Suche Stehplatz Nord – Lesestoff für Fußballfans

Bild: Florian Pittroff

Florian Pittroff bekennt: „Ehrlich gesagt, war ich anfangs etwas skeptisch. Aber beim Lesen hat sich das schlagartig geändert. Nach der Lektüre der 26 Geschichten von Ina Bruchlos inklusive dem Nachwort von Dagrun Hintze war ich freudig überrascht und musste meine voreilige Kritik revidieren.“

Ina Bruchlos beschreibt in ihrem neuen Buch „Suche Stehplatz Nord“ das prekäre Dasein als Mensch, als Fan, als Lebewesen. Sie nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die vertrackten Windungen ihres Gehirns, das eines weiblichen, spät berufenen St. Pauli-Fans.

Das Fußballtaschenbuch ist spaßig und amüsant geschrieben, enthält Passagen über Leidenschaft und Hingabe. Es geht um Besserwisserei, um Ungewissheit und um die Suche nach dem Glück. In manchen Textpassagen spricht mir die Autorin aus dem Herzen. Alles schon selbst erlebte Geschichten über Fußball, Fans und Stadion – wunderbar zeitlos.

Mitfiebern, mitreden, mitgrölen.

„Mann, das war Abseits, rufe ich. Zu spät. Schon fällt das Tor, das ich hätte verhindern können. Ein bärtiger Typ dreht sich zu mir um (…) Wenn der Ball aus der eigenen Hälfte kommt… Ich sehe auf seine Mütze und ich sehe seinen Bart, während die Worte bruchstückhaft mein Gehör streifen (…) Natürlich kommt der Ball aus der eigenen Hälfte. Wenn Himmelmann den Ball zu Kalla wirft, kommt der Ball aus der eigenen Hälfte. Soll man den Ball deshalb liegen lassen?“

Als Fußballfan denkt man wirklich so – es war halt Abseits – es war immer Abseits, wenn es der eigenen Mannschaft schadet – voll den Nagel auf den Kopf getroffen!

Begeistert hat mich u.a. auch die Geschichte „Was ich tun muss“. Dabei geht es um Regeln, die man als Fan beachten sollte. Die Regeln sind natürlich nicht allgemeingültig und beziehen sich entweder auf Dinge, die man tun, oder auf Dinge, die man unbedingt vermeiden muss. Anzuwenden sind sie auf alle Fälle auf alle Fans:

„Ich darf mir keine Niederlage wünschen, auch wenn ich mittlerweile in einem selbstzerstörerischen Modus angelangt bin und verbittert denke, dass wir sie verdient hätten. (…) Ich muss meinen Gegengeradenschal tragen. Ich muss morgens aus meinem Totenkopf-Becher trinken.“

Und zur aktuellen Lage des Fußballs mit Geisterspielen und einer Atmosphäre wie beim Bezirksligaderby auf dem Land schreibt Ina Bruchlos:

„Irgendwann durften wir bestimmt wieder ins Stadion und irgendwann fiele bestimmt wieder ein Gegentor, während wir in der Bierschlange anstanden. Das wäre ungerecht und der Freistoß, der dieser Schweinerei vorangegangen war, natürlich auch. Ich konnte mir unsere fußballerische Zukunft nur bedingt vorstellen“.

Das mit dem Anstehen in der Bierschlange und dem dann obligatorischen Tor ist leider wirklich so.
Fazit: Unterhaltsame Lektüre, man kann schmunzeln, lachen und sich vor allem wiedererkennen! Geschenktipp für Fußballfans und solche, die es werden wollen

Ein Gastbeitrag von Florian Pittroff
CrossMedia Redakteur & Texter
www.flo-job.de

Suche Stehplatz Nord
Ina Bruchlos
25 Geschichten über den FC St. Pauli.
Minimal Trash Art
Mehr Informationen zum Buch inklusive Leseproben und Video: https://www.minimaltrashart.de/

Ferdinand von Schirach: GOTT

Bild: Florian Pittroff

Wem gehört unser Leben? Und wer entscheidet über unseren Tod? In dem Buch „GOTT“ von Ferdinand von Schirach“ wird in einem fiktionalen Ethikrat über diese Fragen diskutiert. Florian Pittroff hat sich das Buch genau angesehen.

Der 78-jährigen Richard Gärtner will nach dem Tod seiner Frau nicht mehr weiterleben: „(…) das Leben bedeutet mir nichts. Nichts mehr. Und ich will nicht irgendwann an Schläuchen hängen, ich will nicht aus dem Mund sabbern und ich will nicht dement werden. Ich will als ordentlicher Mensch sterben, so, wie ich gelebt habe“.

Richard Gärtner will sein Leben durch ein Medikament und mit Hilfe seiner Ärztin beenden. Rechtlich ist das nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts seit Februar dieses Jahres möglich, die ethische Debatte darüber ist aber natürlich noch nicht beendet.

„Gott“ ist nach „Terror“ Schirachs zweites Theaterstück. Wieder heißt die alles überdeckende Frage, was „Richtig“ und was „Falsch“ ist.

In „Gott“ werden so viele Fragen aufgeworfen, so viele Lösungen angeboten und so viel wieder verworfen, dass es manchmal scheint, man verliert den Durchblick. Kostprobe: Was hat das für Folgen, wenn ein Arzt beim Suizid hilft? Geht das überhaupt? Soll der Arzt nicht den Menschen helfen? Ist der Arzt dann noch ein Arzt, wenn er beim Suizid hilft? Oder hat der Arzt dann sogar dem Menschen geholfen? Alles scheint richtig und alles ist auch irgendwie falsch.

Rechtssachverständige Litten sagt: „Der Suizid selbst ist in unserem Recht keine Straftat. Ein Tötungsdelikt setzte immer den Tod eines anderen Menschen voraus. Bei einem Suizid (…) stellt sich also nur die Frage ob und wie sich ein Helfer strafbar machen kann“. Über dieses Strafbarmachen wird in der Sitzung des Ethikrates intensiv diskutiert. Wenn der Patienten wünscht, dass seine Behandlung abgebrochen wird, der Arzt tut das, dann ist das eine „Unterlassung“. Das Gegenstück zur „Unterlassung“ ist das aktive „Tun“, also wenn der Arzt dem Patienten aktiv das Mittel verabreicht. „(…) bei einer Beihilfe zum Suizid will ich den Tod herbeiführen. Bei einem Behandlungsabbruch nehme ich ihn nur in Kauf“.

Es ist überaus spannend, die verschiedenen Positionen der unterschiedlichen Protagonisten zu verfolgen, wie man sich automatisch auf die eine Seite schlägt, diese dann wieder wechselt und doch letztlich eine Meinung dann für besser hält. Die Essays von Wissenschaftlern am Ende des Buches geben noch einmal interessante Einblicke und Informationen.

Rechtsanwalt Biegler ergreift gegen Ende noch einmal das Wort: „Nein, es geht nicht um Beihilfe, nicht um unterlassene Hilfeleistung, nicht um Tötung auf Verlangen. (…) Es geht um eine einzige, sehr einfache und sehr klare Frage. Vielleicht ist es sogar die wichtigste Frage überhaupt. Diese Frage lautet: Wem gehört unser Leben?

Gehört es einem Gott, gehört es dem Staat, der Gesellschaft, der Familie, den Freunden. Oder gehört es nur uns selbst?“

Das Buch, das eigentlich ein Theaterstück ist, hat mich sehr ergriffen und nachdenklich gemacht. Es wirft viele Fragen auf und ist wie immer bei Schirach absolut lesenswert.

Florian Pittroff

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Wer neugierig ist auf das Buch: Am 23. November kommt das Theaterstück als Verfilmung in der ARD.

Informationen zum Buch:

Ferdinand von Schirach
Gott. Ein Theaterstück.
Luchterhand Verlag, 2020
Hardcover mit Schutzumschlag, 160 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87629-0

 

Ein Drama aus Eifersucht und häuslicher Gewalt im vermeintlich idyllischen Oberbayern

Bild: Florian Pittroff

Gastautor Florian Pittroff bringt heute wieder einmal etwas für die Freundinnen und Freunde der Spannungsliteratur. Obacht!

„Tote Hand“ ist bereits der achte Teil der genialen oberbayerischen Krimi-Reihe mit dem sachlichen Kommissar Wallner und dem etwas unbeständigen Polizisten Kreuthner. Wie alle andern Teile auch spannend, reizvoll und wunderbar amüsant geschrieben. Dabei bleiben witzige Dialoge niemals auf der Strecke.

(…) Und in dem Moment spannt der Fuchs, dass mir hinschauen, und haut ab.« Kreuthner hob die Hände, und die Geste besagte in etwa: Was es nicht alles gibt. »Schöne Geschichte. Und was ist wirklich passiert?« »Ja, glaubst am Polizeikollegen vielleicht net? Jetzt wird’s aber hint höher wie vorn.« (…)

Mich überzeugt der Schreibstil von Andreas Föhr. Ich bin ein Fan der kurzen Kapitel, die immer wieder zum Weiterlesen animieren, so dass man fast versucht ist, das Buch bis zum Ende nicht mehr aus der Hand zu legen.

Darum geht’s:

„Kommissar Clemens Wallner von der Kripo Miesbach und Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner, liebevoll „Leichen-Leo“ genannt, bekommen alle Hände voll zu tun, als ausgerechnet der Schafkopf-Held Johann Lintinger durch eine Schrottschere seiner rechten Hand beraubt wird. Ein würdiges Begräbnis muss her für diese legendäre Rechte, beschließt Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner, und so wird gleich neben einer alten Kapelle, die hinter dem Garten der Mangfall-Mühle steht, ein Grab ausgehoben. Dabei macht »Leichen-Leo« seinem Spitznamen mal wieder alle Ehre, denn der Ruheplatz ist bereits belegt: von einer männlichen Leiche“…

Die „Tote Hand“ ist auf den ersten Blick sehr komplex und vielschichtig. Aufbau, Entwicklungen und Verknüpfungen an den verschiedensten Orten – ausgehend von Berlin, über Miesbach, Waakirchen, Rottach-Egern und zurück nach Berlin – sind vortrefflich. Der gelernte Jurist Föhr schreibt seine Story mit Handlungen in der Gegenwart und in der Vergangenheit blitzgescheit und zum Schluss wird logisch aufgelöst.

Nicht zu vergessen die Geschichte in der Geschichte über die schrulligen und sonderbaren Zusammenhänge im Privatleben von Wallner mit Großvater Manfred.

(…) Wallners Großvater hatte sich verändert. (…) Zum Beispiel rasierte er sich jeden Tag. Bis vor einem halben Jahr hatte einmal die Woche genügt. Und er setzte sich in die Sonne. Der letzte Sommer hatte viel Sonne gebracht, und Manfreds faltiges Gesicht hatte eine sportliche Bräune bekommen. (…)

Andreas Föhr braucht keine blutigen Gewaltszenarien, Kommissar Wallner und der Polizist Kreuthner müssen keine coolen Cops mit aalglatter Uniform und überheblichem Gehabe sein, um beim Leser zu punkten. Die beiden leben durch ihren herrlich ehrlichen Charakter, den Andreas Föhr ihnen angeschrieben hat und das nun schon zum achten Mal.

Ich bin ein wahrer Hardcore-Fan von Andreas Föhr und seinen Wallner und Kreuthner Krimis!

Florian Pittroff

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Informationen zum Buch:

Andreas Föhr
Tote Hand
Verlag Droemer Knaur, 2019
Paperback, 384 Seiten, 14,99 €,
ISBN: 978-3-426-65447-7

Ein kleines Theater, ein großes Buch und viele Kindheitserinnerungen: Herzfaden

Bild: Florian Pittroff

Als Literaturblog aus Augsburg kommt man an diesem Roman natürlich keinesfalls vorbei. Und wer wäre prädestinierter dafür, über ihn zu schreiben, als Gastautor Florian Pittroff, der die Augsburger Puppenkiste und ihre Macher seit Kindesbeinen kennt?

Eines gleich vorweg: Das Buch ist eine wunderbare Würdigung einer der wichtigsten deutschsprachigen Kulturinstitutionen der frühen Bundesrepublik. Es ist die Geschichte eines einmaligen Theaters und der Familie, die es gegründet und berühmt gemacht hat. „Herzfaden – Roman der Augsburger Puppenkiste“ ist zu Recht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2020.

Das Buch hat zwei Handlungsebenen. Auf der ersten Ebene erzählt der Autor die Geschichte der Familie Oehmichen und die der Augsburger Puppenkiste. Auf einer zweiten Ebene gerät ein junges Mädchen nach einer Vorstellung der Augsburger Puppenkiste durch eine verborgene Tür auf einen märchenhaften Dachboden, auf dem viele Freunde warten: Prinzessin Li Si, Kalle Wirsch und das Urmel. Vor allem aber die Frau, die all diese Marionetten geschnitzt hat – über 6000 sollen es gewesen sein – und nun ihre Geschichte erzählt. Der Buchtitel kommt natürlich auch nicht von ungefähr: „Der Herzfaden?“, fragt Hatü. „Der wichtigste Faden einer Marionette. Nicht sie wird mit ihm geführt, sondern mit ihm führt sie uns. Der Herzfaden einer Marionette macht uns glauben, sie sei lebendig, denn er ist am Herzen der Zuschauer festgemacht.“ „Das hast du dir ausgedacht, Papa. (…)“

Die Biographie der Familie Oehmichen hat mich echt bewegt. Sie beginnt im 2. Weltkrieg, als Walter Oehmichen, ein Schauspieler des Augsburger Stadttheaters, in der Gefangenschaft einen Puppenschnitzer kennenlernte und für die eigene Familie ein Marionettentheater baut. In der Bombennacht 1944 verbrennt es zu Schutt und Asche. „Herzfaden“ erzählt von der Wiedergeburt dieses Theaters und von der Kraft der Fantasie in dunkler Zeit. Thomas Hettche schießt aber nicht Fakten, Fakten, Fakten aus dem 2. Weltkrieg aus der Hüfte, sondern er erzählt bedachtsam und behutsam. Wie ist das, wenn die Freundin plötzlich verschwindet, wenn die Nachbarn zu Rechtlosen werden. Und was passiert in einer Kinderseele, wenn die Flugzeuge kommen:  „Vorhänge aus Brandfontänen jagen (…) gen Himmel, der blutrot ist.“.

Es sind die einfühlsamen Momente, die dieses Buch so liebens – und lesenswert machen und die ganze Magie dieser besonderen Kiste aufleben lassen. „Alle versammelten sich jetzt um ihn (Walter Oehmichen). Viele würden ihn fragen, beginnt er, weshalb er kein richtiges Theater mehr machen wolle. Aber ihm sei klar geworden, dass Puppentheater noch mehr Theater sei als Menschentheater. Marionetten seien die ehrlicheren Schauspieler“.

Als Augsburger habe ich mich sehr auf das Buch gefreut und wenn dann auch noch die Plätze, Orte und Straßen aus meiner Heimatstadt darin vorkommen, ist es wie ein Eintauchen in die Heimatstadt: „Wenig später tauchte rechter Hand der Siebentischwald auf, (…) dann das Rote Tor. (…). Es gibt Bilder vom Schwarzmarkt am Augustusbrunnen.“

Für mich war es ganz wunderbar, dieses Buch zu lesen, auch oder gerade deshalb, weil ich in meiner Kindheit Hannelore Marschall, Hanns Marschall, Walter Oehmichen und viele der Buchprotagonisten persönlich kennenlernen durfte. Nicht zuletzt auch Klaus und Jürgen Marschall. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

Ich kann mich gut erinnern, Hannelore Marschall saß meist in ihrem Atelier und hat geschnitzt und geraucht und geschnitzt und aus einem rohen Holzblock wurden bedeutende Charaktere, die fast jeder kennt und die niemand missen möchte. Sie hatte übrigens auch einen Löwenanteil daran, dass sich die Puppenkiste gewandelt hat. Nicht nur klassische Märchen standen fortan auf dem Spielplan, sondern auch „Der kleine Prinz“ oder „Jim Knopf“.

Und ganz zum Schluss sei noch erwähnt: Die Zeichnungen auf dem Umschlag, auf dem Einband und im Buch selbst sind von Matthias Beckmann, Homepage des Künstlers: http://www.matthiasbeckmann.com/.

Florian Pittroff

Homepage: https://flo-job.de/

Informationen zum Buch:

Thomas Hettche
Herzfaden. Roman der Augsburger Puppenkiste
Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2020
288 S., 24,00 €, als E-Book 19,99 €

Sunday I`m in love: Echte Freunde trennt nicht mal eine Pandemie.

IMG_4095Ich hab „11 Freunde“ sporadisch über 20 Jahre immer mal wieder gelesen – mal als Einzelheft, mal als Abo. Mal die Sonderhefte zum Bundesliga-Star oder die zur WM. Es war mir eigentlich immer ein Fest – nur wenn der BVB zu gut weg kam, dann hatte ich echte schlechte Laune.

Es gibt wahrlich bessere Zeiten, ein 20-jähriges Jubiläum zu feiern, als inmitten der Corona-Krise. Aber wenn im April 2000 das erste Heft von „11 Freunde“ erschienen ist, dann ist eben auch im April 2020 20-jähriges Jubiläum – hilft ja nix.

Den vierten Tabellenplatz belegte damals in der Saison 1999/2000 – man höre und staune – 1860 München. Torschützenkönig wurde Martin Max vom TSV 1860 München. Long time ago!

Einen Monat, bevor der FC Bayern Meister wurde, erschien im April 2000 die erste Ausgabe von „11 Freunde“. Und zu diesem runden Jubiläum schauen die Macher des Magazins auf die bewegte und bewegende Geschichte des Fußballs zurück.

Herausgegeben wird „Das große 11 FREUNDE Buch“ von Philipp Köster (Mitgründer und Chefredakteur) und Tim Jürgens (stellvertretender Chefredakteur). Die beiden versprechen „eine wilde Fahrt durch zwanzig Jahre Fußballkultur“.

Opulent und mit 456 Seiten kommt das Jubelbuch daher – pralll gefüllt mit Behind-the-scenes-Anekdoten, Geschichten und Reportagen über bekannte, weniger bekannte und unbekannte Spieler, Trainer und Stadien. Ein echtes Highlight und wirklich sehr beeindruckend ist die Reportage über die Aufarbeitung der Sheffield-Katastrophe von 1989, erzählt von einem Überlebenden.

Auch bei der Story über die zehn besten Spiele aller Zeiten kann der geneigte Leser in echten Erinnerungen schwelgen: Champions League Finale 2005. Wer erinnert sich? FC Liverpool vs. AC Mailand, 6:5 nach Elfmeterschießen. Oder die WM 1970: Deutschland vs. Italien, 3:4.

Auch sehr schön – hier aber eher was für den optischen Genuss: die Fotos von den Kassenhäuschen aus dem Amateurbereich oder „Sunday I`m in love“: Tropfender Männerschweiß, blutige Schürfwunden – eine wunderschöne Fotostrecke über den deutschen Amateurbereich. Bei jedem, der irgendwann mal in der A-Klasse gekickt hat, laufen dazu die passenden Bilder ab: 30 Zuschauer, viel Bier und ein Schiri, der immer nur im Mittelkreis steht.

Ich habe die über 450 Seiten genossen, vor lauter Vorfreude auch mal einfach weitergeblättert, um zu sehen, was mich noch alles erwartet. Und fast zum Schluss war das etwas ganz besonders Schönes: Weggefährten erinnern sich und schreiben über ihr nicht immer einfaches Verhältnis zum Magazin für Fußballkultur. Da kommt Matthias Brandt genauso zu Wort, wie DFB-Präsident Fritz Keller, der obligatorische Ewald Lienen natürlich und Hans Joachim Watzke, BVB Geschäftsführer. Er meint: „(…) heute seid ihr angekommen. Mitten in der Gesellschaft. Und schon lange nicht mehr nur auf Krawall gebürstet (…).“

„11 Freunde“ ist schön längst den Kinderschuhen entstiegen und zu einer etablierten Marke geworden.

Das Buch ist ein Erlebnis!

Ein Beitrag von Florian Pittroff

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Informationen zum Buch:

Philipp Köster und Tim Jürgens (Hrsg.)
Das große 11 Freunde Buch
Heyne Hardcore, 2020
Hardcover, Pappband, 456 Seiten, 17,0 x 24,0 cm, durchgehend 4farbig
ISBN: 978-3-453-27236-1

Tonio Schachinger: Nicht wie ihr

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Bild: Florian Pittroff, http://www.flo-job.de

Gastautor Florian Pittroff, selbst ein riesiger Fußballfan, ist hellauf begeistert: Ein Roman zu seiner Leidenschaft hatte es auf die Nominierungsliste zum Deutschen Buchpreis geschafft. Und obendrein ist der Roman in seinen Augen sogar „ein urgeiles Buch“.

Sein Urteil:

Tonio Schachinger legt ein herrliches Buch über Fußball mit Migrationshintergrund vor. Wenn man angefangen hat, kann man das 300 Seiten starke Werk nicht mehr so wirklich zur Seite legen.

Das liegt auch daran, dass es mittellange bis kurze Kapitel beziehungsweise Unterteilungen gibt, die das zügige Weiterlesen ziemlich fördern. Immer denkt man, „ach, ein Kapitel lese ich noch“ und dann ist das Buch auch schon zu Ende.

Im Mittelpunkt des Romans steht Ivica „Ivo“ Trifunović, 27 Jahre alt und ein internationaler Fußballstar. Ivo sieht sich als Mittelpunkt der Welt, er ist besonders cool drauf, besonders gut im Spiel und er verdient 100.000 Euro die Woche, fährt einen Bugatti, hat eine Ehefrau und zwei Kinder, die er über alles liebt. Doch als seine Jugendliebe Mirna ins Spiel kommt, gerät das sichere Gerüst ins Wanken….

Es ist die lässige und witzige Erzählweise von Tonio Schachinger, die den Leser immer bei der Stange hält. Gespickt mit Wiener Schmäh und herrlichen Fußballmetaphern gibt der Roman Einblick in das Drama Profifußball gepaart mit einem Schuss Kapitalismus.

Skurril treffend und sensationell gut sind die Vergleich, die Tonio Schachinger für seinen Fußballprotagonisten erfunden hat: Die Geborgenheit in der Familie ist ein Cordon Bleu, der Fußball eine einzige Serie: „Wer immer zusieht, erkennt wenn was Bedeutendes passiert. Jeder Verein ist eine Serie, jede Liga eine große Serie und Ivo spielt in der spannendsten von allen, bei Games of Thrones“.

Es ist aber nicht immer alles amüsant und lustig – Fußballer sind eigentlich arme Schweine: „Heute vor einem Jahr war Ivo ganz oben: seit September fix qualifiziert für die EM, Doppeltorschütze im Derby gegen Liverpool, hat einem traurigen Steven Gerrard respektvoll die Hand geschüttelt, war glücklich. Heute ist Ivo niedergeschlagen, und morgen wird er es auch sein und übermorgen und überübermorgen, und genau deshalb ist er niedergeschlagen, weil alle Tage gleich sind“.

Und da passt dann auch folgendes Zitat recht gut, warum man denn überhaupt Fußballprofi wird. Für Ivo hat das nur bedingt mit Talent zutun. „Entscheidend ist das man ein langweiliger Mensch ist. Je langweiliger, je weniger Interessen abseits des Platzes, desto besser“.

Voll kluger, akzentuierter Anspielungen erzählt Tonio Schachinger vom Fußball, von Ivo, von Rassismus: „Ivo, jetzt bist du ein richtiger Österreicher!“ (…) und in Wahrheit steht dort damit jedes Mal, wenn er etwas falsch macht: „Ivo, jetzt bist du wieder ein richtiger Tschusch!“, von Sexismus und Kapitalismus. Nur wer Erfolg hat ist ein Großer. Wer keinen hat oder keinen mehr hat: Vergiß ihn!

Das Buch sollte man nicht vergessen, sondern lesen! Sonst gibt es die Rote Karte!

Ein Beitrag von Florian Pittroff
Homepage: flo-job.de

Informationen zum Buch:
Tonio Schachinger
„Nicht wie ihr“
Kremayr & Scheriau Verlag 2019
Hardcover, 304 Seiten, 22,90 Euro
ISBN: 978-3-218-01153-2


Rainer Moritz: Als der Ball noch rund war

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Bild: Florian Pittroff, https://flo-job.de/

Ein Beitrag von Florian Pittroff

Die Fußballweltmeisterschaft steht quasi vor der Türe und da gibt es sicher wieder Augenblicke, an die man sich auch noch in 20 Jahren erinnern wird. Wichtige, entscheidende, unangenehme Augenblicke der Fußballgeschichte bleiben nämlich unauslöschbar im Gedächtnis des gemeinen Fußballfans eingebrannt.

Und genau von solchen Geschichten und Anekdoten erzählt Rainer Moritz in seinem Buch „Als der Ball noch rund war“. In fünf Kategorien schreibt sich Moritz von den schrecklichen Erinnerungen über unangenehme und „soso-lala“ Reminiszenzen bis zu den schönen und sogar grandiosen Augenblicken durch die deutsche Fußballgeschichte.

Das waren noch Zeiten 1954, als Rahn aus dem Hintergrund schießen sollte und auch geschossen hat. Oder als die deutsche Nationalmannschaft 2014 im Halbfinale die brasilianischen Gastgeber mit 7:1 entzauberte. Oder als ein Obsthändler die Bundesliga in ihren Grundfesten erschütterte – dem großen Bundesligaskandal. Aufgedeckt wurde das „Verschieben“ von Spielen übrigens durch den Vereinspräsidenten von Kickers Offenbach, Horst-Gregorio Canellas, der bei der Feier seines 50. Geburtstages am 6. Juni 1971 die Gäste mit dem Abspielen eines Tonbandgerätes überraschte.

Aber auch ein gewisser Franz Brungs kommt vor in diesem amüsanten und schlauen Buch. Kennen Sie Franz Brungs? Das war der,  der den FC Bayern München  fast im Alleingang erledigte, am 2. Dezember 1967. Zwischen der 37. und 62. Minute traf Brungs viermal hintereinander. Katsche Schwarzenbeck, der dieser Tage 70 Jahre alt geworden ist, wird sich an diesen ominösen Dezembertag sicher immer noch erinnern.

Kurzweilig und recht persönlich geht Moritz an die besonderen Augenblicke der deutschen Fußballgeschichte ran – aus seiner Sicht sind die Geschichten grandios oder schrecklich. Der geneigte Fußballfachmann kann beim Lesen natürlich für sich selbst ausloten, in welche Kategorie er die Geschehnisse einordnen würde. Jedes Fußballherz schlägt ja bekanntlich anders. Und so ist der letzte Derby-Sieg der Münchner Löwen gegen den FC Bayern München im April 2000 für den einen (Moritz selbst zählt zu den verbliebenen eingefleischten Löwenfans) eine positive, wenn nicht sogar eine grandiose Erinnerung – für andere ist das nur eine Randerscheinung der Geschichte.

Eine gute Idee finde ich das Register am Ende des Buches. Bei 257 Seiten fetter Fußball-Informations-Fülle macht ein Namensregister Sinn. Und ich liebe beim Lesen kurze Kapitel – da kann man sich schnell vorwärts lesen, hat viele Aha-Effekte während der Lektüre und kann wunderbar in (Fußball-)Erinnerungen schwelgen. Herrlich!

Florian Pittroff
www.flo-job.de 

Verlagsinformationen zum Buch:
http://www.hoffmann-und-campe.de/buch-info/als-der-ball-noch-rund-war-buch-9518/

JP Delaney: The Girl Before

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Bild: Florian Pittroff, https://flo-job.de/

Ein Beitrag von Florian Pittroff

JP Delaney präsentiert mit „The Girl Before“ einen Thriller, der den Leser nicht mehr loslässt. Es gibt zwei Handlungsstränge. Zuerst erfolgt die Rückblende: „Damals. Emma“. Und dann „Heute: Jane“. Die Idee mit zwei unterschiedlichen Handlungen, die sich dann doch zu einer Geschichte verquicken, gefällt mir sehr gut. Ebenso, dass die einzelnen Kapitel jeweils kurz und knapp gehalten sind. Zum einem wird der Leser dadurch immer wieder zum Weiterlesen animiert und es verleiht dem Buch eine gewisse Dynamik.

Der Plot: Nach einem Schicksalsschlag braucht Jane dringend einen Neuanfang. Daher überlegt sie nicht lange, als sie die Möglichkeit bekommt, in ein hochmodernes Haus in einem schicken Londoner Viertel einzuziehen. Die Miete ist gering, doch der Regelkatalog, den der neue Mieter einhalten muss, ist alles andere als gewöhnlich. Doch bald erfährt Jane, dass ihre Vormieterin im Haus verstarb – und ihr erschreckend ähnlich sah.

Die Story rund um das Architektenhaus überzeugt, denn JP Delaney schafft es, sofort eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Der Spannungsbogen, der zu Beginn richtig abgeht, hängt dann allerdings durch. Der Mittelteil hatte ziemliche Längen, war zum Teil sehr vorhersehbar und unspannend. Aber, oh Glück, danach zog die Geschichte wieder an. Beim Zusammenfädeln der beiden Erzählstränge und bei der der Auflösung wurde das Tempo deutlich erhöht und man wollte das Buch nicht mehr zur Seite legen.

Die zwei – respektive vier Protagonisten – sind gut dargestellt. Die Story um das kalte Architektenhaus und die beiden Frauen Jane und Emma ist mit einer dicken Portion Sex aufgehübscht. „Ernsthaft spannend wird „The Girl before“, als sich herausstellt, dass die beiden Frauen Jane und Emma keineswegs nur bemitleidenswerte Opfer sind, sondern auch ihre kleinen, schmutzigen Geheimnisse haben – und nicht nur sie.“, schreibt Lukas Jenkner in der Stuttgarter Zeitung.

Seinem Fazit schließe ich mich an:  Mit „The Girl Before“, seinem ersten Psychothriller, ist JP Delaney „perfekte Thrillerkost auf hohem Niveau“ gelungen. Die Verfilmung ist bereits in Planung. Und beim Lesen fiel mir unter anderem ein berühmtes Vorbild ein: „Rebecca“ von Alfred Hitchcock.

Florian Pittroff
www.flo-job.de

Verlagsinformationen:
https://www.randomhouse.de/Paperback/The-Girl-Before-Sie-war-wie-du-Und-jetzt-ist-sie-tot-/JP-Delaney/Penguin/e502770.rhd

 

 

Andreas Föhr: Schwarzwasser

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Bild: Florian Pittroff, https://flo-job.de/

Florian Pittroff outet sich als echter Fan. Und meint: Der neue Wallner & Kreuthner – Krimi von Andreas Föhr ist wie die letzten auch: Echt überragend!

Als Kommissar Wallner die Nachricht erhält, man habe die Leiche eines alten Mannes gefunden, bleibt ihm beinahe das Herz stehen: Seit Stunden ist sein Großvater Manfred abgängig. Am Tatort angekommen, stellt Wallner erleichtert fest, dass Manfred wohlauf ist – er und Polizeiobermeister Kreuthner haben den Toten – Klaus Wartberg – entdeckt. Am Tatort findet sich auch eine verstörte junge Frau, die die Tatwaffe in der Hand hält. Schon bald stellt sich heraus, dass der Ermordete gar nicht tot sein dürfte. Ihn hat es nämlich nie gegeben. Wer also war der Tote wirklich? Was verbindet ihn mit der jungen Frau? Und warum musste er eine andere Identität annehmen?

Es ist wie bisher bei allen Krimis von Andreas Föhr: Der Leser ist ab der ersten Zeile drin im Geschehen. „Schwarzwasser“ entblättert sich in zwei Handlungssträngen. Diesmal sind 20 Jahre dazwischen. Zum einen befindet man sich im Jahr 1996 und es wird die Geschichte eines Strafverteidigers erzählt, der nicht so erfolgreich ist, aber es werden kann. Der 2. Erzählstrang sind die laufenden Ermittlungen in Miesbach. Föhr verknüpft beide Handlungsstränge gekonnt, spannend und logisch. Nach und nach entwickeln sich die Geschichte, dem Leser erschließen sich Kapitel für Kapitel die kleinen und großen Zusammenhänge.

Wie immer sind die Kapitel knapp gehalten und der Leser wird beständig weiter in die Geschichte hinein gezogen. Interessanter Kniff: Die Spannung mit einem kleinen Teaser am Ende des Kapitels richtig hochhalten. Noch dieses Kapitel und dann noch das nächste – und eh man sich versieht, hat man schon den halben Roman verschlungen.

Man denkt, man ist dem Täter auf der Spur – Täuschungsmanöver des Autors – ein Kapitel lese ich noch – aber dann –  und dann kommt noch eins. Selten einen Roman in der Hand gehabt, der mich so in den Bann gezogen hat: garniert mit witzigen Dialogen und trockenem Humor:

Mit einem Mal tauchten drei Gestalten wie aus einem Theaterstück vor ihm auf. Ein Mann in Lederhose und Lodenkotze, Gamsbart am Hut (…).Neben ihm eine Frau mit Pelzmantel-Imitat, unter dem sie ein glitzerndes Paillettenkleid trug (…). Und  schließlich – der Tod mit Sense in der Hand. Alle drei sahen Wallner an und schwiegen. „Ich hab mir Sorgen gemacht“, sagte Wallner zum Sensenmann.

Erneut ein raffinierter Plot! Die beiden Protagonisten, das Tegernseer Ermittler-Duo, Kommissar Clemens Wallner und Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner, sind in ihrem mittlerweile 7. Kriminalfall voll aufeinander eingespielt. Alle Personen sind grandiose Charaktere. Die Handlung ist klar, logisch und hat einige sehr überraschende Wendungen parat.

Die Kriminalromane von Andreas Föhr sind einerseits witzig und unterhaltsam, andererseits spannend und fesselnd,  sehr gut geschrieben und kommen – ganz wichtig – ohne grausige Brutalität aus. Ideale Sommerurlaubslektüre!

Text & Bild: Florian Pittroff
www.flo-job.de

Verlagsinformationen zum Buch:
https://www.droemer-knaur.de/buch/9253989/schwarzwasser

Philip Kerr: Die Hand Gottes

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Bild: Florian Pittroff, https://flo-job.de/

Fußballfreie Zeit – außer Confed Cup eben, aber der ist für echte Fans nicht ganz so prickelnd – da hab ich mir mal wieder einen Fußballroman angelacht: „Die Hand Gottes“ von Philip Kerr. Eines vorweg: Wer einen rasanten Thriller erwartet mit Action und Dramatik, bei dem die Spannung über den ganzen Roman hochgehalten wird, der sollte besser zu einem anderen Buch greifen. Dieser Roman ist nun wirklich alles andere als ein Thriller, auch wenn das Buchcover es so anpreist. Den Geschehnissen fehlt die Dramatik, Spannung ist etwas anderes. Der Roman ähnelt eher einer zwar soliden, aber langweiligen WM-Vorrunde, in der sich alle abtasten – ein spannendes Spitzenspiel sieht anders aus.

Der Plot ist dennoch nicht schlecht, so dass man das Buch nach den fast 400 Seiten recht zufrieden weglegen kann: Griechenland im Hochsommer. Die Sonne brennt, auf den Rängen im Hexenkessel des Karaiskakis-Stadions toben die Fans. Scott Manson, Cheftrainer und Ermittler wider Willen und sein Team vom skandalträchtigen Erstligisten London City wollen nur das Champions League Spiel gewinnen und nichts wie zurück ins kühle England. Da bricht Scotts Topstürmer vor laufenden Kameras tot zusammen. Die griechische Polizei stellt die gesamte Mannschaft unter Verdacht, der ukrainische Clubchef und Ex-Mafiaboss Sokolnikow verlangt schnelle Aufklärung. Doch als wenig später ein totes Escortgirl aus dem Hafenbecken von Piräus gefischt wird, weiß Scott, dass der Schuldige nicht unter seinen Spielern, sondern in der Chefetage von London City zu finden ist. Ein Spiel gegen den Gegner aus den eigenen Reihen beginnt.

Soweit so gut.

Der Autor verfügt über gut recherchiertes Hintergrundwissen aus der englischen und internationalen Fußball-Szene. Es ist auch etwas echt Besonderes, in einer fiktiven Geschichte reale Fakten über den aktuellen Profifußball zu erfahren. Und Kerrs Liebe zu Hertha BSC in den Roman einzubauen, ist zudem ein toller Kniff. Im Verlauf der Geschichte gibt es dann sogar einiges über Griechenland in Erfahrung zu bringen, über die dortige Wirtschaft, die Spannungen in der Gesellschaft und die Schwierigkeiten der Bevölkerung.

Allerdings kommen viel zu viele Charaktere vor – sich die Rolle und Bedeutung jeder Figur zu merken, wird durch die Vielzahl der doch recht komplexen, aber dennoch ähnlichen Namen der griechischen Protagonisten nicht gerade erleichtert. Man muss schon „höchschte Konzentration“ bewahren, wie Bundestrainer Löw zu sagen pflegt, und ab und an zurückblättern, um sich nochmals zu vergegenwärtigen, wer nun eigentlich wer ist und was er bisher für eine Rolle gespielt hat. Das unterbricht den Lesefluss und lässt auch die wenigen spannenden Momente meist im vor- und zurückblättern verpuffen, insbesondere auf den ersten einhundert Seiten. Das Ende wirkt auf mich ein wenig zu sehr konstruiert.

Eher ein grundsolider Kriminalroman denn ein echter Thriller. Oder um es mit dem Augsburger Dichter Bert Brecht zu sagen, der mit Fußball nichts am Hut hatte: “Wir stehen selbst enttäuscht und sehr betroffen – den Vorhang zu und alle Fragen offen“.

Ein Beitrag von Florian Pittroff
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Verlagsinformationen zum Buch:
https://www.klett-cotta.de/buch/Literarischer_Krimi/Die_Hand_Gottes/79981