

Thematisch sind die Gedichte nicht, wie es auf der Hand läge, um die einzelnen Stücke angeordnet, sondern um inhaltliche Komplexe: Beispielsweise rund um die Inspiration, die Shakespeare so unterschiedlichen Persönlichkeiten wie dem Schweizer Autodidakten Ulrich Bräker (1735-1798), unserem deutschen „Dichterfürsten“ Goethe oder Vladimir Nabokov gab. Oder auch um die Welt, die eine Bühne ist, um Figur- und Maskenspiele sowie Spielräume und Vorstellungswelten. Zwei Einzelfiguren des Shakespear`schen Kosmos regten von jeher die Phantasie an – so sind denn auch Hamlet und Ophelia besondere Objekte dichterischer Begierden. und werden daher mit zwei eigenen Kapiteln beehrt.

„Ich Hamlet habe kaltes Blut.
Die Welt da draußen ist durchtrieben.
Doch tief im Innern ist noch Glut
für dich – Ophelia – geblieben,

für dich, vom kalten Blut verbannt
aus der durchtriebnen Welt. Verginge
ich – Prinz – im eignen Heimatland –
an einer giftgetränkten Klinge!“

Alexander Blok (1880 – 1921)

Verlagsinformationen zum Buch:
https://www.randomhouse.de/Buch/Wie-er-uns-gefaellt/Tobias-Doering/Manesse/e446710.rhd


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Ursula Krechel: Landgericht

„Ja, Kornitzer hatte es sich genau überlegt. Er war kein Spieler, auch kein Utopist. Die Würde des Richteramtes und der Eid, den er bei seiner Ernennung geschworen hatte, Gehorsam der Verfassung, den Gesetzen und meinen Vorgesetzten und die Treue meinem Volk, Achtung gegenüber dem Willen der Volksvertretung, all das band ihn. Aber auch das Hervortreten des Eigentümlichen sah er, sah es klar vor sich, ohne es benennen zu können, und er sah auch, was zu tun sei.“

Ursula Krechel, „Landgericht“, 2012, Jung und Jung Verlag

Staub und Ruinen: So findet der jüdische Richter Richard Kornitzer nach zehn Jahren des Exils seine Heimat wieder. Er ist aus Kuba zurückgekommen, voller Willen, wieder mit aufzubauen, was zerbrochen und zerstört worden war: Das Land, das Rechtssystem, auch die Familie: Die beiden kleinen Kinder, denen auch eine „privilegierte Mischehe“ auf Dauer keinen Schutz bieten kann, werden rechtzeitig nach England gebracht. Um einen hohen Preis – die Kinder entfremden sich entwicklungsgemäß von den Eltern. Und Ehefrau Claire, die mit nach Kuba will, wird als „Arierin“ das Visum verweigert – das Ehepaar findet wieder zusammen, doch findet sich gemeinsam nicht mehr zurecht in der neuen Republik.

Wiederaufbau, Wiedergutmachung: Es wird nicht gelingen, nicht im Fall von Richard Kornitzer. Seine Verluste werden nicht aufzuwiegen sein. Geschichte wird gemacht, es geht voran – in der neuen Bundesrepublik ist für ihn kein Platz: Einer, der auf sein Recht pocht, der vielmehr auch darauf pocht, dass offen gelegt wird, welches Unrecht ihm geschah – der wird nicht gerne gehört. Im Rechtsapparat sitzen immer noch zu viele, die dort in den zwölf Jahren zuvor mitgelaufen waren.

„Über der Prothesenhand, dem angewinkelten rechten Arm sah er einen zweiten Arm sich in die Luft recken, einen zweifellos eingebildeten Arm, der mit dem Hitlergruß grüßte. Jetzt, schoß es Kornitzer durch den Kopf, werde ich verrückt.“

Richard Kornitzer erlebt die Rückkehr in die Heimat beinahe wie ein zweites Exil – in ein Land, so vertraut und doch fremd zugleich. Ursula Krechel sagt in einem Interview in der Zeit über ihren Protagonisten: „Misstrauen und Unverständnis werden ihm entgegengebracht, er rennt gegen Wände, stößt sich den Kopf blutig. „Kornitzer wird darüber zu einem Michael Kohlhaas, der Petition um Petition schreibt, Klage um Klage erhebt, schließlich aber nicht wie der Kleistsche Fanatiker Amok läuft, sondern zusehends verbittert und krank wird“, charakterisierte Ulrich Rüdenauer den verbitterten Richter 2012 in der „Zeit“, nachdem „Landgericht“ mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden war.

Dabei erzählt die Autorin diese Geschichte einer zunehmenden Verzweiflung in einer sehr sachlichen, zurückgenommenen Sprache, an Fakten und Akten orientiert. Gerade durch diesen Kontrast wächst aber auch beim Lesen das Mitgefühl für diesen Mann, der vergeblich um seine Ehre kämpft – und es wächst das Grauen. Grauen beispielsweise über die perfiden Mechanismen der Bürokratie, die ab 1933 die deutschen Juden mehr und mehr ausgrenzte, einschränkte, ihnen jegliches Recht nahm:

„Wir warten nicht mehr auf Ihre Rechtsauskunft, sondern ersuchen Sie nochmals, die Austrittserklärung baldigst einzuschicken. Wenn Sie die Signale der letzten Zeit verstehen, so ist für Juden kein Platz mehr in Deutschland, noch viel weniger in einer Gefahrengemeinschaft (Krankenversicherung) von nur arischen Volksgenossen.“

Mit jedem Schreiben dieser Art wächst bei Kornitzer das Bewusstsein:

„Der Volkskörper eiterte in heraus, er war Fremdkörper, sein Körper war schutzlos.“

Ursula Krechel hat für diesen Roman, der auf Tatsachen basiert, jahrelang in Archiven geforscht. So staubtrocken ist manches Mal auch ihre Sprache – aber gerade dieses ist es, was so überzeugend und letzten Endes ergreifend ist an diesem Buch. Die in das romanhafte Geschehen eingebauten Quellenzitate verstärken das Dokumentarische, machen begreiflich, dass Fiktion auch gelebte Wirklichkeit war.

„Es gibt immer reale Kerne“, erläutert Krechel ihre Methode. „Wenn es um traumatische Vergessensleistungen der deutschen Geschichte geht, finde ich es ganz unangemessen, zu viel zu erfinden. Das heißt: Ich zügele mich in meiner Fantasie, erfinde eher die Lücken, auch die Emotionalität der Leute, die ja nicht viel von sich preisgegeben haben. Alle Personen haben reale Hintergründe, haben Daten, Namen und Adressen. Es geht um ein Austarieren zwischen den realen Funden und dem Anreichern – es muss ja erzählbar werden.“

Quelle: http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-10/buchpreis-2012-ursula-krechel

Juristen wie Richard Kornitzer gab es viele. Naheliegend, dass man bei diesem Roman gerade auch an Fritz Bauer, den hessischen Generalstaatsanwalt denkt, der als Jude und Sozialdemokrat in das Exil musste und nach seiner Rückkehr – gegen alle Widerstände und Anfeindungen – die Auschwitzprozesse in Gang brachte. Fritz Bauer war in den vergangenen Jahren beinahe vergessen worden – mit den Filmen „Der Staat gegen Fritz Bauer“ und die „Die Akte General“ kam dieser Jurist, der die Nazi-Vergangenheit unseres Landes vor Gericht aufgearbeitet wissen wollte, in den vergangenen zwei Jahren wieder in die öffentliche Wahrnehmung.

Und dennoch: Die Jahre der Versäumnisse nach 1945, insbesondere die Rolle der Justiz während, aber auch nach dem Nationalsozialismus – sie harrt immer noch einer gründlichen Aufarbeitung. Sie wäre noch viele Filme und Bücher wert. „Landgericht“ ist ein wichtiger Teil davon, ein beeindruckendes Buch, das zu Recht mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Wie Ursula Krechel bei der Verleihung betonte: sie sehe ihr Buch auch „als persönliche Wiedergutmachung einer misslungenen Wiedergutmachung.“


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