#MeinKlassiker (14): Daniel Engel wartet auf Godot

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Noch einen relativ neuen Blog betreibt Daniel Engel. Auf „Bücherherbst“ schreibt er über Gegenwartsliteratur und „das Leben mit Büchern“. Dazu gehört für ihn schon lange ein Buch, das eigentlich ein Theaterstück ist und seit seiner Veröffentlichung die Gemüter spaltet. Ich selbst erinnere mich gut an eine Aufführung im Augsburger Stadttheater – es waren überwiegend Besucherring-Leute im Publikum, die ihre Abonnement-Karte einlösen wollten. Nach der Pause hatten meine Freunde und ich die Schauspieler für uns allein. Doch: Wer nicht auf Godot warten kann, der verpasst doch einiges. Das meint auch Daniel:

Ein einziges Mal war ich bisher im Theater. Ich wollte mich auf diese darstellende Kunstform einlassen, mit der ich fremdelte. Als der Vorhang zur Pause fiel, herrschte Stille – während ich zustimmendes Klatschen erwartete. Nach der Pause blieben einige Plätze frei, ein Teil des Publikums trat lieber den Heimweg an, als sich den zweiten Teil anzuschauen. Es ist wohl eine durchaus übliche Reaktion für Aufführungen von Samuel Becketts „Warten auf Godot“. Doch warum zählt dieses herausragende Werk sowohl auf der Bühne als auch als Buch zu den vielleicht am meisten verschmähten Klassikern? Das 1952 veröffentlichte Buch des Literaturnobelpreisträgers ist sein Opus magnum (1953 als Theaterstück uraufgeführt) und war nicht weniger als eine Revolution. Beckett prägte eine neue Gattung, das absurde Theater – und zugleich eine neue Gattung Leser und Theaterpublikum. Nach diesem Werk ist man nicht mehr der gleiche Rezipient. Allerdings gibt es sowohl die Leser, die hiernach die Schönheit der Sprache und des Absurden lieben, als auch jene, die noch weniger Zugang zu diesem komplexen Stoff finden.

Rein formal ist „Warten auf Godot“ bloß eine Tragödie in zwei Akten. Die Sprache kommt laut Literatur- und Theaterkritiker Joachim Kaiser vordergründig als „banale Geschwätzigkeit, gelegentliche Witzelei, […] ein sentimentales ‚ceterum censeo’“ daher – und nichtsdestotrotz schließt er genau daraus die Genialität Becketts. Hier kann man eigentlich nur in einem Punkt leicht widersprechen: „Godot“ ist nicht nur eine gelegentliche Witzelei; man sollte es zunächst durchweg als Komödie lesen, das erleichtert den Zugang ungemein. Und erst beim Reflektieren kann man in das Existenzielle dieses Werkes eintauchen. Genau deshalb lohnt das aufmerksame – und auch wiederholte – Lesen. Bei jeder weiteren Lektüre spürt man zuvor unbeachtete Wendungen auf, weitere scharfsinnige Witzeleien, und kann einzelne Stellen neu für sich entdecken.

Das Konstrukt des Stückes ist wahrscheinlich vielen bekannt. Wladimir und Estragon treffen sich an einem vereinbarten Ort und warten auf Godot. Sie befinden sich in einer „schaudervollen Situation“: mit Lumpen bekleidet, warten sie vergeblich an diesem unwirschen Ort. Hierin liegt die Raffinesse von „Warten auf Godot“: So wenig, wie oberflächlich betrachtet in der Geschichte geschieht, so viel Spielraum wird dem Leser gewährt. Jeder Mensch kann seine eigene Geschichte hineinlesen und sich auch ein Stück weit in die Konstellation hineinversetzen. Achten wir genauer darauf, bestimmt das Warten unseren Alltag wie kaum eine andere Begebenheit. Das Warten an sich ist ein mannigfaltiges Ereignis. Es ist verbunden mit Hoffnungen, Erwartungen, aber auch Ängsten und Ungewissheit. So ist es bei Beckett logischerweise die Hoffnung Wladimirs und Estragons darauf, dass Godot erscheinen wird.  

Die Vielzahl an Interpretationsvariationen und -versuchen macht das Stück zwar einerseits nicht direkt greifbar, man bekommt keine unmissverständliche Deutung vorgekaut; andererseits ermöglicht es jedem Leser eine eigene Interpretation. Sehr beliebt ist die Variante, dass Estragon und Wladimir die Menschheit im Gesamten verkörpern, während Godot für Gott steht („Estragon lebhaft: Wir sind nicht von hier, mein Herr. | Pozzo bleibt stehen: Sie sind aber doch menschliche Wesen. Er setzt seine Brille auf. Wie ich sehe. […] Von derselben Gattung wie Pozzo! Göttlicher Abstammung!“). Eine weitere häufige Interpretation besagt, dass es sich bei den Beiden um Flüchtlinge handelt, die auf ihren Retter (womöglich heutzutage: ihren Schleuser) warten. Denn insbesondere die Menschen, die auf der Flucht sind, kennen das schmerzliche Leid des (unerfüllten) Wartens wohl wie keine andere Menschengruppe. Zunächst warten sie in der Heimat auf eine Verbesserung der Situation; dann warten sie auf Hilfe; sie warten auf die Person oder die Gelegenheit, die sie aus der Situation befreit; sie warten auf die Ankunft am Ort der Hoffnung; sie warten auf eine Bleibe; sie warten auf Bleibebescheide und Arbeitserlaubnis. Becketts Werk ist aktueller denn je, selbst Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung – oder hat womöglich nie an Aktualität verloren.

„Warten auf Godot“ ist ein Stück jenseits jeglichen Zeitgeistes: grotesk, naiv, unangepasst und so herrlich selbstironisch („Estragon: Es passiert aber auch gar nichts. | Pozzo untröstlich: Langweilen Sie sich? | Estragon: Kann man wohl sagen. | Pozzo zu Wladimir: Und Sie, mein Herr? | Wladimir: Es ist kein reines Vergnügen. | Schweigen.“). Wladimir beschreibt eigentlich ziemlich gut, wie sich womöglich viele nach dem Lesen fühlen: „Wie soll man’s sagen? Erleichtert und zugleich… Er sucht… zerschmettert. Emphatisch. Zer-schmet-tert.“ Doch vielleicht sollte man mit weniger Verunsicherung an das Stück herangehen, sondern vielmehr mit Leichtigkeit und Offenheit. Und auch ein wenig indirekte Kritik des Autors an den Rezipienten darf erlaubt sein, wenn Wladimir feststellt: „So ist der Mensch nun mal: er schimpft auf seinen Schuh, und dabei hat sein Fuß schuld.“

Wer die tiefgründige Absurdität Becketts einmal kennen und vielleicht sogar schätzen gelernt hat, liest viele Geschichte – vor allem die verrückten – mit einem ganz anderen Blick für das Spiel mit der Sprache. „Warten auf Godot“ hätte deshalb wesentlich mehr Applaus verdient, als viele Leser dem schmalen Werk zugestehen möchten.

Daniel Engel
https://buecherherbst.wordpress.com/


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#MeinKlassiker (13): Die Zeichen der Zeit standen für Hamsun auf Hunger

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Die Journalistin Constanze Matthes überzeugt auf ihrem Blog „Zeichen & Zeiten“ durch eine feine Buchauswahl, die ebenso Gegenwartsliteratur wie vergessene Bücher berücksichtigt. Ihre Rezensionen sind überzeugend, von einer schönen Sprache und von Fachwissen geprägt. Und nicht zu überlesen ist ihr Faible für Literatur aus dem hohen Norden. Ich war daher nicht überrascht, dass ihr Klassiker aus Norwegen kommt – und es freut mich, dass die Reihe sich damit nicht nur auf den deutschen und englischen Sprachraum beschränkt:

Der dünne Band stammt aus dem Jahr 1978; ein Jahr nach meiner Geburt. Die leicht vergilbten Seiten sind mit Anstreichungen und Kommentaren versehen. Bunte Haftnotizen ragen aus dem Buch heraus. Erschienen im Reclam-Verlag, hat es mich mehrere Monate begleitet, am Ende eines besonderen Lebensabschnittes. Als Birgit vom Blog „Sätze & Schätze“ mich anschrieb und fragte, ob ich nicht einen Beitrag zu ihrer Serie „#MeinKlassiker“ verfasse, war mir schnell klar, dass es „Hunger“ von Knut Hamsun (1859 – 1952) sein soll. „Hamsuns frühe Werke und die deutsche Literatur der Jahrhundertwende“ hieß das Thema meiner Magisterarbeit, die ich nun ebenfalls mal wieder aus dem  Regal hole, nicht ohne in der einen oder anderen Erinnerung zu schwelgen. Der Name des norwegischen Nobelpreisträgers war mir in den Studienjahren immer wieder begegnet, wirkte er doch maßgeblich auf die moderne europäische Literatur. Bekannte Schriftsteller wie Thomas Mann, Arthur Schnitzler oder Franz Kafka lasen dessen Werke, die zu den beliebtesten in Deutschland zählten, mit Begeisterung. Gerade auch in einer Zeit, als allgemein die Skandinavier auf dem künstlerischen Bereich viel Beachtung fanden. Der Maler Edvard Munch, die Dramatiker August Strindberg und Henrik Ibsen, der Komponist Edvard Grieg sollen an dieser Stelle beispielhaft erwähnt werden. In Metropolen wie Berlin, München oder auch Paris entstanden von Skandinaviern geprägte Künstlerkreise.

Doch in den 1940er Jahren wurde der Norweger zur persona non grata erklärt. Was war geschehen? Zeitlebens bewunderte er Deutschland, auch dann noch, als Hitler 1933 die Macht ergriffen hat. 1936 appellierte er an seine Landsleute, den Parteiführer der faschistischen National Samling, Vidkun Quisling, zu wählen, der nach der Besetzung Norwegens durch die Wehrmacht mit den Deutschen kollaborierte und an der Spitze einer Schattenregierung stand. 1943 schenkte Hamsun Joseph Goebbels seine 1920 erhaltene Nobelpreis-Medaille. In Norwegen wurde der Schriftsteller fortan geschmäht und nach dem Krieg wegen Landesverrats vor Gericht gestellt. Seine Bücher verschwanden aus den Regalen. Sowohl Hamsuns Leserschaft als auch die Wissenschaft tat sich in den kommenden Jahrzehnten schwer mit dem Literaten und seinem reichen Schaffen. Erst in den vergangenen Jahren erfolgte eine Wieder-Annäherung – allerdings ohne diese dunkle Facette im Leben Hamsuns zu vergessen.

Während der Roman „Segen der Erde“ heutzutage wohl vielen bekannt ist, war es die Erzählung „Hunger“, die Hamsun  zur erhofften Aufmerksamkeit der literarischen Szene und zu erstem Ruhm verhalf. Das Werk erschien in Auszügen und anonym erstmals 1888 in der dänischen Zeitung „Ny Jord“, 1891 schließlich in einer deutschen Übersetzung und in gekürzter Fassung in der Zeitschrift „Freie Bühne“. Das Geschehen in diesem recht eigenwilligen Erzählwerk ist überschaubar. Ein namenloser Protagonist, dessen Vergangenheit ebenfalls im Dunklen liegt, wandelt einsam und hungrig durch die Straßen Kristianias, des heutigen Oslos, ohne wirklich gegen seinen erbarmungswürdigen Zustand anzukämpfen. Banalitäten beziehungsweise kleine Dinge gewinnen im Alltag an Bedeutung. Das Schreiben ist das einzige Streben des Helden.

Vor allem sein besonderer Erzählmodus ließ dieses schmale Werk so einzigartig werden. Das gesamte Geschehen wird vollständig als innerer Monolog und aus der Sicht des Helden wiedergegeben. Vor allem dessen Innenleben, Gefühle und Gedanken werden beleuchtet. Beschreibungen der Umgebung und der Begegnungen mit Menschen wechseln sich mit Selbstreflexionen, einer Seelenschau ab. Hamsun betrat damit nahezu Neuland und fand vielfach Anerkennung. Manche sahen mit diesem Werk einen Epochenwandel und stellten dessen Autor folgend in die Reihe namhafter Künstler wie Franz Kafka und James Joyce.  „Hunger“ gilt als frühes Beispiel des „stream of consciousness“ (übersetzt Bewusstseinsstrom) und spiegelt Hamsuns eigenes Erleben wider: Er versuchte, als Journalist in Kristiania Fuß zu fassen, um jedoch wenig später ohne nennenswerten Erfolg ein Schiff in Richtung Westen zu besteigen. Der Norweger reiste zweimal in die USA, um dort sein Glück zu suchen. Vergeblich. Wer sich für den Schriftsteller und diese Lebensepoche interessiert, dem sei an dieser Stelle der Roman „Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Hamsun und Wilde“ von Matthias Engels empfohlen.

Was macht diese eigenwillige Erzähltechnik mit dem Leser? Sie sorgt für eine ganz spezielle Leser-Held-Beziehung. Der Leser wird zu einem Beobachter, der zugleich in die intime Gedankenwelt des Protagonisten und Erzählers hineinsehen kann. Es entsteht ein konzentrierter Blick, der durch den von meist kurzen Sätzen, oft gar nur einzelnen Wörter geprägten erzählerischen Stil verstärkt wird. „Hunger“ hat mich insofern geprägt, dass ich ähnliche Werke mit einer spartanen, aber dafür prägnanten sowie psychologischen Erzählweise sehr zu schätzen lernte. Hamsun selbst hat sein Frühwerk  weder einem bestimmten Stil noch der Gattung Roman zuordnen wollen. Womöglich ragt es bis heute auch deshalb so heraus und kann Beginn einer neuen oder auch einer Wieder-Begegnung mit dem großen Literaten aus Norwegen sein.

Constanze Matthes
https://zeichenundzeiten.com/

#MeinKlassiker (12): Das siebte Kreuz – ein Roman von aktueller Brisanz

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Literatur im Fenster ist ein eingetragener Verein, der seit 2009 vielerlei Veranstaltungen im Bereich     Erwachsenenbildung organisiert. Das Projekt „Frauenakademie“ und das Projekt „Studium Generale“ sind Unterrichtsprogramme vom Baden-Württembergischen bzw. Bayrischen Volkshochschulverband. Darüber hinaus werden von dem Verein auch Schreibwerkstätten angeregt, Formate des offenen digitalen Lernens angeboten, und vieles mehr. Auf dem Blog des Vereins veröffentlicht dessen Vorsitzende, Dagmar Eger-Offel, ab und an auch Rezensionen, die stets mit feiner Feder verfasst sind. Ich habe sie gebeten, eine ihrer Besprechungen für die Reihe #MeinKlassiker um einige persönliche Worte zu ergänzen – weil auch mir dieser Roman ausgesprochen wichtig ist:

„Dieses Buch ist den toten und lebenden Antifaschisten Deutschlands gewidmet.“

Anna Seghers’ umfangreicher Roman „Das siebte Kreuz“ über die Verhältnisse im Hitler- Deutschland der späten dreißiger Jahre zählt zu den epischen Werken, die nie an politischer Aktualität verlieren. Ihre Widmung auf dem Vorsatzblatt ist gerade jetzt brandaktuell und zeigt, von welcher Brisanz die Thematik ist und von welcher Bedeutung, sich mit der Geschichte und der Literatur dieser Zeit auseinanderzusetzen.

Beinahe wäre eines der wichtigsten Bücher der Exilliteratur nie zur Veröffentlichung gekommen. Auf ihrer Odyssee von Paris über Madrid, Moskau, beendete sie 38/39 den Roman in Paris, flüchtete weiter über USA, Mexiko, Polen, USA, wo Das siebte Kreuz 1942, nachdem zwei Manuskripte verloren gegangen waren, erstmals erschien. Obwohl sie Deutschland bereits 1933, kurz nach Hitlers Machtergreifung verlassen und erst 1947 in Berlin wieder deutschen Boden betreten hat, konnte sie sich auf authentische Informationen von ehemals Inhaftierten aus dem KZ Sachsenhausen in ihrer Geschichte beziehen. Die Schicksale der politisch Inhaftierten werfen ein eindeutiges Licht auf die Struktur des Faschismus und seine Vollstrecker in den ersten Jahren des Nationalsozialismus. Und auf die Fähigkeit couragierter Menschen, diesem Machtgebaren zu jeder Zeit etwas entgegenzusetzen. Seine fesselnde Wirkung zieht der Roman nach wie vor aus der Botschaft, dass der Nationalsozialismus besiegbar sei.  Auch unter den Vorzeichen von Angst und Gewalt ist es die persönliche Haltung, die persönliche Entscheidung, die den Einzelnen zum Unbesiegbaren macht.

Es ist die Geschichte eines Ausbruchs von sieben Gefangenen aus einem KZ, von denen nur einer überlebt. Ein Entkommener wird zum Hoffnungsträger aller Antifaschisten und alle Helfer zu persönlichen Helden.

Anna Seghers knüpft vielerlei Assoziationsbilder in ihre Geschichte, sie nimmt Anleihen bei Homer, Dante und der Bibel, um durch die Kraft der Symbolik das Zeitlose des Geschehens zu unterstreichen. Was aber am meisten beeindruckt, ist die Vielschichtigkeit der vorgestellten Charaktere. Es gibt aus allen Gesellschaftsschichten, aus allen Milieus Verräter. Ihre Gründe sind so unterschiedlich wie ihr Verhalten. Die einen denunzieren aus Angst, die anderen aus blinder Unterwürfigkeit, andere, um beruflich überleben zu können, wieder andere unter sozialem Druck und manche aus reiner Bosheit. Es wird kein einseitiges Bild der Denunzianten gezeichnet. Die meisten unterliegen ihrer Angst und das Gefühl des Entsetzens darüber, wie schrecklich Zustände sind, in denen man niemandem trauen kann, prägt sich tief ein. Genauso vielfältig sind aber auch die Gründe derjenigen, die dem Flüchtenden auf irgendeine Art helfen oder beistehen wollen. Es sind Charaktere, die nach wie vor ihrer politischen Überzeugung treu im Untergrund gegen das Regime arbeiten. Es sind aber auch Menschen dabei, die direkt aus dem Herzen heraus hilfsbereit reagieren und sich gegen die eigene Angst auflehnen. Menschen, die erst in der Notwendigkeit, welche die Situation gebietet, ihre politische Dimension des Handelns entdecken. Die Varietät der Wege des Humanen ist der eigentliche Gewinn an der Lektüre dieses Buches. Trotz aller wahrhaft erschreckenden Einblicke die das Buch in niederes menschliches Gebaren auf Seiten derer, die vermeintlich am längeren Hebel sitzen, gewährt, ist es doch ein Mutmachbuch und es endet mit einem auf ewig gültigen Satz: „Wir fühlten alle, wie tief und furchtbar die äußeren Mächte in den Menschen hineingreifen können, bis in sein Innerstes, aber wir fühlten auch, dass es im Innersten etwas gab, was unangreifbar war und unverletzbar.“

Das Buch habe ich erneut ausgegraben, weil es gerade jetzt wieder die gefährlichen Mechanismen einer faschistischen Einflussnahme unter die Lupe nimmt. Durch Populismus und Propaganda verblendete Menschen entziehen sich selbst und allen anderen den Blick auf das höchste Gut: die Freiheit. Und was mich wieder tief beeindruckt hat neben einer kunstvollen Komposition mehrerer Handlungsstränge ist vor allem die Komplexität der Charaktere. Anna Seghers gibt sich nirgends mit Stereotypen ab, sondern zeichnet Figuren, die sich durch ihre inneren Kämpfe ihrer Überzeugung immer wieder selbst vergewissern müssen. Was aber dann entsteht, geht weit über das Persönliche hinaus. Es ist die Kraft der Solidarität, die diese Menschen zu Unbesiegbaren macht.

Anna Seghers: Das siebte Kreuz. In Deutschland erstmals in Deutschland 1946 erschienen im Aufbau Verlag, Berlin. Neu erschienen ist 2015 im Aufbau Verlag, Berlin eine Ausgabe mit Originalillustrationen von 1942.

Dagmar Eger-Offel
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#MeinKlassiker (11): Aus dem Leben eines Taugenichts – Fridolin Schley über die Sternenklarheit des Herzens

Das Literaturportal Bayern bildet die ganze Fülle der Literatur im Freistaat ab – von Portraits der hier geborenen bzw. lebenden Autorinnen und Autoren über das Literaturland, das zu Spaziergängen auf Dichterspuren einlädt, bis hin zu aktuellen Hinweisen und Projekten, erwähnt sei hier der derzeit entstehende interaktive Netzroman mit dem Schriftsteller Thomas Lang. Ich freue mich, dass der Schriftsteller Fridolin Schley, der für die Bayerische Staatsbibliothek Redaktionsmitglied beim Literaturportal ist, über seinen Klassiker schreibt: „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Joseph von Eichendorff.

Sternenklarheit des Herzens

Lese ich heute wieder im Taugenichts, wie er richtungslos in die freie Welt aufbricht, das „Herz so voller Klang“, so sind es gerade die Dissonanzen im Klang, die mich überraschen und einnehmen, das Ineinander von Neugier und Verlustangst, von Lebenslust und Entsagung, das durchgehende Grundgefühl der Zerrissenheit und der Verwirrung seines Herzens, das „wild und bunt und verstört“ fortwährend beschleunigt wird von den ungleichen Zwillingsschwestern Furcht und Freude. In einer frühen Form der Virtualität, der heute allgegenwärtigen und für das Schreiben fast obligatorischen Grenzverwehungen zwischen Fiktion und sogenannter Wirklichkeit, besiedelt die Romantik Zwischenbereiche, in denen die Fantasie eine Art an sich hat, das Leben einzuholen. Den Sinnen ist dort nicht mehr zu trauen. Oft weiß der Taugenichts nicht recht, ob er wacht oder träumt, immerzu ist etwas „seltsam“, ständig wundert oder erschrickt er sich, um sogleich anzusingen gegen die Beklommenheit und weiter fortzuschreiten auf dünnem Eis.

Das Unheimliche und die Sehnsucht wohnen in diesen Transiträumen Tür an Tür. Erblickt er eine schöne Dame am Fenster, so ist sie durch den Vorhang verschleiert und ihr „seltsamer Schein“ kaum zu unterscheiden von den verzerrten, wie aus unguten Träumen entkommenen Gestalten, die immer wieder seinen Weg kreuzen. Es ist eine prekäre Poesie der Unschärfe, des Halbschlafs und des Wunsches nach Enthüllung des Merkwürdigen und Rätselhaften, nach dem klaren Blick, dem wir zugleich kaum gewachsen sind – wie bei Kindern, die nicht aufhören können, unter dem Bett und hinter dem Vorhang schaudernd nach jenen Bedrohungen zu suchen, die sie eigentlich nicht finden wollen. Als der Taugenichts die begehrte Dame in einem Boot über den Teich setzt und sie ihm dafür endlich einen tief dringenden Augen-Blick gewährt, setzt er entsprechend nur Tränen der Verzweiflung frei und bald darauf das Gefühl, „als wäre ich überall eben zu spät gekommen, als hätte die ganze Welt gar nicht auf mich gerechnet“.

So reist der Taugenichts musizierend in die Fremde, um sich selbst zu verlieren und neu zu bestimmen, wiederholt ergreift ihn dabei Schwindel auf den Wegen nach Süden, „als führten sie aus der Welt hinaus“ und ins unendliche Dunkel hinein, wo nach Freud die entfesselten Tagträume des Dichters spielen, wo sich wie im Fieber Gesichter zur teuflischen Fratzen verziehen, die Worte babylonisch verwirren, als wäre die Zunge tief ins Meer versenkt und allerlei unbekanntes Gewürm ringelte sich und rauschte da in der Einsamkeit. Gefahr und „grausliche Angst“ lauern an den Unorten der Nacht und mit ihnen das bucklicht Männlein, das wie eine Spinne über dem Scherbenhaufen der vergessenen Dinge wacht. Von dort blickt es uns an und hütet die Bilder unseres Lebens, die vor den Augen des Sterbenden vorbeiziehen.

Es sind Erlösungsvisionen, die den Taugenichts treiben und begleiten, obwohl er wie später Kafkas Amerika-Reisender gar nicht recht zu wissen meint, warum er „just mit so ausnehmender Geschwindigkeit fortreisen sollte“, und nicht zu ahnen scheint, dass die einzige Erlösung im Leben die vom Leben ist. Überall lagern Todesbilder unter der heiteren Melodie der Reise; das Gerassel des Wagens dünkt ihn, er fahre mit ihm in ein großes Grabgewölbe, eine hässliche Haushälterin mit dürren Hexenfingern durchgeistert das alptraumhafte Schloss – auch bei Kafka eine Registratur der letzten Dinge – durch dessen lange, schmale Gänge der Taugenichts nachts irrt. Bald sieht er eine Messerklinge vor seinem Fenster im Mondschein blitzen, hört auf der Treppe Schritte sich nähern, und sein Blick in den Spiegel, in den er „immerfort hineinsehen“ und grimassieren muss, gleicht dem, den man im Gebirge in einen plötzlich dräuenden Abgrund wagt, halb erschreckt, halb angezogen von der Tiefe, ist doch unser Doppelgänger im Spiegel von jeher auch der unheimliche Fremde in uns, der tote Andere, der uns am Ende bestimmt, und sein Anblick jenes letzte Bild, das das bucklicht Männlein von uns verwahrt.

Natürlich ist auch das Schreiben eine Kunst des Doppelgängertums, denn erst dort auf der Nachtseite des Vertrauten, wo man sich selbst unheimlich wird, im Verließ des Schlosses, in der Tiefe des Waldes oder in jenem einsamen Haus, das der Taugenichts nur bei Dunkelheit finden kann, an diesen Seelenorten der Romantik, wo Sinne, Triebe und Erkenntnis zu Schatten und huschenden Schlaglichtern verschmelzen, keimt die Hoffnung auf Erlösung; auf das, was unser Held die Sternenklarheit des Herzens nennt. Nur dem, der bereit ist, die Augen zu schließen, können auch die Morgenstrahlen auf die Lider fallen, wie der Taugenichts sagt, so „dass mir’s innerlich so dunkelhell war“. In dunkelhellen Zwielicht finden die Sätze mit der gleichen zwingenden Zufälligkeit zueinander wie dem Taugenichts alle ersehnten Menschen auf seiner Reise unverhofft wieder begegnen und nach einem sanften Gesetz ineinandergreifen, um schließlich ihre Masken zu lüften. Erst dann wird auch er als ganzer Mensch anerkannt.

Dr. Fridolin Schley
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#MeinKlassiker (10): Jan Haag gesteht seine wahre Liebe – Effi Briest

Jan Haag bloggt – ich habe nochmals nachgeschaut – seit Ende 2008. Ohne großen Aufhebens, ohne großen Rummel um Blog und Person. Dafür aber mit viel Fachwissen und Liebe zur Literatur: Thomas Mann, Arno Schmidt, Günter Grass und Hermann Hesse sind regelmäßig bei CON = LIBRI präsent. Für mich ist sein Blog mittlerweile schon eine Quelle, will ich mich über einen der großen Namen informieren, CON = LIBRI als Sekundärliteratur. Da findet man Beiträge, die ebenso gut in einer Literaturzeitschrift erstveröffentlicht werden könnten – beispielsweise die Serie zu Hermann Hesse und Ulm. Es hat mich daher sehr gefreut, dass Jan für #MeinKlassiker verriet, wem seine wahre Liebe gehört:

Fontane lesen? Geht das heute überhaupt noch? Zugegeben, der Einstieg in einen Fontane-Roman ist für unsere Lesegewohnheiten vielleicht etwas zäh. Beginnt er doch meist mit einer ausführlichen, zu detailliert wirkenden Beschreibung von Schauplätzen der behutsam einsetzenden Handlung. Erst nach und nach erfasst der Erzählstrom den Leser und er taucht ein in Fontanes Preußen des 19. Jahrhunderts. Eine autokratische, von strengen Normen geprägte Zeit. Eine Zeit, in der die Entwicklung hin zu all den individuellen und gesellschaftlichen Errungenschaften, die wir inzwischen für unverzichtbar halten, gerade erst begonnen hatte.

Der Roman “Effi Briest” wurde bereits fünfmal verfilmt und dem einen oder der anderen ist die Handlung bereits von daher weitestgehend bekannt. Etwa aus der spröde-genialen Fassbinder-Adaption von 1974, die sich dramaturgisch streng an die Textvorlage hält. Oder der 1968 in der DDR entstandenen Interpretation mit einer hinreißenden Angelica Domröse in der Titelrolle. Oder der aktuellsten Version von 2009, in der Julia Jentzsch die Hauptrolle verkörpert. Eine misslungene, banale Interpretation, die sich optisch anbiedert und zu bildhaft und offensichtlich zeigt, was Fontane allein mit seiner Sprache in der Phantasie der Leser entstehen lassen kann.

Wovon erzählt dieses Buch? Von unerfüllten Wünschen, könnte man sagen, um damit einen zeitlosen Aspekt hervorheben; von einer arrangierten Kinderehe, um aktuelle Bezüge herzustellen. Von patriarchalischen Strukturen, die bis heute nicht restlos verschwunden sind. Von gesellschaftlichen Zwängen, unter denen immer die Falschen zu leiden haben.

Es sind die 1880er Jahre im sandigen Brandenburg. Der alteingesessene Adel fürchtet um seine Privilegien. Selbstbestimmte Lebensentwürfe für Frauen sind in weiter Ferne. Effi Briest, die eben noch eine heiter-leichte Kinder- und Jugendzeit verbringen durfte, wird, gerade 17-jährig, an den Baron Geert von Innstetten verheiratet. Der nicht mehr ganz junge Adelige hatte einstmals Effis Mutter verehrt. Die beiden kamen sich durch verschiedene Umstände nicht näher und die Angebetete heiratete den jovialen, zu modernen Ideen neigenden, aber ausgesprochen entscheidungsschwachen von Briest. Innstetten derweil ist stolz wie Bolle ob der Möglichkeit, Versäumtes nachholen und die frische Tochter ins Ehebett nehmen zu können.

Effi wird von der Entwicklung völlig überrumpelt, ihr Leben vom einen auf den anderen Tag komplett umgekrempelt, als es mit dem Angetrauten in die hinterpommersche Provinz geht. Das Paar bekommt eine Tochter und lebt in einem Haus das der jungen Mutter überhaupt nicht behagt, sie beunruhigt, ihr Alpträume verursacht. Sie fühlt sich einsam und isoliert. Nur Gespräche mit dem örtlichen Apotheker, der sie platonisch verehrt, bieten etwas Ablenkung und Anregung.

Eines Tages wird der verheiratete, leichtlebige Major von Crampas nach Kressin abgeordnet. Er wirbt mehr oder weniger offen um die attraktive Effi, die sich schließlich auf ein ebenso heimliches wie kurzes Verhältnis einlässt. In der Folge belasten sie schwere Schuldgefühle. Als sie mit ihrem Mann nach Berlin umziehen muss, schreibt sie dem Major: “Ihr Tun mag entschuldbar sein, nicht das meine. Meine Schuld ist sehr schwer… Vergessen Sie das Geschehene, vergessen Sie mich.”

Jahre später, während seine schwächelnde Gattin auf Kur weilt, entdeckt Geert von Innstetten zufällig Briefe seiner Frau an von Crampas und das Unheil nimmt seinen von Konventionen diktierten Verlauf. Dem Duell der beiden Männer folgt die Trennung der Eheleute. Erst nach einigen Irr- und Umwegen, und gegen den Widerstand der Mutter, kehrt Effi in ihr Elternhaus zurück. Mit den Worten “komm Effi!” hat sich der alte Briest gegen die Ehefrau durch- und über die gesellschaftlichen Vorgaben hinweggesetzt. Seine Tochter indessen ist eine gebrochene Frau. Sie wird krank und siecht dahin. Ein reales Ereignis in Berliner Adelskreisen diente Fontane als Vorlage für den Roman.

“Theodor Fontanes zeitlose Heldinnen” nennt der Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Burkhard Spinnen die Frauengestalten in Fontanes Romanen, und deutet damit an, dass sich die Lektüre dieser Bücher nach wie vor so sehr lohnt. “Irrungen, Wirrungen” und “Frau Jenny Treibel” sind zwei weitere “Frauenromane” Fontanes, die er vor “Effi Briest” geschrieben hat, sie jedoch historisch einige Jahre später und in der Großstadt Berlin ansiedelt. Die weiblichen Protagonistinnen sind hier selbstbewusster, initiativer, Fontanes Sprache voll leichtem Witz und sanfter Ironie.

“Eine Romanbibliothek …, beschränkte man sie auf ein Dutzend Bände, auf zehn, auf sechs, – sie dürfte “Effi Briest” nicht vermissen lassen.” So schrieb der Fontane-Verehrer Thomas Mann. Und es gibt ja dieses Gedankenspiel, in dem man sich zu entscheiden hat, welche drei Bücher man auf eine einsame Insel mitnähme. Mit drei Büchern würde ich mich niemals auf eine einsame Insel verbannen lassen. Mich müsste ein mindestens mittelgroßer Container begleiten und darin wären neben vielen anderen gedruckten Lebensbegleitern, die auszuwählen immer noch schwer genug fiele, mindestens drei Bücher Theodor Fontanes.

Doch das ist wahrlich “ein weites Feld”. Ein geflügeltes Wort, das einst der Dichter Effis Vater in den Mund legte und mit dem dieser gerne seine mangelnde Entschlussfähigkeit kaschierte.

Zu Fontane habe ich erst spät gefunden. Die Lektüre von „Effi Briest“ war mein Schlüsselerlebnis. Inzwischen habe ich alle Romane gelesen – manche mehrfach. Es gibt zwei Frauenfiguren der deutschen Literatur, die mich immer begleiten werden: Tony Buddenbrook und Effi Briest. Beide scheitern, jede auf ihre Weise. Woran scheitern sie? An den „Verhältnissen“? Nein. Sie scheitern an „ihren“ Männern. Den Vätern, den Brüdern, den Ehegatten. Zwei schreibende Männer haben daraus exemplarische Literatur gemacht. Bewegend und großartig.

Jan Haag
https://litos.wordpress.com/


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#MeinKlassiker (9): Hans Fallada – und was „Jeder stirbt für sich allein“ uns heute noch zu sagen hat

Auf ihrem eigenen Blog „literaturleuchtet“ bringt Marina Büttner vor allem sehr interessante Neuerscheinungen zum Leuchten – häufig Romane, die eher Geheimtipps sind, viele Bücher aus Indie-Verlagen und vor allem auch regelmäßig Lyrik. Dass aber auch Klassiker leuchten, ist für das belesene Multitalent – Marina Büttner schreibt auch selbst, malt und zeichnet (http://www.marinabuettner.de/) – keine Frage. Ich freue mich über ihre Auswahl – Hans Fallada und seinen Roman über den Widerstand der „kleinen Leute“.

Als Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzens alias Hans Falladas letzter Roman „Jeder stirbt für sich allein“ im Jahr 2002 teils zum ersten Mal ins Englische und weitere Sprachen übertragen wurde, wurde er zum Weltbestseller. Die deutsche Neuauflage der ungekürzten Version auf der Grundlage des Originalmanuskripts kam 2011 auf den Markt und plötzlich wurde Fallada wieder gelesen!

Falladas Romane sind leicht zu lesen, keine Bücher, die sprachlich besonders hervorstechen, aber es sind Geschichten, die mitreißen und deren Stoff auch immer ein Stück deutscher Geschichte aufzeigt. Ob „Kleiner Mann – was nun?“, mit dem er 1932 weltbekannt wurde, ob „Ein Mann will nach oben“ oder „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“, es sind Werke, die Zeiten überdauern und dennoch aktuell sind. Gerade „Jeder stirbt für sich allein“ ist ein einzigartiges Zeitdokument, wurde es doch von einem Schriftsteller geschrieben, der in der Zeit des Nationalsozialismus nicht emigriert war, sondern in Deutschland lebte, wenn auch als `unerwünschter Autor` völlig zurückgezogen im mecklenburgischen Dorf Carwitz. 

Den Roman „Jeder stirbt für sich allein“ schrieb Fallada auf Anregung von Johannes R. Becher 1946 binnen vier Wochen. Wenn man seinen Gesundheitszustand bedenkt, ist das bemerkenswert und zeigt seinen unbedingten Drang schreiben zu müssen, aber auch von der finanziellen Misere, in der sich Fallada immer wieder befand, nicht zuletzt wegen seiner kostspieligen Morphin- und Alkoholabhängigkeit. Das Erscheinen des Romans hat er dann allerdings gar nicht mehr erlebt. Er starb 1947.

„Die Geschehnisse dieses Buches folgen in groben Zügen Akten der Gestapo über die illegale Tätigkeit eines Berliner Arbeiter-Ehepaares während der Jahre 1940 bis 1942. Nur in groben Zügen – ein Roman hat seine eigenen Gesetze und kann nicht in allem der Wirklichkeit folgen …“  

So schreibt Fallada im Vorwort seines Romans. Der Roman ist  angelehnt an die Geschichte der Eheleute Hampel, die außergewöhnlichen Widerstand gegen das NS-Regime, gegen die „Hitlerei“ leisteten. Mehr als 200 Postkarten schrieben und verteilten sie in verschiedenen Stadtvierteln in Berlin zu diesem Zweck. Fallada nennt das Ehepaar in seiner Geschichte Otto und Anna Quangel.

Der Roman besteht aus vier Teilen. Im ersten Teil werden die Quangels und ihr Lebensumfeld in Berlin vorgestellt. Es sind einfache Leute aus dem Arbeitermilieu. Als eines Tages der Feldpostbrief mit der Nachricht des Todes ihres einzigen Sohnes eintrifft, sind die beiden am Boden zerstört. Ihnen wurde das Liebste genommen. Die Formulierung im Brief, der junge Mann sei den Heldentod für Führer und Vaterland gestorben, löst vor allem in Anna enormen Widerstand aus. Beide beschließen Postkarten mit dem Aufruf zum Widerstands gegen Hitler zu schreiben und heimlich in öffentlichen Räumen, vor allem Treppenhäusern, zu verteilen. Diese gemeinsame Aktion schweißt die beiden zusammen.
Im zweiten Teil wird von den ersten Funden der Karten erzählt, die alle bei der Polizei landen und von den Bestrebungen der Gestapo zunächst unter der Leitung des Kommissars Escherich, die Kartenschreiber ausfindig und unschädlich zu machen.
Im dritten Teil zieht sich die Schlinge um die Quangels mehr und mehr zu. Sie scheinen die Gefahr, in der sie sich befinden zu unterschätzen. Einmal wird Otto angezeigt, wird aber aufgrund mangelnder Beweise freigelassen. Doch wenig später verliert er am Arbeitsplatz aus Versehen einige Karten aus seiner Tasche, behauptet jedoch sie dort gefunden zu haben. Aufgrund dessen wird der Betrieb untersucht, Otto wird bald denunziert und verhaftet.
Im vierten Teil erzählt Fallada von den Verhören der Quangels, über die Gerichtsverhandlung bis zum Todesurteil und der Hinrichtung 1943. Es wird den Eheleuten nicht gestattet, sich vorher noch einmal zu sehen: Jeder stirbt für sich allein.

Falladas Roman ist einerseits Milieustudie vom Leben der „kleinen Leute“ im Berlin der NS-Zeit, zeigt andererseits deutlich, was das System einer Diktatur mit den Menschen macht. Jeder ist sich selbst der Nächste, jeder misstraut dem anderen, kann er doch jederzeit einem Denunzianten gegenüberstehen. Quangels handeln aus einem Wunsch nach Gerechtigkeit heraus, in der Hoffnung, es würden sich immer mehr ihrem Widerstand im Kleinen anschließen. Über zwei Jahre hinweg hegten sie mutig die Hoffnung, immer mehr Sand im Getriebe könne die NS-Maschinerie stoppen.

Mich hat die Geschichte der Eheleute Quangel zutiefst berührt – „normale“ Menschen, die aus ihrem Schmerz, aus ihrem Verlust des Sohnes heraus, beginnen zu hinterfragen: den Krieg, das System, den Führer. Sie hat mich vor allem deshalb berührt, weil ich mich selbst so oft schon fragte, wie hätte ich mich  damals verhalten? Hätte ich den Mut gehabt, aufzubegehren? Gerade der Schritt, mit den eigenen kleinen Möglichkeiten aus dem Privaten heraus zu versuchen, den Lauf der Geschichte aufzuhalten, zeigt die Größe dieser beiden Menschen.
Aus heutiger Sicht betrachtet, könnte gerade dieser Roman Anregung sein, zu verhindern, dass es irgendwann wieder so weit kommt und zwar rechtzeitig …

„Jeder stirbt für sich allein“ wurde mehrfach verfilmt, unter anderem 1976 mit Hildegard Knef und Carl Raddatz. Gerade in den Kinos angelaufen ist die Neuverfilmung von 2015 mit Emma Thompson und Brendan Gleeson.

Marina Büttner
literaturleuchtet – ein literarischer Buchblog


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#MeinKlassiker (8): Der Untertan, zum Zweiten

Ist der Untertan ein Produkt der wilhelminischen Zeit? Ein Duckmäuser, der nach oben buckelt und unten tritt? Einer, der sich in einem überalterten hierarchischen System nach oben dient? Oder ein moderner Mensch, der durch den Einsatz von „Selbstkompetenz“ auch heute noch seinen Weg machen könnte?
Es sind spannende Gedanken, die sich Peter Peters zum Untertanen macht. Wie heute morgen bereits erwähnt, war es ein Zufall, dass sich zwei Autoren für ein- und dasselbe Buch entschieden haben. Ich habe mich daher entschlossen, heute ausnahmsweise zwei Klassiker zu veröffentlichen – weil ich finde, dass die beiden Texte sich wunderbar ergänzen und in ihrer Unterschiedlichkeit mit einander korrespondieren.

Die Rezensionen bei „Peter liest“ schätze ich als Leserin sehr – weil deutlich wird, wie sehr sich der Autor mit den Werken, die er vorstellt, auseinandersetzt. Meist stellt Peter zwar Gegenwartsliteratur vor, doch ein Fontane-Projekt ist offensichtlich im Entstehen. Und ich freue mich, dass er für die Reihe #MeinKlassiker einen Roman vorstellt, der ihn seit dem Studium begleitet.

Die alte dtv-Ausgabe sieht zerschlissen aus, Einband und Buchblock vergilbt und ein bisschen verschmutzt, die Ecken leicht zerstoßen. Der Satzspiegel ist vielleicht nicht mehr state of the art, enges Schriftbild, wenig Seitenrand, so dass der Inhalt des Romans auf gut 360 Seiten passt statt, wie in der derzeit gängigen Taschenbuchausgabe des Fischer Taschenbuchverlags, auf rund 500. Aber es ist über die Jahrzehnte dennoch meine Ausgabe geblieben; ich besitze keine andere und habe auch kein Bedürfnis nach einer Neuanschaffung gehabt. Das liegt nicht allein an der tollen Umschlaggestaltung des legendären Celestino Piatti, die eine Romanszene zitiert und in ein ausdrucksstarkes Bild umsetzt. Es liegt wohl mehr an den Erinnerungen, die sich mit dem Buch und dem Roman verbinden. Zwei sind es vor allem, die immer gleich da sind.

Bekanntlich trügt nicht nur die Farbe der Erinnerung, sie ist auch häufig nicht faktensicher. Aus diesem Grund muss ich vorsichtig so beginnen: Ich glaube, es war im Wintersemester 1981/82, als ich eine Vorlesung zum Roman der Weimarer Republik besuchte. Wenn dem so war, so befand ich mich im dritten Semester. Wie üblich gab es eine Leseliste mit den Romanen, die in der Vorlesung im Zentrum stehen sollten, sowie einer Übersicht über grundlegende Sekundärliteratur. Bis vor kurzem, als mir diese Liste durch Zufall wieder in die Hände fiel, wusste ich nicht, dass ich sie noch besaß. Ein DIN A5-Blatt, eng beschrieben; es fehlt darauf der Semestervermerk. Aber der obere Rand war irgendwann einmal offensichtlich mit einer Schere oder einem ähnlichen Werkzeug traktiert worden, so dass ich zwar Schwarz auf Weiß habe, welche Romane gelesen wurden, für den genauen Zeitpunkt aber keine Gewähr.

Folgende Romane wurden genannt: Thomas Manns Der Zauberberg, Erich Kästners Fabian, Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz, Hermann Brochs Die Schlafwandler, Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften und eben, aus Gründen der Chronologie zuerst aufgeführt, Heinrich Manns Der Untertan. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich keinen der genannten Romane gelesen, aber ich war beseelt zu dieser Zeit – ich weiß, ein altertümliches Verb, aber anders kann ich diesen Zustand kaum beschreiben – ich war also beseelt von einem ungeheuren Leserausch und wollte die literarischen Texte, zu denen ich Studienveranstaltungen besuchte, auch gelesen haben. Man muss dazu sagen, dass an diese Vorlesungen keinerlei Prüfungsnachweise geknüpft waren; ein Zustand, von dem heutige Bachelor- und Masterstudenten wohl annehmen müssen, er sei erfunden. Ist er nicht! Man besuchte die Vorlesung, weil man sich für die Sachverhalte interessierte, nicht um irgendwelche Creditpoints zu erhalten. Vollkommen frei von jeder Art von Prüfungsdruck konnte ich also lesen. Aber: nein, es ist mir nicht gelungen, alle Romane gelesen zu haben. Brochs Schlafwandler blieben auf der Strecke (und sind es bis heute geblieben).

Fragt man jedoch umgekehrt, welcher der verbliebenen und gelesenen Romane Bestand hat bis heute, und zwar nicht weil er literaturgeschichtlich bedeutsam ist, sondern weil er mich als Person angesprochen hat, weil ich deutlich gespürt habe, dass er etwas mit mir gemacht hat, mir etwas anderes abgefordert hat als analytisches Lesen aus einem sich entwickelnden literaturwissenschaftlichen Interesse heraus, dann ist es weit vor allen anderen Der Untertan.

Warum ist das so?

Bevor ich dazu komme, muss die andere Erinnerung vergegenwärtigt werden, die auch gleich präsent ist, wenn es um den Roman geht. Ein Nachdenken über den Untertan ist kaum möglich, ohne dass die Bilder der Schlusssequenz aus Wolfgang Staudtes DEFA-Verfilmung aus dem Jahr 1951 hochkommen. Diederich Heßling hat sein Ziel erreicht. Statt das Geld des verstorbenen Fabrikanten Kühnemann für den Bau eines städtischen Säuglingsheims einzusetzen, gelingt es ihm, die Mehrheit der Stadthonoratioren für den Bau eines Kaiser-Wilhelm-Denkmals zu gewinnen. Bei dessen Enthüllung hält er die Festrede. Es zieht, wie im Roman auch, ein Unwetter auf, das schließlich alle Gäste vom Festplatz vertreibt. Als letzter steht da nur noch Heßling in tiefer Verbeugung vor dem Denkmal. Dann schwarzer Rauch. Eine Toncollage, unter anderem aus „Lieb Vaterland“ und der NS-Wochenschau-Fanfare, leitet über eine Schwarzblende in die letzte Einstellung. Begleitet von wiederholten Auszügen aus Heßlings Rede sowie einem Erzählerkommentar aus dem Off, sieht man den Festplatz in Trümmern, wie nach einem Bombenangriff. Alles zerstört. Menschen versuchen mühselig die Schuttberge zu beseitigen. Nur das Denkmal steht noch.

Staudtes Absicht ist erkennbar, zeithistorisch und sicherlich auch tagespolitisch verständlich, legitim allemal. Staudte zeigt den Untertan Diederich Heßling als Präfaschisten, dessen Gesinnung den Nationalsozialismus vorbereitet und die Zerstörungskatastrophe verursacht hat, dessen Schoß, glaubt man der Stimme aus dem Off, über die Trümmer hinweg immer noch fruchtbar ist. Staudte bezahlt für diese Lesart allerdings einen Preis. Er schaut vom wilhelminischen Netzig aus, dieser Kleinstadt, in der Heßling sein Unwesen treibt, in die historische Zukunft, in ein Morgen, das sich genauso ereignet hat wie es die geifernden Reden gefordert haben.

Der Roman hat so viel Didaktik nicht nötig. Es ist nicht der Umstand, dass der 1918 veröffentlichte Roman natürlich nicht auf die NS-Zeit schauen und sie reflektieren konnte. Es ist die grundsätzliche Blickrichtung, die ihn vom Film unterscheidet. Das Unwetter gibt es, wie gesagt, auch hier; es hat dem Film zur Vorlage gedient. Aber es wird inszeniert als Endzeitszenario, als Auftritt der apokalyptischen Reiter, die, wie es heißt, „ein Manöver abgehalten“ haben für „den Jüngsten Tag“.  Doch damit endet es nicht. Heßling begibt sich völlig durchnäßt auf den Weg nach Hause, sieht aber an dem Haus, das sein einst größter und mittlerweile verarmter Widersacher, der alte Buck, bewohnt, merkwürdige Aktivitäten. Er schleicht sich hinein und wird Zeuge vom Ableben des alten Mannes, dieses liberalen Stadtpatriziers, der 1848 beim gescheiterten Revolutionsversuch selbst noch auf den Barrikaden gestanden hatte, mit dessen Tod dieses gesamte Lebenskonzept zu Ende geht, zukunftslos. Niemand bemerkt Heßling, außer der alte Buck in seinem letzten Atemzug. „Er hat etwas gesehen! Er hat den Teufel gesehen!“, so heißt es entsetzt, ohne dass die Anwesenden ahnen, wen er gesehen hat. Der letzte Satz des Romans dann: „Diederich war schon entwichen.“ Heinrich Mann inszeniert also nicht die kommende Katastrophe, sondern den Untergang des Liberalismus. Und er inszeniert es als … ja nicht einmal als Gottesgericht. So schrecklich sich die Apokalypse aufführt, am Ende dieser Denkfigur ereignet sich Erlösung im neuen Jerusalem. Hier nicht; die apokalyptischen Reiter sind weitergezogen. Was bleibt ist schlimmer, es ist des Teufels.

Hier nun finde ich vielleicht eine Antwort auf die oben gestellte Frage. Warum ist es gerade dieser Roman, der geblieben ist?

Man darf eines sicherlich nicht unterschlagen: Der Untertan ist neben Kästners Fabian vielleicht der eingängigste Roman, den ich in der Vorlesung kennenlernen durfte, ein Roman, der sich nicht sperrt, erst recht nicht dem gerade Zwanzigjährigen. Er ist von einer ungeheuren satirischen Zuspitzung und Schärfe. Das ist, was nicht vergessen werden soll, höchst vergnüglich zu lesen, damals wie heute.

Dieser Diederich Heßling, der „ein weiches Kind“ gewesen sein soll, der „viel an den Ohren litt“, wird zum Duckmäuser erzogen. Er lernt schnell, nach oben zu buckeln und nach unten zu treten.  Man kann ihn als Fleisch gewordenes Untertanendenken seiner Zeit, als Prototypen des autoritären Großbürgers charakterisieren. Doch dann ist er zugleich ein armes Schwein, ein bloßes Produkt der Verhältnisse, fast schon bemitleidenswert. Man steckt ihn auf diese Weise in die Schublade, auf der außen das Schildchen „Wilhelminismus“ steht, und ist mit ihm fertig.

Dabei ist, so steht zu fürchten, Heßling ein ganz moderner Mensch. Sein Werdegang vom geprügelten Kind zum studentischen Burschenschaftler, vom gewieften Drückeberger und Beinahe-Bankrotteur zum wohlhabenden Fabrikbesitzer und Mitglied er Honoratiorenschaft zeigt die ausgesprochene Anpassungsfähigkeit dieses Mannes. Er hat ein immenses Selbstvertrauen, kennt seine Ziele, hat eine große Entschlusskraft, kann Rückschläge und auch Demütigungen wegstecken, ist also in besonderem Maße resilient, ist flexibel und zugleich werte- und normenorientiert (welche das sind, ist egal; man ist ja tolerant). All das bezeichnet man heutzutage als Selbstkompetenz, und die steht ungeheuer hoch im Kurs.

Er ist zudem wahnsinnig gut vernetzt. Man muss nur daran erinnern, wie es ihm gelingt, sich aufgrund seiner burschenschaftlichen Verbindungen vor dem Wehrdienst zu drücken oder wie er Geschäftsbeziehungen aufbaut und pflegt. Dass er zu diesem Zweck auch seine beiden Schwestern instrumentalisiert, dass er selbst seine Frau nach ökonomischen Erwägung auswählt … Aber, mein Gott, wer will ihm das verdenken. Der hat es halt drauf. Selbstkompetenz! Diederich Heßling 2.0, 3.0, x.0. Solche Leute haben heute das Zeug zum Mr. President.

Dieser Heßling ist moderner als er ausschaut, viel moderner. Und weil er das ist, ist er der Teufel, der entweicht und zugleich bleibt. Er hat nichts Metaphysisches, er ist ganz diesseitig. Bannen lässt er sich nur dann, wenn man sich seiner bewusst wird, z.B. dadurch, dass man den Untertan liest.

Peter Peters
http://www.peter-liest.de/


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#MeinKlassiker (6): Buchpost auf der Sturmhöhe

Bei Anna auf dem Blog Buchpost sind Klassiker Programm – mit viel Hintergrundinformationen gespickt, mit viel Fakten zu den Büchern und den Autoren widmet sie häufig ihre Aufmerksamkeit Büchern aus der Vergangenheit. Umso mehr freute es mich, dass sie auch hier über einen Klassiker schreibt – über ihren Klassiker:

Da hat Birgit mal wieder eine Idee gehabt und wir dürfen ran an die Arbeit. Diesmal wollte sie wissen, welches denn so unsere ganz persönlichen Klassiker seien.

Eine Frage, bei der man natürlich ins Grübeln kommen könnte. Das geht schon bei der Definition los, was ein Klassiker ist. Und welches von all den Büchern, die ich schon gelesen habe, soll nun hier den Ehrentitel bekommen? Und doch, Birgits Anfrage erreichte mich gerade, als ich nach ca. 20 Jahren ein ganz bestimmtes Buch las, wiederlas. Ich musste also gar nicht lange überlegen. Mein Klassiker ist Wuthering Heights von Emily Brontë, einigen vielleicht eher unter dem deutschen Titel Sturmhöhe bekannt.

Die wilde Geschichte von den zwei unterschiedlichen Familien, die irgendwo im einsamen und rauhen Yorkshire wie Naturgewalten aufeinandertreffen, wurde erstmals 1847 veröffentlicht. Da wären zum einen die Earnshaws samt Findelkind Heathcliff, eine Familie, die mit dysfunktional noch sehr freundlich umschrieben wäre, und  zum anderen die gesitteten Lintons. Es kommt zu unglückseligen Eheschließungen, Geburten, Liebesleid, Rache und Tod und schließlich zu einer milden Ruhe nach all dem stürmischen Gebaren.

Hab’s schon als Teenager gelesen, ohne die geringste Ahnung, dass das ein echter Klassiker ist. Später die Schwarzweiß-Verfilmung gesehen. Weitere Verfilmungen gingen spurlos an mir vorbei. Das Buch reicht mir völlig. Im Studium habe ich mich monatelang mit dem Buch beschäftigt und es aus allen möglichen und unmöglichen Richtungen analysiert, interpretiert und dabei fast auswendig gelernt. Doch das Werk hat all dem standgehalten und begeistert mich heute noch genauso wie beim allerersten Mal.

Es bleibt bewunderndes Staunen oder staunende Bewunderung angesichts eines Werkes, bei dem ich bei jedem Lesen etwas Neues entdecke, man wird mit diesem Buch einfach nicht fertig. Da gibt es z. B. eine große psychologische Feinheit, mit der die Autorin zeigt, welche Verheerungen eine miese und brutale Erziehung anrichten kann.

Wie in einem Spiegellabyrinth muss man überlegen, wem man glauben kann. Die Erzählerfiguren, der Städter Lockwood und die Haushälterin Nelly Dean, die oft genug selbst ihre Finger im Spiel hatte, wollen uns von Anfang an ihre Sicht der Dinge unterjubeln.

Und erst die Hauptfiguren: Catherine, ihr Bruder Hindley, Heathcliff, Edgar und Isabelle Linton. Hier tobt in zwei Häusern ein archaischer Sturm, scheinbar weit entfernt vom nächsten Ort, die Handlung drängt vorwärts; am Ende bin ich fast ein wenig erschöpft und brauche ein paar Tage, bis ich mich wieder auf ein neues Buch einlassen kann. Und dann die Frage nach der Schuld, alle tragen ihren Teil, gewollt oder ungewollt, zum Chaos, zum Herzeleid bei.

Und überhaupt, was ist eigentlich Liebe? Geht es wirklich um Liebe oder ist es eine schier unfassbare Selbsttäuschung, wenn Catherine beteuert:

„If all else perished, and he [Heathcliff] remained, I should still continue to be; and if all else remained, and he were annihilated, the Universe would turn to a mighty stranger. I should not seem a part of it. (…) my love for Heathcliff resembles the eternal rocks beneath – a source of little visible delight, but necessary. Nelly, I am Heathcliff – he’s always, always in my mind – not as a pleasure, any more than I am always a pleasure to myself – but, as my own being….“

Elena Ferrante beschreibt, was ein gutes Buch ihrer Meinung nach leistet. Nach dieser Definition ist Wuthering Heights ein phänomenal gutes Buch.

„Good books are stunning charges of vital energy. They have no need of fathers, mothers, godfathers and godmothers. They are a happy event within the tradition and the community that guards the tradition. They express a force capable of expanding autonomously in space and time.“

Elena Ferrante in einem Interview mit Sheila Heti, zitiert nach: ‘Be Silent, Recover My Strength, Start Again’: In Conversation with Elena Ferrante
Und jetzt wäre doch eine gute Gelegenheit, mal wieder „Heathcliff“ von Kate Bush zu hören.

Anna
https://buchpost.wordpress.com/


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#MeinKlassiker (4): Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

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Das Schöne an dieser Reihe sind die Überraschungen. Als ich Wolfgang Schnier, der einen klugen Blog über das Lesen und Schreiben betreibt, um einen Gastbeitrag für die Reihe #MeinKlassiker bat, rechnete ich eigentlich mit einem Text über Goethe, Paul Celan oder Erich Mühsam. Aber Wolfgang schlug dieses Buch von Milan Kundera vor – und beim Lesen seines Beitrages lernte ich diesen 1984 erschienenen Roman nochmals neu kennen:

„Es ist unmöglich zu überprüfen, welche Entscheidung die richtige ist, weil es keine Vergleiche gibt. Man erlebt alles unmittelbar, zum ersten Mal und ohne Vorbereitung. Wie ein Schauspieler, der auf die Bühne kommt, ohne vorher je geprobt zu haben. Was aber kann das Leben wert sein, wenn die erste Probe für das Leben schon das Leben selber ist? Aus diesem Grunde gleicht das Leben immer einer Skizze. Auch ‚Skizze‘ ist nicht das richtige Wort, weil Skizze immer ein Entwurf zu etwas ist, die Vorbereitung eines Bildes, während die Skizze unseres Lebens eine Skizze von nichts ist, ein Entwurf ohne Bild.“

Dies findet man auf den ersten Seiten von Kunderas Roman. Und als ich diese Stelle las, änderte sich mein Leben. Denn ich bekam keine endgültigen Antworten auf die Fragen, die das Leben aufwarf, sondern hier artikulierte Kundera etwas, das mir die Fragen aufzeigte, die in mir goren und ich nicht formulieren konnte, ja, von denen ich nicht einmal wusste, dass ich sie tief in meinem Inneren hatte! Und so war ich elektrisiert, kaum 20 Jahre alt. Dass das Buch im Grunde eine Liebesgeschichte erzählt, oder besser gesagt mehrere, das wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht. Aber ich war auf dem besten Wege, die chaotischen und unkontrollierten Beziehungen der Teenager-Zeit gegen reflektiertere und bodenständigere Partnerschaften zu tauschen und suchte irgendwie nach einer Art Resonanzkörper, der mir bei meiner Suche meine eigenen Wünsche und Vorstellungen zurückwarf, um mir selbst die Antworten geben zu können, nach denen ich verlangte. Und während mir langsam klar wurde, dass es hier um die Geschichte zweier Liebenden geht, dachte ich oft an die Stelle, die ich eingangs zitiert habe: Was für eine Ouvertüre! Wie grundlegend und tiefgehend das Buch dieses Thema ausleuchtete, das waren Tiefenregionen, von denen ich bislang noch nicht einmal wusste, dass es sie gab! Mir war, als würde mich endlich jemand verstehen, als würde ich mich endlich verstehen, da mir klar wurde, dass ich die ganze Oberflächlichkeit vergangener Tage endlich hinter mir lassen wollte und auch konnte.

Allerdings ist das Buch nicht frei von Kitsch. Wenige Seiten später heißt es: „Nicht die Notwendigkeit, sondern der Zufall ist voller Zauber. Soll die Liebe unvergeßlich sein, so müssen sich vom ersten Augenblick an Zufälle auf ihr niederlassen wie die Vögel auf die Schultern von Franz von Assisi.“ Das ist beinahe trivial: Bei diesem Thema ist alles Zufall im Leben, das geht zurück auf den Zufall, wo wir überhaupt geboren wurden und welche verschlungenen Lebenspfade man hat gehen müssen, um an den Punkt zu gelangen, an dem man sich endlich getroffen hat. Aber das macht nichts, denn der Zauber liegt darin, diese Zufälle als eine Art Bestimmung anzusehen, als eine Unvermeidlichkeit. Man erklärt sich seinen Lebensweg rückwärts, als hätte man nicht, wie es eigentlich geschehen, nur vorwärts gelebt. Und nur, wenn wir das tun, erst dann wird diese Liebe unvergesslich.

Wenn man das Buch noch nicht gelesen hat, dann sollte man sich vorher nicht über die Handlung informieren. Das kann man zwar überall nachlesen, (zum Beispiel hier) aber damit nimmt man sich selbst den wichtigsten Effekt des Buches. Das liegt jetzt nicht daran, weil die Handlung sehr komplex oder dicht wäre, das ist bei Kunderas Büchern nicht der Fall. Aber wenn man sich eine nackte Inhaltsangabe durchliest, dann ist es so, als betrachtete man das Stahlgerippe eines Rohbaus und würde davon ausgehend Rückschlüsse auf das Gebäude erwarten, wie es einmal aussehen wird, wenn es fertig ist. Das kann man machen, aber man läuft dabei Gefahr, das Wesentliche zu übersehen. Diese Gefahr besteht bei allen guten Büchern, aber bei der unerträglichen Leichtigkeit des Seins wäre das unvermeidlich. Was das Buch nun für mich ausmacht, kann ich aber nur von einem Standpunkt nach der Lektüre des Buches beschreiben. Ich möchte daher so allgemein wie möglich, aber so detailliert wie nötig bleiben.

Die Charaktere in diesem Buch sind Idealtypen unserer eigenen Persönlichkeit. Wenn man erkannt hat, dass sie verschiedene Prinzipien idealtypisch repräsentieren, dann kann man in sich hineinhören und sich fragen: Wo habe ich diesen Gedanken auch schon einmal gehabt, wo ist mir dieses auch schon einmal passiert? Da ist zum Beispiel die Nebenfigur Franz, ein Akademiker, ein Kopfmensch, aber in Sachen Liebe ein Versager. Er setzt alles auf eine Karte und verliert. Und da ist Teresa, zentrale Figur, zerfressen von Eifersucht und inniger Liebe ohne Grund. Es hat sie einfach getroffen und sie hinterfragt an keiner Stelle wieso. Genauso wenig wie Tolstois Anna Karenina, den gleichnamigen Roman, den sie wie ein geheimes Erkennungszeichen an verschiedenen Stellen des Buches in die Hand nimmt. Und Tomas, der Don Juan und Tristan in sich vereint, trifft eine Entscheidung nach der anderen, die seinem eigentlichen Lebensstil entgegengesetzt sind, aber ihn mit Teresa zusammen hält. Und da ist die eigentliche Hauptfigur, jedenfalls nach meinem Verständnis: Sabina. Während jedem anderen Charakter eine mythische Figur nebenan gestellt wird, Teresa hat Anna Karenina, hinter Tomas scheinen Don Juan und Tristan hindurch und Franz hat Züge von Don Quijote und Faust, ist Sabina nicht im Mythischen verwurzelt. Sie ist die moderne Lebefrau, die Künstlerin der Moderne. Und ihr Attribut ist die Leichtigkeit, die Freiheit. Sie hält es kaum mit Tomas aus und erst recht nicht mit Franz. Die Unverbindlichkeit ist ihre Visitenkarte und am Ende hört man von ihr nur noch durch die Briefe aus den USA, dem Land der unbegrenzten Freiheit, so weit ist sie der eigentlichen Handlung entschwoben. Aber sie ist rastlos und hat einen hohen Preis zu zahlen: Sie ist einsam.

Und an dieser Stelle fällt einem plötzlich die Handlung auf, wie sie durch die Jahre hingeplätschert ist, mit den unterschiedlichen Entscheidungen in den verschiedenen Lebensstationen und man denkt an die Stelle ganz am Anfang: Kann man wirklich wissen, ob man die richtige Entscheidung getroffen hat, als man diesen oder jenen Weg im Leben einschlug? Verwandelt sich hier die Leichtigkeit in eine Schwere, die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – ist das die Leichtigkeit von einst, unbemerkt verwandelt in Schwere durch die Entscheidungen, die wir im Leben getroffen haben und treffen müssen?

Und wenn man das Buch gelesen hat, etwas verwirrt vielleicht und noch nicht alles verstehend, und es einige Jahre im Unterbewusstsein vor sich hin schlummern lässt und man sein eigenes Leben lebt, mit all den Irrungen und Wirrungen, mit all den Entscheidungen, ja, dann fällt es einem später vielleicht wieder ein. Wie war das noch mit Tomas und Teresa? Beschreibt das Buch vielleicht nicht nur die Charaktere als einen Idealtypus, sondern auch die Liebe selbst wie einen unerreichbaren Gipfel auf dem höchsten Berg, wie eine Fata Morgana, die sich immer weiter entfernt, je näher man ihr kommt? Oder ist die Liebe immer rein und unschuldig, zufällig und immer kompliziert, suchend und findend, verschlungen und oft einfach bedingungslos hoffnungsvoll und einfach hoffnungslos zugleich? Und wie heißt es woanders so schön: „Einen Menschen kennt einzig nur der, welcher ohne Hoffnung ihn liebt.“

Und dann fällt einem vielleicht wieder eine andere Stelle in dem Roman ein, eine im Rückblick sehr melancholische Stelle, die aber noch nicht melancholisch gewesen ist, als man sie das erste Mal in jungen Jahren gelesen hatte. Und es ist eine Stelle, an die ich oft denken musste in der letzten Zeit, weil sie mich nie ganz losgelassen hat. Aber zunächst noch eine andere Frage: Wenn diese vier Charaktere in diesem Buch Idealtypen darstellen, welchem würde man den Vorzug geben? Und könnte man den eigenen Schwerpunkt selbst wählen? Denkt man darüber nach, wenn man verliebt ist? Nun, früher oder später wird man feststellen, dass die Partitur des Lebens endlich ist und wir nur in einer gewissen Zeitspanne in die Tasten unseres Gegenübers greifen können, oder, anders formuliert: Manche Erfahrungen kann man nur zu einer bestimmten Zeit in seinem Leben machen. Oder, in Kunderas Worten:

„Solange die Menschen noch jung sind und die Partitur ihres Lebens erst bei den ersten Takten angelangt ist, können sie gemeinsam komponieren und Motive austauschen. Begegnen sie sich aber, wenn sie schon älter sind, ist die Komposition mehr oder weniger vollendet, und jedes Wort, jeder Gegenstand bedeuten in der Komposition des einzelnen etwas anderes.“

Und so denke ich manchmal an Tomas und Teresa und halte mein eigenes Leben dagegen. Und dann sage ich mir: Manche Bücher muss man in verschiedenen Lebensabschnitten lesen und verstehen. Was mir dieses Buch vor fast zwanzig Jahren offenbarte, liest sich heute beinahe wie eine Prophezeiung. Und genau darin liegt auch ein Stück Hoffnung: So verschieden sind wir Menschen nicht, und vielleicht ist dieses Buch auch ein Motiv nicht nur in unserem eigenen Leben, sondern auch ein Motiv im Leben unseres Gegenübers. Etwas schüchtern halte ich daher nicht Anna Karenina in meinen Händen, sondern die unerträgliche Leichtigkeit des Seins.

Wolfgang Schnier
https://wolfgangschnier.com/


 

#MeinKlassiker (3): Ilse Aichinger – poetischer Widerstand gegen eine Sprache der Lüge

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Lyrik-Leser kennen ihn und tragen ihn bei sich: Den Lyrik-Taschenkalender des Wunderhorn Verlags. Sein Herausgeber ist der in Heidelberg lebende Literaturkritiker Michael Braun. Er veröffentlicht Essays zu Fragen einer zeitgenössischen Poetik. Aktuelle Veröffentlichungen sind unter anderem „Jean Krier: Eingriff, sternklar. Gedichte aus dem Nachlass“ (Hrsg., Poetenladen, Leipzig 2014) und „Der gelbe Akrobat 2. 50 deutsche Gedichte, kommentiert“ (Hrsg. zusammen mit Michael Buselmeier. Poetenladen, Leipzig 2016) . Von 2007 bis 2011 gab er den Deutschlandfunk-Lyrikkalender heraus, der ebenfalls beim Heidelberger Verlag Das Wunderhorn erschien, seit 2012 den Lyrik-Taschenkalender. Er schreibt über sein Lebensbuch, „Schlechte Wörter“ von Ilse Aichinger:

Im Zeitalter der beschleunigten Kommunikationsprozesse und des universellen Kommentar-Gezappels auf Facebook und Twitter ist das Schweigen zum Störfall geworden. In der Dichtung von Ilse Aichinger ist das Schweigen jedoch „die Hauptsache“. „Ich habe eigentlich nach langer Zeit erkannt“, so hatte die Dichterin 1993 erklärt, „dass das Schweigen die Hauptsache ist. Ich bin für Langsamkeit, für Verschwiegenheit, dass man nur dann schreibt, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt.“ Der Glaube daran, dass es notwendig ist, den Wörtern „die Lautlosigkeit zurückzugewinnen, aus der sie entstanden sind “ – das ist der Ausgangspunkt jeder substantiellen Poetik, das ist die Voraussetzung für einen gültigen Satz.

Mit Ilse Aichinger, am 1. November 1921 in Wien geboren, ist die letzte lebende Zeugin der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur am 11. November 2016 gestorben. Über ihrem Leben lag früh eine Todesdrohung. Da sie nach den Kriterien der Nationalsozialisten als „Halbjüdin“ galt, wuchs sie in Wien unter schwierigsten Bedingungen auf, immer in Gefahr, von den neuen Machthabern nach 1938 deportiert und ermordet zu werden. Nur mit viel Glück überlebte sie mit ihrer Mutter, einer jüdischen Ärztin, die Barbarei. Vor ihren Augen wurde ihre Großmutter 1942 in Wien verschleppt und dann später im Vernichtungslager Minsk ermordet. Diese Erfahrung der fortdauernden Todesdrohung hat Ilse Aichinger das Sprachvertrauen geraubt.

Ihr Buch „Schlechte Wörter“, das erstmals 1976 erschien, ist zu meinem Lebensbuch geworden, zu meinem poetischen Evangelium. Es müsste zur Pflichtlektüre für alle literarisch Ambitionierten erklärt werden. Denn dem bewusstlosen, reflexhaften Gebrauch der Sprache, dem Herumfuchteln mit den instrumentalisierten, ideologisch verseuchten Wörtern wird hier der Boden entzogen. Ilse Aichingers Schreiben vollzieht den poetischen Widerstand gegen eine Sprache der Lüge, die stets dort beginnt, wo man sich den gefälligen Wörtern, den verführerischen Großbegriffen überlässt. Der Titeltext des Bandes „Schlechte Wörter“ beginnt daher mit einem Misstrauensvotum gegen die „besseren Wörter“: „Ich gebrauche jetzt die besseren Wörter nicht mehr. ‚Der Regen, der gegen die Fenster stürzt.‘ Früher wäre mir da etwas ganz anderes eingefallen. Damit ist es jetzt genug. ‚Der Regen, der gegen die Fenster stürzt.‘ Das reicht.“ In einem späteren Buch, dem „Journal des Verschwindens“ (in „Film und Verhängnis“, S. Fischer Verlag, 2001), deutete Aichinger an, sie wolle selbst eigentlich nicht existieren, sie wolle verschwinden. Sie möchte das nachvollziehen, was ihre Angehörigen unfreiwillig getan haben, als sie ermordet wurden. Schon in ihrem phänomenalen Aufzeichnungsbuch „Kleist, Moos, Fasane“ hatte sie 1985 ihren Weg vorgezeichnet: „Schreiben ist sterben lernen.“ Und: „Die Hölle himmelt mich ein.“

Michael Braun

Ilse Aichinger: Schlechte Wörter. S. Fischer Verlag (Fischer Taschenbuch), Frankfurt am Main 1976 ff. 112 Seiten, 5,95 Euro.

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Michael Braun, geboren 1958, Literaturkritiker und Essayist. Lebt in Heidelberg. Veröffentlichte zuletzt: »Der gelbe Akrobat 2. 50 deutsche Gedichte, kommentiert« [Hg., zus. mit Michael Buselmeier, Poetenladen, Leipzig 2016] und den Gesprächsband »Die zweite Schöpfung. Poesie und Bildende Kunst« [Hg., Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2016]


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