Hedwig Lachmann: Gesammelte Gedichte

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Bild von Alain Audet auf Pixabay

Spaziergang

Die Sonne steht schon tief. Wir scheiden bald.
Leis sprüht der Regen. Horch! Die Meise klagt.
Wie dunkel und verschwiegen ist der Wald!
Du hast das tiefste Wort mir nicht gesagt. –

Zwei helle Birken an der Waldeswand.
Ein Spinngewebe zwischen beiden, sieh!
Wie ist es zart von Stamm zu Stamm gespannt!
Was uns zu tiefst bewegt, wir sagen’s nie. –

Fühlst du den Hauch? Ein Zittern auf dem Grund
Des Sees. Die glatte Oberfläche bebt.
Wie Schatten weht es auch um unsern Mund –
Wir haben wahrhaft nur im Traum gelebt. –

Hedwig Lachmann (1865-1918)

Prägen Landschaften die Menschen, die in ihnen leben?
Ich meine: In gewisser Weise schon.
Die jüdische Dichterin Hedwig Lachmann wuchs in der unspektakulären Landschaft Mittelschwabens auf, wo sie nach einem wechselvollen Leben auch starb. Das Kleinräumige, das nach Weite schreit, das herbstlich Karge, das sich im Sommer fast schon wieder in das Kitschig-Liebliche wandeln kann, das Bodenständige, das Zurückgenommene  – all das ist in dieser Landschaft. Und es ist in den Gedichten Lachmanns zu spüren, die immer wieder in diese schwäbische Gegend zurückkehrte: Hier war ihre Familie, hier ihre Heimat.

Ebenso sind in den Gedichten auch Sehnsucht nach einem stillen Ort, nach menschlicher Wärme und eine leise Herzensklugheit zu spüren, die jene in den Blick nimmt, die keinen Ort mehr haben:

Winterbild

In meinem Zimmer ein paar frische Blumen,
Die allen Wintermissmut mir vertreiben.
Ein Vöglein pickt vor meinem Fenster Krumen
Und guckt dabei zutraulich durch die Scheiben.

In Stroh und Bast die Bäume eingeschlagen,
Damit der strenge Frost sie nicht berühre,
Die Beete wohl verwahrt vor kalten Tagen –
Und, blossen Haupts, ein Bettler vor der Türe.

Diese Mischung aus leiser Melancholie und Mitgefühl ist ein Kennzeichen dieser Dichterin, die dem Vergessen zum Opfer fiel. Wer nur diese Seite ihrer Lyrik kennenlernt, erhält jedoch ein falsches, einseitiges Bild: Hedwig Lachmann war ebenso eine engagiert politisch denkende Frau, eine, die ihren Weg wählte und ging, jedoch ohne viel Aufhebens darum zu machen. Mir scheint, sie war eine stille Unangepasste – eine, die früh selbständig war, die zum selbständig Denken erzogen worden war und durchaus auch deshalb nicht den einfachsten ihr dargebotenen Weg einschlug.

Hedwig Lachmann kam im August 1865 in Pommern zur Welt. Sie war die Älteste der sechs Kinder des Kantors Isaac Lachmann und dessen Frau Wilhelmine. Die Familie zieht 1873 nach Hürben bei Krumbach um. In diesem  schwäbisch-bayerischen Ort existierte von 1675 bis 1942 eine meist sehr große jüdische Gemeinde, allein um 1840 gehörten zu ihr 652 Mitglieder. Bereits um 1900 war die Gemeinde jedoch auf 123 Personen gesunken. 40 Jahre später überleben nur wenige Hürbener Juden, die rechtzeitig auswandern konnten, den Nationalsozialismus.

Als Hedwig Lachmann nach Hürben kommt, ist die jüdische Gemeinde bereits sehr klein, aber noch intakt. Ihr Vater ist dort ebenfalls als Kantor und Lehrer tätig. Sie selbst besucht die Mädchenschule in Krumbach und legt dank ihrer Sprachbegabung bereits mit 15 Jahren ein Lehrerinnen-Examen in Augsburg ab. 1882 – also gerade erst 17 Jahre alt – übernimmt sie ihre erste Stellung als Gouvernante in England, dann folgen Aufenthalte in Dresden, ab 1887 in Budapest, ab 1889 schließlich lebt sie in Berlin.

 

Schon zu dieser Zeit schrieb Lachmann eigene Gedichte und arbeitete ab und an journalistisch. Ihre ersten Veröffentlichungen umfassen jedoch vor allem noch Nachdichtungen und Übersetzungen, unter anderem “Ungarische Gedichte” von Alexander Petöfi sowie Nachdichtungen der Lyrik Edgar Allan Poes. Gefördert wurde ihr Talent vor allem von Richard Dehmel, mit dem sie ab 1892 einen intensiven Briefwechsel führt. Mit dem Lyriker verbindet sie eine komplizierte Beziehung – er, damals noch verheiratet mit der Märchendichterin Paula Oppenheimer, sehnt sich nach einer Ménage à trois, will die Lachmann nicht nur platonisch lieben. Sie schreckt davor zurück – und entzieht sich der Situation durch ihren Umzug nach Budapest. Die Freundschaft zu Dehmel zerbricht endgültig 1914, als dieser sich, wie so viele andere Intellektuelle, vom Taumel der Kriegsbegeisterung mitreißen ließ. Er ließ sich, so schreibt sie an einen Freund, “von der Sturzwelle der nationalen Leidenschaft fortreißen”, er habe “seinen Beruf verkannt.”

Auch wenn Hedwig Lachmann sich selbst nicht als Anarchistin bezeichnete, politisch Stellung nahm sie gleichwohl. Vor allem für einen unbedingten Pazifismus. Ihr Antikriegsgedicht ist auch als entschiedene Reaktion auf den blinden Nationalismus der Vorkriegsjahre zu verstehen:

Mit den Besiegten

Preist Ihr den Heldenlauf der Sieger, schmückt
Sie mit dem Ruhmeskranz, Euch dran zu weiden –
Ich will indessen, in den Staub gebückt,
Erniedrigung mit den Besiegten leiden.

Geringstes Volk! verpönt, geschmäht, verheert
Und bis zur Knechtschaft in die Knie gezwungen –
Du bist vor jedem stolzeren mir wert,
Als wär’ mit dir ich einem Stamm entsprungen!

Heiß brennt mich Scham, wenn das Triumphgebraus
Dem Feinde Fall und Untergang verkündet,
Wenn über der Zerstörung tost Applaus
Und wilder noch die Machtgier sich entzündet.

Weit lieber doch besiegt sein, als verführt
Von eitlem Glanz – und wenn auch am Verschmachten,
Und ob man gleich den Fuß im Nacken spürt –
Den Sieger und das Siegesglück verachten.

Bei Richard Dehmel lernt Hedwig Lachmann jedoch bereits 1899 Gustav Landauer kennen – es muss, so kitschig das klingt, Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Denn das Paar entscheidet sich unmittelbar nach dem ersten Zusammentreffen für einen gemeinsamen Aufenthalt in England, obwohl Landauer noch verheiratet ist. 1902 kehren sie mit ihrer in England geborenen ersten Tochter nach Berlin zurück, der gemeinsame Freund Erich Mühsam besorgt ihnen dort eine Wohnung. Erst 1903 kann sich Gustav Landauer scheiden lassen und Hedwig Lachmann heiraten, 1906 wird die zweite Tochter Brigitte geboren. Die beiden geben sich zunächst großen Halt, auch wenn sich Landauer in der Zeit ihrer Ehe auch in andere Frauen verliebt.

Aus deiner Liebe …

Aus deiner Liebe kommt mir solch ein Segen,
Sie macht mein Herz so sorglos und so fest,
Ich kann so ruhig mich drin niederlegen,
Wie sich ein Kind dem Schlafe überlässt.

Ich geh dahin von Zuversicht getragen,
Seit neben deiner meine Seele schweift;
So, wie man wohl an schönen Sommertagen
Durch reife Ährenfelder sinnend streift.

Da gleiten sanft die Finger über Blüten
Und Halme hin, wie eine Mutter pflegt,
Und alles Leben möchte man behüten,
Das seine heil’ge Saat zum Lichte trägt.

1902 veröffentlicht Hedwig Lachmann wieder eigene Gedichte – zuvor war sie vor der Außenwelt vor allem durch ihre Übersetzungen von Poe, Oscar Wilde und Balzac hervorgetreten. Einige dieser Übertragungen sind durchaus noch in Gebrauch: So Balzacs „Frau von 30 Jahren“, erschienen als Fischer Klassik Taschenbuch. 1905 folgt eine Oscar-Wilde-Monographie aus ihrer Feder

1917 ziehen die Landauers wegen der schlechten Ernährungslage zurück nach Bayern – Hedwig kehrt an den Ort ihrer Kindheit zurück. Am 21. Februar 1918 stirbt sie in Krumbach an einer Lungenentzündung. Sie ist dort auf dem jüdischen Friedhof im Orsteil Hürben begragen. Der tieferschütterte Landauer gibt im Jahr nach ihrem Tod ihre “Gesammelten Gedichte” bei Kiepenheuer heraus. Landauer selbst wird 1919, nach dem Scheitern der Münchner Räterepublik, von Soldaten ermordet.

Hedwig Lachmann hat viele wunderbare Gedichte hinterlassen, die es wieder zu entdecken gilt. Und sie gab ihr Talent trotz des viel zu kurzen Lebens weiter: Ihr Enkel ist Mike Nichols, geboren 1931 in Berlin als Michael Igor Peschkowsky, der als Regisseur unter anderem mit “Die Reifeprüfung”, “Catch 22″ und “Silkwood” für gutes Kino sorgte.

 

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Sophia&Nathaniel Hawthorne: Das Paradies der kleinen Dinge

„Wie glücklich Adam und Eva waren! Niemand drängte sich zwischen sie, und all die Unendlichkeit, die sie umgab, diente nur dazu, ihre Herzen enger aneinander zu binden. Wir lieben einander ebenso sehr wie sie, doch für uns gibt es keinen stillen und lieblichen Garten Eden. Meine Liebste, willst du mit mir fortsegeln, um irgendeine Sommerinsel zu entdecken? – Glaubst du nicht auch, dass Gott seit Anbeginn der Zeit eine für uns reserviert hat?“

Nathaniel Hawthorne an Sophia Peabody. Boston, 21. April 1840

Das Zitat ist dem gemeinsamen Tagebuch von Nathaniel und Sophie Hawthorne vorangestellt. “Das Paradies der kleinen Dinge” erschien nun zum 150. Todestag des amerikanischen Autors.

Nur noch knapp zwei Jahre soll es währen, dann findet Hawthorne mit seiner Sophia seinen Garten Eden (allerdings weniger in lieblicher denn in rauer Natur), sein „Paradies der kleinen Dinge“. Wie es aber immer so ist mit paradiesischen Zuständen: Glück, von außen betrachtet, kann auf Dauer etwas monoton wirken. So monoton wie die Gräuselungen auf dem Concord River. Der nämlich ist, so lässt es ein Tagebucheintrag von Nathaniel Hawthorne vermuten, eine recht zähfließende Angelegenheit.

„Doch wenn ich den Fluss als Ganzes betrachte, finde ich nichts, was sich besser zum Vergleich eignet als einer dieser fast reglosen Würmer, die ich ausgrabe, um sie als Köder zu benutzen. Der Wurm ist träge, und ebenso der Fluss – der Fluss ist schwammig und ebenso der Wurm – man weiß kaum, ob sie lebendig oder tot sind, doch mit der Zeit gelingt es beiden trotzdem davonzukriechen.“

Bei solchen Stellen atmet man als Leser beinahe erleichtert auf: Da ist er wieder, der gute, altvertraute Miesepeter, der Skeptiker vor dem Herrn (Peter Handke spricht in seinem Vorwort von „Hawthornes geradezu elementarer Reizbarkeit und Verdrießlichkeit), der in diesem Tagebuch ansonsten eher in den Fluten seiner Liebesprosa untergehen zu droht. Denn: Anstrengend kann es mitunter sein, den Erzählungen frischverliebter oder angetrauter Paare zu lauschen. Man freut sich mit dem jungen Glück, doch spätestens nach dem zweiten Video von Traumhochzeit und Honeymoon fällt das geduldige Zuhören schwer. Und nun stelle man sich vor, es handelt sich hierbei um ein Flittern, das sich über beinahe anderthalb Jahre erstreckt, das sich zudem in ländlicher Zurückgezogenheit und dadurch bedingter Selbstgenügsamkeit des Paares abspielt – und dies alles in Tagebuchform festgehalten.

Eine literarische Wiederentdeckung

Passend zum 150. Todestag des amerikanischen Schriftstellers Nathaniel Hawthorne, der am 19. Mai 1864 in Plymouth verstarb, veröffentlichte der Verlag Jung & Jung nun eine literarische Wiederentdeckung: Das gemeinsame Tagebuch des Autors, der insbesondere für seine düstere Abrechnung mit den puritanischen Vorfahren in „Der scharlachrote Buchstabe“ weltberühmt wurde, mit seiner ihm frisch angetrauten Frau Sophia. Die beiden bezogen unmittelbar nach ihrer Hochzeit im Juli 1842 ein altes Pfarrhaus – „The Old Manse“ in Massachusetts, das auch heute noch als Museum zu besichtigen ist. Ihr gemeinsames Leben halten sie in einem gemeinsamen Tagebuch, „The Common Journal”, fest, das sich bis zum November 1843 erstreckt. Dank der Übersetzung durch Alexander Pechmann kann nun auch der deutschsprachige Leser in „Das Paradies der kleinen Dinge“ eintauchen. Und wird zunächst einmal überrascht. Denn Hawthorne, der ein ähnlich düsteres Menschenbild pflegte wie andere Vertreter der amerikanischen Literatur seiner Zeit – beispielsweise Melville, mit dem er vorübergehend befreundet war, und Edgar Allan Poe – zeigt sich privat von einer helleren Seite. Statt dunkler Literatur-Romantik helle Liebes-Romanze. Es ist die „kleine Frau“, die Frieden seiner Seele bringt, die wilden Blumen zu zarten Gebinden ordnet und das karge Pfarrhaus wohnlich macht. Wäre nicht so viel echtes Gefühl aus diesen Zeilen zu lesen, was wiederum sehr anrührend wirkt – so wäre mancher Tagebucheintrag auch nahe am Kitsch. Oder von unfreiwilliger Komik, so Sophias Seelenerguss vom 9. Mai 1843:

„Liebster Gatte, du solltest nicht arbeiten müssen, vor allem nicht mit den Händen, & du hasst es zu Recht. Du bist ein Engel, der kam, die noch schlafende Natur & die Menschen zu beobachten, ohne dazu gezwungen zu sein, doch mit Fortpflanzung oder dem Wegräumen von alten Abfall abzumühen. Apollo inmitten seiner Herden hätte nicht so deplatziert aussehen können wie du mit Säge&Axt&Rechen.“

Mittelpunkt der amerikanischen Literatur

Man wünschte sich ab und an mehr vom Skeptizismus, der Hawthornes Werken ansonsten innewohnt, mehr von den kritischen Betrachtungen, die sich allerdings, mangels menschlicher Begegnungen, vor allem in den Reflexionen über die Natur Bahn brechen. Hawthorne, der am Rande dem Kreis der Transzendentalisten angehörte, hatte schon Erfahrungen mit back-to-the-roots gemacht, als er für ein halbes Jahr auf der Brook Farm lebte, einem frühen Kommune-Projekt. Dass dem nicht sein Lebensstil war, wurde dem schüchternen Mann relativ schnell deutlich. Die Zweisamkeit, so vermittelt es auch das Tagebuch, lag dem Schriftsteller mehr. Allerdings war „The Old Manse“ kein unbedacht gewählter Ort – in unmittelbarer Nähe lebte Ralph Waldo Emerson, Margaret Fuller kam häufig vorbeispaziert und Henry David Thoureau wurde ein beliebter Gesprächspartner von Hawthorne. So ist das Tagebuch ein Fundus für alle, die an dieser literarischen Epoche interessiert sind. Oder die die Geduld haben, einem schwärmerischen Paar zu folgen.

Man weiß es jedoch nicht, ob in dem „Common Journal“ nicht irgendwann doch Sprengkraft steckte – den Sophia hat es, nach Nathaniels Tod, streng zensiert, ganze Seiten darin vernichtet. So sind etliche private Einträge für immer verloren – so (verständlicherweise) ihre Gedanken nach ihrer Fehlgeburt. Aber vielleicht auch der eine oder andere Hinweis auf kleine Zwistigkeiten im Paradies. Wenn auch der Ton streckenweise zu elegisch anmutet, so betont Peter Handke im Vorwort zum Tagebuch zu Recht:

„Ihrer beider Liebesgeschichte ist in zweifacher Hinsicht eine Dreiecksgeschichte, erst einmal im Dreieck mit der Natur, und dann im Dreieck mit den Menschen, mit den Verwandten, stärker wohl noch mit den Freunden, insbesondere Emerson und Thoreau, die zu dem einstigen Pfarrhaus auf Besuch kommen.“

Die Naturbeschreibungen Hawthornes und seine Reflexionen dazu sind es, die dieses Tagebuch insbesondere lesenswert machen:

„Hohes Alter gibt Flieder, Rosenbüschen und anderen Ziersträuchern ein einmaliges Aussehen. Es scheint, als ob sie, die nur der Schönheit wegen wachsen, in ewiger Jugend gedeihen oder wenigstens sterben sollten, bevor sie hinfällig werden. Sie sind Paradiesbäume und deshalb naturgemäß nicht dem Verfall unterworfen, doch sie haben ihr Geburtsrecht verloren, als man sie hierher verpflanzte. Die Vorstellung eines altehrwürdigen Rosenbusches erscheint irgendwie lächerlich unpassend, und hierfür gibt es eine Entsprechung im Menschenleben. Menschen, die nur anmutig und dekorativ sein können – die der Welt nichts als Blumen geben können – sollten jung sterben und nie mit grauem Haar und Falten gesehen werden, so wie Blumensträucher kein Moos auf der Rinde und spärliches Laub haben sollten wie der Flieder unter meinem Fenster. Nicht dass Schönheit der Unsterblichkeit nicht würdig wäre – eigentlich ist nichts anderes dessen würdig -, und daher vielleicht das Gefühl der Unangemessenheit, wenn wir sehen, wie die Zeit über sie triumphiert. Apfelbäume andererseits werden tadellos alt.“

Zwischen dem Kampf gegen den Kürbiskäfer, der großen Raum einnimmt, Apfelernte und den Ziehen eigener Bohnen liegt die eigene schriftstellerische Tätigkeit jedoch brach, was ab und an zu reizbaren Ausbrüchen Nathaniels führt:

„Ich glaube, dass dieses Wetter Laune und Gemüt sehr ungünstig beeinflusst – es herrscht eine Verdrießlichkeit, eine Ruhelosigkeit, eine durchdringende Unzufriedenheit, in Verbindung mit einer absoluten Unfähigkeit, den Geist zu irgendeiner ernsthaften Anstrengung zu bewegen. Was literarische Produktion angeht, ist der Sommer für mich nutzlos und unrentabel gewesen, und ich kann nur hoffen, dass meine Kräfte sich für den Herbst und Winter erholen.“

Tatsächlich scheinen das Leben auf dem Lande, aber vor allem die Ehe mit Sophia auf lange Sicht heilsam für Nathaniel, der bis zu seinem 30. Lebensjahr etwa kaum Anerkennung für seine schriftstellerische Tätigkeit gefunden hatte, gewesen zu sein: Seine drei großen Romane, die ihn zu seiner Zeit berühmt machten, entstanden alle nach der Zeit in „The Old Manse“. Er fand und verstand, wo – so aus dem Verlagstext – das Paradies verborgen sein könnte: in den kleinen Dingen des Alltags.


Bild zum Download: Rote Rosen