KRÖNER VERLAG: Yeoh Jo-Ann – Zweckfreie Kuchenanwendungen

„Offenbar gab es tatsächlich Menschen, die nicht begriffen, wozu Kuchen gut war, die das einfach nicht begriffen und deshalb niemals Zutritt zur Kuchengemeinschaft haben, niemals seine Menschen sein würden.“

Zugegeben: Der Romantitel „Zweckfreie Kuchenanwendungen“ klingt auf den ersten Blick etwas irreführend, nach Tortenschlachten und Klamauk. Davon ist dieser feine Roman aus Singapur, jetzt aktuell im Herbstprogramm des Kröner Verlags erschienen, jedoch meilenweit entfernt.

Ja, das Buch verfügt über Humor, aber den der feinen Art, und ja, die Protagonisten, vor allem die Hauptfigur, ein Englischlehrer namens Sukhin Dhillon sind leicht schräg. Doch wie sich dieser einsame, schrullige Mittdreissiger langsam öffnet, als er seine Jugendliebe wieder trifft, das ist voller Herzenswärme erzählt. Und ermöglicht den Blick auf ein Singapur, den wir Europäer so gar nicht erahnen: Denn seine Jugendliebe Jinn ist obdachlos, lebt in einem Haus aus Kartons (die im Debütroman von Yeoh Jo-Ann ebenfalls eine große Rolle spielen) mitten in der High-Tech-Welt Singapurs.

Liebe, heißt es, geht durch den Magen – in diesem besonderen Roman nimmt das außergewöhnliche Formen an: Denn Sukhin und Jinn arbeiten schließlich gemeinsam in einer Armenküche. Und Sukhings geregeltes Leben wird gründlich auf den Kopf gestellt…

Die ersten begeisterten Stimmen zum Buch sind, kaum ist es erschienen, schon da:
Lena Bodewein hat den Roman im NDR besprochen: https://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Zweckfreie-Kuchenanwendungen-Ein-Buch-voller-poetischer-Bilder,yeoh100.html

und Petra vom Blog Welterlesen schreibt über ihn in einem Brief an eine Freundin in Wien:
https://welterlesen.com/2022/11/06/brief-yeoh-ju-ann-zweckfreie-kuchenanwendungen/

Und beim Verlag freut man sich nun auf weitere Buch-Kuchen-Bilder, ganz zweckfrei!

Informationen zum Buch:
Yeoh Jo-Ann
Zweckfreie Kuchenanwendungen
Roman. Übersetzt von Gabriele Haefs
Alfred Kröner Verlag, Oktober 2022
320 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 24,00 €
ISBN 978-3-520-62501-4

https://www.kroener-verlag.de/details/product/zweckfreie-kuchenanwendungen/

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Kröner Verlag.

Der Herbst bei Kröner, Dielmann, Mirabilis und der STROUX edition

Die Blätter fallen und die neuen Bücher kommen: Bei den Verlagen, für die ich arbeite, warten die Bücher aus den aktuellen Herbstprogrammen auf ihre Leser.

Alfred Kröner Verlag
Bereits Ende September erschienen sind im Alfred Kröner Verlag die vier Titel aus der Kröner Edition Klöpfer: „Professor Lear“ von Joachim Zelter, „Das Zusammenfalten der Zeit“ von Walle Sayer, „Deutsche Szenen“ von Gerhard Stadelmaier sowie „Und jetzt ist Schluss“ von Christine Lehmann. In diesen Tagen erscheint zudem ein von Gabriele Haefs übersetzter Roman, der ähnlich wie „Brooklyn soll mein Name sein“ von Eduardo Lago (erst vor kurzem im Interview mit Denis Scheck in „Druckfrisch“ zu sehen), in seinem Herkunftsland ein riesiger Erfolg war: „Zweckfreie Kuchenanwendungen“ von Yeoh Jo-Ann.
Der Debütroman der Autorin aus Singapur erhielt aus dem Stand mehrere Preise und Nominierungen und gilt als passendes Portrait der „Post-Millenium-Generation“.
Das Herbstprogramm zum Durchblättern findet sich hier: https://www.book2look.com/book/sasiUXOf71

axel dielmann-verlag
Ein ganzes Herbstprogramm komplett mit Lyrik! Kann das gutgehen? Die Frage stellt sich Verleger Axel Dielmann selbst in seiner Vorschau. Und meint: „Na ganz einfach, indem wundervolle Dichterinnen und Dichter in schöne Bände gepackt werden. Und das ist hier achtfach geschehen. Denn es ist eindeutig so: Die notwendige Erarbeitung von sprachlichen Möglichkeiten, welche sich die rasant und massiv verändernden Rahmenbedinungen unseres Lebens wenigstens in ersten Annäherungen formulieren und ausdrücken könnten, findet in der zeitgenössischen Lyrik statt. Und die Dichterinnen und Dichter, welche ihre Sprache auf die Aussprechbarkeit der neuen Unbegreiflichkeiten und Herausforderungen,
der Komplexität und Dynamik hin prüfen, müssen lesbar gemacht werden.“

Die Vorschau, die auch noch einen EU-Lyrik-Reisepass bietet, und Informationen zu den einzelnen Titeln finden sich hier: http://www.dielmann-verlag.de/de/termine/detail/~id.425~nm.5/LYRIK-Halbjahr-im-Verlag.html
Als PDF zum Download:

Mirabilis Verlag
Beim Mirabilis Verlag erscheint Ende Oktober „Nur einmal mit den Vögeln ziehn“ von Sylvia Frank. Hinter dem gemeinsamen Pseudonym stecken Sylvia und Frank Meierewert. Beide Autoren haben bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht, gemeinsam, aber auch einzeln unter verschiedenen Pseudonymen, u. a. beim Aufbau Verlag, bei Ullstein und Gmeiner. Der Roman erzählt das Leben von fünf Menschen von 1977 bis zur Wendezeit 1989/1990.
Jens, Anna Maria, Ivo, Siv und Aki begegnen sich und trennen sich wieder – der Roman schildert ihre Hoffnungen und Träume, Erwartungen und Enttäuschungen, den Wunsch nach Selbstverwirklichung und das Scheitern an der Realität, die Rebellion gegen Systeme und die Suche nach dem eigenen Weg, gepaart mit dem steten Gefühl, alles in diesem einen Leben erreichen zu müssen. – Ein fiktiver Roman, beruhend auf wahren Ereignissen.

Das Programm zum Download:

STROUX edition:
Vor 80 Jahren, am 3. Oktober 1942, wurde in Peenemünde zum ersten Mal eine A4-Rakete gestartet. Alfred Schmidt erzählt in dem biographischen Roman „Gröttrup und das Universum der erfinderischen Zwerge“ die Geschichte des genialen Erfinders Helmut Gröttrup, die auch ein Stück DDR-Geschichte ist. Das Buch erscheint am 17. Oktober.

Im November folgt mit „Die Göttlichen Kindchen“ von Tatjana Gromača die Übersetzung ihres Romans über die Geschichte ihrer Mutter, die an den Folgen der Wirtschaftskrise, des aufkommenden Nationalismus und des Krieges in Kroatien psychisch zerbricht. Das Buch wurde in Kroatien mit mehreren Preisen ausgezeichnet, nun wird es erstmals in deutscher Übersetzung vorliegen.

Das Programm zum Download:

Wer eines der (oder alle) Programme per Post zugesandt haben möchte – ich freue mich über eine kurze Nachricht. Und natürlich nehme ich gerne auch Rezensionswünsche entgegen, versende Leseproben und weitere Informationen.

Amanda Lee Koe: Ministerium für öffentliche Erregung

LeeKoe

Bild: (c) Michael Flötotto

„Sie sang in der Hoteldusche in Penang. Die Badezimmertür war geschlossen, aber vom Bett aus konnte ich sie hören. Es war ein Doppelbett. Sie sang ein Medley aus Beatles-Refrains, aber sie hatte alle Texte verändert. Sie hatte die Stimme einer Frau, die tausend Zigaretten geraucht hatte.
Sie kam heraus und sang „All You Need Is Love“, nur dass sie den Text zu „All You Need Is Love Is A Lie“ geändert hatte. Sie lächelte mich an, während sie sang, und ich lächelte zurück. Sie setzte sich vor den Spiegel, kämmte ihr Haar. Als sie zurück ins Bad ging, um es auszuspülen, ging ich zum Frisiertisch, hielt die Bürste an meine Nase und atmete ihren Duft ein.
Ich ging wieder ins Bett, legte mich auf die Kissen. Ich hörte sie gurgeln, ausspucken, gurgeln, ausspucken. Ich hörte das Wasser rieseln, als sie sich das Gesicht wusch, die kleinen Spritzer. Ich hörte, wie sie den Toilettensitz hochklappte. Ich hörte sie pinkeln. Sie pinkeln zu hören, während ich auf dem Hotelbett lag, brachte mein Herz fast zum Bersten.“

Amanda Lee Koe, „Ministerium für öffentliche Erregung“,  OA-Ausgabe 2013, in deutscher Sprache bei CulturBooks Verlag 2016.

Es bringt einen zum Staunen, mit welcher Abgeklärtheit Amanda Lee Koe über die Liebe in allen ihren Spielarten und Schattierungen schreibt: Beinahe kühl, fast spröde, gänzlich unsentimental und dennoch mitten ins Leserinnenherz treffend. Die Storys der 1987 in Singapur geborenen Schriftstellerin sind im besten Sinne: Cool. Überraschend. Irritierend. So wie die Erzählung „Alice, du musst der Mittelpunkt deines eigenen Universums sein“, aus der das obenstehende Zitat stammt. Alice, die kurz vor dem Studium in London steht, lernt durch Zufall die wesentlich ältere, lebenslustige Jenny kennen. Die beiden werden enge Freundinnen, Jenny reißt die junge Frau mit ihrer Unternehmungslust mit, die Bindung wird immer enger – bis Alice, die sich verliebt hat, sich das aber nicht eingestehen will, zurückzieht, den Kontakt abbricht. Als sie Jenny nach einigem Abstand nochmals aufsuchen will, erfährt sie vom Tod der älteren Frau, die an Krebs litt – zu spät für eine Aussprache, zu spät für eine Versöhnung. Was bleibt, ist die Erinnerung an die Geräusche in einem Hotelzimmer, die späte Gewissheit, dass da Liebe war …

Vor allem von diesen unausgelebten, den unerwiderten, den einseitigen Lieben erzählt Amanda Lee Koe. Ganz ruhig, klar und unsentimental wie in „Liebe ist keine große Wahrheit“:

„Es gibt auf der ganzen Welt kein Ich kann ohne dich nicht leben du kannst ohne mich nicht leben. Die Erde dreht sich. Die Zeit vergeht. Reis wird gegessen. Wer kann das widerlegen?“

Eine ältere Frau erzählt: Wie ihr Gesicht durch einen Unfall entstellt wird. Wie ihr Mann sie daraufhin verlässt. Wie sie ihr Bett weggibt: „Depression ist leicht,  wenn man ein Bett hat.“ Wie sie irgendwann erkennt:

„Ich hatte nun meine Unabhängigkeit davon, Ehefrau zu sein, Mutter, sogar Frau. Ich war einfach ich. Ich fühlte eine unglaubliche Freude, die sich in meinem Körper ausbreitete. Ich bestritt meinen Alltag, als hätte sich nichts geändert – und tatsächlich hatte sich nichts geändert, aber ich wusste, dass dies der Anfang von etwas Neuem war und dass dieses Etwas bis an mein Ende andauern würde.“

Nicht alle Frauen in diesen Erzählungen sind Siegerinnen, Überlebende, wie beispielsweise die Kunstkuratorin in „Karussell & Kastell“, die zunächst das machohaft-verbrämte Pseudophilosophieren eines Künstlers und im Anschluss ein verheerendes Attentat auf dessen Ausstellung überlebt. Andere, so beispielsweise eine chinesische Wanderarbeiterin, die in Singapur als Hausangestellte ausgenützt wird, ein traumatisiertes Vergewaltigungsopfer, das auf Liebe und Zugehörigkeit hofft, sind alles andere als auf der Siegerseite – und dennoch wohnt auch dieser Protagonistin eine Stärke inne, wie sie fast alle der weiblichen Figuren in diesen Erzählungen in sich tragen.

Es sind jüngere und ältere Frauen, die auf der Suche sind: Nach Liebe, Anerkennung, Beziehungen, vor allem aber nach ihrem eigenen Platz in der Welt. Sie kämpfen um ihre Autonomie.

Universelle Themen vor einem speziellen Hintergrund: Die Glitzermetropole Singapur, die Stadt mit den höchsten Lebenshaltungskosten weltweit, multiethnisch, hektisch, ein Schmelztiegel von Ost und West. Schmelztiegel und Trennlinie – denn in einer der größten Finanzmetropolen scheiden sich nicht nur Arm und Reich, sondern treffen zudem moderne, westliche Lebensweise mit traditionellen, konfuzianisch geprägten Rollenmustern zusammen. Konfuzius, so wird in einer der Geschichten zitiert, habe die Stellung der Frau dem Mann nachgeordnet – und so bewegen sich die Heldinnen dieser Geschichten in einem Spannungsfeld zwischen konservativen gesellschaftlichen Normen, persönlicher Entwicklung und dem Wunsch nach individueller Freiheit.

„Ministerium für öffentliche Erregung“: Ein literarisches Debüt, das öffentliches Aufsehen erregte –  und dies zu Recht. Amanda Lee Koe erhielt 2014 für das Buch den Singapore Literature Prize for English Fiction, ihr Storyband führt außerdem derzeit die Litprom Bestenliste „Weltempfänger“ an. Ins Deutsche übersetzt wurden die Erzählungen von Zoë Beck.

Verlagsinformationen zum Buch:
http://www.culturbooks.de/portfolio/amanda-lee-koe-ministerium-fuer-oeffentliche-erregung-storys/

Spende? Gerne!

Wer das Engagement dieses Blogs unterstützen möchte, kann dies gerne mit einem Beitrag via Paypal tun. Oder ganz klassisch mit einer Überweisung, die Daten dafür finden sich im Impressum.

€5,00