Theres Essmann: Federico Temperini, Klöpfer, Narr Verlag

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Der Kölner Taxifahrer Jürgen Krause und sein neuer Fahrgast, Federico Temperini. Den alten Herrn, der Krause als Chauffeur engagiert, umweht ein tragisches Geheimnis. Und Krause, einmal neugierig geworden, lässt sich ein auf die Obsession des Alten, dessen Leben und Denken sich vollständig um den einstigen Geigenvirtuosen Paganini dreht. Langsam entwickelt sich zwischen den beiden ungleichen Männern eine Freundschaft, die auch über den Tod hinaus Bestand hat.

Theres Essmann entfaltet mit „Federico Temperini“ auf knappem Raum, gekonnt verdichtet, das Leben zweier Männer, sie erzählt von gescheiterten Lebensentwürfen, von der Kraft des Neubeginns sowie von einer ungewöhnlichen Freundschaft. Eine Novelle über Verlust und Vergänglichkeit. Über die Sehnsucht, geliebt zu werden und die Einsamkeit des Grandiosen. Und über das, was uns wahrhaft groß macht: unsere Menschlichkeit.

Theres Essmann wurde 1967 in Nordwalde (Münsterland) geboren, studierte Literaturwissenschaften und Philosophie, lebt und arbeitet in Stuttgart und Köln. Sie schreibt Lyrik und Prosa. 2018 erhielt sie für ihren Erzählzyklus ein Stipendium des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg.

Verlagsinformationen zum Buch: Federico Temperini

Besprechungen:

Mit „Federico Temperini“ ist der Autorin Theres Essmann eine berührende Novelle über Vergänglichkeit und Verlust gelungen.“ – Kathrin Stahl, Südwestpresse

„Theres Essmann ist eine gute Beobachterin der nichtsprachlichen Kommunikation.“ – Andreas Sommer in der Heilbronner Stimme, 22.8.2020

„Theres Essmann hat in ihrem Debüt mit feinem Strich Figuren gezeichnet, die ohne große Geste auskommen, aber dafür umso prägnanter auf den Leser wirken. (…) Unaufdringlich, aber voller Gefühle, leise, aber bis ins Mark. So spannend sind menschliche Begegnungen … wenn die Sprache stimmt.“ – Guy Helminger, Luxemburger Tageblatt

Lesung aus dem Roman und Interview in SWR 4

„Diese fein gesponnene Novelle habe ich sehr gerne und in einem Rutsch gelesen. Fast von der ersten Seite an war ich hineingezogen in die Geschichte dieser beiden ungleichen Männer.“ – Susanne Martin von Schiller-Buch hat ihre Besprechung mit einer Playlist ergänzt. So kommen Literatur und Musik zusammen.

„Federico Temperini ist eine kluge Geschichte, die viel erzählt, aber nicht überfrachtet ist. Die verschiedene Tonlagen anschlägt und jedes Kapitel so enden lässt, dass man das folgende sofort lesen möchte.“ – Petra Lohrmann, Hotlistblog

Weitere Besprechungen bei: Dieter Wunderlich, Bücheratlas, Buch-Haltung, Leseschatz, Wortspiele, LiteraturReich, Petras Bücherapotheke, Gute Literatur – Meine Empfehlung, Sinn und Verstand, Litbiss, Leckere Kekse, Literaturcafé

Lesung auf der Verlagsseite:

 

IM LYRIKRAUM: Walle Sayer

Sayer

Unspektakulär kommen sie daher, unaufgeregt und irgendwie auch „schwäbisch“-bedächtig, die „Mitbringsel“ von Walle Sayer. „Mitbringsel“, das sind kleine Betrachtungen über das Leben auf dem Lande, zu einer Kindheit und Jugendjahren in einem überschaubaren Raum, das sind Miniaturen von Land und Leuten – mal universell, mal ganz exakt verortet wie der Anblick einer Frauengruppe im Heimatmuseum oder des Platzwartes auf dem Fußballplatz. Das alles ist konkret und doch übertragbar: Augenblicke, die im alltäglichen, im normalen Leben stattfinden, hier und anderswo. Mich spricht diese Ruhe an, diese Genauigkeit des Beobachtens, die Liebe zum Detail. Und natürlich ist es für mich herkunftsbedingt besonders schön, in einigen Zeilen Dialektwörter vorzufinden, „Bäbbigsüßes“ und „schleckig“ beispielsweise.

Das ist poetisch, ruhig und manches Mal voll hintersinnigem Witz:

Kleine Aufrechnung (Auszug)

Seine Schnäpschen, ihre Schnäppchen.
Ihr Beleidigttun, seine Ehrenkäsigkeit.
Seine Kegelbrüder, ihre Betschwestern.
Ihr umsomehrer, sein nichtsdestotrotz.

Der Beschäftigungstherapeut verordnet Nichtstun (Auszug)

Also wiegt man
Schneeflocken ab,
schöpft Wasser mit dem Sieb,
entrümpelt eine ausgeräumte Wohnung (…)

Aus: Walle Sayer, „Mitbringsel“.

Als „Mitbringsel“ bezeichnete auch die Jury zum Gerlinger Lyrikpreis Sayers Gedichte:

„unscheinbare Dinge, unspektakuläre Ereignisse und gemeinhin Übersehenes bringt er uns vor Augen, zeichnet alltägliche Details mit knappen, präzisen Strichen. Wenige Zeilen genügen dem Meister der kleinen Form für seine lyrischen Feinarbeiten, die etwa ein Kerngehäuse sezieren und in eine Streichholzschachtel passen.“

Jurymitglied und Lyrikkenner Michael Braun charakterisiert den Dichter und sein Werk treffend in einem Beitrag für den SWR (dort sind auch weitere Gedichte aus „Mitbringsel“ zu lesen):

„Mit ganz wenigen Strichen kann er ein ganzes Weltgebäude skizzieren. Und dabei bewahrt er sich die zentrale Eigenschaft, die für das Schreiben von Gedichten unerlässlich ist: die Fähigkeit zum Staunen, jenen innigen Blick auf die Dinge, der unser Alltagsuniversum so ausleuchtet, als sähe man all diese Gegenstände zum ersten Mal.“

Informationen zum Autor: Walle Sayer bei Literaturport

Informationen zum Buch:
Walle Sayer
Mitbringsel
Verlag Klöpfer, Narr / 2019
Gebunden, Lesebändchen, 121 Seiten, 20 Euro
ISBN 978-3-7496-1011-2


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