Anatol Knotek: Das Buch mit den Seiten

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Bild von tookapic auf Pixabay

Der Verlag „TOPALIAN & MILANI“ ist immer wieder für eine ästhetische und literarische Überraschung gut. Bibliophile Menschen müssen an diesem Programm einfach ihre Freude haben. Der jüngste Coup aus dem unabhängigen Ulmer Verlagshaus: „Das Buch mit den Seiten“, ein Konzeptbuch des österreichischen Künstlers und visuellen Poeten Anatol Knotek.

Ein Buch, so vielseitig wie das Leben und Lesen.
Die Seiten des Lesens: Mal kommt die eine Seite gross raus, mal steht man kopf, mal ist man ein bisschen verrückt und eine muss sowieso immer die erste sein.

Ein Buch zum Innehalten, zum lustvollen Blättern, zum Schauen und Staunen und nicht zuletzt zum Schmunzeln.

„Das Buch mit den Seiten“: Es lebt nicht nur von einem wunderbar hintersinnigen und poetischen Konzept, sondern auch von buchgestalterischer Leidenschaft. Liebevoll bis in jedes Detail – vom tiefroten Vorsatzpapier, einem geprägten Umschlag bis hin zu Seiten, an denen tatsächlich Hand angelegt wurde:  So ist die Seite, die klammert, mit einer farblich passenden Büroklammer versehen.

Das bibliophile Kunstwerk, das zunächst in einer Auflage von 500 Stück im Buchhandel erschien, wird der Auftakt zu einer Knotek-Edition beim Verlag. Man darf gespannt sein, welche S(e)aiten da noch aufgezogen werden ….

Verlagsinformationen zum Buch:
http://www.topalian-milani.de/portfolio/das-buch-mit-den-seiten/

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Marco Kerler: Volkslyrik

Duve

Bild: (c) Michael Flötotto

Befürchtung
(Für mich)

Ich träumte von einer Messe
auf der ich einen Stand hatte
Und Leute in Scharen kamen
damit ich ihnen Gedichte schreibe

Nun sitze ich alleine hier
kleiner Stand auf einer Messe
und schreibe keine Gedichte
damit ich mehr von ihnen träume

Marco Kerler, aus: „Volkslyrik“, edition dreiklein, 2016

Über den türkischen Schriftsteller Yasar Kemal las ich unlängst, dass er sich in jungen Jahren, als er sich endlich den Kauf einer Schreibmaschine leisten konnte, als Straßenschreiber in einer Kleinstadt seine ersten Groschen verdiente. Er verfasste Briefe und Dokumente für Bauern, die nicht lesen und schreiben gelernt hatten. Dabei muss er auch, so stelle ich mir das vor, für manch einen auch eine Mischung aus Seelsorger, Beichtvater, Journalist und vielleicht ein Freund geworden sein – denn hier zum Schreiben unmittelbar auch das Gespräch, das Sprechen, das Zuhören, das Nachfragen und das Verstehen.

Er hat im besten Sinne den Volksmund erlebt – nicht umsonst erregten seine Erzählungen in der Türkei so großes Aufsehen, waren sie doch neu, modern und ungewohnt, weil nicht in einer Kunstsprache, sondern in der Umgangssprache der Landbevölkerung verfasst.

Ein wenig hat mich das Lyrik-Experiment des Ulmers Marco Kerler an diese Tradition der Stadtschreiber erinnert – und nicht von ungefähr lautet daher auch der Titel seines neuen Lyrikbandes (beim Verlag „edition dreiklein“ erschienen): „Volkslyrik“.

Im vergangenen März verlegte Marco Kerler seinen Schreibtisch in den öffentlichen Raum: Neun Tage lang, acht Stunden täglich, gab er auf der Ulmer Messe „Kunstschimmer“ richtiggehende Dichter-Sprechstunden: Jeder Messe-Besucher konnte ihn ansprechen. Ihm Gedanken, Wünsche, aber auch Sorgen und Ängste anvertrauen. Marco Kerler hörte zu und setzte das Gesprochene in Lyrik um – eine „Verdichtung“ des Lebens sozusagen.

Denn unter den 100 Gedichten, die nun im Band „Volkslyrik“ enthalten sind, findet sich das, was das Leben ausmacht: Freude, Trauer, Wut, Alltagsgrau und schöne Erinnerungen, Weinen, Schmunzeln, Lachen, manchmal aber auch einfach nur ein wenig müde Plattheit.

Beim Blättern und Lesen meint man fast schon, eine Ahnung von den Menschen zu bekommen, die mit Marco Kerler gesprochen haben. Die Gedichte, meist nur wenige Sätze, ja vielmehr Satzfragmente, zeichnen doch ein kleines Portrait von der jeweiligen Person, zumindest eine Momentaufnahme der Stimmungen.

So beispielsweise:

Strom
(Für Angustias Fernandez Garcia)

Am Haken
zappelig sein
ist meine Ungeduld
nicht frei

Ich möchte entwischen
den Farbströmen gleich

Dichten und mit der Sprache spielen, das beweist der Band zudem, ist weder eine Alters- noch eine Bildungsfrage: Auch im Gespräch mit ganz jungen Messebesuchern entstanden kurze Stücke, entstand „Volkslyrik“:

Familie
(Für Amelie – 12 Jahre)

Mit der Mama streiten
weil wir uns missverstehen
ist Familie
schnell wieder
vergessen

„9 Tage Messe, unzählige Kippen, 100 Gedichte und Kaffee“ später war das lyrische Live-Experiment beendet. Schön, dass sowohl Poet und Verlag bereit waren, die so entstandenen Gedichte nicht nur „in der Zeitneutralität des Papiers“ zu konservieren, sondern sie auch als überaus fein illustriertes Taschenbuch herauszubringen. Die auf die Gedichte und deren Stimmungen fein abgestellten Illustrationen stammen von Benjamin Baumann, die grafische Gestaltung von Marion Hartlieb.

Dass Marco Kerler auch sonst nicht im abgeschlossenen Dichterturm schreibt, sondern den Beat der Straße sucht, das wird an seiner Homepage deutlich:
http://www.marcokerler.de/

Und ebenso lohnt sich ein Besuch bei der „edition dreiklein“ – eine toll gemachte Internetseite und Bücher, die auch durch ihre Gestaltung ins Auge springen:
http://dreiklein.de/

Ein schöner Bericht über den Verlag – bestehend aus Marion Hartlieb, Martin Gehring und den Verlagskatzen Moses und Nini findet sich hier:
http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/ein-kleinverlag-aus-ulm_-die-edition-dreiklein-14410468.html

Lydia Daher: Kleine Satelliten

brief»(Das ist leicht zu verstehen und leicht auszuhalten. Aber niemand kann es verstehen und niemand kann es aushalten.) (Which is easy to comprehend and easy to cope with. Yet no-one seems to be able to understand or cope.)«

Alle Zitate aus: Kleine Satelliten, Lydia Daher / Warren Craghead III, MaroVerlag 2016.

Manchmal muss man sich ein großes Stück von der Welt entfernen, um sie wenigstens in Ansätzen zu verstehen. Vielleicht gerade in Zeiten wie den unseren: Von oben betrachtet, mit einem gehörigen Abstand, erscheint alles zwar nicht weniger chaotisch – aber über allem schwebend erringt man eine Art Souveränität und Distanz zu den Dingen.

 »Oder: Sieh, so zart meine Linie, dass sie an sich selbst zerbricht. Or: Look at my lines, tender enough to crush themselves.«  

Auf eine solche Reise nimmt einen die Lyrikerin und Musikerin Lydia Daher mit ihrem neuesten Buch, erschienen im Augsburger MaroVerlag, mit: „Kleine Satelliten“ ist ein Werk, das nur auf den ersten Blick filigran und minimalistisch wirkt. Wer sich mit diesen Text-Vignetten und den skizzenhaften Bleistiftzeichnungen von Warren Craghead III auf eine Reise begibt, der spürt bald die Kraft, die Melancholie, aber auch den Zorn und die Zweifel, die in diesen Zeilen stecken.

Schon bei vergangenen Arbeiten überschritt Lydia Daher Genre-Grenzen, tauschte sich mit Künstlern anderer Sparten aus, suchte die Zusammenarbeit. Für „Kleine Satelliten“ ließ sie „lines, snapshots and fragments“ in zwei unterschiedlichen Übersetzungen vom Deutschen in das Englische durch Lukas Wahden und Paul-Henri Campbell auf die Reise gehen. Adressat war der amerikanische Zeichner Warren Craghead III, der ebenfalls auch schon mit anderen Lyrikern und Schriftstellern „Kollaborationsprojekte“ und Gemeinschaftsproduktionen unternommen hatte.

»Ich werde nie aufhören schön zu malen, dich zu sehen auf Kosten des Lichts, in einer Verkettung von Tauschakten.« 

Von Lydia Daher hatte er eines auf den Weg mitbekommen: Sich völlig frei zu fühlen im Umgang mit ihren Texten, sie lediglich als Materialsammlung zu sehen – er könne kürzen, herauspicken, arrangieren und neu arrangieren. Craghead III unternahm jedoch etwas ganz anderes: Er sah die verschiedenen Übersetzungen, sah wie einzelne Wörter den Zeilen neue, andere Bedeutungen geben können, griff diesen Faden auf und „schrieb“ die Gedichte von Lydia Daher zeichnend weiter. So ist das Buch in drei Kapitel – deutsches Original sowie die beiden Übersetzungen – unterteilt und von Textfragment zu Textfragment kann man beim Betrachten nachvollziehen, wie das zunehmende Verständnis des Zeichners für die deutschen Zeilen sich in neue Kreativität umsetzt. Das Verweben von Text und Zeichnung, von verschiedenen Sprachen und deren unterschiedlichen Interpretationen – das führt zu einem feinen, rätselhaften Gewebe aus Sprach- und Bildkunst. Das Ineinanderfließen der sprachlichen Varianten verdeutlicht das spielerische Element, das auch Cragheads Illustrationen innewohnt. Am Ende schreibt der Zeichner an die Texterin: „So this project at times is like a beautiful confusion.“

»Und wieder ein sonnenfleckenfreier Tag, wo alles übergeht in Ideologie, in einen persönlichen Notfallplan.«

Die Gedichte Lydia Dahers – dem Buch übrigens als herausnehmbares Textblatt beigelegt – wirken selbst schon wie kleine Satelliten: Manchmal sieht man ein blinkendes Licht am Nachthimmel, weiß nicht, ob man sich täuscht, denn schon ist es wieder hinter einer Wolke verschwunden. Viel zu fern, um (be-)greifbar zu sein. Und doch irgendwie auch vertraut, man schickt einen kurzen Gruß nach oben…

Aus dem Gedicht „Kleine Satelliten“: „Einsam und am Wasser ging ich. Fing Stille. Streute sie aus. Denn falls ich verloren ginge man sollte mich finden.“

 »Once in a dream not far from here, my language vanished in pictures.«

Sprache und Bild gehen so einen Dialog ein, überlagern sich, kreuzen sich, lassen dem betrachtenden Leser (oder dem lesenden Betrachter) zugleich aber auch genügend Spielraum für eigene Reisen, für eigene Interpretationen und Deutungsmöglichkeiten. Zugleich zeigt dieser Gedicht- und Kunstband aber auch auf, was möglich ist, wenn sich zwei Künstler offen begegnen, wenn Mut zur Kollaboration besteht, wenn der eigene Anteil nicht für sakrosankt gehalten wird. „Die Grenze zwischen Text und Bild löst sich auf, Zeichnung wird Poesie und Worte werden zu Bildern“ ist im Verlagstext zu lesen – und in diesem Falle ist das tatsächlich nicht zu hochgegriffen: „Kleine Satelliten“ ist auch ein kleines Gesamtkunstwerk, das jedoch nicht nur bestaunt, sondern auch enträtselt werden will.

 »Ein Bild sagt: Es gibt hier nichts, was nicht vorher schon fehlte. An image speaks: There is nothing here that hasn’t been missing before.«

Das Buch erfreut auch durch seine überaus ansprechende Gestaltung durch den Verlag: Originell verpackt in Schweizer Klappenbroschur beinhaltet der Band zusätzliche Text-Beileger. Wer sich von den Satelliten packen lässt, kann zu dem einzelne Motive als Postkarten und Plakate erstehen. Oder sollte unbedingt eine der Performances von Lydia Daher besuchen.

Ein ausführliches Interview mit Lydia Daher zum Projekt führten Mitarbeiter der Kulturzeitschrift „Schau ins Blau“:
http://www.schauinsblau.de/6-transkulturalitaet-und-ethik/bild-and-ton/bildende-kunst/how-words-and-images-slip-in-and-out-of-each-other/

Informationen zu den beiden Künstlern und zum Verlag:

www.lydiadaher.de

www.craghead.com

www.maroverlag.de

Mehr zum Buch, den Plakaten und Postkarten:

Maro Verlag

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Stefan Zweig: „Die unsichtbare Sammlung“ und „Buchmendel“

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Illustration: Joachim Brandenberg, Offenbach. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

„Eigentlich schämte ich mich: Da war ich wie der Engel des Märchens in eine Armeleutestube getreten, hatte einen Blinden sehend gemacht für eine Stunde nur dadurch, daß ich einem frommen Betrug Helferdienst bot und unverschämt log, ich, der in Wahrheit doch als ein schäbiger Krämer gekommen war, um ihm ein paar kostbare Stücke abzujagen. Was ich aber mitnahm, war mehr: Ich hatte wieder einmal reine Begeisterung lebendig spüren dürfen in dumpfer, freudloser Zeit, eine Art geistig durchleuchteter ganz auf die Kunst gewandter Ekstase, wie sie unsere Menschen längst verlernt zu haben scheinen. Und mir war – ich kann es nicht anders sagen – ehrfürchtig zumute, obgleich ich mich noch immer schämte, ohne eigentlich zu wissen, warum.“

Stefan Zweig, „Die unsichtbare Sammlung“, 1927.

Zweig nannte diese Novelle „eine Episode aus der deutschen Inflation“: Sie handelt von einem Sammler, der Kunstblätter und Stiche Rembrandts, Dürers und Mantegnas in seinem Besitz glaubt. Was der alte Mann, ein erblindeter Kriegsveteran des deutsch-französischen Krieges, jedoch nicht weiß: All seine Kostbarkeiten wurden von Frau und Tochter verkauft, die wertvollen Blätter durch leeres Papier ersetzt. Die Not der Nachkriegszeit hatte die Frauen dazu gezwungen – doch die galoppierende Geldentwertung in den 1920er Jahren führt dazu, dass der Familie der kostbare Besitz förmlich zwischen den Händen zerschmilzt. Erzählt wird diese anrührende Geschichte aus der Perspektive eines Berliner Kunstantiquars, der sich eigentlich von der Fahrt in die sächsische Provinz erhofft, bei dem Sammler einige Stücke zurückkaufen zu können.

Rund um den alten Sammler versinkt die Welt – doch ihn, den Blinden, hält die Freude an seinen ideellen Reichtümern aufrecht: auch wenn er sie nicht mehr sehen kann, so ist es doch ihr Dasein, das ihn erfüllt.

„Unvergeßlich war mir der Anblick: dies frohe Gesicht des weißhaarigen Greises da oben im Fenster, hoch schwebend über all den mürrischen, gehetzten, geschäftigen Menschen der Straße, sanft aufgehoben aus unserer wirklichen widerlichen Welt von der weißen Wolke eines gütigen Wahns. Und ich mußte wieder an das alte, wahre Wort denken – ich glaube, Goethe hat es gesagt: »Sammler sind glückliche Menschen.«“

Oh ja, und wie glücklich! Denn in den Tagen rund um die Buchmesse, an denen beinahe inflationär Bücher bepriesen werden, an den Tagen der Buch-Inflation also, an denen auch deutlich wird, wie sehr das Buch eben auch Ware ist, erreichte mich ein besonderer Schatz. Man muss es mir nachsehen, wenn ich hier völlig ungehemmt schwärme: Aber in meinen Augen ist dieser Band mit zwei Novellen von Stefan Zweig aus dem erst 2015 gegründeten Verlag Topalian & Milani das schönste Buch des Jahres.

Die beiden Verleger machen ein, zwei Bücher pro Saison – diese aber mit völliger Hingabe und großer Liebe zum Detail. War schon „Die römische Saison“ von Lutz Seiler ein optisches und haptisches Juwel, so ist dieser Zweig-Band noch ansehnlicher und schöner geworden. Mit „Buchmendel“ und „Die unsichtbare Sammlung“ haben Rasmus Schöll und Florian L. Arnold zwei bekannte Novellen des Österreichers herausgegriffen, die in Zweig`scher Manier, melancholisch-menschenfreundlich, Sammler und Buchbesessene zum Inhalt haben.

Insbesondere im „Buchmendel“ wird von Zweig die Welt von gestern heraufbeschworen: die der ostjüdischen-galizischen Kultur, wie sie Zweig und Joseph Roth so eindrucksvoll beschrieben haben, die der untergegangen Welt des Kaffeehauses der Vorkriegszeit, die sich im Vielvölkerstaat Österreich durch Toleranz, Mehrstimmigkeit, Offenheit auszeichnete. Der Buchmendel, ein wandelndes Literaturlexikon, eine Koryphäe auf seinem Gebiet, nimmt, als sich die Zeiten langsam zum Schlechteren wenden, ein tragisches Ende. In den Wirren des Ersten Weltkriegs als Spion verdächtigt und interniert, wird er später im Kaffeehaus, seiner Lebensbasis, nicht mehr geduldet, stirbt an Auszehrung. Der Erzähler, der Jahre später auf Spurensuche geht, erinnert sich an diesen tragisch-komischen Menschen so:

„In diesem kleinen galizischen Büchertrödler Jakob Mendel hatte ich zum ersten Mal als junger Mensch das große Geheimnis der restlosen Konzentration gesehen, das den Künstler macht wie den Gelehrten, den wahrhaft Weisen wie den vollkommen Irrwitzigen, dieses tragische Glück und Unglück vollkommener Besessenheit.“

Zu Buchkunst wird diese Ausgabe durch die schwarz-weiß-Illustrationen, die Zweigs Novellen nicht nur kongenial interpretieren, sondern auch eigenständige Kunstwerke sind. Florian L. Arnold, der bei Sätze&Schätze mit seinem Roman „Die Ferne“ bereits als Schriftsteller verewigt ist, nähert sich der unsichtbaren Sammlung mittels einer grotesken Zeichensprache an – kleine Vignetten, großformatige Bilder, die beinahe an anatomische Studien angelehnt sind. Immer wieder schauen den Betrachter Augen an, so beispielsweise auf dem Titelbild. Als wolle der Illustrator Einblick in das menschliche Gehirn geben, aufzeigen, dass man eben nicht nur durch das Auge sieht. Der Blinde, der durch seine Bildersammlung blättert – eine tragisch-komische Erscheinung, die Arnold als Drama mit Tuschfeder und Elementen der Kupferstichtechnik, wie sie auch für die Novelle Zweigs prägend sind, umsetzt.

Direkter, aber nicht weniger eindrücklich in seinem Ausdruck ist Joachim Brandenberg, der „Buchmendel“ illustriert hat. Ein mit Stacheldraht umwickeltes Notizbuch, ein Portrait, bei dem Buchfetzen aus den Augen quillen, eine zerbrochene Brille – melancholische Bilder, die den Ton der Zweig-Novelle treffen, aufnehmen, weiterführen. Einen Eindruck von den Arbeiten des Illustrators und Buchkünstlers gewinnt man hier: http://joachimbrandenberg.de/

Abgerundet wird dieser Buchschatz durch ein Nachwort zu Stefan Zweig, einen Überblick über seine Veröffentlichungen sowie einen Abdruck seines Abschiedsbriefes vor dem Freitod am 22. Februar 1942.

Schön gestaltete Vorsatzblätter, Fadenheftung und die Papierauswahl machen dieses Bucherlebnis perfekt: Ein Schmuckstück, das mich restlos begeistert hat!

Wer einen Blick auf das Buch tun will:
http://www.topalian-milani.de/portfolio/stefan-zweig-buchmendel-die-unsichtbare-sammlung/

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