„Andrin“ im Doppelpack

Über zwei sehr positive Besprechungen an einem Tag konnten sich Autorin Martina Altschäfer und der Mirabilis Verlag freuen:

„Unterhaltsam, gut geschrieben, lesenswert.“ – so ordnet Stefan Härtl auf Bookster HRO den Roman „Andrin“ ein. Die Besprechung in ganzer Länge: https://booksterhro.wordpress.com/2020/11/05/martina-altschafer-andrin/

Und die Autorin und Lektorin Dr. Yvonne C. Schauch sagt: „Ich habe diesen Roman ausgesprochen gern gelesen und empfehle ihn ebenso ausgesprochen gerne weiter.“
Ihre Rezension findet sich hier: https://www.schauch.com/2020/11/06/martina-altsch%C3%A4fer-andrin/

Zum Verlag: https://mirabilis-verlag.de/

Ulla Coulin-Riegger im TV-Interview

Von ihrem Romandebüt „Mutters Puppenspiel“, über unglückliche Mütter, rücksichtslose Narzissten und von ihrem nächsten Buchprojekt sprach Ulla Coulin-Rieger im SWR:

https://www.swrfernsehen.de/landesschau-bw/studiogaeste/psychotherapeutin-ulla-collin-riegger-ueber-das-zusammenleben-mit-narzissten-100.html

Andrin: Ein gelungenes Debüt

„Der Schreibstil war es, der mich sofort in die Geschichte gezogen hat. Martina Altschäfer schreibt sehr detailliert, sehr stimmungsvoll, deutet Dinge an, ohne sie jedoch aufzulösen. Sie lässt die Unsicherheiten im Raum stehen, lässt ihre Protagonistin und uns ins Ungewisse treten und dort verharren. Und immer ist da die kraftvolle Natur, die niemanden schont, aber dennoch Halt bietet.“

Sonja vom Blog „Buchweiser“ hat „Andrin“, das Romandebüt von Martina Altschäfer, sehr gern gelesen: „Gelungen!“ lautet ihr positives Fazit.

Zur Rezension: https://buchweiser.com/2020/09/15/rezension-andrin-von-martina-altschafer/

Neuigkeiten!

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Ausgiebig über Bücher spricht das „gemischte Doppel“ beim NDR, bestehend aus Annemarie Stoltenberg und Rainer Moritz. Unter den Buchempfehlungen für den Herbst 2020 ist auch Máirtín Ó Cadhain mit „Die Asche des Tages“ aus dem Kröner Verlag zu finden. Zum Nachhören findet sich die Sendung hier: https://www.ndr.de/ndrkultur/Das-Gemischte-Doppel-Buchtipps-fuer-den-Spaetsommer-Teil-3,audio739266.html

Richard Mayr stellte am 2. September im Feuilleton der Augsburger Allgemeinen den „Federico Temperini“ von Theres Essmann vor. Er meint: „Ein Debüt, das gespannt macht auf mehr“.
https://www.pressreader.com/germany/augsburger-allgemeine-ausgabe-stadt/20200902/281861530897913

Und über die Buchpremiere von Martina Altschäfers Roman „Andrin“ und Vorstellung des Mirabilis Verlags berichtet die Neu-Ulmer Zeitung: https://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Literatur-unter-Baeumen-in-Neu-Ulm-Mirabilis-ein-Verlag-fuer-kleine-Wunder-id58034261.html

Martina Altschäfer: Andrin, Mirabilis Verlag

Mirabilis Verlag

Susanne ist Schriftstellerin und Ghostwriterin. Als sie für einen zahlungskräftigen »Premium«-Kunden eine geschönte Autobiografie verfassen soll, ist sie nahe am Verzweifeln. Ihr Verleger stellt Susanne kurzerhand seine Ferienwohnung in Italien zur Verfügung, um sie zu motivieren. Doch auf der Reise in den Süden verhindert mitten in den Schweizer Alpen ein Steinschlag die Weiterfahrt. Unversehens gerät sie nach Voglweh, eine kleine verfallene Siedlung mit lediglich zwei Bewohnern, die kaum eine Verbindung zur Außenwelt haben und sich selbst versorgen. Aus ursprünglich einer Notübernachtung werden Tage, Wochen, Monate. Susanne taucht immer intensiver hinein in die geheimnisvolle Welt ihrer Gastgeber…
»Andrin« ist ein Roman, der von der Kraft der Natur erzählt, die ebenso so zerstörerisch wie heilend wirken kann. Und von der Selbstfindung einer Frau, die lernt, sich den Geheimnissen des Lebens zu überlassen.

Martina Altschäfer hat Bildende Kunst und Germanistik an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz und Freie Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf studiert. Ihre künstlerische Arbeit ist unter anderem mit dem Burgund-Stipendium des Landes Rheinland-Pfalz sowie dem Preis des Landes Rheinland-Pfalz für Graphik ausgezeichnet worden. Trotz ihrer großen Vorliebe für das Gebirge lebt und arbeitet sie in Rüsselsheim am Main.

»Andrin« ist Martina Altschäfers Romandebüt, nachdem 2017 bereits ihr Erzählband »Brandmeldungen« mit zahlreichen farbigen Zeichnungen und Textcollagen im Mirabilis Verlag erschienen ist.

Der Roman liegt ab dem 25. August vor, die Buchpremiere findet am 29. August in Ulm statt. Verlagsinformationen zum Buch: Andrin

Besprechungen:

„Das ist das Schöne an diesem Buch: eine einfache, gar nicht komplizierte Paralellwelt fächert sich auf in einer Facettenhaftigkeit, die ihren Glanz aus der dieser Welt zugeneigten Sprache der Erzählerin bezieht.
Vielleicht, weil die Schriftstellerin auch bildende Künstlerin ist, haftet diesem Debütroman eine Liebe in der Gestaltung an, die beim Lesen spürbar ist.“ –
Dagmar Eger-Offel von Literatur im Fenster

„Der Schreibstil war es, der mich sofort in die Geschichte gezogen hat. Martina Altschäfer schreibt sehr detailliert, sehr stimmungsvoll, deutet Dinge an, ohne sie jedoch aufzulösen. Sie lässt die Unsicherheiten im Raum stehen, lässt ihre Protagonistin und uns ins Ungewisse treten und dort verharren. Und immer ist da die kraftvolle Natur, die niemanden schont, aber dennoch Halt bietet.“Buchweiser

„In ihrem märchenhaften Roman „Andrin“ versetzt uns Martina Altschäfer in eine um Haaresbreite verrückte Parallelwelt, die sie aus der Perspektive ihrer Ich-Erzählerin fantasievoll, mitreißend und unterhaltsam veranschaulicht.“Dieter Wunderlich

„Ich habe diese Sätze gelesen und dachte nur: „WOW“! Diese Autorin kann schreiben!“Monika Abbas

„Absolut positiv ist der hochwertig gestaltete Auftritt des Buches! Das begeistert.“Sabine Krass

„Die Geschichte ist originell, weckt Sehnsüchte und ließ mich vom Alltagsstress in Tagträume hinabgleiten. Ich wurde also in einen literarischen Kurzurlaub geschickt und habe mich dabei prächtig erholt. Nur schade, dass auch der schönste Urlaub irgendwann vorbei ist.“ – Claudia Kowalski bei Renie`s Lesetagebuch

„Martina Altschäfer spielt mit dem Leser, denn sie verrät nie so viel, dass es langweilig wird. Im Gegenteil. Sie verrät immer so viel, dass die Neugierde angefacht wird. Diese Kamera-Schwenks finde ich extrem schlau, abwechslungsreich und interessant.“ – Susanne Probst auf ihrem Blog Lieslos!

 

 

Dana von Suffrin: Otto

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EIN GASTBEITRAG VON VERONIKA ECKL

Veronika Eckl stellt Dana von Suffrins Roman über eine Tochter und ihren jüdischen Vater vor: „Otto“.

Zugegeben, ich habe diesen Roman in den letzten Wochen immer wieder vom Wohnzimmertisch zum Küchentisch zum Schreibtisch getragen und zurück. „Pflegefall“ und „Abschied“, diese beiden Wörter auf dem Cover hatten genügt, um mir jede Lust auszutreiben, ihn zu lesen. Aus dem Fernseher fluteten die Bilder aus Italien, wo das Coronavirus gerade eine ganze Generation hinwegfegt. Am Telefon berichteten Freunde von ihren gelingenden oder misslingenden Versuchen, die alten Eltern zum Daheimbleiben zu bewegen, und vom Ringen mit dem Hefeteig für den Osterzopf, den in normalen Zeiten ja doch meistens die Mütter über siebzig backen, während die Väter über achtzig die Zeitung lesen und sich schon darauf freuen, die an den Feiertagen angereisten erwachsenen Kinder mit politischen Debatten und ausschweifend vorgetragenen Erinnerungen an die eigene Vergangenheit in Beschlag zu nehmen.

Meine Eltern habe ich an Ostern brav nicht besucht und dafür dann doch Dana von Suffrins Debütroman gelesen. Und laut gelacht über Otto, den wie Jesus Christus immer wieder auferstehenden jüdischen Patriarchen, der seinen beiden Töchtern mit einer gewissen Impertinenz die Familiengeschiche zu vermitteln versucht und gar von der Ich-Erzählerin Timna fordert, diese aufzuschreiben – wohl weil er, wieder einmal aus dem Krankenhaus entlassen, spürt, dass er nun endgültig am Ende seines Lebens steht. Otto kommt ursprünglich aus Rumänien, aus Siebenbürgen, der Roman ist jedoch in München angesiedelt, wo er den größeren Teil seines Lebens als Ingenieur verbracht hat und auf seine alten Tage stolzer Besitzer eines Truderinger Reihenhauses geworden ist, eines Neubaus, der Timna nicht gefällt, dessen Erwerb sie aber psychologisch fein einzuordnen weiß: „Doch Otto wollte (…) das Haus ohne Zeit und Geschichte, vielleicht weil er selbst so viel Geschichte in sich hatte, dass er nicht von weiteren Geschichten umgeben sein wollte.“ Dort wickelt er die Fernbedienung in Frischhaltefolie ein, archiviert seine Ex-Frauen in Ordnern und hängt keine Bilder an die Wände, um diese zu schonen. Seine Töchter hält er mit „schönen Bitten“ auf Trab, eine davon wurde der Erzählerin von klein auf eingebleut: den Vater im Alter nie in ein Heim zu stecken, denn das sei „ein Ort mit lauter alten Nazis ohne Zähne“.

OttoTimna engagiert also über greise Siebenbürger Bekannte eine Pflegerin aus Ungarn, mit der sie nur über den Google Translator kommunizieren kann, deren Freizeitbeschäftigung darin besteht, bei Lidl ungarische Salami einzukaufen und deren gefälschter pinker Adidas-Jogginganzug die Schwestern fasziniert – allein schon die hier abgelieferten Beschreibungen machen den Roman unbedingt lesenswert. Und als die Erzählerin, eine promovierte Philosophin, die wie die Münchnerin Dana von Suffrin an der Uni arbeitet, den unterbezahlten Job dort verliert, beschließt sie, der Bitte ihres Vaters doch nachzukommen, ihm zuzuhören und seine Geschichte aufzuschreiben. Es geht wild hin und her, vor Zeitsprüngen und plotfreier Erinnerungsfülle hat die Autorin keine Angst, aber das Ganze ist so unterhaltsam und durch und durch tragikomisch, dass man gerne mit ihr durch die vergangenen Jahrzehnte wirbelt. Denn Timna selbst steht verwirrt und ein wenig ratlos vor Ottos Erinnerungen an die untergegangene Welt der religiösen Juden von Kronstadt, sie, die durchaus selbstironisch zugibt, zum Missfallen des Vaters von jüdischen Sitten und Gebräuche wenig Ahnung zu haben. Bei den Synagogenbesuchen ihrer Kindheit und Jugend habe man sie und die Schwester nur eingelassen, weil der Vater dabei gewesen sei, sie selbst hätten an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, freundlich „Herzlichen Glückwunsch“ gewünscht statt „Gute Unterschrift“, oh je. In dem Maße, in dem Ottos körperlicher und geistiger Verfall fortschreitet, wird auch das Pessach-Fest am Esstisch in Trudering mehr und mehr zum Debakel. Und Israel, wohin Ottos Eltern mit ihm 1962 emigrierten, erscheint den Töchtern, Münchner Teenagern aus dem Penthouse im Olympiadorf, nicht als gelobtes Land, sondern vielmehr als Ort der Langeweile. In den Sommerferien im Plattenbau in Haifa – einem Relikt aus der Jugendzeit des Vaters, das er liebt – vertreiben sie sich die Zeit, indem sie aus Deutschland mitgeschlepptes Katzenfutter an streunende Katzen verfüttern. Das war’s dann auch schon fast mit Israel-Erinnerungen.

Natürlich liegt der Schatten des Holocaust, dem die Vorfahren zum Opfer fielen, dunkel über dieser Familiengeschichte. Ganz normal erscheint es der Erzählerin, dass der Vater immer, auch im Krankenhaus, ein „Tascherl“ dabeihat mit Kopien von Ausweisen, Geburtsurkunden und Abschlusszeugnissen, „falls wir deportiert werden sollten“. Aber Dana von Suffrin hat kein Buch über den Holocaust geschrieben, sondern darüber, wie die Generation der später Geborenen heute mit diesem Erbe lebt. Sie beschreibt, wie sehr Kinder doch Produkte ihrer Eltern sind und die wiederum Produkte ihrer Eltern. „Ihr könnt ganz alte Kühe werden, für mich seid ihr Kinder!“, schleudert Otto, der durchaus despotische Züge hat, seinen Töchtern entgegen. Und ihr Roman ist auch eine Liebesgeschichte, denn Timna lernt auf dem Krankenhausflur ihren Freund kennen, dessen Kindheitswelt im niederbayerischen Gäuboden sich zwar von ihrer stark unterscheidet, wo es aber auch zu kleine Familien und Skurrilitäten und Tragödien gibt. So finden sich zwei, die eine Ahnung haben davon, was Schwere ist.

Schwer und gleichzeitig leicht ist auch Dana von Suffrins Sprache, mit herrlich dahinmäandernden Sätzen, lakonisch und zugleich von einer bezaubernden Altmodischkeit, wenn Timna etwa mit ihrem Freund streitet und es dann heißt: „(…) ich genierte mich, und ich wurde gering.“ Welchem Jungautor einer der literarischen Kaderschmieden des Landes würde heute so ein Satz in die Tasten fließen? Allein schon die Kapitelüberschriften sind kleine Meisterstücke in humorvoller Präzision.

Also, lesen. Vielleicht gerade jetzt, in Zeiten der Schwere, wo man sich selbst nicht gar so selbstoptimierend wichtig nehmen sollte. Am Ende des Romans heißt es: „Meine Gedanken waren kein Monument, meine Familie war nicht bedeutend, und meine Geschichte war es nicht. Nichts davon verdient eine Gedenkstätte.“

Von Veronika Eckl


Informationen zum Buch:

Dana von Suffrin
Otto
Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2019
Gebunden, 240 Seiten, 20,00 €

Theres Essmann: Federico Temperini

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„Tagsüber lag der Geigenkasten auf meiner Rückbank, und ich fuhr mit ihm durch Köln. Ich schaute nicht hinein. Ein Fahrgast sagte: „Reicht wohl nicht, um davon zu leben.“ Ich antwortete nicht darauf.
Abends legte ich ihn vor mir auf den Küchentisch. Das schwarze Leder war abgestoßen, mit der flachen Hand strich ich darüber, spürte die Risse. Der Kasten war locker 50 Jahre alt (…)
Warum von dem, was sein Leben gewesen war, nur noch die Schutzhaut übrig war, und wo seine Geige jetzt war, ich konnte es ihn nicht mehr fragen.“

Theres Essmann, „Federico Temperini“.

Unterschiedlicher könnten sie nicht sein, diese beide Männer: Der Taxifahrer Jürgen Krause, der sich die einsamen Abende mit einer Eric Clapton-Biographie vertreibt, und der geheimnisvolle ältere Herr, ein profunder Kenner klassischer Musik, von dem Krause eines Tages als Chauffeur zur Kölner Philharmonie gebucht wird. Und doch verbindet die beiden Protagonisten dieser Novelle eine Gemeinsamkeit: Sie sind, zwar auf sehr unterschiedliche Weise, am Leben gescheitert.

Das Erzähldebüt von Theres Essmann gleicht beinahe einem Kammerspiel: Im begrenzten Raum eines Taxis kommen sich die beiden Männer allmählich näher, lernen sich peu à peu, Fahrt für Fahrt zur Philharmonie ein wenig kennen. Die Schriftstellerin wechselt dabei die Erzähltempi wie in einer wohldurchdachten Sinfonie, beginnend mit einer langsamen Annäherung, endend im Rondo, das zumindest für den Taxifahrer von viel Moll in ein sanftes Dur wechselt.

Bei Krause, der nach einem abgebrochenen Studium und einer Scheidung im Grunde immer noch lebt wie ein ewiger Student, wächst nach und nach die Neugier auf den Hintergrund seines zunächst schroff wirkenden, oftmals abweisenden Fahrgast. Dieser scheint seltsam besessen von Nicolò Paganini, dem Teufelsgeiger, dem Franz Liszt in seinem Nachruf ein „düster trauriges Ich“ bescheinigte. Auch Federico Temperini ist keine Frohnatur: Einsam, verschlossen, die einzige Ausdrucksfähigkeit scheint in der Musik zu liegen.

Zunächst herrscht zwischen den beiden Männern, zumindest auf Krauses Seite, eher Befremden, Distanz und leise Abneigung:

„… und sah, dass der Anrufer Temperini gewesen war. Ich hatte ihn längst zu meinen Kontakten hinzugefügt, aber wann immer sein Name auf dem Display meines Handys erschien, ging es mir damit wie mit seinem Büttenpapier-Umschlag auf meinem Beifahrersitz: Er gehörte da nicht hin.“

Für den Fahrer ist der alte Herr einer, der „wie aus der Zeit gefallen scheint“. Und doch lernen  die beiden Männer sich nach und nach kennen und rücken im Taxi förmlich zusammen – Temperini belegt eines Tages statt der Rückbank den Beifahrersitz. Dies ist mit viel erzählerischem Gespür aufgebaut: Auch beim Leser steigt die Neugier auf diesen Wiedergänger Paganinis, ab und an meint man gar, mitten in einer „gothic novel“ zu sein.

Das Schicksal Temperinis ist jedoch ganz und gar erdgebunden: Das Leben eines begnadeten Musikers, das durch eine Erkrankung aus der Bahn gebracht wurde und in Einsamkeit und Armut endet. Etwas, was sich dem Taxifahrer jedoch zu spät, erst nach Temperinis Tod, vollständig enthüllt.

Ohne es aussprechen zu müssen (oder besser: „ausschreiben“), führt Theres Essmann die Leser so zum Kern der Geschichte: Krause gibt, auch mit Hilfe der lebensklugen Maria, seinem Dasein eine Wende, zwar nicht durch einen spektakulären Neubeginn, sondern eher durch einen neuen Blick auf das, was ist. Er schüttelt seine Traurigkeit, sein Phlegma, seinen Fatalismus ab – und plötzlich sind viele Wege wieder offen.

Theres Essmann gibt mit dieser Novelle ein Debüt, das von einem musikalischen Gespür für Sprache und Rhythmus zeugt. „Federico Temperini“ entfaltet auf knappen Raum, gekonnt verdichtet, das Leben zweier Männer, erzählt von gescheiterten Lebensentwürfen und vom Neubeginn sowie von einer ungewöhnlichen Freundschaft. Und nicht zuletzt macht diese Erzählung Lust auf eine Taxifahrt durch das nächtliche Köln.

Die 1967 im Münsterland geborene Theres Essmann studierte Literaturwissenschaften und Philosophie, lebt und arbeitet in Stuttgart und Köln. Für ihr Erzähldebüt erhielt sie ein Stipendium des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg.

Homepage der Autorin: https://theres-essmann.de/

Informationen zum Buch:

Theres Essmann
Federico Temperini
Verlag Klöpfer, Narr, 2020
164 Seiten, Festeinband mit Lesebändchen, 18,00 €
ISBN: 978-3-7496-1026-6
Verlagsseite mit Leseprobe: http://www.kloepfer-narr.de/federico-temperini/


Weitere Besprechungen finden sich hier:

Dieter Wunderlich: „Es handelt sich im doppelten Sinn des Wortes um Schöne Literatur bzw. Belletristik. “
Bücheratlas: “ Gleichwohl hat der Text eine feine Spannung im Alltäglichen. Er ist amüsant und melancholisch und bringt seine Geschichte an ein harmonisches Ende.“
Buch-Haltung: „Es bleibt spannend, was von Theres Essmann künftig zu lesen sein wird. Federico Temperini ist auf alle Fälle eine Novelle, die Lust auf mehr macht. Glaubwürdige Figuren, eine passende Sprache und eine ganz eigene Annäherung an den Teufelsgeiger Niccolo Paganini!“
Leseschatz: „Ein musikalisches, kleines Werk, das schön erzählt ist. Es sind zwei gescheiterte Lebensläufe, die zueinander finden und sich ergänzen. Es geht um Verlust, Freundschaft und Anerkennung. Der Text ist eine kleine Bühne für einen Moment des Stillhaltens und der Betrachtung des Gegenwärtigen.“
Südwest Presse: Mit „Federico Temperini“ ist der Autorin Theres Essmann eine berührende Novelle über Vergänglichkeit und Verlust gelungen. Empfehlenswert ist die Erzählung für Liebhaber klassischer Musik – aber auch für diejenigen, die (noch) nichts mit Oktav-Passagen, Kadenzen und Notationen anfangen können. Der einstige Teufelsgeiger wird den Leser auch nach der Lektüre dieses Buches erst einmal nicht loslassen. Denn auch der Taxifahrer Jürgen Krause muss erkennen: „Paganini nimmt einen mit, ob du es willst oder nicht.“ Katrin Stahl
Wortspiele von Wolfgang Schiffer:Theres Essmann erzählt in ihrem Debüt, der im Verlag Klöpfer.Narr erschienenen Novelle Federico Temperini, von der Begegnung und allmählichen Annäherung zweier grundlegend unterschiedlicher Männer, und wie sie das tut, wie sie behutsam die bei den Fahrten und bald auch gemeinsamen, kurzen Spaziergängen aufkommende Nähe  zu schildern, ihre Intensität zu steigern weiß, in leisen Tönen Einsamkeit und Verlustängste anspricht und die Tragik gescheiterter Leben einfließen lässt, das würde vielleicht noch nicht ganz Temperinis von Paganinis Musik abgeleiteten Parametern entsprechen, doch virtuos ist es durchweg schon.“