KRÖNER VERLAG: Lothar Ledderose – China Schreibt Anders

In einer Zeit, da China immer wichtiger wird, wird es auch immer wichtiger, China zu verstehen. Viel ist da noch zu tun. Die chinesische Schrift ist das komplizierteste System von Formen, welches die Menschheit geschaffen hat, und ein Alleinstellungsmerkmal der chinesischen Kultur. Eine Analyse dieses Systems lässt die grundlegende Andersartigkeit Chinas verstehen, in Erziehung, Religion und Politik. In „China Schreibt Anders“ berichtet Lothar Ledderose vom Wunder der chinesischen Schrift.

Lothar Ledderose ist Seniorprofessor für die Kunstgeschichte Ostasiens in Heidelberg. Von ihm erschien u.a. ›Mi Fu and the Classical Tradition of Chinese Calligraphy‹ (1979) und ›Ten Thousand Things. Module and Mass Production in Chinese Art‹ (2000). Er leitet ein Langzeitprojekt der Heidelberger Akademie zur Erforschung der buddhistischen Steinschriften in China. 2005 erhielt er den Balzan-Preis.

Informationen zum Buch:
Lothar Ledderose
China Schreibt Anders
Heidelberger Akademische Bibliothek
2021, 120 Seiten. Leinen mit Schutzumschlag
€ (D) 19,90 · ISBN: 978 3 520 90008 1
https://www.kroener-verlag.de/details/product/china-schreibt-anders/

Stimmen zum Buch:

„Auf seinen kaum mehr als 100 Seiten richtet Ledderose unseren Blick auf zentrale Aspekte der chinesischen Kultur, die im Alltagsgeschäft der Nachrichten keinen Platz finden können. Erhellend, bereichernd, Neugier erweckend. Man wünscht es auf vielen Schreibtischen von Entscheidungsträgern.“ – Tilman Spengler, Süddeutsche Zeitung

„Die Lektüre dieses Buches ist jedoch jedem Interessierten unbedingt zu empfehlen. Man muss dem Autor nicht in allen Einschätzungen zustimmen und kann dennoch von vielen gedanklichen Anregungen profitieren, die dazu einladen, über die Bedeutung von Schrift, nicht nur in China, nachzudenken. „Die vier Zeichen des Titels der chinesischen Volkszeitung (Renmin ribao) hingegen sind in der Handschrift von Mao Zedong geschrieben“, erinnert uns Ledderose an die Synthese von Handschrift und Persönlichkeit in China. Und wir begreifen schnell: Trotz allem Individualismus der westlichen Literatur hat es keine Handschrift je in den Titel einer Zeitung geschafft.“ – Wolfgang Hirn bei „ChinaHirn“

„Ledderose geht einen anderen, faszinierenden und einleuchtenden Weg.“ – Georg Patzer, Mannheimer Morgen.

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Alfred Kröner Verlag

NEISSUFERVERLAG: Märchenhaftes China für Kinder und Jugendliche

Für erwachsene Leserinnen und Leser ist die Literatur über China inzwischen beinahe unüberschaubar. Das Reich der Mitte übt mit seinen ganzen Widersprüchen eine große Faszination auf den Westen aus.

Nicht ganz so umfangreich ist das Lektüreangebot über China für Kinder und Jugendliche. Mit einem Abenteuerroman für Kinder ab neun Jahren, der von einer profunden China-Expertin stammt, punktet da der Neissuferverlag: „Karatabar oder die Suche nach dem verlorenen Reich“ von Ulla Kerckhoff.

Die märchenhafte Geschichte führt die beiden Kinder Sina und Jonas mitten hinein in das 15. Jahrhundert der chinesischen Ming-Dynastie. Bei ihrer Reise in die Vergangenheit erleben sie nicht nur eine Menge Abenteuer, sondern lernen auch chinesische Sitten und Gebräuche kennen. 

Die im März 2020 im Alter von 77 Jahren verstorbene Kinderbuch-Autorin Ulla Kerckhoff kannte China gut aus eigener Anschauung. Die renommierte Grafikerin, die unter anderem zahlreiche Buchillustrationen sowie Textil- und Fliesendesign entworfen hatte, reiste mehrmals durch den asiatischen Raum. Die beeindruckendste ihrer drei China-Rundreisen (1988-1995) war eine Fahrt entlang der nördlichen Route der Seidenstraße durch Zentralasien bis nach Peking. Angeregt durch diese Reiseimpressionen erfolgten Aquarellausstellungen, bis schließlich die Idee entstand, diese Eindrücke in einem spannenden Abenteuer-Jugendbuch zu verarbeiten.

„Karatabar oder die Suche nach dem verlorenen Reich“ ist ein hochwertig gestaltetes Hardcover-Buch mit zahlreichen Illustrationen und ergänzt durch eine Zauberkarte – ein ideales Weihnachtsgeschenk für Kinder, die bereits selbst lesen können. Alle Informationen dazu inklusiver einer Leseprobe finden sich hier: https://neissuferverlag.de/nv-buch/karatabar-oder-die-suche-nach-dem-verlorenen-reich/

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Neissuferverlag.

KRÖNER VERLAG: Kai Vogelsang – China und Japan. Zwei Reiche unter einem Himmel

Die chinesisch-japanischen Beziehungen sind ein Paradox: Chinesen und Japaner waren im Laufe ihrer Geschichte die größten Freunde und die ärgsten Feinde; sie liebten sich und sie hassten sich; sie hatten höchsten Respekt voreinander und verachteten einander zutiefst; sie glichen sich an und grenzten sich ab; sie waren dem anderen Segen und Fluch. Doch nie konnten sie sich voneinander lösen. So unentwirrbar sind ihre kulturellen Traditionen ineinander verstrickt, dass ein Land nicht mehr ohne das andere denkbar ist. Trotzdem versteigen sich aktuell selbst Wissenschaftler dazu, von einem ›ewigen Konflikt‹ zwischen den beiden Ländern zu sprechen. 

Kai Vogelsang will mit seiner chinesisch-japanischen Kulturgeschichte einen Beitrag dazu leisten, dieses Bild ins rechte Licht zu rücken. Ein mutiges Buch, das Europäern, die gegenüber dem fernen Ostasien gerne etwas ignorant auftreten, die Kulturen dieser beiden faszinierenden Länder ein Stück näherbringt.

Kai Vogelsang, geb. 1969, studierte von 1989 bis 1994 Sinologie und Volkswirtschaftslehre in Hamburg und Taipeh, wurde 1997 in Hamburg promoviert und habilitierte sich 2004 in München für Sinologie und Manjuristik. Er ist seit 2008 Professor für Sinologie im Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg und Mitherausgeber der Zeitschrift Oriens Extremus. Publikationen (u.a.): Geschichte als Problem. Entstehung, Formen und Funktionen von Geschichtsschreibung im Alten China (Wiesbaden 2007), Geschichte Chinas (Stuttgart 2012), Kleine Geschichte Chinas (Stuttgart 2014), Jiao Bin lu kangyi huijiao (Shanghai 2015).

Informationen zum Buch:
Kai Vogelsang
China und Japan. Zwei Reiche unter einem Himmel
Alfred Kröner Verlag Stuttgart, 2020
528 Seiten, Festeinband, 700 g
ISBN 9783520256010

Stimmen zum Buch:

„Sie können nicht miteinander, aber sie können auch nicht ohneeinander“: So fasst der Hamburger Sinologe Kai Vogelsang die chinesisch-japanischen Beziehungen zusammen. In seinem glänzenden Buch über Zwei Reiche unter einem Himmel geht er zurück bis vor die Zeit des Kaisers Qin shi huangdi, der China im Jahr 221 v. Chr. einte.“ – Matthias Naß, Die Zeit

„Ein an Paradoxen übervolles Verhältnis der beiden Länder, das der Hamburger Sinologe Kai Vogelsang in einem außergewöhnlich gedankenreichen, zum Weiterdenken anregenden Buch dargestellt hat.“ – Mark Siemons, FAZ

„Eine kenntnisreiche und farbig erzählte Studie, die das Zeug zum Standardwerk hat.“ – Katharina Borchardt, SWR

„Vogelsang ist nach seinem Buch „Geschichte Chinas“ ein weiteres Standardwerk gelungen.“ – Wolfgang Hirn

„Die Darstellung einer solch langen und komplexen Beziehungskiste ist eine Herausforderung. Vogelsang meistert sie mit souveränem Schwung.“ – Martin Oehlen, Bücheratlas

„Wer die japanisch-chinesische Entwicklung und damit auch das Heute besser verstehen will, dem sei dieses profunde Buch sehr empfohlen.“ – Dr. Heike Talkenberger, Damals

Ein Gastbeitrag von Prof. Vogelsang in der NNZ zum Thema: Die Geburt Chinas in Japan

Martha Gellhorn: Reisen mit mir und einem Anderen. Fünf Höllenfahrten.

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Bild: (c) Michael Flötotto

„Der Sonnenuntergang leuchtet rot an einem unermeßlich weiten Himmel. Die kleinen Berge und gewaltigen Felsen aus Vulkangestein stehen schwarz gegen das Licht. Funkelnde Feuer brennen in den Dörfern. In Richtung Garua nehmen die Felsblöcke seltsame Gestalt an – ein großer Affengott, ein Buddha; außer dem Geräusch des Wagens ist kein Laut zu vernehmen, und niemand ist zu sehen. Ich spüre, daß der Mensch auf diesem Erdteil nur ein Zwischenspiel von kurzer Dauer ist. Kein Land erschien mir je älter, weniger berührt oder geprägt von der menschlichen Rasse.“

Martha Gellhorn, „Reisen mit mir und einem Anderen. Fünf Höllenfahrten“.

Ja, es gibt sie auch in diesem Buch, die romantischen Momente, die das Reisen mit sich bringt, diese Augen- und Anblicke, die so überwältigend sind, dass die Poesie der Sprache unzureichend erscheint. Und Martha Gellhorn (1908 – 1998), die Vielgereiste, die hartgesottene Kriegsberichterstatterin und Autorin, nahm nicht wenige Mühen und Strapazen auf sich, um die Welt in ihrer unermesslichen Schönheit so weit als möglich zu ermessen: Die Amerikanerin wechselte ihre Wohnsitze und „möblierte Übergangswohnungen“ wie andere Menschen ihre Unterkleidung, eine Unsesshafte, eine Reisesüchtige von ihrer Kindheit in St. Louis an.

„Ich war mein ganzes Leben lang eine Reisende, angefangen in meiner Kindheit mit den Straßenbahnen meiner Geburtsstadt, die mich nach Samarkand, Peking, Tahiti, Konstantinopel transportierten. Ortsnamen waren der stärkste Zauber, den ich kannte. Und sie sind`s noch“, erinnert sich später die 70-jährige. „Und ich hatte seit meinem einundzwanzigsten Geburtstag wie verrückt darauf hingearbeitet, meinen Plan zu verwirklichen, überall gewesen zu sein und jedes und jeden gesehen zu haben und darüber zu schreiben.“

Bis zu ihrem siebten Lebensjahrzehnt war sie in 53 Ländern gewesen, schrieb Gellhorn im Vorwort zu diesem Buch: „Und „unter „gewesen war“ verstehe ich, daß ich mich lange genug dort aufgehalten habe, um etwas vom Leben, von Sitten und Gebräuchen zu erfahren. Eben nicht wie in Indien (das damalige Indien), als ich in Karatschi landete, einen schnellen Blick auf die Kühe und die armen gequälten Kinder warf und wie ein geölter Blitz zum Flughafen zurücklief – nichts wie weg.“

Nichts wie weg wollte Gellhorn auch in den „fünf Höllenfahrten“, von denen sie in diesem 1978 erstmals veröffentlichten Buch berichtete – doch die Umstände erlaubten das blitzartige Abreisen nicht. Zum Glück für die späteren Leser: Denn Gellhorn schreibt so temperamentvoll, so unterhaltsam und witzig über ihre katastrophalsten Reiseunternehmungen, dass ihre Schilderungen von Dauermärschen durch chinesischen Schlamm,  von schlechtem Essen, fürchterlichen Krankheiten wie der Chinafäule und Sonnenbränden, von sprachunkundigen Dolmetschern und wenig fahrtauglichen Reiseführern zu einem wahren Vergnügen werden.

Meist reiste sie nach dem Motto „Spring, bevor du schaust“, eine alte slawische Volksweisheit, die dem Buch als Zitat vorangestellt ist. So kann sie in den 1940er-Jahren ihren damaligen Ehemann Ernest Hemingway als zunächst „Unwilligen Begleiter“ (UB) davon überzeugen, sie auf eine recht kurzfristig angesetzte Reportagetour an die chinesisch-japanische Kriegsfront zu begleiten. Von der Front sehen die beiden Amerikaner, stets abgeschirmt vom chinesischen Kader, wenig. Von den politischen Verhältnissen – auch das schildert Gellhorn voller Selbstironie – haben sie im Grunde genauso wenig Ahnung: Den Revolutionär Tschu En Lai, den sie bei einem konspirativen Treffen kennenlernt, kennt sie nicht, erst später wird sie von seiner Rolle in der Kommunistischen Partei erfahren. Aber der „UB“ dagegen erweist sich als tüchtiger Diplomat, der bei den endlosen Festessen Reden schwingt, die Gastgeber unter den Tisch trinkt und auch einmal ein erschöpftes kleines chinesisches Pferd auf den Armen trägt statt auf demselben zu sitzen.

Spontan auch ihr Entschluss, in Moskau die Witwe von Ossip Mandelstam zu besuchen – ein einwöchiger Aufenthalt hinter dem Eisernen Vorhang, der sie schnell ernüchtert. Moskau empfindet sie als kalt, die Moskauer als ablehnend:

„Diese Stadt war wortwörtlich nicht von dieser Welt. Sie gehörte zu keiner Welt, die ich kannte, war nicht Teil Europas, war ganz und gar fremdartig. Entweder hatte der Krake Staat das Leben aus diesen Leuten herausgequetscht, oder sie versteckten sich hinter diesen freundlichen Gesichtern, mißtrauten einander, weil man nie wußte, wer denunzierte.“

Politisch nicht immer korrekt, oft auch mit dem Blick einer zwar liberalen, aber doch sehr amerikanisch geprägten Berichterstatterin, aber immer temperamentvoll, manchmal scharf und oft sehr komisch: So blickt die Reisende während ihrer Höllenfahrten auf die Welt. Nicht verschwiegen werden darf jedoch, dass dies auch ein Buch der Melancholie ist:

„Die Idee zu diesem Buch packte mich, als ich auf einem kleinen, verkommenen Strand am Westzipfel Kretas saß, umgeben von einem leckgeschlagenen Schuh und einem verrosteten Nachttopf. Um mich herum: Der Abfall unserer Spezies.“

In ihrem Nachwort bezeichnet die Literaturkennerin Sigrid Löffler Martha Gellhorn als eine der Letzten ihrer Art, als „Welt-Verschlingerin“:

„Martha Gellhorn war eine solche Enthusiastin des Reisens, und sie bereiste die Welt im gerade noch richtigen, im letztmöglichen Moment: noch abenteuerlich, noch exklusiv – knapp, ehe der globale Tourismus die ganze Welt mit seinen All-inclusive-Urlaubsparadiesen zurichtete.“

Martha Gellhorn erlebte als größtes Glück des Reisens stets die Momente der vollkommenen Einsamkeit: Berauscht vom Anblick des afrikanischen Sternenhimmels, vollkommen glücklich in einer abgeschiedenen Bucht in das Meer tauchend, sprachlos vom Anblick des ostafrikanischen Rift Valley. Es wird wohl kaum mehr Orte an der Welt geben, die vollkommen unberührt von Menschenhand sind, die noch nicht geprägt sind von den Auswüchsen unserer Zivilisation. Man findet dieses Glück des Reisens allenfalls noch in der Literatur – beispielsweise auf den Spuren Gellhorns.

Im Schweizer Dörlemann Verlag sind in den vergangenen Jahren einige ausgewählte Werke der Schriftstellerin und Journalistin erschienen – unter anderem „Reisen mit mir und einem Anderen“ sowie der Band „Paare – Ein Reigen in vier Novellen“, ungewöhnliche Liebesgeschichten, die ich ebenfalls empfehlen kann. Einige der Bücher gibt es auch als Taschenbuchausgabe beim Fischer Verlag.


Informationen zum Buch:

Reisen mit mir und einem Anderen. Fünf Höllenfahrten
Martha Gellhorn
Dörlemann Verlag
Aus dem Englischen von Herwart Rosemann
25,00 Euro
544 Seiten, gebunden mit Leseband
ISBN 9783908777830


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