H. G. Wells: Die Zeitmaschine

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Bild von PIRO4D auf Pixabay

„Was war eigentlich diese Zeitreiserei? Ein Mann konnte sich doch nicht mit Staub bedecken, in dem er sich in einem Paradoxon herumwälzte, oder?“

H.G. Wells, „Die Zeitmaschine“, 1895.

Er ist der literarische Vater von Asimov, Orwell und Huxley, Großpapa sozusagen aller modernen Sci-Fi-Autoren, nebst Jules Verne derjenige, der diese Literatur erfand: Herbert George Wells. „Die Zeitmaschine“, „Die Insel des Dr. Moreau“ und „Krieg der Welten“ zählen zu seinen bekanntesten Werken. Romane, die, obwohl vor mehr als einem Jahrhundert geschrieben, immer noch eigenartig modern wirken. Und vor allem düster – wenn H.G. Wells in die Zukunft der Menschheit sah, dann sah er schwarz.

Wells wurde 1866 in Bromley geboren. Dass er später Weltruhm und Wohlstand als Autor erreichen sollte, war ihm nicht in die Wiege gelegt – er kam aus sogenannten „kleinen“ Verhältnissen, die Eltern betrieben ein kleines Geschäft, das gerade zum Auskommen reichte. Dank eines Stipendiums konnte er jedoch studieren, unter anderem Geschichte, Soziologie und Biologie. Dabei lernte er die Ideen Darwins kennen, die ihn nachhaltig beeinflussten. In allen seinen Romanen – bis heute schätzen die Briten auch Wells realistische, oftmals gesellschaftskritische Werke, die im deutschsprachigen Raum eher unbekannt sind – sind seine akademischen Grundlagenkenntnisse spürbar. Und sein zentrales Anliegen: Die Menschheit zu verbessern. Wells, eigentlich ein pessimistischer Humanist, verzweifelte an den Geschehnissen der Zeitgeschichte, insbesondere der 2. Weltkrieg trieb ihn in die Depression. Er starb am 13. August 1946 in London.

„Die Zeitmaschine“ gilt als das Pionierwerk der Science-Fiction-Literatur. Ausgangspunkt ist ein typisch britisches Setting: Einige Freunde sitzen am Kamin, diskutieren Weltangelegenheiten. Der Gastgeber sinniert über die Zeit. Sie sie eine weitere Dimension. Schließlich führt er seinen Freunden eine von ihm entwickelte Zeitmaschine vor – und verschwindet vor ihren Augen in das Jahr 802701.

Zunächst erscheint dort alles beinahe paradiesisch. Der Forscher trifft tagsüber auf die kindlich wirkenden Eloi, Nachfahren der Menschen. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Nachts kommen die Morlocks, die die Eloi wie Schlachtvieh züchten. Der Forscher entkommt dieser Welt mit knapper Not, um dann in keiner besseren aller Zeiten zu landen – die nächste Zeitreise führt ihn in eine öde, unbewohnbare Welt, die knapp vor dem Kollaps durch Überhitzung steht. Es ist, als habe Wells den Klimawandel vorausgesehen – und das bereits 1895. Nach seiner letzten Reise in die Zeit bleibt der Forschende schließlich verschollen.

Mit seiner Anklage von menschlicher Unterdrückung in Gesellschaften, die auf einem Klassensystem gründen, zielte Wells zwar auf eine Kritik der Zwei-Klassen-Gesellschaft ab, die sich in Zeiten der Industrialisierung herausgebildet hatte. Doch der Roman ist, betrachtet man ihn als Mahnung, zeitlos, eine politische Parabel, die ihre Gültigkeit behält. Als Genreroman mag dieses Buch vielleicht in den Augen jüngerer Leser technisch überholt wirken – als Dystopie und politische Satire dagegen funktioniert er immer noch. Leider.

Verlagsinformationen:
Bei dtv erscheint „Die Zeitmaschine“ im Januar 2017 in einer neuen Übersetzung –
https://www.dtv.de/buch/h-g-wells-die-zeitmaschine-14546/

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