Edith Wharton: In Marokko

„Aus diesem friedlichen Eckchen geht man weiter in die barbarische Pracht eines Souks, in dem zahllose fiedrige Bündel unverzwirnter Seide hängen, Stränge in Zitronengelb, Karmesinrot, Grashüpfergrün und reinem Purpur. Dies ist das Viertel der Seidenspinner, das sich direkt an das der Färber anschließt, mit großen, brodelnden Kesseln, in die die Rohseide getaucht wird, mit gespannten Seilen, über denen die Regenbogenpracht zum Trocknen hängt.“

Edith Wharton, „In Marokko“, 1920, in deutscher Übersetzung bei Edition Erdmann, Wiesbaden, 2016.

1917 erhält die amerikanische Schriftstellerin Edith Wharton, die zu dieser Zeit schon überwiegend in Paris lebt, die Einladung zu einer außergewöhnlichen Reise: Louis-Hubert Lyautey, der französische Generalresident in Marokko, ermöglicht es ihr, das Land der Berber zu erkunden. Unter Schutz des französischen Militärs reist Wharton sechs Wochen lang „Vom Hohen Atlas nach Fès – durch Wüsten, Harems und Paläste“ (so der Untertitel des Buches). Marokko, das Tor zu Afrika, war bis dahin kaum von Privatreisenden besucht worden, Wharton gelangte an Orte, die Fremden – geschweige denn Frauen – bis dahin verschlossen geblieben waren. Ebba D. Drolshagen, die den Reisebericht ins Deutsche übersetzt hat, schreibt in ihrem informativen Vorwort:

„Unter dem privilegierten Schutz und in Begleitung der französischen Machthaber schlenderte Wharton nicht nur unbehelligt durch Basare und besichtigte Ausgrabungsstätten, sondern erlebte in dieser kurzen Zeit eine erstaunliche Vielfalt spektakulärer, exotischer, im Westen kaum erahnter Dinge: Sie wohnte dem Hammelopfer des Sultans und den religiösen Zeremonien in der heiligen Stadt Moulay Idris bei, schauten den tanzenden Knaben der Chleuhs zu, besuchte ein jüdisches Ghetto, sah als einer der ersten Menschen überhaupt die 1917 wiederentdeckten Saadier-Gräber, und war – last but not least – Gast in den Privaträumen großer Paläste und den Harems der Mächtigen.“

Im straffen Reiseplan sind unter anderem Rabat, Salé, Fès und Marrakesch enthalten. Wharton, die sich schon zuvor als Reiseschriftstellerin betätigt hatte, hatte sich mit den spärlichen und überwiegend französischen Quellen – unter anderem mit Bulletins französischer Archäologen – auf ihr Abenteuer vorbereitet. Präpariert mit fachlichen Kenntnissen und ausgestattet mit der Neugier einer Schriftstellerin verfasst Wharton (die drei Jahre später für „Zeit der Unschuld“ als erste Frau mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet werden sollte) zugleich kenntnisreiche und genaue, ebenso aber sehr sinnliche Texte über diese „terra incognita“, die Marokko für sie und ihre Leser 1917 immer noch ist. Sie schreibt zudem in dem Bewusstsein, dass sie unberührtes Terrain betritt, das, wenn erst  „die Springflut der Touristen“ folgt, einen Teil seines Zaubers verlieren wird.

„Die Kadis in vielschichtigen Baumwollgewändern, die uns an geheimen Pforten erwarteten und durch Bögen und Gänge zu den unvorhersehbaren Wundern von Gärten und Brunnen führten; die schwarzen Frauen mit bunten Ohrringen, die von bemalten Balkonen hinab spähten, die Pilger und Kreaturen, die an heißen Mauern in der Sonne dösten, die menschenleeren Hallen mit Stuckarbeiten und goldenen Pendentifs in gekachelten Nischen; die venezianischen Kronleuchter und protzigen Rokokobetten, die Terrassen, von denen Tauben in weißen Wolken aufstieben, während wir über einen Teppich aus ihren Federn gingen – waren das Geister vergangener Zeiten oder war das wirklich der Ort, an dem ein reicher Kaufmann mit Geschäftsbeziehungen in Liverpool und Lyon lebte, ein Regierungsbeamter, der in diesem Moment in seinem Auto mit sechzig Sachen nach Meknes oder Casablanca raste?“

A propos unberührtes Terrain: Das Maghrebland war schon seit Jahrzehnten zum Zankapfel europäischer Mächte mit ihren kolonialistischen Begierden geworden, 1912 wurde Marokko in ein französisches und ein spanisches Protektorat aufgeteilt, die Deutschen – Wilhelm II. hatte mit einem Besuch beim Sultan 1905 eine Marokko-Krise ausgelöst – hatten das Nachsehen. Wharton reist 1917, im vorletzten Kriegsjahr, also in ein fremdbesetztes Land. Doch die Amerikanerin, die 1916 zum Ritter der Ehrenlegion geschlagen worden war, macht aus ihren Standpunkt kein Geheimnis: Das Buch, das  General Lyautey und dessen Frau gewidmet ist, eröffnet einen Blick auf das Land durch die Augen einer Frau, die mit der scheinbaren Überlegenheit europäischer Zivilisation auf „das Fremde“ blickt: Mal wird die Kultur und Gesellschaft Marokkos als „überreif“ charakterisiert, mal als „unreif“ bezeichnet, durchweg wird der Umgang der Marokkaner mit den Zeugnissen ihrer Kultur und Geschichte kritisiert, wird der wohltuende Einfluss der Franzosen hervorgehoben. So waren die Reiseberichte, die zunächst in einer amerikanischen Zeitschrift und dann 1920 als Buch erschienen, wohl auch eine gelungene Propaganda für die französische Regierung.

Trotz dieses Vorbehalts lohnt die Lektüre von „In Marokko“ auch heute noch. Aufschlüsse über die Situation des modernen Landes, des Königsreichs in der Gegenwart, darf man sich von diesem Bericht dabei allerdings nicht erwarten. Aber als kunsthistorische Reisebegleitung wäre das Buch Whartons eine gute Empfehlung, zumal sie den Reisebeschreibungen auch Abrisse über die marokkanische Geschichte und Architektur beigefügt hat. Wer einmal die Koutoubia-Moschee in Marrakesch, die Qarawīyīn-Moschee in Fès oder den Bahia-Palast gesehen hat, der wird seine Freude daran haben, mit den Augen Whartons auf diese Denkmale der Architektur zu blicken, unbehelligt von Touristenmassen und einheimischen Händlern. In Marrakesch ist Edith Wharton im Bahia-Palast untergebracht:

„Aus weiter Ferne, durch gewundene Korridore, wehte der Duft von Zitronenblüte und Jasmin, vor Tagesanbruch manchmal begleitet vom Zwitschern eines Vogels, bei Sonnenuntergang von der Klage einer Flöte, des Abends immer mit dem Ruf des Muezzins (…). Manchmal, wenn ich auf meinem Diwan lag und durch die zinnoberroten Türen hinausblickte, überraschte ich ein Schwalbenpaar, das aus seinem Nest in den Zedernholzbalken herabkam, um sich am Brunnenrand oder in den Wasserrinnen im Fußboden zu putzen (…).“

Wem dies zu sehr nach romantisierter „TausendundeinerNacht“ klingt – dass sie sich als Frau in einer privilegierten Situation befindet, dessen ist sich Edith Wharton während ihrer Reise durchaus bewusst, kritisch blickt sie – obwohl sonst selbst keinen Hehl aus ihrem Antisemitismus machend – auf die Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung, auf den Umgang mit Sklaven und die Situation der Frauen, die sie in den Harems und Haushalten der Marokkaner kennenlernt. Bei einem Besuch fällt ihr ein Kind auf, ein Sklavenmädchen, gekleidet in Fetzen, das stillschweigend jeden Befehl seines Herrn ausführt. Ebba D. Drolshagen schreibt:

Dieses Kind wurde zum Anlass für ihr schärfstes Urteil über Marokko: „Hinter dem traurigen Mädchen, das an dem Torbogen lehnte, stand das ganze düstere Elend eines Gesellschaftssystems, das dem Islam wie ein Mühlstein am Halse hängt.“

Informationen zum Buch und zur Reihe:

Reiselustigen Lesenden sei die „Edition Erdmann“ im Verlagshaus Römerweg ans Herz gelegt – neben bekannten Klassikern der Reiseliteratur von Humboldt, Darwin und Forster erschienen in dieser Reihe bislang auch etliche Reisebücher von wagemutigen Frauen, die oftmals, ähnlich wie Edith Wharton als Pionierinnen in bis dahin verschlossenen oder gar unbekannten Weltgegenden unterwegs waren.

http://www.verlagshaus-roemerweg.de/Edition_Erdmann.html

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Paul Bowles: Taufe der Einsamkeit

„Die Wüstenlandschaft ist immer am schönsten im Zwielicht der Morgen- und Abenddämmerung. Um diese Zeit fehlt das Gefühl für Entfernungen: Ein naher Hügel kann wie ein weit entfernter Höhenzug wirken, jedes Detail kann zu einer Größe erster Ordnung im monotonen Thema der Landschaft werden. Der nahende Tag ist voller Verheißungen; erst wenn er sich voll entfaltet hat, kommt dem Betrachtenden der Verdacht, daß es der vorangegangene Tag sein könnte, der wiedergekommen ist – der gleiche, den er wieder und wieder erlebt hatte, immer noch blendend hell und unberührt von Zeit.“

Paul Bowles, „Himmel über der Wüste“, im Original: „The Sheltering Sky“, Erstausgabe 1949

„Es ist eine einzigartige Empfindung, und sie hat nichts mit Verlassenheit zu tun, denn Verlassenheit setzt Erinnerung voraus. Hier, in dieser vollkommen mineralischen Landschaft, von Sternen erhellt wie von Leuchtfeuern, verschwindet sogar die Erinnerung; es bleibt nichts übrig als Ihr eigenes Atmen und das Geräusch Ihres schlagenden Herzens. Ein merkwürdiger und keineswegs angenehmer Prozess, bei dem Sie sich neu zusammensetzen, beginnt in Ihrem Innern abzulaufen, und Sie haben die Wahl, entweder dagegen anzukämpfen und darauf zu bestehen, dass Sie die Person bleiben, die Sie immer gewesen sind, oder es geschehen zu lassen. Denn niemand, der längere Zeit in der Sahara war, ist noch genau derselbe, wie bei der Ankunft.“

Paul Bowles, „Taufe der Einsamkeit“, Reiseberichte 1950-1972, Liebeskind Verlag 2012

Paul Bowles schreibt am schönsten, am klarsten dort, wo er über die Wüste schreibt – bei ihm wird sie zu einer Metapher für das Leben, ein Ausdruck unserer Existenz. Der amerikanische Schriftsteller und Komponist (1910-1999) verbrachte selbst sein überwiegendes Leben beinahe wie ein Nomade, insbesondere bereiste er Südamerika und Nordafrika. Ab 1947 lebte er in Tanger, zunächst mit seiner Frau, der Schriftstellerin Jane Auer (Jane Bowles) bis zu deren Tod 1973.

In seinem ersten Roman, „Himmel über der Wüste“, ist, obwohl Bowles dies stets abstritt, sicher auch einiges über diese Ehe herauszulesen. Das amerikanische Paar Kit und Port Moresby versucht nach zwölf Jahren Ehe bei einer Reise durch Algerien ihre verloschene Liebe wiederzufinden. Doch – zum Teil fernab der Zivilisation, zurückgeworfen auf das eigene Selbst, zum Teil konfrontiert mit exzentrischen Figuren der Außenwelt – der Versuch misslingt. Port stirbt an Typhus, Kit verirrt sich im wahrsten Sinne in der Unendlichkeit der Wüste. Durch dieses Buch und den nachfolgenden, 1952 erschienenen Roman „So mag er fallen“, der ebenfalls die gescheiterte Flucht eines Mannes, aus der Leere des amerikanischen Daseins nach Tanger beschreibt, hatte Bowles sein Thema gefunden – auch in seinen weiteren beiden Büchern stehen zivilisationsmüde Menschen im Mittelpunkt, die hoffen, in einer anderen, exotischen Umgebung zu sich zu finden. Und die darin scheitern.

Zudem hatte sich Bowles, in dessen Büchern immer wieder auch auf die Wirkung des „Kif“ eingegangen wird, damit auch eine literarische Fangemeinde erschrieben – er wurde zum Vorbild für die Schriftsteller der Beat-Generation Ginsberg, Burroughs und Kerouac, aber auch andere Autoren wie Capote folgten ihm nach Tanger. Später geriet Paul Bowles zu Lebzeiten mehr oder weniger in Vergessenheit – nach dem Tod seiner Frau lebte er bis 1999 mit seinem Lebensgefährten Mohammed Mrabet in Tanger. Erst in seinen letzten Lebensjahren wurde die Öffentlichkeit wieder auf den Schriftsteller und seine Bücher aufmerksam – 1990 kam „Himmel über der Wüste“ in der berauschenden Verfilmung von Bernardo Bertolucci in die Kinos. Ein Fest für das Auge, für die Sinne – und dabei auch eine gelungene Literaturverfilmung, in der Bowles sogar selbst als Erzähler aus dem Off mitwirkt. Was lange unbekannt blieb, war, dass Paul Bowles nicht nur ein herausragender Romancier und einer der Vertreter des englischsprachigen Existenzialismus war, sondern – auch für die eigene materielle Existenz – zahlreiche Reiseberichte schrieb. Eine Auswahl davon erschien 2012 erstmals in deutscher Sprache beim Liebeskind Verlag: „Taufe der Einsamkeit“. Übersetzt wurden die Reportagen, die auch heute noch mitreißen und kaum von der Zeit überholt erscheinen, von dem Schriftsteller Michael Kleeberg (hier im Interview in der Sendung des Schweizer Rundfunks, „52 beste Bücher“, zum Buch).

Deutlich werden an den Berichten nicht nur die Vielzahl der Orte und Welten, die Bowles sich reisend und forschend (so hält er im Auftrag der Rockefeller-Stiftung in Marokko die Formen der Berber-Musik fest) erschreibt, sondern auch seine stilistische Bandbreite: Mal faktenreich über die Wüste, mal voller Humor über den Versuch, in Indien einen Brief aufzugeben, mal kritisch über den Tourismus- und Bauboom an der Costa del Sol, mal voller Poesie über die Schönheit des Lebens auf Ceylon.

„Der amerikanische Schriftsteller Paul Bowles verbindet einen kristallinen Stil mit geradezu verblüffend anmutender Aktualität. Seine ursprünglich für angelsächsische Reisemagazine geschriebenen Reportagen sind konzise Erzählungen, die keinerlei Patina angesetzt haben“, so begeistert äußerte sich Marko Martin im Deutschlandradio.

Dabei bewahrt sich Bowles, trotz seiner Affinität für Orte und Menschen und trotz seiner spürbaren Neugier für das, was hinter den Mauern vorgeht, auch die Distanz des kritischen Beobachters, urteilt subjektiv, erzählt aus seiner Warte.

„Seit dem ersten Morgen im Jahr 1931, als ich in einem Hotelzimmer erwachte und das Getöse draußen auf der Straße hörte, habe ich eine heftige Abneigung gegen diese Stadt empfunden. Ich kenne Marokko, aber nicht Casablanca, und das liegt daran, dass ich es, wann immer es ging, gemieden habe (…) In den Jahren des französischen Protektorats war es ein Gemeinplatz zu sagen, dass Casablanca das Schlimmste beider Welten vereinigte; seine Franzosen waren die arrogantesten und unangenehmsten und seine Marokkaner die dekadentesten, was so viel heißt wie: die europäisiertesten. (…)“

Ironisch-lapidar äußert sich Bowles über die Tücken des Taxiverkehrs in der Stadt:

„Sie verlassen also morgens ihr Hotel und winken eines der spielzeugartigen Taxis heran, die die Boulevards entlangrasen, und ob Sie es glauben oder nicht, Sie werden direkt in die Welt von Lewis Carroll versetzt. Quasi jedes Gespräch mit einem Taxifahrer kann das erreichen. Präzise Unlogik, einstudierte sinnlose Schlußfolgerungen, schamlose Widersprüche, die beiläufige Einführung völlig abseitiger Themen, dazu eine verdruckste Miene prinzipieller Mißbilligung – alle Zutaten sind vorhanden, um die Illusion zu vermitteln, man sei plötzlich in einen Kaninchenbau gefallen oder durch den Spiegel getreten.“

Diese humoristisch-subjektiven Schilderungen machen jedoch nur einen Teil des Reizes dieser Berichte aus. Vor allem Bowles Bemühen, die anderen Kulturen zu ergründen, zu verstehen und diese äußeren mit einer inneren Reise zu verbinden, also im besten Sinne eine Begegnung der Welten zu erfahren, prägen diese lesenswerten Reportagen. Sie sind eine nichtfiktionale Erweiterung seiner Romane, sie können im besten Falle auch beim Leser Prozesse und zumindest Neugier auf „das andere“ in Gang setzen. Sein Bericht – oder fast besser noch „Reiseerzählung“ – über Sevilla endet mit diesen Worten:

„Ya es la hora de la siesta. All das wird ihn zurück nach Amerika begleiten, nichts wird verschwendet gewesen sein. Jede einzelne Stunde, die er mit offenen Augen verbracht hat, wird ihn ein Stückchen auf dem Weg zu einem Verständnis der Welt weitergebracht haben, und das ist schließlich der wahrhaftigste Gradmesser für Kultur, den wir bisher gefunden haben.“

Und – als ewige Träumerin von der Wüste – hier noch meine Lieblingsstelle aus der titelgebenden Reportage über die Sahara:

„War ein Mann (Anmerkung der Verfasserin: „eine Frau“ dazu denken) dort und hat die Taufe der Einsamkeit über sich ergehen lassen, dann kann er nicht anders. Ist er einmal dem Zauber des gewaltigen, gleißenden, stillen Landes erlegen, dann ist kein anderer Ort mehr kraftvoll genug für ihn, dann kann keine andere Umgebung das unüberbietbar befriedigende Gefühl in ihm hervorrufen, mitten im Absoluten zu stehen.“

Vorangestellt ist den Reportagen eine Art Programm, das Bowles 1958 in „The Nation“ veröffentlichte: „Eine Herausforderung an die Identität“.

„Noch vor einem Jahrhundert ist das Reisen eine Sache für Spezialisten gewesen. Da ferne Orte außer für sehr wenige Glückliche und Widerstandsfähige abseits jeder Erreichbarkeit lagen, war es ganz normal, dass man die Sehnsucht nach dem Exotischen indirekt durch das Lesen von Büchern befriedigte. Heutzutage, wo rein theoretisch ein jeder überall hingehen kann, dient das Reisebuch einem anderen Zweck; die Gewichtung hat sich von dem Ort selbst auf den Eindruck verlagert, den der Ort auf einen Menschen macht. So ist das Reisebuch zwangsläufig subjektiver geworden, sozusagen literarischer.“

Und in diese Beschreibung reiht sich Paul Bowles selbst mit seinen Reiseberichten in grandioser Manier ein. Seinem Satz„Es gibt nichts, was ich mehr genieße als die akkurate Schilderung eines intelligenten Schriftstellers über all das, was ihm weit weg von zu Hause widerfahren ist“ – kann man nicht nur zustimmen, sondern er selbst erfüllt ihn auf die beste Weise.


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