Ulla Coulin-Riegger: Mutters Puppenspiel, Klöpfer, Narr Verlag

„Mit »Mutters Puppenspiel« legt die Neunundsechzigjährige ein erstaunliches Romandebüt vor. Psychologisch genau und jenseits literarischer Eitelkeiten gelingt ihr ein Kabinettstück zum Phänomen der Liebesmanipulation.“

So begeistert äußerte sich Angelika Overath über den Roman von Ulla Coulin-Riegger in ihrer Besprechung in der FAZ am 7. Mai 2020. Und tatsächlich ist der Psychotherapeutin mit ihrem ersten Roman ein kleines Kunststück gelungen.

Präzise und fast schon nüchtern erzählt sie von einer toxischen Mutter-Tochter-Beziehung: Die 38-jährige Lisette, obwohl als HNO-Ärztin mit einer eigenen Praxis beruflich erfolgreich, ist über die Maßen abhängig vom Urteil ihrer narzisstischen Mutter, die „Frausein“ über die Ehe mit einem wohlhabenden Mann und eigene Kinder definiert. Lisette erfüllt all dies nicht.

Als sie von ihrem verheirateten Geliebten schwanger wird, gerät das fragile Lebenskonstrukt ins Wanken und die Lesenden werden mitgerissen in diesen Kreislauf aus psychischen Manipulationen. Das Buch endet unerwartet und mit einer offenen Frage, die den ganzen Roman wieder in einem neuen Licht erscheinen lässt. Stilistisch erinnert es an entsprechende Romane von Marlene Streeruwitz und Elfriede Jelinek.

Ulla Coulin-Riegger wurde 1950 in Stuttgart geboren. Studium der Psychologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Nach dem Diplom Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin, seit 1996 niedergelassen in eigener Praxis als Verhaltenstherapeutin und systemische Familientherapeutin bei Esslingen.

Verlagsinformationen zum Buch: Mutters Puppenspiel

Besprechungen:

„Mit »Mutters Puppenspiel« legt die Neunundsechzigjährige ein erstaunliches Romandebüt vor. Psychologisch genau und jenseits literarischer Eitelkeiten gelingt ihr ein Kabinettstück zum Phänomen der Liebesmanipulation.“ – Angelika Overath in der FAZ
(7. Mai 2020)

„Die 38-jährige Lisette ist Ärztin und führt ein erfolgreiches Leben. Leid erfährt sie dennoch in Form der zurückgehaltenen Liebe ihrer Mutter.“ Heidenheimer Zeitung

„Die Protagonistin kann sich nicht selbst von ihren Marionettenfäden befreien, obwohl sie sich der Manipulation durch die Mutter bewusst ist.“ Stuttgarter Zeitung

„Ein spannendes, aufregendes und fesselndes kleines Buch, das viel über die Psyche und ihre Verstrickungen verrät.“ Leselupe.de

„Ulla Coulin-Riegger weiß, wovon sie in diesem Roman schreibt. Sie ist Psychotherapeutin, hört in ihrem Beruf von vielen Leben, denen eines zugrunde liegt: Ein schwieriges Verhältnis zu den Eltern“ – Buchperlenblog

„Dieser Roman wird insbesondere für weibliche Leser erhebliche Nachwirkungen haben. Es wird wohl nur wenige geben, welche die eigene Einstellung zur Rolle einer Mutter, Tochter und Frau nach der Lektüre dieses Romans nicht auf den Prüfstand stellen werden.“ – Renie`s Lesetagebuch

„Toll gemacht, fand ich im Nachhinein, toll von der Autorin konzipiert, gleich im ersten Satz die mentale und psychische Abhängigkeit der Schreiberin von der Mutter so knüppeldick, aber doch elegant verbrämt aufs Tapet zu bringen.“ – Claudia Schulmerich bei Weltexpresso

„Vor allem aber hat Lisette sich mit ihrem Emil – trotz einer Menge schöner Worte – jemanden geangelt hat, der seine Bedürfnisse stets in den Vordergrund stellen wird. Das kommt einem bekannt vor. Wie heisst es zu Anfang des Romans: Neben ihr bin ich klein. Vielleicht müsste es auch am Ende heissen: Klein will ich bleiben.“ – Yolanda Fäh bei Das Wort zum Buch

„Ein aufregender, absolut fesselnder Roman für alle Mütter und Töchter und alle an Psychologie interessierten Lesenden.“ – Andrea Zimmermann bei Eliport

„Fiktion oder Fallbeispiele aus ihrer Praxis? „Mutters Puppenspiel“ ist beides.“ – Claudia Ihlefeld in der Heilbronner Stimme.

Melinda Nadj Abonji: Tauben fliegen auf

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Bild: (c) Michael Flötotto

„Dragana dreht sich von mir weg, packt den Sparschäler, rüstet Kartoffeln und Karotten, die einfachsten Tätigkeiten, die nicht mehr für sich stehen, nur davon zeugen, dass wir hier nichts tun, denke ich, sagt sie, und ich sehe es plötzlich klar vor mir, die beiden Welten, die einander gegenüberstehen und sich nicht vereinbaren lassen, wir hier in der Schweiz und unsere Familien in Jugoslawien, im ehemaligen Jugoslawien, wie man sagt, das sind meine Feinde, und Dragana zeigt auf die Kartoffelschalen, fährt sich mit dem Handrücken über die Augen, ja, wir leben hier, die Schweizer, im Zuschauerraum, denke ich, das ist zumindest eine Wahrheit.“

Melinda Nadj Abonji, „Tauben fliegen auf“, 2010, Jung und Jung Verlag.

Während die Buchpreisblogger bereits die Longlist zum Buchpreis 2015 lesen, noch ein Blick zurück: Einige der früheren Longlist- und Buchpreis-Titel habe ich hier schon ab und an besprochen.
Unter anderem den Roman von Melinda Nadj Abonji. Die 1968 in Serbien geborene Schriftstellerin, die heute in der Schweiz lebt, gewann mit „Tauben fliegen auf“ 2010 den Deutschen und den Schweizer Buchpreis.

Die Küche eines kleinen Schweizer Cafés als Mikrokosmos, als Abbild des jugoslawischen Völkergemisches, in dem die verschiedenen Nationalitäten aufeinanderprallen – Serben, Kroaten, Bosnier. Melinda Nadja Abonji erhielt für ihren Roman 2010 den Deutschen Buchpreis. Zu Recht. Nadj Abonji, selbst aus der Vojvodina stammend, dieser serbischen Region mit hohem ungarischen Anteil, beschreibt hier ihre Familiengeschichte. „Papierschweizer“, die sich ihr „menschliches Schicksal“ in der Eidgenossenschaft erst noch erarbeiten müssen. Die Eltern sind aus wirtschaftlicher Not in die Schweiz gekommen, lange, bevor der Bürgerkrieg die Nation Jugoslawien ein für alle mal verändert.

Zwischen zwei Welten

Dieser Krieg holt die Familie in der neuen Heimat ein und trennt sie zugleich von der alten, kappt die Wurzeln: Im Ungewissen bleibt, was mit den Familienangehörigen dort geschieht. In der neuen Welt, bei den „Käsigen“, noch nicht richtig angekommen, vielleicht auch immer „Mischwesen“ bleibend, ist der Zugang zur Herkunft gekappt.
Aber auch dort, in dieser Kultur, waren sie bereits „die Schweizer“. „Mein Land liegt im Sterbebett“, sagt einer der Flüchtlinge. Und die neue Heimat ist keine Geburtswiege, keine Gemeinschaft, die Fremde ohne weiteres aufnimmt.

Abonji erzählt dies nicht anklagend, nicht lamentierend. Im vordergründigen Sinne ist das Buch zudem eher ein Entwicklungsroman: Wie sich eine junge Frau auch aus dem Korsett der Familie löst, wie sie, hineingeworfen in die neue Welt, anfängt, eigene Wege zu gehen. Das gibt am Ende auch Hoffnung, dass Ankommen – zumindest in der zweiten Generation – doch möglich ist.

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