EDITION MAULHELDEN: Alfonsina Storni – Werkausgabe in fünf Bänden

Alfonsina Storni (1892–1938), geboren in Sala Capriasca TI, kam mit vier Jahren nach Argentinien und lebte von 1912 bis zu ihrem Freitod 1938 in Buenos Aires. Sie ist eine der wichtigsten Künstlerinnen Argentiniens vor dem Zweiten Weltkrieg und eine der eigenwilligsten Stimmen der lateinamerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Ihr Werk ist von Mythen über Leben und Tod überwachsen, die sich erstaunlich hartnäckig halten.

Ihr Werk lag nach ihrem Freitod unter dem weltbekannten Lied Alfonsina y el mar gewissermaßen begraben. Nun hat es Hildegard E. Keller erstmals vollständig ans Licht geholt: die erste deutschsprachige Werkausgabe zeigt eine Frau, die längst in den Kanon der großen Weltliteratur gehört. Der Tod oder gar die Neigung zum Suizid sei das Hauptmotiv in Stornis Lyrik – solche oft wiederholten Behauptungen zeigen eine Schlagseite des Mythos Alfonsina Storni und nur eine von vielen Verkürzungen. Sie zeigen die Nicht-Rezeption von Alfonsina Stornis Gesamtwerk. „Die Pionierin des Wortes, des Feminismus, die Frau, die für die Autonomie einer Künstlerin stand, wurde als Selbstmörderin stillgestellt“, so Hildegard E. Keller. Es sei an der Zeit für die Wiederentdeckung und Sichtbarmachung einer einzigartigen Kämpferin.
Ein besonders schönes Finale dieser Werkausgabe, die in Kellers Edition Maulhelden erscheint, bildet nun der eben erst erschienene fünfte Band: ULTRAFANTASÍA: Die Lieblingsgedichte der Lyrikerin und der Übersetzerin, viele davon zum ersten Mal auf Deutsch. Auch die Gedichte, die Alfonsina Storni bis heute zu einer der meistrezitierten Dichterinnen gemacht haben, sind in dem Band, den Hildegard Keller selbst illustriert hat, enthalten. Weitere Informationen gibt es im Flyer zur Werkausgabe.

Informationen zu Buch & Verlag:
Alfonsina Storni
ULTRAFANTASÍA.
Lieblingsgedichte.
Handverlesen, übersetzt, illustriert und mit
einem Nachwort von Hildegard Keller
Durchgehend vierfarbig, mit Lesebändchen.
256 Seiten. 29,00 € (D), 29,00 CHF, 29,00 € (A)
ISBN: 978-3-907248-10-2 

Edition Maulhelden
Zollikerstr. 265
CH-8008 Zürich
+41 44 382 21 53
info@maulhelden.ch

Im Rahmen meiner Pressearbeit für die Edition Maulhelden.

EDITION FAUST: Zum E.T.A.Hoffmann-Jubiläum – Der goldene Topf, illustriert von Alexander Pavlenko

In Frankreich wurde er früh zum Klassiker, im deutschsprachigen Raum hingegen blieb E.T.A. Hoffmann (1776-1822) der Rum lange verwehrt. Heute gilt Hoffmann als einer der wichtigsten deutschen Schriftsteller der Romantik. Der studierte Jurist war Musiker und Zeichner, Bekanntheit erlangte er jedoch als Verfasser ungeheuerlicher Geschichten wie „Der Sandmann“, die „Serapionsbrüder“ oder „Kater Murr“.
Passend zum 200. Todesjahr von E.T.A. Hoffmann erscheint dessen Novelle „Der goldene Topf“ in der Edition Faust in einer visuell herausragenden Neuausgabe. Ihre Bildwelt erfährt in den Illustrationen von Alexander Pavlenko eine zeitgemäße Interpretation. Pavlenko zitiert die im 19. Jahrhundert verbreitete Scherenschnitttechnik und ermöglicht einen neuen Blick auf Hoffmanns Klassiker mit all seinen Doppeldeutigkeiten.
E.T.A. Hoffmanns Novelle „Der goldene Topf“ entstand während seines Zwischenspiels in Dresden, wo Hoffmann zwischen 1813 und 1814 als Kappellmeister wirkte. Die Novelle war eine seiner ersten schriftstellerischen Erfolge und gilt als ein Höhepunkt der romantischen Literatur. Der Autor selbst bezeichnete das 1814 erschienene Werk als „Märchen aus der neuen Zeit“.
Sie handelt vom jungen Studenten Anselmus, der am Himmelfahrtstag in Dresden durch das Schwarze Tor rennt und in den Korb eines Apfelweibs hineinstolpert. Daraufhin lässt er sich an den Elbwiesen unter einem Holunderbusch nieder, als er plötzlich Stimmen zu hören glaubt. Anselmus blickt in die Augen der Schlange Serpentina und verliebt sich in sie. Kurz darauf wird ihm eine Stelle als Kopierer beim Archivarius Lindhorst angeboten, der in Wahrheit ein Salamanderfürst aus Atlantis und Serpentinas Vater ist…
E.T.A. Hoffmann erzählt Anselmus‘ Weg von Dresden nach Atlantis in einem stetigen Pendeln zwischen bürgerlich-rationaler Realität und der phantastischen Welt der Poesie.

Ebenfalls in diesem Bücherjahr ist in Zusammenarbeit mit Alexander Pavlenko die Graphic Novel FAUST bei der Edition Faust erschienen. Auch hier gelingt es dem international erfolgreichen Künstler Alexander Pavlenko es mit meisterlich gezeichneten Szenen wie aus einem kühnen Historienfilm, Goethes zentrales und exemplarisches Drama mit seinen verschiedenen Sphären, Milieus und Zeiten sinnfällig in entsprechenden Stilen zu visualisieren.

Stimmen zum Buch:

Im Podcast von Irmtraud Gutschke für Neues Deutschland

„Das großartige Zusammenspiel zwischen Illustration und Text haucht dem Buch neues Leben ein – ein guter Grund, diese besondere Geschichte wieder einmal zu lesen.“ – Esthers Bücher

„Die wunderschönen Illustrationen von Alexander Pavlenko sind eine wundervolle Ergänzung zur geschriebenen Geschichte.“ – Lesenswertes aus dem Bücherhaus

„Die in der Novelle heraufbeschworene Bildwelt erfährt in den Illustrationen von Alexander Pavlenko eine zeitgemäße Interpretation. Pavlenko zitiert dabei die im 19. Jahrhundert verbreitete Scherenschnitttechnik und ermöglicht einen neuen Blick auf E.T.A. Hoffmanns Klassiker.“ – Lesering.de

„Einzigartig durch Alexander Pavlenko illustriert: Romantisches Geplänkel in wohl geformten Schnitten, die organischen Formen ähneln. Beängstigende Szenarien mit bizarren Mustern. (…) Hoffmanns Erzählweise fordert den Leser und zieht ihn gleichzeitig in eine Welt voller Poesie. Die Abbildungen sind das optische Highlight dieser besonderen Ausgabe.“ – Karsten Koblo, aus-erlesen.de

Informationen zum Buch:
E.T.A. Hoffmann
Der goldene Topf
Illustriert von Alexander Pavlenko
Edition Faust, Frankfurt am Main, 2022
168 Seiten, Hardcover, 20,00 €
ISBN 978-3-945400-48-7
https://editionfaust.de/produkt/der-goldene-topf/

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für die Edition Faust.


MIRABILIS VERLAG: Layla aus dem Zauberwald

Wie wichtig ein schonender Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen ist, das zeigt sich immer deutlicher an den Auswirkungen des Klimawandels. Aber wie kann man auch Kinder für Umwelt- und Naturschutz begeistern?

„Layla aus dem Zauberwald“ bietet dafür einen märchenhaften Zugang. Das neu im Mirabilis Verlag erschienene Kinderbuch erzählt von Layla, die in einer kleinen Hütte in einem verzauberten Wald lebt. Ihre Freunde sind die Tiere, deren Sprache sie versteht, besonders aber die geheimnisvolle, weise Eule Windflug. Eines Tages bitten die Tiere aus der nahen Stadt Layla um Hilfe, denn die Menschen zerstören ihren Lebensraum. Und Layla begibt sich sofort auf den Weg …

Die zauberhafte Erzählung, die Kinder ganz sacht an die Fragen unseres Umgangs mit der Natur heranführt, stammt aus der Feder von NICOLE NICKLER. Sie wurde 1999 in Leipzig geboren, dort studiert sie für das Grundschullehramt. Die Geschichte von Layla aus dem Zauberwald ist ihr erstes Buch. Mit Ideen und Texten von Lisa Mannagottera.

Eine Augenweide nicht nur für die kleinen Leser, sondern auch für Erwachsene sind die Tuschezeichnungen von MUNTAHA AL-ROBAIY, die auch die Idee zu diesem Buch hatte. Sie wurde 1999 im Irak geboren und lebt seit ihrem zweiten Lebensjahr in Leipzig.

Bibliographische Angaben zum Buch:

Nicole Nickler
Layla aus dem Zauberwald
Ein Märchen für Kinder ab fünf Jahren
Mit 25 Tuschezeichnungen von Muntaha Al-Robaiy
Mirabilis Verlag, März 2022
72 Seiten, Hardcover, Fadenheftung, 19 cm x 24 cm
14,90 € [D] 15,40 € [AT]
ISBN 978-3-947857-06-7

Stimmen zum Buch:
„Gänzlich ohne Pathos, mit allgegenwärtiger Empathie bringt Nicole Nickler in ihrem ersten Buch die Probleme der Zeit auf den Punkt. Ein kleines Mädchen wird zur Retterin der Welt. Okay, ein bisschen Pathos darf es dann doch sein. Aber den erhobenen Zeigefinger sucht man vergebens.“ – Karsten Koblo bei aus-erlesen.de

„Es ist eine Ermutigungsgeschichte für Kinder, sich die Vermüllung ihrer Welt nicht gefallen zu lassen, sich nicht einschüchtern zu lassen von denen, die den schwindenden Reichtum unserer lebendigen Umwelt auch noch mit Füßen treten. Und dass die Geschichte einen gewissen orientalischen Charme hat, liegt natürlich an den Zeichnungen von Muntaha Al-Robaiy, mit denen das Buch reich bestückt ist. Lauter kleine Fensterchen in eine märchenhafte Welt, die eben nicht nur Fantasy ist, sondern die lebendige Welt neben uns. Das, was Kinder noch mit großen Augen bestaunen können, wenn sie es finden.“ – Ralf Julke, Leipziger Internet-Zeitung

„Mich hat die Geschichte mit ihren Tuschezeichnungen wie aus Tausendundeiner Nacht ganz in ihren Bann gezogen und ein einmaliges Leseerlebnis beschert. Umso schöner, wenn dabei noch für ein wichtiges Thema sensibilisiert wird.“ – Kinderbuchschatz.de

„Wer nach einer magisch behafteten Geschichte mit dem Thema Umweltschutz sucht, ohne den mahnenden Zeigefinger zu erheben, dem*der möchte ich gerne die wunderschöne Geschichte empfehlen.“ – Eine feine Rezension auf dem Blog „Fabulös wachsen“

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Mirabilis Verlag.

MIRABILIS VERLAG: Florian L. Arnold – Die Zeit so still

Literatur und Kunst verbinden sich auch in der zweiten Herbstnovität im Mirabilis Verlag in diesem Jahr zu einem Werk: Der Autor und bildende Künstler Florian L. Arnold legt mit der Novelle »Die Zeit so still«, die auf einem von ihm verfassten Hörspiel beruht, einen poetischen Text zum großen Thema unserer Zeit vor.

Das Buch:

Eine Straßenbahn an der Endhaltestelle: Der Fahrer liest in einem Buch, das lebenswichtig für ihn ist. Fahrgäste erwartet er seit langem nicht mehr. Doch in dieser Nacht steigt ein Fremder ein …
»Die Zeit so still« begleitet zwei außergewöhnliche Männer eine Nacht lang durch eine stumme Stadt in einer Zeit, in der nichts mehr so ist, wie es einst war. Mitgefühl und Menschlichkeit aber sind geblieben. – Florian L. Arnold schrieb diese Novelle sprachgewaltig, poetisch und bildstark.

»Die alte, unbeschadete Welt gab es noch, sie lag irgendwo unter einem einzigen Gedanken verborgen: Ich träume es. Jemand träumt es.
Es kam ihm vor, als zöge sich die ganze Welt zurück, als trete alles zurück hinter einen Vorhang aus Dunkelheit.«

Der Autor:

Florian L. Arnold, geboren 1977 in Ulm/Do., studierte Kunstwissenschaften. Der Nachtarbeiter mit österreichischen Wurzeln arbeitet als freier Zeichner und Schriftsteller sowie als Buchhändler und Verleger. Im Mirabilis Verlag erschienen von Florian L. Arnold bereits die Novelle »Ein ungeheuerlicher Satz« (2015) sowie die Romane »Die Ferne« (2016) und »Pirina«  (2019).
www.florianarnold.de

Die Lesevorlieben von Florian L. Arnold bei der Aktion „Auf ein Buch mit…“ des Börsenvereins: https://www.aufeinbuchmit.de/florian-arnold

Der Verlag:

Der Mirabilis Verlag ist ein unabhängiger Verlag mit Sitz in Miltitz bei Meißen (Sachsen) und wurde 2011 von Barbara Miklaw gegründet. Anliegen des Verlags ist es, Bücher zu veröffentlichen, die auch lange nach dem Lesen noch in Erinnerung bleiben – der besonderen Sprache, der tiefgehenden und berührenden Erzählung wegen. Programmschwerpunkt sind Erzählungen und Romane, oft in Verbindung mit bildender Kunst – Grafiken, Zeichnungen, Fotografien.

Meinungen zum Buch:

„Die Novelle „Die Zeit so still“ erzählt eine schaurig-schöne Geschichte, die dystopisch und unglaublich realistisch ist. Bemerkenswert ist dabei die Sprachgewalt des Autors genauso wie die ungewöhnliche Gestaltung dieses Buches. Es fällt mir schwer, mit meiner Rezension diesem Buch nur ansatzweise gerecht zu werden. Wer diese Geschichte nicht liest, dem entgeht etwas.“ – Renies Lesetagebuch

„Nachdrücklich bekräftigt die stilistisch meisterliche Novelle den Wert der Mitmenschlichkeit und der Erinnerung an unwiederbringlich Verlorenes.“ – Rainer Rönsch bei literaturkritik.de

„Arnold spielt mit Bildern, rekurriert auf Literatur von der Antike bis zur Moderne, manchmal versteckt, manchmal deutlich. Hier und da ist das etwas zu viel, zu gewollt. Dennoch beeindruckt die Novelle. Man kann, nein: man wird die gerade einmal 105 Seiten in kurzer Zeit und großer Spannung lesen. Und dann lässt es einem nicht so schnell wieder los.“ – Lothar Struck bei Glanz&Elend

„So wie Arnolds Protagonist sein Gefängnis verlässt und Freiheit findet, so öffnet sich auch der Horizont der Erzählung, findet von verengtem Thema der Pandemie zu zeitlosen Fragestellungen.“ – Jana Zahner, Südwest Presse

„Seine Sprache funkelt aber dann am hellsten, wenn er paradiesisch die Rückkehr der wilden Natur in dieser Stadt beschreibt.“ – Veronika Lintner, Augsburger Allgemeine

„Arnold versteht es auf eine einzelne Seite mehr zu packen, als manch anderer in ein ganzes Buch.“ – Buchtipp bei Radio Donau 3 FM

„Ich empfehle dieses schmale, erschütternde, bewegende und tief berührende Bändchen, das von Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Offenheit, Vertrauen und Courage im sich immer mehr zuspitzenden Grauen erzählt, sehr gerne weiter.“ – Blog Lieslos!

Florian L. Arnold: „Die Zeit so still“
Novelle
Klappenbroschur. Beinhaltet 6 Grafiken
Mirabilis Verlag 2020
https://mirabilis-verlag.de/
ISBN 978-3-947857-10-4

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Mirabilis Verlag.

Hans Fallada/Hans-Jürgen Gaudeck: Ich weiß ein Haus am Wasser

muritz-1775860_1920

Bild von Klaus Stebani auf Pixabay

„Ich war mit dem damals wohl knapp Vierjährigen über den kleinen in den großen Mahlendorfer See gerudert, und dort hatten wir auf einer jener kleinen, buschigen Inseln angelegt, die das ganze Jahr hindurch fast nie eines Menschen Fuß betritt. Ich liebe solche Inseln, sie erinnern mich immer an die Robinson-Träume meiner Knabenjahre. Wurde damals eine Lebenskonstellation gar zu schwierig, so flüchtete ich als Robinson auf eine Insel und wünschte mir nicht einmal einen Freitag!“

Hans Fallada in „Heute bei uns zu Haus“ – Carwitz und der Carwitzer See wurden darin in Mahlendorf umgewandelt.

Auch als erwachsener Mann beging Fallada immer wieder Landflucht, fand in der Ruhe des mecklenburgischen Landes Zuflucht, Heimat und Ruhe. Als gescheiterter Gymnasiast, nach dem dramatischen Suizid-Duell mit einem Freund, das nur er überlebte und nach einem langen Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt blieben dem jungen Rudolf Ditzen wenig berufliche Möglichkeiten offen. Sein Psychiater vermittelte ihm die erste Arbeit auf einem landwirtschaftlichen Gut – und die Freude an dieser durchaus schweren Arbeit, die behielt Ditzen ein Leben lang bei, selbst dann, als er als Erfolgsschriftsteller unter dem Pseudonym Hans Fallada firmierte.

Vor allem auf seinem kleinen Anwesen in Carwitz in Mecklenburg-Vorpommern, das er 1933 für sich, seine Frau Suse und die Kinder erstand, kam der von seinen Süchten und Ängsten gebeutelte Mann einigermaßen zur Ruhe. Davon spricht auch die Textauswahl aus den Romanen, Erzählungen und Briefen, die in diesem schönen Kunstband versammelt sind – autobiografische Schilderungen, die einen ganz „erdhaften“ Fallada zeigen, der Pilze sammelt, bei der Erdbeer-Ernte stöhnt und glücklich durch die Wälder radelt. Ganz beiläufig lässt der „Hans im Pech“ anklingen, was dies für ihn bedeutet:

„In Mahlendorf gibt es keine Langeweile. Kein Sommerferientag ist zu lang: Die Kinder finden ihre Beschäftigung. Sie spielen zwischen Torfmull, Kompost und Holz, jagen sich im Obstgarten, verstecken sich auf dem Heuboden, spüren Eier verlegenden Hühnern nach, rudern auf dem See, schwimmen im See, spielen mit dem Hund, rennen ins Dorf (…)
Ich habe eben wieder einmal Glück gehabt, grade als ich auf der Kippe stand.“

(Aus: „Heute bei uns zu Haus“)

Die Zitate erzählen sowohl von den Sorgen des Landmanns, beispielsweise von einer schlechten Erdbeerenernte, erfrorenen Obstbäumen und steiniger Erde, aber auch von der Lust des Landlebens, der Ruhe, dem guten Essen, der Befriedigung, die körperliche Arbeit mit sich bringt. Dies alles wurde stimmungsvoll von Hans-Jürgen Gaudeck in wunderbaren Aquarellen umgesetzt und eingefangen. Der Künstler und dessen Arbeit wurde nun auch bei Wolfgang Schiffer gewürdigt, der diesen schönen Bildband ebenfalls dieser Tage vorgestellt hat. Und unter www.gaudeck.com kann man noch mehr Arbeiten des Künstlers bewundern.

Wie Wolfgang Schiffer treffend schreibt:

„Mal fließend, mal flächig, mal getupft schreiben die Farben in den stets richtigen Schattierungen – von euphorisch leuchtend bis melancholisch gedämpft – die Stimmungen des Autors fort, lassen uns den Wechsel der Jahreszeiten erleben und beleben derart das Nachempfinden der tiefen Zuneigung, die Hans Fallada für dieses sein Haus am Wasser empfunden hat.“

„Ich weiß ein Haus am Wasser“ ist in der „edition federchen“ beim Steffen Verlag erschienen, in einer Reihe mit ebenfalls von Hans-Jürgen Gaudeck illustrierten Büchern, die sich unter anderem Eva Strittmatter, Theodor Fontane und Rainer Maria Rilke widmen.  Allein der Fallada-Band ist ein wirkliches Schmuckstück – und macht Lust darauf, nicht nur diese Seite des Schriftstellers zu erkunden, sondern vor allem den Landstrich, der ihm soviel Glück bescherte.

Verlagsangaben zum Buch:
http://steffen-verlag.de/literarische-geschenkbuecher/1162/ich-weiss-ein-haus-am-wasser

Spende? Gerne!

Wer das Engagement dieses Blogs unterstützen möchte, kann dies gerne mit einem Beitrag via Paypal tun. Oder ganz klassisch mit einer Überweisung, die Daten dafür finden sich im Impressum.

€5,00

Lydia Daher: Kleine Satelliten

brief»(Das ist leicht zu verstehen und leicht auszuhalten. Aber niemand kann es verstehen und niemand kann es aushalten.) (Which is easy to comprehend and easy to cope with. Yet no-one seems to be able to understand or cope.)«

Alle Zitate aus: Kleine Satelliten, Lydia Daher / Warren Craghead III, MaroVerlag 2016.

Manchmal muss man sich ein großes Stück von der Welt entfernen, um sie wenigstens in Ansätzen zu verstehen. Vielleicht gerade in Zeiten wie den unseren: Von oben betrachtet, mit einem gehörigen Abstand, erscheint alles zwar nicht weniger chaotisch – aber über allem schwebend erringt man eine Art Souveränität und Distanz zu den Dingen.

 »Oder: Sieh, so zart meine Linie, dass sie an sich selbst zerbricht. Or: Look at my lines, tender enough to crush themselves.«  

Auf eine solche Reise nimmt einen die Lyrikerin und Musikerin Lydia Daher mit ihrem neuesten Buch, erschienen im Augsburger MaroVerlag, mit: „Kleine Satelliten“ ist ein Werk, das nur auf den ersten Blick filigran und minimalistisch wirkt. Wer sich mit diesen Text-Vignetten und den skizzenhaften Bleistiftzeichnungen von Warren Craghead III auf eine Reise begibt, der spürt bald die Kraft, die Melancholie, aber auch den Zorn und die Zweifel, die in diesen Zeilen stecken.

Schon bei vergangenen Arbeiten überschritt Lydia Daher Genre-Grenzen, tauschte sich mit Künstlern anderer Sparten aus, suchte die Zusammenarbeit. Für „Kleine Satelliten“ ließ sie „lines, snapshots and fragments“ in zwei unterschiedlichen Übersetzungen vom Deutschen in das Englische durch Lukas Wahden und Paul-Henri Campbell auf die Reise gehen. Adressat war der amerikanische Zeichner Warren Craghead III, der ebenfalls auch schon mit anderen Lyrikern und Schriftstellern „Kollaborationsprojekte“ und Gemeinschaftsproduktionen unternommen hatte.

»Ich werde nie aufhören schön zu malen, dich zu sehen auf Kosten des Lichts, in einer Verkettung von Tauschakten.« 

Von Lydia Daher hatte er eines auf den Weg mitbekommen: Sich völlig frei zu fühlen im Umgang mit ihren Texten, sie lediglich als Materialsammlung zu sehen – er könne kürzen, herauspicken, arrangieren und neu arrangieren. Craghead III unternahm jedoch etwas ganz anderes: Er sah die verschiedenen Übersetzungen, sah wie einzelne Wörter den Zeilen neue, andere Bedeutungen geben können, griff diesen Faden auf und „schrieb“ die Gedichte von Lydia Daher zeichnend weiter. So ist das Buch in drei Kapitel – deutsches Original sowie die beiden Übersetzungen – unterteilt und von Textfragment zu Textfragment kann man beim Betrachten nachvollziehen, wie das zunehmende Verständnis des Zeichners für die deutschen Zeilen sich in neue Kreativität umsetzt. Das Verweben von Text und Zeichnung, von verschiedenen Sprachen und deren unterschiedlichen Interpretationen – das führt zu einem feinen, rätselhaften Gewebe aus Sprach- und Bildkunst. Das Ineinanderfließen der sprachlichen Varianten verdeutlicht das spielerische Element, das auch Cragheads Illustrationen innewohnt. Am Ende schreibt der Zeichner an die Texterin: „So this project at times is like a beautiful confusion.“

»Und wieder ein sonnenfleckenfreier Tag, wo alles übergeht in Ideologie, in einen persönlichen Notfallplan.«

Die Gedichte Lydia Dahers – dem Buch übrigens als herausnehmbares Textblatt beigelegt – wirken selbst schon wie kleine Satelliten: Manchmal sieht man ein blinkendes Licht am Nachthimmel, weiß nicht, ob man sich täuscht, denn schon ist es wieder hinter einer Wolke verschwunden. Viel zu fern, um (be-)greifbar zu sein. Und doch irgendwie auch vertraut, man schickt einen kurzen Gruß nach oben…

Aus dem Gedicht „Kleine Satelliten“: „Einsam und am Wasser ging ich. Fing Stille. Streute sie aus. Denn falls ich verloren ginge man sollte mich finden.“

 »Once in a dream not far from here, my language vanished in pictures.«

Sprache und Bild gehen so einen Dialog ein, überlagern sich, kreuzen sich, lassen dem betrachtenden Leser (oder dem lesenden Betrachter) zugleich aber auch genügend Spielraum für eigene Reisen, für eigene Interpretationen und Deutungsmöglichkeiten. Zugleich zeigt dieser Gedicht- und Kunstband aber auch auf, was möglich ist, wenn sich zwei Künstler offen begegnen, wenn Mut zur Kollaboration besteht, wenn der eigene Anteil nicht für sakrosankt gehalten wird. „Die Grenze zwischen Text und Bild löst sich auf, Zeichnung wird Poesie und Worte werden zu Bildern“ ist im Verlagstext zu lesen – und in diesem Falle ist das tatsächlich nicht zu hochgegriffen: „Kleine Satelliten“ ist auch ein kleines Gesamtkunstwerk, das jedoch nicht nur bestaunt, sondern auch enträtselt werden will.

 »Ein Bild sagt: Es gibt hier nichts, was nicht vorher schon fehlte. An image speaks: There is nothing here that hasn’t been missing before.«

Das Buch erfreut auch durch seine überaus ansprechende Gestaltung durch den Verlag: Originell verpackt in Schweizer Klappenbroschur beinhaltet der Band zusätzliche Text-Beileger. Wer sich von den Satelliten packen lässt, kann zu dem einzelne Motive als Postkarten und Plakate erstehen. Oder sollte unbedingt eine der Performances von Lydia Daher besuchen.

Ein ausführliches Interview mit Lydia Daher zum Projekt führten Mitarbeiter der Kulturzeitschrift „Schau ins Blau“:
http://www.schauinsblau.de/6-transkulturalitaet-und-ethik/bild-and-ton/bildende-kunst/how-words-and-images-slip-in-and-out-of-each-other/

Informationen zu den beiden Künstlern und zum Verlag:

www.lydiadaher.de

www.craghead.com

www.maroverlag.de

Mehr zum Buch, den Plakaten und Postkarten:

Maro Verlag

Spende? Gerne!

Wer das Engagement dieses Blogs unterstützen möchte, kann dies gerne mit einem Beitrag via Paypal tun. Oder ganz klassisch mit einer Überweisung, die Daten dafür finden sich im Impressum.

€5,00