Bücherhamstern (19): BILANZ

Verleger Axel von Ernst aus dem Lilienfeld Verlag stellt heute erstmals in der Rubrik „Bücherhamstern“ etwas zum Hören vor: 10 CDs mit Höhepunkten der legendären Hörspielproduktion des Westdeutschen Rundfunks.

Foto Bilanz 30 3 2020Die Edition:

Seit der Gründung des WDR, der zweitgrößten Sendeanstalt in Europa, wurden dort bis heute um die tausend Hörspiele produziert. Das Spektrum reicht vom literarischen Hörspiel bis zur Klangskulptur, von der Komödie bis zum Dokumentarstück, vom Monolog bis zur Collage. Die große Edition von 13 Hörspielen spiegelt diese enorme Vielfalt und die Entwicklungen des Genres wider, sie enthält preisgekrönte Hörspiele in unterschiedlichster Produktionsweise, sowohl klassisch als auch experimentell, und zeigt zugleich eine breite Mischung von Inhalten und Themen, die die Gesellschaft insgesamt bewegten. Und nicht zuletzt sind die ausgewählten Produktionen akustische Erlebnisse und Hörvergnügen erster Klasse.

Mit Hörstücken von Jürgen Becker, Heinrich Böll, Nicolas Born, Walter Filz, Dieter Forte, Mauricio Kagel, Dieter Kühn, Mariana Leky, Ruth Rehmann, Gerhard Rühm, Erasmus Schöfer, Theodor Weißenborn und Dieter Wellershoff.

Der Verlag:

Im Düsseldorfer Lilienfeld Verlag erscheinen Bücher, die liebevoll gestaltet und ausgestattet sind. Ob Archivfunde, Seltenes aus anderen Ländern oder erstaunliche Texte deutschsprachiger Autorinnen und Autoren aus dem 20. Jahrhundert, die wieder gelesen werden müssen – Lilienfeld gräbt aus, bewahrt, entdeckt und will mit den gehobenen Schätzen aus Literatur und Zeitgeschichte immer wieder überraschenden Genuss bereiten.

Die Buchhandlung:

Kauft in Eurer Lieblingsbuchhandlung vor Ort. DIE Spezialistin für alles zum Hören ist Ute Romeike mit ihrer HörbuchHandlung in Düsseldorf – kleines Geschäft, aber riesige Kompetenz und große Herzlichkeit. Selbstbezeichnung: „der Schnabel der Welt“. Hier die Website: https://www.hoerbuchhandlung.com/

Wann ist die Zeit zum Hörspielehören, wenn nicht jetzt?

Informationen zur Hörspieledition:

Wolfgang Schiffer und Michael Serrer (Hrsg.)
Bilanz
Hörspielkunst aus den Studios des WDR
(Schriftenreihe der Kunststiftung NRW)
10 CDs (Laufzeit ca. 600 Minuten) und ein Begleitband, 14 × 20 cm, € 29,90, sFr 42,50 (UVP)
ISBN 978-3-940357-58-8

https://lilienfeld-verlag.de/

Karl Friedrich Borée: Dor und der September

h dachte an Dor, und ich dachte auch wieder nicht an sie. Sie ruhte so im Untergrunde. Es war schön, daß es sie gab, genau so, wie es schön ist, daß es noch tiefverschneite Wälder gibt und Leute, die einen mitnehmen. Es ist nicht unbedingt nötig, daß man darüber hinaus etwas begehrt.“

Karl Friedrich Borée, „Dor und der September“, Erstveröffentlichung 1930.

Es gibt Bücher, die entwickeln eine ganz eigenartige Macht: Man liest sie, lebt mit den Figuren, die plötzlich, wie von einer Leinwand herunterzaubert, greifbar werden, fast schon dreidimensional. „Dor und der September“ wäre dann ein bittersüßer cineastischer Streifen in Sepiabrauch, durchsetzt mit keck aufblitzenden Farben, sobald Dor die Bühne betritt.

Als der Lilienfeld Verlag 2017 die Wiederentdeckung des Schriftstellers und Essayisten Karl Friedrich Borée (1886 – 1964)  mit dem Roman „Frühling 45 – Chronik einer Berliner Familie“ startete, zeigte sich das Feuilleton verblüfft und begeistert: So sehr war der schreibende Jurist, der mit 44 Jahren einen ersten Roman veröffentlichte, der sofort zum Bestseller wurde, vergessen worden. Dabei hatte Borée eine wichtige Rolle beim kulturellen Wiederaufbau nach 1945 inne. Er war unter anderem bis zu seinem Tode Generalsekretär der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Aber weit mehr als ein „Literaturfunktionär“, vielmehr ein Solitär in der literarischen Landschaft: Seine Sprache wirkt beinahe wie aus der Zeit gefallen, ist wunderbar altmodisch und funkelnd, mit ganz eigenen Wortschöpfungen, und doch sind einige seiner Bücher von überraschender Aktualität und überaus modern.

Vor allem aber ist es wirklich dieser einzigartige Ton, die Melodie, die sein Romandebüt „Dor und der September“, das 1930 erschien, zu etwas Besonderem macht.

„Der Strand war schöpfungsmorgeneinsam und dort, wohin wir uns verzogen hatten, übersichtlich wie Schnee. Das Meer eine lockende blaue Glasflut, klar bis an die Kimmung, die sich von einem blassen Messinggelb kräftig abhob.“

Erzählt wird eine im Grunde ganz einfache Liebesgeschichte, die ohne weltbewegende äußerliche Szenarien zurechtkommt, sondern ihre Spannung aus der Gegensätzlichkeit der beiden Liebenden bezieht. Er ist ein weltmüder, traumatisierter Kriegsteilnehmer, sie ist eine Medizinstudentin, 20 Jahre jünger, neugierig auf das Leben, auf die Welt.

Wie die beiden sich annähern, für eine Weile finden, wohlwissend, dass diese Liebe ihre Grenzen haben wird, das ist in einer hochpoetischen und dabei doch so im Detail genauen Sprache geschildert. Borée, dessen Roman stark autobiographische Züge trägt, versenkt sich in die Psyche seines Ich-Erzählers, der all seine Gefühle wahrnimmt, ihnen nachhorcht, der all die Stufen einer sich entwickelnden Liebe – das sehnsuchtsvolle Warten auf ein Wiedersehen, die von einer Person besetzten Gedanken, die Erschütterung nach dem ersten Streit, die Überwältigung nach dem ersten Liebesakt – reflektiert.

Ein modernes Frauenbild

Zum Bestseller wurde der Roman jedoch vor allem wegen jener „Dor“: Eine junge Frau, schon noch an der Leine eines wahrscheinlich konservativen Elternhauses, die ihren Weg sucht, die sich während des Romangeschehens auch großes Stück von vorgegebenen Rollenbildern emanzipiert. Der ältere Mann ist ihr dabei, obwohl er auch sie oftmals als „Kindfrau“ und „Mädchen“ beschreibt, ein Wegbegleiter und ein Brückenbauer. Allein schon deshalb, weil sie sich auf diese aussichtslose Liebe im vollen Bewusstsein einlässt, kann sie sich in ihr weiterentwickeln: Dor setzt die Grenzen der Gemeinsamkeit, Dor setzt auch ganz selbstbewusst ihre Prioritäten.

Wegbegleiter ist ihr der Ich-Erzähler übrigens auch im wortwörtlichen Dinge: Das Paar teilt seine Leidenschaft für lange Wanderungen und Streifzüge durch die Natur, Szenen, in denen sich Borées wunderbare Sprache richtig entfalten kann:

„Jenseits der staubigen Straße dehnte sich weites frühlingsgeschmücktes Wiesenland bis an das blaue Laken des Sees. Am andern Ufer glänzte der Waldrand in einer verklärten Helligkeit. Es war ein vollkommener Feiertagsnachmittag. Die Fühlung des schönen Geschöpfes, die ungewohnte Vertraulichkeit, die aus solch freundlicher Besitzergreifung sprach, das wunderbare Wetter: ich konnte mich nicht entsinnen, jemals vergleichbar glücklich gewesen zu sein.“

Auch wenn es dem Erzähler gegenwärtig ist, dass diese Liebe nicht dauern kann, so schließt das Buch dennoch mit einer zart-melancholischen Abschiedsszene, die Hoffnung in sich birgt. Der Mann, der vom Krieg so traumatisiert und müde war, weiß das Leben wieder zu schätzen.

Dieser Beitrag wurde in gekürzter Fassung erstveröffentlicht auf dem Hotlistblog.

Bibliographische Angaben:

Karl Friedrich Borée
„Dor und der September“
Lilienfeld Verlag 2019
22,00 Euro, gebunden mit Schutzumschlag, 280 Seiten
ISBN 978-3-328-940357-71-7


Titelbild zum Download:
Strand bei Travemünde


 

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Franz Hessel: Heimliches Berlin

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Bild von Lenalensen auf Pixabay

„Ich habe keine Zeit, das zu verstehen. Meine Erfahrung ist: Mangel im Alltäglichen, schäbige Kleider, unwürdige Trambahnfahrten, minderwertige Menüs, überhaupt die billigen Qualitäten schädigen meine unsterbliche Seele. Ich will möglichst mühelos von dem heiß servierten Reichtum von heute meinen Tribut haben. Und das will ich auch für Wendelin. In welcher Weise es geschieht, ist ganz gleichgültig, wie es heute gleichgültig ist, womit man handelt. Ein Junge wie Wendelin muss sein Reitpferd haben, ein hübsches pied-à-tierre, den besten Schneider. Und das alles so bequem wie möglich.“

Franz Hessel, „Heimliches Berlin“, OA 1927, Lilienfeld Verlag, 2017.

Es ist ein ganz ungewöhnliches Stück Literatur für die Weimarer Republik, dieses „heimliche Berlin“: Inmitten all der expressionistischen Großstadt-Literatur, der Weltkriegs-Verarbeitungen und politisch-literarischen Auseinandersetzungen mit Inflation, Weltwirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit, inmitten all der großartigen sozialrealistischen, pazifistischen oder auch experimentellen Romane wirkt dieses Buch wie ein Solitär, beinahe wie ein Gruß aus einer fernen Zeit, ein Herüberwinken vom Fin de Siècle.

Franz Hessel veröffentlichte den kurzen Roman „Heimliches Berlin“ 1927. Natürlich spielt auch dieser kleine Liebesreigen vor dem ernsten Hintergrund der prekären wirtschaftlichen Situation in jener Zeit: Im Mittelpunkt ein Freundeskreis, die sich in Festivitäten und kleine Fluchten vor ihrer eigenen Halt- und Orientierungslosigkeit retten. Die Erzählung umfasst einen Zeitrahmen von 24 Stunden – zwei Nächte, ein Tag, die durch ärmlich kleine Pensionszimmer, verwohnte Wohnungen, verrauchte Bars und schummrige Salons führen. Wendelin, der verarmte Adelige, ein hübscher, wenn auch etwas oberflächlicher Jüngling, lässt sich kurz den Kopf von der Ehefrau eines älteren Freundes verdrehen – und am Ende stehen die beiden Männer da, nachts in Berlin, bei der Potsdamer Brücke und wissen:

„…wir beide, du und ich, spielen darin einigermaßen lächerliche Rollen.“

Eine kleine Geschichte, aber so anmutig und charmant, leicht und schwebend erzählt, mit einer Mischung aus Berliner Schnauze und französischem Quivive, dass sie sich allein schon aufgrund dieses besonderen Tons ins Lesegedächtnis gräbt. Kaum erschienen, lobte bereits 1927 Leo Greiner im Berliner Börsen-Courier diese kleine literarische Preziose:

„In Heimliches Berlin ragt ein Stück berlinischen neunzehnten Jahrhunderts in die mit ihrem Lärm und tausend gehäuften Primitivitäten erfüllte Gegenwart herein und verschmilzt mit ihr. Hessels schöne, wissende Menschendichtung ist in Romanform ein Stück heimlicher Geschichtsschreibung dieser Stadt. Ein nicht unwichtiger Teil ihres unbekannten Lebens ist bezaubernd darin aufbewahrt.“

Als eine „duftende Köstlichkeit aus appetitlichen Wörtern“ bezeichnet der Autor Manfred Flügge, ein Kenner des Werks von Vater und Sohn Hessel, diesen zauberhaften Roman. Ein wenig erinnerte mich dieses heimliche Berlin an den Wiener Reigen – wenn auch weniger aufgeladen, weniger dunkel denn Schnitzlers seinerzeit skandalträchtiges Drama.

Flügge zieht – wie er selbst gesteht, aus Lust an diesem schwebenden Text – Rückschlüsse auf die Biographie des Autors: Eine faszinierende Persönlichkeit, ein Flaneur und Wanderer zwischen den Welten, Übersetzer von Proust und anderen französischen Schriftstellern, ein Flaneur und Bohemien, reales Vorbild für Jules, jenen Protagonisten der Dreiecksgeschichte aus dem gleichnamigen Roman und der Truffaut-Verfilmung und nicht zuletzt auch Vater von Stéphane Hessel. 1880 in Stettin geboren, in Berlin aufgewachsen, zog es ihn immer wieder nach Frankreich – endgültig dann 1938. Wie viele andere deutsche Exilanten auch, wurde er jedoch 1940 interniert und starb 1941 in Sanary-sur-Mer.

„Heimliches Berlin“: Eine wahre Trouvaille für mich, erschienen im Lilienfeld Verlag und wie alle Bücher aus der Reihe „Lilienfeldiana“ wunderschön aufgemacht.

Verlagsinformationen zum Buch:
„Heimliches Berlin“

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Hella S. Haasse: Der schwarze See

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Bild: (c) Michael Flötotto

„Ich wollte nichts anderes, als einen Bericht über unsere gemeinsam verbrachte Jugend schreiben. Ich wollte das Bild dieser Jahre festhalten, die nun so spurlos vergangen sind, als wären sie nicht mehr gewesen als Rauch im Wind. Kebon Djati ist Erinnerung, auch das Internat und Lida; Abdullah und ich gehen schweigend aneinander vorüber, und Urug werde ich nie wiedersehen. Es ist überflüssig, einzugestehen, dass ich ihn nie verstanden habe. Ich kannte ihn, so wie ich den Telaga Hideung kannte – eine spiegelnde Oberfläche. Die Tiefe lotete ich nie aus. Ist es zu spät? Bin ich endgültig ein Fremder in dem Land, wo ich geboren bin, auf dem Boden, aus dem ich nicht umgepflanzt werden will? Die Zeit wird es lehren.“

Hella S. Haasse, „Der Schwarze See“, Lilienfeld Verlag, 2016

In der Reihe „Lilienfeldiana“ des Düsseldorfer Verlages gibt es immer wieder schöne, anspruchsvolle Entdeckungen zu machen. So der schmale Debütroman von Hella S. Haasse (1918 – 2011) der 1948 in den Niederlanden erschien. Die in den Niederlanden mit allen wichtigen Literaturpreisen ausgezeichnete Autorin schildert in ihrem Debüt eine Welt, die sie selbst aus eigener Erfahrung sehr gut kannte; wurde sie doch als Tochter eines Kolonialbeamten in Jakarta geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend im stetigen Wechsel zwischen den Niederlanden und dessen Kolonien.

„Urug war mein Freund“: Mit diesen einfachen Worten beginnt der Roman, der die – deutlich einseitige – Freundschaft zweier Jungen irgendwo im heutigen Indonesien beschreibt. Der Sohn eines Niederländers schließt sich Urug, einem Jungen aus dem Dorf an: Er aus Einsamkeit (und Zuneigung), die Motive Urugs bleiben ungewiss. Die Erzählung setzt kurz vor dem Ersten Weltkrieg ein, Indonesien hat da bereits über drei Jahrhunderte Fremdherrschaft und Kolonialisierung hinter sich.

Gregor Seferens, der unter anderem Harry Mulisch, Anna Enquist und Maarten `t Hart übersetzt, skizziert in seinem Nachwort die Geschichte der niederländischen Kolonien:

„Nach den Jahrhunderten der Ausbeutung empfanden sich die Niederlande nun mehr als Partner und Freunde, deren Aufgabe es war, den Eingeborenen dabei zu helfen, auf eine höhere zivilisatorische, westlich geprägte Ebene zu gelangen, und sie dazu zu befähigen, möglicherweise irgendwann sogar einmal unabhängig zu werden. Doch während sich die Weißen mit ihrem nun durch Humanität kaschierten Überlegenheitsgefühl auf der richtigen Seite wähnten, wuchs bei der indigenen Bevölkerung das Bewusstsein für das Unrecht, das sie auch in der Gegenwart noch erdulden musste. In der Aussage „Urug war mein Freund“ steckt die ganze Asymmetrie des Verhältnisses zwischen den Kolonisatoren und der eingeborenen Bevölkerung.“

Denn, wie der namenslose Erzähler am Ende erkennen muss: Es hieß nicht „Urug und ich waren Freunde“. Ganz ruhig, ganz zurückgenommen, bis auf die eindrücklichen Naturschilderungen, erzählt Hella S. Haasse wie die beiden Jungen zwar noch eine gemeinsame Schulausbildung genießen, sich dann jedoch Stück für Stück voneinander entfernen. Der Einbruch des Zweiten Weltkrieges vollendet, was schon am Zerbrechen war. Als der Ich-Erzähler in das von den Japanern zerstörte Land zurückkehrt, begegnen sich die beiden jungen Männer nur noch einmal in einer angespannten, feindlichen Situation: Urug, als Mitglied einer militanten Befreiungsbewegung, kann in dem Freund seiner Kindheit nur noch einen natürlichen Feind sehen.

Ein kleiner, schmaler Roman mit großen Nachwirkungen.

Ich möchte auch noch auf die liebevolle Gestaltung der Reihe „Lilienfeldiana“ aufmerksam machen: Jedes Buch erscheint in Fadenheftung, mit Leineneinband und Lesebändchen, die Titel werden in Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstlern gestaltet. Für „Der schwarze See“ wurde das Bild „Flora“ von Anke Berßelis verwendet. Homepage der Künstlerin: www.bersselis.de

Zu den Verlagsinformationen – hier die Infos zum Buch.


Der Klassiker der niederländischen Literatur zur Kolonialgeschichte:
„Max Havelaar“ (1860) von Multatuli

Das Pseudonym „Multatuli“ steht für „Ich habe viel gelitten“ – Eduard Douwes Dekker (1820 – 1887) wählte es, weil auch er mit seinem Gerechtigkeitssinn immer wieder in Konflikte geriet. Der Schriftsteller begann seine Karriere zunächst als Kolonialbeamter in Niederländisch-Indien, durch sein Eintreten für die einheimische Bevölkerung musste er sich jedoch aus dem Dienst zurückziehen. Wieder in den Niederlanden zurück, schrieb Dekker mit „Max Havelaar“ diesen sozial und politisch engagierten Roman, der bis heute als eines der wichtigsten niederländischen Bücher gilt. Das Buch führte zu heftigen Debatten um die Kolonialpolitik, die sich danach schrittweise änderte. Zudem wurde Dekker auch durch seinen Umgang mit Sprache und Stil – er wechselt die Erzählperspektiven, lässt die Erzähler in ihrer eigenen Sprache sprechen, baute Umgangssprache und Slang ein, mischte Fiktion und Dokumentation – zum Vorbild.
Das Buch, das stark autobiographische Züge trägt, zeigt das Scheitern eines jungen Kolonialbeamten auf, der sich gegen die Ausbeutung der Bevölkerung auf Java stemmt. Der junge Mann scheitert und wird mit seiner Familie zur Armut verdammt. Trotz der der Geschichte innewohnenden Düsternis glänzt „Max Havelaar“ auch mit einer ordentlichen Prise Humor – namentlich dann, wenn der geizige und bigotte Kaffeehändler Droogstoppel die Erzählerstimme hat. Ein Droogstoppel, das ist bis heute in der holländischen Umgangssprache der Ausdruck für einen Philister: Solch langlebigen Einfluss hat „Max Havelaar“.

1992 wurde die Max-Havelaar-Stiftung für fairen Handel gegründet:
https://www.maxhavelaar.ch/

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