Drei moderne Klassiker aus der Türkei

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Bild: (c) Michael Flötotto

„Wäre der Reisende am Fenster nicht so müde von der Fahrt gewesen und hätte er etwas mehr auf die wie Flaumfedern vom Himmel fallenden Flocken geachtet, dann hätte er womöglich den starken Schneesturm, der da aufzog, gespürt und gefühlt, dass er sich auf eine Reise machte, die wohl sein ganzes Leben verändern würde, und wäre umgekehrt.“

Orhan Pamuk, „Schnee“, S. Fischer Verlage, 2002

Zwischen dem Erbe des Osmanischen Reiches und dem Streben nach einer modernen Republik, zwischen den historischen und religiösen Bindungen an die arabische Welt und der Annäherung an den Westen, zwischen Reformverfassung, Demokratisierung, aber auch Militärputschen und Autoritarismus, zwischen Ost und West: Seit einem Jahrhundert ist die Türkei im Grunde ein zerrissener Staat, eine Nation, die sich vielleicht immer noch (er-)finden muss – und sich derzeit leider in einer Rückwärtsbewegung befindet. Die türkische Literatur, auch sie ist ein Abbild dieser Entwicklungen, seit 1923 die türkische Republik unter Atatürk ausgerufen wurde – traditionelle Erzählformen mischen sich mit modernen poetischen Experimenten, biographisches Schreiben mit fiktivem Erzählen.

Dazu drei Beispiele, die ich in den vergangenen Wochen las. Es ist ein autobiographischer Roman, der von den turbulenten Tagen des Aufbruchs und vom Glauben an Utopien, an Veränderungen und an die Schönheit des Lebens handelt. Es ist eine parabelhafte Erzählung, die einen Vertreter der Moderne und der Stadt in eine Reise in das Innere des Landes und in sein eigenes Ich sendet. Und es ist das Werk eines Literaturnobelpreisträgers, das zeigt, dass Liebe, Literatur und Fanatismus einander entgegenstehen – ein Roman, der den zerrissenen Zustand einer Gesellschaft schildert, die der Westen zu lange ignoriert hat.

Nâzim Hikmet, „Die Romantiker“ (1963): „Mensch, das Leben ist schön!“

Die Lebenserinnerungen von Nâzim Hikmet setzen 1924 ein. Der junge Dichter wartet versteckt in einer Hütte in Izmir nach einem Hundebiss die vierzig Tage Inkubationszeit ab – sich selbst beobachtend, ob er mit der Tollwut angesteckt wurde, zugleich aber auch eine intensive Innenschau abhaltend. Nâzim alias Ahmet ist ein in Moskau geschulter Kommunist, der in der jungen türkischen Republik gegen die Ausbeutung der Bevölkerung agitiert. Szenen aus dem bitterarmen Anatolien, Bilder erschossener Soldaten, hungernder Bauern, vollverschleierter Frauen wechseln sich ab mit den Erinnerungen an Moskau und Anuschka, seine große Liebe. Und obwohl die Revolution ihre Kinder frisst und die Liebe verrät: Am Ende steht das Bekenntnis: „Mensch, das Leben ist schön!“ Trotz der widrigen Lebensumstände – „Die Romantiker“ ist tatsächlich ein Buch der Lebenslust. Ein Buch, das Politik und Poesie vereint – denn nur ein Romantiker, der das Leben liebt, wirft sich so in den politischen Kampf für eine bessere Welt. Pragmatiker tun dies nicht.

„Die Zeit“ nahm den Roman in ihren Kanon der 70 wichtigsten europäischen Bücher der Nachkriegsliteratur auf. Der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk schrieb dort über Hikmet, den romantischen Dichter, der leidenschaftlich liebte:

„Im Gegensatz zu so manchem realistisch angelegten politischen Roman jener Epoche verläuft die Handlung in den Romantikern keineswegs eindimensional. Es kommt zu zahlreichen Zeit- und Ortssprüngen, gewöhnliche Rückblenden wechseln sich mit dadaistischen Brüchen ab (…). …lauter einzelne Szenen, die ineinander übergehen und sich durch die einfache Sprache mit ihren kurzen, wie Pinselstriche hingeworfenen Sätzen zu dem Gesamteindruck eines vollkommenen lyrischen Gedichts aus der Feder eines zwar leidenden, aber von der Schönheit des Lebens durchdrungenen Poeten verdichten. Bewundernd denkt sich der Leser, dass man, um die Dinge des Alltags so treffend festzuhalten, das Leben wohl besonders lieben muss und dass man, um das Leben so sehr zu lieben, wohl lange im Gefängnis gewesen sein muss.“

Quelle: http://www.zeit.de/2012/31/L-Hikmet-Die-Romantiker

Bedenkt man, wie in der Türkei derzeit Menschen des Wortes – Journalisten und Schriftsteller – verfolgt werden, hat auch das Nachwort von Peter Bichsel wieder ganz aktuellen Stellenwert:

„Wer hingeht und alles anschaut und alles beschreibt und die Leiden des Lebens sieht und sagt: „Mensch, das Leben ist schön.“ So einer ist ein Verräter. Er spricht aus, was Millionen seit Jahrhunderten als Wissen in ihren Herzen tragen – ein revolutionärer Satz – Poesie und Politik könnten dasselbe sein. Es gibt Gründe, weswegen Politiker in aller Welt die Poeten als Romantiker bezeichnen. Ihre Alternative heißt Realismus, und Realismus heißt für sie, das Leben nicht anschauen, das Leben nicht bewundern.“

Verlagsangaben zum Buch:
http://www.suhrkamp.de/buecher/die_romantiker-nazim_hikmet_22436.html

3cirale2015-047Ferit Edgü, „Ein Winter in Hakkari“ (1977): „Wenn eure Welt die Welt der Vernünftigen ist, so lasst mich wahnsinnig werden.“

Ist schon Hikmets biographischer Roman durch das Sprunghafte seiner Erzählstruktur eine Herausforderung an die Konzentration des Lesenden, so ist es dieses Werk – ein Beispiel experimenteller Literatur aus der Türkei – um ein Vielfaches mehr. Ein Einstieg in das Hochgebirge der Sprache: Lyrische Einsprengsel, Parabeln, Briefe, Anekdoten wechseln sich ab, erfordern Konzentration auf den Weg, den man durch den Schnee bei Hakkari nimmt.

Die Rahmenhandlung ist jedoch denkbar einfach: Ein Lehrer kommt in ein abgeschiedenes Dorf in der Türkei, in dem die Menschen unter fast archaischen Umständen leben. In dem unzulänglichen Gebiet fühlt der Mann sich wie in einem Gefängnis – doch fern ab vom städtischen Trubel, weit weg von seinen Freunden und einer namenslosen Geliebten findet er wieder zu sich selbst. Nach einem Jahr und einem langen harten Winter verlässt er Hakkari wieder.

„Als man ihm mitteilt, er könne wieder gehen, wohin er wollte, hat er vergessen, daß dieser Ort sein Gefängnis war.“

Ob der Lehrer strafversetzt wurde oder in eine Art freiwilliges Exil ging – es bleibt unklar. Ebenso verbleiben auch andere Erzählstränge im Parabel- und im Märchenhaften, so die Geschichte des rätselhaften Buchhändlers, der dem Fremden eine alte Landkarte überlässt und dann mit seiner Familie unter mysteriösen Umständen verschwindet.

Alles in allem ein bedrückendes, bedrohliches Szenario, das auch eine Metapher für die politische Situation in der Türkei sein könnte – sich aber ebenso dieser rein politischen Interpretation entzieht. Ein anspruchsvolles Buch, eines, das nachwirkt – weil man sich fragen könnte, wo einen selbst ein Winter in Hakkari führen würde. So schrieb Anne Frederiksen in der Zeit:

„Aus der realen Gegend Hakkari – klar, kalt und karg – wird schließlich ein locus amoenus, von dem aus der Erzähler eine neue Reise beginnt: „Dann kommen wir auf eine Ebene. Auf eine sattgrüne Ebene, auf eine Ebene, bedeckt mit weißen Blumen, deren Namen ich nicht weiß.“

Quelle: http://www.zeit.de/1988/03/winter-im-kargen-hakkari

War Hakkari nur ein Innehalten, ein Atemholen, um sich für etwas Neues zu öffnen? Die Vermutung liegt nahe, wenn man die Aufforderung an uns, die Leser, die die Reise nach innen begleitet haben, weiterdenkt:

Reisender, wenn du dich eines Tages in deinem Weg irrst, versuche nicht, deinen alten Weg wiederzufinden, suche dir einen neuen Weg.“

Die Erzählung erschien in deutscher Übersetzung beim Unionsverlag, ist derzeit jedoch vergriffen.

Verlagsangaben zum Buch:
http://www.unionsverlag.com/info/title.asp?title_id=1222

2017-01-15-11-47-20Orhan Pamuk, „Schnee“ (2002): „Der Mensch lebt, verfällt, vergeht.“

Der Dichter Ka, der sich in jungen Jahren als Student politisch engagierte, kehrt aus seinem Frankfurter Exil in die Türkei zurück. Ka wird gebeten, über eine befremdliche Selbstmordserie in seiner Geburtsstadt in der anatolischen Provinz zu schreiben: Einige junge Frauen, denen die Vollverschleierung beim Besuch der Universität verweigert wurde, nahmen sich das Leben. Kaum in seiner Heimat angekommen, begegnet Ka nicht nur seiner Jugendliebe, sondern auch einem durchgeknallten Theaterschauspieler, der eine Revolte im echten Leben inszeniert, radikalen Islamisten, aufrührerischen jungen Kurden, kämpferischen Kommunisten, traditionellen Kemalisten, korrupten Provinzpolitikern, dem Militär, der Geheimpolizei und etlichen anderen Akteuren mehr. Die Stadt ist ein Gemisch aus verschiedenen Gesinnungen und Völkern, Türken, Kurden, Aserbeidschaner, Tscherkessen, und viele mehr.

In der Kleinstadt, die durch einen Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten ist, überschlagen sich die Ereignisse, werden Aufständische gefoltert und ermordet, entfaltet sich ein bitterböses Szenario – das Pamuk jedoch mit mildem Humor wie eine Provinzposse inszeniert, in deren Mittelpunkt der weltfremde Dichter steht: Während um Ka herum die Kämpfer fallen, setzt er sich nieder, um – nach langer Schreibblockade – wie im Fieber unzählige Gedichte zu verfassen, berauscht von den Ereignissen, vor allem aber durch die intensive Leidenschaft zu seiner schönen Geliebten.

Natürlich geht das Ganze für den Dichter nicht gut aus – er entkommt zwar der Stadt und dem Schneesturm, der lange Arm des Terrors, das Gedächtnis des Hasses holen ihn jedoch in Frankfurt wieder ein.

„Schnee“ ist tatsächlich ein Roman, der die Vorgänge in der Türkei mit erklären hilft. Hilal Sezgin schrieb über das Buch in der „Zeit“:

„Es ist stets Orhan Pamuks großes Ärgernis, ja beinahe schon sein Fluch gewesen, dass alle Welt seine Romane als politische Kommentare zu lesen versuchte (…).Doch einmal, dieses einzige Mal, hat Pamuk tatsächlich einen politischen Roman geschrieben: Schnee. Er erschien im Original 2002, im Deutschen 2005. Ka nennt sich die Hauptfigur; kar heißt im Türkischen der titelgebende Schnee; und dieser legt sich in den Tagen, in denen die Geschichte irgendwann in den 1990er Jahren spielt, über Kars – eine 75000 Einwohner zählende Stadt im Südosten der Türkei. Wenn man bei dieser Reihung von Ks Kafkas Josef K. assoziiert, liegt man nicht falsch, und beim Lesen kommt einem wiederholt das Attribut »kafkaesk« in den Sinn. Der Roman erzählt eine Art politischer Groteske, bei der ein verliebter Dichter die Aufklärung einer politischen Verschwörung unternimmt.“

Quelle: http://www.zeit.de/2012/35/Orhan-Pamuk-Schnee

Ich muss gestehen, ich habe mich mit anderen Romanen des türkischen Literaturnobelpreisträgers auch schon trefflich gelangweilt. „Schnee“ dagegen hielt mich in seinem Bann: Da Absurde der Situation, das Groteske, der schwarze Humor, aber auch die zauberhaft-melancholische Liebesgeschichte und vor allem die poetischen Auslassungen über den Schnee helfen auch über einige Längen des – wie bei Pamuk immer – umfangreichen Werkes hinweg.

Doch in erster Linie ist „Schnee“ ein ganz offen politischer Roman, der verdeutlicht, wie verworren die gesellschaftliche Situation in der Türkei ist, welche widerstreitenden Mächte dort walten. So sieht sich ein Kommunist plötzlich in der Lage, mit den Islamisten gegen das Militär zu paktieren – nichts ist einfach in diesem Szenario:

„Die Frage ist die: Muß ich jetzt als ein Kommunist, ein Anhänger der Moderne, ein säkularer, demokratischer Patriot zuerst der Aufklärung vertrauen oder dem Willen des Volkes? Wenn ich vor allen Dingen an Aufklärung und Verwestlichung glaube, muß ich diesen Militärputsch gegen die Islamisten unterstützen. Andernfalls, wenn der Wille des Volkes unbedingt Vorrang hat und ich ein Demokrat ohne Wenn und Aber geworden bin, dann muß ich gehen und meine Stellungnahme setzen.“

Mein Fazit: „Schnee“ erklärt nicht Erdogan. Aber das Buch erklärt ein Stück weit mit, warum sich offenbar so viele Menschen in der Türkei in komplizierten Zeiten für so einfach scheinende Lösungen, wie sie scheinbar starke Männer an der Staatsspitze versprechen, begeistern können.

Verlagsangaben zum Buch:
http://www.fischerverlage.de/buch/schnee/9783596174560

LESARTEN: Die „Zeit“ meint – diese Bücher überdauern die Zeit.

Da behaupte noch mal einer, auf „die Blogger“ höre niemand: Kaum tauschen Maren und ich uns aus über die Frage, ob es auch für jüngere Leser (Mitt-Dreißiger und drunter) so etwas wie einen literarischen Kanon gibt (nachzulesen ist das „Gespräch“ unter den „Lese-Omas“ bei meinen zehn Fragen zu Büchern), da startet die ehrwürdige Zeit dieses Projekt: In einer Serie werden die wichtigsten Romane der jungen Literatur vorgestellt. Man habe die Weltliteratur durchforstet, leidenschaftlich diskutiert und sich für 15 Romane dieses Jahrhunderts entschieden, die die Redaktion für die besten hält, „für Meisterwerke, die bleiben werden und nicht mit dem Tag vergehen.“ Die Redaktion ruft ausdrücklich zu Widerspruch und Diskussion auf – und weist fürsorglich darauf hin, dass „Unendlicher Spaß“ bereits 1996 erschien.

PS: Das mit der Zeit war natürlich reiner Zufall. Seit wann hört die schon auf Lese-Omas?

Und das sind die ersten elf Titel auf der Liste:

  1. Jonathan Franzen – Die Korrekturen. Jan Brandt schreibt: „Wenn es einen Einwand gegen Franzen gibt, dann ist es diese ästhetische Rückwärtsgewandtheit: Er ist ein reaktionärer Idealist, der einen Feldzug gegen die Verlockungen des Informationszeitalters führt.“
    Beitrag: „Der analoge Triumph“
  2. Jennifer Egan – Look at me. Der Roman erschien kurz vor 9/11 und handelt von einem geplanten Terrorakt in New York. „Mir kam der furchtbare Gedanke, dass ich eine Komplizin war“, äußert Jennifer Egan im Interview mit Susanne Mayer.
    Beitrag: „Ahnen, was passieren wird“
  3. Orhan Pamuk – Schnee. „Orhan Pamuk hat sein Meisterwerk Schnee vor den Attentaten von 9/11 geschrieben, der Roman spielt in den 1990er Jahren, erschienen ist er 2002, und er nimmt vorweg, was seit dem Einsturz des World Trade Center die globalisierte Welt aus den Fugen hebt: dass der Fundamentalismus im Namen des Islams in die westliche Modernisierung eingewoben ist, noch im abgelegensten Nest der Provinz und dass der Staat kaum Antworten auf die Gewalt kennt, außer seinerseits durch Gewalt, Militär, Überwachung zu reagieren“, schreibt Elisabeth von Tadden.
    Beitrag: „K wie Kristall“
  4. Daniel Kehlmann – Die Vermessung der Welt. Ulrich Greiner nimmt Stellung für das Buch: „Nein, Kehlmann war nicht dabei, und dies ist kein historischer Roman, sondern ein virtuoses Spiel mit Dichtung und Wahrheit. Die historischen Fehler, die dem Buch vorgeworfen werden, hat Kehlmann in poetischer Freiheit absichtsvoll eingebaut.“
    Beitrag: „Ein virtuoses ironisches Spiel“
  5. Marie NDiaye – Drei starke Frauen. „Als ich das Buch vor acht Jahren schrieb, sprach noch niemand von den Flüchtlingen. Für mich waren sie Helden“, äußert die Schriftstellerin im Gespräch mit Iris Radisch. Heute würde sie dieses Buch nicht mehr so schreiben – auch wenn sie hofft, „dass seine Geschichten wahr bleiben.“
    Beitrag: „Eine Chiffre für das Fremdsein“
  6. Péter Nádas – Parallelgeschichten. „Es gibt keinen anderen Autor, der mit dieser obsessiven Insistenz jede Pore der Epidermis untersucht hat, die dünne Membran zwischen innen und außen“, meint Michael Krüger. Und sagt: „Vielleicht lesen künftige Generationen dieses Buch als düstere Prophetie dessen, womit sie sich herumzuschlagen haben. Sie werden es nicht bereuen.“
    Beitrag: „Die Haut und das Ich“
  7. Haruki Murakami – 1Q84. „Japanische Literatur wirkt auf den Außenseiter so klar und so verschlossen wie ein Zengarten, der bei aller Übersichtlichkeit doch einen Sinn hat, der sich ihm nicht erschließt“: Burkhard Müller versucht dem Sinn, im „Opus Magnum“ des japanischen Starautors nachzuspüren.
    Beitrag: „Waisenkinder dieser Zeit“
  8. Herta Müller – Atemschaukel. „Das Besondere an diesem Buch ist die Sprache, in der das Schicksal von Leopold Auberg, dem Alter Ego Pastiors, in 64 kurzen Kapiteln erzählt wird“, meint Alexander Cammann. „Denn Müller poetisiert das Grauen.“
    Beitrag: „Die Schönheit der Wörter, das Grauen der Lager“
  9. Vladimir Sorokin – Der Schneesturm. Stefanie Schlamm sprach mit Sorokin über dieses Werk. Auf ihre Frage „Sie selbst werden gerne als moderner Klassiker bezeichnet. Doch sind Sie nicht eher ein düsterer Romantiker?“ antwortet Sorokin ganz lapidar: „Dazu möchte ich nichts sagen.“
    Beitrag: „Das eisige Drama der Provinz“
  10. Michel Houellebecq – Karte und Gebiet. Für den Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich ist der im Roman portraitierte Künstler, „der, gerade weil er als solcher unfasslich bleibt, viel provokanter als die Künstlerfiguren anderer Romane der letzten Jahre.“
    Beitrag: „Der Wahnwitz des Betriebs“
  11. John M. Coetzee – Tagebuch eines schlimmen Jahres. „In Coetzees Tagebuch eines schlimmen Jahres kehren die früheren Möglichkeiten des Romans zurück. Der Ruhm des Nobelpreisträgers macht sie auf der großen literarischen Bühne salonfähig“, urteilt Stephan Wackwitz.
    Beitrag: „Die erneuerte Tradition“

Am kommenden Donnerstag werden die letzten vier Bücher in diesem „Kanon des jungen Jahrhunderts“ in der Zeit vorgestellt. Und was haltet ihr von der Liste? Welche Romane könntet ihr euch auf den letzten vier Plätzen vorstellen, welches der vorgestellten Werke haltet ihr für fehlplatziert, welches Buch wird überschätzt, welches vermisst?

Nachtrag zur Komplettierung der Liste:

12. Chimamanda Ngozi Adichie – Americanah. „Es passiert viel in diesem Roman, der auf drei Kontinenten spielt, doch es werden diese Blogeinträge sein, die Americanah seinen Nachhall bescheren. Sie sind ein Zeitdokument der Ära Obama, sie sind erhellend und unterhaltsam, ernüchternd und brutal“, urteilt Jackie Thomae.
Beitrag: „Was Sie schon immer über Farben wissen wollten“

13. Karl Ove Knausgård – Sterben/Lieben/Spielen/Leben/Träumen. „Aber ich wollte mich mit Min Kamp auch befreien von diesen stilistischen Erwartungen. Ob es gut oder schlecht geschrieben ist, finde ich uninteressant. Interessant ist, was darin zum Ausdruck kommt. Also versuchte ich, schnell zu schreiben und unterhalb meiner eigenen Standards, dafür näher am Leben.“ Der Norweger im Interview zu seinem Mammut-Schreib-Projekt.
Beitrag: „Ein Bedürfnis nach Revanche“

14. Rainald Goetz – Klage. In diesem Buch, meint David Hugendick, lärmt die Gegenwart so oft, „dass es bisweilen kaum auszuhalten ist.“ Aber der aktuelle Büchner-Preisträger lärmt halt besonders gut. AMORE!
Beitrag: „Tiefenamputiertheit“

15. Roberto Bolaño – 2666. „Aber oh Wunder: Bolaño lesen, das gilt auch für das von Christian Hansen bewunderungswürdig übersetzte 2666, ist ganz leicht. Er verzichtet auf hochtrabende Stilistik und geht seinen Lesern nie mit überlegener Besserwisserei auf die Nerven“, meint Heinrich von Berenberg. D`accord!
Beitrag: „Ästhet und Folterknecht“


Bild zum Download: Bücherstapel


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