Gianrico Carofiglio im Gespräch: „Der Plot ist für mich fast nur ein Vorwand, um über Menschen zu schreiben.“

EIN GASTBEITRAG VON VERONIKA ECKL

Der italienische Autor Gianrico Carofiglio über seinen soeben auf Deutsch erschienenen Roman Drei Uhr morgens.

Er ist einer der berühmtesten italienischen Krimiautoren, war Anti-Mafia-Staatsanwalt, Berater des italienischen Parlaments und Senator – Gianrico Carofiglio aus Bari weiß, wovon er spricht, wenn er seinen Avvocato Guerrieri oder seinen Maresciallo Fenoglio in seiner Heimatstadt ermitteln lässt. Dass Carofiglio auch außerhalb des mörderischen Milieus ein Meister der psychologischen Beobachtung ist, ist bei seinen Lesern diesseits des Brenners weniger bekannt. Nun hat der in Wien und Bozen ansässige Folio Verlag einen kleinen, stillen Roman Carofiglios auf Deutsch herausgebracht: Drei Uhr morgens erzählt von einer Vater-Sohn-Beziehung, die sich völlig wandelt, als die beiden Protagonisten 48 schlaflose Stunden miteinander verbringen müssen. Veronika Eckl traf Gianrico Carofiglio vor der Präsentation der Neuerscheinung im Münchner Literaturhaus. Der Autor trank während des Gesprächs nur Wasser, war aber vor allem eins: hellwach.

Signor Carofiglio, wir sind es gewohnt, dass Ihre Bücher uns ab der ersten Seite nach Apulien versetzen – in die Bars und Gerichtssäle von Bari, in graue Carabinieri-Kasernen, ans Meer. Warum spielt Drei Uhr morgens im französischen Marseille?

Carofiglio: Drei Uhr morgens ist der einzige meiner Romane, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Schriftstellern passiert es oft, dass sie zum Beispiel auf einem Fest angesprochen werden: Ach, Sie sind Schriftsteller? Ich habe da etwas erlebt, darüber müssten Sie schreiben! Normalerweise taugen diese Anekdoten nicht für einen Roman, aber diese Erzählung eines Freundes hat mich sofort elektrisiert. Er berichtete mir, dass er als Jugendlicher Epileptiker war und von dem berühmten französischen Neurologen Henri Gastaut in Marseille behandelt wurde, in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Koryphäe auf dem Gebiet der Epilepsie. Für eine abschließende Untersuchung musste er sich einer Art Reizüberflutung aussetzen und durfte zwei Tage und Nächte nicht schlafen – was heute kein Arzt mehr so anordnen würde. Vater und Sohn waren also 48 schlaflose Stunden, der Sohn gepuscht von Wachmacher-Pillen, in Marseille unterwegs. Mir war sofort klar, dass die unterschwellige Energie, die in dieser besonderen Situation steckt, perfekt für einen Roman ist.

Marseille und Bari sind einander ja gar nicht so unähnlich….

Carofiglio: Nein, beide sind mediterrane Hafenstädte. Aber Marseille ist etwas ganz Besonderes. Ich habe 2010 einen Monat als Schreibstipendiat dort verbracht und war fasziniert. Man glaubt in manchen Straßenzügen in Nordafrika zu sein, sieht Hässliches, Verwahrlosung, spürt Gefahr, die in der Luft liegt – und fährt dann morgens mit dem Boot hinaus in die Calanques, durch ein türkisblaues Meer, und alles ist voller Schönheit und Licht. Dieser Kontrast zwischen Licht und Schatten macht Marseille zum idealen Ort für die Geschichte von Antonio und seinem Vater.

Gianrico Carofiglio_© Francesco Carofiglio

Gianrico Carofiglio: Bild: © Francesco Carofiglio

Der Titel des Romans spielt mit einem Zitat des amerikanischen Autors F. Scott Fitzgerald: „In der dunklen Nacht der Seele ist es immer drei Uhr morgens.“ Der fast 18 Jahre alte Antonio und sein Vater wirken beide sehr einsam. Warum?

Carofiglio: Die Dunkelheit in uns, mit der wir uns auseinandersetzen müssen und die viele meiden, ist eine Grundsituation der menschlichen Existenz. Im Roman verkehre ich das Ganze jedoch ins Gegenteil: Es kommt Licht ins Dunkel, der ernste, korrekte, etwas unnahbare Vater und sein Sohn, der in so jungen Jahren bereits durch eine Krankheit verunsichert wurde, lernen einander kennen. Der Sohn, der bis dahin der Meinung war, der Vater habe ihn und die Mutter verlassen, entdeckt, dass die Geschichte der Eltern sich anders zutrug, als er glaubte. In Marseille entfliehen die beiden ihrer Einsamkeit für zwei Tage.

Vater und Sohn flanieren durch die Stadt, um sich wach zu halten. Dabei entdecken sie die Talente des jeweils anderen und lernen, stolz aufeinander zu sein…

Carofiglio: Ja, der Vater entdeckt, dass der Sohn dasselbe mathematische Talent hat wie er selbst…

… und der Sohn ist zum ersten Mal richtig stolz auf seinen Vater, als der bei einer Jam-Session in einem Marseiller Club auf dem Klavier improvisiert. Warum ist Jazz so wichtig in dieser Geschichte?

Carofiglio: Das Wesen des Jazz ist es, dass er unvollendete Musik ist. Die Unvollendetheit, das Unperfekte interessieren mich. Ich habe beim Schreiben aber auch an meinen Vater gedacht. Er hat als alter Mann nach und nach sein Gedächtnis verloren, aber was er noch konnte, war Jazz spielen.

Man hat als Leser den Eindruck, dass sie für diesen Roman sehr viel recherchiert haben. Über Jazz, über Epilepsie, über die Figur des Arztes, den es ja wirklich gab und der auch so hieß…

Carofiglio: Ja, das habe ich tatsächlich. Der Roman handelt von Krankheit und Heilung, das kann man nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln. Ehrliches Schreiben, das den Leser ernst nimmt, ist gut informiertes Schreiben. Als ich in Italien mit dem Buch auf Lesereise war, kam es zu bewegenden Szenen. Eine junge Frau, die Epileptikerin ist, sagte mir, sie habe dank des Romans ihrer Mutter verständlich machen können, wie sie sich fühle. Eine andere erhob sich von ihrem Platz und erklärte, sie sage jetzt zum ersten Mal in der Öffentlichkeit, dass sie Epileptikerin sei – viele empfinden Epilepsie als Stigma. Ich werde jetzt sogar zu ärztlichen Fachkongressen eingeladen, weil ich die Krankheit angeblich so realistisch dargestellt habe.

Trotzdem ist es kein Buch über Krankheit.

Carofiglio: Es ist, um es mit diesem schönen deutschen Wort zu sagen, ein Bildungsroman. Antonio macht eine Entwicklung durch. Er lernt, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Ohne diese zwei schlaflosen Nächte hätten Vater und Sohn einander wahrscheinlich nie richtig kennengelernt. Viele Menschen leben ja nebeneinander her, ohne sich zu kennen.

Aus der Finsternis ans Licht – im Grunde ist das doch gar nicht so weit weg von Ihren Kriminalromanen mit ihren einsamen Ermittlern, oder?

Carofiglio: Nein, denn als Schriftsteller versucht man, Ordnung ins Chaos der Welt zu bringen. Mich interessiert die Entwicklung, die Menschen durchmachen, auch im Krimi. Der Plot ist für mich fast nur ein Vorwand, um über Menschen zu schreiben.

Antonios Entwicklung geht am Ende recht schnell vonstatten. Als Vater und Sohn am Meer zwei Französinnen kennenlernen, glaubt man als Leser, der Vater werde sich jetzt in ein erotisches Abenteuer stürzen. Dann aber ist es Antonio, der bei einem Fest in einer Villa seine sexuelle Initiation erfährt. Zuvor hat sein Vater ihm noch erzählt, dass er selbst als Jugendlicher seine Unschuld bei einer Prostituierten verloren hat. Ist das nicht ein wenig dick aufgetragen? Wer erzählt seinem Sohn denn so etwas?

Carofiglio: Finden Sie? Hm, das ist natürlich schon auch der Ausnahmesituation geschuldet, in der beide sich befinden.

Kann man eigentlich wirklich 48 Stunden lang nicht schlafen?

Carofiglio: Ja, ich habe das einmal durchgezogen, als ich noch Staatsanwalt war und wir mit Hochdruck an einem Mordfall arbeiteten. Danach hat sich um mich herum alles gedreht, aber wir haben den Mörder gefasst.

Haben Sie irgendwelche Pillen eingeworfen?

Carofiglio: Nein, aber ich habe sehr viel Espresso getrunken.

Veronika Eckl


Informationen zum Buch:

Gianrico Carofiglio
„Drei Uhr morgens“
Aus dem Italienischen von Verena von Koskull
Folio Verlag, Bozen und Wien
Gebunden mit Schutzumschlag, 186 Seiten, 20 Euro
ISBN 978-3-85256-769-3

 

Barbara Honigmann im Gespräch: „Er war immer fremd“

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Bild von Free-Photos auf Pixabay

EIN GASTBEITRAG VON VERONIKA ECKL

Siebzig Jahre alt ist die Schriftstellerin Barbara Honigmann im Februar geworden, und sie ist noch einmal eingetaucht in ihre eigene Vergangenheit und die ihrer deutsch-jüdischen Familie. Nach Ein Kapitel aus meinem Leben, in dem sie von ihrer Mutter erzählt, zeichnet sie in Georg ein Porträt ihres Vaters, des Journalisten Georg Honigmann. Der ging, von seiner Frau zum Kommunismus „verführt“ – so die Autorin mit einem Augenzwinkern -, nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Londoner Exil nach Ostberlin, obwohl er doch nach eigener Aussage „über Hermann Hesse nie hinausgekommen war“. In der ihr eigenen heiteren Lakonie beschreibt Honigmann das Schicksal des nicht religiösen jüdischen Remigranten, der mit der Entscheidung für den Kommunismus wohl dem ewigen Zwischen-den-Stühlen-Sitzen ein Ende bereiten wollte.

Veronika Eckl traf Barbara Honigmann, die seit Jahrzehnten in Straßburg lebt, bei der Vorstellung von Georg im Münchner Literaturhaus und sprach mit ihr über ihre Eltern, über Fremdheit und über die Wohnungen, die in Honigmanns Werken zwar eher beiläufig beschrieben werden, aber doch eine zentrale Rolle spielen.

Ihr jüngstes Werk Georg beginnt damit, dass Ihr 60 Jahre alter Vater, grau im Gesicht, nach der Trennung von Ihrer Mutter in einem möblierten Zimmer in Berlin sitzt, wo Sie, die Teenager-Tochter, ihn besuchen. Warum haben Sie gerade diese sehr eindrückliche, berührende Szene an den Anfang gestellt?

Die Erinnerung an meinen Vater in diesem Zimmer ist für mich ein Schreckensbild, ein Alptraum, der sich mir tief eingeprägt hat. Georg war ja nun nicht mehr jung, er war ohnehin älter als die Väter meiner Freundinnen, und ihn so unbehaust zu sehen, war furchtbar.

Dieses Gefühl der Unbehaustheit zieht sich durch das ganze Buch, in dem Sie das Leben Ihres Vaters erzählen.

Ja, er war ein sehr wurzelloser Mensch, das war wohl sein Charakter. Er hat mit elf Jahren seine Mutter verloren – vielleicht ist das zu küchenpsychologisch gedacht, aber es heißt immer, dass Kinder, die einen so einschneidenden Verlust erleben, es schwer haben, je wieder einen Halt zu finden. Mein Vater war immer fremd. Wenn er eine neue Frau hatte –  er heiratete in seinem Leben vier Mal, und zwar immer dreißigjährige Frauen – zog er mit seinem Koffer bei ihr ein, in eine Wohnung, die nach einem anderen Geschmack eingerichtet war.

Und damit war er zufrieden?

Er war Bohemien. Er wollte seine Zeitung, sein Buch, seine Ruhe. Und er musste in seinem Leben an so vielen verschiedenen Orten zurechtkommen – in der Odenwaldschule in Hessen, als Auslandskorrespondent in London und im englischen Exil, interniert in Kanada, im Ostberlin der Nachkriegszeit – dass ihm Wohnungseinrichtung nun wahrlich nicht wichtig war. Bei anderen kippte das ja nach dem Erlebnis des Krieges ins Gegenteil: Meine Schulfreundinnen lebten eher in kleinbürgerlichen Wohnungen, in denen eine heile Welt aufgebaut wurde, mit dem Foto des gefallenen Opas im Goldrahmen.

Sie lebten nach der Trennung Ihrer Eltern bei Ihrer Mutter…

… ja, und sie war ganz anders: Sie liebte es, Wohnungen einzurichten und zog auch leidenschaftlich gern um. Die meiste Zeit habe ich mit ihr in einer schönen Wohnung in Karlshorst gelebt, einem Ostberliner Villenvorort mit einer Russengarnison, wo auch die Kapitulation unterzeichnet wurde. Meiner Mutter gefiel die Neue Sachlichkeit, eine Wohnung hatte in ihren Augen hell und leer zu sein. Damit wollte sie sich abgrenzen von der spießigen Wohnkultur der Nachkriegszeit mit ihren Schrankwänden voller Nippes.

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Das Portraitbild wurde freundlicherweise von Barbara Honigmann selbst zur Verfügung gestellt. Bildnachweise: honorarfrei/Babu

Prägen denn die Wohnungen der Eltern die Kinder?

Oh ja, sicherlich. Mich interessieren Wohnungen, so wie meine Mutter. Wenn ich irgendwo eingeladen bin, frage ich oft: „Kann ich mir die Wohnung ansehen?“ Wie meine Mutter mag ich es sachlich und praktisch. Bei mir stehen überall Bücher, damit ist eh schon alles voll. Dann braucht man doch nur noch einen Platz für den Schreibtisch und den Computer und ein Sofa, auf das man sich lümmeln und auf dem man ein Buch lesen kann.

Sie selbst zogen 1984 mit Ihrem Mann von Ostberlin nach Straßburg. Warum?

Es war ein Aufbruch ins Innere des Judentums. Meine Eltern waren ja nicht religiöse Juden, während ich auf der Suche war. Man hatte mir Straßburg als anregenden jüdischen Ort beschrieben, und das stimmt auch. Hier gehört die Präsenz der Juden einfach dazu, et ça se passe bien. Weil die Stadt klein ist, vermischen sich die Milieus, anders als in London oder New York. Hier leben etwa 15 000 Juden, es ist etwas geboten, auch intellektuell. Wir leben auf einer Insel der Seligen, Juden aus den banlieues von Paris oder Toulouse, die sich dort nicht mehr wohlfühlen, ziehen jetzt hierher. In Straßburg spüren wir keinen Antisemitismus.

Sie haben damals eine Wohnung in der Rue Edel bezogen, die Sie selbst als „Straße der Ankunft“ beschreiben, weil hier viele Neuankömmlinge aus den unterschiedlichsten Ländern leben. Aus diesem Mikrokosmos heraus ist „Chronik meiner Straße“ entstanden.

Ja, es hatte sich in mir viel angesammelt, Begegnungen mit den Nachbarn, Beobachtungen, Fragmente. Ich wollte so etwas schreiben wie Wilhelm Raabes Chronik der Sperlingsgasse. Eine Chronik, denn das Buch beschreibt auch die vergehende Zeit. Wir leben heute noch in der Rue Edel, wo es nach wie vor viele Sozialwohnungen gibt, aber auch Studenten-WGs. Es ist, wie man in Frankreich sagt, ein populäres Viertel, aber kein Ghetto. Ich wüsste nicht, warum ich umziehen sollte.

Ist Ihnen Frankreich Heimat geworden?

Ach, das mit der Heimat, das ist so ein deutsches Ding. Ich frage mich nicht jeden Tag, wo meine Heimat ist, ich wohne jetzt hier, ich habe meine Wege. Aber im Nachhinein bewundere ich unseren Mut damals: Wir kannten in Straßburg keinen Menschen, ich musste Französisch lernen, neben all dem Jüdischen, das mir neu war – so etwas macht man nur einmal im Leben, mit Mitte 30 ging das noch.

Haben Sie nie Heimweh nach Berlin?

Nein, ich verspüre da keinerlei Nostalgie. Meine Eltern mochten Berlin überhaupt nicht, meine Mutter war Österreicherin, mein Vater stammte aus Hessen. Heute bin ich relativ oft in Berlin, weil mein Sohn mit seiner Familie dort lebt und ich die Enkelkinder besuche. In den Osten fahre ich überhaupt nicht mehr, da habe ich nichts zu tun. Und Westberlin ist mir ja völlig fremd, da kenne ich mich nicht aus. Mein Sohn lebt im Übrigen dort, weil die Mieten in Paris ihm zu hoch geworden sind. An Berlinerischem ist mir nur die Berliner Schnauze geblieben, die ich heute in der Stadt vermisse.

Das Grab Ihres Vater ist auch in Berlin…

Ja, auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee.

Besitzen Sie denn heute noch Gegenstände aus den Wohnungen Ihrer Eltern?

 Von meiner Mutter habe ich noch ganz massive, solide Bücherregale und solche, in denen man Bettzeug verstauen kann. Die sind aus Ostberlin mit nach Frankreich umgezogen, ebenso wie ein Schaukelstuhl, der in meinem Zimmer stand, als ich ein Kind war. Von meinem Vater habe ich gar nichts, nichts Materielles, er besaß ja auch nichts. Aber seine Briefe hat er mir hinterlassen, von denen ich einige in meinem Buch verwendet habe.

Das Interview führte Veronika Eckl. 


Mehr Information:

Georg (2019). Hanser Verlag, 18 Euro
Chronik meiner Straße (2015). dtv, 9,90 Euro, Hanser Verlag, 16,90 Euro

Oskar Maria Graf: Unruhe um einen Friedfertigen

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Bild von MaxxMcgee auf Pixabay

„Und dieses Etwas, schwer schleimig und blutbesudelt, das hatte er – so ist die in panische Angst und in Jammer gestoßene Kreatur! – mit letzter Kraft und Hast weggedrückt, vom Fleck geschoben, weil darunter die kleine Bodenlucke mit dem ängstlich versteckten Schmuck und dem wichtigen Schriftschaften lag. Besinnungslos hatte er den Schatz an sich gerissen, unter dem Mantel verborgen, und war davongelaufen, aus dem Haus, weg aus dem Viertel, aus der Stadt; nach Monaten kam er in Winniki bei der Tante Sarah an, blieb eine Zeitlang und ging wieder weiter, weiter, immer weiter, landete schließlich nach vielen Elends- und Irrfahrten in Wien, kam ins Bayerische und war inzwischen verloschen als Juljewitsch Krasnitzki, heiratete seine Kathi in Fürth, holte seinen Buben von der Tante Sarah, hieß schließlich Julius Kraus, und nichts verriet mehr, was er einst gewesen war…“

Oskar Maria Graf, „Unruhe um einen Friedfertigen“, 1947

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben … nein, fromm im eigentlichen Sinne ist der Julius Kraus zwar nicht, aber einer, der sich zurückhält, ein Ruhiger, freundlich, aber doch unverbindlich zu den Nachbarn, einer der das „A-bopa“ scheut. Mit diesem wohl selbsterfundenen Wort bezeichnet der alte Schuster das Gift, das entsteht, wenn die Zeiten unruhig sind, wenn am Stammtisch im Wirtshaus politisiert und hernach geschlägert wird. Wenn die Leute im Dorf sich verfeinden, wenn polemisiert, gehasst und gespitzelt wird, wenn der Zwiespalt selbst Familien auseinanderbringt.

Was das „A-bopa“ mit Minderheiten anstellt, das hat der Kraus bereits als junger Mann miterleben müssen: Die Familie wird bei einem Pogrom in Odessa hingemetzelt, nur ihm gelingt – nachdem er den Familienschmuck unter dem toten Leib der Mutter hervorzieht – die Flucht. Im oberbayerischen Dorf Auffing scheint der Exodus endlich zu einem Ende zu kommen: Julius, seine Frau und der Sohn aus erster Ehe finden hier ein neues Zuhause, finden sich in die Dorfgemeinschaft ein.

Bis das „A-bopa“ wieder sein übles Gift verbreitet: Der von Oskar Maria Graf bereits in seinem amerikanischen Exil geschriebene Roman umfasst die Zeitspanne vom Ersten Weltkrieg bis zu Hitlers Machtergreifung. Auch der dörfliche Kosmos bleibt – obwohl die Bauern andere Sorgen drücken als die hungernde Arbeiterschaft in den Städten – von den politischen Unruhen nicht verschont. Wie unter einem Brennglas wird am überschaubaren dörflichen Kosmos deutlich, wohin existentielle Not, finanzielle Sorgen sowie die Perspektivlosigkeit und Traumatisierung der von den Schlachtfeldern zurückgekehrten jungen Männer führen. Und wozu falsche Versprechungen und Propaganda verführen, wenn die Saat – die Gier oder auch nur der schlichte Wunsch nach einem besseren Leben – gelegt ist.

„In der deutschen Literatur der letzten fünfzig Jahre gibt es viele Zeugnisse über die spezifisch deutsche Variante des heute weltweit anzutreffenden Phänomens eines blinden Nationalismus und tödlichen Faschismus. In der Regel berichten alle diese Zeugnisse aber über die Anfänge der braunen Marodeure in den Städten, wo ihre Marschkolonnen mit viel propagandistischem Getöse zuerst die Machtübernahme probten. Nur in wenigen Zeugnissen werden die Erscheinungsformen dieser verhängnisvollen Entwicklung draußen in der Provinz dargestellt. Oskar Maria Graf hat dies in seinen Büchern mehrmals aus dem Raum der Dörfer im Hinterland der späteren „Hauptstadt der Bewegung“ getan, in der der „Bluthund“ zuerst auftauchte“, so der Schriftsteller Hans Dollinger, der den 1967 verstorbenen Graf noch persönlich kannte, im Nachwort meiner Taschenbuch-Ausgabe.

Dieses Verorten im ländlichen Raum macht insbesondere die „Unruhe um einen Friedfertigen“ zu einem ganz besonderen Zeugnis dieser unsäglichen Zeit. In den Beschreibungen der Bauersfamilien, der Dorfgemeinschaft, in der der altersmilde Pfarrer und die benachbarten Jesuiten zu den moralischen Instanzen gehören, der Krämerladen zum Umschlagplatz für die Neuigkeiten aus „der Stadt“ wird und man trotz der „Schande“ das Kind einer Bauerntochter und des russischen Kriegsgefangenen integriert, wird ein Stück altes Bayern lebendig – Landleben, das Graf, selbst in New York stets in der Lederhose auftretend, im Exil im Herzen mit sich trug.

Sozialist, ohne in einer sozialistischen Partei zu sein, gläubig, ohne dem Katholizismus zu huldigen, heimatverbunden, aber ohne patriotisches Hurra-Geschrei, gepaart mit einem nüchternen Blick auf das Leben und die Menschen: Dies prägte das Schaffen und Schreiben dieses Ur-Bayern. In „Unruhe um einen Friedfertigen“ zeichnet er ein Bild dieser Landbevölkerung, die, als das Geheimnis von Julius Frank, seine Herkunft, sein Judentum, zu Tage tritt, ihn zwar weiterhin als einen der ihren betrachtet – den Unruhestiftern und dem Hass, den der Nationalsozialismus verstreut, jedoch nichts weiter entgegenzusetzen hat denn Gottergebenheit.

„Dunkel hob sich seitwärts die immergrüne Fichtenwand der Waldung ab. Träg und farblos hing der Himmel darüber. Fast wie dieses Land waren all die Leute. Nichts rührte sie als die Jahreszeiten. (…) Der Staat, die Regierung, kurz „das A-bopa“, lag gewissermaßen weit weg von ihnen. Sie trauten ihm nichts Gutes zu, sie liebten und sie haßten es nicht. Es ging sie nichts an, aber sie fügten sich ihm stumpf und murrend. Nicht einmal jetzt, da sie alle schon einige ganze lange Zeit das Treiben der Nazis aus nächster Nähe erlebt hatten und begreifen mußten, was die über sie und ihre Heimat  brachten, stellten sie sich dagegen. Offenbar war ihnen sogar daran nichts gelegen, wenigstens diese ihre Heimat frei zu halten. Jeder von ihnen dachte nur an sich und das, was unmittelbar damit zusammenhing. Darum blieben sie Millionen einzelne, mit denen jeder, der sie zielbewußt beherrschte, leichtes Spiel hatte.“

Man wünschte sich in Zeiten wiedererstarkenden Nationalismus, die Menschen erinnerten sich an die Geschichte, an vergangenes Übel und wären befähigt, gemeinsam gegen das „A-bopa“ einzustehen. Doch täglich sprechen die Nachrichten eine andere Sprache. Die Macht der Literatur ist begrenzt – und dennoch: Wenn ich Oskar Maria Graf lese, dann hoffe ich, dass auch andere ihn lesen und dass seine leib- und lebhaftigen Schilderungen dazu beitragen, die Unruhen um Friedfertige einzudämmen…

Dem Schriftsteller war eine Ausstellung im Literaturhaus München gewidmet: „Rebell, Weltbürger, Erzähler“. Sie beschäftigte sich vor allem mit den langen Jahren des Exils – er verließ Deutschland 1933 und kehrte nur noch zu Besuchen zurück – und gab eindrucksvoll Einblicke in Denken und Werk Oskar Maria Grafs. Heimat, so wurde dabei deutlich, hing für ihn nicht am Konstrukt einer Nation, sondern war „in der Erinnerung an die Landschaft, in der Sprache und unter Freunden zu finden.“

„Ich glaube immer, daß die wahre Heimat die Sprache ist.“

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Harald Vogel: Was darf die Satire?

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„Aus der Gesamterscheinung dieses Mannes kann ich nicht ganz klug werden. Diese Verse sind wunderbar gearbeitet, mit der Hand genäht, kein Zweifel – aber irgendetwas ist da nicht in Ordnung. Es geht manchmal zu glatt, das sollte man einem deutschen Schriftsteller nicht sagen, dieses Formtalent ist so selten!“

Kurt Tucholsky 1929 in der Weltbühne über Kästner. Zitiert nach „Was darf die Satire?“, Harald Vogel, Verlag Ille & Riemer, Leipzig-Weissenfels, 2015.

Im vergangenen Herbst las ich den Kästner-Erzählband „Der Herr aus Glas“. Und war unschlüssig. Klappte das Buch mit einem unzufriedenen, merkwürdigen Gefühl zu: Irgendetwas war da nicht in Ordnung. Der „Atrium Verlag“, 1935 von dem jüdischen Verleger Kurt Leo Maschler ins Leben gerufen („Da ich Kästner leider nicht dazu bewegen konnte zu emigrieren, emigrierte ich seine Bücher. Ich fuhr in die Schweiz und gründete den Atrium Verlag.“), hatte für „Der Herr aus Glas“ aus den über 140 Erzählungen, die Kästner geschrieben hatte, eine Auswahl jener zusammengestellt, die für erwachsene Leser verfasst worden waren – 42 Texte insgesamt, die einige Facetten des Schriftstellers zeigen, die vor allem zeigen, dass die kurze Form für Kästner ein Experimentierfeld war, oftmals auch Gebrauchsprosa, für die Erscheinung in Zeitschriften und Zeitungen, zum Broterwerb gedacht. Nur elf der Geschichten hatte Kästner selbst für die Werkausgabe, die 1969 zu seinem 70. Geburtstag erschien, ausgewählt – ein Indiz dafür, wie er selbst die Texte bewertete? (Mehr zum Buch auf der Verlagsseite).

Den Fabian, den Gang vor die Hunde, jener Roman für Erwachsene, mit dem Kästner richtig berühmt wurde, den mochte ich sehr: ein Zeitroman, der Einblick gab in die Weimarer Republik mit einem liebenswerten Helden – freche Berliner Schnauze, eine warme, feinfühlige Seele auf der Habenseite. Jedoch aber auch schon ein Zauderer, ein Unentschlossener, ein Mamakind: Letzten Endes verfasste der Schriftsteller hier wohl auch ein Portrait seiner selbst. Sieht man die Bilder des jungen Erich Kästner, so kann man gut verstehen, dass dieser Mann Charme hatte, Wirkung auf die Frauen, aber dass auch irgendetwas fehlte – an Substanz, an Tiefe.

Kästner ist ein Humanist und Moralist. In einem Zeugnis würde über den „Musterknaben“, wie er sich selbst nannte, vielleicht stehen: Er bemühte sich, ein mutiger Mann zu sein. Manche nennen ihn auch einen Satiriker: Für einige Gedichte der Weimarer Republik, für den Fabian hat das Geltung. Aber es ist doch beim Lesen immer wieder, als ob da etwas fehlt. Oder eine Spur zuviel da ist – von dem Sentimentalen, von einem weichen Unterton in den Beschreibungen – wo Kästner vielleicht ein realistisches Bild der Armut, der Arbeitslosigkeit, der Hackordnung an Schulen, die Militäranstalten glichen, zeichnen wollte, klingt oftmals dieser Modus durch, der schon an Sozialromantik grenzt:

„Seine Mutter war Witwe; noch jung, oft krank, für ewig enttäuscht. Längst wäre sie an jenem Leiden gestorben, das man, höchst anschaulich, „ein gebrochenes Herz“ nett, wenn sie nicht ihn, den kleinen Jungen, gehabt hätte. Seinetwegen lebte sie weiter oder genauer: existierte sie fort. (…). Es wäre falsch gewesen, zu ihr von „stillem Heldentum“ oder dergleichen zu sprechen. Es wäre überhaupt falsch, ihr Wesen mit solchen Schlagwörtern zu etikettieren.- Sie nähte, statt zu leben. (…). So selbstverständlich es den Müttern ist, ihr Leben dem der Kinder zu opfern, so seltsam dünkt es manchmal die Kinder, daß es jemanden gibt, der ihr Glück mit dem seinen zu erkaufen scheint.“

Aus der Erzählung „Ein Musterknabe“.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht – die Stärken Kästners, so zeigten es mir die Erzählungen, liegen woanders, dort, wo es turbulent zugeht, wo Humor und Phantasie sich treffen, beispielsweise bei den „Reisen des Amfortas Kluge“:

„Benares gehört zu den seltsamsten Städten, die ich kennen lernte. Und am auffälligsten ist wohl, daß es dort keine Hotels gibt. Wir standen also nachdenklich an den Ufern des Ganges; ich fütterte drei Krokodile mit meiner letzten Schinkensemmel und Bobby verstrickte einen spitzbärtigen Gaukler, der sich mit einer rotglühenden Brennschere die Haare auf den Zähnen ondulierte, in ein Gespräch über das Nirwana – als ein Inder auf uns zutrat, den Turban zog und fragte, ob er mit Herrn Amfortas Kluge das Vergnügen habe.“ – und auf in das nächste Abenteuer à la Münchhausen.

Münchhausen ist das Stichwort: Kästner dessen Bücher von den Nationalsozialisten zwar verbrannt worden waren, entschied sich, im Lande zu bleiben, wurde zu einem, dessen Name mit der „Inneren Emigration“ verbunden ist. Er will zudem als Schriftsteller weiter arbeiten – und bekam unter anderem unter dem Pseudonym „Berthold Bürger“ eine Sondergenehmigung, am Münchhausen-Drehbuch und anderen UFA-Filmen mitzuwirken. Das Kapitel 1933 bis 1945 wurde in der Ausstellung im Münchner Literaturhaus zwar nicht ausgelassen, jedoch auch nicht so kritisch hinterfragt, wie es nun in einer Publikation des Verlags Ille & Riemer geschieht.

Der Autor – Harald Vogel, emeritierter Professor für Deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik, Spiel- und Theaterpädagogik sowie Leiter der Lyrik-Bühne Esslingen – wagt unter dem Titel „Was darf die Satire?“ einen kritischen Vergleich zwischen Kurt Tucholsky und Erich Kästner. Freilich, es ist schwierig als Nachgeborener ein Urteil zu fällen – stellt man sich die Frage, wie hätte man selbst gehandelt als engagierter kritischer Autor in einer Diktatur, wissend, dass jedes freche, satirische Wort auch ein Todesurteil sein könnte? Aber dennoch: Gerade jene, die sich in besseren Zeiten mit ihren Zeitungsartikeln und literarischen Texten politisch positionieren, müssen sich auch später an ihren Schriften messen lassen. Schon im einleitenden Interview macht Harald Vogel keinen Hehl daraus, wem seine Sympathien gehören:

„Ich weiß, es tut weh, Kästner weh zu tun. Aber jüngere Forschungen rechtfertigen die kritische Sicht. Er hat fast die Hälfte seines Werkes in der Nazizeit geschrieben, unter Pseudonymen, und ging dafür viele Kompromisse ein. In einem Brief bittet er die Reichsschrifttumskammer, das Publikationsverbot gegen ihn zurückzunehmen. Das kann man fast Anbiederei an die Faschisten nennen.“

Vogel arbeitet die Gemeinsamkeiten dieser beiden Schriftsteller heraus, die zumindest äußerlich einiges verband: Wie der ältere Tucholsky arbeitete auch Kästner als Journalist und Schriftsteller, beide pflegten neben den sachlichen Texten und der erzählenden Literatur auch die Lyrik, beide verfassten Kabaretttexte, verkehrten in einem ähnlichen Milieu, hatten Amouren, aber Probleme mit der dauerhaften Bindung an eine Frau. Und doch gibt es, wie Vogel klar herausarbeitet, deutliche Unterschiede: Tucholsky, der Intellektuelle aus dem großbürgerlichen Milieu, schreibt glasklar, alles durchdenkend und formulierend bis zur letzten Konsequenz. Kästner dagegen geht den letzten Schritt nicht. Vogel stellt neben seinen eigenen Ausführungen zahlreiche Texte der beiden nebeneinander, die für sich sprechen, die zeigen, woran es Kästner fehlte, um ein zweiter Tucholsky werden zu können. Zudem zitiert der Autor auch Tucholsky, der etliche Werke des Jüngeren zwar wohlwollend-kritisch, aber auch mit einem guten psychologischem Gespür besprach.

Tucholsky über Kästner:

„Kästner hat Angst vor dem Gefühl, weil er es so oft in Form der schmierigsten Sentimentalität gesehen hat. Aber über den Leierkastenklängen gibt es ja doch ein: Ich liebe dich – es gehört nur eine ungeheure Kraft dazu, dergleichen hinzuschreiben. Und da sehe ich einen Bruch, einen Sprung, ist das sächsisch? Wir haben bei diesem Wort so dumme Assoziationen, die meine ich nicht. Langt es? Langt es nicht? (…)
Kästner wird viel nachgeahmt; es gehört wenig dazu, ihn nachzuahmen. Ich wünsche ihm ein leichtes Leben und eine schwere Kunst.“

Harald Vogel:

„Das Gutgemeinte poetisiert im Stil eines Kinderliedes, eine Schlagwortpersiflage, aber dies macht noch keine politisch zeitnahe Satire aus und sei sie moralisch noch so `gut´ gemeint. Um gesellschaftspolitisch zu überzeugen, bedarf es seitens des Autors einer intellektuellen Selbstkontrolle, die den gesellschaftlichen und moralischen Bezug textlich auf gedankliche Sprengkraft überprüft, die ein solches Thema satirisch inspiriert benötigt. Tucholsky spürt Kästners Kleinmut, seine Befangenheit vor einem ideologiekritischen Diskurs. Das Thema taug zum Kalauern.“

Durch den Blick auf die politische Literatur der beiden Männer wird zudem das Buch nicht nur zu einer vergleichenden Studie, sondern bietet auch eine gute Einführung in das Wesen der Satire, das vor allem Kurt Tucholsky in seinem berühmten Aufsatz analysierte. Viele kennen davon nur das Schlagwort: „Was darf Satire? Alles!“, oftmals wird es auch verfälscht und verkürzt missbraucht – es lohnt sich, den Text in ganzer Länge zu lesen.

Ausgespart werden kann bei diesem Vergleich freilich keinesfalls die Rolle Kästners im Nationalsozialismus, die, wie mittlerweile durch neuere Forschungen belegt, durchaus kritischer beurteilt werden muss, zumindest, so Vogel, verfing sich Kästner in „seinen eigenen Ängsten und Widersprüchen sowie moralisch fragwürdigen Kompromissen.“

Kurt Tucholsky dagegen, man weiß es aus seiner Biographie, ging keine Kompromisse ein. Vorstellbar ist, was ihm geschehen wäre, wären die Nazi-Schergen seiner habhaft geworden. Er ging die Lebensstufen bis zum letzteren bitteren Schritt. Aber am Ende treffen sich die beiden Männer hier doch wieder in einer Art Gemeinsamkeit: Sowohl Tucholsky als auch Kästner, verzweifelten wohl letzten Endes an ihren Lebensumständen, an der Welt, die sie nicht „gut schreiben“ konnten.

Mit Dank an den Tucholsky-Blog für die Überlassung des Rezensionsexemplares:
https://tucholsky125.wordpress.com/

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