Sigrid Undset: Kristin Lavranstochter

Ende Mai erscheint beim Kröner Verlag mit „Der Kranz“ der erste Band der Trilogie „Kristin Lavranstochter“, für die Sigrid Undset mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, in einer neuen Übersetzung.

Kristin Lavranstochter ist ein eigenwilliges junges Mädchen im Norwe­gen des 14. Jahrhunderts, der strahlende Liebling ihres Vaters, diesem versprochen an den Sohn eines benachbarten Bauern. Ein Leben wie im Buche, bis sich der Tod ins Leben der jungen Frau schleicht und ein brutaler Mord ihr ihre Jugendliebe entreißt. Sie flüchtet ins Kloster – und verliebt sich Hals über Kopf in Erlend von Husaby, dem ein übler Ruf vorauseilt. Gegen alle Widerstände und ob­wohl sie damit ihren geliebten Vater fast um­bringt, entscheidet sie sich dafür, diese Liebe zu leben.

Sigrid Undsets ganz große Stärke ist die Cha­rakterzeichnung, und so lacht, leidet und liebt man dieser starken Frau, die es mit der norwegischen Männergesellschaft des 14. Jahrhunderts auf­nimmt. Dass Undset für die Trilogie mit dem Literaturnobelpreis ausge­zeichnet wurde, ist nur konsequent.

Gabriele Haefs hat „Kristin Lavranstochter“voll­ständig neu übersetzt, erstmals, wie es scheint, di­rekt aus dem Norwegischen, so dass nun endlich auch deutsche Leser in den vollen Genuss von Undsets außergewöhnlicher sprachlicher Aus­druckskraft kommen. Band II: Die Frau, erscheint in diesem Herbst, Band III: Das Kreuz folgt im Frühjahr 2022.

Sigrid Undset (1882–1949) gilt als eine der größ­ten und einflussreichsten Schriftstellerinnen Nor­wegens. Ihre zeitgenössischen Romane Frau Marta Oulie und Jenny wurden wegen ihrer allzu selbstän­digen jungen Heldinnen zum Skandal. Als enga­gierte Antifaschistin stand Undset ganz oben auf der Roten Liste der Nazis und nach der Besetzung Norwegens konnte sie sich nur durch eine lebens­gefährliche Flucht auf Skiern durch das Gebirge retten. Sigrid Undset erhielt 1928 den Literaturnobelpreis.

Für das Cover wurde das Gemälde „Picking daisies at Westerham, Kent“ von Helen Allingham ausgewählt – geradezu passend für die Indiebookchallenge, die im Monat Mai nach Büchern mit einem Gemälde auf dem Titel fragt.

Informationen zum Buch:

Kristin Lavranstochter. Der Kranz
Roman. Band I
Kröner Verlag, 2021, 384 Seiten. Halbleinen mit Lesebändchen
ISBN: 978 3 520 62101 6
https://www.kroener-verlag.de/details/product/kristin-lavranstochter-der-kranz/

Harriet Beecher Stowe: Onkel Toms Hütte

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Sklavenhütten in Louisiana. Bild von JamesDeMers auf Pixabay

„Mein Herr? Und wer hat ihn zu meinem Herrn gemacht? Das ist es, woran ich denke – welches Recht hat er auf mich? Ich bin ebenso gut ein Mensch wie er. Ich bin ein tüchtigerer Mensch als er. Ich verstehe mehr von Geschäften als er. Ich kann besser lesen als er. Ich habe eine bessere Handschrift und habe alles selbst gelernt, ohne ihm etwas zu verdanken. Ich habe es trotz aller Hindernisse, die er mir in den Weg dazu gelegt hat, gelernt. Und nun möchte ich wissen, welches Recht er dazu hat, mich zu einem Karrengaul zu machen, mich von Dingen wegzuholen, die ich tue und zwar besser als er, und mich zu Arbeiten zu verwenden, die jedes Pferd verrichten kann?“

Harriet Beecher Stowe, „Onkel Toms Hütte“, 1852

Natürlich hatte ich als Kind auch eine der verstümmelten Jugendbuchfassungen gelesen. Und eine verkitschte Filmversion im Fernsehen gesehen. Aber allein das genügte schon. Da saß ich, vielleicht acht, neun Jahre alt, Mitte der 1970er-Jahre in einer schwäbischen Kleinstadt und heulte vor Wut und Traurigkeit über das Schicksal eines Mannes am anderen Ende der Welt und lang vor meiner Zeit. Dass es nicht richtig sein kann, andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft zu Tieren zu degradieren, sie zu verkaufen, ihnen die Freiheit zu nehmen, sie zu foltern und ihren Willen mit aller Gewalt zu brechen: das habe ich durch „Onkel Toms Hütte“ gelernt.

Dass das Lesen dieses Buches ein „Schlüsselerlebnis“ in meiner Entwicklung war, das weiß ich noch gewiss (ich habe sogar noch das Cover meiner Jugendbuchausgabe vor Augen). Aber an anderer Stelle wird die Erinnerung vage: Bin ich zu jener Zeit denn „im echten Leben“ bereits einem Menschen anderer Nationalität oder Kultur begegnet? Ich weiß es nicht. Vielleicht spielt aber für Kinder dieses „Anderssein“, das, wie Toni Morrison in ihrem Essayband „Die Herkunft der anderen“ ausführt, auch ein bewusstes gesellschaftliches Konstrukt zur Unterdrückung ganzer Klassen ist, erst einmal keine Rolle. Der, die andere – das ist in erster Linie ein anderes Kind. Wichtig ist zunächst: Ist das andere Wesen zugänglich, spielt es mit? Die Mechanismen der Abgrenzung oder gar der „Aussonderung“ beginnen später. Sie sind nicht nur anerzogen oder emotional bedingt, durch Ängste vor den „Fremden“ ausgelöst – Ausgrenzung, auch in der Form von Rassismus, ist immer auch ein willentlicher Akt: Ich beschließe bei jeder Begegnung mit einem Menschen, dessen Menschlichkeit hintanzustellen und nur die (meine) Vorurteile walten zu lassen.

Ein großes Stück weit hat mich davor „Onkel Toms Hütte“ bewahrt. Es hat mir als Kind schon eine Botschaft eingepflanzt: Ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch. Das kann die Literatur. Das ist ihre Wirkmacht. Und für jeden jungen Leser, der von diesem Roman so geprägt wurde, muss man seiner Autorin (bei aller berechtigten Kritik aus moderner Sicht) danken. Tatsächlich fordert einen das Buch bei einer Wiederlektüre im fortgeschrittenen Leserinnenalter heraus: Sein streckenweise sentimentaler Ton, seine Gefühligkeit, wenn auch etwas dem Geschmack der Zeit geschuldet, wirkt heute manchmal sogar etwas ungewollt komisch. Die Übertünchung mit all zu viel Religion verrät den Hintergrund der Autorin, die einer neuenglischen Predigerfamilie entstammte. Vor allem aber kam und kommt bis heute berechtigte Kritik aus der afroamerikanischen Leserschaft an der unfassbar  unterwürfigen Hauptfigur. „Onkel Tom“ wurde zum Schimpfwort für den Schwarzen, der sich alles gefallen lässt, der gegen keine Grausamkeit aufbegehrt. James Baldwin warf der Autorin vor, rassistische Stereotype festgeschrieben zu haben: Nur der sanfte, entsexualisierte Schwarze sei für die weiße Leserschaft akzeptabel.  In ihrem Essayband über „Weiße Kultur und literarische Imagination“ unter dem Titel „Im Dunkeln spielen“ schreibt Toni Morrison:

„Jedenfalls wurde kein amerikanischer Text von der Art, wie ich sie hier erörtere, jemals für Schwarze geschrieben – so wenig, wie Onkel Toms Hütte dafür geschrieben wurde, daß Onkel Tom es las oder sich davon überzeugen ließ. Als lesende Schriftstellerin erkannte ich schließlich das Offenkundige: das Subjekt des Traums ist der Träumer.“

Nun, Harriet Beecher Stowe hatte ihren Traum, ihre Agenda: Die Abschaffung der Sklaverei, die sie aus religiösen und humanen Gründen für zutiefst verwerflich hielt. Ihr Mittel dazu war dieser Roman. Um jedoch die weiße Leserschaft zu erreichen, dafür musste sie, wie Gunhild Kübler in ihrem Portrait der Autorin in „99 Leidenschaften“ aufführt, zu einem Kunstgriff greifen:

„Für einen Roman, der Mitgefühl aktivieren und politisch nutzen wollte, war ein schwarzer Mann mit allen negativen Konnotationen, die Stowes Zeit den Schwarzen zuschrieb, als Hauptfigur unbrauchbar. Daher verlieh Stowe ihrem Tom zwar physische Stärke und Mut, machte ihn aber, wenn es darum ging, dass er sich für seine eigenen Belange einsetzte, zum Repräsentanten der christlichen Moral: Alles Jagen nach Eigennutz hört auf angesichts der Jenseitshoffnung.“

Um ihr Buch, das an eine weiße Leserschaft gerichtet war, für diese lesbar zu machen, wurde die Hauptfigur vor allem über seine familiären Rollen als fürsorgende Ehemann, gütiger Vater und „Onkel“ für die zusammengewürfelte Sklavengemeinde charakterisiert, die Thematik seiner Rasse in den Hintergrund gedrängt – dadurch erst entstand in jener Zeit Identifikationsmöglichkeit, erst dadurch gingen vielleicht dem einen oder anderen Leser die Augen auf: Aha, auch das ist ein Mensch!

Bei allen Mängeln: Lesbar ist „Onkel Toms Hütte“ in seiner ungekürzten Fassung auch heute noch, gelesen werden sollte es nach wie vor. Harriet Beecher Stowe verknüpft mehrere Erzählstränge, verfolgt die Schicksale der Menschen auf ihren verschiedenen Schicksalswegen: Dort das Paar Eliza und George, die zunächst nach Kanada fliehen, dort „Onkel Tom“, der in den tiefen Süden verkauft und dort ermordet wird. Manches mag man heute befremdlich an Stil und Sprache finden, die Erzählung an sich jedoch packt einen immer noch.

Zudem kann man als wohlwollende Leserin auch progressive Seiten des Romans erkennen: So thematisiert Beecher Stowe auch den spezifischen Aspekt der weiblichen Unterdrückung und geht auf die sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen ein. Der Aspekt der (weiblichen) Selbstbestimmung ist bei ihr ein nicht zu überlesendes Thema. Ein Aspekt, um die Leser emotional zu greifen, ist zudem jener der familiären Bindung – wie durch die Sklaverei Kinder ihren Eltern entrissen und Familien zerstört werden, ist durchaus herzzerreißend zu lesen. Hier kann man durchaus auch Parallelen zu Toni Morrisons „Menschenkind“ konstruieren: Auch in diesem, aus afroamerikanischer Sicht geschriebenen Roman, steht das Trauma der zerstörten Familie im Zentrum. Und wo „Menschenkind“ angesiedelt ist, da erlebte Beecher Stowe aus eigener Anschauung die Grausamkeit der Sklaverei:

„In Cincinnati am Ohio, der ja die Grenze bildete zwischen dem Sklavenstaat Kentucky und dem sklavenfreien Ohio, wurde Harriet näher mit der Problematik der Sklaverei konfrontiert (…) Durch seine Lage war Cincinnati nun einmal prädestiniert für Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern der Sklaverei. Bereits im Jahre 1836 war die Druckerei von James Birney, der die Antisklavereizeitschrift The Philantropist verlegte, von Rowdies zerstört worden, die im Anschluß daran die Häuser von freien Schwarzen in Cincinnati angriffen. 1840 kam es dann wiederum zu Übergriffen eines sklavereifreundlichen Mobs auf das Negerviertel: Häuser wurden in Brand gesteckt, Frauen vergewaltigt, Kinder in die Sklaverei verschleppt. Von ihrem Haus aus wurde H.B.S. Zeugin dieser Ausschreitungen.“

Susanne Althoetmar-Smarczyk im Nachwort zur dtv-Ausgabe von „Onkel Toms Hütte“ 2006.

Und unbestritten ist die Wirkung dieses Buches – Literatur kann, dies hat „Onkel Toms Hütte“ bewiesen, dazu beitragen, gesellschaftliche Verhältnisse zu ändern. Ob Abraham Lincoln bei einer Begegnung mit Harriet Beecher Stowe tatsächlich gesagt habe, sie sei also die „kleine“ Frau, die den großen Krieg ausgelöst habe, ist ungesichert (zumal die tiefgläubige Autorin auch einen Krieg ablehnte). Aber der Roman, der von 1851 bis 1852 zunächst in Fortsetzungen in der Zeitschrift „National Era“ erschien, brachte dem Abolitionismus zusätzliche Aufmerksamkeit – auch weit über die amerikanischen Grenzen hinaus. Innerhalb weniger Monate wurde allein in den Vereinigten Staaten zu Hunderttausenden verkauft, in andere Sprachen übersetzt, in England, Frankreich und Deutschland gefeiert, als Raubdruck millionenfach kopiert und schlug nach Verkaufszahlen zeitweise die Bibel. George Sand, George Eliot, Tolstoi, Heinrich Heine und andere literarische Größen jener Zeit äußerten sich begeistert. Nicht zuletzt aber kann man die Wirkmacht eines Werkes auch an der Zahl seiner Kritiker messen – in Folge von „Onkel Toms Hütte“ entstanden zahlreiche Anti-Romane, in denen die Sklaverei verteidigt und beschönigt wurde. Harriet Beecher Stowe sah sich zahlreichen Anfeindungen ausgesetzt – ging aber ihren Weg unbeirrt weiter. Das Vermögen, das sie mit ihrem Weltbestseller verdiente, nutze sie auch dazu, Sklaven freizukaufen, Bildungsstätten für afroamerikanische Kinder (natürlich nicht ohne religiöse Unterweisung) zu schaffen und die Abolitionsbewegung weiter zu unterstützen. Sie verstarb 1896, 85 Jahre alt.

Wer heute auf die USA blickt und den zunehmenden offenen Rassismus in der Trump-Ära, der wünschte sich einen Agitationsroman – trotz aller Mängel an Beecher Stowes Werk – in dieser Art, der es erreicht, Menschen zu bewegen und umzustimmen, auf den Plan.

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William Faulkner: Schall und Wahn

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Bild von nile auf Pixabay

„Als der Schatten des Fensterrahmens auf die Vorhänge kroch, war es zwischen sieben und acht Uhr, und als ich die Taschenuhr ticken hörte, lag ich wieder in der Zeit. Sie hatte Großvater gehört und als Vater sie mir schenkte, sagte er, ich schenke dir das Mausoleum jeglicher Hoffnung und jeglichen Begehrens, wie furchtbar passend, dass du sie benutzen wirst, um die reducto absurdum* aller menschlichen Erfahrung zu erlangen, und sie wird deinen individuellen Bedürfnissen kein bisschen besser entsprechen als seinen eigenen oder denen seines Vaters. Ich schenke sie dir, nicht damit du immer an die Zeit denkst, sondern damit du sie ab und zu für einen Moment vergisst und nicht im Versuch, sie zu erobern, deinen letzten Atem verschwendest. Weil keine Schlacht je gewonnen wird. Schlachten werden nicht einmal geschlagen. Das Schlachtfeld offenbart den Menschen nur seinen eigenen Wahn, seine Verzweiflung, und der Sieg ist eine Illusion der Philosophen und Narren.“

*Falsche Form der lateinischen Wendung „reductio ad absurdum (wörtlich: Zurückführung auf das Widersinnige), der sogenannte Widerspruchsbeweis aus der Logik. Eine Aussage wird dadurch widerlegt, dass aus ihr der Widerspruch zu einer anerkannten These folgt.

„Schall und Wahn“, William Faulkner (OA: 1929) in der Neuübersetzung von Frank Heibert, 2014, Rowohlt Verlag.

Ähnlich wie sein Vater wird auch Quentin nicht versuchen, den Kampf gegen die Zeit aufzunehmen – am Ende dieses Tages, den Faulkner aus der Perspektive Quentins in einem mitreißenden Bewusstseinsstrom erzählt, wird der junge Mann sich das Leben nehmen, wird die Zeit damit nicht überwinden, aber vermeiden, er durch den Freitod, sein Vater, der sich zu Tode trinkt, zuvor durch Selbstmord auf Raten, durch das Ausschalten der Zeit im Rausch. Das Ticken der Uhr, das Läuten der Kirchenglocken ist ein Leitmotiv dieses grandiosen Romanes, von dem Faulkner selbst sagte, er sei ihm der liebste seiner eigenen Werke: Die Zeit, sie ist über diese Südstaatenfamilie, deren Niedergang der Nobelpreisträger aus vier Perspektiven beschreibt, hinweggegangen. Die Zeit der Compsons, deren einstmals grandioses Herrenhaus verlottert, sie ist vorbei. Schall und Wahn, Niedergang und Verzweiflung: Die Buddenbrooks auf amerikanisch, nur mit weitaus mehr Fleisch, Blut und Tränen.

„Das Leben ist an Gut und Böse nicht interessiert…Das moralische Gewissen des Menschen ist der Fluch, den er von den Göttern anzunehmen hatte, damit er von ihnen das Recht bekam, zu träumen.“

Dieses Faulkner-Zitat stellt der Verlag seiner Buchbewerbung voran – eine Essenz dessen, was auch die Figuren in „Schall und Wahn“ prägt, gebeutelt vom Leben, Opfer ihres Lebens, aber nicht frei von Träumen, auch wenn es vielleicht die falschen Träume sind, auch wenn sie vielleicht zum Scheitern verurteilt sind.

Die Welt ist ein Irrenhaus, und wenn du mit besonderem Pech gesegnet wirst, so wirst du in eine neurotische Familie hineingeboren: Schemenhaft, handlungsunfähig, in sich selbst verstrickt erscheint die ältere Generation – der Vater sich in den Alkohol flüchtend, die Mutter in ihr abgedunkeltes Zimmer oder wahlweise in unreflektiertes Jammern. Die vier Nachkommen wären sich selbst überlassen, blieben da nicht, gleichsam wie ein positives Gegenbild, die schwarzen Hausangestellten, vor allem in Gestalt von Dilsey, die für Liebe, Wärme, Fürsorge steht. Doch der moralische Bankrott ist unaufhaltbar: Quentin, der älteste Sohn, in Schuldgefühlen wegen der Liebe zu seiner Schwester Candance verstrickt, nimmt sich das Leben. Jason, Hauptfigur des dritten Kapitels, ist gefangen in seinen Minderwertigkeitsgefühlen. Er, der als jüngster weder studieren noch entfliehen konnte, ist der Ewig-zu-kurz-Gekommene, der aus Hader über sein Schicksal voller rassistischer und sonstiger Vorurteile steckt, der sich und anderen das Leben mit aller Macht noch vollends vergällt. Candance schließlich wird nach einer Schwangerschaft in eine ungeliebte Ehe getrieben, nach der Scheidung von der Familie verstoßen.

Lichtpunkte sind in diesen verstrickten Verhältnissen ausgerechnet die Underdogs, die scheinbar „Minderwertigen“: Der geistig behinderte Sohn Benjy, mit dem das Buch beginnt, die mütterliche Dilsey, mit der der Roman endet – eine Klammer, die dann doch etwas Trost spendet in einer heillos verfallenen Welt. „Schall und Wahn“ ist jedoch nicht nur inhaltlich ein herausforderndes Buch – sondern auch stilistisch ein Kunstwerk, eine Herausforderung, die zum Lesen im Fieberwahn führen kann und mit Nachschall belohnt. Philippe Djian schreibt in seinem Buch über seine maßgeblichen Schriftsteller („In der Kreide“, Diogenes Verlag) über Faulkner:

„Alle großen Werke haben mehrere Zugangsmöglichkeiten. Sie lassen nie jemanden vor verschlossener Tür. Sie führen uns immer auf die eine oder andere Weise dem Licht entgegen.“

Um Faulkner zu lesen, benötigt man eine Portion Unerschrockenheit. Die Orientierung am allein Schöngeistigen hilft da nicht weiter. Nochmals Philippe Dijan:

„Bei Faulkner stößt man auf viel Schweiß, viel Brutalität, viel Licht. Seine Protagonisten sind einfältige Menschen, gefallene Mädchen, Schwärmer, Rohlinge, Heilige und Märtyrer. Daher kann man sich leicht vorstellen, wie verdichtet diese berühmten Monologe sind, ihre düstere, von Blitzen erhellte Schönheit, ihre schwüle Atmosphäre, ihre schwindelerregenden Abgründe.
Faulkner ist ein Meister des Aufbaus. Darüber sollte man allerdings nicht das Wesentliche vergessen: die Macht seiner Worte, den poetischen Hauch, der sich wie ein undefinierbarer, unregelmäßiger leichter Wind erhebt, kommt und geht, sich um die eigene Achse dreht, zunimmt, bis er auf allen Seiten pfeift und heult und alles auf seinem Weg hinwegfegt.“

Dieser Windhauch, der zum Sturm wird: Er ist in „Schall und Wahn“ – unter allen Büchern Faulkners auch für mich das mitreißendste – besonders zu spüren. Welches Wagnis, einen Roman aus der Perspektive eines geistig Behinderten zu beginnen – doch schon dieser Monolog zeigt Faulkners ganze Kunst, seine Sprachmacht, sein Geschick im Aufbau. Es ist die leichte Brise, die Ruhe vor dem Sturm.

„Ich hab nicht geweint, aber ich konnte nicht aufhören. Ich hab nicht geweint, aber die Erde blieb nicht still, und dann hab ich doch geweint.“

Benjy ist der Seismograph, der in seiner ganzen geistigen Unmittelbarkeit (NICHT: Beschränktheit) die Strömungen aufnimmt und widergibt, die die Familie durchlaufen. Schon dieses Eingangskapitel eine tour de force, führt dann der Perspektivenwechsel zu Quentin zu einem inneren Monolog, der jenem Bewusstseinsstroms Mollys in „Ulysees“ durchaus vergleichbar ist (wenn auch weitaus kürzer). Sprach- und Perspektivenwechsel dann erneut hin zu Jason, das innere Auge des Tornados wird erreicht, Erschöpfung, Ruhe, vielleicht auch Neubeginn im Schlusskapitel.

Eine Herausforderung für den Leser, erst recht eine für den Übersetzer. Frank Heibert erläutert in einem Nachwort zur Neuausgabe beim Rowohlt Verlag seine Herangehensweise, beispielsweise den Verzicht auf Dialektanleihen:

„Zu Faulkners beherzten literarischen Wagnissen gehört auch seine Art, mündliche Sprache zu verschriftlichen. Wann immer schwarze Figuren zu Wort kommen, notiert er, sozusagen in ausgeschriebener Mimikry, ihre Aussprache, fast eine Transkription: ein auffälliges Mittel, um die Eigenständigkeit der Sprecher und ihren Abstand zu den weißen Herren zu markieren, und eine weitere ästhetische Qualität dieses an literarischen Höhepunkten reichen Romans. (…).
Dass William Faulkner das Black American English der schwarzen Underdogs zur Literatursprache erhebt, ist politisch wie sprachlich ein starker Effekt. Für die Übersetzung ist es die größte Herausforderung. Es handelt sich um eine regional wie sozial geprägte Variante des Englischen, also Dialekt und Soziolekt zugleich. Das übersetzerische Dilemma ist offensichtlich: Wie lässt sich Dialektales übersetzen? Dialekte sind an Regionen geknüpft. (…). „

Christopher Schmidt nannte in einer Besprechung in der Süddeutschen Zeitung die Übersetzung durch Frank Heibert „titanisch“. Tatsächlich ist sie im Vergleich zu der älteren Übertragung von Helmut M. Braem und Elisabeth Kaiser (erhältlich beim Diogenes Verlag) kunstvoller, näher am Original, trotz des Verzichts auf Dialektismen. Und allein schon wegen Heiberts Gedanken zur Unübersetzbarkeit des Titels „The Sound and the Fury“ lohnt sich diese Ausgabe. Entlehnt hat Faulkner dieses aus Shakespeares „Macbeth“. Das Leben,

„a tale told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing“.

Mehr gibt es nicht zu sagen.

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François Armanet: Bücher für die einsame Insel

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„Wenn ich zwei Tage auf der Insel bleiben soll, würde es mir reichen, eine Ausgabe des Nouvel Obs mitzunehmen. Wenn ich so lange bleiben muss wie Robinson, bräuchte ich fünfzigtausend Bände aus der Bibliothek, die ich zu Hause habe. Deswegen würde ich das Telefonbuch mitnehmen. Mit all den Namen könnte ich unendlich viele Geschichten schreiben.“ 

Umberto Eco im September 2006

Unter lesenden Menschen erfreut sich diese Frage ungebrochener Beliebtheit: Welche drei Bücher würdest Du, wenn Du Dich beschränken müsstest, mit auf eine einsame Insel nehmen? Ich gestehe offen: Ich versuche meist, mich vor einer Antwort zu drücken. Ich wüsste zwar viele, viele Bücher zu nennen, die ich nach einmaligem Lesen keinesfalls mehr auf einer Insel oder anderswo bräuchte, ebenso ungelesene Bücher, um die ich gerne einen Bogen mache. Aber mich auf drei Bücher, von denen ich lange Zeit zehren müsste, beschränken? Drei Bücher aus jenen, die ich besonders schätze, wählen und aus den vielen ungelesenen Werken, die ich unbedingt noch lesen will?

Niemals könnte ich dies so kurz und bündig beantworten:

„Ich würde zwei mitnehmen: Die Ilias und Don Quijote.“ 

J. M. Coetzee im September 2013

Gesetzt wären auf jeden Fall die gesammelten Gedichte Brechts. Dann aber wird es schwierig: Einer der amerikanischen Autoren wie Cheever, Yates, Carver mit ihrem nüchternen Blick auf menschliches Treiben? Oder doch stilvolle österreichische Schwermut und Sprachkunst à la Joseph Roth, Stefan Zweig oder Heimito von Doderer? Oder – weil auf der Insel endlich mal die Zeit dafür vorhanden – Proust?

Tatsächlich neigen auch manche Schriftsteller zum Pragmatismus in dieser Frage:

„Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Anna Karenina und auf jeden Fall die Göttliche Komödie. Aus rein praktischen Gründen: Wenn ich dort Jahre verbringen soll, nehme ich besser Wälzer mit! Ich liebe Proust: Immer wieder lese ich die eine oder andere Passage aus der Suche.“

Hanif Kureishi im Januar 2005

Kurzum: Es fällt mir schwer, mich in dieser Frage festzulegen. Umso interessanter ist es jedoch, wenn dies andere tun. Es packt einen dieser kleine küchenpsychologische Kitzel: „Sag mir, was Du liest, und ich ahne, wer Du bist.“ Noch spannender wird dies, wenn die Frage von prominenten Autorinnen, bekannten Schriftstellern und Literaten weltweit beantwortet wird. François Armanet, Chefredakteur des „Nouvel Observateur“ und selbst Romançier, befragte dazu über die Jahre hinweg 200 Schriftsteller rund um den Globus. Diese hatten keine Vorgaben für ihre Antworten, konnten sich kurz und bündig halten, ebenso aber auch philosophieren und ihre Auswahl eingehend erläutern. Nur eins war gesetzt: Sowohl die Bibel als auch Shakespeare waren ausgeschlossen. Was dennoch viele nicht daran hinderte, genau diese beiden zu nennen.

„Ohne zu zögern: Die Bibel, die Historien von Herodot und Das Chagrinleder von Balzac.“

Ryszard Kapuscinski im April 2006

„Bücher für die einsame Insel“, ein Atlantik Buch, nun jüngst erschienen im Verlag Hoffmann und Campe, ist zwar selbst kein Exemplar für die Insel, aber eines dieser unterhaltsamen Bücher über Bücher, die Literatur und das Lesen, in denen ich immer wieder gerne schmökere – auch auf der Suche nach geeigneten Literaturtipps. Und wer könnte da ein besserer Ratgeber sein als ein Schriftsteller? Glücklicherweise muffeln die wenigsten so wie Monsieur Obermuffel:

„Ich antworte nie auf Umfragen.“

Michel Houellebecq im Juni 2015

Anders als Houellebecq griffen beispielsweise André Gide, Jorge Louis Borges und Raymond Queneau schon lange vor Armanet das Spiel mit der einsamen Insel auf, waren auf der Suche nach „der idealen Bibliothek“ – die Frage nach „den Büchern, die bleiben“ wird Lesende wohl immer begleiten.

Erfreulicherweise antworten daher andere Schriftsteller bei weitem nicht so rigoros wie Houellebecq. Und so ist dieses Buch, in dem unter anderem auch Margaret Atwood, Paul Auster, Julian Barnes, Günter Grass, Zadie Smith und John Irving zu Wort kommen, auch ein Leitfaden durch die Literatur (es überwiegen in den Nennungen natürlich die Klassiker), macht neugierig auf unbekanntes Terrain, versammelt „Meisterwerke der Weltliteratur, heilige Bücher der großen Religionen und geheime Madeleines“, wie Armanet im Vorwort schreibt.

Sollte tatsächlich einmal der unwahrscheinliche Fall auftreten, dass der Lesestoff ausgeht – die großen zeitgenössischen Schriftsteller machen in diesem Buch neugierig auf Werke, die sie prägten, die ihnen wichtig sind und die man vielleicht selbst nicht auf dem Radar hatte. So gibt es zwar die üblichen Verdächtigen – Proust, Balzac, Dickens, Joyce, die großen Russen, etc., – die mehrfach genannt werden. Aber auch viele – zumindest in Europa – unbekanntere Autoren wie Taha Hussein, Malek Haddad oder Marlene van Niekerk zu entdecken.  

Und im besten Falle können diese Bücher welche für die Insel werden und dann auch leisten, was einer der Schriftsteller von ihnen erhofft: 

„Die drei Bücher, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, müssten die Welt enthalten, die ich verlasse, die Leere füllen, das Leben nachzeichnen. Sie müssten mich das Treiben der Welt vergessen lassen – zumindest eine andere Welt erschaffen, in der der Einsame so etwas wie der Regisseur des neuen Universums wäre.“ 

Alain Mabanckou im Juni 2015

Verlagsinformationen zum Buch:
http://www.hoffmann-und-campe.de/buch-info/buecher-fuer-die-einsame-insel-buch-8327/

PS: Und welche drei Bücher nehmt ihr mit auf die Insel?

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#MeinKlassiker (21): Norman Weiss ist für Kabale und Liebe

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Bild von Fritz_the_Cat auf Pixabay

Norman Weiss berichtet auf seinem Blog Notizhefte über Bücher, Museen, Ausstellungen, Theaterbesuche und alles sonst, was das Leben bereichert. Eine Kulturwebsite im besten Sinne also. Dass bei ihm die Klassiker in vielerlei Form lebendig sind und gepflegt werden, sieht man an seiner Buchauswahl.
Norman war einer der ersten Blogger, der von sich aus signalisierte, er würde gerne mit einem Beitrag an der Reihe #MeinKlassiker beteiligt sein – was mich sehr gefreut hat. Und als kleiner Wink an alle Mitlesenden: Wer Lust hat und seinen Klassiker vorstellen will, ist herzlich eingeladen.

Die Aktion #MeinKlassiker, die Birgit von Sätze&Schätze erfolgreich ins Leben gerufen hat, ist eine feine Sache mit sehr interessanten Ergebnissen und Auswahlentscheidungen. Ich habe mich für einen Text entschieden, der sich kontinuierlich auf den deutschen Bühnen hält und seinen Status als Klassiker in wechselnden Umgebungen behauptet.

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Mir persönlich bedeutet das Stück sehr viel:

Das 1784 uraufgeführte Stück „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller begleitet mich seit der Oberstufe, damals las ich natürlich zum Vergleich auch die ältere „Emilia Galotti“, aber sie konnte sich nicht gegen Luise Millerin durchsetzen. Im Schultheater war ich alternierend Ferdinand („Du bist blaß, Luise?“) und sein Vater („Wenn ich auftrete, zittert ein Herzogthum!“), bei Lesungen im Deutschunterricht glänzte ich als Hofmarschall („Wenn Sie sich noch des Hofballs entsinnen – es geht jetzt ins einundzwanzigste Jahr – wissen Sie, worauf man den ersten Englischen tanzte, und dem Grafen von Meerschaum das heiße Wachs von einem Kronleuchter auf den Domino tröpfelte – Ach Gott, das müssen Sie freilich noch wissen!“) und als Kammerdiener der Lady Milford („Legt’s zu dem Übrigen!“). Das prägt für ein Leben und macht es dem Lessingschen Text heute noch schwer.

So schrieb ich im Januar 2014 in einem Beitrag über Lessings Emilia Galotti.

Schiller, der jugendliche Rebell und Idealist, der studierte Mediziner und Militärarzt, der unbesoldete Professor für Geschichte, Briefpartner und künstlerischer Widerpart Goethes, Zeitschriftenherausgeber, Dramatiker – ihm wird 1792 von der französischen Nationalversammlung das Bürgerrecht der Französischen Republik verliehen, 1802 erhebt ihn der Herzog von Weimar in den Adelsstand. Er stirbt 1805, sechsundvierzig Jahre alt.

„Kabale und Liebe“ wird 1784 in Mannheim uraufgeführt. Es thematisiert Gegenwartsthemen der damaligen Zeit: Hofintrigen, Verschwendungssucht, Mätressenwirtschaft, Gewaltherrschaft und Willkür, Standesschranken. Alles Themen, die für Schiller und seinen Helden Ferdinand ihre Rechtfertigung verloren haben. Der junge Mann, dem die privilegierte Standesposition das Nachdenken ermöglicht und nicht ausgetrieben hat, stellt die Systemfrage und will sich nicht arrangieren. Nicht beruflich, nicht persönlich. Seine Träume sind ohne Realitätsbezug, von übersteigerter Schwärmerei – letztendlich ist er, so wird es sich zeigen, ein Schwächling.

Schiller zeichnet seine Figuren mit dem breiten Pinsel: Hofmarschall von Kalb ist die (bravourös gestaltete) Karikatur des Höflings, den nicht einmal sein Spießgeselle, der Präsident, ernst nimmt. Dieser, eigentlich eine Vorbildfigur des Ançien Regime (er hat studiert, arbeitet rational und methodisch), wird vor allem im Konflikt mit dem Sohn als überholt, als verstockt und unmenschlich gezeichnet und damit insgesamt negativ konnotiert. Lady Milford, die Mätresse des bühnenabwesenden Fürsten, wird pathetisch als stolze Tochter Britanniens mit Resten von Anstand und Moral, die sich unter dem Luxusleben erhalten haben, präsentiert, scheint aber doch dem Untergang geweiht. Luise ist eigentlich eine Nichtgestalt, die meist recht passiv Gerechtigkeit erbittet. Im Gespräch mit der Lady gewinnt sie stärker Kontur. Die Eltern Luises geben Raum für Zeitkolorit und lassen Schiller Kritik üben („Halten zu Gnaden!“). Wurm – der Name sagt eigentlich schon alles – ist Profiteur und Diener der Macht; Luise hat für ihn nur Abscheu übrig.

Politischer Wandel, Rebellentum und Generationenkonflikt lassen das Stück auch nach mehr als zweihundert Jahren aufführungswürdig und zugänglich erscheinen. Doch das Pathos der Schillerschen Sprache ist für manche Leser und Zuschauer ein kaum zu überwindendes Hindernis, wie ich schon oft in Gesprächen gehört habe. Das führt immer häufiger zu einem Stück „nach Schiller“, aber dann kann ich mir auch den Tatort anschauen.

Ein bürgerliches Trauerspiel, so untertitelt Schiller sein Drama, und unterstreicht damit seinen aufklärerischen, weltverändernden Anspruch. Die Gesellschaftsstruktur ist überlebt, von innen faul und reif für ihre Ablösung. Sie soll freilich durch edle Geister, so wie Ferdinand sich sieht, menschenfreundlich reformiert werden. Konkreter wird es nicht, gefährlich genug war der Text in den Augen der Zeitgenossen bereits.

Neben den politischen Aspekten des Wandels thematisiert Schiller aber auch den Generationenkonflikt und ergreift eindeutig Partei für die Jungen. Die alten Männer sind entweder schlecht (Präsident), lächerlich (Kalb) oder zwar gut, aber von gestern (Miller), die Mutter Luises ohne Überblick, die nicht mehr ganz junge Lady Milford ist nicht eindeutig eine Verworfene, sondern die Umstände wecken ihr lange verschüttetes Ehrgefühl und Gerechtigkeitsempfinden.

Das Gespräch der Lady mit dem Kammerdiener des Fürsten in der zweiten Szene des zweiten Aktes, in dem es um den Handel mit Soldaten an den König von England geht, der sie in Amerika gegen die Aufständischen einsetzt, ist kurz, aber immer wieder eindringlich. Schiller thematisiert in zugespitzter Form Vorkommnisse, die damals hoch umstritten, aber nicht unüblich waren: Am 15. Januar 1776 hatte Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel  mit seinem Schwager König Georg III. von England sogenannte Subsidienverträge geschlossen und sich verpflichtet, ihm etwa 12.000 Mann zu überlassen. Dabei handelte es sich jedenfalls nicht ausschließlich oder überwiegend um Zwangsrekrutierungen. Schiller nutzt die Darstellung, um die absolutistische Herrschaft des Fürsten besonders deutlich zu machen. Er erfaßt damit eigentlich sehr gut, was Reinhart Koselleck wie folgt formuliert:

„Der Staat hatte sich gewandelt; er wurde korrupt: aber nur, weil er absolutistisch blieb. Das absolutistische System, die Ausgangssituation der bürgerlichen Aufklärung, blieb erhalten bis zum Ausbruch der Revolution: es bildet die eine Konstante unserer Untersuchung. An ihr wird sukzessiv und in verschiedenen Beispielen die politische Entfaltung der Aufklärung gemessen. Die Aufklärung entwickelte ein Eigengefälle, das schließlich zu den politischen Bedingungen selber gehörte. Der Absolutismus bedingt die Genese der Aufklärung; die Aufklärung bedingt die Genese der Französischen Revolution.“(Reinhart Koselleck, Kritik und Krise. Eine Studie zur Pathogenese der bürgerlichen Welt, 1959, Diss.Heidelberg 1954, Taschenbuchausgabe 1973, S. 4f.)

Die schwach konstruierte Intrige – Ferdinand soll Luise abspenstig gemacht werden – gelingt, weil der Mann eifersüchtig und eitel ist. Luise, die unter Zwang und aus Angst um Vater und Mutter einen Liebesbrief an den Hofmarschall schreibt, erscheint ihm als lasterhafte Schlange und Metze. Verblendet wie er ist, erkennt er ihre Liebe nicht.

Am Ende sterben Luise und Ferdinand an vergifteter Limonade, der Präsident wird nach Ferdinands Anklage abgeführt und letztendlich wird sich nur der Fürst noch einmal über die Runden retten können, sich aber eine neue Mätresse suchen müssen.

Norman Weiss
https://notizhefte.com/

#MeinKlassiker (2): Jürgen Bauer über „Die Niederlage“

Mit seinen beiden bisherigen Romanen „Das Fenster zur Welt“ (2013) und „Was wir fürchten“ (2015), beide erschienen im Septime Verlag, hat sich der Schriftsteller und Journalist Jürgen Bauer  eine treue Lesergemeinde geschaffen. Peter Pisa schrieb über „Was wir fürchten“ im Kurier: „Zur intensiven Literatur wird es. Zum österreichischen Geheimtipp des zu Ende gehenden Bücherfrühlings.” Mehr Information hält der Autor auf seiner Homepage bereit: http://www.juergenbauer.at/

Ich freue mich sehr, dass Jürgen uns hier seinen Klassiker-Geheimtipp vorstellt:

Charles Jackson: Die Niederlage (The Fall of Valor)

Seien wir ehrlich. Der sogenannte „Kanon“ ist meist die Entsprechung Donald Trumps in der Literaturszene: weiß, männlich, heterosexuell. Zwar hat man irgendwann akzeptiert, dass es da draußen auch noch andere Identitäten gibt – so genau kennenlernen möchte man diese jedoch nicht. Zugegeben: das ist überspitzt (aber nur ein wenig). Vielleicht sollte man deshalb im Kampf gegen eine solche Einschränkung statt von Literatur vielmehr von Literaturen sprechen. Eine dieser Literaturen ist jene, die sich mit queerem Leben auseinandersetzt und das weite Feld der LGBT-Identitäten zwischen zwei Buchdeckeln abbildet. Doch in Literaturlisten, Klassikeraufzählungen und Literaturkanons fehlen deren Meisterwerke fast immer. Dezidiert schwule oder lesbische Literatur? Fehlanzeige. Ganz allein ist die Literatur in diesem Scheuklappendenken nicht. „Wenn in einer Szenenanweisung steht: Ein Mensch betritt die Bühne, hat man automatisch einen weißen heterosexuellen Mann vor Augen“, hat der Regisseur René Pollesch einmal gesagt. Und zu Händl Klaus‘ Film „Kater“ titelte eine Zeitung vor kurzem: „Ein Menschenfilm, kein Schwulenfilm.“ Man versteht die Intention und denkt trotzdem: Sind Schwule denn keine Menschen? Gut gemeint – immer noch das Gegenteil von gut.

Tod in Nantucket

Charles Jacksons Roman „The Fall of Valor“, erschienen 1946, hat vermutlich auch aus diesen Gründen bis heute nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die er verdient. Immer noch ist er weit weniger bekannt als Jacksons Alkoholiker-Roman „Das verlorene Wochenende“, dabei steht er diesem von Billy Wilder verfilmten Werk in Qualität, Stil und Kraft in nichts nach. Worum es geht? Um einen unglücklich verheirateten New Yorker Literaturprofessor, der im Kriegssommer 1943 Urlaub auf der Insel Nantucket macht und sich dort in einen jungen Offizier verliebt, sich jedoch erst nach und nach seinen Gefühlen stellt. Gefühlen, die im Amerika der Zeit verpönt sind. Ein gewagtes Thema also und einer der ersten in den USA publizierten Romane, der Homosexualität ganz zentral zum Thema macht und das Gefühlsleben seines Protagonisten ernst nimmt. Immerhin kannte der Autor sein Thema hautnah, haderte er doch selbst lange mit seiner Homosexualität. Schon als intime Seelenstudie ist der Roman also eine Wucht, doch Jackson geht darüber noch hinaus. „The Fall of Valor“ ist Zeitportrait, ist Auseinandersetzung mit Krieg und Tod, mit der Sehnsucht nach Jugend und Schönheit. Er ist die amerikanische Variante von Thomas Manns „Tod in Venedig“, quasi Tod in Nantucket. Ein Meilenstein also.

Ein Muss: schwul oder nicht

Und doch blieb der ganz große Erfolg bis heute aus, die Kritik der Zeit war sowieso gespalten. Zwar wurden um die 75.000 Hardcover-Exemplare und 291.000 Taschenbücher des Romans verkauft, doch zum Klassiker fehlt ihm schlicht die breite Bekanntheit. Erst 2016 erschien die deutsche Übersetzung von Joachim Bartholomae unter dem Titel „Die Niederlage“ beim Männerschwarm-Verlag. Nur zum Vergleich: Die Neuübersetzung von Jacksons „Das verlorene Wochenende“ im Dörlemann Verlag wurde von beinahe alle großen Zeitungen rezensiert. „Die Niederlage“? Meist Fehlanzeige, siehe oben. Dabei hat es dieser Roman verdammt nochmal verdient, endlich zum Klassiker werden. Warum? Weil er – ganz einfach gesagt –so geistreich-witzig und so berührend ist, dass er jede Leserschaft bereichert. Schwul oder nicht.

Jürgen Bauer
http://www.juergenbauer.at/


#MeinKlassiker (1): Petra und ihr zielstrebiger, rachsüchtiger Hamlet

Dass bei Petra die Klassiker nie zu kurz kommen, stellt sie auf Philea`s Blog regelmäßig unter Beweis. Insbesondere hat sie ein Herz für Reisende und britische Snobs – da passt ihr größter klassischer Held, den sie uns vorstellt, gut ins Beuteraster.
Wer mehr von Petra lesen möchte, der kann nicht nur auf dem Blog stöbern, sondern sich auch auf ihr neues Buch freuen: „Gefahren des Lesens“ erscheint just in diesen Tagen beim Verlag adson fecit: https://adson-fecit.com/2016/07/29/gefahren-des-lesens/.

Und nun – Petra und ihr Klassiker:

Ich mache jetzt nicht das Fass auf, was ich unter einem Klassiker verstehe oder was man darunter verstehen sollte, ich gehe davon aus, dass das geneigte Lesepublikum von Birgit da selbst gewisse Kriterien zu im Sinn hat. Bei Anna von buchpost gab es mal eine Definition (https://buchpost.wordpress.com/2012/12/28/klassiker/), der ich sehr zuneige.

Mein Klassiker ist natürlich nur ein Klassiker von vielen, aber von Shakespeare, einem meiner Favoriten. Außerdem verbinde ich mit Hamlet allerlei Geschichten, weswegen er irgendwie im Laufe von über 25 Jahren zu „meinem“ Klassiker wurde.

Hamlet lernte ich im Studium näher kennen. Die Geschichte ist ja weitgehend bekannt. Auch wenn man weder Original noch Übersetzung je las –  Sein oder Nichtsein, to be or not to be, Schlafen! womöglich zu träumen, etc. – das sind längst geflügelte Worte und Verfilmungen gibt es ja auch etliche.

Prinz Hamlet, Student in Wittenberg (hier witzelte mein Professor einst, in Anspielung auf die altersmäßig gelegentlich unpassenden Besetzungen: Ein ewiger Student), kehrt nach Dänemark zurück. Sein Vater ist tot, ermordet und dies wohl von Hamlets Onkel Claudius, der nun der neue König ist und überdies mit der Witwe tändelt, Gertrude sogar heiratet. Der Geist von Hamlets Vater klärt den Prinzen auf und fordert Rache. Und die will auch Hamlet.

Interessanterweise wurde die Tragödie in einer Interpretationslinie für besonders deutsch gehalten, Hamlet, der melancholische Träumer und große Zauderer – sein oder nicht sein, tu ich’s oder lass ich’s lieber … Das wurde politisch auf die Deutschen übertragen, die ihrerseits zu träge oder unentschlossen für eine Revolution wie die französische gewesen seien und irgendwie sei Hamlet da ganz deutsch. Mehr dazu hier: http://www.zeit.de/1964/18/deutschland-ist-hamlet-ii

Ich finde Hamlet eigentlich recht zielstrebig, wenn er auch nicht sofort auf sein Ziel losprescht, so entwickelt er doch einen Plan, um den Mörder seines Vaters zu überführen, geht dabei recht unbekümmert über Leichen, spielt den Narren, stellt sich dumm und alles nur der Rache wegen. Selbst seine Liebste, Ophelia, weiht er nicht ein und nimmt ihr Leid, ihren Tod damit implizit in Kauf. Und der Rest ist Schweigen.

Ein blutiges, rachsüchtiges mitleidloses Drama, bei dem es keine Sieger gibt. Die Wahrheit mag ans Licht gekommen sein, doch der Preis! Verrat, Mord, fast alle tot – meine Güte! Und dabei so spannend wie ein Pageturner.

Meine erste Hamlet-Verfilmung war die mit Mel Gibson, die ich gar nicht übel fand. Meine zweite eine russische, in der Hamlet irritierender-, aber logischerweise „Gamlet“ hieß. Die Sichtung der russischen Version geschah absichtslos. Eigentlich waren wir ins Kino gegangen, um die lang verschollene Othello-Version mit Orson Welles zu sehen, die allerdings an jenem Abend erneut verschollen ward, weswegen man dem Shakespeare-geneigten Publikum den Gamlet zeigte. Meine dritte Verfilmung war recht modern, statt um ein Königsreich ging es um einen Konzern, Ethan Hawke gab den Hamlet. Diese Fassung gefiel mir fast am besten, obwohl ich Modernisierungen eigentlich schon grandioser Stücke nicht immer nötig finde.

Die Tragödie im Original zu lesen, ist – wenn es möglich ist – ein Genuss. Den wollte ich auch meinem Liebsten aufschwatzen, doch ich hatte nicht bedacht, dass das elisabethanische Englisch von heute aus gesehen ein bisschen speziell ist. Mit dem Kommentar „zu viel thou, thee, thine“ erhielt ich meinen zerlesenen Hamlet zurück. Interessanterweise hatte mein Liebster mit den Filmen im englischen Original kein Problem. Aber Stücke zu lesen ist ja auch nicht jedermanns Fall, der ständige Wechsel – er so, sie so – das liest sich anfangs etwas stockender als ein Roman.

Diese und viele weitere persönliche Geschichtchen und Anekdötchen um diesen Klassiker haben Hamlet zu „meinem“ Klassiker gemacht.

Petra Gust-Kazakos
https://phileablog.wordpress.com/


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#MeinKlassiker: Ist nichts so alt wie das Buch von gestern?

Fritz J. Raddatz klagte wenige Wochen vor seinem Tod in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“:

„Was man wissen könnte, wird weggebürstet durch Schnelligkeit. Schnelligkeit taugt nicht für Kultur. Die braucht Zeit. Zeit, um die „Buddenbrooks“ zu lesen, zu verstehen, nachzulesen: Wie war das mit Tony und mit Herrn Grünlich? Das ist alles weg. Es ist ein ganz großer Radiergummi über das kulturelle Gedächtnis hinweggegangen. Jeden Tag wird mehr ausradiert.“

Man könnte das als Kulturpessimismus eines alten Mannes abtun. Doch wenn ich mein eigenes Tun als Literaturbloggerin selbstkritisch überdenke, schaue ich mit Bedauern auf die Stapel ungelesener Bücher, die von den Neuerscheinungen aus dem berühmten „SuB“ verdrängt werden: Das Neue lockt, das Alte bleibt liegen. Proust, die ganzen großen Russen, auch die klassische Antike – ihre Lektüre verschiebe ich immer wieder auf den unbestimmten Tag, an dem ich einmal „Zeit und Muse“ für sie haben werde.

Im Rad der Neuerscheinungen, das sich immer schneller dreht – jedes Jahr werden noch mehr Bücher „produziert“ – geht mir jedoch manchmal der Blick für das Wesentliche verloren: Der Blick auf das, was ein „gutes Buch“ bewirken kann. Der Blogger Wolfgang Schnier stellte dazu diese Überlegungen an (zum Beitrag geht es hier):

„Ein gutes Buch lässt uns nicht so zurück wie es uns vorgefunden hat, es bewegt etwas in uns und verändert uns. Es richtet uns auf, würden die Aufklärer sagen, wenn es solche denn noch geben würde. Nach einem guten Buch sind wir nicht mehr die selben wie zuvor — und das wirft die Frage auf, ob es eine permante Bewegung geben muss, ein ständiges ‚Vorwärts‘?“

Welche Bücher, welche Romane, welche Dramen können uns diese Erfahrung vermitteln, die so oft mit dem Axt-Zitat von Herrn Kafka umschrieben wird? Das kann natürlich auch ein Debütroman sein, eine Neuerscheinung – doch „Klassiker“, um diesen Begriff einmal so pauschal zusammenzufassend in den Raum zu stellen, haben diese in sich liegende Kraft bereits entwickelt, Menschen geprägt, sogar Generationen begleitet. Doch verschwinden sie tatsächlich aus unserem Gedächtnis, werden sie ausradiert, wie Raddatz annimmt? Und was können sie uns heute sagen – sind sie noch lesbar und zeitgemäß, diese Geschichten von Mord und Totschlag, Odysseen, Ehebruch und Revolution? Kann man den „grünen Heinrich“ überhaupt noch aushalten in seiner Unentschlossenheit, den Männern ohne Eigenschaften und letzten Mohikanern folgen oder mit Mr. Bloom durch Dublin streifen? (Ich meine natürlich: Ja).

Im Gegensatz zum Feuilleton sind Literaturblogger nicht dem ständigen Aktualitätszwang verpflichtet – darin liegt auch eine Chance, immer einmal wieder einen Klassiker aus dem Regal hervorzuholen, sie den Lesern – so sie ihn noch nicht kennen – näherzubringen. Ich habe daher einige lesende und schreibende Menschen (Blogger, Schriftsteller, Verleger, Literaturschaffende und Literaturliebhaber) gebeten, mir von ihrem persönlichen Favoriten zu erzählen und über Bücher zu schreiben, die sie seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten begleiten, denen sie eine besondere Bedeutung zuschreiben, die sie als Klassiker bezeichnen würden.

Ein Dutzend Menschen habe ich angefragt – ein dutzend Zusagen bekommen! Überwältigend – und ein Signal dafür: Klassiker sind, zumindest bei lesenden Leuten, immer noch „frisch“. Die Beiträge werden hier im Laufe der nächsten Wochen und Monate in einer losen Reihe veröffentlicht – erkennbar an dem Hashtag #MeinKlassiker. Und – da ich nach einigem Austausch mit den Autorinnen und Autoren die zeitliche Grenze etwas erweitert habe – es wird eine ganz attraktive, abwechslungsreiche Reihe werden: Von der Aufklärung über die Weimarer Zeit bis zu den modernen Klassikern der Nachkriegszeit, aber auch über den deutschen Tellerrand hinaus. Wie eng dabei manch einer von den Autoren mit „seinem Klassiker“ verbunden ist, zeigt der Beitrag, mit dem die Reihe #MeinKlassiker morgen startet: Ich hatte kaum die Anfrage gestellt, schon waren die Idee und der Artikel da. Der Auftakt wird standesgemäß sein – mit einem der klassischsten, neurotischsten Helden, den die Literaturgeschichte kennt. Klassiker oder nicht Klassiker, das ist da keine Frage – mehr verrate ich nicht.

Ich würde mich freuen, wenn auch euch Leserinnen und Lesern diese Reihe gefällt, wenn ihr euch eventuell animiert fühlt, selbst über euren Klassiker zu schreiben – ich freue mich über weitere Beiträge hier auf dem Blog (Email: b.boellinger@gmx.de) oder auf weiteren Blogs -, oder wenn die Idee unter #MeinKlassiker weitergetragen wird.

„Das Richtige ist: das intensive Buch. Das Buch, dessen Autor dem Leser sofort ein Lasso um den Hals wirft, ihn zerrt, zerrt und nicht mehr losläßt – bis zum Ende nicht, bis zur Seite 354. Lies oder stirb! Dann liest man lieber.“
Kurt Tucholsky


Bild zum Download: Klosterbibliothek Wiblingen