Erich Kästner: Pünktchen und Anton

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Von den Büchern meiner Kindheit war „Pünktchen und Anton“ immer einer meiner Favoriten: Es erzählt von Freundschaft, von Zusammenhalt – auch über Schranken hinweg -, von dem gemeinsamen Eintreten für die richtige Sache, aber auch davon, dass manche Menschen „mehr Familie“ sein können als die Anverwandten. Von einer Vespa erzählt das Buch freilich nicht. Aber wie solche Assoziationen entstehen, das ist sowieso eine ganz andere Geschichte.

Luise Pogge, wegen ihrer Zierlichkeit Pünktchen genannt, wächst in äußerlich ziemlich guten Verhältnissen auf – ihr Vater ist Spazierstockfabrikantendirektor, die Wohnung so groß, dass Pünktchen schon auf dem Weg vom Mittagessen zu ihrem Zimmer wieder Hunger bekommt. Sie lernt Anton und damit eine ganz andere Welt kennen: Er ist Halbwaise, die Mutter krank, Anton muss nicht nur im Haushalt helfen, sondern auch Geld erbetteln, damit man über die Runden kommt.

Erich Kästner arbeitete so, wie in etlichen seinen anderen Kinderbüchern, den Hintergrund der Wirtschaftskrise und der zunehmenden Proletarisierung in der Weimarer Republik ein. „Pünktchen und Anton“ ist zugleich ein Plädoyer für Toleranz, Solidarität und Mut: Die beiden Kinder lernen es, sich für einander einzusetzen.

Als Kind, kann ich mich erinnern, mochte ich die Geschichte, fand aber die Einsprengsel dieses Herrn Kästners irgendwie lästig. Denn Erich Kästner hat einzelnen Kapiteln einige Extraseiten hinzugefügt, sogenannte „Nachdenkereien“. Da spricht er über Phantasie, Mut, Lüge, Respekt, Familienglück – bei dem schreibt er, ihm fiele auf, dass dieses eigentlich von Erwachsenen gelesen werden müsse.

Jedoch nicht nur dieses – heute, scheinbar erwachsen, lese ich Kästners „Nachdenkereien“. Lästig sind sie immer noch, aber auf eine andere Art und Weise: Weil man beim Lesen merkt, wie wenig man doch vorwärts kommt, wie viel man meint gelernt zu haben, über das Menschsein und Menschliches, und dann doch auf der Stelle tritt. Aber der Kästner war ein skeptischer Optimist – und das steckt an. So schreibt er:

Die sechzehnte Nachdenkerei handelt:
Vom glücklichen Ende

(…) Wir hatten einmal einen Mitschüler, der schrieb regelmäßig von seinem Nachbar ab. Denkt ihr, er wurde bestraft? Nein, der Nachbar wurde bestraft, von dem er abschrieb. Seid nicht allzu verwundert, wenn euch das Leben einmal bestraft, obwohl andere die Schuld tragen. Seht zu, wenn ihr groß seid, daß es besser wird! Uns ist es nicht ganz gelungen. Werdet anständiger, ehrlicher, gerechter und vernünftiger, als die meisten von uns waren!

Die Erde soll früher einmal ein Paradies gewesen sein. Möglich ist alles.
Die Erde könnte wieder ein Paradies werden. Alles ist möglich!

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