KRÖNER VERLAG: Friedrich Nietzsche – Die fröhliche Wissenschaft

Die fröhliche Wissenschaft, der Höhepunkt der mittleren Phase von Nietzsches Schaffen, ist das freigeistigste, euphorischste, das ›südliche‹ seiner Werke und von unerschöpflichem Gedankenreichtum. Aphoristisch-essayistisch-poetisch arbeitet sich Nietzsche durch die Gesamtheit menschlicher Existenzfragen: Evolution, die Erbschaft des Tieres im Menschen, das Verhältnis Mann-Frau, Moral, die Herkunft des Bewusstseins, Erkenntnistheorie, Literatur, Sprache und Musik; Leib und Sinne werden in ihr Recht gesetzt, was wichtige Impulse für die Psychologie, Soziologie und Kulturkritik späterer Generationen gab. Zentral ist das Werk wegen der These vom Tode Gottes und dem Konzept der Ewigen Wiederkunft; erstmals erscheint Zarathustra am Horizont. Vor allem aber fordert dieses vielschichtige Buch die Freiheit des Denkens ein: »Auf die Schiffe, ihr Philosophen!«

Der Alfred Kröner Verlag, der seit Beginn seines Bestehens eng mit der Herausgabe der Nietzsche-Werke verbunden ist, legt derzeit die einzelnen Bücher des Philosophen neu auf.

Herausgeber dieser Neuauflage der fröhlichen Wissenschaft ist Elmar Schenkel. Er war nach Gastprofessuren in Freiburg, Konstanz und an der University of Massachusetts bis 2019 Professor für Englische Literatur an der Universität Leipzig, 2005–15 Leiter des dortigen studium universale. Er ist Gründungsmitglied des ›Nietzsche Vereins Röcken‹, hat zur Rezeption Nietzsches in den USA, Großbritannien und weltweit publiziert und ist Mitherausgeber von 101 Briefe an Friedrich Nietzsche zu seinem 175. Geburtstag (2019).

Stimmen zum Buch:

Elmar Schenkel im Deutschlandfunk im Gespräch mit Jan Drees: https://www.deutschlandfunk.de/friedrich-nietzsche-die-froehliche-wissenschaft-elmar-schenkel-im-grespraech-dlf-9f68b469-100.html

Das Gespräch zum Nachlesen auf dem Blog von Jan Drees:
https://www.lesenmitlinks.de/gespraech-die-froehliche-wissenschaft/

Elmar Schenkel bei MDR Kultur im Gespräch mit Katrin Schumacher:
https://www.mdr.de/kultur/podcast/unter-buechern/unter-buechern-froehliche-wissenschaft-100.html

Eine ausführliche Buchvorstellung samt Verlagsportrait bei der Leipziger Internet-Zeitung:
https://www.l-iz.de/bildung/buecher/2022/04/die-froehliche-wissenschaft-nietzsche-neu-aufgelegt-mit-einem-kenntnisreichen-nachwort-von-elmar-schenkel-444130

„Kann uns Friedrich Nietzsche´s Fröhliche Wissenschaft auch heute noch etwas bieten oder sind wir heute klüger und weiter? Wer sich auf die schön gestaltete neue Ausgabe aus dem Kröner Verlag einläßt, wird diese Frage selbst beantworten können.“ – Michael Mahlke, buchmonat.de

Informationen zum Buch:
Friedrich Nietzsche
Die fröhliche Wissenschaft
Herausgegeben von Elmar Schenkel,
mit Nachwort und Zeittafel
2022, 400 Seiten, Leinen mit Schutzumschlag
€ (D) 20,– · ISBN: 978 3 520 07408 9
https://www.kroener-verlag.de/details/product/die-froehliche-wissenschaft/

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Alfred Kröner Verlag


KRÖNER VERLAG: Otto A. Böhmer – Auf das, was da noch war

Wer Nietzsche zu nahekommt, darf sich über die Folgen nicht beklagen. Das bekommt auch der Ich-Erzähler des Buches zu spüren: Man ruft ihn zum Nietzschekenner aus, obwohl seine Begabungen erkennbar limitiert sind und ihm wesentliche Erinnerungen abhanden kommen. Muss er sich Sorgen machen? Das muss er wohl, zumal ihm eine seltsame, fast kurios anmutende Krankheit zusetzt, die nicht mehr therapierbar ist. Insgesamt aber befindet er sich noch immer in bester Gesellschaft: Man raunt, plappert und schreibt voneinander ab. Eine Zeitlang macht der Erzähler da noch mit; er betätigt sich als Referent, Biograph, Filmemacher und Auftragspoet. Danach wird’s eng für ihn: Als eine Pandemie die irritierte Menschheit belästigt, hat er sich bereits sein eigenes Virus eingefangen, mit dem er aber zurechtkommt. Ohnehin ist er ja müde geworden und freut sich in der Helle von Hindeloopen am Ijsselmeer auf sein Ende, das er sich heiter und friedfertig oder, noch besser, lieber gar nicht vorstellt. Es kommt, wie es kommen muss, und zu guter Letzt herrscht »Ruhe im Karton«.
Friedrich Nietzsche führte uns Leben und Philosophie als offenen Spielbetrieb vor, in dem das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Das mutet unbefriedigend an, macht aber auch das aus, was wir, in den uns geneigten Stimmungen, als lebenswert bezeichnen.

Zum Autor:
Otto A. Böhmer, 1949 in Rothenburg ob der Tauber geboren, lebt als Schriftsteller in Wöllstadt (Wetterau). Rundfunkarbeiten für den BR, SWR und WDR. Essays und Literaturkritiken u.a. für Die Zeit, die Neue Zürcher Zeitung und die Wiener Zeitung. Mehrere renommierte Auszeichnungen, darunter der Erich-Fried-Preis und das Hermann-Hesse-Stipendium.
Zahlreiche Buchveröffentlichungen. Bei Klöpfer & Meyer erschienen mit Erfolg seine Erzählung »Hegel & Hegel oder Der Geist des Weines« sowie sein Roman »Nächster Halt Himmelreich«. Bei Alber erschien 2021 sein Essay »Reif für die Ewigkeit. Kierkegaard und das Lachen der Götter.«

Informationen zum Buch:
Otto A. Böhmer
Auf das, was da noch war
Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 2021
285 Seiten, Halbleinen mit Lesebändchen, 22,00 €
ISBN 978-3-520-75701-2

Stimmen zum Buch:

„Handelt es sich bei dem Werk überhaupt um einen Roman?, so muss gefragt werden. Die Konstruktion des vielschichtigen Textes kann am besten mit dem englischen Wort sophisticated charakterisiert werden: raffiniert, subtil, vertrackt.“ – Günter Rinke bei literaturkritik.de

„Witzig, schrullig, charmant“ – Melanie Wilke bei „Bücherliebe“

„Mit seinem neuen Roman „Auf das was da noch war“ versucht Böhmer den Ruf des nicht unum-strittenen Philosophen Nietzsche gerade zu rücken, auf das setzend, was da noch war.“ – Bernhard R.M. Ulbrich

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Kröner Verlag.

Katja Lange-Müller: „Drehtür“

swimming-pool-1681311_1920

Bild von SeppH auf Pixabay

„Das Bedürfnis, dem Artgenossen beizustehen, das wir mit vielen Tieren teilen, selbst so niederen und unsympathischen wie Wespen oder Ameisen, nannten und nennen neunmalkluge Schwachköpfe Helfersyndrom, als sei das eine multiple, entsprechend komplizierte Krankheit, eine Psycho-Seuche, die nur Exemplare unserer Gattung befällt. Warum zum Henker soll es krank sein, den Mitmenschen gesund sehen zu wollen – oder tot, falls Heilung nicht mehr möglich ist? Und was würde aus der Welt, wenn alle auf dem Gebiet der Medizin Tätigen plötzlich kuriert wären von diesem angeblichen Helfersyndrom, wenn sie es unwiederbringlich verloren hätten?! Katastrophaleres als jede Katastrophe spielte sich ab in den Städten und Dörfern, den Wäldern, Steppen, Wüsten sämtlicher Länder unseres verkommenen Planeten.“

Katja Lange-Müller, „Drehtür“, 2016, Kiepenheuer & Witsch Verlag

Es ist die Sprache dieser Autorin, die mitreißt: Lakonisch, frech, böse, zubeißend. Rund neun Jahre musste man seit „Böse Schafe“ (2007) auf den nächsten Roman der Schriftstellerin warten. Und der ließ mich, bei allem Lesefluss den der sprachliche Schwung auslöste, zunächst ein wenig verdutzt zurück: Ist denn diese Aneinanderreihung von Anekdoten über das Helfen und die Helfer ein Roman? Und ist es tatsächlich ein Roman mit einem Leitmotiv, wie in den Feuilletons zu lesen war, ein Roman über die Helfer“kultur“ (es ist derzeit immer gut einem Ausdruck das Wort „Kultur“ anzuheften und ihn dadurch aufzuwerten)?

Ja und Ja: Ja zum Roman, ja zum Leitmotiv – denn „Drehtür“ ist ein Buch, das man auch mit viel Genuss und unter neuen Blickwinkeln ein zweites Mal lesen kann: Da erzählt eine moderne „Scheherazade“ (Katja Lange-Müller nimmt selbst in einem Interview Bezug auf diese orientalische Figur) buchstäblich nicht nur von ihrem, sondern auch um ihr Leben. Ob das gut geht, möge sich der interessierte Leser selbst erlesen.

Asta, 65 Jahre alt, jahrzehntelang im Auslandsdienst als Krankenschwester ge- und verbraucht, sitzt am Münchner Flughafen vor einer „Drehtür“, irgendwo am Rande, zögernd, wohin der Weg sie führen soll. Kettenrauchend, Geschichten aneinander reihend, mit Wörtern jonglierend: Es ist, als sei die Hauptfigur in einem Niemandsland gelandet, nicht mehr gebraucht, nirgends mehr dazu gehörend:

„Asta denkt – und schweigt. Mit wem, fragt sie sich, soll ich reden?  Ich kenne doch keinen mehr, hier am Boden meines Vaterlandes, das nicht meines ist, weil es mir ebenso wenig gehört wie die Muttersprache; ich steh bloß drauf.“

Weil sich zuletzt die Fehler im Dienst am Kranken häuften, wohl auch, weil Asta immer unverträglicher im Umgang mit den Kollegen wurden, haben diese ihr als „generöse“ Geste einen Urlaub für immer geschenkt – ein One-Way-Ticket nach München, für Berlin, den eigentlichen Herkunftsort der Schwester, hat das Geld nicht mehr gereicht. Und so sitzt sie nun am Rande dieses glitzernd-gläsernen Ungetüms und sinniert:

„Ja, die Kollegen in Managua sehen das ganz richtig; ich habe genug geholfen. Nur wohin ich nun soll oder will, das weiß ich nicht. Kein Geld, kein Zuhause, keine Familie, keine Freunde, keine Perspektive…“

Während sie zögert vor dem Weitergehen, dienen ihr Passanten, Fluggäste, Wartende, Servicepersonal und Arbeiter als „Opfer für ihre Projektionen“: Gesicht für Gesicht rufen in Asta Erinnerungen an Freundinnen, Wegbegleiter, Verflossene, Mithelfer hervor, an Episoden und Ereignisse. So lassen sich aus diesen Geschichten nicht nur ein ostdeutscher Lebenslauf rekonstruieren – Asta absolvierte ihre Ausbildung in Ost-Berlin und Leipzig, eine der eindrücklichen Geschichten dieser Scheherazade handelt von einem nordkoreanischen Koch, den sie mit unsäglichen Zahnschmerzen nachts unweit der Botschaft (die auch heute noch so grausig aussieht, wie im Buch beschrieben) aufgabelt. Sie hilft ihm – gerät aber schon hier an die Grenzen des Helfens: Was der Mann außerhalb der Botschaft suchte, bleibt offen, wohin er verschwindet, was mit ihm geschieht, ist ebenso ungewiss.

Und so kristallisiert sich bei den verschiedenen Episoden immer wieder diese Grundthematik heraus, die Katja Lange-Müller schon durch ein dem Buch vorangestelltes Nietzsche-Zitat durchklingen lässt:

„Es scheint mir, daß ein Mensch, bei dem allerbesten Willen, unsäglich viel Unheil anstiften kann, wenn er unbescheiden genug ist, denen nützen zu wollen, deren Geist und Wille ihm verborgen ist.“

Ob der in München ausgesetzten Krankenschwester Asta am Ende zu helfen ist? Man lese selbst. Es lohnt sich.

Anbei das oben erwähnte Interview in der FAZ, in dem die Autorin auch über autobiographische Bezüge (sie arbeitete selbst als Hilfsschwester in der Psychiatrie, das Schreiben half ihr, mit der Erfahrung des Sterbens von Patienten zurecht zu kommen), über „gut“ und „böse“ und natürlich das „Helfersyndrom“ reflektiert:
FAZ-Interview mit Katja Lange-Müller.

Spende? Gerne!

Wer das Engagement dieses Blogs unterstützen möchte, kann dies gerne mit einem Beitrag via Paypal tun. Oder ganz klassisch mit einer Überweisung, die Daten dafür finden sich im Impressum.

€5,00