Anatol Knotek: Das Buch mit den Seiten

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Bild von tookapic auf Pixabay

Der Verlag „TOPALIAN & MILANI“ ist immer wieder für eine ästhetische und literarische Überraschung gut. Bibliophile Menschen müssen an diesem Programm einfach ihre Freude haben. Der jüngste Coup aus dem unabhängigen Ulmer Verlagshaus: „Das Buch mit den Seiten“, ein Konzeptbuch des österreichischen Künstlers und visuellen Poeten Anatol Knotek.

Ein Buch, so vielseitig wie das Leben und Lesen.
Die Seiten des Lesens: Mal kommt die eine Seite gross raus, mal steht man kopf, mal ist man ein bisschen verrückt und eine muss sowieso immer die erste sein.

Ein Buch zum Innehalten, zum lustvollen Blättern, zum Schauen und Staunen und nicht zuletzt zum Schmunzeln.

„Das Buch mit den Seiten“: Es lebt nicht nur von einem wunderbar hintersinnigen und poetischen Konzept, sondern auch von buchgestalterischer Leidenschaft. Liebevoll bis in jedes Detail – vom tiefroten Vorsatzpapier, einem geprägten Umschlag bis hin zu Seiten, an denen tatsächlich Hand angelegt wurde:  So ist die Seite, die klammert, mit einer farblich passenden Büroklammer versehen.

Das bibliophile Kunstwerk, das zunächst in einer Auflage von 500 Stück im Buchhandel erschien, wird der Auftakt zu einer Knotek-Edition beim Verlag. Man darf gespannt sein, welche S(e)aiten da noch aufgezogen werden ….

Verlagsinformationen zum Buch:
http://www.topalian-milani.de/portfolio/das-buch-mit-den-seiten/

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Petra Gust-Kazakos: Gefahren des Lesens

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Bild von Daniel Nebreda auf Pixabay

„Bücher zu lieben, um ihres Inhalts oder ihrer selbst willen, ist an sich noch nicht gefährlich. Und wenn ich Ihnen nun sage, dass sowohl vom Lesen als auch von den Büchern Gefahren ausgehen, die sogar tödliche Folgen haben können, klingt das vielleicht übertrieben. Doch Bibliophilie kann zu einer höchst gefährlichen Liebschaft werden, wenn sie sich zur Bibliomanie auswächst.“

Petra Gust-Kazakos, „Gefahren des Lesens“, Verlag adson & fecit, 2016.

Bücher, in denen das Lesen und das Medium Buch beinahe schon reliquienhaft hervorgehoben werden, gibt es viele: Üppige Bildbände mit Aufnahmen prachtvoller Bibliotheken, Erlebnisberichte passionierter Buchhändlerinnen, Einblicke in die Schreibstuben berühmter Schriftsteller, Anthologien über die Liebe zum Buch. Man kann durchaus von einem eigenen Genre reden.

Aber keiner dieser Autoren sagt einem, dass das Lesen auch eine höllisch gefährliche Angelegenheit und das Buch eine tödliche Waffe sein kann. So hat eine Gesamtausgabe Ringelnatz beispielsweise im Hause Böllinger einen Zehennagel ruiniert. Einen Warnhinweis auf dem Schuber – „Achtung, diese Bücher könnten Ihnen auf den Fuß fallen“ – fand ich jedoch nicht. Ebenso wenig warnte mich jemand vor dem Unmut von Umzugshelfern, der durchaus zu psychisch belastenden Situationen führen kann.

Wer Bescheid wissen will, wieviel Gefahr so eine Ansammlung von Gedrucktem in sich bergen kann – der lese die Essays von Petra Gust-Kazakos. Vor richtigen, ernstzunehmenden und nachweisbaren Gefahren warnt die Bloggerin und Autorin in ihrem neuestem Werk – allerdings immer mit einem Augenzwinkern, kann sie doch ihre eigene Bibliomanie nicht ganz verbergen. Und so sind die Texte letzten Endes doch eines: Eine Liebeserklärung an das Medium Buch. Bereichert durch zahlreiche ernstzunehmende Daten und Fakten (keine fakes!), aber auch mit „Blüten“ und Anekdoten – insbesondere der Abschnitt über literarische Scherze hat es mir angetan.

„Gefahren des Lesens“, Ende 2016 beim Verlag adson fecit erschienen, ist ein  unterhaltsamer und kluger Ausflug zu den dunkleren Seiten dieser mindestens drittschönsten Sache der Welt. Wer den Blog von Petra verfolgt, der weiß schon ein wenig, wie sie schreibt: Intelligent, spritzig, klug und charmant. Und so ist auch „Gefahren des Lesens“ ein Sachbuch, das weder belehrend und mit erhobenem Lehrerfinger geschrieben noch staubtrocken im Ton ist. Sondern eines, das man als Bibliophilin respektive Bibliomanin mit einem kleinen Schmunzeln liest – erkennt man sich doch ab und an auch in den beschriebenen Eigenheiten von Viellesern gut wieder.

„Erfreut sich der gewöhnliche Leser (Lector communis) noch weitgehend allgemeiner Munterkeit, so sieht es für den belesenen Viel-Leser (Lector multiplex) trüb und trüber aus (…). Unter Artgenossen fühlt er sich wohl, anerkannt und ganz in seinem Element. Doch außerhalb dieser kleinen Gemeinschaft gilt er als Exot, seine natürlichen Lebensräume schwinden und seine Arterhaltung steht nicht im Mittelpunkt des Interesses, weder gesellschaftlich noch politisch noch sonstwie.“

Der Vielleser als bedrohte Art sucht sich daher Leidensgenossen – und findet die oftmals, in dem er zu bloggen beginnt. Aber auch da lauern Gefahren, wie Petra weiß – sei es, dass man vor lauter lesen, bloggen und kommentieren kaum mehr unter Menschen geht oder sich mit dem Blick auf Klicks und Statistiken unter Stress setzt und damit die eigentliche Lust am Blog verliert.

Allerdings sind das die kleineren Risiken und Nebenwirkungen, die mit dem Medium Buch zusammenhängen. Weitaus konkreter wird die Gefahr für „Leib und Leben“, wenn es um Schriftsteller und Journalisten in autoritären Staaten geht. Kann der Inhalt eines Buches zur politischen Waffe werden, lauert eine andere Gefahr in der Zensur. Dem ist ebenso ein Kapitel gewidmet wie dem Thema „Informationsfluß und Transparenz“. Petra schreibt anschaulich über wichtige Fragen, die man sich als Leser doch regelmäßig selbst auch vergegenwärtigen sollte – beispielsweise über die Entwicklung von Qualitätskriterien oder auch über den Einfluss von Kritik und öffentlicher Meinung auf die eigene Wahrnehmung beim Lesen eines Buches.

Vor der Gefahr, die unmittelbar von ihrem eigenen Buch ausgeht, hätte sie jedoch warnen müssen: Die zahlreichen Hinweise auf verlockende Lektüren, aus denen Petra Beispiele bringt, haben dazu geführt, dass „zwar nicht Angst essen Seele, aber Gier fressen Geldbeutel“ auf. Auch da wäre ein dicker Warnhinweis angebracht gewesen. Ansonsten aber finde ich die Einbandgestaltung gefährlich gut.

Zum Blog von Petra Gust-Kazakos:
https://phileablog.wordpress.com/

Verlagsangaben zum Buch:
https://adson-fecit.com/2016/07/29/gefahren-des-lesens/

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