EDITION FAUST: Captain Paul Watson – ein Interviewbuch mit dem Gründer der Sea Shepherd Bewegung

Ungefähr 30 Prozent aller gefangenen Fische werden nicht von Menschen verzehrt, sondern zu Fischmehl verarbeitet und an Hühner, Schweine und Zuchtlachs verfüttert. „Wir leben mittlerweile in einer Welt, in der Hühner mehr Fisch fressen als alle Albatrosse und Delfine auf der Welt zusammengenommen“, sagt Paul Watson, Gründungsmitglied von Greenpeace und, nach der Trennung von der Organisation, 1977 Gründer der Sea Shepherd Conservation Society.
Aus ökologischer Sicht ist der Umgang des Menschen mit den Weltmeeren und ihren Bewohnern für Watson „Wahnsinn“. Dass Hauskatzen beispielsweise mehr Fisch als sämtliche Robben im Nordatlantik fressen – 2,8 Millionen Tonnen werden jährlich zu Katzenfutter verarbeitet – zeigt auch eines: Es ist auch unser Lebensstil, der dazu führen kann, dass die Meere schon in wenigen Jahrzehnten unbewohnt sein werden. Manche Experten gehen davon aus, dass das bereits 2048 eintritt, andere sprechen von 2078. Für den Kapitän, der von The Guardian unter die 50 Menschen gewählt wurde, die unseren Planeten retten könnten, ist klar: „Wenn die Meere sterben, sterben wir alle.“

Die beiden Journalisten und Menschenrechtsaktivisten Sarah Schuster und Michele Sciurba trafen Paul Watson 2016 und 2021 zu zwei ausführlichen Interviews über die Arbeit seiner NGO, die in diesem, 2021 neu bei der Edition Faust aufgelegten Band, enthalten sind. Der Titel, „Eine Bewegung kann man nicht zerstören“, ist programmatisch: Denn seit das erste Schiff der Organisation, die Sea Shepherd, 1978 die Segel setzte, kamen Watson und seine ehrenamtlichen Mitstreiter bei ihren über 200 Missionen zahlreiche Male nicht nur mit dem Gesetz, sondern auch mit illegal arbeitenden Fischpiraten in Konflikt. Watson deckt in diesen lebendigen Interviews auf, wie Fischfang-Nationen wie beispielsweise Norwegen und Japan geltendes Recht unterlaufen, wie die Fischfangindustrie um des Profits willen nicht nur umweltschädigend, sondern auch menschenfeindlich agiert, wie Crews auf den Schiffen wie Sklaven gehalten und die einheimischen Fischer lebensgefährlich durch die riesigen Trawler bedroht werden.

Die beiden Interviews zeichnen auch das Bild eines Mannes, der sein Leben einem existentiellen Thema verschrieben hat. 1950 in Kanada geboren, ging Watson als 17-jähriger zur See, war bei der kanadischen Küstenwache und heuerte auf einem norwegischen Frachter an. Sein umweltpolitisches Engagement begann 1969 mit den Protesten gegen Atomtests in den Meeren, 1971 übernahm er sein erstes Umweltkommando auf einem Schiff. Greenpeace, die er als zu moderat, zu bürokratisch und zu harmlos kritisierte, verließ er nach einem Streit, als er die Felle und Knüppel eines Robbenjägers ins Wasser warf. Seither hat er mit der Sea Shepherd Conservation Society eine Organisation aufgebaut, die weltweit agiert und auch mit zahlreichen Ländern der Welt, insbesondere kleineren Meeresanrainern in Afrika und Lateinamerika, sowie Institutionen für ein Ziel zusammenarbeitet: Die Rettung der Meereslebewesen.

Der Interviewband ist mit zahlreichen Aufnahmen aus dem Archiv der Society angereichert, die verdeutlichen, wie grausam der industrielle Fischfang von statten geht. Im Anhang findet sich ein umfangreiches Glossar, ein Überblick über die wichtigsten Aktionen der Sea Shepherd Conservationen Society sowie ein Adressregister.

Informationen zum Buch:

Sarah Schuster, Michele Sciurba
Captain Paul Watson: Interview
„Eine Bewegung kann man nicht zerstören“
Edition Faust, Frankfurt 2021
Mit vielen Abbildungen aus dem Archiv
der Sea Shepherd Conservation Society
176 Seiten, Format: 155 × 235 mm, broschiert, vierfarbig, 19,00 €
ISBN 978-3-945400-94-4
https://editionfaust.de/produkt/captain-paul-watson/

Presseanfragen und Rezensionsexemplare: Birgit Böllinger, Telefon 0821 4509-133, kontakt@birgitboellinger

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für die Edition Faust.

John Cheever: Ach, dieses Paradies

„Wenn er im Kino sah, wie sich ein Mann und eine Frau leidenschaftlich küssten, fragte er sich stets, ob das ein Land war, dass er schon am nächsten oder übernächsten Tag verlassen musste.“

John Cheever, „Ach, dieses Paradies“, erschienen 1969, in neuer Übersetzung 2013 bei DUMONT.

Den letzten Roman des 1982 verstorbenen US-Amerikaners als ökologisches Lehrstück zu beschreiben, wie es auch schon geschehen ist, greift viel zu kurz. Sicher, vordergründig ist dies der Plot. Lemuel Sears, ein alternder Geschäftsmann, zieht seine Kreise auf Kufen über den vereisten Lake Beasley seiner Kindheit. Kurz darauf wird der Teich zur Mülldeponie erklärt, ein Kampf um den Erhalt Arkadiens beginnt.

Dieser Kurz-Roman (Cheever, der zunächst durch seine Erzählungen berühmt und mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde, bestand auf die Bezeichnung „Roman“) ist jedoch mehr als eine Lang-Erzählung über die Zerstörung der Natur durch den Menschen. Die Vermüllung der Kindheit – das ist eine Metapher, ein Sinnbild für die andauernde Suche des Menschen nach dem Paradies. Auf dem Weg dorthin macht das Tier auf zwei Beinen sich und den anderen solange das Leben perfekt zur Hölle. Und vor allem ist es eine Erzählung über Verluste: Den Verlust der Unschuld, der Reinheit, der Kindheit, der Liebe, des Verlangens. Erzählt wird der vergebliche Kampf gegen das Altern, das Verschwinden der Schönheit, der Kampf gegen die kindlich-menschliche Urangst vor der Vertreibung aus dem Paradies,

Perfekter Stil

John Cheever beschreibt das Treiben seiner Protagonisten – neben Sears beinhaltet der Roman trotz seiner Kürze noch etliche bemerkenswerte Nebenstories mit ebenso bemerkenswerten Figuren – auf der Höhe seiner Erzählkunst. In seinen ersten, den Wapshot-Romanen, erzählte Cheever die Geschichten aus – von „Die Lichter in Bullet Park“ über „Falconer“ bis hin zum Paradies kann man die Perfektionierung eines Stils, der die hintersinnige Andeutung beherrscht, mit-erlesen.

Im Paradies sind die Fäden lose miteinander verknüpft, die Erzählung ist ein wunderbar leichtes Gespinst, kommentiert von einem ironisch-distanzierten Erzähler. Ein bitterschönes Stück Literatur, das Cheever mit vollendetem Understatement durch seinen Erzähler enden lässt: „…und wie ich schon zu Beginn sagte, ist dies bloß eine Geschichte, die sich vortrefflich als Bettlektüre für eine Regennacht in einem alten Haus eignet.“


Bild zum Download: Skulptur Grün


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