Gudrun Glock amüsierte sich mit den Gartenschwestern

Gudrun Glock, selbst begeisterte Gärtnerin.

„Er hat eine andere!“, sagt Gitta. Damit hatten Constanze und Marit nun wirklich nicht gerechnet, als sie feierlich das Glas auf Gittas Geburtstag erhoben. Die Gitta, deren Traummann ihr seit dreiundzwanzig Jahren die Welt zu Füßen legte? Das versetzt nicht nur Gitta in großen Aufruhr, denn die drei Freundinnen leben ihren gemeinsamen Traum vom Garten in Gittas Traumgarten aus. Und eines wird sofort klar: “Ein Leben ohne Mann war möglich, ein Leben ohne Garten dagegen sinnlos“.

„Elisabeth, die Russen sind nicht mehr weit entfernt (…)“. Lissa, die Hauptperson des zweiten Erzählstrangs, ist auf der Flucht vor dem Krieg vom kleinen Oderberg nach Berlin und findet im letzten Kriegsjahr Unterschlupf bei Albert, einem Gärtner.

Der jähe Umschwung von heute in die Vergangenheit überrascht mich als Leserin und macht mich neugierig. Die Sorgen von heute scheinen gegen die Angst und den Hunger der letzten Kriegswochen wie kleine Befindlichkeiten. Und natürlich will ich wissen, wie und wann sich die Wege der Figuren von damals und heute kreuzen.

Die drei Freundinnen haben sich mittlerweile um einen Schrebergarten beworben. Bei der Beschreibung jener Gartenkolonie „Krötenglück e.V.“ wird kein Klischee ausgelassen – das klingt so fürchterlich kleinkariert, dass es schon wieder gut ist. Und spätestens, wenn die Laubennachbarn deutlichere Konturen annehmen, denke ich beinahe so wohlwollend über sie, wie am Ende die drei Berliner Hobbygärtnerinnen.

Spätestens ab Mitte des Buches bleiben keine Fragen mehr offen. Man ahnt, wie die Erzählstränge miteinander zu tun haben und es ist recht klar, wie es weitergeht. Der Spannungsbogen wird zumindest soweit aufrechterhalten, dass man gerne weiterlesen mag und dabei schmunzelnd feststellt, dass genau das eintritt, was man erwartet hat.

Was beide Geschichten vereint, ist die Liebe zum Garten. Einerseits um nicht zu verhungern, andererseits, weil es in der Satzung der Gartenkolonie festgeschrieben ist und um den Kummer einer zerbrochenen Ehe zu entkommen.

Vermutlich war jede Frau schon einmal Teil solch eines Freundinnen-Trios. Ich habe mich selbst auch an der einen oder anderen Stelle wiedergefunden. Sehr amüsant! Wenn ich noch keinen Garten hätte, nach dieser Geschichte würde ich mit meinen Freundinnen sofort einen Schrebergarten anmieten. Und so viel sei gesagt, es endet mit einem Happy End für die Wildschweine – der Rest wird nicht verraten.

Gudrun Glock

Gudrun Glock  lebt und arbeitet bei Augsburg, wo sie für ein Magazin Beiträge, Buchrezensionen und die Kolumne „Nahrungskette“ schreibt. Ihr Hauptinteresse und Betätigungsfeld gilt dem Ernährungsaspekt der Ayurvedischen Lehre. Sie sagt dazu: „Wir kommunizieren während des Essens. Und Essen selbst bedeutet Kommunikation. Deshalb könnte man auch sagen, das zentrale Thema meiner Arbeit ist die Kommunikation, denn das ganze Leben ist Kommunikation.“
Homepage: http://augsburg-ayurveda.de/ 

Informationen zum Buch:
Ella Kordes
Die Gartenschwestern
Blanvalet Verlag 2020
Taschenbuch, Broschur, 384 Seiten
ISBN: 978-3-7341-0708-5


Ella Kordes: Die Gartenschwestern, Blanvalet Verlag

Das Leben ist wie ein wilder, wunderschöner Garten!

Es sollte eine stilvolle Geburtstagsfeier im Café der Königlichen Gartenakademie Berlin sein. Doch Geburtstagskind Gitta hat für ihre Freundinnen Marit und Constanze eine Hiobsbotschaft: Gittas Mann lässt sich scheiden – und damit verlieren sie den wunderschönen Garten, der zur Villa des Expaares gehört! Wo sollen sie nun graben, pflanzen, wässern und gemeinsam Zeit verbringen? Die Lösung: ein kleiner Schrebergarten in einer Kolonie mitten in Berlin.

Auf einer zweiten Ebene erzählt Ella Kordes vom Entstehen der Gartenkolonie im letzten Kriegsjahr 1945. Die junge Lissa flieht vor der Roten Armee von Oderberg nach Berlin, wo sie bei dem Gärtner Albert landet. Der hat eines Tages eine Idee: Könnte man nicht aus den Trümmern der zerstörten Stadt für Lissa ein kleines Häuschen bauen?
Ein Roman, der nicht nur vom Glück und Nutzen des Gärtnerns erzählt, von Urban Gardening in allen seinen Formen, sondern auch von der Kraft der Freundschaft und den Lebensentwürfen ganz besonderer Frauen.

Tania Krätschmar, die unter dem Pseudonym Ella Kordes schreibt, ist Berlinerin der zweiten Generation. Nach mehreren Auslandsaufenthalten hat sie ihren Lebensmittelpunkt wieder in der Hauptstadt. Solange sie denken kann, macht sie etwas mit Büchern: schreiben, betexten, aus dem Englischen übersetzen, rezensieren und verkaufen. In ihrer Freizeit ist sie entweder in ihrem Garten oder im Boot auf der Havel anzutreffen, vorzugsweise mit Lebenspartner, Freundinnen und Familie.

Verlagsinformationen zum Buch: Die Gartenschwestern

Besprechungen:

„Ich habe vermutlich DEN Gartenroman des Bücherfrühlings 2020 gelesen.“Die Sofagärtnerin

Ein absoutes Muss für alle Liebhaber von historischen Geschichten sowie Garten- und Pflanzenliebhaber.“ Franzi`s Hexenbibliothek

„Beide Zeitebenen haben gleichermaßen Spaß gemacht zu lesen und hatten auch viele spannende Momente.“ Buchstabengeflüster

Ein leichter Sommerroman, der mit ungewohnter Tiefe auf der zweiten Erzählebene überrascht. Bitte mehr davon! Gegen das Vergessen und für die Bewahrung des Erbes!“ – Elizas Bücherparadies

„Ein wunderschöner, berührender und sehr vielseitiger Roman für Gartenliebhaber und alle, die eine gute Geschichte zu schätzen wissen.“Sommerleses Bücherkiste

“ Erzählt durch liebenswerte Charaktere, die durch große Träume und eine tiefe Liebe zur Natur und zum Gärtnern lebendig werden schreibt Krätschmar unter dem Namen Ella Kordes nicht nur eine Geschichte über starke Frauen. Sie zeigt, wie Vergangenheit und Gegenwart unaufhörlich miteinander verknüpft sind und durch Steine und Gärten Geschichten weiterleben dürfen, die sonst längst in Vergessenheit geraten wären.“Märkische Allgemeine

Ein echter Spaß: Das neue Buch von Volker Keidel

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Bild: Florian Pittroff https://flo-job.de/

Alkoholfreies Radler, Slim-fit-Jeans und Hygge: Volker Keidel ist nicht der einzige, „dem so Schwachsinn auf der Welt auffällt“, meint Gastautor Florian Pittroff. Man könne sich ab und zu wirklich selber entdecken, in den kurzen Geschichten von Volker Keidels neuem Buch „Wer alkoholfreies Radler trinkt, hat sich schon aufgegeben“:

Amüsant, geistreich und immer auch mit einem Schuss Bier erzählt Keidel Alltagsgeschichten, die jeder schon mal erlebt hat – herrlich finde ich gleich die erste Geschichte „Nur Hacke Hygge“. Ich muss gestehen, den Hype kannte ich bis dato nicht, aber die Situation kenne ich sehr gut. Auf Parties nicht auffallen, immer schön Ruhe geben und vor allem nichts Falsches sagen. Ich muss zugeben, ich fühlte mich beim Lesen mitten drin im Hygge-Fest.

Ähnlich gelagert ist es in der Geschichte „Tanz mir ein Gedicht“. „Ich brauchte eine Weile, bis ich kapierte, dass sie ein Gedicht vortanzt (…) Alleine und zweifelsohne nüchtern ein Gedicht vortanzen, das nenne ich mutig (…) die Zuschauer saßen wie gebannt auf ihren Stühlen, die Augen glänzten vor Begeisterung. (…) Mir war klar, dass ich mich benehmen musste, wenn ich noch etwas trinken wollte an diesem Abend“. Das mit dem Trinken ist dann aber ein anderer – nicht minder amüsanter – Teil der Geschichte.

Man kann oft so richtig lachen bei der Lektüre des Buches. Auch „Früher war mehr Jeans“ ist mitten aus dem Leben. Obgleich ich mich schon manchmal gefragt habe, ob Volker Keidel das wirklich so und nicht anders erlebt hat, oder ob er doch ab und an seiner Phantasie freien Lauf ließ. Ist aber auch egal! Ich habe mich auf den 208 Seiten wunderbar unterhalten. Hab die ein oder andere Passage auch meiner Frau und meinem Sohn vorgelesen und so konnte die ganze Familie an dem Spaß partizipieren. Und Spaß hat das Lesen der Kurzgeschichten wahrlich gemacht! Kann man nur empfehlen – jetzt in Coronazeiten und natürlich auch danach.

Ein Beitrag von Florian Pittroff

Homepage: www.flo-job.de

Informationen zum Buch:

Volker Keidel
Wer alkoholfreies Radler trinkt, hat sich schon aufgegeben
Knaur TB, 2020
Taschenbuch, 208 Seiten, 9,99 €, auch als E-Book erhältlich
ISBN: 978-3-426-79066-3

#VerschämteLektüren (7): Bitte übernehmen Sie, Sophie!

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Wohlfühlbücher statt verschämter Lektüren. Bild von Ylanite Koppens auf Pixabay

Sophie von den Literaturen ist für ihre treffsichere Lektürewahl und tollen Buchempfehlungen ebenso bekannt wie für ihr vielseitiges Engagement: Vor allem die Independent-Verlage und die unabhängigen Buchhandlungen kommen auf ihrem Blog ganz groß raus. Aber auch sie greift manchmal zu Büchern aus einer ganz anderen Leseecke – es darf auch mal schön leicht sein. „Wohlfühlschmöker“ sind für Sophie solche Bücher:

So wirklich verschämt habe ich keines meiner Bücher gelesen. Ich würde mich auch in die Öffentlichkeit mit ihnen begeben, ich würde sie sogar empfehlen. Trotzdem sie sich einer ziemlich lesbaren und flotten Sprache ohne große Stolpersteine bedienen. Keine hohe Literatur, sondern was für Herz, kalte Winterabende, Kannen voll Tee und die nicht ganz so literarischen Momente.

Rachel Joyce ist so eine Autorin, die einem selbst mit ganz tragischen Themen immernoch ein gutes Gefühl gibt, so geschehen in ,Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry‘ und (für mich) noch mehr in ,Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte‘. Einfach Wohlfühlschmöker wie man sie eben manchmal braucht, wenn die Schokolade aus und kein Wein mehr da ist. Oder so.

Ähnliches trifft auf Kathryn Stocketts ,Gute Geister‘ zu, das als ,The Help‘ ja auch irgendwie schmusig (im Sinne von gefällig) verfilmt wurde. Da gibt’s noch wahren Idealismus und Mut und Freundschaft und Liebe angesichts aller Ungerechtigkeit. In diesem Falle der Rassentrennung und Diskrimierung in den 60ern, ausgerechnet in den Südstaaten. Ich empfehle das immer wieder gern, weil man danach das Gefühl hat, man könnte doch ein bisschen Hoffnung in die Welt und ihre Bewohner investieren, es würde irgendwann schon alles gut, wenn man hart genug dafür kämpfe.

Außerdem sei an Stellen wie diesen für mich immer Flavia de Luce genannt, die ich abgöttisch liebe. So richtig altbackene Krimis mit ganz pikantem Dreh – die Ermittlerin ist ja schließlich ein zwölfjähriges Chemie-Genie. Quasi: Wie wäre Miss Marple wohl gewesen, wenn man sie als Kind in ein Chemielabor gelassen hätte? Die Fälle spielen in den 50ern auf dem irgendwie düsteren Familienanwesen bzw. im angrenzenden Bishops Lacey, es gibt zickige Schwestern und Haushälterinnen, die schlecht kochen, aber doch so unglaublich herzlich sind. Einen traumatisierten Butler und jede Menge ironische Seitenhiebe. Flavia macht einfach Spaß!

Hier geht es zur Blogseite der Autorin: http://literatourismus.net/