KRÖNER VERLAG: Johannes Schweikle – Grobe Nähte

»Fremd«, so sagte bereits Karl Valentin, »ist der Fremde nur in der Fremde.« In seinem Roman »Grobe Nähte« zeigt Johannes Schweikle auf, wie schwer wir uns damit tun, das Fremdsein zu überwinden. »Grobe Nähte« ist auch ein Buch über die fragile Befindlichkeit einer Stadt von Welt.

Zum Buch:

Sie heißen Victor, Benedikt und Korbinian. Sie leben in München. Mehr Gemeinsamkeiten haben sie nicht. Victor stammt aus Nigeria. Als Stürmer wird er für seine Tore gefeiert. – Benedikt spielt Tuba. Er hofft, bald von der Musik leben zu können. – Korbinian schreibt als Journalist für eine bessere Welt. Mit seiner Familie lebt er in einem bunten und begehrten Viertel.
Dann kommen die Flüchtlinge, und die reiche Stadt empfängt sie mit offenen Armen. Was aber folgt auf die erste Willkommensbegeisterung? Der Ton wird rau. Benedikts Wohngemeinschaft bricht auseinander. Hält seine Beziehung? – Victor stolpert außerhalb des Spielfeldes durch die Widersprüche der deutschen Gesellschaft. – Korbinian kämpft um die linksliberale Deutungshoheit: Die Geflüchteten sind ein Glück für unser Land. Doch wie reagiert seine Frau, als neben dem Kinderladen ihrer Tochter Migranten untergebracht werden sollen?
Schweikles Roman prüft die Nähte im Gewebe einer Metropole. Packend beschreibt er die Zerreißprobe während der sogenannten Flüchtlingskrise. Eine Art ›Blitzlichtroman‹ von hoher gesellschaftspolitischer Relevanz.

Zum Autor:

Johannes Schweikle, 1960 in Freudenstadt geboren, schrieb in München für die ›Süddeutsche Zeitung‹. Heute arbeitet er als freier Autor u. a. für Die Zeit und FAZ, Geo und Brandeins. Seine Erzählungen und Romane, allesamt bei Klöpfer & Meyer erschienen, spannen den Bogen von der Gegenwart zu historischen Stoffen. Zuletzt, 2017, erschien die Romanbiografie Die abenteuerliche Fahrt des Herrn von Drais. In der hoch gelobten, mehrauflagigen literarischen Reisereportage Westwegs (2012) erkundet Schweikle zu Fuß das Zentralmassiv deutschen Gefühls: den Schwarzwald. »Einfach amüsant«, so die FAZ.

Informationen zum Buch:

Johannes Schweikle
Grobe Nähte
Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 2021
240 Seiten, Halbleinen, 22,00 €
ISBN: 978-3-520-75401-1

Stimmen zum Buch:

»Mit viel Empathie, ordentlich Münchner Lokalkolorit, einem guten Schuss satiregeladenem Humor und gut gezeichneten Charakteren beschreibt Johannes Schweikle, ohne in Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen, die ganze Widersprüchlichkeit und Verletzbarkeit unserer Gesellschaft, die alles andere als stabil ist. Sehr lesenswert!« – Günter Bielemeier für Buchprofile/medienprofile

»Weltoffen und konservativ, hilfsbereit und egozentrisch – die Widersprüche Münchens sind Thema des Romans „Grobe Nähte“. Autor Johannes Schweikle zeichnet ein polarisierendes Bild der Stadt und erklärt, warum es dennoch Hoffnung gibt.« – Bernhard Blöchl, Süddeutsche Zeitung

»Dabei insinuiert der Romantitel die Ambivalenz von groben Nähten zwischen Zusammenhalt und drohender Zerreißprobe. Er bedient sich durchgehend gekonnt den Mitteln von Ironie und Satire, ohne zu dick aufzutragen.« – Klaus Wolf, Literaturportal Bayern

»Johannes Schweikles Roman lässt tiefe Einblicke in das Innere eines Kosmos zu, in dem das (Vernissagen-) Publikum „lässig seine Exklusivität zelebriert“.« – Gerhard Keck, Schwarzwälder Bote

»Schweikle sieht es nicht als Aufgabe eines Romanciers, politisch Position zu beziehen. Doch mit diesem Roman habe er sich in eine aktuelle gesellschaftspolitische Auseinandersetzung gewagt.« – Dorothee Hermann, Schwäbisches Tagblatt

»Ein couragierter Roman darüber, dass Gesellschaft Widersprüche aushalten muss. Dass das Zusammenleben komplex und anstrengend ist. Und ein Plädoyer dafür, im Gespräch zu bleiben – trotz aller Meinungsverschiedenheiten.« – Eike Birck, Mein Bielefelder

»Leseempfehlung, unbedingt!!!!« – Renies Lesetagebuch

Johannes Schweikle zu Gast in Freies Radio Wüste Welle

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Kröner Verlag.

Tonio Schachinger: Nicht wie ihr

Foto _Nicht wie ihr

Bild: Florian Pittroff, http://www.flo-job.de

Gastautor Florian Pittroff, selbst ein riesiger Fußballfan, ist hellauf begeistert: Ein Roman zu seiner Leidenschaft hatte es auf die Nominierungsliste zum Deutschen Buchpreis geschafft. Und obendrein ist der Roman in seinen Augen sogar „ein urgeiles Buch“.

Sein Urteil:

Tonio Schachinger legt ein herrliches Buch über Fußball mit Migrationshintergrund vor. Wenn man angefangen hat, kann man das 300 Seiten starke Werk nicht mehr so wirklich zur Seite legen.

Das liegt auch daran, dass es mittellange bis kurze Kapitel beziehungsweise Unterteilungen gibt, die das zügige Weiterlesen ziemlich fördern. Immer denkt man, „ach, ein Kapitel lese ich noch“ und dann ist das Buch auch schon zu Ende.

Im Mittelpunkt des Romans steht Ivica „Ivo“ Trifunović, 27 Jahre alt und ein internationaler Fußballstar. Ivo sieht sich als Mittelpunkt der Welt, er ist besonders cool drauf, besonders gut im Spiel und er verdient 100.000 Euro die Woche, fährt einen Bugatti, hat eine Ehefrau und zwei Kinder, die er über alles liebt. Doch als seine Jugendliebe Mirna ins Spiel kommt, gerät das sichere Gerüst ins Wanken….

Es ist die lässige und witzige Erzählweise von Tonio Schachinger, die den Leser immer bei der Stange hält. Gespickt mit Wiener Schmäh und herrlichen Fußballmetaphern gibt der Roman Einblick in das Drama Profifußball gepaart mit einem Schuss Kapitalismus.

Skurril treffend und sensationell gut sind die Vergleich, die Tonio Schachinger für seinen Fußballprotagonisten erfunden hat: Die Geborgenheit in der Familie ist ein Cordon Bleu, der Fußball eine einzige Serie: „Wer immer zusieht, erkennt wenn was Bedeutendes passiert. Jeder Verein ist eine Serie, jede Liga eine große Serie und Ivo spielt in der spannendsten von allen, bei Games of Thrones“.

Es ist aber nicht immer alles amüsant und lustig – Fußballer sind eigentlich arme Schweine: „Heute vor einem Jahr war Ivo ganz oben: seit September fix qualifiziert für die EM, Doppeltorschütze im Derby gegen Liverpool, hat einem traurigen Steven Gerrard respektvoll die Hand geschüttelt, war glücklich. Heute ist Ivo niedergeschlagen, und morgen wird er es auch sein und übermorgen und überübermorgen, und genau deshalb ist er niedergeschlagen, weil alle Tage gleich sind“.

Und da passt dann auch folgendes Zitat recht gut, warum man denn überhaupt Fußballprofi wird. Für Ivo hat das nur bedingt mit Talent zutun. „Entscheidend ist das man ein langweiliger Mensch ist. Je langweiliger, je weniger Interessen abseits des Platzes, desto besser“.

Voll kluger, akzentuierter Anspielungen erzählt Tonio Schachinger vom Fußball, von Ivo, von Rassismus: „Ivo, jetzt bist du ein richtiger Österreicher!“ (…) und in Wahrheit steht dort damit jedes Mal, wenn er etwas falsch macht: „Ivo, jetzt bist du wieder ein richtiger Tschusch!“, von Sexismus und Kapitalismus. Nur wer Erfolg hat ist ein Großer. Wer keinen hat oder keinen mehr hat: Vergiß ihn!

Das Buch sollte man nicht vergessen, sondern lesen! Sonst gibt es die Rote Karte!

Ein Beitrag von Florian Pittroff
Homepage: flo-job.de

Informationen zum Buch:
Tonio Schachinger
„Nicht wie ihr“
Kremayr & Scheriau Verlag 2019
Hardcover, 304 Seiten, 22,90 Euro
ISBN: 978-3-218-01153-2