WORTSCHAU VERLAG: Johanna Hansen – Mondhase an Mondfisch

Eine Partitur von Robert Schumann
Fragmente aus dem Briefwechsel von 
Clara und Robert Schumann 
Lyrik und Malerei von Johanna Hansen

Zwei schöne Wörter, eine Liebesgeschichte und eine Partitur haben zu diesem Buch geführt. Zunächst waren da die Kinderszenen und andere Klavierstücke von Robert Schumann. Eine Partitur vom Trödelmarkt, das Papier bereits leicht brüchig und vergilbt, der Einband schwarz wie der von alten Schulkladden.

Ebenso wie die Musik der Schumanns trägt die Lyrikerin und Malerin Johanna Hansen seit Jahren auch die beiden Wörter »Mondfisch« und »Mondhase« mit sich herum. Während der Pandemie reichte sie beide für das Lexikon der schönen Wörter des Literaturhauses Stuttgart ein. Gesucht wurden Trostwörter und solche, die Zuflucht geben: Für Johanna Hansen die ureigentliche Bedeutung der beiden Begriffe.

»Den Hasen im Mond, ein mythisches Tier, das für die Mondgöttin in einem Mörser wohlriechende Kräuter für ein Unsterblichkeitselexier zerstampft, und den Mondfisch, ein lebendes Fossil, zusammenzubringen, reizte mich sehr«, so die Künstlerin.
Aber wo sollten sie sich treffen? Die Partitur von Robert Schumann wurde schließlich, so unvorstellbar es auf den ersten Blick erscheinen mag, der Ort, an dem »Mondfisch« und »Mondhase« sich begegnen können.

Die Partitur als Malgrund wurde zum Bestandteil eines poetisch-künstlerischen Projekts, das seine endgültige Form dann durch die Lektüre des Briefwechsels zwischen Clara Wieck und Robert Schumann fand. Die Hindernisse, die die beiden Liebenden überwinden mussten, um heiraten und zusammen leben zu können, bewegten Johanna Hansen sehr. Da der Vater Clara Wiecks lange einer Heirat nicht zustimmte, konnten sich die beiden Musiker nur unter konspirativen Umständen treffen, der Brief wurde zu ihrem Medium. »Die Kraft dieser Liebe, aber auch ihre künstlerische Auseinandersetzung, das alles hat mich sehr inspiriert«, sagt Johanna Hansen.

Auf den Doppelseiten dieses Kunstbuches treffen sich die Lyrik Johanna Hansens, ausgewählte Zitate aus dem Briefwechsel von Robert Schumann und Clara Wieck sowie die ausdrucksstarken Bilder von Johanna Hansen zu einem einzigartigen Trialog über Menschen, die wie ferne Monde zu sein scheinen und sich dennoch immer wieder berühren und begegnen. »Mondhase an Mondfisch«: Aus ganz unterschiedlichen Elementen ist ein Versuch über die Liebe, in guten wie in schwierigen Zeiten entstanden, eine Wort-Bild-Begegnung über die Sehnsucht nach Nähe, Berührung, aber auch nach dem Einssein mit sich und dem anderen: der Welt.

Das Kunstprojekt wurde gefördert vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen.

Zur Autorin:
Johanna Hansen, Malerin und Autorin, lebt in Düsseldorf. Kindheit am Niederrhein. Studium der Germanistik und Philosophie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm- Universität Bonn. 1. und 2. Staatsexamen.Zunächst Journalistin und Lehrerin. 1991 Beginn der künstlerischen Tätigkeit. Autorin und Malerin. Seit 1993 zahlreiche Ausstellungen, seit 2008 literarische Veröffentlichungen. Seit 2013 Herausgeberin der Literaturzeitschrift WORTSCHAU, www.wortschau.com.
In Zusammenarbeit mit Musikern, Komponisten und Videokünstlern entstanden Performances, Poesiefilme und spartenübergreifende literarische, musikalische und bildnerische Projekte. Texte wurden ins Englische, Lettische, Spanische, Französische und Hindi übersetzt.
www.johannahansen.de
Kontakt: johanna.hansen@t-online.de

Stimmen zum Buch:

„Sehnsucht erfasst alles im Sehnsüchtigen: die inneren Bilder, die Sprache, das, was gehört, gesagt und verstanden wird. Wie in einem Trialog aus Sprache, Bild und Musik manifestiert und umspielt Johanna Hansens Buch eine unstillbare und schon allein deswegen nicht zum ultimativen Happy End sich eignende Sehnsucht.“ – Stefan Hölscher, Signaturen

Ein Blick ins Buch bei den Signaturen: https://signaturen-magazin.de/johanna-hansen—nie-denke-ich-daran-mich-zu-verlieren-.html

„Ein Werk von großer Poesie.“ – Barbara Weitzel, Welt am Sonntag

„Ein Gedichtband, der ein berückend schönes Objekt voller Bilder ist und dazu noch eine Hommage an die Liebe von Clara und Robert Schumann.“ – Birgit Koelgen, Düsseldorf aktuell

Mit Musik Schumanns: Kerstin Bachtler stellt „Mondhase an Mondfisch“ im SWR vor:
„Eine musikliebende Lyrikerin, die auch malen kann, bekommt eine Partitur von Robert Schumann geschenkt und macht daraus ein neues Kunstwerk. Das ist die Geschichte des Langgedichts „Mondhase an Mondfisch“ von Johanna Hansen.“
https://www.swr.de/swr2/literatur/mondhase-an-mondfisch-von-johanna-hansen-100.html

Im Podcast von Regina Lehrkind: https://open.spotify.com/episode/5sP6nPd6JQKBluKJbiwW23

Bibliographische Angaben:
Johanna Hansen
Mondhase an Mondfisch
Wortschau Verlag, Juni 2022
92 Seiten, Kunstbuch, eine Begegnung von Poesie und Malerei, 69,00 € 
ISBN 978-3-944286-37-2

Pressekontakt und Rezensionsanfragen:
Birgit Böllinger
Büro für Text und Literatur
Auf dem Rain 2
86150 Augsburg
Telefon: 0821 4509-133
E-Mail: kontakt@birgit-boellinger.com

oder über den Verlag:
WORTSCHAU Verlag
Winzinger Straße 48, 67433 Neustadt/Weinstraße
Telefon: 0 63 21/4 81 71 73, wolfgang.allinger@wortschau.com

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Johanna Hansen, Ulrike Schrimpf: Pariser Skizzen / Je te flingue

Bild: Jardin De Tuileries – https://pixabay.com/de/users/gaimard-10324218/

was uns möglicherweise eint im
nirgendland sind wir eher daheim als
in festgestelltem c`est une façon de
chercher

Auszug aus: „refuge/bild dir nichts ein“ in „Pariser Skizzen. Je te flingue“ von Ulrike Schrimpf und Johanna Hansen.

Es sind die Momente, bevor der Vorhang hochgeht, das Herzklopfen, das Lampenfieber, die Nervosität vor dem Auftritt. Und da die innere Stimme, die leise flüstert: „Nimm dich nicht zu wichtig. Bild dir nichts ein.“ Es schimmert immer wieder durch in diesen „Pariser Skizzen“, diese Fragilität des weiblichen Selbstbewusstseins, das sich behaupten muss gegen die Glaubenssätze, die frau mitgegeben werden, schon von Kindheit an, die sie aber auch annimmt, um sie dann doch mit einer Mischung aus Stolz, aus Selbstentfaltung und Selbstgestaltung zu überwinden. Das zögernde Kind, die junge Künstlerin, die sich im ersten Zyklus dieses wunderschönen Gedichtbands, nicht einmal selbst zugesteht, eine zu sein – der aussagekräftige Titel: „an eine junge künstlerin (die ich nie war)“ – sie lässt die Selbstzweifel allmählich vorwärts tastend hinter sich, gelangt zu ihrer eigenen „façon“:

„(…) denken sie
immer daran was sich auch
tun tun sie es mit
einer krone aus
glas und mine
de rien“

Scheinbar beiläufig werden die „Gesetze der Wahrscheinlichkeit“, so der Titel des letzten Zyklus in „Pariser Skizzen. Je te flingue“ unterlaufen. Das pantherhafte Drehen im allerkleinsten Kreise wird überwunden. Das tragische Ende der „Azur in nuce“ ist nicht ihres. Beides zeigt auch, wie elegant Ulrike Schrimpf viele feine Bezüge zur titelgebenden Stadt einzuflechten vermag, wie sie mit müheloser Geste auf poetische Vorläufer*innen referiert. Doch nicht nur diese Zwiegespräche mit Rilke, Unica Zürn und anderen sind es, die das lyrische Ich dieses Bandes in seinem Weg bestärken, begleiten, befördern – es ist vor allem die Zwiesprache mit einer anderen Dichterin, die auch – und in diesem Gedichtband vor allem – als bildende Künstlerin tätig ist. Jedes der Gedichte Ulrike Schrimpfs korrespondiert mit einem Bild von Johanna Hansen. Und man sieht es deutlich beim abschließenden Doppelportrait: Da haben sich zwei Künstlerinnenseelen gefunden.

„Da haben sich zwei getroffen, die gern schonungslos ablichten zu shootings – im Sinne von Fotos, aber auch mit dem Messer oder Revolver – oder Lippenstift als Waffe. Sie sehen sich in ihrer Weiblichkeit nicht als Objekte, nicht als targets, sondern zielen selber hin“, so Kristian Kühn im Vorwort zu diesem Band.

Kristian Kühn von den „Signaturen“ brachte die beiden zusammen, als „Ulrike Schrimpf Bilder suchte, um ihr inneres Drängen mit konkret vorhandenen Bildern in ein formales Verhältnis zu bringen.“ Ausschlaggebend war für Kühn das „latent Überfließende“, das er im Werk beider Frauen wahrnahm. Was er nicht ahnte, war, dass beide Frauen diesen engen Paris-Bezug hatten: Johanna Hansen hatte ihre Pariser Skizzen während ihrer Zeit im Gastatelier der Cité Internationales des Arts in Paris erstellt, Ulrike Schrimpf die Stadt über ihre Familie und in ihrer Zeit als Studentin intensiv kennengelernt. Und so spielt auch die Stadt Paris in diesem Buch naturgemäß eine zentrale Rolle, neben dem lyrischen weiblichen Ich eigentlich wie ein eigenständiges Wesen, mal hell-leuchtend, dann wieder voller Abgründe. Eine wuchernde Pflanze, ein Moloch, wie er in der expressionistischen Lyrik als Topos erstand, in eindrucksvollen Bildern geschildert:

tu n`es pas venu zu einem
unterbrochenen klang der nun ihr
gehört wächst eine krautige
schlingpflanze im Jardin manche
enden um einen stuhl gewickelt“

Schlingpflanzen gleich ziehen Ulrike Schrimpfs Poeme mit ihren ausdrucksstarken Bildern beim Lesen förmlich in die Gedichte mit hinein, die überraschenden Wendungen, das Spiel mit den Polen, das Gefangensein in und entlassen werden aus diesen Gedichten ist ein sinnliches Erlebnis, das in den ebenso konkreten wie dennoch rätelshaften Bildern von Johanna Hansen seine Fortsetzung findet.

Informationen zum Buch:

Johanna Hansen, Ulrike Schrimpf
Pariser Skizzen / je te flingue
Edition Melos, Wien, 2021
ISBN 978-3-9519842-8-5

Homepage von Ulrike Schrimpf: https://www.ulrike-schrimpf.de/
Homepage von Johanna Hansen: https://www.johannahansen.de/

Einen Eindruck von den Pariser Skizzen von Johanna Hansen bietet dieses wunderschöne Video: